Das schwarze Auge im Haar der Berenike

Image credit: ESA/Hubble & NASA, J. Lee and the PHANGS-HST Team; Acknowledgment: Judy Schmidt

 Diese Aufnahme des Weltraumteleskop Hubble zeigt die Galaxie M64, die auch als schwarzes Auge bezeichnet wird. Sie befindet sich in 17 Millionen Lichtjahren Entfernung im Sternbild Coma Berenices (Haar der Berenike). Der schwarze Schatten wird von einem dunklen Staubring verursacht, der gegenüber der Ebene der Galaxie gekippt ist. Der uns zugwandte Teil des Rings blockiert das Licht der dahinterstehenden Sterne der Galaxie.

Eingebettet in den Dunkelwolken erkennen wir bläulich leuchtende Sternentstehungsgebiete. Diese heftige Sternentstehung ist wohl auf eine Kuriosität in der Rotation der Galaxien zurückzuführen: Der innere Bereich der Galaxie hat einen umgekehrten Drehsinn gegenüber dem äußeren Bereich der Galaxie. In einem relativ schmalen Bereich von 1.500 Lichtjahren kommt es so zu einem Geschwindigkeitsunterschied von 400 km/s in der Bewegung der Sterne. Die dadurch resultierende Verwirbelung von Gas- und Staubmassen führt zu einem heftigen Starburst. Wie es zu dieser merkwürdigen Kinematik kommt, ist nicht bekannt. Möglicherweise ist sie das Resultat einer Galaxienkollision. Das schwarze Auge könnte einen kleineren Begleiter kannibalisiert haben.

Entdeckt wurde M64 im Jahre 1779 vom englischen Astronomen Edward Pigott. Zu sehen ist die Galaxie bereits mit einem Teleskop oder Fernglas mit 50 Millimeter Öffnung, doch braucht es schon einen Fünfzöller (125mm), um den Ring aus Dunkelwolken zu erkennen, die der Galaxie den Beinamen "Schwarzes Auge" gaben.


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Das kleine, unscheinbare Sternbild Haar der Berenike hat es in sich: Der Coma-Sternhaufen (Melotte 111) ist ein wunderbares Fernglas-Objekt aus mindestens 30 Sternen in etwa 250 Lichtjahren Entfernung. Neben dem schwarzen Auge beherbergt das Sternbild aber noch 7 weitere Messier-Objekte, also Himmelsobjekte aus dem berühmten Katalog des französischen Astronomen Charles Messier (1730-1817). Dazu gehört der Kugelsternhaufen M 53 und sechs weit entfernte Galaxien, die zum Virgo-Galaxienhaufen gehören, der nach dem benachbarten Sternbild Jungfrau (Virgo) benannt ist. Diese Galaxien sind alle etwa 65 Millionen Lichtjahre entfernt, also deutlich weiter als das schwarze Auge M64.

Die Region um dieses Sternbild zeigt also nur wenige helle Sterne, aber dafür viele weit entfernte Galaxien. Das ist kein Zufall: Im Sternbild Coma Berenices liegt der galaktische Nordpol, das heißt, wir schauen hier senkrecht aus der Ebene der Milchstraße hinaus in die Weiten des Universums.

Das Sternbild Haar der Berenike ist ein Frühlingssternbild, das östlich dem Löwen (Leo) folgt. Bei den alten Griechen bildete der Coma-Sternhaufen den Schwanz des Löwen. Erst der Kölner Kartograph Caspar Vopelius  machte daraus im Jahre 1536 ein eigenständiges Sternbild. Dabei hat es Berenike tatsächlich gegeben. Es handelt sich um die ägyptische Königin Berenike II., Frau von Ptolemaios II. Euergetes, der Ägypten seit 246 v.Chr. regierte. Während der Nachthimmel sonst von mythologischen Figuren beherrscht wird, hat es hier ein realer Mensch an den Himmel geschafft - zumindest die Haare und das schwarze Auge.  

Schöne Grüße aus Jezero

 Dieses Panorama, zusammengestellt aus 142 Einzelaufnahmen, erstellte der Marsrover Perseverance am dritten Tag nach seiner Landung. Am besten schaut man sich das 360°-Panorama in voller Größe an.

Image Credit: NASAJPL-CaltechMSSSASU

Solche Aufnahmen erstellt der Rover mittels einer Kamera, die auf einem drehbaren Mast montiert ist. Zu erkennen ist auch die Oberseite des Rovers selbst und dahinter zwei helle Flecken auf dem Marsboden. Diese wurden bei der Landung durch die Bremsraketen erzeugt, die den Staub von der Oberfläche geblasen haben.

Die Berge im Hintergrund sind der Rand des Kraters Jezero, in dem Perseverance gelandet ist. Er hat einen Durchmesser von 45 Kilometern und bildete einst den Grund eines Sees. An seiner westlichen Seite hat ein Fluss ein großes Delta geschaffen, also Sedimente in den Kratersee abgelagert. Dieses Delta solch sich der mobile Rover aus der Nähe anschauen. Man erhofft dort auf tonhaltige Sedimente zu stoßen, in denen sich organisches Material gut erhalten kann. Mehr über die Geologie von Jezero gibt es hier auf universetoday.com zu lesen. 

Aus diesem Artikel stammt auch die Grafik mit der Landeposition von Perseverance in Jezero. Der Rover ist mit einem Stern und der offiziellen Bezeichnung "Mars 2020" markiert.

Credit: ESA/DLR/FU Berlin, BY-SA 3.0 IGO

Das Panorama vermittelt auch einen kleinen Eindruck vom Marshimmel. Seine Farbe ist vom allgegenwärtigen Staub geprägt und weniger von Atmosphärengasen. Ein Phänomen, von dem wir eine Ahnung bekommen, wenn der Wind Saharastaub bis nach Europa trägt. Der Himmel erscheint orange und in Richtung Sonne bläulich - genau umgekehrt wie bei der Erde.

Lesetipp: Mehr Kartenmaterial rund um Jezero und eine genaue Beschreibung der Bilder finden sich in dieser Mitteilung des DLR: An in-depth look at the ge­o­log­i­cal con­text of the Mars 2020 land­ing site through the eyes of DLR's HRSC in­stru­ment