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Wie die Sterne zu ihren Namen kamen

Das Universum ist voller Sterne: Aufnahme von Julian Zoller


Rund 5.000 Sterne sind unter besten Sichtbarkeitsbedingungen mit bloßem Auge zu sehen, aber nur wenige von ihnen tragen klangvolle Namen aus der klassischen Antike. Während die nördlichen Sternbilder, unsere Sonne, der Mond und die Planeten die Welt der babylonischen und römisch-griechischen Mythologien wiederspiegeln, wurden den einzelnen Sternen offensichtlich nur wenig Aufmerksamkeit geschenkt.

Wie immer bestätigen Ausnahmen die Regel, wie zum Beispiel die klassischen Sternnamen Antares und Sirius zeigen. Antares, der hellste Stern im Sternbild Skorpion, verdankt seinen Namen seiner farblichen Ähnlichkeit mit dem Mars (griechisch Ares). Antares ist aber nicht nur rötlich, sondern auch nahe der Ekliptik, so dass sich Ares und Antares gelegentlich begegnen. Sein Name bedeutet wohl so viel wie „Rivale des Mars“, vielleicht weil man sie gerne miteinander verwechselt.

Der Mangel an Eigennamen heller Sterne fiel wohl auch den Astronomen des arabischen Mittelalters auf, die das griechische Standardwerk der Astronomie in ihre Sprache übersetzen. Der Almagest des Claudius Ptolemaios (60 bis 140 n.Chr.) enthielt das astronomische Wissen seiner Zeit. Bei der Übertragung ins Arabische reicherten die Astronomen das Werk um zahlreiche Sternnamen an, die uns heute noch geläufig sind. Manche von ihnen sind leicht an der Vorsilbe „Al-“ zu erkennen, die einfach nur unserem Artikel „der“ entspricht: Aldebaran, Alderamin, Algol, Alnilam, Alphard sind Beispiele für diese Eigennamen. Aber auch die Eigennamen Enif und Deneb sind arabischen Ursprungs. Bei der Rückübersetzung des arabisch tradierten Almagest in das Gelehrtenlatein des spätmittelalterlichen Europas kam es zu unfreiwilligen Verballhornungen, denen wir so schöne Sternnamen wie Zubenelgenubi (die südliche Klaue des Skorpions) verdanken.
Leider sind die so tradierten Namen der Sterne weder eindeutig noch verbindlich. So wird der Stern, der die nordöstliche Ecke des Pegasus-Quadrat markiert, manchmal Alpheratz und manchmal Sirrah genannt.

Das Sternbild Andromeda aus dem Werk Uranometria von Johann Bayer. Der im Text angesprochene Stern Alpha Andromedae (Alpheratz, Sirrah) ist am linken Ohr der Prinzessin Andromeda zu sehen.


Einen bis heute nachwirkenden bedeutenden Schritt zu einer systematischen Bezeichnung der Sterne vollbrachte der Augsburger Jurist und Amateurastronom Johann Bayer (1572-1625). Er bezeichnet die Sterne nach dem Sternbild in dem sie stehen und gemäß der Abfolge ihrer Helligkeit mit griechischem Buchstaben. Der Stern Sirrah, bzw. Alpheratz heißt in dieser Bayer-Notation Alpha Andromedae, abgekürzt Alpha And.

Auch wenn es dank Johann Bayer und späteren Astronomen für jeden hellen Stern gleich mehrere systematische Namen gibt, wäre es doch sinnvoll, bei den wohlklingenden Eigennamen eine gewisse Verbindlichkeit herzustellen. Zuständig für diese Art himmlischer Systematik ist die Internationale Astronomische Union (IAU). Diese fachwissenschaftliche Organisation hatte zu Beginn des 20. Jahrhunderts schon einmal kräftig aufgeräumt, indem sie im Jahre 1928 exakt 88 Sternbilder mit festgelegten Grenzen als verbindlich erklärte und so den Wildwuchs an Sternbildern bändigte.

Im Mai 2016 veröffentlichte die IAU eine Liste mit 227 Sternen, die nun einen verbindlichen Eigennamen tragen.  Wichtige Kriterien die dabei Berücksichtigung fanden waren unter anderem: Es werden Namen aus einem Wort, statt Doppelnamen bevorzugt, die arabische Vorsilbe Al wird zum Namen dazu genommen (also zum Beispiel Alnath, statt Al Nath) und es dürfen keine Sterne nach Personen benannt werden. Für die letzte Regel gibt es übrigens eine lustige Ausnahme. Die Sterne Sualocin und Rotanev im Sternbild Delfin sind die rückwärts geschriebenen Namen des Astronomen Nicolaus Venator.

