Zoff in der Weltraum-WG?

Nein, eigentlich nicht: Astronauten und Kosmonauten der Internationalen Raumstation ISS verstehen sich wohl meist ganz gut. Schwierigkeiten machen die Bürokraten am Boden, so meinte jedenfalls der derzeitige Expedition-19-Kommandant Gennadi Padalka (Bild links) in einem Interview der russischen Zeitung Nowaja Gaseta. Mit kurios anmutenden Vorschriften versuchen die jeweiligen Bodenkontrollen die Beiträge ihrer Nation nur ihren eigenen Besatzungsmitgliedern zugute kommen zu lassen. Das führt zu "Grenzzäunen" innerhalb der internationalen Station, die im Zusammenleben der Besatzungen störend und unrealistisch sind.

So wurde dem Kosmonauten Gennadi Padalka untersagt, an amerikanischen Fitnessgeräten zu trainieren. Auch bei der Frage, welche Toilette man benutzt, gilt es die Nationalität zu beachten und schließlich soll auch das Essen nicht mehr geteilt werden. Statt dass die Amerikaner russische Küche probieren dürfen und umgekehrt, sollen die einzelnen Besatzungsmitglieder nur noch das Essen, was speziell für sie gepackt wurde. Wer erlebt hat, wie wichtig gerade der entspannte Austausch in der Küche für das Klima einer WG ist, kann ermessen, wie schon fast unmenschlich solche Vorschriften sind.

Laut Padalka fing diese Unsitte im Jahr 2003 an, als die chronisch unterfinanzierte russische Raumfahrtbehörde damit begann, die nichtrussischen Besatzungsmitglieder für russische Leistungen zur Kasse zu bitten. Statt die Recourcen der Station gemeinsam zu nutzen, wurde nun kleinlich abgerechnet. Die russische Raumfahrttechnik steckt allerdings in den achtziger Jahren fest. War sie wegen der Erfahrungen auf der MIR zunächst gefragt, gilt sie zunehmend als veraltet und die Kosmonauten nutzen nur zu gerne die modernere amerikanische Technik auf der Station. Hier greift nun die späte und kleinliche Rache der Bürokraten.
In der Weltraum-WG ist also eigentlich alles in Ordnung. Es sind die Hausbesitzer, die den Streit nach oben tragen. Wollen wir hoffen, dass die Astronauten und Kosmonauten über ihre Vorschriften einfach auch mal hinwegsehen. Sind sie erstmal oben, kann sie ja niemand rausschmeißen.

Quellen: universe today, yahoo, focus-online

Die Transformation der Venus

Die Venus macht gerade eine Transformation durch. Unser innerer Nachbarplanet wandelt sich vom Abend- zum Morgenstern. Den Rest des Jahres finden wir die Venus am Morgenhimmel. Am 27. März durchlief die Venus auf ihrer Bahn um die Sonne die untere Konjuntion, das heißt, sie bewegte sich zwischen uns und der Sonne. Seit dem steht sie westlich der Sonne und geht daher vor ihr am Morgenhimmel auf. Dies bleibt so, bis die Venus am 11. Januar 2010 ihre obere Konjunktion erreicht, also hinter der Sonne steht und wieder auf ihre östliche Seite vorrückt.

Warum ich das erzähle? Weil es eine wunderbare Animation gibt, die den Lauf der Venus als Morgenstern wunderbar darstellt: http://shadowandsubstance.com/ Auf dieser Webseite finden sich viele kleine Flash-Animationen zur Astronomie. Die momentan oberste zeigt den Lauf der Venus. Sie gibt die Position der Venus jeweils 45 Minuten vor Sonnenaufgang an. Dabei wird dann auch die Venusphase dargestellt, die, wie Galileo Galilei vor 400 Jahren feststellte, einen kompletten Zyklus durchläuft. Dabei variiert gleichzeitig die Größe der Venusscheibe. Nähert sich die Venusphase einer "Vollvenus", steht sie aus unserer Sicht zunehmend hinter der Sonne und ist somit weiter entfernt, ergo kleiner. Dieser Effekt zeigt in der Animation auch der Merkur. Da er der Sonne aber noch näher steht als die Venus, ist er nicht so leicht zu beobachten, wie man sich anhand der Animation gut vorstellen kann.

In der ersten Jahreshälfte "tanzt" die Venus am Morgen hübsch mit Mars. Der reicht sie zum Herbst an Saturn weiter, der aber wenig höflich einfach vorbeirauscht. Gut, dass ich freie Sicht nach Osten habe. Mein erster Blick am Morgen gilt nun der Venus.

Das La-Silla-Observatorium feiert seinen 40. Geburtstag

In den 50er Jahren regte sich unter den europäischen Astronomen der Wunsch nach einem Observatorium auf der Südhalbkugel der Erde, die ihnen den südlichen Sternhimmel erschließen sollte. Zu diesem Zweck wurde 1962 die Europäische Südsternwarte (European Southern Observatory, ESO) als multinationale Einrichtung geründet - Deutschland ist von Anfang an dabei. Zielstrebig begab man sich damals auf die Suche nach einem geeigneten Standort für die gemeinsame Sternwarte, Südafrika und Südamerika kamen in Frage. Kurz zuvor hatte die amerikanische Association of Universities for Research in Astronomy (AURA) in Chile das Cerro Tololo Inter-American Observatory errichtet. Die südlichen Anden hatten sich als hervorragender Standort erwiesen, so daß man sich auch bei der ESO für einen der Berggipfel dort entschied. Am 25. März 1969 wurde das Observatorium auf La Silla offiziell eingeweiht - zu diesem Zeitpunkt hatten bereits die ersten vier Teleskope dort ihr First Light erlebt.


Image Credit: ESO/C.Madsen

Eine Vielzahl an Teleskopen befanden und befinden sich noch immer auf La Silla, zeitweise waren bis zu 15 Teleskope gleichzeitig in Betrieb. Heute sind allerdings die Teleskope der 1-Meter-Klasse aus der Anfangszeit des Observatoriums außer Betrieb gestellt und man konzentriert sich auf die Arbeit mit dem ESO-3.6-Meter-Teleskop, dem 3.5-Meter New Technology Telescope NTT und dem 2.2-Meter-Teleskop der Max-Planck-Gesellschaft. Wer glaubt, seit der Eröffnung der zweiten chilenischen ESO-Sternwarte auf dem Cerro Paranal, dem Very Large Telescope mit seinen vier 8-Meter-Teleskopen, würde La Silla nur noch in der zweiten Liga der Astronomischen Observatorien spielen, der irrt. So hat man dort zum Beispiel mit dem High Accuracy Radial Velocity Planet Searcher HARPS eines der besten Instrumente zur Entdeckung extrasolarer Planeten.

40 Jahre sind eine lange Zeit, man bedenke auch die politischen Irrungen und Wirrungen, die das Gastland Chile seit 1969 durchgemacht hat. Wünschen wir La Silla also alles Gute und viel Erfolg für die nächsten 40 Jahre astronomischer Spitzenforschung.

Nachlesen kann man die Geschichte der ESO übrigens sehr gut in dem Bildband "Geheimnisvolles Universum - Europas Astronomen entschleiern das Weltall" von Dirk Lorenzen, der 2002 zum 40jährigen Jubiläum der ESO erschienen ist.

Wird Russland abgehängt?

