Posts mit dem Label Raumfahrt werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Raumfahrt werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Himmelfahrt

 Dieses eindrucksvolle Video zeigt den Start eines unbemannten Progress-MS-10-Raumschiffs, das sich im November 2018 auf den Weg zur internationalen Raumstation ISS machte. Eigentlich längst nichts Besonderes mehr, aber in diesem Video sehen wir den Start aus der Perspektive der ISS.

Gestartet wurde der Versorger Progress mit einer russischen Sojus-Rakete vom Weltraumbahnhof Baikonur. Gegen Ende des Videos sehen wir die Oberstufe der Rakete in der Erdatmosphäre verglühen, während sich das Progress-Raumschiff auf den Weg zur ISS macht.

Eindrucksvoll an solchen Bildern aus der ISS sind die Lichter der Städte und der sogenannte Airglow. Dieses Himmelsleuchten entsteht in der Stratosphäre. Dort werden Moleküle vom UV-Licht der Sonne zerbrochen und ihrer Elektronen beraubt. Wenn die Moleküle wieder rekombinieren, geben sie die Energie als Leuchten im sichtbaren Licht ab.

Das Zeitraffervideo fasst etwa 15 Minuten in 90 Sekunden zusammen.

Video Credit: ISAA, NASA, Expedition 57 Crew (ISS)
Processing: Riccardo Rossi (ISAA, AstronautiCAST)
Music: Inspiring Adventure Cinematic Background by Maryna

Quelle: APOD

20 Jahre Internationale Raumstation ISS

Image Credit & Copyright: Derek Demeter (Emil Buehler Planetarium) (Großansicht)

 Am 02. November 2000 dockte mit der Expedition 1 die erste Gruppe von Astronauten an die Raumstation ISS an, um sie in Betrieb zu nehmen. Die Crew aus einem NASA Astronauten und zwei russischen Kosmonauten bereiteten mit ihrem viermonatigen Einsatz die Station für weitere Langzeitaufenthalte vor. Gestartet sind die drei mit einem russischen Sojus-Raumschiff, gelandet mit einem amerikanischen Space Shuttle - auch das zeigt, dass die ISS ein Kind der Wendejahre ist.

Die ISS kreist in 90 Minuten in einer Höhe von 400 Kilometern um die Erde. Die Reibung mit der Restatmosphäre lässt die ISS langsam der Erdoberfläche näherkommen, weshalb die Höhe immer wieder mit Raketentriebwerken aktiv angehoben werden muss. 

Am Himmel ist die ISS als heller, schnell vorbeiziehender Stern zu erkenne und wenn man sie gesehen hat, hat man gute Chancen den nächsten Vorbeiflug in 1,5 Stunden wieder zu sehen. Allerdings ist die Sichtbarkeit der ISS nicht in jeder Nacht gegeben. Ihre Bahnebene ist gegenüber dem Äquator der Erde stark geneigt, so dass sie nicht bei jeden Umlauf Europa überquert. Sehr gute Vorhersagen mit einer detaillierten Grafik liefert die Seite heavens-above.com. Wenn man den eigenen Beobachtungsstandort eingegeben hat, kann man sich die Überflugzeiten der ISS und anderer Satelliten anzeigen lassen.

Astrofotografen machen sich längst einen Spaß daraus, die ISS fotografisch nachzuweisen und auch den Vorbeiflug vor der Sonne und den Mond abzupassen. Solch ein Transit bedarf genauer Vorarbeit. Ein beeindruckendes Ergebnis ist die Aufnahme oben, die am 03. November entstand.

Auf dem Foto sehen wir gleich zwei große Errungenschaften der Menschheit: Die Internationale Raumstation ISS und auf dem Mond in 380.000 Kilometer Entfernung die Landestelle von Apollo 11 im Mare Tranquillitatis, Dieses "Meer der Ruhe" ist als dunkler Fleck rechts und etwas oberhalb der ISS zu erkennen.

Die Mondlandung war der mutige Aufbruch auf einen fremden Himmelskörper, maßgeblich getrieben vom Wettlauf der Systeme im Kalten Krieg. Die ISS erlaubt Langzeitaufenthalte in der Mikrogravitation. Sie ist ein Symbol für die Zusammenarbeit der Menschheit über nationale Grenzen hinweg und ein Ausdruck der Stimmung in den Nachwendejahren.

Juri Gagarin und die Corona-Krise



Am 12. April 1961 startete Juri Gagarin als erster Mensch ins Weltall. Er umrundete einmal die Erde, um schließlich auf einem Acker am Fallschirm zu landen.

