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Der letzte Tanz der Atlantis

Kurz vor dem Andocken an die Internationale Raumstation ISS führte das Space Shuttle Atlantis heute ein spektakuläres Flugmanöver aus, das RBAR Pitch Maneuver (RPM). Seit dem Absturz des Space Shuttles Columbia ist dieses Manöver Routine. Es dient dazu, die Hitzeschutzkacheln in Richtung Raumstation auszurichten, so dass die im Swesta-Modul versammelte Stationsbesatzung die Kacheln ausgiebig fotografieren kann. Die Analyse der Bilder gibt den Shuttle-Technikern Gelegenheit, den Zustand der Kacheln zu prüfen, lange bevor sie für den feurigen Ritt der Raumfähre durch die Atmosphäre bei der Landung gebraucht werden.

Bei all dem sachlichen Hintergrund, ist dieses Flugmanöver auch einfach schön anzusehen, zeigt es doch die Raumfähre von allen Seiten vor dem Hintergrund unseres blauen Planeten.

Atlantis lässt die Muskeln spielen

Der letzte Start eines Space Shuttles erfolgte heute um 17:29 Uhr unserer Zeit.



Am Sonntagvormittag soll die Atlantis mit ihrer vierköpfigen Besatzung an die Internationale Raumstation ISS andocken.

Der letzter Flug für das Space Shuttle

Heute soll das Space Shuttle Atlantis zum allerletzten Flug dieses Raumfahrtsystems starten. Der Start ist für 17:26 Uhr unserer Zeit angesetzt.

Hier drei Tipps, diesen besonderen Tag zu begehen:
Bis dahin kann man sich dieses Video anschauen, in dem die europäische Weltraumagentur esa vom Raumschiff der Kollegen Abschied nimmt.



Eine schön lange Space-Shuttle-Dokumentation der NASA gibt es hier: Das Space Shuttle - Der Film zum Ende einer Ära zwei Posts tiefer.

Und das Schöne ist: Sollte der Start heute abgebrochen werden, machen wir das alles noch mal.

Sieben "Firsts" zum Ende der Shuttle-Ära

Wenn am 8. Juli zum letzten Mal ein Space Shuttle startet, endet eine Ära. Am Bord der Atlantis werden diese vier Astronauten zur Internationalen Raumstation ISS starten: Chris Ferguson, Doug Hurley, Sandy Magnus und Rex Walheim (v.l.n.r)

Credit: collectSPACE/Robert Z. Pearlman
Da kein weiteres Space Shuttle als Rettungsboot mehr zur Verfügung steht, wurde für den letzten Flug des Shuttles die Besatzung von sieben auf vier Mitglieder reduziert. Sollte es zu einer Beschädigung der Atlantis kommen, kann die Besatzung so via ISS und den russischen Sojus-Raumschiffen evakuiert werden.

Zum ersten Flug eines Space Shuttles überhaupt machten sich am 12. April 1981 die beiden Astronauten John Young und Robert Crippen auf. Dieses Video zeigt den zweitägigen Flug der Columbia.



Der erste Start eines Space Shuttles in die Erdumlaufbahn wurde somit gleich bemannt durchgeführt - ein Novum bei der NASA. Für diesen gefährlichen Test setzte die NASA ihren vielleicht besten Astronauten als Kommandanten ein: John Young. Dieser kann in seiner langen Karriere auf eine beeindruckende Liste großartiger Missionen zurückblicken:  Gemini 3, Gemini 10, Apollo 10, Apollo 16, STS-1, STS-9. John Young gehört zu den wenigen Astronauten, die zweimal zum Mond geflogen sind.

John Young, Credit: NASA
Neben dem Jungfernflug sind mit dem Space Shuttle weitere Erstleistungen anderer Astronauten verbunden:

Mit dem Start der Challenger am 18. Juni 1983 wurde Sally Ride zur ersten Amerikanerin im Weltraum. Die Physikerin hatte sich einfach auf eine Zeitungsanzeige der NASA beworben.