Wenn 2010 die Ära des Space Shuttle endet, wird die amerikanische NASA erstmal eine schmerzliche Durststrecke durchlaufen. Bis zur Entwicklung des Raumschiff Orion wird das Personal der Internationalen Raumstation auf die russischen Sojus-Kapseln angewiesen sein. Wir Europäer sind es zwar gewohnt, nur im Taxi ins All zu gelangen, aber wenigstens konnten wir uns bisher das Taxi aussuchen. Hier feiert die russischen Weltraumtechnologie einen großen Triumph, könnte man meinen, doch ist dieser Triumph nur ein kurzzeitiger.

"Dabei stehen die Dinge in Russland mit den Sojus-Raumschiffen nicht so gut. Schön, dass die größte Bank Russlands, die Sberbank, nach nervenaufreibenden Verhandlungen doch eingewilligt hat, dem Raketenbauer Energija einen Kredit in Höhe von 2,9 Milliarden Rubel bis zum Herbst 2010 zu gewähren. Dadurch können einige Raumschiffe nach dem alten Modell gebaut werden. Doch was dann?"

So fragt Andrej Kisljakow in einem lesenswerten Beitrag der RIA Novosti, auf den ich hier hinweisen will: Kommt Russlands bemannte Raumfahrt vom Kurs ab?

Die Amerikaner werden mit ihrem neuen Constellation-Programm wohl erstmal alleine zum Mond zurückfliegen. Die Europäer sind zu recht stolz auf ihr System ATV, das zunächst mit einem Hitzeschutzschild für den Wiedereintritt in die Erdatmosphäre ausgestattet werden soll, um es dann eventuell sogar als bemanntes Raumflugsystem zu betreiben - endlich ein echtes europäisches Raumschiff. Hinzu kommt die Dynamik des wachsenden privaten Raumflugmarkt. Einen kleinen Eindruck davon vermittelt dieses jüngste PR-Video des Unternehmens Virgin Galactic, in dem vom Testflug des Trägers WhiteKnightTwo berichtet wird. Dieser Träger soll einmal das SpaceShipTwo in große Höhe bringen, von wo aus es sich ausklingt, um in den Weltraum durchzustarten:

So sehr also der Betrieb der ISS in den kommenden Jahren von Russland abhängig sein wird, so wenig Zukunftsweisendes kommt aus dem Mutterland der bemannten Raumfahrt. Zwar hat mich die Entwicklung und der erste Flug des europäischen ATV sehr begeistert, doch frage ich mich, ob es wirklich politisch klug ist, Russland so sehr abzuhängen. Europa sollte seine breiter gewordenen Raumfahrtschultern dazu nutzen, Russland als Partner auf Augenhöhe zu begegnen. Wie schreibt Andrej Kisljakow so schön:

"Da die Aufgaben der heutigen Raumfahrt hohe Ansprüche stellen, kann kein noch so mächtiger Staat sie allein meistern."

Ein Jahrhundertbild erstrahlt in neuem Glanz

Credit: NASA/LOIRP

Bevor die Astronauten des Apollo-Programms zum Mond flogen, schickte die NASA eine Serie unbemannter Spähern voraus. Es waren dies die Projekte Ranger, Lunar Orbiter und Surveyor - letztere Raumsonden landeten sogar auf dem Mond. Schließlich wollte man das Gelände möglichst gut vorab fernerkunden, bevor man Menschen zum Mond schickte.

Ein besonders gelungenes Bild aus dieser Zeit ist diese Jahrhundertaufnahme von Lunar Orbiter 2 aus dem Jahre 1966. Sie zeigt den Mondkrater Copernicus aus einer ungewohnten Perspektive, nämlich im Anflug aus 45,7 Kilometern Höhe über der Oberfläche. Solche historischen Aufnahmen werden derzeit restauriert und neu digitalisiert. Dahinter steckt das Lunar Orbiter Image Recovery Project (LOIRP), an der die NASA und verschiedene Privatfirmen beteiligt sind. Die Adresse zur sehenswerte Webseite dazu lautet: http://www.moonviews.com/
Ein interessantes Zeitdokument ist der Artikel aus dem Time Magazin zu dem Jahrhundertbild: A New Look at Copernicus vom 9. Dezember 1966. Der nahe Blick auf die Mondoberfläche war damals neu, doch solange wir nicht endlich wieder ernsthafte Mondforschung betreiben, haben wir heute kaum besseres zu bieten, als die alten Bilder im neuem Gewand.

Einstein Daheim

Radioteleskop Arecibo, Credit: Kevin McCoy

Mit circa zweihunderttausend Teilnehmern ist das Projekt Einstein@Home eines der größten Projekte zum verteilten Rechnen. Wer daran teilnimmt stellt via Internet seinen Rechner der Wissenschaft zur Verfügung, wenn er gerade sonst nichts zu rechnen hat. Seit 2005 suchen die Wissenschaftler mit der so gewonnenen Rechenpower in den Daten ihrer Detektoren nach den von Albert Einstein 1916 vorhergesagten Gravitationswellen. Aus deutscher Sicht daran beteiligt ist das Max-Planck-Institut für Gravitationsphysik (Albert-Einstein-Institut).

Von Einstein@Home kommt nun eine Meldung, die jeden astronomiebegeisterten Internetnutzer freuen dürfte: Wer beim verteilten Rechnen mitmacht bekommt nun auch Daten des weltberühmten Radioteleskop Arecibo, Puerto Rico, auf seinen Rechner übertragen. So kann nun jeder gewissermaßen mit dieser spektakulären 300-Meter-Schüssel ins All schauen, fast wie Jodie Foster in Contact. Und wozu das Ganze? Es geht darum, in den Arecibo-Daten Pulsare in Doppelsternsystemen nachzuweisen, die extrem geringe Umlaufzeiten haben, nämlich weniger als elf Minuten. Bei den Pulsaren handelt es sich um "Sternleichen" in Form extrem dichter Neutronensterne, die sich durch periodische Radiopulse bemerkbar machen. Umkreisen sich zwei solche Neutronensterne oder vielleicht sogar ein Neutronenstern und ein Schwarzes Loch, kann es zur Verschmelzung der beiden extrem dicht gepackten Körper kommen. Dabei, so hoffen die Forscher, werden Gravitationswellen erzeugt, die sich auf der Erde nachweisen lassen sollten. Indem nun die Nutzer von Einstein@Home helfen nach solchen Paaren zu fahnden, geben sie den Wissenschaftlern potentielle Ziele und eine Abschätzung über die Häufigeit solcher Ereignisse.

„Unser langfristiges Ziel ist der Nachweis von Gravitationswellen, aber kurzfristig hoffen wir zumindest einige neue Radiopulsare pro Jahr zu entdecken. Das wäre eine große Freude für die Einstein@Home-Teilnehmer und natürlich äußerst interessant für Astronomen. Wir gehen davon aus, dass die Teilnehmer gerne nach beiden Phänomenen fahnden werden“, erläutert Professor Bruce Allen, Leiter des Einstein@Home-Projekts und Direktor am Albert-Einstein-Institut in Hannover.

Also auf geht's: Einstein@Home installieren und den Computer mal was Sinnvolles machen lassen!

Quelle: Pressemitteilung MPI für Gravitationsphysik

Rücksturz zur Erde

Haben die beiden seitlichen Feststoffraketen am Außentank des Space Shuttle erstmal gezündet, gibt es kein zurück mehr. Sie heben die Raumfähre in den Orbit und brennen dabei aus wie Silvesterraketen. Aber was dann? Die beiden Booster sind wiederverwendbar und schweben am Fallschirm zurück zur Erde. Genau diesen Sturz kann nun in einem spektakulären Video der NASA verfolgt werden. Eine, an einem der beiden Raketen angebracht Kamera, zeigt zunächst den großen orangefarbenen Außentank. Von ihm löst sich die Rakete und stürzt in wilder Rotation zur Erde, bis sich die Bremsfallschirme öffnen. Es lohnt sich dabei den Ton lauter zu stellen.

