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NEOWISE in seiner ganzen Pracht

Diese Aufnahme des Kometen gelang Julian Zoller
Der Komet  C/2020 F3 (NEOWISE) wurde erst am 27. März 2020 von der gleichnamigen Raumsonde NEOWISE entdeckt. Am 03. Juli durchlief er den sonnennächsten Punkt seiner Bahn, das sogenannte Perihel. Seitdem entfernt er sich wieder von ihr.

Am 23. Juli wird er unserer Erde bis auf 103 Millionen Kilometern nahekommen. Seine Aufgänge am Himmel verfrühen sich, so dass er ab dem 13. Juli am Abendhimmel zu sehen ist. Man muss aber schon wissen, wo man ihn finden kann. Da hilft diese Karte der Vereinigung der Sternfreunde e.V. Sie zeigt den Weg des Kometen durch das Sternbild Großer Bär in den folgenden Nächten: 

Quelle: Vereinigung der Sternfreunde e.V.

Der große Wagen ist ein berühmter Teil des Sternbildes Großer Bär. Er markiert das Hinterteil mit dem Schwanz der Bärin. Der Komet umspielt die Tatzen der Bärin, ist also ein ganzes Stück näher am Horizont als der Wagen. Ein Fernglas ist das ideale Instrument, um den Kometen zu finden und zu beobachten.

Das folgende Bild von Julian Zoller gibt sehr stimmungsvoll den Anblick des Kometen am Nachthimmel wieder:

Landschaft mit Komet. Aufnahme von Julian Zoller


Insbesondere das erste Bild des Kometen zeigt, dass er neben dem weißlichen Kometenschweif einen zweiten bläulichen Schweif ausgebildet hat.

Bevor überhaupt ein Schweif entstehen kann, muss der Komet der Sonne relativ nahekommen. Eigentlich verbringt ein Komet wie NEOWISE den allergrößten Teil seiner Existenz in der eisigen Kälte großer Sonnenentfernung jenseits der Neptunbahn. Auf diesen Umstand verweist das C in seinem Namen. Das C erhalten nichtperiodische Kometen, also solche mit einer Umlaufdauer von über 200 Jahren. Zum Vergleich: Das Neptunjahr dauert 165 Erdjahre.

Kometen sind schmutzige Schneebälle. Wenn ein Komet - warum auch immer - in Richtung Sonne stürzt, sublimieren seine eisigen Bestandteile: Aus Eis wird schlagartig Gas, das Staubpartikel mitreißt. So bildet sich in etwa bei Jupiterentfernung eine mehrere zehntausend Kilometer durchmessende Wolke aus Gas und Staub - Koma genannt - um den eigentlich nur wenige Kilometer großen Kometenkern. Trifft der Sonnenwind und die Sonnenstrahlung auf diese Koma, werden die Teilchen mitgerissen. Es bildet sich ein Schweif.

Übrigens: Mit Eis ist hier nicht nur Wassereis gemeint, sondern auch gefrorenes Ammoniak, Methan, Kohlenmonoxid, Kohlendioxid, Methanol, Ethan, Schwefelwasserstoff und weitere Substanzen, die in der Entfernung unserer Erde von der Sonne nicht feste Substanzen sind.

Bei der Bildung des Schweifs sind zwei Mechanismen zu unterscheiden: Der Druck der Sonnenstrahlung (Lichtdruck) setzt die Staubteilchen langsam in Bewegung und bildet den Staubschweif aus. Die träge Masse der Staubteilchen lässt ihnen auch einen Impuls in der Richtung der ursprünglichen Bahn des Kometen. Daher ist der Staubschweif gekrümmt.

Der bläuliche Plasmaschweif - auch Ionenschweif genannt - wird jedoch nicht vom Licht, sondern vom Sonnenwind erzeugt. Der Sonnenwind ist ein Strom von Teilchen, das sind vor allem Protonen, Elektronen und Heliumkerne (Alpha-Teilchen). Dieser Wind aus geladenen Teilchen führt solare Magnetfelder mit sich. Die intensive UV-Strahlung unserer Sonne ionisiert das Gas in der Koma, das heißt den Gasmolekülen werden Elektronen entrissen. Die so elektrisch geladenen Moleküle werden vom mitgeführten Magentfeld des Sonnenwinds aus der Koma gerissen, indem sie den Magnetfeldlinien folgen und bilden so den Plasmaschweif aus. Da die Moleküle viel leichter sind als der Staub, schießen sie mit Hunderten Kilometern pro Sekunde vom Halo fort. Der Plasmaschweif ist daher gerade und direkt der Sonne entgegengerichtet.

Bei jedem Periheldurchgang verliert ein Komet so circa 0,1% seiner flüchtigen Substanzen.

Der Staubschweif des Kometen C/2020 F3 (NEOWISE) zeigt an seinem Ansatz - dem Halo des Kometen - eine merkwürdige Gabelung. Das ist auf der obersten Aufnahme wunderbar zu erkennen.

Bilddaten:
  • 110x20s, 10x5s 
  • 150 mm f/2,8 Hypergraph6 
  • Omegon Kamera veTEC 16000 C Color 
  • NEQ6
  • Bearbeitet mit PixInsight und Photoshop 
 Bildautor: Julian Zoller

NEOWISE - der Komet am Morgenhimmel

Bild: Fred Espenak
 
Kometen sind wie Katzen, sie haben einen Schwanz und machen was sie wollen. Dass der Komet C/2020 F3 (NEOWISE) eine so schöne Sichtbarkeit in der zweiten Nachthälfte zeigt, konnte man nicht ahnen.

Die Aufnahme gelang Fred Espanak am 4. Juli in der anbrechenden Dämmerung über Arizona, USA. Der Komet war laut Fred Espenak auch mit bloßem Auge zu sehen und im 7x50-Fernglas sogar der Schweif zu erkennen. Die Sichtbarkeit sollte sich in den kommenden Tagen verbessern, da sich der Komet in den Abendhimmel bewegt: Vom südlichen Ausläufer des großen Bären (Ursa Major) in das Sternbild Haar der Berenike (Coma Berenices). Das lateinische Wort Coma für Haar ist auch der Namensgeber für diese Klasse von Himmelskörpern, den Kometen. Man könnte sie also auf Deutsch als Haarsterne bezeichnen, Katzensterne wäre aber aufgrund ihres überraschenden Verhaltens ein besseres Wort.