Sally Ride, Credit: NASA
Schon peinlich, dass die USA so lange dafür gebraucht haben. Die NASA zur Apollo-Ära war ein altmodischer Männerhaufen, der geistig in den fünfziger Jahren steckte und deren Vorbilder die Helden des zweiten Weltkriegs waren. Erst mit der Shuttle-Ära machte sich der Wandel der späten sechziger Jahre bemerkbar. Die Sowjetunion war zwar in Sachen Gleichberechtigung viel schneller, aber dafür in keinster Weise nachhaltig. Astronautinnen sind keine Seltenheit, Kosmonautinnen allerdings schon.

Guy Bluford startete 1983 mit der Challenger als erster Afro-Amerikaner in eine Erdumlaufbahn.

Guy Bluford, Credit: NASA
Schaut man sich alte Dokumentationen der Apollo-Ära an, sieht man, dass Raumfahrt damals eine Sache für die weiße Mehrheit in den USA war. Auch dies ein Spiegelbild der damaligen gesellschaftlichen Verhältnisse.

Kathryn Sullivan absolvierte am 11. Oktober 1984 als erste Frau einen Weltraumspaziergang, der alles andere als ein Spaziergang ist.

Kathryn Sullivan, Credit: NASA
Dass sich auch Astronautinnen gelegentlich außerhalb der Internationalen Raumstation ISS die Beine vertreten, ist längst nicht mehr bemerkenswert. Bemerkenswert ist höchstens der dummdämliche Reflex mancher Medien,  wenn einer Frau im All ein Missgeschick unterläuft. Als der Astronautin Heidemarie Stefanyshyn-Piper vor laufender Helmkamera die Werkzeugtasche entglitt, wurde daraus schnell eine Damenhandtasche im All, z.B. hier. Kleiner Trost: Da unsere Qualitätsmedien ja eh alle den gleichen Agenturtext veröffentlichen, findet sich der billige Chauvinismus meist nur im Teaser der Meldung.

Mein Held ist natürlich John Glenn, denn als er 1998 mit der Discovery ins All flog, war er schon 77 Jahre alt - da habe ich also noch Hoffnung! Allerdings war es für seinen Rekord sicherlich hilfreich, dass er der erste Amerikaner im Erdorbit war und danach als Senator politisch aktiv.

John Glenn, Credit: NASA
36 Jahre liegen zwischen den beiden Flügen von John Glenn.

Zu den beeindruckensten Bildern der Raumfahrt gehört sicherlich auch dieses Bild aus dem Jahre 1984:

Bruce McCandless, Credit: NASA
Es zeigt den Astronauten Bruce McCandless im freien Flug umgeben vom Nichts. Mit einer speziellen Manövriereinheit, der Manned Maneuvering Unit, hat sich der Astronaut ohne jegliche Verbindung vom Space Shuttle entfernt. Hier ist der Mensch wirklich im All, reduziert auf das Allernötigste: Ein schützender Raumanzug für die Lebenserhaltung und ein Raketenrucksack für die Fortbewegung - purer Minimalismus. Für mich ist dieses Bild eine Ikone der Raumfahrt, ähnlich wie die berühmte Aufnahme, die Buzz Aldrin auf dem Mond stehend zeigt.

Bewährt hat sich dieses System allerdings nicht. Ich vermute, man verzichtet auf den sperrigen Raketenrucksack, weil er schlicht unnötig ist. Die Astronauten hangeln sich bei ihren Außenbordeinsätzen an der Raumstation ISS entlang oder werden auf einer speziellen Plattform des Roboterarms an den gewünschten Ort gebracht - man krabbelt also eher, als das man schwebt.