Der zweite Teil des Videos erzählt die Vorgeschichte. Eine nun nach unten gerichtete Kamera zeigt den Start des Space Shuttles, der aus dieser Perspektive relativ unspektakulär wirkt. Interessant zu sehen ist, wie kurz vor der Zündung Wasser in das Becken unterhalb des Shuttles schießt. Das Wasser dient nicht dem Brandschutz, sondern nimmt die Schallenergie der Shuttle-Raketenmotoren auf.

Der Jupiter, die Sonne und ein CME: Was für ein Bild!

Der NASA-Sonde Stereo verdanken wir dieses grandiose Bild. Es zeigt, wie der Gasriese Jupiter mit seinen vier großen Monden im Schlepptau hinter der Sonne verschwindet. Darüber zeichnet sich ein koronaler Massenauswurf (Coronal Mass Ejection, CME) ab. Dieses Phänomen der Korona genannten äußeren Sonnenatmosphäre ist das eigentliche Ziel der Raumsonde Stereo. Dazu deckt der Koronograph der Sonde die Sonnenscheibe (weißer Kreis) und Teile der Atmosphäre ab. Diese Bauweise erlaubt es der Sonde relativ schwache Lichtquellen in unmittelbarer Sonnennähe zu beobachten, zum Beispiel Sterne bis zur 6,5 Größe.
In der Zeitvom 15. bis 16 März war es zufälligerweise der Planet Jupiter mit seinen vier Gallileischen Monden, der aus der Perspektive von Stereo hinter der Sonne verschwand. Genau genommen besteht die Mission Stereo aus zwei Raumsonden, wie der Name ja auch vermuten lässt. Eine der beiden Sonden eilt der Erde auf ihren Weg um die Sonne voraus, die andere folgt der Erde nach. Letztere Sonde heißt Stereo-B und ihr verdanken wir diese Aufnahme. Da die Sonde kontinuierlich die Sonne beobachtet, liefert sie von dieser kosmischen Begegnung nicht nur ein Bild, sondern ein komplettes Video, das zum Beispiel hier angeschaut werden kann oder, dank dem "schlechten Astronomen" Phil Plait, auch in dem Youtube-Player ganz unten auf dieser Seite. Der Film fast circa dreißig Stunden Beobachtung in Zeitraffer zusammen. Wer das nicht glaubt, prüfe dies anhand der Umlaufdauer der Jupitermonde.

Der Himmel im Gamma-Licht


Diese Karte zeigt das Universum in einem ungewohnten Licht, nämlich im Licht der Gammastrahlung. Dabei handelt es sich zwar um elektromagnetische Wellen, wie auch bei dem uns vertrauten sichtbaren Licht, doch sind die Lichtteilchen (Photonen) der Gammastrahlung um das rund 150 millionfache energiereicher. Bei den Quellen der Gammastrahlung muss es sich also um äußerst energiereiche Prozesse handeln. Die Karte entstand aus Daten, die vom Weltraumteleskop Fermi in drei Monaten gesammelt wurden. Die Bahn der Sonnne innerhalb dieser drei Monaten zeichnet sich auf der Karte ab. Damit die einzelnen Quellen der Gammastrahlung besser sichtbar sind, wurde für die Karte die Strahlenemission des interstellaren Gases in der Ebene der Milchstraße künstlich runtergerechnet.

Hier nun die Topfive der Gammastrahlen-Quellen innerhalb der Milchstraße:
  1. Die Sonne Sie fällt auf, weil sie durch ihre Bewegung vor dem Fixsternhintergrund eine Spur durch die Karte zieht. Die Gammastrahlung entsteht auf der ruhigen Sonne durch die Wechselwirkung schneller Teilchen mit der Sonnenatmosphäre. Wenn die Sonne in ihrer Aktivität zunimmt, bilden sich Strahlungsausbrüche (Flares), die Quelle von Gammastrahlung sind.
  2. LSI +61 303 Hierbei handelt es sich um einen 6500 Lichtjahre entfernten Doppelstern im Sternbild Cassiopeia. Das System besteht aus einem heißen B-Stern und einem Neutronenstern.
  3. PSR J1836+5925 Dies ist ein Pulsar, also ein rotierender Neutronenstern, der sich nur durch seine Gammastrahlung bemerkbar macht. Er befindet sich im Sternbild Draco.
  4. 47 Tucanae auch unter NGC 104 bekannt, ist ein gewaltiger Kugelsternhaufen im Sternbild Tucana. Der Kugelsternhaufen ist circa 15000 Lichtjahre entfernt.
  5. 0FGL J1813.5-1248 ist auf der Karte mit "unidentified" markiert und das ist genau das, was es ist: unbekannt. Ungewöhnlich ist das nicht, denn für über 30 helle Gammastrahlen-Quellen kennt das Fermi-Team kein Gegenstück in anderen Wellenlängenbereichen - noch nicht.
Die Topfive außerhalb unserer Milchstraße lautet:
  1. NGC 1275 ist eine 235 Million Lichtjahre entfernte Galaxie, die zum Perseus-Haufen gehört.
  2. 3C 454.3 ist eine Galaxie, die viel weiter entfernt ist als NGC 1275, nämlich 7,2 Milliarden Lichtjahre im Sternbild Pegasus. Dennoch ist sie viel heller. Es handelt sich um einen so genannten Blazar, eine aktive Galaxie, deren Kern ein supermassereiches Schwarzes Loch beinhalte. Von diesem weisen zwei Teilchenstrahlen (Jets) senkrecht zur Ebene der Galaxie in den Raum, wobei einer der Jets genau auf uns gerichtet ist.
  3. PKS 1502+106 ist ebenfalls ein Blazar, 10,1 Milliarden Lichtjahre entfernt im Sternbild Bootes. Während der dreimonatigen Beobachtung überstrahlte er zeitweilig 3C 454.3, verblasste aber dann wieder.
  4. PKS 0727-115 scheint Teil der galaktischen Scheibe zu sein, doch handelt es sich dabei vermutlich um einen 9,6 Milliarden Lichtjahre entfernten Quasar im Sternbild Puppis.
  5. 0FGL J0614.3-3330 Auch die Top-Five außerhalb unserer Galaxie hat ein "unidentified". Es befindet sich im Sternbild Columba und ist den Astronomen schon in den neunziger Jahren mit dem Weltraumteleskop "Compton Gamma Ray Observatory" aufgefallen.
Sirius, Canopus, Alpha Centauri, Arktur, Wega, Capella, Rigel, Procyon, Achernar, Betelgeuse - so klangvoll klingt die stellare Topten. Für ihr Licht ist unser Auge mehr oder weniger optimiert. Könnten wir Gammastrahlung sehen, hätten die zehn Objekte oben sicherlich auch klingendere Namen.

Vor dem Spacewalk Hände waschen nicht vergessen!