Diese historische Erstleistung markiert den Wandel der Menschheit zu einer weltraumfahrenden Spezies wie kein anderes Ereignis. So kommt es, dass alljährlich an einem Wochenende rund um den 12. April weltweit die Yuri's Night gefeiert wird. Weltraumenthusiasten treffen sich zu einer Party, um Juri Gagarin und alle die nach ihm kamen zu feiern - und natürlich auch um die eigene Begeisterung für das Thema Raumfahrt auszuleben.

Dieses Jahr fallen leider aus dem bekannten Grund die Partys aus. Nein, nicht wirklich! Wie so manches andere derzeit auch, wir die Yuri's Night einfach ins Internet verlegt. Die Gründer der Yuri's Night laden zu einem weltweiten Livestream ein, zu dem sich zahlreiche hochkarätige Gäste angekündigt haben, zum Beispiel die Astronauten Nicole Stott, Chris Hadfield und Scott Kelly. Mehr Informationen zu dem Event gibt es hier: party.yurisnight.net/globalwebcast

Der Livestream beginnt allerdings zu einer recht ungünstigen Zeit. Heute Abend um 16:00 Uhr PDT. Das ist in unserer Zeitzone Sonntagfrüh um 01:00 Uhr nachts. Der Stream kann hier live verfolgt werden und - davon gehe ich aus - am Sonntag zu einer gemütlichen Zeit einfach nachgeschaut werden:



Für die Oscar-Verleihung bleiben viele Menschen in Deutschland auch gerne die ganze Nacht wach. Warum nicht auch für Juri Gagarin und seine Nachfolger?

Start und Ankunft der Expedition 63 an der ISS

Image Credit: NASA/GCTC/Andrey Shelepin


Dieses beeindruckende Bild zeigt den Start des Raumschiff Sojus MS-16 mit drei Mann Besatzung am Donnerstag, 9. April 2020, vom Kosmodrom Baikonur in Kasachstan. An Bord befindet sich der amerikanische Astronaut Chris Cassidy und die beiden russischen Kosmonauten Anatoly Ivanishin und Ivan Vagner.

Bereits sechs Stunden später, nach gerade mal vier Orbits um die Erde, dockte das Sojus-Raumschiff an die Internationale Raumstation ISS an. Hier wird die Crew als Expedition 63 sechseinhalb Monate verbringen.

Das Video unten zeigt noch einmal den Start, kommentiert aber vor allem das Andockmanöver und bietet darüber hinaus viele Hintergrundinformationen zu dieser Mission:




Quelle und weitere Informationen: nasaspaceflight.com

Gruppenfoto mit Marsmenschen

Credit: NASA
 Elf frisch gebackene Astronauten stellt die NASA auf diesem Gruppenfoto vor. Über zwei Jahre dauerte die Ausbildung dieser jungen Leute. Ihr zukünftiges Einsatzgebiet ist nicht nur der erdnahe Weltraum auf der Internationalen Raumstation ISS, sie sollen vielmehr im Rahmen des Programms Artemis zum Mond fliegen. Im Jahre 2024, so der Plan der NASA, soll wieder ein Amerikaner auf dem Mond landen. Dieses Mal soll eine Astronautin den kleinen Schritt machen - eine Frau, die auf diesem Bild wahrscheinlich schon zu sehen ist.

Die Aufnahme der Mondflüge soll dieses Mal nachhaltiger sein, als im Rahmen des Apollo-Programms. Jede Mission leistet einen Beitrag zur Vergrößerung der Infrastruktur auf dem Mond, so dass jeder weitere Flug darauf aufbauen kann. Ausgangsbasis für die Mondlandungen soll eine Station im Mondorbit werden, das Lunar Gateway.

Die Mondpläne der NASA sind recht konkret und mit dem Jahr 2024 auch mit einem konkreten Datum in der nahen Zukunft versehen. Laut NASA sehen wir aber auf diesem Foto auch bereits die ersten Astronauten, die dann ab 2030 zum Mars fliegen sollen. Dafür gibt es kein konkretes Datum. Die NASA will die neuen Mondflüge auch als Test für eine Mission zum Mars verstanden wissen. Die elf Astronauten haben bis dahin also noch viel zu lernen.

Artemis: Zum Mond reisen, um zu bleiben

Der Mond ist längst wieder im Fokus der Raumfahrt. Galt noch um die Jahrtausendwende der Flug zum Mars als das ultimative Menschheitsprojekt, entwickeln die Raumfahrtagenturen Strategien für eine erneute Landung auf den Erdtrabanten.

