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Außerirdische sind keine Heuschrecken - glaube ich zumindest

Es ist noch keine zwanzig Jahre her, seit wir Gewissheit darüber haben, dass unsere Sonne nicht der einzige Stern dieser Galaxie ist, der von Planeten umkreist wird. Derzeit 425 sogenannter Exoplaneten listet die Seite The Extrasolar Planets Encyclopaedia auf, die sich auf 385 Sterne verteilen. So sensationell die Leistungen der Astronomen sind, die auf diesem dynamischen Forschungsfeld arbeiten, so wenig überrascht uns die bloße Existenz dieser Planeten, denn in der rund 400 Jahre alten Geschichte der modernen Wissenschaft hat sich immer wieder gezeigt, dass wir Menschen und unsere Erde kein Spezial-, sondern eher der Normalfall sind.

Auch wenn diese 425 Exoplaneten vermutlich nicht dafür geeignet sind, menschliches Leben zu tragen, so erwarten wir, dass die Astronomen uns früher oder später doch eine zweite Erde präsentieren, wenn wir ihnen nur die Mittel zur Suche an die Hand geben. Und wenn ein Planet erdähnlich ist, kann er mikroskopisches Leben tragen und wenn dieses Leben der Evolution unterliegt (was es zweifelsohne tut) könnte sich intelligentes Leben daraus entwickeln.

Auch der berühmte Astrophysiker Stephen Hawking glaubt "an die Möglichkeit intelligenten Lebens im All.", so schreibt zumindest Spiegel-Online in dem Beitrag Sprecht bloß nicht mit den Aliens! Eigentlich wäre der Beitrag nicht der Rede wert, würde Stephen Hawking nicht die im Beitragstitel angegebene Haltung einnehmen, dass ein Kontakt mit Außerirdischen eher gefährlich als nützlich sein dürfte. Als Begründung zitiert ihn Spiegel-Online mit einem Blick auf uns selbst:
"Wir müssen nur auf uns selbst schauen, um zu sehen, wie sich aus intelligentem Leben etwas entwickelt, dem wir lieber nicht begegnen möchten." 
Außerirdische seien darüber hinaus wie ein Heuschrecken-Schwarm, der ganz im Stile des Films Independence Day plündernd durchs All reist und auf jeden Planeten nur so lange verweilt, bis er dessen Rohstoffe ausgebeutet hat. Fehlen darf dabei auch nicht der Vergleich mit den Spanieren und ihrer Gier nach dem Gold der Inkas, der von Hawkings gerne hervorgebracht wird: Eine technisch überlegenen Kultur begiebt sich auf einen Vernichtungsfeldzug, um des wirtschaftlichen Vorteils willen. Wir sollten uns also besser still verhalten und uns besser nicht zu erkennen geben. Getoppt wird das Argument dann gerne noch damit, dass eine außerirdische Kultur uns gegenüber ja nur feindlich gesinnt sein kann, wenn sie unser Fernseh- und Radioprogramm empfängt.

Gut, über letzteres könnte man lachen, wenn es nicht Leute wie den im Artikel genannten Sozialpsychologen Albert Harrison gäbe, die das ernst meinen. Es ist ja richtig, dass Promis wie Britney Spears verstörend wirken und aggressiv machen, aber doch sicherlich nicht die Vertreter einer außerirdischen Kultur. Würden wir ein Bild vom alienäquivalent Britney Spears oder noch schlimmer von Paris Hilton empfangen, würden wir dieses Alien natürlich nicht als dummes Sternchen wahrnehmen. Es wäre unser erster Kontakt, woher sollen wir gleich die Information haben, dass dies eher ein peinliches Exemplar ihrer Spezies ist? Auch das Argument, intelligentes Leben, das es schafft sich zwischen den Sternen zu bewegen, sei uns womöglich feindlich gesonnen, finde ich sehr albern. Wer über eine Technologie verfügt, die solche Reisen möglich macht, wird uns kaum als Bedrohung wahrnehmen, sondern neigt generell wohl eher zu einer neugierigen Haltung. Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass es ein sinnvolles Verhalten ist, bewohnte Planeten aufzusuchen, um sie zu plündern. Der Aufwand einer solchen Reise erscheint mir zu hoch, als dass solche Aliens zu einem sinnvollen Kosten-Nutzen-Verhältnis kommen.

Natürlich macht es Spaß, sich vorzustellen, wir wären umgeben von Außerirdischen und wüssten es nur noch nicht oder es gäbe sehr alte hochentwickelte Zivilisationen im All. Ich glaube aber eher, dass vielleicht nicht Leben, aber doch intelligentes Leben sehr selten ist. Dieses Leben zu treffen ist sehr unwahrscheinlich. Man vergegenwärtige sich die Dimensionen: Schrumpft man unsere Sonne auf die Größe einer Grapefruit zusammen, ist unsere Erde nur noch ein kleines Kügelchen in fünfzehn Meter Entfernung. Legt man diese Grapefruit nach Lissabon, so befindet sich die nächste Grapefruit in Moskau. Jemand der diese Distanz mit einem in diesem Modell mikroskopisch kleinem Raumschiff überbrückt, wird dies nicht tun, weil er wütend auf unser Fernsehprogramm ist (wie in einer Folge von Futurama behauptet) oder scharf auf unser Gold. Er wird dies tun, weil er neugierig und wissbegierig ist.

Dann ist da noch der zeitliche Aspekt. Zum Thema Außerirdische hat Harald Lesch in einer Alpha-Centauri-Folge ein weißes Blatt Papier in die Luft gehalten. Er meinte, das Papier zeige die Wüste Sinai beim Auszug der Israeliten: Mose und seine Israeliten sind schon durch, aber die Ägypter noch nicht in der Wüste angekommen. Es ist nicht so unwahrscheinlich, dass wir gerade in einer Zeit leben, in der das intelligente Leben auf Alpha Centauri schon ausgestorben, das auf Epsilon Tauri aber noch nicht entstanden ist. wir blicken auf ein weißes Blatt Papier.