Gestern montierten die Astronauten Steve Swanson und Richard Arnold bei ihrem Außenbordeinsatz erfolgreich die letzten Solarpanelle an der Internationalen Raumstation. Dabei kam auch ein kleines mikrobiologisches Experiment zum Einsatz: LOCAD-PTS, das steht für Lab-On-A-Chip Application Development Portable Test System. Dahinter verbirgt sich also ein transportables mikrobiologisches Labor, das auf einem Biochip schnelle Analysen erlaubt. Und wozu soll das gut sein? Solch ein Labor sollen Astronauten eines Tages auf ihrem Flug zum Mars mit sich führen. Das kleine mobile Labor erlaubt es, kurz vor, während und nach einem Ausflug auf die Oberfläche des Planeten den Kontaminierungsgrad des Astronauten mit irdischen Mikroben zu prüfen. Dazu nimmt ein Kollege von den Handschuhen des Astronauten mittels einem Wattestäbchen eine Probe, die direkt mit dem Handgerät LOCAD-PTS analysiert werden kann. Schließlich wird der Astronaut mit diesem Handschuh geologische Proben des Mars anfassen und da will man natürlich schon wissen, welches Leben aus dem Stein und welches vom Handschuh kommt. In dem Bild oben sieht man, wie die Astronautin Sandy Magnus einem ihrer Kollegen gerade mit dem Gerät über die Handschuhe wischt.

Natürlich wollen die Wissenschaftler auch wissen, wie gut ihr Gerät unter Weltraumbedingungen funktioniert. Dafür haben sie die Struktur S6, die von den beiden Astronauten montiert wurde, vorher auf der Erde untersucht. Auf ihr finden sich kaum Bakterien. Allerdings konnten sie die Substanz Glucan nachweisen, ein Biomarker für Pilze. Insbesondere in dem Gewebe der Spanner, die zwischen den Handläufen angebracht sind konnten so indirekt Pilze nachgewiesen werden. Während des Außenbordeinsatz von Steve Swanson und Richard Arnold verfolgten die beteiligten Wissenschaftler genau, wie oft die beiden nach diesen Spannern griffen. Der Unterschied in der Greifhäufigkeit der beiden Astronauten sollte sich in der nachgewiesenen Glucan-Menge auf den Handschuhen niederschlagen. Leider steht eine detallierte Analyse dazu noch aus.

Die NASA scheint sich also ernsthaft Sorgen um eine Kontamination des Mars durch ihre Raumfahrer zu machen. Was die Verunreinigung von Proben anbelangt kann ich das nachvollziehen, ansonsten aber denke ich findet solch eine Kontamination sowieso statt.

Ringloser Saturn mit Monde

Große Version des Bildes: APOD Credit: NASA, ESA, Hubble Heritage Team (STScI/AURA)

Wer durch ein Teleskop mit eigenen Augen die Saturnringe sieht, wird wahrscheinlich zeitlebens von der Astronomie fasziniert sein - so hört man es zumindest öfters in den persönlichen Erzählungen der Astronomen. Blöd nur, dass der Saturn uns derzeit auf die Kante seines Ringes blicken lässt. Dies liegt daran, dass der Ring, genauso wie die Rotationsachse des Planeten selbst, raumfest ist. Im Laufe eines Saturnjahres zeigt die Rotationsachse daher mal in Richtung Sonne und mal von ihr weg. Je nach Stellung der Achse sehen wir dann den Ring mal von unten, mal von oben und eben auch mal auf deren Kante. Zu einer Ringkantenstellung kommt es alle 14 bis 15 Jahre.
Das besondere an diesem Bild, das es hier auch in groß zu sehen gibt, ist aber der gleichzeitige Transit von vier Monden des Saturn. Von links nach rechts sehen wir: Enceladus, Dione, der riesige orangefarbene Titan und schließlich ganz rechts Mimas. Die beiden Monde Enceladus und Dione werfen einen deutlichen Schatten auf Saturn.
Mit seinem Ring, bei dem es sich eigentlich um ein ganzes System aus Ringen handelt und seinen großen vielfältigen Monden ist der 120.000 Kilometer durchmessende Gasriese eine Welt für sich - wahrlich ein geeignetes Beobachtungsziel, um sich für die Astronomie zeitlebens zu begeistern.

Wer sieht den Jäger am besten?

Credit & Copyright: Globe at Night Project, UCAR, International Year of Astronomy 2009

Als ich dieses Bild gesehen habe, das es hier viel größer gibt, musste ich spontan an früher denken, als Otto Waalkes noch lustig war. Damals hatte er eine Parodie auf Putzmittelwerbung aufgeführt, die ging so: Eine typische Musterhausfrau schrubbt ihre Bude auf Hochglanz, eine Stimme aus dem Off teilt ihr mit, dass ihre Wohnung aber doch noch super schmutzig sei. Hysterisch schrubbt die Dame (es könnte auch ein Herr sein) weiter, doch die Stimme aus dem Off ist noch immer nicht zu frieden. Völlig ratlos sinkt sie in sich zusammen, wo denn hier noch Schmutz sei? Da kommt die Erlösung aus dem Off: "Raus!" Nur wenn die Hausfrau draußen steht, ist die Wohnung nicht nur sauber sondern rein und so steht sie draußen vor dem Fenster und freut sich an ihrer glänzenden Wohnung.

Soweit der Sketch. Mit der nächtlichen Lichtverschmutzung ist es ganz ähnlich wie mit der bakteriellen in der Wohnung. Sie ist da am geringsten, wo der Mensch raus ist. Das zeigt die Karte oben, die das Resultat zu dem Projekt Globe at Night 2008 zusammenfasst. Auf der Karte sieht man, wie leuchtschwach Himmelsobjekte sein dürfen, um noch wahrgenommen werden zu können. Hierbei wird die in der Astronomie übliche Magnituden-Skala benutzt, die "umgedreht" ist, also wie Schulnoten den hellen Sternen eine 1 verpasst und den schwachen eine 6. Wie beim Otto-Sketch gilt auch hier: Um so weniger besiedelt, also um so weniger Datenpunkte, desto reiner der Himmel - eigentlich nicht überraschend.

Nun sind wir wieder aufgerufen festzustellen, wie gut der Himmel über unseren Köpfen ist. Für Globe at Night sollen wir vom 16. bis zum 28. März feststellen, wie gut wir speziell den Himmelsjäger Orion sehen und dies online übermitteln. Hierzu bietet die Seite Globe at Night Karten an, die mit dem eigenen Himmelsanblick verglichen werden können. So kann jeder Beobachter leicht die so genannte Grenzgröße feststellen, also die Magnitude, bis zu der noch Sterne gesehen werden können. Man kann gespannt sein, wie sich der Himmel inzwischen geändert hat und wer weiß, vielleicht finden sich auch noch ein paar schöne Stellen auf unserem Kontinent, die noch einen Blick in das Universum erlauben.

Tycho Brahes neuer Stern

Credit: X-ray: NASA/CXC/SAO; Infrared: NASA/JPL-Caltech; Optical: MPIA, Calar Alto, O. Krause et al.

Am 11. November 1572 entdeckte der dänische Astronom Tycho Brahe im Sternbild Kassiopeia einen neuen Stern. Tycho Brahe gelang dabei der Beweis, dass es sich nicht um ein atmosphärisches Ereignis handeln konnte, denn er konnte keine Parallaxe messen. Damit zeigte er, dass der Fixsternhimmel nicht ewig unveränderlich ist, sondern Wandlungen unterliegt, wie die irdische Welt auch. Für ihn war das eine starke Motivation, den Himmel neu zu vermessen. Im Jahre 1573 publizierte Tycho Brahe seine Beobachtungen in dem Buch "De nova stella".