Der Komet ist auf einer lang gezogenen hyperbolischen Bahn um die Sonne gestürzt und macht sich nun auf den langen Weg zurück in sein angestammtes Reich, den äußersten, eiskalten Zonen unseres Sonnensystems. Diese Grafik zeigt seine langgezogene Hyperbelbahn als weiße Linie mit der Position des Kometen Mitte Juli als weißen Punkt:

Quelle:ssd.jpl.nasa.gov

Aus unserer irdischen Sicht scheint der Komet in dieser Grafik direkt vor der Sonne zu stehen. Doch das täuscht. Kippt man die Grafik um 90 Grad, sieht man, dass der Komet Mitte Juli weit oberhalb der Sonne steht. Er ist also in nördlicher Himmelsrichtung zu sehen, wenn die Sonne unter dem Nordhorizont steht. Genau da finden wir auch das Sternbild Großer Bär:

Quelle: ssd.jpl.nasa.gov

 Der Komet verdankt seinen Namen dem Weltraumteleskop WISE. Dieses ursprünglich als Infrarotteleskop gestartete Observatorium hat seine eigentliche Mission längst hinter sich gebracht. Das für die Infrarotkameras notwendige Kühlmittel begrenzt die Lebensdauer solcher fliegender Infrarotteleskope. Seit der Erfüllung seiner Hauptaufgabe, nämlich der vollständigen Kartierung des Himmels im infraroten Spektralbereich, wird es unter der Bezeichnung NEOWISE zur Erforschung von Kleinkörpern unseres Sonnensystems verwendet. Dem Teleskop verdanken wir auch die Entdeckung dieses Kometen.


Bild und Quellen:
  • Genauere Informationen zur Sichtbarkeit gibt die Wiener Arbeitsgemeinschaft für Astronomie.
  • Die Aufnahme oben erstellte Fred Espenak mit einer Nikon D7200, 70-300mm Nikon Objektiv bei 300mm, f/5.6, Belichtungszeit 1,6 Sekunden, ISO 400, ohne Nachführung.

Update zum Kometen Catalina


Der derzeit für Fotografen interessanteste Komet am Nachthimmel war bereits Thema in diesem Blog: Der Komet zum Jahreswechsel: C/2013 US10 (Catalina). Nun hat der Astrofotograf Michael Schlünder nachgelegt und diese Aufnahme vom frühen Morgen des 09.01. erstellt. Zum Einsatz kam wieder eine Nikon DSLR am Vixen VSD100 mit Reducer.

Noch schöner als bei seiner ersten Aufnahme erkennt man hier die beiden getrennten Schweife des Kometen: Der kurze gekrümmte Staubschweif und der radial von der Sonne weggerichtete Plasmaschweif aus ionisiertem Gas. Der Komet aus Eis und Staub ("schmutziger Schneeball") steckt tief in der grünlich leuchtenden Korona. Erst diese leuchtende Hülle macht den Kometen zu einem lohnenden Ziel für kleine Optiken und Kameras. Entfernt sich der Komet von der Sonne, lässt seine Aktivität nach und er ist für uns Himmelsbeobachter nicht mehr auffindbar.

Ein Komet bietet also immer nur ein relativ kurzes Schauspiel, das man sich nicht entgehen lassen sollte. Diese Karte unten zeigt die Lage des Kometen zur Zeit der Aufnahme. Wir sehen hier den Himmel in Richtung Südosten am frühen Morgen.



Der Komet arbeitet sich durch das eher unscheinbare Sternblid Jagdhunde in nördliche Richtung. Die Kette aus drei Sternen, die von oben in das Bild ragt, gehören zur Deichsel des großen Wagens. Wer mit dem Fernglas den Kometen finden möchte, kann sich daran orientieren.
Wer ein Teleskop mit GoTo-Funktion hat, kann auch einfach aus einem Programm wie Stellarium die aktuellen Koordinaten (Rektaszension und Deklination) ermitteln und in die Steuerung eingeben.

Der Komet zum Jahreswechsel: C/2013 US10 (Catalina)


Wir Menschen stehen dem Universum wie Eintagsfliegen gegenüber. Unsere Lebensspanne ist so kurz, dass uns dynamische Prozesse im Kosmos wie eingefroren erscheinen. Kometen hingegen sind anders. Sie kommen von irgendwo weit her zu uns in den inneren Bereich des Sonnensystems, entwickeln sich nahezu unvorhersehbar unter der Strahlung der Sonne und verschwinden wieder - das macht sie so interessant! 
Noch interessanter ist es, wenn der Komet erst eine relativ junge Entdeckung ist, ein Himmelskörper, über den die Wissenschaft noch nicht viel weiß.

C/2013 US10 (Catalina) ist der Komet der Stunde. Er wurde im Jahre 2013 vom Catalina Sky Survey entdeckt. Seine engste Begegnung mit der Sonne, Perihel genannt, hatte der Komet bereits Mitte November. Dabei kam er der Sonne auf 0,8 Astronomische Einheiten nahe, also 80% der Entfernung der Erde von der Sonne. Das ist noch außerhalb der Venusbahn. Nun entfernt er sich wieder von der Sonne und wird bei uns am Morgenhimmel sichtbar. Die Aufnahme oben entstand am 8.12. zwischen 4:30 und 6:00 Uhr in Ennepetal.

Die steile Bahn des Kometen lässt ihn vom Sternbild Jungfrau aus in Richtung der nördlichen Sternbilder durch die Deichselspitze des Großen Wagen wandern. Seine kürzeste Entfernung zur Erde erreicht er am 17. Januar mit 0,7 Astronomischen Einheiten (105 Millionen Kilometer).

Das Bild oben zeigt sehr deutlich, dass Kometen zwei Schweife haben, die aber nur selten so schön getrennt stehen. Der bläuliche Plasmachweif aus inoisiertem Gas ist kerzengerade von der Sonne weggerichtet, während die relativ schweren Teilchen des kürzeren Staubschweifs die Bahn des Kometen nachzeichnen. Die Schweife haben ihren Ursprung in der grünlich leuchtenden Koma. Diese Hülle aus Gas und Staub hat hunderttausende Kilometer Durchmesser. 

Ein Objekt für das bloße Auge wird der Komet Catalina vermutlich nicht werden, aber bereits ein Fernglas oder kleines Teleskop sollten ausreichen. Alle Infos zu dem Kometen findet man auf kometen.info, insbesondere lohnt sich ein Blick in die umfangreiche Linkliste.

Technische Informationen zum Bild: Die Aufnahme gelang Michael Schlünder mit einer Nikon D7000 an dem Apochromaten VSD100 von Vixen. 56 Aufnahmen a 25 Sekunden bei 2000 ASA.