Überhaupt trifft man im Zusammenhang mit Außerirdischen oft auf die Vorstellung, sie seien uns weit überlegen. Damit vermischt sich dann womöglich eine messianische Heilserwartung oder die Vorstellung von Göttern als Raumfahrer. Klar, wer solche Distanzen überbrücken kann, muss uns überlegen sein, zumindest in Sachen Raumfahrt. Aber was spricht dagegen, dass vielleicht wir es sein könnten, die eines Tages innerhalb unserer Galaxie zum ersten mal den Sprung zu einem anderen Stern schaffen? Ich kann mir durchaus vorstellen, dass wir zu den frühen intelligenten Spezies gehören, die in unserer Galaxie entstanden sind.

Das ist jetzt alles sehr hypothetisch und schwammig, aber dieser zivilisationskritische Kitsch, der in dem Spiegel-Online-Beitrag, geadelt durch "eines der wenigen lebenden Genies unserer Tage", breitgetreten wird, ärgert mich schon ein bisschen. Hier wird, um auf die Schlechtigkeit des Fernsehprogramms im Speziellen und der Menscheit im Allgemeinen zu schimpfen, Unsinn über mögliche außerirdische Intelligenz erzählt. Ein typisches Beispiel dafür, dass unser Bild von Aliens vor allem ein Spiegelbild von uns selbst ist. Oder was denkt Ihr?

Bildquelle: Wikipedia

Astronomieunterricht für alle - ein Aufruf zur Woche der Schulastronomie

Pünktlich zur Woche der Schulastronomie des Internationalen Jahrs der Astronomie hat die Initiative Pro Astro Sachsen einen Offenen Brief an Bund und Länder veröffentlicht, in dem sich zahlreiche Vertreter von Astronomie und Astrophysik für ein bundesweites Pflichtfach Astronomie in der 10. Klasse aussprechen. Unterzeichnet haben nicht nur Stellvertreter der wichtigen Forschungsorganisationen aus Astronomie und Raumfahrt und aus der Amateurastronomie, sondern auch prominente Astronauten und Wissenschaftler.

Die Medien beginnen inzwischen das Thema aufzugreifen, anderswo wird schon fleißig diskutiert. Kontovers ist es allemal, in Zeiten vollgestopfter Lehrpläne, verkürzter Gymnasialzeit und regelmäßigem Unterrichtsausfall ein neues Schulfach etablieren zu wollen.

Bleibt zu hoffen, daß eine möglichst große Resonanz dem einen oder anderen Verantwortlichen aus der Politik klar macht, daß Astronomie mehr ist als nur ein weiteres naturwissenschaftliches Fach. Astronomie steht für den Forscherdrang und die Suche nach Antworten auch die grundsätzlichsten Fragen der Menschheit.
Bei der ganzen Aktion geht es um mehr als die Frage der Bedeutung von Naturwissenschaften im Schulunterricht. Es geht darum, daß Bildung aus jungen Menschen eben nicht nur fleißige Bienen machen soll, die das Bruttosozialprodukt erhöhen, sondern kluge Köpfe, die die großen Zusammenhänge sehen.

Mondgezwischer

Ich gebe zu, ich weiß bis heute noch nicht, wozu Twitter eigentlich gut ist. Eine Stärke dieses Internetdienstes ist es wohl, viele Menschen schnell und unkompliziert für kurze Zeit zusammenzubringen, um über ein Thema zu diskutieren. Heute soll das der Mond sein. Im Rahmen des Internationalen Astronomiejahrs schauen wir alle gleichzeitig zum Mond und tauschen uns via Twitter darüber aus. Natürlich können hierzu Amateurastronomen auch ihre Aufnahmen vorführen. Wann? Heute Nacht! Wie? Indem man auf Twitter @astronomy2009uk und @NewburyAS folgt. So habe ich das hier zumindest verstanden.

Wie der schicke Trailer unten zeigt, soll das Ganze dann wiederholt werden, wenn der Meteorschauer der Geminiden seinen Höhepunkt erreicht. Ich werde mir das jedenfalls mal anschauen, es wäre doch gelacht, wenn sich nicht eine sinnvolle Verwendungsmöglichekit für Twitter finden liese.



Übrigens ist der heutige Abend gut gewählt, geben sich doch der Halbmond und der Riesenplanet Jupiter ein schönes Stelldichein am Himmel.

Kosmischer Kalender - zwei Linktipps


Wie Carolin in Ein Galaxienhaufen ganz weit weg gerade geschrieben hat, gehört es zu den erstaunlichen Dingen in der Astronomie, dass ein Blick weit weg auch immer ein Blick weit zurück ist. Dieses Phänomen setzt Michael Benson in seinen Buch Far out- A Space-Time Chronicle in Szene. Vermutlich als Appetitanreger zu diesem Buch ist auf der Seite von seedmagazine.com eine sehr schöne Bildstrecke zu sehen: seedmagazine.com/farout. Wer sich da durchklickt reist ganz ohne Warp-Antrieb von den Plejaden bis zum Herkules-Galaxienhaufen.

Mit seinen 500 Million Lichtjahren Entfernung ist dieser Galaxienhaufen bei weitem nicht das entfernteste Objekt. Wir können grundsätzlich die Himmelskörper sehen, deren Lichtstrahlen seit Entstehung des Universums genügend Zeit hatten, uns zu erreichen. Dieses beobachtbare Universum ist rund 14 Milliarden Lichtjahre groß, wenn man für das Alter des Universums 14 Milliarden Jahre ansetzt. Um sich diese 14 Milliarden Jahre vorstellen zu können, kann man sie gedanklich auf ein Jahr projizieren. Der Urknall findet also am ersten Januar statt, während wir uns jetzt am 31. Dezember befinden. Ein Monat auf diesem Kalender entspricht also etwas mehr als eine Milliarde Jahre.
Dann wäre es so, dass im Februar unsere Milchstraße entsteht, Anfang September unser Sonnensystem und gegen Ende September das Leben auf der Erde. Dieses tut aber erstmal nicht viel, bis es am 17. Dezember zur sogenannten Kambrischen Explosion kommt.
Die Dinosaurier entstehen am zweiten Weihnachtsfeiertag, um am 30. Dezember wieder zu verschwinden. Hominiden gibt es immerhin schon um 21:00 Uhr am 31.12, während der moderne Mensch erst zwei Minuten vor Mitternacht entsteht, um eine Sekunde vor Jahresende zu erkennen, dass die Erde um die Sonne kreist.

