Astronaut + Roboter = Robonaut

Wenn sich im September im Rahmen der Mission STS-133 das Space Shuttle Discovery auf den Weg zur Internationalen Raumstation ISS macht, wird es einen merkwürdigen Passagier an Bord haben. Der Robonaut R2 ist der erste Raumfahrer einer Spezies, die es zu Juri Gagarins Zeiten nur in der Science Fiction gab, sich  aber seitdem auf der Erde immer weiter ausbreitet: die Roboter.

Haben wir uns in Foren und Blogs schon oft darüber unterhalten, ob sich denn bemannte Raumfahrt lohnt, oder Roboter nicht für deutlich weniger Geld genug leisten, schicken sich menschenähnliche Robonauten an, als lachende Dritte zuerst zur ISS, dann zum Mars zu fliegen.

Aber der Reihe nach: Der von Opel (quatsch nein, von General Motors) gebaute Robonaut R2 besteht aus einem Torso, zwei Greifarme und einen schicken Kopf, der wahrscheinlich in Hollywood designed wurde. Er soll im amerikanischen Forschungsmodul Destiny eingesetzt werden. Es ist nicht vorgesehen, dass dieser erste Prototyp das Labor verlässt, weshalb man erstmal auf Beine verzichtet hat. Spätere Modelle sollen einen Art Haltefuß bekommen, mit dem sie sich an verschiedenen Stellen der Station andocken können. Wie die menschlichen Astronauten auch, bewegt sich R2 dann mit den Armen voran, in dem er sich durch die Schwerelosigkeit in der Station hangelt. Beine brauchen Astronauten eigentlich nur zur Verankerung oder um Gegenstände zwischen die Knie zu klemmen, wenn man etwas durch die Station transportieren will. Wozu aber überhaupt ein humanoider Roboter auf der ISS? Die Idee bei diesem menschlichen Design ist, dass der Roboter dem Astronauten als wirklicher Partner zur Seite steht. Er kann dieselben Werkzeuge benutzen und dieselben Tätigkeiten verrichten. Daher kann eine Tätigkeit je nach Situation von einem Astronauten oder einem Robonauten übernommen werden. Ein Experiment im Labormodul Destiny kann also je nach Einsatz- und Zeitplan von einem Menschen, einem Roboter oder beiden ausgeführt werden. Aufgrund seines Äußeren wird er sicherlich auch eher als Partner angesehen, als wenn er aussähe wie R2D2.

Hier eine Dokumentation der NASA:



Für Außenbordeinsätze ist der Robonaut R2 noch nicht geeignet. Es gibt sozusagen noch keinen passenden Raumanzug. Sprechen kann er wohl auch noch nicht. Gesteuert, bzw. mit einer Aufgabe programmiert wird er über eine graphische Benutzeroberfläche. Dies geht sowohl vor Ort von der Station aus, als auch von der Bodenkontrolle. Bleibt die Frage, wem der Roboter gehorcht, wenn diese beiden Instanzen widersprüchliche Wünsche äußeren. Seinen Kameraden im All oder seinen Schöpfern am Boden?

Man darf gespannt sein, ob sich der Robonaut auf der ISS bewährt und die humanoiden Roboter sich dauerhaft im All festsetzten oder sich das alles nur als einmaliges Experiment für Robotik erweist. Es wird jedenfalls bestimmt witzig anzusehen sein.

Quelle: http://robonaut.jsc.nasa.gov/

Außerirdische sind keine Heuschrecken - glaube ich zumindest

Es ist noch keine zwanzig Jahre her, seit wir Gewissheit darüber haben, dass unsere Sonne nicht der einzige Stern dieser Galaxie ist, der von Planeten umkreist wird. Derzeit 425 sogenannter Exoplaneten listet die Seite The Extrasolar Planets Encyclopaedia auf, die sich auf 385 Sterne verteilen. So sensationell die Leistungen der Astronomen sind, die auf diesem dynamischen Forschungsfeld arbeiten, so wenig überrascht uns die bloße Existenz dieser Planeten, denn in der rund 400 Jahre alten Geschichte der modernen Wissenschaft hat sich immer wieder gezeigt, dass wir Menschen und unsere Erde kein Spezial-, sondern eher der Normalfall sind.

Auch wenn diese 425 Exoplaneten vermutlich nicht dafür geeignet sind, menschliches Leben zu tragen, so erwarten wir, dass die Astronomen uns früher oder später doch eine zweite Erde präsentieren, wenn wir ihnen nur die Mittel zur Suche an die Hand geben. Und wenn ein Planet erdähnlich ist, kann er mikroskopisches Leben tragen und wenn dieses Leben der Evolution unterliegt (was es zweifelsohne tut) könnte sich intelligentes Leben daraus entwickeln.