Philae landet auf dem LEGO-Kometen

Ein schönes Erklärvideo, das anhand eines LEGO-Modells zeigt, wie der Kometenlander Philae funktioniert. Philae wird derzeit von der Kometensonde Rosetta huckepack zu 67P/Churyumov-Gerasimenko transportiert.

Viel Staub um ISON

Nachdem der Komet PANSTARRS ein bisschen enttäuscht hat, bleibt uns immer noch C/2012 S1 (ISON). Dieser Komet hat das Zeug dazu ein echter Jahrhundertkomet zu werden. Ende November wird ISON sein Perihel, also den sonnennächsten Punkt seiner Bahn, durchfliegen. Dann könnte er so hell werden, dass er sogar neben dem Glanz der Sonne sichtbar wird, wenn man die Sonne selbst abschirmt.

Eigentlich sind Kometen pechschwarz. Mit einer typischen Albedo von 0,04 sind sie so dunkel wie Graphit. Die Albedo ("Weißheit") bezeichnet den Anteil des von einem Körper reflektieren Lichtes; bei Kometenkernen sind das also etwa 4%. Allerdings enthalten die Kometen flüchtige Elemente, vor allem Wassereis. Gerne wird das Bild vom "schmutzigen Schneeball" bemüht. Wenn die Kometen in das innere Sonnensystem fallen, beginnt das Eis zu sublimieren und vom Kometen in "Jets" wegzuströmen. Dabei reißt das Gas winzige Staubpartikel mit, die sich als riesiger Halo um den an sich kleinen Kometenkern legt. Der Halo, Koma genannt, kann durchaus größer als unsere Erde sein. Da die Staubteilchen das Sonnenlicht streuen und die Koma so groß ist, nimmt die Helligkeit des Kometen drastisch zu - hoffentlich!

Wie genau dieser Vorgang abläuft verfolgen Astronomen nun am Kometen ISON unter anderem mit dem Weltraumteleskop Swift. Die folgende Aufnahme von ISON gelang Swift am 30. Januar.

Credit: NASA/Swift/D. Bodewits, UMCP
Die Aufnahme entstand mit dem Instrument Ultraviolet/Optical Telescope (UVOT). Neben dem Staub können die Astronomen damit den Wassergehalt nachweisen. Letzteres allerdings nicht direkt: Die vom Kometen frei gesetzten Wassermoleküle werden von der UV-Strahlung der Sonne umgehend dissoziiert in Wasserstoff und Hydroxyl-Moleküle (OH). Die Astronomen messen mit UVOT die charakteristische Strahlung des Hydroxyl. Die Sublimation des Wassereis setzt in etwa bei einer Entfernung von 3 AE ein, also der dreifachen Entfernung Sonne-Erde. Das ist irgendwo zwischen dem Asteroidengürtel und Jupiter. Andere flüchtige Substanzen aus dem Kometenkörper strömen aber schon deutlich früher ab, vor allem Kohlenmonoxid und -dioxid.

Als die Aufnahme oben gemacht wurde, war ISON etwa in Jupiterentfernung. Die Messungen zeigen, dass der Komet zu diesem Zeitpunkt etwa 51.000 kg Staub pro Minute produziert. Dieser gewaltigen Staubmenge stehen aber nur 60 kg Wasserdampf pro Minute entgegen - mehr strömt derzeit nicht von ISON ab. Diese geringe Sublimationsrate des Wassereis reicht sicherlich nicht aus, um diese enorme Staubmengen in Form von Jets von der Oberfläche mitzureißen, daher bleibt als Erklärung nur Eis mit einer geringeren Sublimationstemperatur, wie eben das bereits erwähnte Kohlenmonoxid und -dioxid.

Aus der Wasserdampf- und Staubproduktion können Astronomen auf die Größe des Kerns von ISON schließen: Der Komet dürfte einen Durchmesser von circa 5 Kilometer haben. Zum Vergleich zeigt dieses Bild alle Kometen, die bisher von Raumfahrzeugen angeflogen wurden. Mit seinem Durchmesser von fünf Kilometern passt ISON ganz gut in diese Reihe.

Credit: NASA

Der Komet C/2012 S1 (ISON) wurde am 21. September 2012 von den beiden russischen Astronomen Vitali Nevski und Artyom Novichonok entdeckt. Sie nutzen ein Teleskop des International Scientific Optical Network (ISON) nahe der Ortschaft Kislowodsk im nördlichen Kaukasus.

Der Komet ISON stammt aus der Oort'schen Wolke, ein hypothetisches Kometenreservoir, das sphärisch unser Sonnensystem umschließt und das mit einem gewaltigen Radius von zwei Lichtjahren. Diese Kometenquelle wurde von dem Astronomen Jan Hendrik Oort postuliert, nachdem er das Aphel (dem am weitesten von der Sonne entfernten Punkt) zahlreicher Kometen bestimmte.

Dort draußen schlummerte ISON Milliarden Jahre vor sich hin, um nun aus unbekannten Gründen einen Trip in das Innere des Sonnensystems zu wagen. Ein erstes Highlight dieser Reise ist am 01. Oktober zu erwarten, denn dann passiert ISON in 10,8 Million Kilometer den Mars.
"During this close encounter, comet ISON may be observable to NASA and ESA spacecraft now working at Mars. Personally, I'm hoping we'll see a dramatic postcard image taken by NASA's latest Mars explorer, the Curiosity rover.", so Michael Kelley, ein Astronom, der an der Beobachtung des Kometen mit dem Weltraumteleskop Swift beteiligt ist.
Am 28. November wird ISON ganz offiziell zum "Sungrazer". Diese Sonnenkratzer sind Kometen, die sehr nahe an der Sonne vorbeifliegen. In gerade mal 1,2 Millionen Kilometer oberhalb der Photosphäre der Sonne durchläuft ISON sein Perihel - eher ein Peri-Hell! Dann sind es nicht mehr die Marsorbiter, sondern unsere im Weltraum stationierten Sonnenobservatorien, wie STEREO A und B, SDO und SOHO, die ISON im Blick haben werden. Der Komet könnte aber um die Zeit so hell werden, dass wir ihn mit bloßem Auge sehen, wenn wir das Sonnenlicht mit der Hand abblocken. Wie der Komet diese Passage übersteht bleibt abzuwarten. Es könnten sich beispielsweise größere Fragmente lösen oder der Komet als ganzes fragmentieren. Die Astronomen schätzen allerdings, dass der Komet dabei vielleicht nur 10% seiner Substanz verliert. Das klingt nicht so dramatisch. Der Grund dafür ist, dass die Sublimation des Eises den Kometen kühlt, ähnlich dem Mechanismus, mit dem wir uns durch das Verdampfen von Flüssigkeit auf der Haut (Schwitzen) im Sommer vor einer Überhitzung schützen. Dieser Effekt bewirkt, dass die Kerntemperatur des Kometen nicht einfach immer höher wird, je näher er der Sonne kommt.