Viel detaillierter ausgeschmückt findet man diesen kosmischen Kalender auf der Seite The Cosmic Timeline, inklusive diesem Bild, das wohl auf den berühmten Erklärmeister Carl Sagan zurückgeht.
Viel Spaß mit diesen Linktipps und der Reise durch Raum und Zeit.

Lichtverschmutzung im Spiegel

"In Rio, berichtete ein Astronom, könne man von rund 5000 eigentlich mit bloßem Auge wahrnehmbaren Sternen gerade einmal 150 wahrnehmen", so schreibt Spiegel-Online in dem Beitrag "Wir haben ein Recht auf Sternenlicht". Anlass ist eine Tagung der Internationalen Astronomischen Union in Rio de Janeiro, die mit einem Apell gegen die Lichtverschmutzung endete. Klar, woher sollen die Menschen die kosmische Dimension des Begriffs "Heimat" kennen, wenn rund zwei Milliarden von ihnen nie die Milchstraße sehen können? Kein Wunder ist es wieder en vogue, sich als Krone der Schöpfung zu sehen und dem Schöpfer und seinen Stellvertretern auf Erden entsprechend heftig in den Arsch zu kriechen. Wie sich Menschen verhalten, die keine sinnliche Vorstellung davon haben, dass die Erde ein verschwindender Teil von etwas viel Größerem ist, zeigt diese Dokumentation (so ab Minuten 0:45) Oh Lord, please don't burn us!



Wie anders stellt sich doch das Leben für diejenigen dar, die ihre (Kirchen-)mauern einreißen:
Monty Python und der Sinn der Astronomie Die zwanghafte Frage nach dem Sinn löst sich auf in der schieren Größe des Kosmos, wie Tränen im Regen. Da ist kein Platz für Konzepte wie Schuld, Sünde und Moral, der von Religion befreite Mensch verhält sich einfach gemäß seiner Natur. Die ist nicht böse, nicht gut, sondern einfach menschlich.

Aber zurück zu Spiegel-Online. Nach meiner kleinen Abschweifung ist klar, dass der Lichtsmog weit mehr ist, als "nur" Energieverschwendung, Verkehrsgefährdung, ein gesundheitliches Risiko für Mensch und Tier und mit der Grund, warum Teenager immer später nach Hause kommen. Der Nachthimmel ist, wie die IAU befindet, ein sozio-kulturelles Recht des Menschen. "Für uns ist der Nachthimmel ein Erbe für die Menschheit", sagt, laut Estado de Sao Paulo, laut Spiegel-Online und jetzt auch laut Lichtecho der Astronom Augusto Daminelli.

Jedenfalls kann ich den kleinen Spiegel-Online-Beitrag empfehen und ich hoffe, dass sich im Diskussions-Thread ein paar gute Beiträge der Astrophilen finden, bevor sich die Wollen-wir-nicht-erstmal-den-Hunger-in-der-Welt-bekämpfen-Romantiker zu Wort melden.
Haut in die Tasten, steter Tropfen höhlt den Stein!

Der Zoo der Supernovae

Vor kurzem hatte ich mich gefragt "Ist das noch Astronomie", als ich mir die ferngesteuerten Teleskope von slooh.com angeschaut habe. Eine weitere Methode für jedermann Astronomie zu betreiben ohne das Haus zu verlassen, geschweige denn aus dem Fenster zu schauen, ist Galaxy Zoo. Auf dieser beliebten Seite ging es bisher darum, Galaxien zu klassifizieren - eine mühselige Arbeit, die man nicht leisten könnte, müsste man für diese Arbeitsleistung zahlen. Nun bietet Galaxy Zoo eine neue Möglichkeit der Mitarbeit, bzw. der Befriedigung des Entdeckertriebs, nämlich die Jagd nach Supernovae Ia - das sind gewaltige Helligkeitsausbrüche in Doppelsternsystemen, mehr dazu im Wikipedia-Eintrag. Theoretisch zumindest sollte das funktionieren, aber wie uns die Supernova-Seite auf Galaxy Zoo mitteilt, ist der Dienst gerade nicht verfügbar. Man bastelt wohl noch an einer besseren Version. In meiner Blogroll rechts gibt es den Galaxy-Zoo-Blog zu lesen. Sobald es wieder losgeht mit der Supernovajagt, werden wir es dort erfahren.

Datenbasis für dieses Projekt ist eine Himmelsdurchmusterung am ehrwürdigen Palomar Observatory. Dieses Palomar Observatory Factory genannte Projekt wird in einem Podcast auf 365 Days of Astronomy vorgestellt. Bei dieser Durchmusterung wird nach Veränderungen am Himmel Ausschau gehalten, wie sie zum Beispiel durch Supernovae in fernen Galaxien verursacht werden.

Entdecken die User auf Galaxy Zoo einen vielversprechenden Kandidaten im Datensatz, schauen Astronomen mit dem 4, 2-Meter-William-Herschel-Teleskop auf La Palma nach, was es damit auf sich hat - und ja, wir lesen dann darüber wieder im Galaxy-Zoo-Blog rechts in meiner Blogroll.

Asteroid Watch - Wissenschaft mit Apokalypsefaktor

Von der NASA gibt es was Neues: Asteroid Watch. Auf dieser am JPL-Institut angesiedelten Internetseite sollen ab sofort alle News und Infos zum Thema Asteroiden zusammenlaufen - eine Einstiegsseite in die Welt der Asteroiden. Dazu gehören insbesondere auch aktuelle Meldungen zu NEOs, also Near Earth Objects, Asteroiden also, die unserer Erde und ihren unbeweglichen, raumfahrtmüden aber doch so intelligenten Bewohnern nahe kommen können.