Der Mond ist so groß, dass er als Planet durchgehen würde, wäre er nicht an die Erde gebunden. Er erreicht über ein Viertel des Erddurchmessers, weshalb man von einem Doppelplanetensystem reden kann. Der Erdmond ist der fünftgrößte Begleiter eines Planeten in unserem Sonnensystem. Er spielt in der Klasse der vier großen Galilei’schen Monde des Jupiters, wäre beim Saturn der zweitgrößte Mond nach Titan und ist größer als jeder Mond, den Uranus und Neptun aufbieten können. Der Mond ist ein Geschenk des Himmels.

Astronaut Buzz Aldrin fotografiert von Neil Armstrong, Apollo 11, 1969. Credit: NASA

Nachdem im Jahre 1972 zum letzten Mal Menschen auf dem Mond landeten schien es nur folgerichtig, dass der nächste große Schritt der Menschheit auf dem Mars stattfinden sollte. Doch gibt es gute Argumente, das viel näher gelegene Ziel Mond anzuvisieren. Hier sollen ein paar gute Gründe genannt werden:

Die Mondlandung ist wieder eine Herausforderung 

Im Jahre 2019 feiern wir das fünfzigjährige Jubiläum der ersten Landung auf dem Mond im Rahmen des US-amerikanischen Apollo-Programms. Von den insgesamt zwölf gelandeten Apollo-Astronauten sind derzeit noch vier am Leben. Bald sind wir wieder so weit wie vor dem Jahr 1969 und es gibt auf der Erde keinen einzigen lebenden Menschen mehr, der schon einmal auf dem Mond war.

Diesem Verlust an persönlicher Erfahrung und authentischer Erzählung von der Reise zum Mond geht einher mit dem allmählichen Verschwinden des technischen Knowhows. Nicht nur die Astronauten sterben, sondern auch die Ingenieure. Möglicherweise stehen wir eines Tages ähnlich ratlos vor dem Apollo-Programm wie vor den Pyramiden von Gizeh.

Umgekehrt bedeutet dies, dass die Ingenieure von heute neuen Techniken für einen Mondflug mit den heutigen Standards entwickeln und erproben müssen. Eine erneute Mondlandung wäre also nicht einfach eine Wiederholung des Altbekannten, sondern eine große Tat und ein großes Erlebnis einer neuen Generation.

Der Mensch ist verwundbar 

Die Internationale Raumstation (ISS) ist seit zwanzig Jahren im All. Da sie in nur rund 400 Kilometern Höhe um die Erde kreist, hat sie uns den Mars kein Stückchen nähergebracht. Doch befinden sich dank der ISS seit dem 2. November 2000 permanent Menschen im Weltall. Im Vergleich zu einem Aufenthalt auf der ISS war jede Mission des Apollo-Programms nur ein kurzer Ausflug. Wir wissen nun, welchen Sport Astronauten betreiben müssen, welche Nahrung bekömmlich ist und vieles mehr, was für einen Langzeitaufenthalt im Weltall notwendig ist, um Astronauten gesund und bei Laune zu halten. Vor allem wissen wir nun, wie gefährlich eine zweijährige Reise zum Mars für die Gesundheit der Astronauten ist. In der Raumfahrteuphorie der Sechzigerjahre hatte man von all dem keine echte Vorstellung.

Von der ISS können die Astronauten mit einer Rettungskapsel in wenigen Stunden geborgen werden. Vom Mond benötigt die Evakuierung eines verletzten Astronauten wenige Tage. Wer zum Mars fliegt, ist aber ganz auf sich allein gestellt. Entsprechend groß wäre die Anforderung an ein Marsraumschiff, wenn man die Gesundheit der Astronauten garantieren möchte.

Nachhaltigkeit: Kommen, um zu bleiben 

Das Apollo-Programm war darauf ausgerichtet, bis zum Ende der Dekade einen Menschen auf den Mond zu schicken und sicher zurückzubringen. Es ging um die Erstleistung, mit der man den Systemgegner Sowjetunion vorführen wollte. Nachdem dies gelang, verlor das Programm schnell den politischen Rückhalt. Nun stehen auf dem Mond drei Autos, die niemand mehr fährt, sechs Abstiegsstufen mit allerlei Ausrüstung, die niemandem etwas nützt.