Das Sternbild Orion mit den Namen der hellsten Sterne aus dem Kosmos Himmelsjahr. Die beiden hellen Sterne Beteigeuze und Bellatrix markieren die Schultern, Rigel und Saiph die Knie des Himmelsjähgers. Auch die Gürtelsterne tragen Namen.


Natürlich wird man nicht von der Himmelspolizei verhaftet, wenn man einen Stern anders nennt, als von der IAU empfohlen. So wird man den hellen Stern in der Schulter des Orion im deutschsprachigen Raum wohl weiter Beteigeuze nennen, statt wie international üblich Betelgeuse (siehe auch die Sternkarte oben). Im deutschen Schriftgebrauch ist auch die Verwendung des Buchstaben K üblicher, als das C, weshalb wir wohl weiter auf Deutsch Kapella, Kanopus und Kastor schreiben, anstatt Capella, Canopus und Castor.

Anbei eine kleine Auswahl an nun offiziellen Eigennamen der Sterne mit ihrer Bezeichnung in Bayer-Notation und Varianten, die wohl nicht auszumerzen sind:


IAU Empfehlung
Variante
Bayer-Notation
Alkaid
Benetnasch
Eta UMa
Alpheratz
Sirrah
Alpha And
Altair
Atair
Alpha Aql
Arcturus
Arktur
Alpha Boo
Elnath
Alnath
Beta Tau
Rigil Kentaurus
Toliman
Alpha Cen
Vega
Wega
Alpha Lyr

Das Problem der Namensfindung betraf bisher nur helle Sterne. Es gibt aber auch Sterne, die nicht aufgrund ihrer Helligkeit interessant sind, sondern wegen ihrer Astrophysik oder anderer Geheimnisse, die sie verbergen. Dazu gehören auch diejenigen Sterne, um die ein Planet nachgewiesen wurde. Es wäre doch schade, wenn wir für diese Exoplaneten nicht schöne Namen finden würden. Dann müssten wir im Zuge ihrer weiteren Erforschung nicht immer nur spröde Katalogbezeichnungen verwenden. Die Zahl der Exoplaneten geht allerdings in die Tausende, so dass es schlicht nicht möglich ist, sie alle zu benennen.

Im Zuge der Feuerlichkeiten zum hundertjährigen Bestehen der IAU haben sich die Astronomen daher etwas besonderes einfallen lassen: Jeder Mitgliedstaat der IAU bekam einem Stern mit einem Exoplaneten zugeordnet, für die dieses Land Namen vorschlagen durfte. Deutschland bekam den vierhundert Lichtjahre entfernten Stern HD 32518 im Sternbild Giraffe zugeschrieben. In einem Wettbewerb gewann der Vorschlag einer Schulklasse aus Neckargmünd bei Heidelberg: Mago soll der Stern heißen und sein nachgewiesener Planet Neri. Das klingt merkwürdig, hat aber einen schlauen Hintergrund: Mago ist ein Nationalpark in Äthiopien, durch den der Fluss Neri fließt. Der Nationalpark dient unter anderem dem Schutz der Giraffen, in dessen Sternbild sich wiederum der Stern Mago befindet.
Die Österreicher machten es sich leichter. Dank ihnen heißt der Stern HD 32518 und sein Planet nun Franz und Sissi.
Die Namensgebung der Australier steht für einen aktuellen Trend in der Benennung von Himmelsobjekten, der darin besteht, von Namen aus europäischer Tradition wegzukommen. Dank der Australier heißt der Stern HD 38283 nun YanYan und sein Planet Bubup – beides Wörter aus der Sprache der Aboriginies.

Wie bereits gesagt bleibt es jedem überlassen Sterne nach eigenem Geschmack zu benennen. Für den Austausch über Ländergrenzen hinweg ist ein gewissen Maß an Verbindlichkeit aber sicherlich kein Fehler.

Quellen: 

Wenn der Abendstern untergeht: Sirius, das Glanzlicht des Winterhimmels

Derzeit dominiert die Venus den abendlichen Himmel und baut ihre Helligkeit bis zum 17. Februar noch aus. Erst danach beendet die Venus so langsam ihren Auftritt als Abendstern und zieht sich vom Abendhimmel zurück.