Der Zeitpunkt, solch eine Seite zu starten, ist gut gewählt, denn fünfzehn Jahre nach dem legendären Shoemaker-Levy-Ereignis ist der Jupiter mal wieder Schauplatz einer kosmischen Kollision: Eine neue Narbe ziert Jupiter. Das Bild oben zeigt deren Spur in der Atmosphäre des Gasriesen. Die Aufnahme gelang mit dem Weltraumteleskop Hubble am 23 Juli, der Einschlag selbst fand wohl am 19. Juli statt. Das Besondere an der Aufnahme ist, dass das Weltraumteleskop nach seiner letzten Servicemission durch das Space Shuttle (Flug STS-125) eigentlich noch nicht wieder betriebsbereit ist. Die Astronomen wollten sich aber natürlich dieses seltene Ereignis trotzdem nicht entgehen lassen. Ob es ein Komet oder ein Asteroid war, der auf Jupiter stürzte, ist nicht klar. Astronomen schätzen den Durchmesser des Körpers auf mehrere Fußballfelder. Im Unterschied zum Shoemaker-Levy-Ereignis ist der Impaktor jedenfalls nicht vor dem Einschlag durch die mächtigen Gezeitenkräfte Jupiters zerstört worden, denn in diesem Fall müssten mehrere Einschlagstellen zu sehen sein.

Ein Beispiel wie sich Jupiter mit seiner neuen Narbe im Amateurteleskop macht, zeigt dieses Video von John Chumack:

Overkill - für Alle, die es genau wissen wollen!

Auf Ehrensenf habe ich mal wieder was "Nettes" gesehen: Das Nuke-O-Meter zeigt an, wie viele kernige Kriegsköpfe, bzw. nukleare Warheads auf die eigene Stadt gerichtet sind, genauer gesagt, die eigene Stadt erreichen können. Heidelberg zum Beispiel kann gleich 6645 mal zerstört werden. Besser ist da schon Windhoeck in Namibia dran, die Einwohner hier können von den Nuklearmächten nur 3092 mal pulverisiert werden.

Die Datengrundlage für dieses makabere Survival-Tool beruht wohl auf eine Veröffentlichung des Guardian. Adam Charnock hat diese für sein Nuke-O-Meter verwendet. Außerdem weist er ausdrücklich darauf hin, dass man keine wichtigen Entscheidungen auf Basis seines kleinen Internettools treffen soll. Wozu auch? Es gibt schließlich kaum eine Stadt auf diesem Planeten, die nicht von einem atomaren Sprengkopf erreicht werden kann. Bleibt uns nur Mond und Mars - vorerst zumindest.

Wettlauf ohne Konfetti-Parade

Die Geschichte über den Wettlauf ins All wurde schon oft erzählt. Die russischen Kosmonauten vollbrachten eine Reihe von Erstleistungen, aber am Ende standen doch die Amerikaner auf dem Mond. Neben diesem offiziellen Wettlauf gab es aber noch einen zweiten, nämlich den um die erste militärische Station im Orbit und den gewann die Sowjetunion mit ihrer Station Almaz. Das äquivalente amerikanische Projekt MOL, als Manned Orbital Laboratory getarnt, startete hingegen erst gar nicht. Aufgabe der Stationen war die Spionage. In dieser Phase des Kalten Krieges herrschte viel Unklarheit über die militärischen und technischen Möglichkeiten des Systemgegners. Die junge Raumfahrt zur militärischen Aufklärung zu nutzen schien naheliegend. Durchgesetzt haben sich die Stationen letztlich aber nicht, die Amerikaner erkannten das schon vor dem ersten Start. Der Vorteil, einen menschlichen Spion am Kameraauslöser zu haben, ist nicht groß genug, um eine bemannte Station zu rechtfertigen. Die automatischen Spionagesatelliten haben sich letztlich durchgesetzt. Als Kampfstation war weder MOL noch Almaz konzipiert. Angesichts von Atom-U-Booten und mobilen Raketeneinheiten bestand wohl dazu keine Notwendikeit, zumal die Vorwarnzeit bei einem Angriff durch eine Orbitalstation sehr groß ist und die Station selbst verletzlich ist. Daher war Almaz bewaffnet, wohl das erste und einzige bewaffnete Raumfahrzeug der Geschichte. Mit einer Kanone sollte sie anfliegende Killersatelliten zerstören. Bei dem hohen Aufkommen an Weltraummüll könnte dies auch für heute Weltraumstationen eine Option sein, wobei solch ein Kanonenbeschuss letztlich allerdings aus einem gefährlichen Schrott-Teilchen viele macht.

Eine schöne Dokumentation über die Weltraumspione gibt es auf Youtube zu sehen, leider nur in Englisch: Astrospies

Mondsüchtige Sternstunden

Vierzig und Vierhundert, das sind die beiden Jubiläumszahlen in diesem Jahr. Sie stehen für die Mondlandung und den Beginn der modernen Astronomie. Die Sendereihe Sternstunde Philosophie des Schweizer Fernsehen hat hierzu Jürgen Renn, Direktor des Berliner Max-Planck-Instituts für Wissenschaftsgeschichte, befragt. Der Großteil des Gesprächs dreht sich um Galileo Galilei und seine Zeit, wobei es Jürgen Renn eben wirklich um Galileis Zeit geht. Denn statt Anekdoten zum Genie Galilei redet er lieber über die Aufbruchsstimmung mit ihren Parallelentdeckungen und die allgemeine Wissensexploration, die auch kuriose Züge annahm, wie beispielsweise den Versuch der Jesuiten die Astronomie als Vehikel ihrer Missionierungsbemühungen in China einzusetzen.

Die Mondlandung kommt allerdings doch etwas arg kurz. Bemerkenswert ist, wie Jürgen Renn die Astronomie als Vorbildlich in der Veröffentlichung ihrer Daten ansieht, sowie in ihrer durchlässigen Verbindung von Amateuren und Berufsastronomen. Er macht sich stark für das Projekt ECHO (European Cultural Heritage Online), aus dem ich allerdings nicht so richtig schlau werde.



Nett finde ich, wie bei den Sternstunden im SF die Gesprächspartner auf unbequemen Stühlen am einfachen Tisch einander gegenüber sitzen. Es bleibt ihnen gar nichts anderes übrig, als sich auf den Gesprächspartner zu konzentrieren, auch wenn die Moderatorin etwas gelangweilt wirkt. Kurios, fast schon unangenehm ablenkend, finde ich hingegen die Studiodekoration. Container wie auf einem Güterbahnhof mit Gardinen aus leuchtenden Sternen - wer denkt sich denn so etwas aus?

Was denkst Du über das Universum?

Was denkst Du über das Universum? Mit dieser Frage läuft Christopher Bales durch Chicago und schnappt Antworten der Passanten auf. Gemacht hat er dies für eine Abschlussarbeit an seinem College, herausgekommen ist ein kleines, stimmungsvolles Video:

The Universe from Christopher Bales on Vimeo.



