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Kartoffelförmige Sonnenfinsternis auf dem Mars

 Der Mars ist der einzige Planet, der ausschließlich von Robotern bewohnt wird. Einer davon ist der NASA-Rover Perseverance, der seit Februar 2021 den Mars bewohnt. Dem Rover gelang mit seinem Kamera-Auge am 02. April diese spektakuläre Aufnahme einer Sonnenfinsternis! 

Dabei schob sich der Marsmond Phobos vor die Sonnenscheibe und obwohl diese im weit entfernten Mars deutlich kleiner ist als am irdischen Himmel, gelang es dem Mond nicht, sie komplett zu verdecken. Phobos ist lediglich 27x21x19 Kilometer groß. Die geringe Größe des Mondes verhindert, dass die Schwerkraft ihn zu einer runden Kugel formt. Daraus resultiert die Kartoffelförmigkeit des Mondes, die sich als Silhouette vor der Sonnenscheibe abzeichnet.

Der Mars hat noch einen zweiten, noch kleineren Mond namens Deimos. Die Namen Phobos und Deimos bedeuten Furcht und Schrecken, eine sehr passende Namensgebung für die Begleiter des Mars, den Gott des Gemetzels.

Die verwendete Kamera Mastcam-Z ist mit einem speziellen Sonnenfilter ausgestattet, der es ermöglicht sie direkt auf die Sonne auszurichten. Die Auflösung der Kamera ist dabei so hoch, dass in dem Video sogar Sonnenflecken zu sehen sind. Die Sonnenfinsternis dauerte etwas über 40 Sekunden.

Osternest auf dem Mars

 Seit 2006 befindet sich der Mars Reconnaissance Orbiter (MRO) in einem Orbit um den Mars. An Bord ist eine hochauflösende Kamera namens HiRise: https://hirise.lpl.arizona.edu/

Aus den Daten dieser Kamera hat Seán Doran ein beeindruckendes Panorama eines namenlosen Kraters auf dem Mars erstellt. Viel Spaß beim Flug über das etwas andere Osternest.


 

Schöne Grüße aus Jezero

 Dieses Panorama, zusammengestellt aus 142 Einzelaufnahmen, erstellte der Marsrover Perseverance am dritten Tag nach seiner Landung. Am besten schaut man sich das 360°-Panorama in voller Größe an.

Image Credit: NASA, JPL-Caltech, MSSS, ASU

Solche Aufnahmen erstellt der Rover mittels einer Kamera, die auf einem drehbaren Mast montiert ist. Zu erkennen ist auch die Oberseite des Rovers selbst und dahinter zwei helle Flecken auf dem Marsboden. Diese wurden bei der Landung durch die Bremsraketen erzeugt, die den Staub von der Oberfläche geblasen haben.

Die Berge im Hintergrund sind der Rand des Kraters Jezero, in dem Perseverance gelandet ist. Er hat einen Durchmesser von 45 Kilometern und bildete einst den Grund eines Sees. An seiner westlichen Seite hat ein Fluss ein großes Delta geschaffen, also Sedimente in den Kratersee abgelagert. Dieses Delta solch sich der mobile Rover aus der Nähe anschauen. Man erhofft dort auf tonhaltige Sedimente zu stoßen, in denen sich organisches Material gut erhalten kann. Mehr über die Geologie von Jezero gibt es hier auf universetoday.com zu lesen. 

Aus diesem Artikel stammt auch die Grafik mit der Landeposition von Perseverance in Jezero. Der Rover ist mit einem Stern und der offiziellen Bezeichnung "Mars 2020" markiert.

Credit: ESA/DLR/FU Berlin, BY-SA 3.0 IGO

Das Panorama vermittelt auch einen kleinen Eindruck vom Marshimmel. Seine Farbe ist vom allgegenwärtigen Staub geprägt und weniger von Atmosphärengasen. Ein Phänomen, von dem wir eine Ahnung bekommen, wenn der Wind Saharastaub bis nach Europa trägt. Der Himmel erscheint orange und in Richtung Sonne bläulich - genau umgekehrt wie bei der Erde.