Wie wir heute wissen handelt es sich bei einer Supernova ironischerweise nicht um einen neuen Stern, sondern um das Ende eines alten. Das Bild zeigt den Supernovaüberrest SN 1572, wie er sich uns heute präsentiert. Dieses Bild setzt sich zusamnnen aus Aufnahmen im infraroten Spektralbereich des Weltraumteleskop Spitzer, Röntgenaufnahmen des Weltraumteleskops Chandra und im sichtbaren Bereich Aufnahmen mit dem 3,5-Meter-Teleskop der Max-Plank-Gesellschaft auf dem Calar Alto, Spanien.

Eine größere Version des Bildes findet sich hier:

http://apod.nasa.gov/apod/image/0903/tycho_chandra_big.jpg

Die Venus als zarter Regenbogen


Diese schmale Venus-Sichel wurde am 10. März von Sadegh Ghomizadeh aus Teheran mit einem 11-Zoll-Teleskop aufgenommen. Die Venus ist derzeit als Abendstern nach Sonnenuntergang über den Westhorizont sichtbar. Dabei sehen wir aus unserer irdischen Perspektive nur noch eine schmale Sichel. Das hübsche an dieser Aufnahme ist, der regenbogenartige Farbverlauf der Sichel. Dieser entsteht aber nicht in der Venus-, sondern in der Erdatmosphäre. Das Licht der tief stehende Venus durchläuft eine große Strecke durch unsere Atmosphäre, bevor es in das Teleskop fällt. Dabei wird das Licht gebrochen und da der Brechungswinkel von der Wellenlänge des Lichtes abhängt, spaltet sich für uns Beobachter das Venuslicht in Regenbogenfarben auf.

Quelle: spaceweather.com

Astronomie im grandiosen Niemandsland

Credit: Fred Kamphues/ESO

Die Europäische Südsternwarte ESO bietet allen Freunden riesiger Panorama-Aufnahmen neuen Stoff: Die Chajnantor Ebene in den chilenischen Anden. Hier entsteht in 5000 Metern Höhe das Atacama Large Millimeter/submillimeter Array (ALMA). Dabei handelt es sich nach Fertigstellung um ein circa 18 Kilometer durchmessendes Feld aus 66 Antennen für den Millimeter und Submillimeter Spektralbereich. Das Zentrum des Feldes soll dann in etwa der Bildmitte der Panorama-Aufnahme liegen. Das Vorläuferexperiment APEX (Atacama Pathfinder Experiment) ist links im Bild zu sehen. Eines beweist diese Aufnahme jedenfalls: Für ALMA müssen keine Bäume gefällt werden.

"Frau im Mond" - die Erfindung des Countdowns

Der Film-Klassiker Frau im Mond von Fritz Lang ist mindestens in zweierlei Hinsicht bemerkenswert. Zum einen war er einer der letzten Stummfilme aus Deutschland, zum anderen hatte der Regisseur Fritz Lang darin zum ersten mal versucht, einen Mondflug realistisch darzustellen. Dazu engagierte er den deutschen Raketenpionier Hermann Oberth als Berater. Dieser hatte im selben Jahr mit dem Buch "Wege zur Raumschiffahrt" auf sich aufmerksam gemacht. Zur Premiere in Berlin am 15. Oktober 1929 hätte das Team um Oberth eigentlich eine Rakete starten sollen, was ihm aber nicht gelang.

Bemerkenswert an dem Film ist der Start, denn wohl aus dramaturgischen Gründen, erfindet Fritz Lang hier den Countdown. Ich habe den Film, leider nur mit englischen Sprachsequenzen, hier mal eingebaut:

Die Rakete startet kurioserweise aus dem Wasser heraus. Heutzutage wird ein Wasserpool bei den Starts der Space Shuttle genutzt, um die Schallenergie zu mindern. Es handelt sich offensichtlich um eine mehrstufige Rakete. Tapfer, von Stufe zu Stufe, nähern sich die Astronauten der Fluchtgeschwindigkeit von 11,2 Kilometern pro Sekunde. Sie kreisen also nicht zuerst um die Erde, um dann zum Mond zu starten, sondern schießen direkt auf eine Mondbahn ein. Um die Beschleunigung abzufangen hat sich das Team Lang/Oberth gefederte Liegen ausgedacht, nur das Atmen gegen die Beschleunigungskräfte fällt schwer. Kurioserweise sind diese Liegen aber so dermaßen unergonomisch dem Bedienpult angepasst, dass es, wenn ich es richtig sehe, einem Astronauten sogar das Leben kostet. Ergonomie scheint damals kein Kriterium gewesen zu sein, wichtiger war scheinbar, dass man ordentlich gekämmt mit Krawatte startet. Da hat sich dann doch einiges getan, zwischen der Filmpremiere 1929 und Juri Gagarins Flug 1961. Geblieben ist aber immerhin der Countdown.

Mondtraum - Leben auf dem Mond


Gibt es intelligentes Leben auf dem Mond? Heute würde uns das sehr überraschen, denn es müsste sich zumindest in den Jahren des Apollo-Programms schon sehr gut versteckt haben. Im frühen 17. Jahrhundert sah das noch anders aus. Zur Zeit von Johannes Kepler wusste man sich diese faszinierenden kreisrunden Strukturen auf dem Mond nicht zu erklären - auf der Erde kannte man nichts vergleichbares. Die Idee, es könnten Steine vom Himmel regnen, erschien doch eher absonderlich. So erklärte man sich diese Strukturen zunächst als Vulkankrater und erst im 20. Jahrhundert als Einschlagskrater kleinerer Himmelskörper.

In seinem 1609 entstandenen Sciencefiction-Roman Somnium (Der Traum) hält Johannes Kepler eine andere Idee für plausibel: Die Mondbewohner rammen einen Pfahl in den Boden, befestigen daran eine viele Kilometer lange Schnur und Zirkeln damit einen Kreis ab. Entlang des Kreisumfangs schütten sie einen riesigen Wall auf - ähnlich wie wir es heute von den steinzeitlichen Kreisgrabenanlagen kennen, nur eben im Riesenformat. Der Sinn dieses Unternehmens liegt darin, dass die Bewohner nun fortwährend dem Wall entlang wandern können. So befinden sich die Bewohner während des zwei Wochen dauernden grellen Tags fast immer im Schatten - eine wahrlich intelligente Verhaltensanpassung an die Gegebenheiten des Mondes.

Der Roman Somnium könnte durchaus auch ein Anlass sein, nicht nur 400 Jahre Astronomie mit dem Teleskop zu feiern, sondern auch 400 Jahre Sciencefiction, denn mit diesem merkwürdigen Roman bezweckt Johannes Kepler etwas, was meiner Meinung nach gute Sciencefiction ausmacht. In Form einer Geschichte zwingt Kepler seine Leser zu einem Perspektivwechsel. Er schildert nicht einfach eine Reise zum Mond, sondern er lässt den Leser die Erde vom Mond aus wie einen Himmelskörper betrachten. Die Erde ist gewissermaßen ein Spiegelbild des Mondes. Für seine Bewohner zieht die blauweiße Kugel vor dem Fixsternhimmel durch den Tierkreis. Mit der Lektüre dieses Romans schult der Leser also seine kopernikanische Weltsicht, er macht sich anschaulich und auf unterhaltsame Weise mit der Idee vertraut, dass die Erde nicht im Mittelpunkt des Universums ruht.