Nach seinem Periheldurchgang wird ISON ab Dezember in der Abenddämmerung sichtbar. Seine geringste Erdentfernung erreicht er am 26. Dezember mit 64,2 Millionen Kilometer- ein Weihnachtsstern also.

Dieses Video zeigt den Weg des Kometen ISON durch den inneren Teil unseres Sonnensystems aus verschiedenen Perspektiven:



Aus unserer geozentrischen Sicht zeigt dieses Bild den Weg von ISON durch die Sternbilder:

Credit: NASA's Goddard Space Flight Center/Axel Mellinger (zur Großansicht)
Wie beschrieben ist der Komet im November dann in Sonnennähe und im Dezember am Abendhimmel zu sehen. Am besten kann man sich auf der Webseite komet-ison.de auf dem Laufenden halten.

Quelle: NASA

Wird der Komet C/2013 A1 auf den Mars einschlagen?

Dieses sehr schön gemachte Video der NASA berichtet über den Kometen C/2013 A1. Dieser am 3. Januar 2013 entdeckte Komet könnte im Oktober 2014 auf den Planeten Mars einschlagen. Die Wahrscheinlichkeit dafür ist allerdings nicht groß. Das Video zeigt aber unterhaltsam, welche Folgen solch ein Einschlag haben könnte und warum der wahrscheinlichere nahe Vorbeiflug auch spannend ist: Auf dem Mars haben wir schließlich jede Menge wissenschaftliche Geräte in Form von Rovern und Orbitern im Betrieb!

Auch die NASA entdeckt Komet ISON

Dass Komet ISON kommt, habe ich ja schon einmal geschrieben. Jetzt hat sich auch die NASA den Kometen angenommen und ein schönes Erklärvideo produziert:



Alles über Komet ISON findet Ihr unter komet-ison.de

Komet ISON kommt

So sieht ein Komet aus, bevor er die große Show am Himmel bietet, die den Namen Schweifstern rechtfertigt:

Credit: John Chumack

 Das Bild hat John Chumack am 8. Januar in seiner Privatsternwarte in Yellow Springs, Ohio aufgenommen. Der Komet ISON (C/2012 S1) befindet sich derzeit im Sternbild Zwillinge (Gemini) zwischen den beiden hellen Sternen Castor und Pollux. Der Astrofotograf gibt die Helligkeit des Kometen derzeit mit 16 mag an, also sehr weit unter der Sichtbarkeit mit dem bloßen Auge. Aber das soll nicht darüber hinwegtäuschen, dass ISON uns gegen Ende des Jahres noch eine schöne Show bieten kann.

Derzeit befindet sich ISON in etwa in der Entfernung des Planeten Jupiter, wobei die Kometenbahn oberhalb der Jupiterbahn verläuft, es also zu keiner Begegnung des Riesenplaneten mit dem Kleinkörper kommen kann. Am 28. November diesen Jahres allerdings, wird ISON die äußere Sonnenatmosphäre durchfliegen in nur 1,2 Million Kilometer Höhe. Astronomen sprechen von einem Sungrazer. Ob der Komet diesen Ritt überlebt ist nur schwer vorherzusehen. Wie gewaltig diese sehr sonnennahe Perihelpassage eines Kometen aussehen kann, zeigt dieses Astronomy Picture of the Day am Beispiel aus der Sicht des Kometen McNaught, der dem Sonnenobservatorium SOHO vor die Linse kam. ISON wird der Sonne allerdings wesentlich näher kommen.

Sollte er das also überleben, könnte er als mondhelles Objekt in der Nähe der Sonne am Taghimmel sichtbar werden, mit einem Kometenschweif, der spektakulär in den Nachthimmel hineinragt. Allerdings sind solche Vorhersagen nur schwer zu machen, vor allem bei Kometen, die zum ersten mal zu Gast im Inneren unseres Sonnensystems sind. Auf der Seite kometen.info bremst man jedenfalls meinen Optimismus: "Bei solch "neue" Kometen bleibt die tatsächliche Entwicklung oft hinter den ersten Erwartungen zurück."

Anderes als die uns vertrauten kurzperiodischen Kometen, wie beispielsweise der berühmte Halley'sche Komet, sind Objekte wie ISON im Grunde völlig unbekannt. Milliarden Jahre lang zog er seine Ellipse in dem großen Kometenreservoir der Oortsch'en Wolke, bis er aus einem unbekannten Grund seine Bahn verlies, um ins Innere unseres Sonnensystems zu stürzen - entweder um zu sterben oder auf nimmerwiedersehen zu verschwinden. Wir wissen also nur wenig über diesen Himmelskörper, lassen wir uns einfach überraschen ob es sich eher um einen stillen Gast oder einen exzentrischen Rockstar handelt.

Im den Dezembernächten wird der Komet jedenfalls für uns ideal zu beobachten sein. Seine größte Annäherung an die Erde wird im Januar 2014 etwa 0,4 AE*) betragen. Vorher wird der Komet unseren äußeren Nachbarn Mars in nur 0,1 AE passieren. Wir können also gespannt sein, ob die Marsianer (will heißen unsere Roboter und Orbiter) den Kometen entdecken.

Apropos entdecken: Entdeckt wurde ISON (C/2012 S1) von zwei russischen Amateurastronomen Vitali Nevski und Artyom Novichonok am 21.09.2012 mit dem 40cm-Teleskop des International Scientific Optical Network (ISON).