Ist die Venus am späten Abend untergegangen, heißt es Vorhang auf, für die zweite große Himmelslaterne, nämlich den Stern Sirius! Er ist der hellste Stern am Himmel überhaupt und daher nicht zu übersehen. In unseren Breitengraden steht er immer tief am südlichen Horizont, was ihn wunderbar funkeln lässt.
Wer sich unsicher ist, ob es sich bei dem hellen Licht wirklich um Sirius handelt, kann sich am berühmten Sternbild Orion orientieren. Folgt man der Linie der drei Gürtelsterne nach links unten, trifft man auf Sirus im Sternbild Großer Hund.

Sirius um Großen Hund. Quelle: Stellarium

 Da Sirus der hellste Stern in diesem Sternbild ist und der Große Hund auf lateinisch Canis Major heißt, wird Sirius auch Alpha Canis Majoris genannt, kurz Alpha CMa. Diese Namenskonvention geht auf den Sternatlas Uranometria von Johannes Bayer aus dem Jahre 1603 zurück.

Die Helligkeit von Sirius ist eine Folge seiner Nähe: Nur der Stern Alpha Centauri steht von allen, mit dem bloßem Auge sichtbaren Sterne näher. Da Alpha Centauri aber in unseren Breitengraden nicht sichtbar ist, ist Sirius für uns der nächstgelegene Nachbar unserer Sonne. Er befindet sich in 8,6 Lichtjahren Entfernung.

Dem Astronomen Edmond Halley, nach dem der berühmte Komet 1P/Halley benannt wurde, viel im Jahre 1718 auf, dass Sirus eine große Eigenbewegung hat, das heißt, er bewegt sich messbar zwischen den anderen Sternen hindurch (etwa 1,5 Vollmonddurchmesser in 2000 Jahren). Eine große Eigenbewegung lässt darauf schließen, dass der Stern nahe steht, so wie sich ein tief fliegendes Flugzeug scheinbar schneller über den Himmel bewegt, als ein hoch fliegendes. Solch ein Stern ist besonders geeignet, um mit der Parallaxenmethode seine Entfernung zu bestimmten.

Der Astronom Friedrich Wilhelm Bessel (1784 - 1846) untersuchte daher die Bewegung von Sirius genauer und stellte fest, dass sich Sirius nicht geradlinig über den Himmel bewegt, sondern in einer Schlangenbewegung. Daraus schloss er, dass Sirius einen unsichtbaren Begleiter hat. Die Schlangenbewegung ergibt sich aus der Überlagerung der Eigenbewegung mit der Umlaufbewegung der beiden Sterne um ihr gemeinsames Massezentrum.

Sirius ist also ein Doppelstern. In der üblichen Notation werden seine beiden Kompontenen Sirius A und Sirius B genannt. Das ist an sich nicht ungewöhnlich, denn etwa zwei Drittel aller Sterne entpuppen sich bei genauerem Hinsehen als Doppelsterne, bzw. sogar Mehrfachsternsysteme. Dies gilt zum Beispiel auch für den bereits erwähnten Stern Alpha Centauri.

Ungewöhnlich bei dem Doppelsternsystem Sirius ist jedoch, dass die Hauptkomponente Sirus A so extrem viel heller ist, als die Komponente Sirius B. Diese Aufnahme, die mit dem Weltraumteleskop Hubble gelang, verdeutlicht den gewaltigen Unterschied:

Quelle: NASA, STScI

In dem hellen Glanz von Sirius A geht das "Pünktchen" Sirus B beinahe unter. Auch für Amateurastronomen, die Sirius B beobachten wollen, stellt der Kontrast die größte Hürde dar.

Sirus A ist ein Hauptreihenstern, so wie unsere Sonne auch. Das heißt, er fusioniert in seinem Inneren Wasserstoff zu Helium. Seine blau-weiße Farbe ist ein Indiz dafür, dass er allerdings über eine etwas höhere Oberflächentemperatur*) verfügt, wie unsere Sonne. Es sind 9.400 Kelvin, gegenüber den 5.800 Kelvin bei unserer gelblichen Sonne. Ursache dafür ist die um den Faktor 2,36 höhere Masse von Sirius gegenüber unserer Sonne, was auch dazu führt, dass der Stern fast doppelt so groß wie die Sonne ist.