Lesetipp: Mehr Kartenmaterial rund um Jezero und eine genaue Beschreibung der Bilder finden sich in dieser Mitteilung des DLR: An in-depth look at the ge­o­log­i­cal con­text of the Mars 2020 land­ing site through the eyes of DLR's HRSC in­stru­ment

Die Landung des Perseverance auf dem Mars

 

Die Landung des Mars-Rovers Perseverance am 20. Februar musste vollautomatisch erfolgen, da jedes Signal vom Mars zur Erde mehrere Minuten unterwegs ist. Ein schnelles Eingreifen der irdischen Flugkontrolle ist nicht möglich. Abgesehen von den technischen Schwierigkeiten macht es auch keinen Sinn Live-Bilder von der Landung zu übertragen. Die Ingenieure können sowieso nicht eingreifen.

Dennoch hat Perseverance seine Landung aufwendig selbst dokumentiert. Diese Bilder wurden für dieses Video mit den Stimmen aus dem Kontrollraum kombiniert, so dass der zeitliche Ablauf der Landung aus der Perspektive des Rovers und der Wissenschaftler zugleich verfolgt werden kann.

 Das Video beginnt mit dem Öffnen des riesigen Fallschirms, der das schnelle Raumschiff beim Eintritt in die Marsatmosphäre dramatisch verlangsamt. Als nächstes trennt sich der Hitzeschild und fällt voraus. Im weiteren Anflug zeigt die Kamera immer detaillierter die Marslandschaft.

Nach dem Abtrennen des Fallschirms bremsen Raketenmotoren den Fall des Rovers. Sobald er dem Marsboden genügend nahegekommen ist, lässt der Himmelskran den Rover an drei Seilen behutsam ab. Sobald die Räder Kontakt haben, lösen sich die Kabel und der Himmelskran fliegt mit seinem Raketenmotoren weg, um den Rover nicht zu beschädigen. Kurz vor der Landung sieht man, wie der sehr feine Marsstaub von den Raketenmotoren des Himmelkrans aufgewirbelt wird.

Der Rover Perseverance steht nun im Krater Jezero und kann mit seiner Arbeit beginnen.

Mars in Opposition

Image Credit & Copyright: Damian Peach

 Alle 780 Tage überholt unser Raumschiff Erde den Planeten Mars auf der Innenbahn. Dann steht der rote Planet der Sonne am Himmel gegenüber. Er geht mit Sonnenuntergang auf und ist die ganze Nacht am Himmel zu sehen. Die Astronomen bezeichnen solch eine Stellung eines äußeren Planeten als Opposition. Der Mars erreicht die Opposition am 14. Oktober. Er hat dann eine Helligkeit von -2,7 mag und ist damit nach dem Mond das hellste Objekt Nachhimmel, bis ihm der Morgenstern Venus diesen Rang streitig macht. 

 Die Bahnen der Planeten um die Sonne sind keine perfekten Kreise, sondern Ellipsen. Diese Erkenntnis kam dem Astronomen Johannes Kepler im Jahre 1609 anhand der Positionsdaten des Mars, denn seine Bahn um die Sonne weicht so sehr von einer Kreisbahn ab, dass Kepler für seine Berechnungen zu den Ellipsen greifen musste. Die Ellipsenform der Marsbahn hat zur Folge, dass der Planet nicht in jeder Opposition die gleiche Entfernung zur Erde hat. Der Mars kann uns im günstigen Fall 56 Millionen Kilometer nahekommen, im ungünstigen Fall aber auch zur Opposition über 100 Millionen Kilometer entfernt sein. Dieses Jahr ist der Mars mit 62,1 Millionen Kilometer Entfernung zur Opposition also noch recht nahe und das Marsscheibchen mit 23 Winkelsekunden relativ groß. Erst im Jahre 2035 wird diese Entfernung wieder unterboten. 

Hinzu kommt, dass die Umlaufbahn des Mars gegenüber der Erdbahnebene geneigt ist. Das hat zur Folge, dass der Mars zur Opposition unterschiedlich hoch am Himmel steht. Je höher der Planet steht, desto weniger stört unsere Erdatmosphäre bei der Beobachtung. Auch in diesem Punkt können wir uns in diesem Jahr nicht beklagen, denn der Mars steht 5° über der Ekliptik, wie Astronomen die Erdbahnebene nennen. Bei der schon erwähnten günstigen Opposition im Jahre 2035 werden es -8° sein, also 13° tiefer am Himmel! 