Die moderne Wissenschaft, geboren in Keplers Zeit, erzwingt ständig den Perspektivwechsel. Geozentrismus, Anthropozentrismus und andere Einschränkungen des Denkens erscheinen unangemessen. Wer forscht sieht die Welt je nach Gebiet mal aus der Perspektive der Atome, der Mikroben, der Käfer (für die Gott, wenn es ihn gibt, einen besonderen Faible hat, denn er hat ja fast nichts anderes erschaffen) oder betrachtet gar die Erde wie ein ganzes Lebewesen. Und auch in der Erforschung des Weltalls mit seinen riesigen Weiten und langsamen zeitlichen Abläufen ist der Wissenschaftskundige gezwungen ständig seine gewohnte Sicht aufzugeben.
Mitreißende, anschauliche Geschichten im Stile von Keplers Somnium bereiten die Fantasie und das Vorstellungsvermögen des Leser auch heute noch auf den Perspektivwechsel vor, den der wissenschaftliche Fortschritt erzwingt. Als moderne Autoren hierfür fallen mir spontan Alastair Reynolds und Stephen Baxter ein - beide übrigens Naturwissenschaftler.

Das NASA-Bild oben zeigt übrigens den nach Johannes Kepler benannten Mondkrater. Zu diesem Text angeregt hat mich das Buch Helden des Himmels von Christian Pinter.

Erstes Licht für Europas Riesenteleskop - zumindest fast

Credit: ESO/H.H.Heyer

"First Light" ist für Astronomen das, was für Neuwagenkäufer die erste Spritztour ist: Der große Moment, dem man lange entgegen fiebert. Europäische Astronomen fiebern dem ersten Licht des E-ELT (European Extremly Large Telescope, also: verdammt großes europäisches Teleskop) entgegen. Dieses Teleskop, das sich noch in der Planungsphase befindet, soll einmal einen Primärspiegel von 42 Metern Durchmesser haben. Dies ist ein gewaltiger Schritt gegenüber dem heutigen Stand von 8,2 Metern am VLT (Very Large Telescope, also: ganz schön großes Teleskop) der Europäischen Südsternwarte (ESO) in Chile. Anders als die vier Teleskope des VLT wird der Primärspiegel von E-ELT nicht aus einem Stück bestehen, sondern aus mehreren sechseckigen Segmenten, die wie Bienenwaben aneinandergelegt die Spiegelfläche bilden. Insgesamt 984 Waben sollen dann den 42-Meter-Spiegel bilden. Das Bild oben zeigt einen Spiegel aus 61 solcher Segmente. Klickt man zur Vergrößerung auf das Bild, sieht man die Grenzen der Segmente auf dem Spiegel. Dieser Prototyp hatte am 6 Dezember 2008 sein erstes Licht, montiert am Teleskop Menipal des VLT. Ziel dieses so genannten Active Phasing Experiment ist es, die Feinsteuerung der Segmente zu testen, denn damit diese wie ein Spiegel "aus einem Guss" zusammenarbeiten, müssen sie mit einer Präzission im Nanometerbereich gesteuert werden.

Teilchenphysik und Kosmologie - in der Astronomie treffen die Extreme aufeinander. Dasselbe gilt auch für die Technik der Astronomen: Um ein riesiges Instrument von 42 Metern Durchmesser brauchbar nutzen zu können, muss man seine Teile im Nanometerbereich ansteuern können.

Kepler und die Exoplaneten

Credit: Jon Lomberg

Der erfolgreiche Start des Weltraumteleskop Kepler ist ja nun keine Neuigkeit mehr. Mit diesem Teleskop der NASA wollen die Wissenschaftler dreieinhalb Jahre lang circa hunderttausend Sterne kontinuierlich beobachten. Periodische Veränderungen in der Lichtkurve sollten dann erdgroße Exoplaneten kenntlich machen, die sich durch ihren Transit vor ihr Muttergestirn verraten. All dies und viel mehr kann man auf der sehr informativen Webseite zur Kepler-Mission nachlesen: http://kepler.nasa.gov/

Gestern hatte ich eine künstlerische Darstellung der Struktur unserer Milchstraße als U-Bahn-Plan gezeigt. Heute, weil es so gut passt, zeige ich mit dem Bild oben die künstlerische Darstellung der Blickrichtung, die das Weltraumteleskop Kepler für die nächsten dreieinhalb Jahre einnimmt. Das Bild stammt von Jon Lomberg, ein Künstler, der für seine genialen astronomischen Illustrationen bekannt ist. Er arbeitete auch schon mit dem berühmten Carl Sagan zusammen und hat auf Hawaii die Form unserer Milchstraße gartenbaulich umgesetzt: Galaxiegarten

Wie das Blickfeld des Weltraumteleskop Kepler an unserem Nachthimmel aussieht, zeigt folgende Abbildung der NASA:


Das Bild zeigt das Sommerdreieck zwischen den drei hellen Sternen Deneb, Wega und Altair. Kepler schaut in einem Bereich zwischen Deneb und Wega. Wenn also in den nächsten dreieinhalb Jahren eine zweite Erde entdeckt wird, dann da.

Oder gibt es die zweite Erde schon? Bei der inzwischen doch beträchtlichen Zahl an Exoplaneten ist man für jede Übersicht dankbar. Die Planetary Society bietet hierfür einen Catalog of Exoplanets an. Der besondere Clou dabei: Man kann jeweils zwei Exoplanetensysteme auswählen und sie dann in einer kleinen Animation direkt miteinander vergleichen - vorsicht Suchtgefahr!