Auch der berühmte Astrophysiker Stephen Hawking glaubt "an die Möglichkeit intelligenten Lebens im All.", so schreibt zumindest Spiegel-Online in dem Beitrag Sprecht bloß nicht mit den Aliens! Eigentlich wäre der Beitrag nicht der Rede wert, würde Stephen Hawking nicht die im Beitragstitel angegebene Haltung einnehmen, dass ein Kontakt mit Außerirdischen eher gefährlich als nützlich sein dürfte. Als Begründung zitiert ihn Spiegel-Online mit einem Blick auf uns selbst:
"Wir müssen nur auf uns selbst schauen, um zu sehen, wie sich aus intelligentem Leben etwas entwickelt, dem wir lieber nicht begegnen möchten." 
Außerirdische seien darüber hinaus wie ein Heuschrecken-Schwarm, der ganz im Stile des Films Independence Day plündernd durchs All reist und auf jeden Planeten nur so lange verweilt, bis er dessen Rohstoffe ausgebeutet hat. Fehlen darf dabei auch nicht der Vergleich mit den Spanieren und ihrer Gier nach dem Gold der Inkas, der von Hawkings gerne hervorgebracht wird: Eine technisch überlegenen Kultur begiebt sich auf einen Vernichtungsfeldzug, um des wirtschaftlichen Vorteils willen. Wir sollten uns also besser still verhalten und uns besser nicht zu erkennen geben. Getoppt wird das Argument dann gerne noch damit, dass eine außerirdische Kultur uns gegenüber ja nur feindlich gesinnt sein kann, wenn sie unser Fernseh- und Radioprogramm empfängt.

Gut, über letzteres könnte man lachen, wenn es nicht Leute wie den im Artikel genannten Sozialpsychologen Albert Harrison gäbe, die das ernst meinen. Es ist ja richtig, dass Promis wie Britney Spears verstörend wirken und aggressiv machen, aber doch sicherlich nicht die Vertreter einer außerirdischen Kultur. Würden wir ein Bild vom alienäquivalent Britney Spears oder noch schlimmer von Paris Hilton empfangen, würden wir dieses Alien natürlich nicht als dummes Sternchen wahrnehmen. Es wäre unser erster Kontakt, woher sollen wir gleich die Information haben, dass dies eher ein peinliches Exemplar ihrer Spezies ist? Auch das Argument, intelligentes Leben, das es schafft sich zwischen den Sternen zu bewegen, sei uns womöglich feindlich gesonnen, finde ich sehr albern. Wer über eine Technologie verfügt, die solche Reisen möglich macht, wird uns kaum als Bedrohung wahrnehmen, sondern neigt generell wohl eher zu einer neugierigen Haltung. Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass es ein sinnvolles Verhalten ist, bewohnte Planeten aufzusuchen, um sie zu plündern. Der Aufwand einer solchen Reise erscheint mir zu hoch, als dass solche Aliens zu einem sinnvollen Kosten-Nutzen-Verhältnis kommen.

Natürlich macht es Spaß, sich vorzustellen, wir wären umgeben von Außerirdischen und wüssten es nur noch nicht oder es gäbe sehr alte hochentwickelte Zivilisationen im All. Ich glaube aber eher, dass vielleicht nicht Leben, aber doch intelligentes Leben sehr selten ist. Dieses Leben zu treffen ist sehr unwahrscheinlich. Man vergegenwärtige sich die Dimensionen: Schrumpft man unsere Sonne auf die Größe einer Grapefruit zusammen, ist unsere Erde nur noch ein kleines Kügelchen in fünfzehn Meter Entfernung. Legt man diese Grapefruit nach Lissabon, so befindet sich die nächste Grapefruit in Moskau. Jemand der diese Distanz mit einem in diesem Modell mikroskopisch kleinem Raumschiff überbrückt, wird dies nicht tun, weil er wütend auf unser Fernsehprogramm ist (wie in einer Folge von Futurama behauptet) oder scharf auf unser Gold. Er wird dies tun, weil er neugierig und wissbegierig ist.

Dann ist da noch der zeitliche Aspekt. Zum Thema Außerirdische hat Harald Lesch in einer Alpha-Centauri-Folge ein weißes Blatt Papier in die Luft gehalten. Er meinte, das Papier zeige die Wüste Sinai beim Auszug der Israeliten: Mose und seine Israeliten sind schon durch, aber die Ägypter noch nicht in der Wüste angekommen. Es ist nicht so unwahrscheinlich, dass wir gerade in einer Zeit leben, in der das intelligente Leben auf Alpha Centauri schon ausgestorben, das auf Epsilon Tauri aber noch nicht entstanden ist. wir blicken auf ein weißes Blatt Papier.