Quellen und Lesetipps: spaceweather.com, Skyweek und kometen.info

*) AE = Astronomische Einheit = Mittlere Entfernung der Erde von der Sonne = 149,6 Millionen Kilometer

Sogar die Astronomie stimmt: Die Kometenjäger

Philipp und Tom sind zwei junge Männer irgendwo zwischen Abitur und der Frage, wohin der Ernst des Lebens sie führen soll. Philipp steht für den Unentschlossenen, er will sich nicht festlegen, sich die Dinge offen halten und jobbt daher schon seit Monaten nach dem Abitur ohne ein Studium zu beginnen, während seine Freunde schon Karriere zu machen. Für Tom hingegen sind die Koordinaten des Lebens fest bestimmt. Für ihn ist es selbstverständlich den Weg weiterzugehen, den sein Großvater vorgezeichnet hat. Dieser war ein Kometenjäger, der in einer großen Privatsternwarte am Ammersee jede Nacht genutzt hat, den Himmel zu durchmustern. Tom kennt und will nichts anderes. Er ist ständig auf der Suche nach dem perfekten dunklen Himmel - eine Suche, die im aufgehellten Deutschland immer verzweifelter wird.

Philipp imponiert die Geradlinigkeit und Konsequenz, mit der Tom seinen Weg geht, er lässt sich mittreiben. Doch Toms Handeln birgt eine bittere Ironie: Die Lichtverschmutzung in Deutschland nimmt ständig zu, so dass Astronomie kaum noch möglich ist. Außerdem werden Kometen nur noch selten von Menschen, sondern von robotischen Teleskopen in fernen Wüsten oder von Satelliten entdeckt.

Als Tom in Geldnöte gerät, beschließt er daher das wertvolle historische Teleskop seines Großvaters zu verkaufen. Es findet sich ein Sammler in den USA und so beginnt für den besessenen Tom und dem nichtsnützigen Philipp ein Roadtripp, bei dem sie unter anderem den großen Teleskopbauer John Dobson begegnen, aber auch den letzten echten Kometenjäger in der Wüste Arizonas.

 Der Autor hat für das Buch hervorragende Recherche geleistet. Er hat dafür sogar den echten Kometenjäger David Levy getroffen (ja genau, der Levy von Shoemaker-Levy-9). Da das Buch aus der Perspektive Philipps erzählt wird und Philipp keine Ahnung von Astronomie hat, lernt der Leser die Astronomie mit Philipp kennen. Dabei ist der Autor aber auf keinen Fall oberlehrerhaft oder überfrachtet das Buch mit Astronomieinfos, die man für die Geschichte gar nicht braucht. Das Buch ist vielmehr wunderbar austariert: Wir lesen über die Wissenschaft der Astronomie, erleben einen spannenden Roadtripp mit vielen tollen Landschafts- und Nachthimmelbeschreibungen und lesen über Freundschaft und Lebensklugheit. Für mich ist Die Kometenjäger von Marc Deckert der beste Roman seit langem!


Bibliographische Angaben: 
Marc Deckert  
Die Kometenjäger
Roman
2012. 414 S. 

Einband: Gebunden
Verlag: btb
€ 19,99 

Fünf Minuten für Kometen

Komet C/1995 O1 (Hale-Bopp), aufgenommen am 04. April 1997 von E. Kolmhofer, H. Raab; Johannes-Kepler-Observatory, Linz, Austria (http://www.sternwarte.at) Man beachte den blauen Plasmaschweif und den milchigen Staubschweif

Kometen können ein beeindruckendes Schauspiel am Himmel aufführen. Auch in Zeiten der wissenschaftlichen Astronomie kommt dieses Schauspiel oft überraschend, denn wir kennen bei weitem nicht alle Kometen und wissen auch nicht, wie mächtig und prächtig sich jeweils der Schweif entwickelt. Der Schweif ist es auch, der den Kometen den Namen gab: Komet leitet sich von dem griechischen Wort für Haar ab, Kometen mit Schweif sind also "Haarsterne".

Früher wusste man nicht, ob Kometen ein Phänomen der Erdatmosphäre darstellen oder irgendwie zu der weiten Welt der Planeten gehören. Der aristotelische Himmel galt ja als unveränderlich und außerdem, wie soll ein Komet quer zu den Planetenbahnen fliegen, ohne die Kristallsphären zu zerschlagen, auf denen die Planeten angeheftet sind? Die Erkenntnis, dass Kometen eben keine Phänome der Erdatmosphäre sind, war somit ein Schlag gegen die aristotelische Physik. Dieser Schlag gelang Tycho Brahe im Jahre 1577. Der dänische Astronom konnte zeigen, dass bei dem gerade erschienenen Kometen keine Parallaxe feststellbar ist. Das heißt, egal von welcher Position man ihn auch beobachtet, er ändert seine Lage nicht, gegenüber dem fernen Fixsternhintergrund. Brahe wusste nun aber, dass ein relativ nahes Objekt unserer Atmosphäre vor dem Hintergrund hin und herspringen muss, wenn man die Beobachtungsposition wechselt. Nach Brahe betraten Kepler und Newton die Bühne der Physik und machten es möglich Kometenbahnen zu berechnen. Insbesondere kann seitdem das zukünftige Erscheinen einen Kometen vorhergesagt werden, wenn der Komet einmal entdeckt wurde. Dies gelang Edmund Halley anhand eines Kometen der 1682 erschien. Er sagte das Wiederkommen des Kometen korrekt für das Jahr 1758 voraus. Diesen alle 76 Jahre sichtbaren Kometen nennen wir daher den Halley'schen Kometen.

Der Halley'sche Komet bekam am 14. März 1986 Besuch von der europäischen Raumsonde Giotto, die an ihm in knapp 600 km Entfernung vorbeiflog. Das Bild zeigt den aktiven Kometenkern. Credit: ESA
 Heute wissen wir sogar im Prinzip, woraus Kometen bestehen. Da sie ihren Ursprung außerhalb des inneren Sonnensystems haben, also jenseits der "Eisgrenze" aus dem solaren Urnebel entstanden sind, bestehen sie aus Metall, Gestein und Eis - "schmutzige Schneebälle" lautet das beliebte Bild für diese Zusammensetzung. "Eis" meint in der Astronomie gefrorene Wassersstoffverbindungen, also Ammoniak-, Methan- und Wassereis. Wasserstoff ist das häufigste Element im Universum, da es direkt kurz nach dem Urknall entstand. Die genannten Eise sind nun gerade die Verbindungen des allgegenwärtigen Wasserstoffs mit den anderen relativ häufigen Elementen des solaren Urnebels. Daher ist es nicht verwunderlich, diese Substanzen dort anzutreffen, wo es im Sonnensystem kalt genug ist, damit sie als feste Körper vorliegen können. Das ist jenseits der "Eisgrenze" der Fall, die in unserem Sonnensystem in den äußeren Bereichen des Asteroidengürtels liegt. Außerdem findet man im Kometen Kohlendioxid und Kohlenmonoxid und - das ist schon eher eine Überraschung - komplexe organische Verbindungen. Letztere geben Anlass zur Spekulation, ob nicht letztlich die Kometen die Entstehung des Lebens auf der Erde bewirkt haben könnten.