Moderne Konzepte für die Rückkehr zum Mond sind auf Nachhaltigkeit angelegt. Statt an verschiedenen Stellen zu landen soll jede neue Landung die Arbeiten der jeweiligen Vorgängermissionen nutzen. So soll eine Infrastruktur aufgebaut werden, die ab einer bestimmten Ausbaustufe den Langzeitaufenthalt erlaubt – ein bisschen so, wie man es von der Polarforschung kennt. Wichtig ist dafür vor allem die konsequente Nutzung der Ressourcen vor Ort.

Entwurf einer Mondstation mit einer schützenden Hülle aus Ziegel, die vor Ort aus Mondstaub gewonnen werden sollen. Credit: ESA/Foster + Partners

Nach der Vorstellung der Europäischen Raumfahrtbehörde ESA soll der notwendige Schutzbau einer Mondstation mit Hilfe von Robotern direkt aus den Rohstoffen des Mondes im 3D-Druckverfahren hergestellt werden. Eine an den Polen des Mondes aufgebaute Station könnte nahezu kontinuierlich Sonnenenergie gewinnen. Da die Rotationsachse des Mondes fast senkrecht auf der Ekliptik steht, wird es dort nie dunkel.

Aber es kommt noch besser: Seit der Mission des Mondorbiters Clementine der NASA im Jahre 1995 wissen wir, dass es Wasser auf dem Mond gibt – und das praktischerweise auch an den Mondpolen. Während Berge an den Polen ständig im Sonnenlicht baden, gelangt das Licht nie in die benachbarten tiefen Krater. Hier konnte sich Eis aus Kometeneinschlägen bis heute halten. Wasser ist das Wundermittel der Raumfahrt: Man kann es trinken oder elektrolytisch in seine Bestandteile Wasserstoff und Sauerstoff zerlegen. Dieses Gasgemisch kann als Raketentreibstoff dienen oder in einer Brennstoffzelle wieder zur Stromgewinnung genutzt werden. Außerdem schützt Wasser vor hochenergetischer Teilchenstrahlung, wie zum Beispiel dem Sonnenwind.

Neue Mitspieler: Die NASA ist nicht mehr allein 

So erfolgreich die Sowjetunion mit unbemannten Landegeräten und sogar Missionen zur Rückführung von Gesteinsproben war, mit dem Apollo-Programm der NASA konnten sie nicht mithalten. Umgekehrt fehlte der amerikanischen Raumfahrtpolitik bald der Konkurrent, der weitere Anstrengungen erforderlich machte. Das hat sich nun geändert. Derzeit befindet sich die chinesische Mission Chang’e 4 auf dem Mond. Diese besteht aus einem Lander und dem Rover Yutu-2.

Chinesischer Mondrover Yutu im Mare Imbrium, fotografiert vom Lander Chang’e 3. Credit: Credit: Chinese Academy of Sciences/NAOC/Science and Application Center for Moon and Deepspace Exploration
 
Das sensationelle daran ist, dass Chang’e 4 auf der erdabgewandten Seite des Mondes gelandet ist. Das ist eine Leistung, die auch der NASA noch nicht gelang. Das Problem ist der Funkschatten des Mondes, der jegliche Kommunikation mit dem Raumfahrzeug verhindert. Die Chinesen haben dafür am sogenannten L2-Punkt des Erde-Mond-Systems einen Satelliten platziert, der die Verbindung zu Chang’e 4 herstellt. Wir wissen nicht viel über die Rückseite des Mondes. Das wird sich jetzt ändern.
Übrigens ist der Funkschatten auch der Grund, warum Radioastronomen von einem Teleskop auf der fernen Seite des Mondes träumen.

Im Jahre 2030 soll der erste Taikonaut – so nennt man chinesische Astronauten – den Mond betreten. Dafür entwickelt China derzeit eine Rakete, die Langer Marsch 9 genannt wird. Sie soll größer und leistungsstärker als die Saturn-V-Rakete des Apollo-Programms werden. Das definierte Ziel der Chinesen ist eine bemannte Mondbasis.

Nicht nur die Chinesen haben ehrgeizige Pläne, auch kleinere Raumfahrtnationen sind vorne mit dabei. So hatte die indische Raumfahrbehörde ISRO bereits im Jahre 2008 mit Chandraayan-1 einen Mondorbiter gestartet. Auch dieser konnte Wasser nachweisen. In diesem Jahr soll die Nachfolgemission Chandraayan-2 das Wasservorkommen näher untersuchen. Chandraayan-2 ist mit einem Gewicht von 3.850 Kilogramm ein sehr ambitioniertes Projekt, das aus Orbiter, Lander und Rover besteht. Mit 70° südlicher Breite ist die geplante Landestelle schon relativ nahe am Südpol. China und Indien sind nur zwei Beispiele für Raumfahrtnationen, die es in der Apollo-Ära gar nicht gab. Weitere Länder mit lunaren Ambitionen sind Israel, Japan und Südkorea.