Quelle: space.com

STS-135: Der letzte Flug eines Space Shuttles

Mit STS-135 ist Schluss: Das ist nicht nur der letzte Flug des Space Shuttle Atlantis, das ist der letzte Flug eines Space Shuttles überhaupt! Hier der Trailer von den Jungs und Mädels von spacevidcast.com die den Start am 8. Juli live streamen und kommentieren werden.



Natürlich weiß man derzeit noch nicht, ob es wirklich am 8.Juli klappen wird - umso besser, dann können wir uns einfach noch eine Liveübertragung anschauen.

It's a beautiful day

Der Space-Shuttle-Kommandant Mark Kelly ist ein cooler Typ. Das hat er schon auf diesem Plakat zur Mission STS-124 gezeigt: Das Space Shuttle rockt! Während seiner am 01. Juni zu Ende gegangenen Mission STS-134 hatte er einen Gastauftritt bei einem U2-Konzert in Seattle. Dabei wurde er auf Großbildleinwand live zugeschalten. Wir sehen in dem Video Mark Kelly in der Aussichtsplattform Cupola:



Der Flug von Mark Kelly fand unter besonders dramatischen Vorzeichen statt. Mitten in der Vorbereitung wurde ein Attentat auf seine Frau, die republikanische Kongressabgeordnete Gabrielle Giffords, verübt. Die Reise von Mark Kelly ins All stand somit auf der Kippe. Erst die gute Erholung seiner sehr schwer verletzten Frau, hatte ihn bewogen doch nochmal mit dem Space Shuttle Endeavour zu starten. Gabrielle Giffords konnte den Start ihres Mannes sogar live vor Ort verfolgen.
Klar, dass Mark Kelly in diesem Video vor allem eine Botschaft an seine Frau hat, die ihm sicherlich wichtiger ist, als die restlichen 7 Milliarden Menschen. It's a beautiful day!

Quelle und weiter Informationen: space.com

Endeavours Joyride

Das Space Shuttle Endeavour hat bereits an der Internationalen Raumstation ISS angedockt, wie zum Beispiel auf raumfahrer.net zu lesen ist. Vor dem Andocken absolvieren die Space Shuttles routinemäßig eine verspielt anmutende Flugeinlage, das rendezvous pitch maneuver. Auf diesem Video ist es aus Sicht der ISS-Besatzung zu sehen. Das spektakuläre Flugmanöver gibt uns Gelegenheit die Endeavour von allen Seiten zu betrachten und das vor dem spektakulären Hintergrund unseres Planeten.



Diese Flugeinlage hat allerdings einen ernsten Hintergrund. Als das Space Shuttle Columbia am 1. Februar 2003 beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre verglühte und die gesamte Besatzung zu Tode kam, war die Ursache schnell erkannt: Beim Start der Columbia hatte ein herabstürzendes Schaumstoffteil die Hitzeschutzkacheln beschädigt. Seit dem führen die Space Shuttle-Kommandanten beim Anflug an die ISS dieses seltsame Flugmanöver durch. Die ISS-Besatzung fotografiert den Bauch des Shuttles und gibt den Ingenieuren am Boden so Gelegenheit, den Zustand der Kacheln zu prüfen. Sollte es zu Auffälligkeiten kommen, können die Astronauten mit einem Außenbordeinsatz am verlängerten Roboterarm die Kacheln flicken. Mit der Analyse der Bilder können sich die Ingenieure erstmal Zeit lassen. Bis jetzt scheint es keine Probleme mit den Kacheln zu geben.

Dieses Manöver lässt sich auch von Physiklehrern didaktisch ausschlachten, zeigt es doch wunderbar die ungestörte Überlagerung der Schwerpunktbewegung (Translation) und der Rotation des Shuttles um den Schwerpunkt. In meinem Physikbuch musste dafür noch ein geworfener Schraubenschlüssel herhalten. Es geht auch mit in die Umlaufbahn geworfenen Raumschiffen.