Es lohnt sich also, den Oktober zur Marsbeobachtung zu nutzen! Sehr auffällig im Teleskop ist insbesondere die weiße Eiskappe des Nordpols, denn seit dem 02. September ist Winter auf der Nordhalbkugel des Mars. 

Diese mit Stellarium erzeugte Himmelsansicht zeigt dem Mars am 14. Oktober um 23:00 Uhr MESZ im Sternbild Fische. Auch Uranus ist in Opposition, doch um diesen Planeten zu sehen, benötigt man ein Teleskop.

 Oppositionsstellungen der Planeten wurden von Astronomen schon immer zur intensiven Beobachtung genutzt. So konnte der Astronom Asaph Hall bei der Mars-Opposition im Jahre 1877 zwei Monde entdecken, die auf den Namen Phobos und Deimos getauft wurden. Während der gleichen Opposition entdeckte sein Kollege Giovanni Schiaparelli die „Marskanäle“, die aber nicht bestätigt werden konnten. Es handelte sich dabei wohl um optische Täuschungen, die aber das Interesse der Allgemeinheit am Mars stark beflügelt haben. 

Im heutigen Raumfahrtzeitalter markiert die Opposition das Startfenster für Missionen zum Mars. Gleich drei Missionen haben sich bereits auf dem Weg zum Mars gemacht, nämlich je ein Orbiter aus China und den Vereinigten Arabischen Emiraten und ein neuer Marsrover der NASA. Letzterer wird im Februar 2021 landen und dabei zum ersten Mal eine kleine Drohne auf dem Mars absetzen Die Drohne kann in kurzen Flügen größere Bereiche um das Landegebiet erkunden. Spätestens dann ist der Mars wieder in den Medien.

Drei neue Marsianer

Ein Selfie vom Mars: Der Rover Curiosity fotografierte sich selbst. Credit: NASA, JPL-Caltech, MSSS

 Der Mars ist der einzige Planet in unserem Sonnensystem, der nur von Robotern bewohnt wird. Bislang gelang es der Menschheit acht Erkundungsgeräte auf unserem äußeren Nachbarn landen zu lassen. So eine Landung ist ein kompliziertes Unterfangen. Die lange Laufzeit der Funksignale zwingt zu einer autonomen Landung und das auf einen Planeten, dessen Atmosphäre zu dünn ist, um gemächlich am Fallschirm herabzuschweben. Die gleiche Atmosphäre ist aber dick genug, um ein Raumfahrzeug verglühen zu lassen, das sich ihr ohne aufwendiges Hitzeschild nähert.

Alle 26 Monate öffnet sich das Fenster für einen Flug zum Mars, denn alle 26 Monate überholt unsere Erde auf ihrer Innenbahn den roten Planeten. Wenn Sonne, Erde und Mars auf einer Linie liegen, ist die Entfernung zum Mars am geringsten. Astronomen nennen diese Stellung Opposition, da der Mars dann der Sonne am irdischen Himmel gegenüber steht und so die ganze Nacht zu sehen ist. Die nächste Opposition wird Anfang Oktober erreicht. Der Mars ist dann von der Erde 62 Millionen Kilometer entfernt.

Zu dieser Opposition starten gleich drei neue unbemannte Raumschiffe zum Mars. Eines davon soll den Planeten auf einer Umlaufbahn umkreisen, zwei sollen die gefährliche Landung wagen. Die Raumfahrtexpertin Emily Lakdawalla hat für die Planetary Society diese schöne Infografik erstellt, die sowohl alle bereits erfolgten als auch die neu geplanten Landungen auf dem Mars zeigt:


Zur Großansicht Credit: The Planetary Society

Die beiden Landegeräte, die im Juli starten sollen sind:

  • Der Rover Perseverance der NASA. Das ist ein drei Meter langes Fahrzeug im bewährten Design des Rovers Curiosity. Eine Besonderheit ist, dass der Rover Materialproben sammeln soll, die in einer späteren Mission zur Erde zurückgebracht werden sollen (Sample Return Mission). Am Bauch des Rovers ist der Mars Helicopter geschnallt, der sich bei der Landung vom Rover lösen soll. Mit dem Mars Helicopter wird erstmals ein Roboter auf dem Mars landen, der dann wieder starten und kurze Flüge unternehmen kann. Aufgrund der dünnen Atmosphäre entspricht dies einem Hubschrauberflug über unserer Erde in 30 Kilometern Höhe! 
  • Der Lander Tianwen-1 ist der erste Versuch Chinas auf dem Mars zu landen. Das Design erinnert an die Mission Pathfinder/Sojourner der NASA: Von einer stationären Plattform aus wird ein kleiner mobiler Rover heruntergefahren. Dieses Konzept haben die Chinesen bereits zweimal erfolgreich auf dem Mond durchgeführt.
Beide Raumfahrzeuge werden den Mars Anfang 2021 erreichen. Der europäische Lander Rosalind-Franklin der ESA konnte leider nicht rechtzeitig für diese Marssaison fertiggestellt werden.

Das dritte Raumfahrzeug, das sich dieses Jahr auf den Weg zum Mars machen soll, ist der Orbiter Hope. Bei diesem zukünftigen Mars-Satelliten handelt es sich um ein Projekt der Vereinigten Arabischen Emirate. Es ist die erste Planetenmission aus der arabischen Welt und daher ein besonderes Highlight dieser Marssaison.

Die Einwohnerzahl der Roboterwelt Mars wächst um drei interessante Exemplare.

Postkarte vom Mars

Volle Auflösung
Am 10. November 2016 gelang dem Rover Curiosity diese Panorama-Aufnahme von der Marsoberfläche. Schon seit dem 06. August 2012 befindet sich Curiosity auf unserem äußeren Nachbarplaneten. Zum Zeitpunkt der Aufnahme sind das bereits 1.516 Marstage ("Sol")!

Das 15°-weite Bild ist ein Mosaik aus drei Aufnahmen. Die Farben wurden so gewählt, dass sie der Ansicht auf der Erde entsprechen. So fällt es den irdischen Geologen leichter, Gesteine und Formationen zu identifizieren.

Die drei Dreiecke markieren Entfernungen und Höhen oberhalb der Position des Rovers. Außerdem ist angegeben, wie groß ein reales Dreieck sein müsste, damit es so groß erscheinen würde, wie im Bild. Das letzte Dreieck markiert Mout Sharp, das eigentliche Ziel von Curiosity. Es ist 18 Kilometer entfernt, wobei Curiosity von seiner Position noch 2.700 Höhenmeter überwinden muss!

In der Aufnahme erkennt man gut die Schichtstruktur dieser Region. Die Wissenschaftler unterscheiden hier Formationen aus Basalt, Hämatit, Ton und sulfathaltigem Gestein.

Quelle: NASA

Mars-Krater mit Riss


 Westlich der großen Tharsis Aufwölbung mit ihren mächtigen Schildvulkanen befindet sich eine Senke, die Memnonia Fossae genannt wird. Diese Senke ist durchzogen von Grabenbrüchen, die vermutlich durch tektonische Spannungen bei der Bildung von Tharsis entstanden. Ein schönes Beispiel für solch einen Riss in der Kruste zeigt diese Aufnahme der europäischen Sonde Mars Express. Mit ihrer hochauflösenden Stereokamera HRSC fotografierte sie einen alten Meteoritenkrater in dieser Region, in dem sich ein Grabenbruch ausgebildet hat.

Die Tharsis-Aufwölbung erhebt sich vier bis fünf Kilometer in die Höhe. Darauf befinden sich die Schildvulkane Ascraeus, Pavoni, Arsia und der mächtige Olympus Mons, mit 22 Kilometer Höhe der größte Vulkan des Sonnensystems. Der Vulkanismus und die Hebung der Tharsis führt zu Spannungen in der Kruste und so zur Bildung von Grabenbrüche. Das Bild oben zeigt einen 1,5 Kilometer breiten Bruch. Er durchneidet einen 52 Kilometer durchmessenden, namenlosen Einschlagskrater. Am Kraterboden sind außerdem markante Tafelberge und Strukturen von Winderosion zu erkennen.