Blog-Teleskop #21

Heute ist es wieder an mir, das Blog-Teleskop auf die deutschsprachigen Astronomie-Blogs zu richten. Anders als bei meinem letzten Rundblick, hat sich in manchen Blogs in den letzten vierzehn Tagen sehr viel getan, so dass ich mir teilweise einfach die Rosinen rauspicke. Wer will kann ja gerne selbst tiefer in diese lebendigen Blogs einsteigen.
  • Der Erbauer des Blog-Teleskops Florian Freistetter würdigt im Astrodicticum Simplex am Internationalen Frauentag deren Leistungen für die Himmelskunde: Frauen in der Astronomie. Noch sind wir nicht so weit, dass wir auf solch einen Blogbeitrag verzichten können.
  • Eine wirklich kuriose, aber trotzdem ganz reale Meldung bietet Florian in: Wissenschaft per Gesetz: Pluto wird in Illinois wieder zum Planet
  • Ernsthafter geht es in seinem Beitrag Wurden Gravitationswellen schon vor 22 Jahren entdeckt? zu - ein schönes Stück Wissenschaftsgeschichte über die Arbeit des Phyikers Joseph Weber.
  • Weiter geht es hinterm Mond gleich links, denn Ludmila Carone beschäftigt sich mit etwas vermeintlich abseitigen: Science Fiction, genauer mit dem Roman Anathem von Neal Stephenson.
  • Neben der Science Fiction hat sie als Planetenwissenschaftlerin eine besondere Freude an Raumsonden. Die Realisierung des einen Projekts, das sie vorstellt ist leider unsicher: Die Raumsonde der Woche: DARWIN und die andere gerade beendet: Chang'e 1: Ende mit einem Knall
  • Apropos, als Kölnerin berichtet sie quasi vor Ort: Historisches Stadtarchiv eingestürzt. Das hat zwar nun nichts mit Astronomie zu tun, aber es ist der Schwere des Ereignisses durchaus angemessen, hier nochmals auf ihren Beitrag zu verlinken.
  • Daran, dass Astronomie tatsächlich etwas mit dem Himmel über uns (und mit Musik) zu tun hat und nicht nur im Internet stattfindet, erinnert regelmäßig Frank Leitner in Asterythms. Zum Beispiel seine Beobachtung des Kometen Lulin oder, was ich persönlich ganz toll finde, seine Serie von Venus-Aufnahmen. Was hätte Galileo Galilei dafür gegeben, wenn er diese Bilder der Venus-Phasen seinen vatikanischen Richtern auf den Tisch hätte knallen können? Obwohl, ob das genützt hätte? Bis jetzt hat noch jedem die Bischofsmütze die Blutzufuhr zum Hirn abgedrückt.
  • Aber nicht nur Frank Leitner, auch Jan Hattenbach gehört zu den Bloggern, die noch selber gucken. In seinem Blog Himmelslichter verabschiedet er sich, nein, nicht von Lenin: Goodbye Lulin. Zuvor aber gab es ein großes "Aber Hallo!" Wie Jan berichtet, wurde der Asteroid 2008 TC3 gefunden!, der nach kurz zuvor erfolgter Vorhersage aus dem Himmel des Sudan fiel.
  • Astronomie mit eigenen Augen betreibt auch Stefan Oldenburg, sofern der Himmel klar ist. Sein Blog Clear Skies klingt da beinahe wie ein Stoßgebet. In seinem Beitrag Der "Goldene Henkel" stellt er eine sehenswerte Formation auf dem Mond vor.
  • Von einer Überraschung in den Ringen weiß Lars-C. Depka zu berichten. In seinem Blog Cassini&Co berichtet er von einem neuen Saturnmond, der gleich als Quelle des G-Ring ausgemacht wurde. Bei der Gelegenheit berichtet er auch von neuen Erkenntnissen über das Titan-Wetter.
  • Sah man früher vor lauter Vordergrundsterne die Deep Sky Objekte nicht, sieht man heute den Himmel nicht mehr vor lauter Galaxien. So, etwas arg flappsig formuliert, macht sich der Übergang von Sternen zu Galaxien bemerkbar, wenn man tief in den Raum schaut. Viel besser erklärt das Leonard Burtscher in seiner Promotion mit Interferenzen: Galaxien noch und nöcher
  • Ein gefundenes Fressen für den Blätterwald war die Kollison der beiden Satelliten Iridium 33 und Cosmos 2251. Wie lange die Journalisten auf die nächste schöne Raumfahrtaktionstory warten müssen, fragt sich Michael Khan: Wann kracht's wieder? - erschienen in seinem Raumfahrt-Blog Go for Launch.
Wer nun all diese Blogs besucht und womöglich noch andere Beiträge in den Blogs liest, hat eine schöne Beschäftigung für den trüben Sonntag. Dennoch freue ich mich über jede Ergänzung via Kommentar. Schließlich lerne auch ich gerne neue Astroblogs kennen, auf die dann möglicherweise das nächste Blog-Teleskop ausgerichtet wird.

Wenn uns Ludmila schon mit Science Fiction kommt, möchte ich an dieser Stelle mal Werbung machen für den Podcast Schriftsonar. Neue Folgen erscheinen zwar recht selten, aber das macht nichts, denn die älteren bleiben ja hörenswert, solange man noch an die besprochenen Bücher kommt.

Ältere und zukünftige Ausgaben des Blog-Teleskops sind hier bei Astrodicticum Simplex gelistet.

Galaktische Verkehrsbetriebe AG

Von U- und S-Bahn-Plänen geht ein eigentümlicher Reiz aus. In ihrer radikalen Funktionalität abstrahieren sie jede Stadt, reduzieren sie auf ein Schema und sind dennoch hübsch anzusehen. Wer einen solchen Plan studiert und als Gast oder Einwohner auswendig lernt, kann seine Fahrt zwar frei planen, aber weiß doch nichts über den Ort. Ähnlich geht es den Menschen mit ihrer näheren kosmischen Umgebung und so war es für Samuel Arbesman an der Zeit, für diese galaktische Stadt einen Plan zu entwerfen.

Wie ein U-Bahn-Plan zeichnet der Plan der Galaktischen Verkehrsbetriebe (Milky Way Transit Authority) die grobe Struktur und die großen Verlaufslinien der Milchstraße nach. Dies vor allem in Form der vom Zentrum ausgehenden Spiralarme, z.B dem Sagittarius-Arm oder dem 3-kpc-Arm.

Der Vergleich des Plans mit einer Art physischen Karte, die natürlich auch nur ein Modell ist, liefert diese Abbildung:


Es lohnt sich dieses Bild im Großformat anzuschauen: APOD

Jedenfalls weiß ich nun, mit welcher Linie ich von unserer Sonne (Sol) zu einem meiner Lieblingsobjekte am Himmel komme, nämlich dem riesigen Kugelsternhaufen M 13. Schade, dass wir nichts über den Tarif erfahren. Ob ich mit einem 24-Stunden-Ticket hinkomme?

Eine kompakte Gruppe wechselwirkender Galaxien

Credit: NASA, ESA and R. Sharples (University of Durham, U.K.)

Dieses heute veröffentlichte Bild zeigt drei Galaxien, deren enge Nachbarschaft dazu führt, dass sie sich gegenseitig gravitativ in ihrer Morphologie beeinflussen. Die Aufnahme gelang mit der Advanced Camera for Surveys (ACS) des Weltraumteleskop Hubble. Die drei Galaxien sind Teil der aus insgesamt vier Galaxien bestehenden kompakten Galaxiengruppe mit der Bezeichnung HCG 90. Der HCG-Katalog geht auf den Astronomen Paul Hickson zurück. In ihm solche stark miteinander wechselwirkenden Galaxienansammlungen verzeichnet. HCG steht dabei für Hickson Compact Group.

Diese Gruppe befindet sich in circa einhundert Million Lichtjahre Entfernung im Sternbild Piscis Austrinus. Die Galaxie links oben (NGC 7173) und die Galaxie rechts unten (NGC 7176) sind zwei typische Vertreter staub- und gasarmer elliptischer Galaxien. Dazwischen befindet sich die Galaxie NGC 7174, deren dunkles Staubband sich deutlich abhebt. Es handelt sich wohl um eine verstümmelte Spiralgalaxie, die durch die gravitative Gezeitenwirkung ihrer Nachbarn zerissen wird.

Schaut man sich das Bild genau an, erkennt man im Hintergrund unzählige Galaxien in kosmologischer Entfernung. Im Vergleich dazu ist HCG 90 fast so etwas wie ein Nachbar . Wer das Bild gerne riesengroß, als Hintergrundbild oder zoombar anschauen will, wird hier bei spacetelescope.org fündig.

(Quelle: spacetelescope.org)

Plutos kuschelige Atmosphäre

(Pluto mit Mond Charon und Sonne, künstlerische Darstellung, ESO)

Wer auf Pluto der stickigen Sommerhitze im Tal entgehen und kalte frische Bergluft genießen will, wird enttäuscht. Anders als auf unserer Erde, wo mit jedem Höhenkilometer die Temperatur um sechs Grad fällt, steigt sie auf Pluto um 3 bis 15 Grad je Kilometer. So kann man der Minus 220 Grad Celsius kalten Oberfläche entgehen, indem man sich möglichst hoch in die Atmosphäre begibt, die "nur" noch Minus 180 Grad Celsius kalt ist. Die Pluto-Atmosphäre, das sei an dieser Stelle gesagt, ist mit einem Luftdruck von 0,015 mbar im Vergleich zur Erdatmosphäre allerdings äußerst dünn.