 +++ Update aus Focus-Online: Risse im Endeavour-Hitzeschild +++

Der Start der Endeavour


Wer es verpasst hat, kann es hier nochmal anschauen. Die heutige Ausgabe von This Week @ NASA startet zum Wochenstart mit dem Start der Woche, bietet dann noch weitere Themen aus der NASA-Welt, die nach hinten immer langweiliger, weil interner werden. Der Anfang des Videos lohnt sich aber auf jeden Fall:


Einen sehr schönen Hintergrundbericht zum Start bietet auch das DLR, Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt. Aufgrund der deutschen Beteiligung am Alpha-Magnet-Spektrometer begleitet das DLR-Kontrollzentrum in Oberpfaffenhofen die Mission STS-134 zu der die Endeavour heute um 14:56 Uhr unserer Zeit aufgebrochen ist.

Der letzte Flug der Endeavour

Credit: NASA/Frank Michaux

Sieht gut aus für den Start am Montag. Kurz vor 15:00 Uhr unserer Zeit soll das Space Shuttle Endeavour zum letzten Mal in den Erdorbit zur Internationalen Raumstation ISS starten.

Credit: NASA/Kim Shiflett
An Bord der Endeavour befinden sich dann die oben abgebildeten Herren: Mark Kelly, der Kommandant der Mission, Greg Chamitoff, Andrew Feustel, der ESA-Astronaut Roberto Vittori, Mike Fincke und als Pilot Greg H. Johnson (v.l.n.r.).

Während ihrer 16 Tage im All werden die Astronauten vier Außenbordeinsätze absolvieren und dabei unter anderem das Alpha-Magnetic-Spectrometer an die ISS anschrauben. Das ist eine Art Weltraumteleskop für Antimaterie. Einen kurzen, aber informativen Artikel dazu hat Jan Hattenbach auf FAZ.NET verfasst: Wo bitte ist Antimaterie?

Wie genau die Mission STS-134 ablaufen soll, zeig dieses Video. Gleich zu Beginn erwähnt der Kommandant Mark Kelly das Alpha-Magnetic-Spectrometer.



Nach STS-134 wird das Space Shuttle Endeavour außer Dienst gestellt. Ein guter Zeitpunkt, mal eines der ersten Bilder der Endeavour zu zeigen. Hier sieht man das noch jungfräuliche Space Shuttle am 25 April 1991 auf dem Rockwell-Werksgelände in Palmdale: Noch strahelnd weiß mit einer aerodynamischen Verkleidung am Popo für den Transport auf dem Luftweg zu seinem Bestimmungsort, dem Weltraumbahnhof Kennedy Space Center in Florida.


Das Bild ist dem Artikel The People Behind Endeavour: Engineers Reflect on NASA's Youngest Shuttle entnommen.

"Hände weg von meinen Astronauten!"

Kleiner Scherz des US-Präsidenten Barack Obama. Bei seinem Besuch des Kennedy Space Centers der NASA, traf er auch auf die Crew des Space Shuttle Endeavour. Diese befindet sich schon in der medizinischen Quarantäne, denn es wäre ja blöd, wenn sich kurz vor dem Start noch ein Astronaut einen Schnupfen einfangen würde. Als einer der Fotografen husten muss, gibt es eine unmissverständliche Warnung von Präsident Obama:



Apropos kurz vor dem Start: universetoday.com meldet eine weitere Verzögerung um mindestens eine weitere Woche.