Sirius B hingegen unterscheidet sich grundlegend von unserer Sonne. Dieser Stern steht am Ende seiner Entwicklung. Er hat die Hauptreihe bereits verlassen und dabei in einem letzten "Todeskampf" seine äußere Hülle abgestoßen. Was wir sehen, ist der übrig gebliebene heiße Kern der "Sternleiche".

Astronomen sprechen bei einem Objekt wie Sirius B von einem Weißen Zwerg. Dieser hat eine unfassbar hohe Oberflächentemperatur von 25.000 Kelvin. Trotzdem strahlt Sirius B bei weitem nicht so hell, wie der viel kühlere Hauptreihenstern Sirius A. Der Grund ist, dass der Weiße Zwerg ein sehr kompaktes Objekt ist, von der Größe unserer Erde. In diesem kleinen Volumen ist etwa eine Sonnenmasse Materie komprimiert. Das führt zu einer sehr hohen Dichte: Ein Kubikzentimeter Materie von Sirius B hat eine Masse von vier Tonnen!

Man kann sich die hohe Dichte von Sirius B auch über die Fluchtgeschwindigkeit veranschaulichen: Wenn eine Rakte von der Erde mit einer Geschwindigkeit von elf Kilometern pro Sekunde abgeschossen wird, ist sie schnell genug, um die Erde für immer zu verlassen. Auf Sirius B wäre eine Geschwindigkeit von 7.300 Kilometern pro Sekunde nötig!

Die Grafik fasst dies noch einmal zusammen:

Quelle: Wikipedia
Es handelt sich um ein sogennantes Hertzsprung-Russel-Diagramm. Die Abszisse gibt die Temperatur wieder und zwar etwas ungewohnt mit den hohen Temperaturwerten links. Der heiße Sirius A steht also links von der kühleren Sonne. Die Ordinate wiederum ist ein Maß für die Helligkeit des Sterns. Die meisten Sterne befinden sich auf der Hauptreihe, die das Diagramm diagonal durchzieht: je heißer ein Stern, desto leuchtkräftiger. Sirius B hat die Hauptreihe verlassen. Er existiert im Reich der Weißen Zwerge: Heiße Körper mit geringer Helligkeit.

So lockend und hell Sirius am winterlichen Himmel leuchtet, so wenig einladend ist dieses Sternsystem für uns Menschen. Im Hinblick auf potenzielle Bewohnbarkeit ist der stellare Nachbar Alpha Centauri interessanter und auch "nur" etwa halb so weit entfernt.

Anmerkung: *) Ein Stern hat natürlich keine Oberfläche, da es sich um eine Kugel aus heißen Plasma handelt. Da aber der Großteil des abgestrahlten Lichts in einer dünnen Schale erzeugt wird, der sogenannten Photosphäre, scheint der Stern eine Oberfläche zu haben. Die Farbtemperatur der Photosphäre ist dann die Oberflächentemperatur.

Die Namen der Sterne



Sterne haben viele Namen: Immer wenn eine Bestandsaufnahmen des Himmels, Durchmusterung genannt, gemacht wird, kommt ein Sternkatalog dazu und somit ein weiterer Name für jeden betroffenen Stern. Das war schon früher so und hat sich bis heute nicht geändert: Astronomen, die mit Weltraumteleskopen wie Hubble, Kepler oder Gaia arbeiten, erstellen Objektkataloge nach einer jeweils eigenen Struktur und Bezeichnungslogik. Im Zeitalter der Computertechnik und Datenbanken ist das auch kein allzu großes Problem.
Hier als Beispiel der Wikipedia-Eintrag für den Stern Betelgeuse. Dies sind alles mögliche Bezeichnungen für diesen Stern (und doch nur eine Auswahl):
  • Bayer-Bezeichnung     α Orionis
  • Flamsteed-Bezeichnung     58 Orionis
  • Bonner Durchmusterung     BD +7° 1055
  • Bright-Star-Katalog     HR 2061
  • Henry-Draper-Katalog     HD 39801
  • Hipparcos-Katalog     HIP 27989
  • SAO-Katalog     SAO 113271Tycho-Katalog     TYC 129-1873-1
  • Weitere Bezeichnungen     ADS 4506
 Betelgeuse ist aber auch ein Stern, der einen Eigennamen hat, eben Betelgeuse. Dieser Stern hat nämlich gewissermaßen eine kulturelle Bedeutung. Er ist ein Teil des Himmels, den jeder an der Natur interessierte Mensch kennen und bennenen sollte. In einem Zeitalter, in der kleine Teleskope für jedermann erschwinglich sind, sind auch die Eigennamen von nicht ganz so hellen Sternen wie Betelgeuse oft im Gebrauch.