Und? Was hättest Du dem sympathischen Gymnasiasten geantwortet?

Spitzer: Seine coolen Jahre sind vorbei

Dem Infrarotteleskop Spitzer geht die Kühlung aus. Die Instrumente des am 25. August 2003 gestarteten Weltraumteleskop wurden auf eine Temperatur nahe dem absoluten Nullpunkt gehalten. Dies ermöglichte es Spitzer das Universum im infraroten Spektralbereich zwischen 3 und 180 Mikrometer zu beobachten. Um von der Wärmestrahlung der Erde nicht geblendet zu werden, fliegt das Teleskop nicht in einem Erdorbit, sondern folgt der Erde in hundert Million Kilometern Entfernung. So um den 12. Mai rum jedoch wird Spitzer den letzten Tropfen Kühlflüssigkeit aufgebraucht haben. Das macht das Teleskop nicht unbrauchbar, aber die coolen Jahre sind dann ein für allemal vorbei.

Aus diesem Anlass ist nun ein Interview mit dem Teleskop erschienen. Fragt man Spitzer nach seiner größten Entdeckung wird man überrascht: Am meisten freut sich das Teleskop über seine Beiträge zur Erforschung von Exoplaneten. Das ist deswegen erstaunlich, weil das Teleskop dafür ursprünglich gar nicht konzipiert war:
"Well, you know, I wasn’t even originally designed to see exoplanets!"
Daran sieht man, dass das Leben überraschende Wendungen nehmen kann und man einfach offen für alles bleiben sollte.

Das vollständige Interview ist mir zu lang, um es zu übersetzen. Daher poste ich es hier einfach als Linktipp: The Spitzer Space Telescope Speaks Its Mind

Eine Sammlung schöner Spitzer-Aufnahmen zeigt dieses Video:



Leider ist die Musik etwas nervig oder eben zu cool für meinen Geschmack.

Mehr Info zu Spitzer gibt es auf der offiziellen Seite: Spitzer Space Telescope

Wann war die Erde flach?

Die Schweiz lebt direkte Demokratie. Wohin es führen kann, wenn jeder Depp mitreden darf, werden wir wohl Mitte Mai erfahren. Dann kann es passieren, dass medizinische Scharlatanerie, Komplementärmedizin genannt, in die Verfassung der Eidgenossen aufgenommen wird. Nun bin ich kein Schweizer und mir daher nicht ganz über die Konsequenzen im Klaren. Es geht wohl zum einen um die Frage, welche Leistungen dann von der Krankenkassengrundversicherung übernommen werden müssen und ob es Lehrstühle für Homöopathie und dergleichen an Schweizer Universitäten geben wird.

Ein geistreicher und vehementer Kritiker der Komplementärmedizin ist der Immunologe Professor Beda Stadler aus Bern. Ein lesenswertes Interview mit ihm findet sich auf der Seite suedostschweiz.ch: "Homöopathie ist so wirksam wie Uriellas Badewasser".

Warum ich davon berichte? Professor Stadler bemüht einen Mythos, der gerne herangezogen wird, um den wisenschaftlichen Fortschritt zu illustrieren. Die Behauptung bedarf, wie die Komplementärmedizin auch, einer kritischen Betrachtung:
"Früher einmal glaubten 99,9 Prozent der Menschen, die Erde sei flach. Dass sie rund ist, weiss die Menschheit heute dank wissenschaftlicher Untersuchungen und entsprechender Information."
Hier frage ich mich, ob es wirklich nachweislich eine Zeit gab, in der fast alle Menschen die Erde für flach hielten. In seinem Buch Inventing the Flat Earth geht der Historiker Jeffrey Burton Russell diesem Problem nach. Nach seiner Aussage glaubte kein gebildeter Mensch in der griechisch-römischen Antike an eine flache Erde. Die Kugelgestalt der Erde findet sich sogar schon bei Pythagoras im 6. Jahrhundert vor Christus. Das Weltbild des Aristoteles zementiert die Kugelgestalt, denn seiner Ansicht nach strebt die Materie zum Erdmittelpunkt (in unterschiedlich starker Weise, je nach Zusammensetzung aus den vier Elementen Erde, Wasser, Luft und Feuer). Die Erde ruht also in der Mitte des Kosmos und da die Materie von allen Seiten auf die Erde zuströmt, muss sie kugelförmig sein.

Beobachtungen geben Aristoteles recht:
  1. Am Horizont versinkt zuerst der Rumpf, dann das Segel eines Schiffs. (Ist das eigentlich ein reines Gedankenexperiment oder hat das wirklich jemals einer gemessen? Schließlich braucht man eine sehr gute Horizontsicht, damit das Schiff nicht einfach im Dunst verschwindet.)
  2. Der Erdschatten ist bei einer Mondfinsternis immer kreisförmig.
  3. Wandert man nach Süden, ändert sich die Höhe der Sternbilder: Neue Sternbilder erscheinen am Südhorizont, während bisher zirkumpolare Sternbilder untergehen.
Vielleicht denkt Herr Stadler mit "früher" auch gar nicht so weit zurück. Schließlich spricht man ja vom "Finsteren Mittelalter". Jeffrey Burton Russell stellt aber klar, dass auch die Christianisierung in Europa nichts daran änderte. Abgesehen von einer handvoll Geistlicher, die diesbezüglich auch von ihren Zeitgenossen nicht ernst genommen wurden, blieb die Erde kugelförmig. Ein lesenswerter Artikel zum vermeintlich "Finsteren Mittelalter" findet sich auf spiegel-online: Wie die Erde zur Scheibe wurde. In dem Artikel geht es um den Romanisten Reinhard Krüger von der Universität Stuttgart und seinem Kampf gegen dumme Vorurteile gegen das vermeintlich dumme Mittelalter:
"Was Krüger erstmals in einer breit angelegten Untersuchung beweist: Kein kirchlicher oder weltlicher Gelehrter in Spätantike und Mittelalter glaubte, die Erde sei eine Scheibe - mit Ausnahme des ägyptischen Mönchs Kosmas Indikopleustes und der Kirchenväter Laktantius und Severianus von Gabala. Deren Weltsicht galt jedoch stets als abseitig und wurde im Mittelalter nicht gelehrt - bis neuzeitliche Gelehrte verstreute Dokumente von Laktantius und Indikopleustes fanden, ihnen zu unverdienter Aufmerksamkeit verhalfen und so den Mythos vom scheibengläubigen Mittelalter schufen. "
Ausgerechnet Nikolaus Kopernikus war einer dieser neuzeitlichen Gelehrten. Er erwähnt den eigentlich vergessenen Laktantius in seinem Hauptwerk über den Heliozentrismus. Damit steht Kopernikus mit am Beginn einer Geschichtsverzerrung, die sich von der Renaissance bis zur Aufklärung fortsetzt: Um der Bedeutung der eigenen Zeit und ihrer wissenschaftlichen Errungenschaften Nachdruck zu verleihen, muss die Vergangenheit möglichst ungebildet dargestellt werden. Damit auch der einfachste Leser von der Sache des Fortschritts überzeugt werden kann, gilt es eben einen möglichst großen Kontrast herzustellen. Dazu wertet man die Leistungen der eigenen wissenschaftlichen Epoche auf und die angeblich vorwissenschaftliche Epoche ab.