"It’s going to be sad when it’s over"


Die Nase der Discovery gesehen von der ISS während der Inspektion der Hitzeschutzkacheln
Voraussichtlich am Mittwoch um 17:57 Uhr MEZ endet die Mission STS-133 mit der Landung des Space Shuttles Discovery in Florida. Ein trauriger Moment, wie der Kommandant Steve Lindsey betont, denn dies war dann der letzte Flug der Discovery. Auf universetoday.com findet sich eine schöne Bildstrecke dieser letzten Mission, aber auch die bitter klingenden Worte ihres letzten Kommandanten:
“The hardest part of this for me is giving up the capability. It can do everything except leave low-Earth orbit…There is not a single thing wrong with her. Every single system and every piece of every system is working just like it’s brand new.”
Für Steve Lindsey ist das Space Shuttle ein funktionierendes System, dem er derzeit sogar sein Leben anvertraut, nur um es nach dem Flug im Museum zu parken, ohne dass ein adäquater Ersatz in Sicht wäre. Möglicherweise geht mit dem Space Shuttle eine Ära zu Ende, die sich nicht nur im technischen Design, sondern auch in ihren Fähigkeiten als historisch einmalig herausstellen wird. Als unsere Eltern die ersten Apollo-Flüge verfolgten, hielten sie den Flug zum Mond wohl eher für den Beginn einer Zukunft und nicht für einen Höhepunkt einer Ära, die mit Apollo 17 ihr vorzeitiges Ende fand. Seit 1972 sind wir nicht mehr in der Lage, den Mond mit bemannten Fahrzeugen zu erreichen.

Vielleicht werden auch wir lernen müssen, dass mit dem Ende des Space Shuttles unwiederbringlich die Idee eines wiederverwendbaren Raumfahrzeugs begraben wird und wir so Zeitzeugen einer einmaligen Ära der Menschheitsgeschichte wurden. Steve Lindseys Lamento erinnert jedenfalls frappierend an den letzten Apollo-Kommandanten Gene Cernan, der in Interviews gerne betont, wie gut die Apollo-Astronauten am Ende ihre Mondflügen beherrschten und wie unverständlich daher für ihn das plötzliche Ende des Programms kam.

Dieses Video zeigt eine Zusammenfassung der bisherigen Mission STS-133. Fehlt nur noch eine gute Landung.



Ein kurioser Programmpunkt der Mission STS-133 bestand darin in einer Flaschenpost eine Ladung "Space" einzufangen. Im Video geschieht dies beim Außenbordeinsatz in dem Moment, in dem Nicole Stott den Song "Message in the Bottle" von Police über den Sprechfunk abspielt. Dieser komische Stoff "Space" besteht natürlich einfach aus dem Vakuum des Weltalls in der Umgebung der Internationalen Raumstation ISS. Die japanische Raumfahrtagentur JAXA will diese Flaschenpost für symbolische Zwecke einsetzen: Wer die Flaschenpost, die eigentlich ein Metallrohr ist, in der Hand hält, greift nach einem Stück Weltraum. Skurile japanische Weltraum-PR war hier schon mal Thema. Mehr zu "Message in the Bottle" kann man hier erfahren. Das Bild unten zeigt die Astronautin Catherine Coleman mit der Flaschenpost an Bord der ISS.

Captain James Tiberius Kirk zieht den Hut vor der Discovery

Bei der NASA menschelt es. Jeden Morgen wird die Crew mit einem Song geweckt, der meist einem der Astronauten gewidmet ist. Heute aber galt der Weckruf dem Space Shuttle Discovery selbst, denn dieses großartige Fluggerät befindet sich auf seiner letzten Mission und hat sich heute von der ISS auf nimmer Wiedersehen verabschiedet - zumindet erstmal abgekoppelt. Dieser besondere Tag begann mit einem Weckruf von Captain James Tiberius Kirk von der USS Enterprise (NCC-1701 und NCC-1701-A), der sich damit vor der großartigen Discovery verneigt:



“Space, the final frontier. These have been the voyages of the Space Shuttle Discovery. Her 30 year mission: To seek out new science. To build new outposts. To bring nations together on the final frontier. To boldly go, and do, what no spacecraft has done before.”
Wenn alles normal läuft landet die Discovery am Mittwoch - auch das zum letzten mal.

Quelle und weitere Informationen auf Raumfahrer.net: Discovery verlässt Internationale Raumstation

Wie eine Flasche leer...