Die International Astronomical Union hat daher nun Empfehlungen für die Eigennamen und deren Schreibweise für 227 Sterne herausgegeben. So heißt nun nach IAU der Stern Alpha Orionis wirklich Betelgeuse und nicht, wie die deutsche Wikipedia meint Beteigeuze.

Die IAU verhindert nicht zum ersten Mal auf diese Art und Weise den drohenden Wildwuchs bei der Bennenung der Himmelsobjekte. Das bedeutendste Projekt dieser Art ist sicherlich die Festlegung der 88 Sternbilder und ihre Grenzen. Aber auch die Körper unseres Sonnensystems und ihre Merkmale, wie Krater und Berge, werden von der IAU offiziell benannt.

Auf dieser Seite findet sich die Tabelle mit den 227 benannten Sternen: Naming Stars. Ironischerweise muss man für solch eine Tabelle auch wieder auf einen Sternkatalog zurückgreifen. Hiefür benutzt die IAU das von Johann Bayer (1572-1625) entwickelte Schema, das für hellere Sterne sicherlich das schlauste Bennenungssystem ist, denn die Bayer-Bezeichnung eines Sterns beinhaltet den Namen des Sternbilds und eine relative Angabe der Helligkeit des Sterns - außerdem klingt es cool: Alpha Centauri, Gamma Andromedae, etc.
Das Bild oben zeigt das Sternbild Orion, dargestellt im Atlas Unranometria von Johann Bayer. Belegeuse ist der mit Alpha bezeichnete Stern in der linken Schulter des Himmelsjägers Orion.

Übrigens gibt es neben der kulturellen Bedeutung des Naturphänomens Nachthimmel noch einen anderen Grund, den Sternen definierte Eigennamen zu geben: Mit dem Fortschreiten der Wissenschaft erkennen wir, dass viele bekannte Sterne potenzielle Heimatsonden fremder Planetenwelten sind. Diese Welten haben richtige Namen verdient. So heißt der Stern, um den man zum ersten Mal einen fremden Planeten fand nach seiner Katalognummer ganz unprosaisch 51 Pegasi. Nach der IAU wird der Stern nun Helvetios genannt, denn schließlich waren die Entdecker des Exoplaneten um 51 Pegasi Schweizer. Der Exoplanet 51 Pegasi b selbst heißt Dimidium. Eine Liste von 31 benannten Exoplaneten findet man hier.

Siehe auch den Sky&Telescope-Artikel IAU Standardizes 212 Traditional Star Names

Vortrag: Pulsationsveränderliche Sterne

Der Physiker Josef M. Gaßner berichtet von einer wichtigen Klasse veränderlicher Sterne. Das Wort "veränderlich" bezieht sich dabei auf die Helligkeit der Sterne. Die Beobachtung der Veränderung von Sternhelligkeiten ist ein beliebtes Thema für Amateurastronomen, die echte wissenschaftliche Beobachtungen durchführen wollen - mehr dazu unter bav-astro.eu




Zu Beginn seines Vortrags spricht Josef Gaßner vom Kappa-Mechanismus. Hier ist sein Vortrag dazu:

Fünf erstaunliche Sterne

Der größte, der kleinste und der älteste Stern. Außerdem eine schwarze Witwe und ein Stern in einem Stern:

Säulen der Schöpfung

Großansicht Credit: Lori Allen, Xavier Koenig (Harvard-Smithsonian CfA) et al., JPL-Caltech, NASA
Dies ist wieder eines jener Bilder aus der Astronomie, in denen man baden kann: Einfach auf Großansicht klicken und eintauchen, um immer wieder neue Details zu entdecken. Was wir hier sehen ist ein Sternentstehungsgebiet, mit Namen IC 1848 (oder auch W 5). Das Objekt hat einen Durchmesser von circa 2.000 Lichtjahre und befindet sich in 6.500 Lichtjahren Entfernung im Sternbild Cassiopeia. Dieses Sternbild ist wegen seiner markanten zackigen Sternlinie auch als Himmels-W bekannt. Das Bild unten zeigt die Lage von IC 1848 unterhalb dieser Sternlinie. Das W ist zu diesem Zeitpunkt um 90° gegen den Uhrzeigersinn gedreht. Bei der Orientierung hilft sicherlich auch der Polarstern links im Bild.