Diese Methode wählte auch der Schriftsteller Washington Irving (1783-1859). In seinem historischen Roman über Christoph Kolumbus erhebt er den Entdecker zu einer modernen Lichtgestalt, die das finstere Spanien verlässt, um in eine neue Welt aufzubrechen, in der der Verstand eines Mannes mehr wiegt, als Aberglaube und Unvernunft. Für diesen literarischen Kunstgriff ist es notwendig, die dummen, mittelalterlichen Spanier der alten Welt (und alten Zeit) an die Flachheit der Erde glauben zu lassen. Auch die Matrosen drohen in dem Roman zu meutern, weil sie fürchten, über den Rand hinauszusegeln. Insbesondere letzteres Bild findet sich gerne in der Populärkultur geschildert. Die Wirkung dieses Romans von Washington Irving steckt im Untertitel des bereits erwähnten Buches von Jeffrey Burton Russell: Inventing the Flat Earth - Columbus and Modern Historians.

Wie Reinhard Krüger auch, sieht Russell diese Geschichtsfälschung als Teil der neuzeitlichen Propaganda - ironischerweise wird also ausgerechnet für die Wissenschaft ein Mythos aufgebaut. Dazu schreibt Jeffrey Burton Russell:
"The answer is that the falsehood about the spherical earth became a colorful and unforgettable part of a larger falsehood: the falsehood of the eternal war between science (good) and religion (bad) throughout Western history."
Nichts anderes macht Beda Stadler, wenn er in seinem Interview über den Unfug der Homöopathie andeutet, dass Homöopathieglaube auf Unwissenheit beruht (was ja stimmt), so wie unsere unwissenden Vorfahren an die flache Erde glaubten (was eben nicht stimmt). So werden Homöopathiegläubige zu, dem vermeintlich finsteren Mittelalter verhafteten, Spaniern, während Wissenschaftler wie Professor Stadler uns als die modernen Navigatoren zu neuen Ufern führen.

In dem Interview sagt Stadler dann weiterhin:
"Die Wissenschaft spendet heute Lebenssinn – das wollen viele Leute nicht wahrhaben. Sie klammern sich stattdessen am Glauben fest. Religion ist übrigens heilbar."
Damit verlässt er die eigentliche Diskussion und betrachtet den großen Kulturkampf ganz im Sinne des vorhergehenden Russell-Zitats.

Was den Volksentscheid in der Schweiz anbelangt, gibt sich Stadler dann aber bescheiden:
"20 Prozent Gleichgesinnte würden mir in der Tat reichen. Ich wäre stolz, wenn sich zeigt, dass wenigstens ein Fünftel der Schweizer noch alle Tassen im Schrank hat."
Ich fände es traurig, wenn es nicht deutlich mehr Stimmen gegen die Komplementärmedizin werden, doch ist es wenigstens tröstlich, dass sicherlich 99% der Schweizer die Erde für eine Kugel halten - oder etwa nicht?

Die Transformation der Venus

Die Venus macht gerade eine Transformation durch. Unser innerer Nachbarplanet wandelt sich vom Abend- zum Morgenstern. Den Rest des Jahres finden wir die Venus am Morgenhimmel. Am 27. März durchlief die Venus auf ihrer Bahn um die Sonne die untere Konjuntion, das heißt, sie bewegte sich zwischen uns und der Sonne. Seit dem steht sie westlich der Sonne und geht daher vor ihr am Morgenhimmel auf. Dies bleibt so, bis die Venus am 11. Januar 2010 ihre obere Konjunktion erreicht, also hinter der Sonne steht und wieder auf ihre östliche Seite vorrückt.

Warum ich das erzähle? Weil es eine wunderbare Animation gibt, die den Lauf der Venus als Morgenstern wunderbar darstellt: http://shadowandsubstance.com/ Auf dieser Webseite finden sich viele kleine Flash-Animationen zur Astronomie. Die momentan oberste zeigt den Lauf der Venus. Sie gibt die Position der Venus jeweils 45 Minuten vor Sonnenaufgang an. Dabei wird dann auch die Venusphase dargestellt, die, wie Galileo Galilei vor 400 Jahren feststellte, einen kompletten Zyklus durchläuft. Dabei variiert gleichzeitig die Größe der Venusscheibe. Nähert sich die Venusphase einer "Vollvenus", steht sie aus unserer Sicht zunehmend hinter der Sonne und ist somit weiter entfernt, ergo kleiner. Dieser Effekt zeigt in der Animation auch der Merkur. Da er der Sonne aber noch näher steht als die Venus, ist er nicht so leicht zu beobachten, wie man sich anhand der Animation gut vorstellen kann.

In der ersten Jahreshälfte "tanzt" die Venus am Morgen hübsch mit Mars. Der reicht sie zum Herbst an Saturn weiter, der aber wenig höflich einfach vorbeirauscht. Gut, dass ich freie Sicht nach Osten habe. Mein erster Blick am Morgen gilt nun der Venus.

Wird Russland abgehängt?