... so präsentiert sich nach getaner Arbeit die Ladebucht der Raumfähre Atlantis vor dem Erdhorizont:



Gar nicht schwach wie eine Flasche leer ist die Leistung der Shuttle-Mission STS-132: So wurden unter anderem das russische Forschungsmodul Rassvet und eine Ersatzantenne für die Kommunikation mit der Bodenstation geliefert und montiert.

Die Atlantis ist seit gestern bereits von der ISS abgekoppelt und soll am Mittwoch landen. Eigentlich war dies der letzte Flug der Atlantis, doch wird das Raumfahrzeug nochmals startbereit gemacht, um als Rettungsboot dienen zu können, falls bei den beiden verbleibenden Flüge etwas schief geht. Wenn diese Flüge absolviert sind und die Atlantis sowieso startbereit rumsteht, könnte man sie eigentlich doch noch ein letztes mal fliegen lassen, sofern man die Anzahl der Besatzungsmitglieder soweit einschränkt, dass die Sojus-Kapseln der ISS als Rettungsboote ausreichen. Lassen wir uns überraschen.

Die Erde hat sie wieder: Landung der glorreichen Sieben

 Image credit: NASA/Bill Ingalls

Nach 238 Erdumkreisungen landete heute um 15:08 Uhr unserer Zeit das Space Shuttle Discovery in Florida. Fünfzehn Tage verbrachte die Raumfähre mit ihrer siebenköpfigen Besatzung im All. Im Rahmen der Mission STS-131 brachten die Astronauten Versorgungsgüter und Ausrüstung zur Internationalen Raumstation ISS, darunter ein Laborsystem, sowie Schlafkabinen für die Besatzung. In drei Außenbordeinsätzen, manchmal verniedlichend Weltraumspaziergang genannt, wurde ein Ammoniak-Tank für das Kühlsystem der ISS ausgetauscht, ein Gyroskop für die Steuerung der Station ersetzt und eine japanische Experimentierplattform eingeholt, die dem freien Weltraum ausgesetzt war und nun auf der Erde untersucht werden soll. Bei den sieben Astronauten, die ab heute wieder festen Boden unter den Füßen haben, handelt es sich um den Kommandanten Alan Poindexter, sein Pilot Jim Dutton (der nicht wirklich fliegt, aber meines Wissens derjenige ist, der das Landefahrwerk ausklappen darf) und die amerikanischen Astronauten Rick Mastracchio, Dorothy Metcalf-Lindenburger, Stephanie Wilson, Clay Anderson, sowie ihre japanische Kollegin Naoko Yamazaki.

Sowohl für die Discovery, als auch für das in der Shuttle-Ladebucht mitgeführte Transportmodul Leonardo war das nicht der letzte Flug. Die Discovery fliegt ein letztes mal voraussichtlich im September mit STS-133 ins All. Die Discovery wird auch dann hoffentlich wieder heil zurückkehren. Leonardo jedoch bleibt als zusätzliches Modul an der Weltraumstation angedockt zurück.

Man muss nicht Graf Zahl sein, um zu wissen, dass nach STS-131 die Mission STS-132 kommt. Die Raumfähre Atlantis soll am 14. Mai zu ihrem letzten Flug starten. Im Vergleich zur heute beendeten Mission ist die kommende wohl eher langweilig: Nur Amerikaner und nur Männer an Bord.