Mit privatem Geld zum Mond 

Noch gar nicht erwähnt wurden bislang die Mondträume der Technologie-Milliardäre. Statt sich eine weitere goldene Badewanne zu kaufen stecken die Superreichen der Technologiebranche ihr Geld in die Verwirklichung ihrer Kindheitsträume vom Flug zu Mond oder Mars. Die bekannteste, weil schillerndste Figur ist Elon Musk. Die Dragon-Raumschiffe seines kalifornischen Unternehmens SpaceX fliegen bereits routiniert die Raumstation ISS an – bis jetzt noch unbemannt.

Ein Dragon-Raumtransporter der Firma SpaceX wird vom Roboterarm der ISS gehalten und an die Lutschleuse geführt. Credit: NASA


Bislang war Elon Musk eher für seine hochtrabenden Marspläne bekannt, doch soll es auch für SpaceX nun zuerst zum Mond gehen. Er will im Jahre 2023 ein bemanntes Raumschiff zum Mond schicken, das zwar nicht landen, aber den Mond umkreisen soll. Es wäre eine Wiederholung der Apollo-8-Mission aus dem Jahre 1968. Im Unterschied zu damals würde aber dieses Mal die Besatzung nicht aus todesmutigen Jetpiloten bestehen. Der japanische Milliardär Yusaku Meazawa hat das Ticket bezahlt und will mit einer Handvoll Künstler die etwa einwöchige Reise antreten, in der Hoffnung, dass Künstler besser von ihrer Mondfahrt berichten könne, als die wortkargen Haudegen der frühen Raumfahrtjahre (2). Dass diese gefährliche Reise mit Touristen statt ausgebildeten Piloten durchgeführt werden soll, zeigt, dass die neuen Reisen zum Mond mit modernerer Technik von statten gehen wird, als sie in den Sechzigerjahren zur Verfügung stand.

Viel geheimnisvoller dagegen sind die Pläne des reichsten Mannes der Welt. Jeff Bezos, dank der Gründung von Amazon sehr reich geworden, schießt jedes Jahr eine Milliarde Dollar in sein Unternehmen Blue Origin (3). Sein erklärtes Ziel ist der Mond. Wie bei SpaceX beherrscht man auch bei Blue Origin die Wiederverwendbarkeit der Raketen – eine Technik, die sich möglicherweise erheblich auf die Kosten auswirken wird. Wohin Elon Musk, Jeff Bezos und andere private Investoren der Raumfahrt mit ihren Raketen fliegen wollen, bleibt aber letztlich immer ungewiss; anders als staatliche Behörden sind sie zu keiner Auskunft verpflichtet. Ihr Geschäftsmodell besteht aber natürlich auch darin, der NASA ihre Dienstleitungen zu verkaufen, so wie das bei den Dragon-Frachtern zur ISS bereits heute geschieht. Die Zeiten, in der eine staatliche Behörde ein Raumfahrprogramm mit der gesamten Hardware von der Pike auf konzipiert sind zumindest in den USA möglicherweise bereits vorbei.

Der Roman zur Besiedlung des Mondes: Artemis von Andy Weir 

Jasmine Bashara, genannt Jazz, ist ein echtes Mondkind, geboren und aufgewachsen in Artemis. Diese Stadt auf dem Mond besteht aus fünf miteinander verbundenen Aluminiumkugeln. Die Kugeln sind tief in den Mond eingegraben, so dass nur große Kuppeln über den Boden hinausragen. Für Jazz ist dies die naturgegebene Umwelt ihrer Kindheit. Sie kennt nichts anderes. Ein Besuch auf der Erde wäre nur mit lästiger Anpassung an die sechsmal höhere Schwerkraft verbunden.

Umgekehrt jedoch ist der Besuch von Artemis für Erdbewohner ein echtes Vergnügen und so ist Tourismus die Haupteinnahmequelle dieser zweitausend Einwohner zählenden Stadt. In der Aldrin-Kuppel – alle Kuppeln sind nach Apollo-Astronauten benannt – finden diese Touristen alles, was sie für einen unbeschwerten Aufenthalt benötigen. Dazu gehört ein künstlich angelegter Park unter einer Kuppel aus Glas, der einzige Ort, an dem man nach draußen sehen kann. Wer will kann mit dem Zug in das vierzig Kilometer entfernte Apollo-11-Besucherzentrum fahren. Hier kann man kitschige Apollo-Souvenirs erstehen und den echten Apollo-11-Landeplatz durch ein großes Glasfenster bewundern.