Redshift
 Das Bild wurde mit dem Weltraumteleskop Spitzer aufgenommen. Dieses Teleskop beobachtet im infraroten Spektralbereich, also bei Wellenlängen, die für unser Auge nicht mehr wahrzunehmen sind. Wir bemerken Infrarotlicht als Wärmestrahlung. Daher geben auch die Farben in dem Bild oben nicht den Anblick wieder, den wir als Astronauten mit bloßen Augen hätten. Stattdessen sind die Farben repräsentativ: Rot eingefärbt ist warmer Staub, grün und weiß besonders dichte Gaswolken. Die Beobachtungen der Astronomen zeigen, dass die massereichen Sterne im Inneren von IC 1848 älter sind, als die Sterne am Rand. Sie befinden sich in den freien Höhlungen der Gas- und Staubwolke und erodieren mit ihrer Strahlung das Gas. Dabei entstehen die weißen säulenartigen Strukturen. An deren Kopf ist die Materie schon so dicht gepackt, dass sie der Erosion wiederstrebt und im Schatten dieser "Knoten" bleibt das Material als Säule erhalten.

Die Vorstellung, dass Sterne und damit ganze Planetensysteme aus kollabierenden Gas- und Staubwolken entstehen, wird als Nebulartheorie bezeichnet. Das Problem an der Theorie ist, dass solch eine Wolke nicht einfach kollabieren kann. Das warme, aus dem Zentrum dieses riesigen Komplex strömende Gas aber könnte das kühlere Gas in den Außenbereichen komprimieren und so den Kollaps der Wolke einleiten. Auf diese Weise pflanzt sich die Sternentstehung von innen nach außen fort, was dem beobachteten Alter der Sterne entspricht.

Die Sterne leisten sich also gewissermaßen gegenseitig Geburtshilfe, was erklärt, warum Sterne oft im losen Verbund, offene Sternhaufen genannt, vorkommen. Bei unserer Sonne war es aber vermutlich nicht die Geburt, sondern der Tod eines andere Sterns, der den solaren Urnebel kollabieren lies, aus dem wir entstanden - es war die Schockwelle einer nahen Supernova-Explosion. Diese Hypothese wird durch die Untersuchung von Meteoriten erhärtet. Dabei handelt es sich um Steine, die vom Himmel gefallen sind. Stammen diese ursprünglich aus dem Asteroidengürtel, handelt es sich dabei um Reste der Materie, die sozusagen bei der Planetenbildung übrig geblieben ist, also Gestein, dass aus dem solaren Urnebel auskondensiert wurde und sich seit dem nicht mehr wesentlich verändert hat. In diesem Gestein kann man das Isotop Xenon-129 nachweisen. Dabei handelt es sich um ein chemisch träges Edelgas, das auch unter den Bedingungen des Weltalls nicht auskondensiert, es dürfte also in dem Gestein gar nicht vorkommen. Was aus dem solaren Urnebel kondensieren und in das Gestein eingebaut werden kann, ist Iod-129. Aus diesem bildet sich Xenon-129 durch radioaktiven Zerfall. Entscheidend ist aber nun, dass die Halbwertszeit des Iod-129 nur 17 Millionen Jahre beträgt. Es ist also ein eher kurzlebiges Element. Um die Mengen an Xenon zu erklären, darf zwischen der Bildung von Iod-129 und seinem Einbau in das Meteoritenmaterial nur wenige Millionen Jahre vergangen sein. Da sich das radioaktive Isotop Iod-129 während einer Supernova bildet, können wir schließen, dass kurz vor dem Kollaps des solaren Urnebels eine solche Explosion stattgefunden hat. Sie hat die Urwolke mit Elementen angereichert und den Kollaps verursacht.

Übrigens: Sterne bilden sich in unserer Galaxie, der Milchstraße, derzeit eher selten. Im Schnitt einer pro Jahr, was gemessen an der Anzahl der Sterne von circa 100 Milliarden wenig ist.