Wenn 2010 die Ära des Space Shuttle endet, wird die amerikanische NASA erstmal eine schmerzliche Durststrecke durchlaufen. Bis zur Entwicklung des Raumschiff Orion wird das Personal der Internationalen Raumstation auf die russischen Sojus-Kapseln angewiesen sein. Wir Europäer sind es zwar gewohnt, nur im Taxi ins All zu gelangen, aber wenigstens konnten wir uns bisher das Taxi aussuchen. Hier feiert die russischen Weltraumtechnologie einen großen Triumph, könnte man meinen, doch ist dieser Triumph nur ein kurzzeitiger.

"Dabei stehen die Dinge in Russland mit den Sojus-Raumschiffen nicht so gut. Schön, dass die größte Bank Russlands, die Sberbank, nach nervenaufreibenden Verhandlungen doch eingewilligt hat, dem Raketenbauer Energija einen Kredit in Höhe von 2,9 Milliarden Rubel bis zum Herbst 2010 zu gewähren. Dadurch können einige Raumschiffe nach dem alten Modell gebaut werden. Doch was dann?"

So fragt Andrej Kisljakow in einem lesenswerten Beitrag der RIA Novosti, auf den ich hier hinweisen will: Kommt Russlands bemannte Raumfahrt vom Kurs ab?

Die Amerikaner werden mit ihrem neuen Constellation-Programm wohl erstmal alleine zum Mond zurückfliegen. Die Europäer sind zu recht stolz auf ihr System ATV, das zunächst mit einem Hitzeschutzschild für den Wiedereintritt in die Erdatmosphäre ausgestattet werden soll, um es dann eventuell sogar als bemanntes Raumflugsystem zu betreiben - endlich ein echtes europäisches Raumschiff. Hinzu kommt die Dynamik des wachsenden privaten Raumflugmarkt. Einen kleinen Eindruck davon vermittelt dieses jüngste PR-Video des Unternehmens Virgin Galactic, in dem vom Testflug des Trägers WhiteKnightTwo berichtet wird. Dieser Träger soll einmal das SpaceShipTwo in große Höhe bringen, von wo aus es sich ausklingt, um in den Weltraum durchzustarten:

So sehr also der Betrieb der ISS in den kommenden Jahren von Russland abhängig sein wird, so wenig Zukunftsweisendes kommt aus dem Mutterland der bemannten Raumfahrt. Zwar hat mich die Entwicklung und der erste Flug des europäischen ATV sehr begeistert, doch frage ich mich, ob es wirklich politisch klug ist, Russland so sehr abzuhängen. Europa sollte seine breiter gewordenen Raumfahrtschultern dazu nutzen, Russland als Partner auf Augenhöhe zu begegnen. Wie schreibt Andrej Kisljakow so schön:

"Da die Aufgaben der heutigen Raumfahrt hohe Ansprüche stellen, kann kein noch so mächtiger Staat sie allein meistern."

Ein Jahrhundertbild erstrahlt in neuem Glanz

Credit: NASA/LOIRP

Bevor die Astronauten des Apollo-Programms zum Mond flogen, schickte die NASA eine Serie unbemannter Spähern voraus. Es waren dies die Projekte Ranger, Lunar Orbiter und Surveyor - letztere Raumsonden landeten sogar auf dem Mond. Schließlich wollte man das Gelände möglichst gut vorab fernerkunden, bevor man Menschen zum Mond schickte.

Ein besonders gelungenes Bild aus dieser Zeit ist diese Jahrhundertaufnahme von Lunar Orbiter 2 aus dem Jahre 1966. Sie zeigt den Mondkrater Copernicus aus einer ungewohnten Perspektive, nämlich im Anflug aus 45,7 Kilometern Höhe über der Oberfläche. Solche historischen Aufnahmen werden derzeit restauriert und neu digitalisiert. Dahinter steckt das Lunar Orbiter Image Recovery Project (LOIRP), an der die NASA und verschiedene Privatfirmen beteiligt sind. Die Adresse zur sehenswerte Webseite dazu lautet: http://www.moonviews.com/
Ein interessantes Zeitdokument ist der Artikel aus dem Time Magazin zu dem Jahrhundertbild: A New Look at Copernicus vom 9. Dezember 1966. Der nahe Blick auf die Mondoberfläche war damals neu, doch solange wir nicht endlich wieder ernsthafte Mondforschung betreiben, haben wir heute kaum besseres zu bieten, als die alten Bilder im neuem Gewand.

Kepler und die Exoplaneten

Credit: Jon Lomberg

Der erfolgreiche Start des Weltraumteleskop Kepler ist ja nun keine Neuigkeit mehr. Mit diesem Teleskop der NASA wollen die Wissenschaftler dreieinhalb Jahre lang circa hunderttausend Sterne kontinuierlich beobachten. Periodische Veränderungen in der Lichtkurve sollten dann erdgroße Exoplaneten kenntlich machen, die sich durch ihren Transit vor ihr Muttergestirn verraten. All dies und viel mehr kann man auf der sehr informativen Webseite zur Kepler-Mission nachlesen: http://kepler.nasa.gov/

Gestern hatte ich eine künstlerische Darstellung der Struktur unserer Milchstraße als U-Bahn-Plan gezeigt. Heute, weil es so gut passt, zeige ich mit dem Bild oben die künstlerische Darstellung der Blickrichtung, die das Weltraumteleskop Kepler für die nächsten dreieinhalb Jahre einnimmt. Das Bild stammt von Jon Lomberg, ein Künstler, der für seine genialen astronomischen Illustrationen bekannt ist. Er arbeitete auch schon mit dem berühmten Carl Sagan zusammen und hat auf Hawaii die Form unserer Milchstraße gartenbaulich umgesetzt: Galaxiegarten

Wie das Blickfeld des Weltraumteleskop Kepler an unserem Nachthimmel aussieht, zeigt folgende Abbildung der NASA:


Das Bild zeigt das Sommerdreieck zwischen den drei hellen Sternen Deneb, Wega und Altair. Kepler schaut in einem Bereich zwischen Deneb und Wega. Wenn also in den nächsten dreieinhalb Jahren eine zweite Erde entdeckt wird, dann da.