Für ein paar Slugs mehr, ist auch ein Mondspaziergang um die Landestelle in speziellen Hamsterrädern möglich. Hamsterräder sind durchsichtige Plastikkugeln, in denen die Touristen auf der Mondoberfläche rollen können. Das ist einfacher und bequemer als in den komplizierten Raumanzügen der Astronauten. Außerdem können die Touristen durch ihre Hamsterräder nichts anfassen und somit auch kein Stück Apollo-Lander als Mitbringsel abbrechen.

Slug ist der Name der Währung auf Artemis. Genau genommen heißt sie SLG, was für Soft Landed Grams steht. Die Idee hinter der Währung ist sehr einleuchtend: 1000 SLG entsprechen so viele Euro, wie es kostet, ein Kilogramm Material zum Mond zu bringen. Wer eine Rakete baut, die weich auf dem Mond landen kann, erhält mit jedem Gramm, das er abliefert, einen Slug. Das erinnert nicht zufällig an den Goldrausch im amerikanischen Westen, bei dem durch Goldschürfen unmittelbar Geld erschaffen wurde. Artemis liegt nicht im Wilden Westen, ist aber doch eine Stadt im neu besiedelten Land, die Glücksritter anlockt und deren Exekutive noch unterentwickelt ist. Man hilft sich selbst.

https://www.amazon.de/gp/product/345327167X/ref=as_li_tl?ie=UTF8&tag=literaturecho-21&camp=1638&creative=6742&linkCode=as2&creativeASIN=345327167X&linkId=6ca2a10371967a86764f536399e85c50

Die Mondstadt Artemis mit ihrer jungen Protagonistin Jazz ist eine Erfindung von Andy Weir. Diesem Autor gelang 2011 (in deutscher Übersetzung 2014) ein sagenhafter Erfolg mit seiner Geschichte um Mark Watney, der als Astronaut auf dem Mars gestrandet war und sich bis zu seiner Rettung als einziger Mensch auf dem roten Planeten durchschlagen musste. Das Buch Der Marsianer wurde nur wenige Jahre nach seinem Erscheinen von Ridley Scott verfilmt.

In seinem neuen Roman wendet sich Andy Weir nun also dem Mond zu, bleibt aber in vielen Dingen seinem Stil aus Der Marsianer treu. Auch Artemis spielt in einer nahen Zukunft und kommt ganz ohne exotische Sciencefiction-Technologie aus. Die Mondstadt Artemis könnte im Grunde so gebaut werden, wie der Autor sie beschreibt. Der bekennende Raumfahrtenthusiast Andy Weir hat auch für diesen Roman sehr aufwendige Recherchen betrieben. Es gibt wohl kaum einen anderen aktuellen Sciencefiction-Autor, dem der technisch-wissenschaftliche Hintergrund seiner Geschichten so sehr am Herzen liegt, wie Andy Weir. Daher ist der Roman Artemis ein Lesegenuss für alle an Raumfahrt und Astronomie interessierte Leser.

Wie schon der Roman Der Marsianer ist auch Artemis eine sehr stark handlungsgetriebene Geschichte. Als Leser sind wir ständig nahe bei der Protagonistin Jazz. Alles, was in der Geschichte geschieht, erfahren wir aus ihrer Ich-Perspektive quasi in Echtzeit. Die temporeiche Erzählweise kommt ohne lange dozierende Einschübe aus. Es gibt keine seitenlangen Beschreibungen der Geschichte und Funktionsweise von Artemis. Alle notwendigen Informationen ergeben sich aus der Handlung. Andy Weir hat diesbezüglich eine besondere Begabung. 
Er bedient sich dafür auch eines hübschen erzählerischen Tricks: Als Schülerin wurde Jazz aufgefordert eine Brieffreundschaft mit einem gleichaltrigen Jungen auf der Erde einzugehen. Jedes Kapitel endet mit Auszügen aus den Emails dieser beiden heranwachsenden Brieffreunde. So erfahren wir wieder in direkter Rede, wie es sich in dieser Zukunft anfühlt, auf dem Mond oder der Erde aufzuwachsen. Später wird aus diesem irdischen Brieffreund ein Geschäftspartner, der Jazz beim illegalen Schmuggeln begehrter Waren behilflich ist.