Diese Bilderserie zeigt den Einschlag eines Projektils auf den Kern des Kometen Tempel 1 (9P/Tempel) am 04. Juli 2005. Das Projektil hat die Raumsonde Deep Impact mit sich geführt hat. Die Instrumente der Raumsonde analysierte spketroskopisch die beim Einschalg aufgeworfene Materie. Credit: NASA/JPL
 Nun sollten wir aber vielleicht einmal klären, was wir unter einem Kometen verstehen wollen. Ein Komet besteht zunächst aus einem Kern, dem "schmutzigen Schneeball". Die meiste Zeit treibt dieser Körper weit von der Sonne entfernt auf einer solaren Umlaufbahn. Gerät der Komet in das Innere des Sonnensystems - das kann periodisch geschehen oder ein einmaliger Vorgang sein - sublimiert die Sonnenstrahlung das Eis. So ab 5 AE ² bildet das so entstehende Gas und der mitgerissene Staub einen Halo, der den Kometenkern um ein vielfaches an Größe übertrifft. Erst jetzt kann der Komet in einem kleinen Teleskop oder sogar für das bloße Auge sichtbar werden. So ab 1 AE reagiert dieser Halo auf die Einwirkung der Sonne. Es bildet sich der Kometenschweif, der immer von der Sonne weggerichtet ist (somit kann er durchaus auch in Flugrichtung zeigen, gleicht also in keinster Weise einem Düsenstrahl, wie das oft gezeichnet wird). Eigentlich gibt es zwei Schweife, denn Gas und Staub des Halos reagieren unterschiedlich auf die Sonne. Der Staub wird vom Lichtdruck der Sonne weggeweht. Da der Staub im Vergleich zum Gas massereich ist, ist der Staubschweif etwas gekrümmt: Die Bewegung der Staubteilchen setzt sich aus der ursprünglichen Bewegung des Kometen und der Bewegung zusammen, die durch die Kraft des Sonnenlichts bewirkt wird. Somit gleicht der Staubschweif etwas einer Wurfparabel eines geworfenen Steins. Der Gasschweif, besser auch Plasmaschweif genannt, entsteht dadurch, dass das UV-Licht der Sonne das Gas des Halos ionisiert. Solch ein ionisiertes Gas wird Plasma genannt. Dieses Plasma wechselwirkt mit den geladenen Teilchen der Sonne, dem Sonnenwind. Dabei wird das Gas auf Geschwindigkeiten von mehreren hundert Kilometern pro Sekunde beschleunigt. Dieses schnell abströmende Gas bildet einen kerzengraden, von der Sonne direkt weggerichtet Schweif. Farblich ist dieser oft bläulich, wohingegen der Staubschweif oft weißlich oder grünlich erscheint.

Der Kern des Kometen Wild 2 (81P/Wild), aufgenommen am 02. Januar 2004 von der Raumsonde Stardust. Credit: NSSDC Master Catalog
 Um zu wissen, wie es nun weitergeht, müssen wir nochmals zurück zum Kern des Kometen. So beindruckend die Leuchterscheinung des Kometen in Sonnennähe ist, so unspektakulär sieht eigentlich ein Kometenkern aus. Diese sind vielleicht gerade mal 20 Kilometer groß und mit einer Dichte von weniger als 1 Gramm pro Kubikzentimeter haben sie eine geringere Dichte als Wasser, was sich nur durch große Hohlräume erklären lässt. Dabei ist der Kern pechschwarz - nein, genau genommen schwärzer als Pech: Er reflektiert gerade mal 5% des Sonnenlichts.³

Wenn nun der Komet seine Perihelpassage an der Sonne durchlaufen hat, hat er etwa 0,1% seines Eises verloren. Angesichts des riesigen Zaubers, die der Komet entfacht hat, scheint das recht wenig zu sein. Der Komet kann nach mehrmaligen Umläufen instabil werden und fragmentieren. Eine beeindruckende Aufnahme dazu zeigt das Bild des Komten Schwachmann-Wachmann 3 aus dem Jahre 2006.

Hier sieht man in einer Aufnahmeserie des Weltraumteleskop Hubble aus dem Jahr 2006 die Fragmente von Schwassmann-Wachmann 3 Credit:NASA, ESA, H. Weaver (APL/JHU), M. Mutchler and Z. Levay (STScI)

Der Komet verliert auf seiner Bahn nahe der Sonne ständig nicht nur Staub und Gas, sondern auch etwas größere (vielleicht kieselsteingroße) Materiestücke, die vom Gas mitgerissen werden. Diese Teilchen sind schon zu groß, um vom Sonnenlicht aus der Kometenbahn gedrückt zu werden. Sie verweilen somit auf der Bahn. Wenn nun unsere Erde die Kometenbahn kreuzt, kommt es zu Leuchterscheinungen in der Atmosphäre, den Meteorschauer.

Teile des Staubs fallen auf die Kometenoberfläche zurück und bilden eine dicke Staubschicht. Diese sorgt nicht nur für die geringe Albedo (das Reflektionsvermögen) sondern kann den Kometen auch quasi versiegeln. Das Innere des Kometen erwärmt sich dann nicht mehr genug, damit bei einer Perihelpassage das Eis sublimiert. Es bildet sich kein Halo mehr aus. Der Komet ist sozusagen tot.

Die meisten Kometen, die sich ins Innere des Sonnensystems stürzen, scheinen aus völlig beliebigen Richtungen zu kommen. Dies legt es nahe von einem sphärischen Kometenreservoir auszugehen, das sich weit entfernt von userer Sonne befindet. Astronomen nennen dieses Reservoir Oort'sche Wolke, nach dem niederländischen Astronomen Jan Hendrik Oort. Diese Wolke ist gigantisch groß, nämlich 50.000 AE, ja es mag Körper geben, die bis zu einem viertel der Strecke zum nächsten Stern weit entfernt sind und dennoch unsere Sonne als schmutziger Schneeball umkreisen! Man schätzt die Zahl der Objekte in der Oort'schen Wolke auf etwa eine Billiarde! Vermutlich sind diese Körper ursprünglich im solaren Urnebel entstanden und zwar in einem Bereich, in dem sich auch die vier Gasriesen Jupiter, Saturn, Uranus uns Neptun bildeten. So würde sich zwanglos ihre Zusammensetzung aus gesteinsbildenden Material plus Eis erklären. Statt dann aber mit einem der Gasriesen oder einem der großen Monde zu kollidieren oder von einem Gasriesen als Mond eingefangen zu werden, wurden sie durch die Begegnung mit einen der riesigen Planeten aus dem Sonnensystem gekickt, ähnlich wie wir heute Swing-By-Manöver nutzen, um unsere Raumsonden mittels der Gravitation der Planeten zu beschleunigen. Da dieses Rauskicken in beliebigen Richtungen erfolgt, würde dies erklären, warum die Kometen sich sphärisch wie eine uns umgebende Wolke am Himmel verteilen.

