Außerirdische sind keine Heuschrecken - glaube ich zumindest

Es ist noch keine zwanzig Jahre her, seit wir Gewissheit darüber haben, dass unsere Sonne nicht der einzige Stern dieser Galaxie ist, der von Planeten umkreist wird. Derzeit 425 sogenannter Exoplaneten listet die Seite The Extrasolar Planets Encyclopaedia auf, die sich auf 385 Sterne verteilen. So sensationell die Leistungen der Astronomen sind, die auf diesem dynamischen Forschungsfeld arbeiten, so wenig überrascht uns die bloße Existenz dieser Planeten, denn in der rund 400 Jahre alten Geschichte der modernen Wissenschaft hat sich immer wieder gezeigt, dass wir Menschen und unsere Erde kein Spezial-, sondern eher der Normalfall sind.

Auch wenn diese 425 Exoplaneten vermutlich nicht dafür geeignet sind, menschliches Leben zu tragen, so erwarten wir, dass die Astronomen uns früher oder später doch eine zweite Erde präsentieren, wenn wir ihnen nur die Mittel zur Suche an die Hand geben. Und wenn ein Planet erdähnlich ist, kann er mikroskopisches Leben tragen und wenn dieses Leben der Evolution unterliegt (was es zweifelsohne tut) könnte sich intelligentes Leben daraus entwickeln.

Auch der berühmte Astrophysiker Stephen Hawking glaubt "an die Möglichkeit intelligenten Lebens im All.", so schreibt zumindest Spiegel-Online in dem Beitrag Sprecht bloß nicht mit den Aliens! Eigentlich wäre der Beitrag nicht der Rede wert, würde Stephen Hawking nicht die im Beitragstitel angegebene Haltung einnehmen, dass ein Kontakt mit Außerirdischen eher gefährlich als nützlich sein dürfte. Als Begründung zitiert ihn Spiegel-Online mit einem Blick auf uns selbst:
"Wir müssen nur auf uns selbst schauen, um zu sehen, wie sich aus intelligentem Leben etwas entwickelt, dem wir lieber nicht begegnen möchten." 
Außerirdische seien darüber hinaus wie ein Heuschrecken-Schwarm, der ganz im Stile des Films Independence Day plündernd durchs All reist und auf jeden Planeten nur so lange verweilt, bis er dessen Rohstoffe ausgebeutet hat. Fehlen darf dabei auch nicht der Vergleich mit den Spanieren und ihrer Gier nach dem Gold der Inkas, der von Hawkings gerne hervorgebracht wird: Eine technisch überlegenen Kultur begiebt sich auf einen Vernichtungsfeldzug, um des wirtschaftlichen Vorteils willen. Wir sollten uns also besser still verhalten und uns besser nicht zu erkennen geben. Getoppt wird das Argument dann gerne noch damit, dass eine außerirdische Kultur uns gegenüber ja nur feindlich gesinnt sein kann, wenn sie unser Fernseh- und Radioprogramm empfängt.

Gut, über letzteres könnte man lachen, wenn es nicht Leute wie den im Artikel genannten Sozialpsychologen Albert Harrison gäbe, die das ernst meinen. Es ist ja richtig, dass Promis wie Britney Spears verstörend wirken und aggressiv machen, aber doch sicherlich nicht die Vertreter einer außerirdischen Kultur. Würden wir ein Bild vom alienäquivalent Britney Spears oder noch schlimmer von Paris Hilton empfangen, würden wir dieses Alien natürlich nicht als dummes Sternchen wahrnehmen. Es wäre unser erster Kontakt, woher sollen wir gleich die Information haben, dass dies eher ein peinliches Exemplar ihrer Spezies ist? Auch das Argument, intelligentes Leben, das es schafft sich zwischen den Sternen zu bewegen, sei uns womöglich feindlich gesonnen, finde ich sehr albern. Wer über eine Technologie verfügt, die solche Reisen möglich macht, wird uns kaum als Bedrohung wahrnehmen, sondern neigt generell wohl eher zu einer neugierigen Haltung. Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass es ein sinnvolles Verhalten ist, bewohnte Planeten aufzusuchen, um sie zu plündern. Der Aufwand einer solchen Reise erscheint mir zu hoch, als dass solche Aliens zu einem sinnvollen Kosten-Nutzen-Verhältnis kommen.