Die Aufnahme mit der HRSC (High Resolution Stereo Camera) entstand am 1. August 2015 während Orbit 14689 von Mars Express. Die Bildauflösung beträgt etwa 14 Meter pro Bildpunkt (Pixel). Weitere Informationen zu dem Bild findet man unter: FU-Berlin/Fachbereich Geowissenschaften

Copyright: ESA/DLR/FU Berlin, CC BY-SA 3.0 IGO

Eine neue Marskarte

Planeten wie unsere Erde oder der Mars sind keine homogene Kugeln. Es kommt zu Konzentrationen von Massen, am augenscheinlichsten in Form von Bergen und ganzen Gebirgen. Die inhomogene Verteilung führt zu Schwankungen im Gravitationsfeld. Das macht sich bei den Satelliten im Orbit der Planeten bemerkbar und kann umgekehrt dadurch auch gemessen werden. So wurde auch diese neue Karte des Mars erstellt. Sie zeigt farblich kodiert Schwankungen in der Gravitationsfeldstärke des roten Planeten.

Was geht ab im Dezember?

Die monatliche astronomische Vorschau des JPL der NASA stellt dieses Mal nicht den aktuellen Sternenhimmel vor, sondern regt zur Marsbeobachtung an. Der Mars ist derzeit morgens zu sehen und wird bis zum Mai 2016 im Teleskop ein immer größes Scheibchen zeigen, weil sich unsere Erde daran macht, ihn auf der Innenbahn zu überholen. Auf das Jahr 2018 dürfen wir uns jetzt schon freuen, denn das wird ein richtig gutes Marsjahr!

Der todgeweihte Marsmond Phobos


Dass mit diesem Mond etwas nicht stimmen kann, sieht man auf den ersten Blick. Seine unregelmäßige Kartoffelform mit einer Abmessung von 27x22x19 Kilometer und seine zahlreichen Einschlagkrater lassen vermuten, dass der Mond Phobos ein vom Mars eingefangener Asteroid ist. Dafür spricht auch seine mittlere Dichte von 1,9 g/cm³, ähnlich der von kohligen Chondriten.
Entdeckt wurde Phobos im Jahre 1877 von dem amerikanischen Astronomen Asaph Hall. Der markante Krater, der sich auf dem Bild rechts unten über die ganze Breite des Mondkörpers erstreckt, heißt Stickney, nach dem Mädchennamen von A. Halls Ehefrau.

Während unser Mond in seiner gemütlichen Rundheit langsam Nacht für Nacht durch die Sternbilder zieht, bis er schließlich seine Rundtour nach einem Monat vollendet hat, rast Phobos über den Marshimmel. Der Grund ist sein geringer Abstand von lediglich 6.000 Kilometer über der Marsoberfläche. Unser Mond ist hingegen 380.000 Kilometer von der Erde entfernt. Für einen Marsbewohner ähnelt der Anblick von Phobos eher der Internationalen Raumstation ISS für uns Erdlinge. Auch die ISS rast über den Himmel und anders als Sonne, Mond und Sterne geht sie im Westen auf und im Osten unter. Auch Phobos geht im Westen auf: Er bewegt sich schneller um den Mars, als sich der Mars um seine eigene Achse dreht.

Neben Stickney fallen auf dem Bild die zahllosen parallelen Rillen auf. Diese Rillen sind vermutlich ein Ergebnis der Gezeitenkräfte, die auf Phobos wirken. Sie sind ein Vorbote für das allmähliche Auseinanderbrechen des Mondes. Gezeitenkräfte entstehen, weil die Gravitationskraft mit dem Abstand abnimmt. Unsere Füße sind der Erde näher, als unser Kopf, weshalb unsere Füße stärker als der Kopf von der Erde angezogen werden. Der Unterschied dieser beiden Anziehungskräfte ist die Gezeitenkraft. Da der Abstand zwischen Kopf und Fuß gering ist, merken wir davon nichts. Kilometergroße Objekte, die einen Planeten umkreisen erfahren jedoch eine große Gezeitenkraft. Es kommt zu mechanischen Spannungen im Objekt. Neben der Größe des Objekts spielt auch der Abstand zum Planeten eine große Rolle für die Gezeitenkraft: Wenn der Mond dem Planeten näher kommt, verstärkt sich die Gezeitenkraft. Unterschreitet ein Mond die sogenannte Roche-Grenze, bricht er schließlich auseinander. Ironischerweise ist nach dem französischen Astronomen Roche auch ein Krater auf Phobos benannt.