Neben der Oort'schen Wolke gibt es wohl ein zweites Reservoir, das auch nach einem Niederländer benannt wurde, nämlich der Kuiper-Gürtel. Die Objekte des Kuiper-Gürtel befinden sich in 30 bis 50 astronomsichen Einheiten Entfernung von der Sonne. Das ist eine Region jenseits des äußersten Planeten Neptun, also jenseits des desaströsen Gravitatioseinflusses der Gasriesen, und da der Gürtel in der Ebene liegt, in der sich auch die Planeten entwickelt haben (der Ekliptik) liegt die Vermutung nahe, dass die Kuipergürtel-Objekte da entstanden, wo sie jetzt immernoch sind.

Durch Kollisionen im Kuipergürtel oder der Gravitationswirkung vorbeiziehender Sterne in der Oort'schen Wolke, verändert sich die Bahn der Kometen drastisch und sie stürzen ins Innere des Sonnensystems. Hier kann es zu weiteren Wechselwirkungen mit dem massereichen Planet Jupiter kommen, die dazu führt, dass das Aphel (der sonnenfernste Punkt) der Kometenbahn im Bereich der Jupiterbahn gelangt. Solche Kometen kehren dann recht bald immer wieder und werden daher auch kurzperiodische Kometen genannt.

Diese Skizze zeigt die beiden großen Kometenquellen Kuiper-gürtel und Oort'sche Wolke. Quelle: Wikipedia
 Soweit also eine kleine Tour durch die Welt der Kometen. Als Quellenangabe und Lesetipp möchte ich das dicke Buch von Bennett, et.al. empfehlen: Astronomie - Die kosmische Perspektive
Das Buch ist leicht und verständlich geschrieben, aber aufgrund seiner Dicke und seinem Detailreichtum nur für Leser geeignet, die es wirklich ernst meinen.

² AE = Astronomische Einheit, also die mittlere Entfernung der Erde von der Sonne, also etwa 149,6 Million Kilometer
³ All diese Angaben beziehen sich genau genommen nur auf den Halley'schen Kometen

Spaß mit Lovejoy

Credit: G. Brammer/ESO
 Eigentlich sollten wir Bewohner der Nordhalbkugel nicht viel vom Kometen C/2011 W3 (Lovejoy) mitbekommen: Entdeckt wurde er am 27. November von dem Australier Terry Lovejoy am Südhimmel, nur um dann der Sonne so nahe zu kommen, dass er den feurigen Ritt 140.000 Kilometer über der Photosphäre eigentlich nicht überleben dürfte. Hat er aber und nun bietet er ein schönes Schauspiel, wiederum am Südhimmel. Aber auch wenn wir den unkaputtbaren Kometen nicht mit eigenen Augen sehen können, erreichen uns doch viele wunderbare Bilder. Das Bild oben zum Beispiel wurde von einem Astronomen der europäischen Südsternwarte ESO in Chile aufgenommen. Der Winkelabstand des Kometen zur Sonne ist immernoch gering und so zeigt das Bild den Kometen in der Morgendämmerung.  Der Strahlungsdruck und Teilchenwind der Sonne bläst Materie aus der Korona des Kometen weg, wodurch ein langer Schweif entsteht. Da der Schweif somit von der Sonne weggerichtet ist, zeigt der Komet wie ein kosmischer Pfeil auf das Morgengestirn.

Steil vom Horizont hebt sich auch das Band der Milchstraße ab und rechts von dem Teleskopbau sind zwei "Wattebausche" zu erkennen, die Magellanschen Wolken, das sind zwei Begleitgalaxien unserer Milchstraße. Die Magellanschen Wolken bekommen wir vom Nordhimmel aus nie zu sehen, die Milchstraße nicht mehr, denn so klar und unverschmutzt ist der Himmel über Europa längst nicht mehr.

Der ESO-Astronom Gabriel Brammer hat auch ein kleines Video gemacht, das den Lovejoy-Aufgang in Zeitraffer zeigt. Das helle Objekt ist der Mond.



Comet Lovejoy from the VLT, Chile from g br on Vimeo.

Man sieht in den Video auch, dass die Astronomen so lange arbeiten, wie es nur geht. Der Teleskopschutzbau dreht sich und ein Laserstrahl schießt gen Himmel. Mit dem Laser regen die Astronomen Natrium-Atome in der Hochatmosphäre zum leuchten an. Dadurch entsteht ein künstlicher Stern. Indem die Astronomen das rumzappeln dieses Sterns vermessen, wissen sie, wie unruhig die Luft da oben ist und können das Teleskop der Zappelei anpassen (Adaptive Optik).

Wie erwähnt ist der Komet aber vorher, nämlich am 16. Dezember, der Sonne sehr nahe gekommen und zwar so nahe, dass man ihn nur mit speziellen Sonnenteleskopen beobachten konnte. Das weltraumgestützte Sonnenobservatorium SDO beobachtet die Sonne permanten und so konnte dieser Film erzeugt werden: Wir sehen erst, wie Lovejoy von links in den Sonnenorbit einschwenkt, um dann auf der anderen Seite wieder hervorzutreten. Beide Vorgänge werden in dem Film mehrfach wiederholt.



Die gelbe Farbe ist hier rein repräsentativ gewählt. Es handelt sich um eine Aufnahme mit einer Wellenlänge von 17,1 Nanometer, also im fernen UV-Bereich. Weil die äußere Atmosphäre der Sonne, die Korona, so heiß ist, wird sie in diesem kurzwelligen Bereich beobachtet.

Kometen die der Sonne sehr nahe kommen, kennt man viele, insbesondere seit die Sonne mit dem Satelliten SOHO permanent überwacht wird. Man nennt diese Kometen Sungrazer, Sonnenkratzer. Lovejoy gehört zu einer Untergruppe dieser Kometen, die nach dem Astronomen Heinrich Kreutz als Kreutz-Gruppe bezeichnet werden. Man vermutet, dass diese Gruppe aus einem einzigen großen Kometen hervorgegangen ist, der vor mehreren hundert Jahren bei einer nahen Sonnenbegegnung zerbrach.