Der Zwerplanet Pluto hat gerade mal einen Durchmesser von 2300 Kilometern. Schon in den 1980ziger Jahren war bekannt, dass er dennoch eine Atmosphäre aus Stickstoff mit Spuren von Methan und Kohlenmonoxid besitzt. Dies folgt aus Sternbedeckungen, bei denen Pluto vor Hintergrundsternen vorbeizieht. Die Änderung der spektralen Zusammensetzung des Sternlichtes lässt dann Rückschlüsse auf die Atmosphäre zu. Auch der Effekt der Temperaturinversion war dank der Methode der Sternbedeckung bereits bekannt, allerdings nur für den oberen Bereich der Atmosphäre. Astronomen der europäischen Südsternwarte haben nun mittels dem Spektrographen CRIRES (CRyogenic InfraRed Echelle Spectrograph) neue Daten vorgelegt. mit diesem Instrument, das an einem der Teleskope des Very Large Telescope auf Paranal in Chile montiert ist, können die Astronomen die Pluto-Atmosphäre komplett erfassen. Die Temperaturinversion ist demnach nicht nur ein Phänomen der oberen Atmosphäre. Mit einer mittleren Temperatur von Minus 180 Grad Celsius ist die gesamte Atmosphäre Plutos "heißer" als seine Oberfläche.

Die Atmosphäre entsteht durch die Sublimation von Eis. Ähnlich wie ein Komet eine Corona ausbildet, wenn er sich der Sonne nähert, schwankt auch die Sublimationsrate des Methan- und Stickstoff-Eis und damit der Atmosphärendruck Plutos mit seiner Entfernung von der Sonne. So, wie das verdampfende Wasser beim Schwitzen den menschlichen Körper kühlt, führen die entstehenden Gasmoleküle Wärmeenergie von der Planetenoberfläche ab und kühlen sie dadurch. Auf unserer Erde wärmt der von der Sonenstrahlung erhitzte Boden die Atmosphäre von unten. Dieser Effekt spielt bei der großen Entferung Plutos zur Sonne und seiner dünnen Atmosphäre keine Rolle.

Die Astronomen testen verschiedene Modelle, wie das Eis auf Pluto vorliegt. Sind es planetenweite Schichten oder "Eisschollen"? Wenn im Jahr 2015 die Raumsonde New Horizons am Pluto vorbeifliegt wissen wir sicherlich mehr und können deren Aufnahmen mit den aus der Entfernung gewonnenen Daten vergleichen.

(Quelle: ESO und arXiv:0901.4882)

Knapp vorbei ist auch daneben: Asteroid 2009 DD45

Heute schlidderte ein immerhin 30 bis 40 Meter großer Asteroid nur knapp an der Erde vorbei. Dieser kosmische Gesteinsbrocken ist von seiner Größe vermutlich mit demjenigen vergleichbar, der für das Tunguska-Ereignis verantwortlich war. Die größte Annäherung hatte 2009 DD45 um 14:40 Uhr MEZ mit gerade mal 74800 Kilometer Entfernung, also in etwa der doppelten Höhe geostationärer Satelliten oder einem fünftel des Weges zum Mond.

Zu dieser Tageszeit war er natürlich leider für uns nicht zu sehen. Ganz anders in Australien:



Der Asteroid wurde erst drei Tage zuvor von Robert McNaught vom Siding Spring Observatory in Australien entdeckt. Wer sich für die Bahndaten (Ephemeriden) interessiert wird hier auf der Seite des Minor Planet Center fündig.

Nachtrag zum Video: Das Video stammt von Dave Herald aus Canbera, Australien. Er schreibt dazu:
"The field is about 15 x 10 arc mins. The triangle of stars near the center of the field are at RA 9h 57m 22s, -51d 50.8' (you can find them in GoogleSky). The asteroid was moving at 488"/minute, and obviously increasing in speed over the 30 mins I was able to observe it before the cloud came in. Instrumentation was a 14" Meade, 3x focal reducer, Watec120N+ video camera integrating at 4 frames."
Quelle: Der koffeinierte Astronom

Leben zum Mars: Phobos-Grunt

Credit: NASA/JPL

Während die einen nach Leben auf dem Mars suchen, schicken es die anderen hin. Die geplante russische Mission Phobos-Grunt soll den Marsmond Phobos besuchen und dabei Proben zur Erde zurück transportieren. Die circa dreijährige Reisezeit zum Mars und zurück zur Erde soll dazu genutzt werden, die Wirkung des interplanetaren Raumes auf verschiedene Lebensformen zu testen. Mit dabei sind Pilze, Bakterien und Pflanzensamen. Die Mission startet laut Wikipedia im Oktober 2009.

Die amerikanische Planetary Society ist mit einem eigenen Experiment an Bord: LIFE, das steht für Living Interplanetary Flight Experiment. Dabei handelt es sich um eine etwa Handteller große Dose, die dreißig Probenbehälter enthält. Zehn verschieden Organismen sollen damit in jeweils drei Behältern die lange Reise antreten. Kommen sie zur Erde zurück, werden wir mehr darüber wissen, ob Organismen Weltraumbedingungen überstehen können oder nicht. Dies ist interessant zum Beispiel im Hinblick auf die Panspermie-Theorie, nach der das Leben irgendwo im Universum entstanden ist und dann durch das Weltall auf die junge Erde gebracht wurde. Klappt es mit dem Rückflug von Phobos nicht, bleibt den dreißig Organismen der Planetary Society wohl nichts anderes übrig, als den Phobos zu besiedeln - was aber wohl kaum möglich ist.

Die Planetary Society gibt allen drei Domänen des Lebens eine Chance: Archaebakterien, Bakterien und Eukaryoten. Als Botschafter der letzteren wird unter anderem ein unglaubliches Tier auf die Reise geschickt, das Bärtierchen. Diese milimetergroßen Achtbeiner haben ein eigenes Journal mit interessanten Informationen ("
Bärtierchen sind drollig und absolut harmlos") und ein eigenes Verbundforschungsprojekt: Funktionelle Analyse dynamischer Prozesse in cryptobiotischen Tardigraden (Funcrypta). In diesem kryptischen Titel steckt das entscheidende Wort, das die Bärtierchen so interessant macht: Kryptobiose, ein Zustand zwischen Leben und Tod, oder wie es in dem Bärtierchen-Journal heißt:
"Wirklich mirakulös ist allerdings die Fähigkeit der Bärtierchen, einzutrocken und nach Zugabe von etwas Wasser wieder zum Leben zu erwachen."
In diesem Zustand der Kryptobiose lässt sich keinerlei Stoffwechsel mehr feststellen, die Tierchen erscheinen im Mikroskop als so genannte Tönnchen. In dieser Ausgabe des Bärtierchen-Journals ist eine schöne Bilderserie zu sehen, die zeigt, wie solch ein Tier nach Zugabe von Wasser aus dem Tod erwacht - ein Vorgang, der bis zu 15 Minuten dauert.

Für die Bärtierchen-Astronauten in ihrem Tönnchen wäre ein Flug zum Mars mit Phobos-Grunt nicht der erste Ausflug ins All. Sie flogen bereits für die europäische Weltraumbehörde Esa am Bord einer Foton-M3-Kapsel: Zähe Mikroben überleben im Weltraum.

Vertraut man dem Bärtierchen-Journal, sind diese kleinen Wesen "drollig und absolut harmlos". Sollten sie beim Scheitern der Mission Phobos-Grunt unfreiwillig als Boten vom Blauen Planeten auf den Mars regnen, wäre dies als erster Kontakt zwischen den Welten vielleicht gar nicht so schlecht.

Buchtipps