Stellare Extremophile

Junge Sterne entstehen in kollabierenden Gas- und Staubwolken. Entlang den Spiralarmen großer Galaxien, wie beispielsweise unserer Milchstraße, reihen sich die Sternentstehungsgebiete auf. Supernovae oder Galaxienkollisionen triggern dieses Prozess. Mit dem für ultraviolettes Licht empfindlichen Weltraumteleskop GALEX haben die Astronomen nun aber Sternentstehungsgebiete entdeckt, die völlig atypisch sind. Davon handelt diese kurze Dokumentation. So wie Leben in einer Umwelt gedeihen kann, die Biologen früher für absolut lebensfeindlich hielten, entstehen auch Sterne an Orten, die Astronomen bisher nicht als Sternentstehungsgebiete im Fokus hatten - so erklärt sich die Analogie mit den extremophilen Mikroorganismen.

Proxima, der nächste Stern ist nicht der hellste

Alpha Centauri, Großansicht, Credit: ESO
Es gibt viele gute Gründe, die Bewohner der südlichen Hemisphäre um ihren Himmel zu beneiden. Ein Grund ist der Blick auf unsere direkte Nachbarschaft. Das Bild oben zeigt den Stern Alpha Centauri aufgenommen mit dem 1-m-Schmidt-Teleskop der europäischen Südsternwarte ESO auf La Silla, Chile. Alpha Centauri dominiert hier als riesiges ausgedehntes Objekt. Wie jeder Stern ist aber auch Alpha Centauri so weit entfernt, dass er eigentlich punktförmig am Himmel erscheint und nur in einer Aufnahme wie dieser völlig überbelichtet ist und daher das Bild überstrahlt. Dass Alpha Centauri so hell ist - der dritthellste Stern überhaupt - hat einen guten Grund. Der Stern ist nur 4,37 Lichtjahre von unserer Sonne entfernt.

Schaut man genauer hin, dann sieht man, dass es sich in Wirklichkeit um einen physischen Doppelstern handelt, zwei Sterne also, die sich einander umkreisen. Gerade mal achtzig Jahre benötigen sie für einen Umlauf umeinander herum. Das ist vergleichbar mit einem Uranusjahr in unserem Sonnensystem. Das kleine Teilbild rechts oben deutet die beiden Sterne an und zeigt dabei auch, dass diese unterschiedliche Farben haben. Die deutlich hellere Komponente, Alpha Centaur A, gleicht unserer Sonne: Es handelt sich auch um einen gelben G 2 Stern. Die schwächere Komponente, Alpha Centauri B, hingegen ist ein orangefarbener Stern vom Spektraltyp K 5.

Der eigentliche Clou verbirgt sich aber in dem Bildausschnitt rechts unten. Es zeigt den Stern Proxima Centauri, der in dem großen Bild mit einem Pfeil markiert ist. Dieses unscheinbare Sternchen, das in keinem Zusammenhang mit Alpha Centauri zu stehen scheint, gehört in Wirklichkeit zu diesem Doppelsternsystem, es bildet eine dritte Komponente. Proxima Centauri ist an dem Paar Alpha Centauri A und B gebunden. Das unscheinbare Sternchen ist dabei sogar noch näher an unserer Sonne und so kommt es, dass nicht der fette Brummer in dem Bild oben unser nächster stellarer Nachbar ist, sondern Proxima Centauri: 4,22 Jahre benötigt das Licht von diesem roten Zwergstern zu uns. Das Schöne an dieser Aufnahme ist, dass sie uns das ganze System aus den drei Sternen zeigt, obwohl die Mitglieder des Systems sehr unterschiedlich sind.

Dieses, mit Stellarium erzeugte Bild, zeigt die Lage von Alpha Centauri am Südhimmel:


Alpha Centauri ist in Stellarium mit Rigil Kent bezeichnet - andere Namen sind Rigil Kentaurus oder Toliman. Der Stern Alpha Centauri, der wie gesagt eigentlich aus zwei Sternen besteht, ist der hellste im Sternbild Centaurus. Dieses steht für die mythologischen Kentauren, Mischwesen aus Mensch und Pferd. Genau genommen repräsentiert das Sternbild Cheiron, einen weisen und gelehrten Kentauren, Ziehvater und Lehrer von Jason, Achilles und Asklepios. Der Name Rigil Kentaurus bedeutet einfach nur "Fuß des Kentauren".

Das Paar Alpha Centauri A, B ist zwar sehr hell, doch ist es ihre unscheinbare dritte Komponente Proxima, die uns am nächsten steht.

Literaturquellen: Ian Ridpath Die großen Sternbilder, Patmos-Verlag
Der Brockhaus Astronomie, F.A. Brockhaus