Eine weitere Gemeinsamkeit der beiden Helden Mark Watney und Jasmine Bashira ist ihr völliges Desinteresse an der außergewöhnlichen Schönheit ihrer Umgebung. Der Marsianer Watney ist ganz mit Überleben beschäftigt. Jazz hingegen kennt als Mondkind nichts anderes als den Mond. Er ist für sie nichts besonders und daher gibt es keinen Grund in ihrer Ich-Erzählung seine Schönheit zu feiern - auch das macht Jazz zu einer authentischen Figur.

Die Bewohner von Artemis verdienen ihr Geld mit Tourismus. Doch gibt es auch eine Industrie vor den Toren der Mondstadt. In einer Schmelzanlage stellen die Artemisianer aus dem allgegenwärtigen Mineral Anorthosit fast alles her, was sie brauchen: Aluminium, Glas und Sauerstoff. Betrieben wir die Anlage mit Kernkraft – auch hier hält sich der Autor an altbekanntes. Das Unternehmen, das diese Anlage betreibt, versorgt die Stadt mit Sauerstoff im Tausch gegen die erforderliche Prozessenergie. Ein lukratives Geschäft, in das ein artemisansässiger Millionär gerne einsteigen würde. Da trifft er auf Jazz, eine junge Frau, die schon früh aus dem Leben gefallen ist und sich als Paketbote gerade so über Wasser hält. Sie ist bereit, für eine Verbesserung ihrer Situation ein krummes Ding zu drehen. So bekommt sie den Auftrag, die Anorthosit-Abbaumaschinen zu sabotieren, auf dass der Millionär mit seinen bereitstehenden Maschinen das Geschäft übernehmen kann. Etwas läuft schief und was Jazz nicht wusste, war, dass die Schmelzanlage längst Eigentum des organisierten Verbrechens ist. Für Jazz beginnt ein Versteckspiel vor deren Killern in der Mondstadt Artemis.

Der Roman Artemis ist im Kern also ein Krimi. Ihren besonderen Reiz bezieht die Geschichte aus den faszinierenden Eigentümlichkeiten einer Mondstadt, wie beispielsweise die geringe Gravitation, die ständige Abhängigkeit von Lebenserhaltungssystemen, der gefährliche Mondstaub, die Enge einer Stadt, die eher einer Raumstation gleicht. Außerdem schlägt Andy Weir einen Bogen zu der amerikanischen Erzähltradition der New Frontier. Das sind Geschichten vom Leben im weiten, unerschlossenen Land, in einer Gesellschaftsordnung, in der Zugehörigkeit und persönliches Arrangement mehr zählen als staatliche Ordnung.

Einen großen Unterschied zum Roman Der Marsianer ist besonders auffällig. Sein erstes Buch hat Andy Weir in Abschnitten geschrieben, die er in einem Blog online veröffentlichte. Er brachte Mark Watney immer wieder in ausweglose Situationen, aus denen er ihn dann mit der Hilfe seiner Leser befreien musste. Dadurch ist sein erster Roman episodenhaft angelegt. Die Handlung in Artemis hingegen ist sehr dicht konstruiert: alles geschieht aus einem Grund und trägt zum Fortgang der Story bei.
Artemis wird in die Kinos kommen. Da die Geschichte mit einer Stadt auf dem Mond größer angelegt ist, als die Geschichte des Marsianers in seinem kleinen Habitat, dürfen wir uns auf ein visuelles Erlebnis über das Leben auf unserem Erdtrabanten freuen!

Anmerkung: Dieser Rezension liegt die International Edition (ISBN 978-0-525-57266-4) zugrunde. Daher kann über die Qualität der deutschsprachigen Übersetzung nichts gesagt werden.

Fußnoten:

(1) Laut dem Beitrag „Zurück zum Mond – Renaissance im Weltraum“ erschienen in Space 2019, herausgegeben vom VfR e.V.
(2) Laut einer Meldung auf br.de vom 18.09.2018: „Japanischer Weltraumtourist soll mit SpaceX um den Mond fliegen“
(3) Laut dem Beitrag „Mit Amazon zum Mond“ erschienen in Space 2018, herausgegeben vom VfR e.V.