Extrarunde für Discovery

 Keine Vulkanasche, aber tiefe Wolken am Kennedy Space Center in Florida, Credit: NASATV

Während in Europa die Flieger nicht starten dürfen, darf das Space Shuttle Discovery in Florida nicht landen. Das Wetter ist einfach zu schlecht und so dreht die Raumfähre mit ihrer siebenköpfigen Besatzung noch ein paar Extrarunden. Am Dienstag, während seiner 237. Rundreise um die Erde, soll es dann aber so weit sein. Frühestens um 13:34 Uhr MESZ könnte das Shuttle wieder am Kennedy Space Center stehen, wo es am 5. April startete. Wird das Wetter nicht besser, gibt es am Dienstag noch eine weitere Gelgenheit zur Landung und insgesamt drei Gelegenheiten zur Landung auf der Edwards Air Force Base in Kalifornien. Diese Alternative versucht die NASA allerdings zu vermeiden, denn dann müsste das Space Shuttle aufwendig von Kalifornien nach Florida zurücktransportiert werden. Das sieht zwar toll aus, kostet aber eine Menge Geld. Sollte also am Dienstag die Landung auch nicht klappen, kann es gut sein, dass die Mission STS-131 sogar bis Mittwoch verlängert wird. Das wäre aber laut NASA der letztmögliche Tag, da der Crew dann allmählich die Vorräte ausgehen.

Die Discovery befindet sich schon sein vierzehn Tagen im All. An Bord für das "Go" zur Landung warten der Kommandant Alan G. Poindexter, sein Pilot James P. Dutton Jr., sowie die Astronauten Dorothy Metcalf-Lindenburger, Rick Mastracchio, Stephanie Wilson, Clayton Anderson und Naoko Yamazaki.

Auch wenn die Mission formal noch nicht abgeschlossen ist, hat die NASA ein ziemlich cooles Video mit den schönsten Bildern veröffentlicht:



Quelle: NASA

Unser Auge im All

Im Mai 2009 fand die fünfte und letzte Wartungsmission des Hubble Weltraumteleskops statt. Mit an Bord war damals auch eine IMAX 3D-Kamera, um die fünf Außenbordeinsätze am Weltraumteleskop in 600 Kilometern Höhe über dem Erdboden im Bild festzuhalten. Dieser Film kommt jetzt in die IMAX-Kinos. Deutschlandpremiere mit einem echten NASA-Astronauten war am letzten Wochenende im IMAX-Kino des Technik-Museums Sinsheim.

Um den unverstellten Blick ins All zu sichern, startete die NASA im Mai 2009 eine letzte, wagemutige Rettungsaktion, bei der sich sieben Astronauten auf die Reise zum Hubble Teleskop machten. Kommandant dieser Mission: US-Astronaut Scott Altmann. Während das Space Shuttle Atlantis mit 28.000 Kilometern pro Stunde um die Erde raste, hatten die Astronauten für eine erfolgreiche Rettung des Hubble nur eine einzige Chance. Die bei fünf Außenbordeinsätzen durchgeführten Wartungsarbeiten verlängerten die Betriebszeit des Teleskops dabei um mindestens fünf Jahre.

Warner Brothers und IMAX in Kooperation mit der NASA bringen dieses Abenteuer nun im IMAX-3D-Format auf die Leinwand. Die einzigartigen Aufnahmen, die von den Astronauten während der Raumeinsätze selbst angefertigt wurden, lassen die Besucher die enormen Schwierigkeiten und Gefahren erahnen, die mit den Reparaturarbeiten ("so heikel wie eine Gehirnoperation") verbunden waren, aber auch die Schönheit und Faszination der von Hubble beobachten Himmelsobjekte hautnah miterleben.

Der Film zeigt atemberaubende Aufnahmen des Universums, die vom Hubble Teleskop während der letzten zwei Jahrzehnte eingefangen wurden und die gerade in der 3D-Technologie den Besucher mitten ins Geschehen versetzen. Vor allem der 3D-Flug ins Innere des Orion-Nebels M 42 zeigt die ästhetische Schönheit der mit Hubble gewonnenen Aufnahmen vieler Himmelsobjekte. Unter Anwendung modernster Computertechnik wurden diese Momentaufnahmen der scheinbar unendlichen Weite des Weltalls zu Flugsequenzen zusammengefasst und lassen den Betrachter eine einmalige Reise durch Raum und Zeit erleben.