Warum aber sollte Phobos dem Mars mit der Zeit näher kommen? Auch auf den Mars wirkt die Gezeitenkraft. Unterhalb von Phobos hebt sich daher der Marsboden leicht an, so wie Flutberge in den Ozeanen der Erde. Diese Erhebung kann allerdings der schnellen Phobosbewegung nicht folgen. Es ist so, als würde Phobos ständig ein Stück Mars hinter sich herziehen. So bremst der Mars die Umlaufgeschwindigkeit des Phobos ab. Eine niedriger Umlaufgeschwindigkeit bewirkt aber einen niedrigeren Orbit.

Die Geschwindigkeit, mit der Phobos derzeit auf Mars zustürzt beträgt etwa zwei Meter in einhundert Jahren. In 30 bis 50 Millionen Jahren sollte es dann so weit seit, dass der kleine Mond auseinanderbricht. Vorausgesetzt unsere Nachfahren, die bis dahin den Mars besiedeln werden, haben keine Technologie entwickelt, um dieses gefährliche Naturschauspiel zu verhindern.

Credits: NASA/JPL-Caltech/University of Arizona
Quelle und Linktipp: Mars’ Moon Phobos is Slowly Falling Apart

Robinson auf dem Mars

Die Mission Ares 3 ist bereits die dritte erfolgreiche Landung von Astronauten auf dem Mars. Die Expedition hat sich erst seit wenigen Tagen eingerichtet, als ein fürchterlicher Staubsturm sie zur fluchtartigen Rückkehr zur Erde zwingt. Beim schnellen Sprint zum Rückkehrmodul wird einer der Astronauten von einem herumwirbelnden Antennenmast schwer getroffen. Im dichten Staubsturm ist er nicht mehr zu sehen, seine Biosignale melden Deadline und außerdem droht das Rückkehrmodul im Sturm umzukippen. Die restliche Crew startet also zu dem im Orbit wartenden Raumschiff Hermes, das sie wieder zurück zur Erde bringen soll. Was sie nicht wissen, ist, dass der zurückgelassene Kamerad nicht tot ist.
Dies ist der Ausgangspunkt der Robinsonade Der Marsianer. Allein auf sich gestellt muss der Astronaut Mark Watney auf dem Mars überleben, irgendwie und so lange wie möglich.
Aber was heißt schon "allein"? Die Menschheit ist dort längst omnipräsent. So entdecken die wissenschaftlichen Marsorbiter - von denen erst vor ein paar Tagen wieder zwei neue am Mars eingetroffen sind - schnell, dass sich auf der vermeintlich verlassenen Basis von Ares 3 etwas tut. Irgendwer bewegt da die Rover und hantiert mit Solarzellen. Mark Watney versucht ein anderes Symbol der Gegenwart des Menschen auf dem Mars mit einem Rover zu erreichen, nämlich die Mars Pathfinder Station mit dem kleinen berühmten Roboter Sojourner. Dessen Funktechnik will er verwenden, um wieder Kontakt mit der Erde aufnehmen zu können. Das klappt auch und bei der NASA bricht hektische Planungsaktivität aus, wie man den gestrandeten Astronauten am Leben erhalten und nach Hause holen kann.