Scott Manley schaut sich einen Raketenstart an

Seit das amerikanische Raumfahrtunternehmen SpaceX seine Raketen von Kalifornien aus ins All schießen darf, gibt es ein ganz neues Publikum für diese spektakulären Ereignisse. Schließlich wohnen in diesem dicht besiedelten Teil der USA viele kluge Leute, wie zum Beispiel Scott Manley. Hier sein Bericht vom Start einer Falcon-9-Rakete von SpaceX am 7. Oktober:

Europa hat einen neuen Astronauten: Matthias Maurer

Am 25. September 2018 hat Matthias Maurer am europäischen Astronautenzentrum in Köln seine Prüfung abgelegt und darf sich nun ganz offiziell Astronaut nennen. Der 1970 in St.Wendel im Saarland geborene Materialwissenschaftler hat nun also die Lizenz zum Schweben.

Wohin wird die ESA ihn schicken? Als relativ junger Astronaut hat er durchaus die Chance, der erste Deutsche auf dem Mond zu sein.

Die Zukunft ist ungewiss. Das Video zeigt ein paar schöne Impressionen von der aufwendigen Ausbildung, die Matthias Maurer genossen hat.


Das Mars-Raumschiff von SpaceX

Elon Musk, Gründer der Raumfahrtfirma SpaceX will Menschen im Jahr 2024 zum Mars zu bringen und schließlich den roten Planeten zu kolonisieren. Um den ungefähr sechsmonatigen Flug zu bewältigen, hat sich Musk und seine Ingenieure ein Trägersystem ausgedacht, das Big Falcon Rocket oder BFR genannt wird. An der Spitze der BFR sitzt das Mars-Raumschiff, das auf dem Booster in den Weltraum fliegen würde.
SpaceX baut in Los Angeles einen Prototyp des Big Falcon Spaceship. Es gibt bereits offizielle Grafiken der inneren Struktur des Raumschiffs, aber keine zeigt genau, wie das Schiff für den Mars ausgerüstet sein wird. Der Grafiker Nick Oberg hat seine eigene Illustration geschaffen, wie das Fahrzeug innen aussehen und funktionieren könnte. In diesem Video von Engineering Today werden die wichtigsten Komponenten von Obergs Zeichnung vorgestellt.
 

Zeugs im All

 

Stuff in Space heißt eine Animation, die alle Erdsatelliten auf einen Blick zeigt. Per Mausklick kann man sich um die Erde bewegen und mit dem Scrollrad rein- und hinauszoomen. Jeder Punkt stellt einen Satelliten auf seiner Erdumlaufbahn in Echtzeit dar. Ein Klick auf einen Punkt liefert Informationen zum ausgewählten Objekt.

Unter den Objekten befinden sich nicht nur Satelliten und Raumstationen, sondern auch größere Stücke Weltraummülls.

Die geostationäre Umlaufbahn ist ebenso eindeutig erkennbar, wie auch bevorzugte polare Umlaufbahnen. 

Erstellt wurde die Webseite von James Yoder von der University of Texas in Austin. Als Grundlage dienen ihm die Daten von space-track.org

Quelle: universetoday.com

Im All schweben wie Bruce McCandless II


 Mit achtzig Jahren verstarb der amerikanische Astronaut Bruce McCandless II. Er wurde berühmt durch dieses Foto, das ihn unsterblich macht. Es zeigt den Astronauten während eines Außenbordeinsatzes in einhundert Meter Entfernung vom Space Shuttle Challenger. Kann anderer Mensch hat sich jemals so weit von einem Raumfahrzeug entfernt, um frei im Weltall zu schweben.

Der Grund für diesen Ausflug war der Test des Raketenrucksacks MMU (Manned Maneuvering Unit). Dieser kommt allerdings heutzutage nicht mehr zum Einsatz. Die Astronauten der Internationalen Raumstation ISS hangeln sich bei ihren Außenbordeinsätzen an Halterungen zum gewünschten Ziel und sind dabei mit Leinen gesichert. Eine leichtere Raketenrucksackversion, SAFER genannt, dient der Rettung, falls alle Stricke reißen.

 Image Credit: STS-41B, NASA 
Quelle: APOD

"The Falcon has landed"

Nicht der Adler, sondern der Falke ist am 21. Dezember 2015 gelandet und das auch nicht auf dem Mond, sondern auf der Erde. Das sensationelle an dem Flug der Rakete Falcon 9 war die Rückkehr der Hauptstufe zum Landeplatz, nachdem sie die Oberstufe mit der Nutzlast hoch in den Himmel getragen hatte.
Die rückgekehrte Stufe soll nun wiederverwendet werden. Wir des dem Unternehmen SpaceX gelingen auf diese Art und Weise die Kosten für den Flug in den Erdorbit erheblich zu reduzieren?
Dieses Video zeigt noch einmal sehr stimmungsvoll den historischen Flug der Falcon 9.