Zur Premiere des Films war der Kommandant der letzten Hubble-Service-Mission - Scott Altmann - extra nach Sinsheim gekommen und stand den Besuchern der Presseveranstaltung für Fragen zur Verfügung.

Der Film „Hubble 3D- das Auge des Universum“ ist ab sofort täglich in mehreren Vorstellungen - freigegeben für alle Altersgruppen - im IMAX 3D Filmtheater im Auto & Technik Museum Sinsheim zu sehen. Die Länge des Films beträgt ca. 45 Minuten und ist auf jeden Fall eine Empfehlung wert!


Spacewalker bei der Arbeit

Image Credit: NASA

Nicht Skywalker wie in Star Wars, sondern Spacewalker nennt die NASA ihre beiden Astronauten Rick Mastracchio (links) und Clayton Anderson, die auf diesem Bild bei ihrem zweiten Weltraumspaziergang im Rahmen der Mission STS-131 zu sehen sind. Ich bin ja leicht zu begeistern, was Menschen in Weltraumanzügen anbelangt, aber dieses Bild gefällt mir ganz besonders gut, denn die Trägerstruktur der Internationalen Raumstation ISS, an der sich die beiden entlang hangeln, sieht doch schon fast wie ein richtiges Raumschiff aus. Das Bild bringt einerseits die gewaltige Größe der Raumstation zur Geltung, aber gleichzeitig auch ihre filigrane technische Struktur.

Die beiden Astronauten installieren während dieser Außenbordmission einen Ammoniaktank, der zur Temperaturregelung der Station benötigt wird. Genau genommen tauschen sie ihn gegen den alten aus. Wenn ich es richtig sehe, befindet sich der Tank noch ganz oben im Bild am Roboterarm angedockt. Der Tank müsste die eckige Struktur sein, von der gerade noch ein bisschen zu sehen ist. Der Tank wiegt 850 Kilogramm. Für den Roboterarm ist das kein Problem, denn der Tank ist ja schwerelos: wie der Arm, die Station und die Astronauten befindet er sich im freien Fall um die Erde. Aber der Tank ist nicht masselos! Ihn in Bewegung zu setzen, bzw. seine Bewegungsrichtung (seinen Impuls) zu ändern benötigt dieselbe Kraft wie auf der Erde. Der Unterschied zwischen Gewicht (eine Kraft, die ihre Ursache in der Gravitation hat) und Masse (eine Eigenschaft des Körpers, die seine Trägheit ausdrückt) ist uns auf der Erde oft nicht bewusst, da die Größen in einem festen Verhältnis zueinander stehen, an die wir uns von klein auf gewöhnt haben. Im freien Fall oder auf dem Mond kann das Gewicht eines Körpers aber sehr viel geringer sein, obwohl die träge Masse gleich bleibt. Auf dem Mond braucht man nur ein sechstel der Kraft, um eine Eisenkugel anzuheben. Der Wurfbewegung des lunaren Kugelstoßers leistet sie aber denselben Widerstand. Auch bei einem Weltraumspaziergang lässt sich also ein 850 kg schwerer Tank nicht so einfach in supermannmanier an den richtigen Platz befördern.

Dieser zweite Weltraumspaziergang dauerte 7 Stunden und 26 Minuten. Diese Zahl verdeutlicht, dass so ein Weltraumanzug ein kleines Habitat für sich darstellt. Er schützt nicht nur mal eben so ein bisschen vor dem All wie eine dicke Jacke vor der Kälte, sondern ist ein kleiner Lebensraum mit Essen, Trinken, Atmosphäre und Abfallentsorgung. Heute waren die beiden nochmal im All, nämlich 6 Stunden und 24 Minuten lang. In ihrem bisherigem Berufsleben kommt jeder von den beiden auf über 38 Stunden Spacewalk und das ist noch nicht einmal Weltrekord!