Wir beobachten nicht nur mit mehreren Satelliten kontinuierlich die Sonne, wir haben auch permanent Menschen in der Erdumlaufbahn. Astronomie wird immer mehr zum Live-Event. Wie die Astronauten der Internationalen Raumstation ISS den Kometen Lovejoy erleben, erzählt hier der Stationskommandant Dan Burbank im Rahmen eines Fernsehinterviews. Das Video zeigt, wie Lovejoy aufgeht, nachdem die Station die Nachtseite auf der Erde überflogen hat. Auf der Nachtseite selbst sehen wir zahlreiche Gewitterblitze.




Weitere Bilder des Kometen, aufgenommen von Dan Burbank sind hier zu sehen: Absolutely Spectacular Photos of Comet Lovejoy from the Space Station

Wie geht es weiter mit Lovejoy, werden wir ihn jemals von der Nordhalbkugel aus sehen können? Nein, leider nicht. Das Bild hier zeigt unser inneres Planetensystem von schräg oben. "Oben" bedeutet so orientiert, dass wir auf den Nordpol der Erde schauen würden. Man sieht, dass Lovejoy steil von "unterhalb" der Ekliptik (also der Ebene der Planeten) aufgetaucht ist und auch wieder tief unter die Ekliptik abtaucht. Man muss sich also schon auf die Südhalbkugel begeben oder eben das Internet bemühen oder noch besser: Astronaut auf der ISS sein.


Genauere Angaben und Bildquelle: JPL Small-Body Database Browser

Man sieht an dem Bild auch, dass die Bahn von Lovejoy sehr exzentrisch ist. Es wird über 600 Jahre dauern, bis er wieder vorbeikommt. Ob der unkaputtbare Komet diesen nächsten Ritt um die Sonne überleben wird?

Quelle: Christmas Comet Lovejoy Captured at Paranal

Augen auf: Die Orioniden kommen


Am frühen Samstagmorgen, also noch vor Sonnenaufgang, lohnt ein Blick zum Himmel. Der Meteorstrom der Orioniden erreicht am 22. Oktober seinen Höhepunkt. Mit fünfzehn Meteore pro Stunde rechnen die Astronomen. Dieser Meteorstrom wird dadurch verursacht, dass unsere Erde auf ihrer Bahn um die Sonne die Umlaufbahn des Kometen 1P/Halley kreuzt. Wie jeder Komet verliert auch der Halley'sche bei seiner periodischen Wanderung ins Innere unseres Sonnensystems Material in Form kleiner Eis- und Staubkörner. Kreuzt die Erde diese Schmutzbahn, prallen diese Körner auf unsere Atmosphäre und verursachen eine Leuchterscheinung, Meteor oder auch Sternschnuppe genannnt. Der Halley'sche Komet selbst muss dabei also gar nicht in der Nähe sein. Er befindet sich momentan 33 mal so weit von der Sonne entfernt, wie die Erde und schaut wohl erst im Jahre 2061 wieder bei uns vorbei.

Übrigens: Das Wort Schnuppe bezeichnet ursprünglich einen kurzen glühenden Dochtfaden, der beim beschneiden des Kerzendochts nach unten fällt und durch den Fallwind kurz aufglüht.

Da sich die Meteoroiden eines Meteorstroms alle auf der Bahn eines Kometen aufhalten, scheinen die Meteore alle von derselben Stelle des Himmels auszugehen. Dieser Punkt wird Radiant genannt und nach der Lage des Radiants am Himmel werden wiederum die Meteorströme benannt. Die Oirioniden haben ihren Namen also vom Sternbild Orion, dem Himmelsjäger, der ihre Quelle zu sein scheint.  Das Bild zeigt die Lage des Radianten:


 Darin liegt auch ist gleich eine Besonderheit der Orioniden: Zwar ist der Meteorstrom nicht sonderlich ausgeprägt, aber die Region am Himmel ist besonders hübsch und markant. Der Himmelsjäger Orion wird auch vom nur gelegentlichen Himmelsgucker leicht gefunden. Der Radiant liegt etwas links oberhalb (nordöstlich) des hellen orangenen Sterns Beteigeuze, der eine der Schultern des Jägers markiert. Links sieht man die beiden ebenfalls hellen Zwillingssterne Castor und Pollux unterhalb leuchtet der fast schon grelle Stern Sirius.

Dieser hübsche Himmelsanblick wird von einem kleinen Dreieck aus dem Planeten Mars, dem Mond und dem hellsten Stern im Sternbild Löwe, Regulus komplettiert:


Dies ist also der Himmelsanblick vor dem Sonnenaufgang. Grundsätzlich ist die zweite Nachthälfte besser geeignet Meteorströme zu beobachten, da wir dann sozusagen in Flugrichtung der Erde schauen.

Meteorströme, wie die Schmutzbahn von Halley, haben eine Ausdehnung, die weit größer ist, als das System Erde-Mond. Das heißt, während Meteore in unserer Atmosphäre aufleuchten, schlagen die Körnchen ungebremst auf den Mond. Auf der dunklen, nicht von der Sonne beleuchteten Seite des Mondes sind dann im Teleskop Lichtblitze zu sehen. Nach solchen Mondmeteoren halten Profiastronomen wie Bill Cooke von der NASA Ausschau:
"Since we began our monitoring program in 2005, our group has detected more than 250 lunar meteors. Some explode with energies exceeding hundreds of pounds of TNT."
 sagt Cook und fügt hinzu, dass Mondbewohner während eines Meteorstroms besser im Haus bleiben sollten. Der Sciencefiction-Leser denkt da natürlich sofort an den "Stroem" aus den Sterntagebücher von Stanislaw Lem. Bill Cooke und Kollegen hingegen wollen mit ihren Beobachtungen etwas über die Struktur der Meteorströme erfahren und die Energie, mit der die Meteoroide aufschlagen.

Zum Schluss noch eine kleine Bemerkung zur Nomenklatur: Solange der Körper noch unterwegs ist, heißt er Meteoroid (analg zu Asteroid). Die atmosphärische Leuchterscheinung ist der Meteor. In der Regel verglüht der Meteoroid vollständig. Sollte aber doch was unten am Boden ankommen, ist es ein Meteorit.

Quelle, auch der Bilder: NASA