Natürlich macht es Spaß, sich vorzustellen, wir wären umgeben von Außerirdischen und wüssten es nur noch nicht oder es gäbe sehr alte hochentwickelte Zivilisationen im All. Ich glaube aber eher, dass vielleicht nicht Leben, aber doch intelligentes Leben sehr selten ist. Dieses Leben zu treffen ist sehr unwahrscheinlich. Man vergegenwärtige sich die Dimensionen: Schrumpft man unsere Sonne auf die Größe einer Grapefruit zusammen, ist unsere Erde nur noch ein kleines Kügelchen in fünfzehn Meter Entfernung. Legt man diese Grapefruit nach Lissabon, so befindet sich die nächste Grapefruit in Moskau. Jemand der diese Distanz mit einem in diesem Modell mikroskopisch kleinem Raumschiff überbrückt, wird dies nicht tun, weil er wütend auf unser Fernsehprogramm ist (wie in einer Folge von Futurama behauptet) oder scharf auf unser Gold. Er wird dies tun, weil er neugierig und wissbegierig ist.

Dann ist da noch der zeitliche Aspekt. Zum Thema Außerirdische hat Harald Lesch in einer Alpha-Centauri-Folge ein weißes Blatt Papier in die Luft gehalten. Er meinte, das Papier zeige die Wüste Sinai beim Auszug der Israeliten: Mose und seine Israeliten sind schon durch, aber die Ägypter noch nicht in der Wüste angekommen. Es ist nicht so unwahrscheinlich, dass wir gerade in einer Zeit leben, in der das intelligente Leben auf Alpha Centauri schon ausgestorben, das auf Epsilon Tauri aber noch nicht entstanden ist. wir blicken auf ein weißes Blatt Papier.

Überhaupt trifft man im Zusammenhang mit Außerirdischen oft auf die Vorstellung, sie seien uns weit überlegen. Damit vermischt sich dann womöglich eine messianische Heilserwartung oder die Vorstellung von Göttern als Raumfahrer. Klar, wer solche Distanzen überbrücken kann, muss uns überlegen sein, zumindest in Sachen Raumfahrt. Aber was spricht dagegen, dass vielleicht wir es sein könnten, die eines Tages innerhalb unserer Galaxie zum ersten mal den Sprung zu einem anderen Stern schaffen? Ich kann mir durchaus vorstellen, dass wir zu den frühen intelligenten Spezies gehören, die in unserer Galaxie entstanden sind.

Das ist jetzt alles sehr hypothetisch und schwammig, aber dieser zivilisationskritische Kitsch, der in dem Spiegel-Online-Beitrag, geadelt durch "eines der wenigen lebenden Genies unserer Tage", breitgetreten wird, ärgert mich schon ein bisschen. Hier wird, um auf die Schlechtigkeit des Fernsehprogramms im Speziellen und der Menscheit im Allgemeinen zu schimpfen, Unsinn über mögliche außerirdische Intelligenz erzählt. Ein typisches Beispiel dafür, dass unser Bild von Aliens vor allem ein Spiegelbild von uns selbst ist. Oder was denkt Ihr?

Bildquelle: Wikipedia

Kommentare:

  1. Mein erster Gedanke nach dem Genuss des Artikels bei Spon (und den T-online-News) war eigentlich, dass es schade ist. Schade um dieses einstmalige Genie, das sich selbst durch solche Aussagen nicht auf ausserirdisches, sondern eher unterirdisches Niveau begibt.

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  2. Es ist müßig über das TV Programm zu jammern.
    Und solange wir noch kein Wurmloch oder
    Stargate haben werden uns die Aliens auch nicht
    weiterhelfen (oder ausrotten).
    Sollte unser Dasein einen weiteren Sinn als
    die Arterhaltung haben, so wird es Zeit der
    Selbstausrottung entgegenzutreten mit harter
    Arbeit, Selbstdisziplin und geistiger Höchst-
    leistung - ansonsten können wir auch vor
    der Glotze sitzen bleiben und über Gott
    und die Welt weitermeckern.

    Packen wir´s an!

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