Als Daniel Defoe im Jahre 1719 seinen Robinson Crusoe schrieb, schwebte im keine Südseeromantik vor, nicht die schönen Bilder aus dem Paradies, wie wir sie aus den Verfilmungen kennen. Die Idee des Romans ist ein Gedankenexperiment: Was passiert, wenn der zivilisierte Mensch mit nur wenig verbliebenen Ausrüstungsgegenständen der Wildnis ausgesetzt wird? Da sich Defoe den Menschen seiner Zeit als aufgeklärten Menschen wünschte, zeigte er am Beispiel Crusoes, wie sich der vernünftige Mensch dank rationalem Handeln aus jeder noch so aussichtslosen Miesere befreien kann. Dieser Geist durchweht auch Der Marsianer. Ich kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal einen so dermaßen technischen Roman gelesen habe. Statt ob seiner Lage zu verzweifeln, rechnet uns Mark Watney ständig vor, wie viele Tage die Nahrungsration noch ausreicht, wie viele Kartoffeln er anbauen muss, um diese Zeit so lange zu strecken, dass es für eine Rettungsmission reicht, wie viel Erde (Humus) er dazu produzieren muss (dank nützlicher Bakterien aus dem menschlichen Darm), wie viel Wasser er dafür braucht, wie viel Hydrazin (Raketentreibstoff) er dafür zu Wasser umwandeln muss und wie genau das chemisch alles funktioniert. Solche Dreisatzrechnungen und Einblicke in die technischen Lebenserhaltungssysteme durchziehen das ganze Buch. Dabei gelingt es dem Autor Andy Weir stehts auf einem nachvollziehbaren Level zu bleiben und seine Leser nicht zu überfordern. Man hat wirklich das Gefühl, mit Mark Watney mitzudenken und alles zu verstehen.

Wie bei Defoe ist auch hier auch von Romantik keine Spur. Mit keinem Wort schildert der Astronaut seine Eindrücke von der Marslandschaft. Für Emotionen bleiben dem Astronauten in seiner misslichen Lage wenig Zeit. Gefühle werden nur lapidar erwähnt oder mit viel Sarkasmus zur Seite geschoben ("Ich bin so was von im Arsch"). Statt in tiefsinnige Reflexionen zu verfallen, die einem im Angesicht des Todes kommen könnten, betäubt sich der Astronaut nach seinen notwendigen Verrichtungen mit Disco-Musik und Fernsehserien aus den Siebzigern. Vielleicht ist das eine Botschaft des Autors: Man kann nur funktionieren, wenn man emotional oberflächlich bleibt. Vielleicht stellt sich Andy Weir einen Astronauten eben genau so vor oder vielleicht wollte er eben nicht die Geschichte eines nachdenklichen Todgeweihten erzählen, sondern einfach ein Buch über Raumfahrt schreiben.

Über fünfhundert Seiten zieht sich der Kampf ums Überleben und das Bemühen um Rettung. Damit das nicht langweilig wird, springt der Autor in seiner Geschichte zwischen drei Orten und den dort handelnden Personen: Die Story spielt natürlich auf dem Mars, aber auch auf der Erde bei der NASA und auch im Raumschiff Hermes. Die vom Mars entkommenen Astronauten erfahren nämlich von ihrem "Fehler" und wollen natürlich am liebsten umkehren, um den Kollegen zu retten, was aber technisch nicht so ohne weiteres möglich ist - und natürlich sind die Chinesen mit von der Partie. Collagen, in denen der Autor verschiedene Personen und Handlungsorte in einer Szene vereint, machen die Geschichte raffiniert und schnell.

Wie und ob überhaupt die Rettung gelingt, sei hier natürlich nicht verraten.

Mir persönlich gefällt das Buch außerordentlich gut, auch wenn es dem nicht unberechtigten Vorurteil Vorschub leistet, die Sciencefiction-Autoren kümmern sich zu wenig um die Innerlichkeit ihrer Charaktere. Andy Weir lässt uns nicht allzu tief in das Gefühlsleben seiner Personen blicken, doch sind seine Figuren auch keine platten Abziehbilder. Es sind Individuen, die wir so gut kennen lernen, wie es für die Geschichte notwendig ist.

Gut gefällt mir das Buch, weil es uns in Form einer technischen Sciencefiction mit dem größten Abenteuer konfrontiert, das der Menschheit ganz real offen steht: Die Erkundung unseres Sonnensystems. Ganz ohne Pathos und unnötiger Schnörkel werden wir in eine Geschichte einer möglichen nahen Zukunft gezogen, die ihre Spannung aus einer einzigen Frage zieht: Überlebt Mark Watney oder wird er der erste Tote Mensch auf dem Mars sein?

Literatur: 
Andy Weir 
Der Marsianer 
Heyne-Verlag, 2014

Die Marsdetektive

Instrumente europäischer Wissenschaftler arbeiten heute dank dem NASA-Rover Curiosity bereits auf dem Mars. Dieser Film berichtet insbesondere über das Laser-Instrument ChemCam und gibt einen Ausblick auf den geplanten europäischen Marsrover ExoMars.