Oder gibt es die zweite Erde schon? Bei der inzwischen doch beträchtlichen Zahl an Exoplaneten ist man für jede Übersicht dankbar. Die Planetary Society bietet hierfür einen Catalog of Exoplanets an. Der besondere Clou dabei: Man kann jeweils zwei Exoplanetensysteme auswählen und sie dann in einer kleinen Animation direkt miteinander vergleichen - vorsicht Suchtgefahr!

Galaktische Verkehrsbetriebe AG

Von U- und S-Bahn-Plänen geht ein eigentümlicher Reiz aus. In ihrer radikalen Funktionalität abstrahieren sie jede Stadt, reduzieren sie auf ein Schema und sind dennoch hübsch anzusehen. Wer einen solchen Plan studiert und als Gast oder Einwohner auswendig lernt, kann seine Fahrt zwar frei planen, aber weiß doch nichts über den Ort. Ähnlich geht es den Menschen mit ihrer näheren kosmischen Umgebung und so war es für Samuel Arbesman an der Zeit, für diese galaktische Stadt einen Plan zu entwerfen.

Wie ein U-Bahn-Plan zeichnet der Plan der Galaktischen Verkehrsbetriebe (Milky Way Transit Authority) die grobe Struktur und die großen Verlaufslinien der Milchstraße nach. Dies vor allem in Form der vom Zentrum ausgehenden Spiralarme, z.B dem Sagittarius-Arm oder dem 3-kpc-Arm.

Der Vergleich des Plans mit einer Art physischen Karte, die natürlich auch nur ein Modell ist, liefert diese Abbildung:


Es lohnt sich dieses Bild im Großformat anzuschauen: APOD

Jedenfalls weiß ich nun, mit welcher Linie ich von unserer Sonne (Sol) zu einem meiner Lieblingsobjekte am Himmel komme, nämlich dem riesigen Kugelsternhaufen M 13. Schade, dass wir nichts über den Tarif erfahren. Ob ich mit einem 24-Stunden-Ticket hinkomme?

E-Day: Sinnvoll oder das Kind mit dem Bade ausgeschüttet?


Christi Himmelfahrt ist ein Feiertag, den wir in Deutschland bundesweit begehen, obwohl kaum noch jemand an die Himmelfahrt Christi glaubt. Die Giordano Bruno Stiftung, eine "Stiftung zur Förderung des evolutionären Humanismus", fordert daher, diesen Feiertag den konfessionsfreien, aufgeklärten Menschen dieses Landes zur Verfügung zu stellen. Schließlich sei es ungerecht, dass die Christen gleich mehrer Feiertage im Jahrslauf begehen können, hingegen die schweigende Mehrheit der Nichtgläubigen keinen Tag für sich haben. Ein bundesweiter Evolutionstag soll dieses Missverhältnis wenigstens etwas gerade rücken - Weihnachten feiern wir ja alle gerne wieder zusammen, der Geschenke wegen.

Die Forderung nach einem Evolutionstag fällt natürlich nicht zufällig in dieses Jahr, denn schließlich jährt sich der Geburtstag Charles Darwins zum zweihundertsten mal und das Publikationsdatum seines Hauptwerks über die Evolutionstheorie zum 150. mal.
Die Begründung der Giordano Bruno Stiftung zu diesem Vorstoß kann auf der Seite darwin-jahr.de/e-day nachgelesen werden. Dort heißt es unter anderem:
Am „Evolutionstag“ soll gefeiert werden, dass wir endlich den kindlichen Narzissmus überwunden haben, der uns dazu verleitete, unsere Art als „Krone der Schöpfung“ zu betrachten. Schließlich wissen wir heute, dass wir nur eine von Millionen Lebensformen auf diesem Staubkorn im Weltall sind. Und so stolz wir auch immer auf unsere „kulturellen Leistungen“ sein mögen, im Grunde sind wir kaum mehr als die „Neandertaler von morgen“.
Auf dieser Seite findet sich auch ein Link zu einer entsprechenden Petition.

Was ist davon zu halten? Die Giordano Bruno Stiftung ist kein skurriler Haufen, sondern kann in ihrem Beirat eine illustre Gesellschaft interessanter Persönlichkeiten vorweisen: Vom Comic-Zeichner Ralf König, über den renommierten Hirnforscher Wolf Singer bis hin zu dem von mir überaus verehrten Philosophen Bernulf Kanitscheider. Dennoch erscheint mir persönlich das Ganze eher ein Marketing-Gag zu sein, um die Idee des Humanismus und der Aufklärung in die Medien zu tragen. Feiertage werden von den meisten Menschen eh nicht im Geiste dieser Tage begannen, sondern sind lediglich zusätzliche Urlaubstage. Ob so ein Tag nun Christi Himmelfahrt heißt oder nicht, interessiert genauso wenig, wie dass der Sonntag Sonntag heißt. Wird nun an einem Tag im Jahr von Staats wegen an Charles Darwin und die Folgen gedacht, drohen nur dieselben beliebigen Sonntagsreden der Politik und dieselben Feierlichkeitsrituale, die diesen Tag ganz schnell für die Menschen wieder uninteressant machen. Kritisches Denken im Geiste der Aufklärung und des Humanismus ist aber eine Haltung, die jeden Tag gelebt werden will. Wie der rechtgläubige Christ nicht nur am Sonntag betet, ist auch der Selbstdenker täglich aufgerufen, sich seines eigenen Verstandes zu bedienen.
Trotzdem: Als Mittel um in die Medien zu kommen, finde ich diesen Vorstoß witzig und originell. So, wie auch dieses Video zum Evolutionstag:

Der ewige Spickzettel


Wer kennt das Problem nicht? Man will seine Emails bei AOL, GMX oder wie sie alle heißen lesen und wird erstmal mit unglaublich dämlichen Quark aus dem Boulevard konfrontiert, der auch noch als "News" daherkommt. Immer dabei Dieter B. aus HaHa und ein Artikel über die aufregende Welt der Dessous, scheinbar die wichtigste und innovativste Wirtschaftsbranche auf diesem Planeten.
Gelegentlich lohnt es sich aber doch, vor dem Lesen der Emails kurz innezuhalten. Dem Innehalten auf AOL verdanke ich einen Linktipp, den ich gerne weitergebe, bitteschön: Wissenschafts-Tattoos Ich selber kann zwar auch so nichts mit dieser Körperbemalung anfangen, aber origineller als Drachen und chinesische Schriftzeichen ist das allemal.