Überhaupt trifft man im Zusammenhang mit Außerirdischen oft auf die Vorstellung, sie seien uns weit überlegen. Damit vermischt sich dann womöglich eine messianische Heilserwartung oder die Vorstellung von Göttern als Raumfahrer. Klar, wer solche Distanzen überbrücken kann, muss uns überlegen sein, zumindest in Sachen Raumfahrt. Aber was spricht dagegen, dass vielleicht wir es sein könnten, die eines Tages innerhalb unserer Galaxie zum ersten mal den Sprung zu einem anderen Stern schaffen? Ich kann mir durchaus vorstellen, dass wir zu den frühen intelligenten Spezies gehören, die in unserer Galaxie entstanden sind.

Das ist jetzt alles sehr hypothetisch und schwammig, aber dieser zivilisationskritische Kitsch, der in dem Spiegel-Online-Beitrag, geadelt durch "eines der wenigen lebenden Genies unserer Tage", breitgetreten wird, ärgert mich schon ein bisschen. Hier wird, um auf die Schlechtigkeit des Fernsehprogramms im Speziellen und der Menscheit im Allgemeinen zu schimpfen, Unsinn über mögliche außerirdische Intelligenz erzählt. Ein typisches Beispiel dafür, dass unser Bild von Aliens vor allem ein Spiegelbild von uns selbst ist. Oder was denkt Ihr?

Bildquelle: Wikipedia

20 Jahre - und kein bißchen leise

Ganz im Gegenteil: Unser aller Lieblingssatellit, das Hubble Space Telescope ist fleißiger als je zuvor.

Seit der letzten Service-Mission runderneuert, gibt es mit der neuen Wide Field Camera 3 nochmal schärfere Bilder. Ein Augenschmaus schlechthin. Beispiel gefällig?

Image Credit: NASA, ESA, M. Livio and the Hubble 20th Anniversary Team (STScI)

Wir sehen einen kleinen Bereich des Carina-Nebels, waberde Gas- und Staubmassen, farbenfroh eingefärbt. Wem das bekannt vorkommt: Ja, die Ähnlichkeit mit den berühmten "Pillars of Creation" im Adlernebel kommt nicht von ungefähr.

Mit seinen 20 Jahren ist Hubble ein raumfahrtechnischer Senior. Immerhin hat die NASA vor wenigen Tagen definitiv die Finanzierung seines Betriebs bis Mitte 2013 abgenickt, danach soll Hubbles Nachfolger, das James-Webb Space Telescope an den Start gehen. Trotzdem werden nicht wenige - Wissenschaftler wie ganz normale "Fans" (von denen Hubble laut Facebook- und Twitterseiten zig Tausende hat) - darauf hoffen, daß Hubble so lange es nur irgend geht fliegen darf.

Zumindest von der ESA hat Hubble mal ein nettes Geschenk gekriegt: Die früher etwas mausgrau wirkende europäische Homepage (Hubble ist ja kein reiner NASA-Satellit!) wurde aufgemotzt.

Herzlichen Glückwunsch Hubble! Und bleib uns noch lange erhalten!

Europäische Venuswindmühle


Planetensonden wie die europäische Sonde Venus Express vereinen komplizierte Sensoren und Messtechnik kompakt auf kleinstem Raum, denn schließlich darf das Gerät bei aller Technik nicht zu schwer sein und muss unter die Haube der Rakete passen. Manchmal wird die Sonde aber selbst zum Messgerät. So hat die europäische Weltraumbehörde ESA ihre seit April 2006 die Venus umkreisende Sonde letzte Woche fünf mal in einer Höhe von 180 Kilometer über den Venusboden geführt und dabei die Solarzellenausleger wie Windmühlenflügel in den dünnen Wind gehängt. Auf die Art können die Wissenschaftler die Dichte der Venusatmosphäre messen. Dazu wird einer der Ausleger senkrecht zur Flugrichtung gestellt, der andere Ausleger wird hingegen verdreht. Je nach Winkelstellung verändert sich die Angriffsfläche der Luftreibung. Wegen der Asymmetrie der Ausrichtung beider Ausleger entsteht ein Drehmoment. Dieses Drehmoment gleichen Schwungräder, die in der Sonde integriert sind, aus, damit diese nicht ins trudeln gerät. Die notwendige Arbeit dieser Schwungräder ist ein Maß für die atmosphärische Bremsung und somit für die Dichte der Atmosphäre.

Das ganze Manöver diente der Vorbereitung weiterer Beobachtungskampagnen mit Luftbremsung. Die Wissenschaftler träumen davon, mit Mars Express noch tiefer in die Atmosphäre einzudringen.

Mach nur so weiter ESA, bis euer Spielzeug kaputt geht!

Quelle: ESA

Kosmische Katzenpfoten

Viele Himmelsobjekte tragen Namen, die an ihr Aussehen erinnern sollen - das gilt für alle Sternbilder, aber auch viele Nebel. Während man zum Wiedererkennen der Sternbildfiguren häufig eine gute Phantasie braucht, klappt das mit Deep Sky Objekten wie dem Pferdekopfnebel oder dem Nordamerikanebel besser. Ein weiteres gutes Beispiel ist der Katzenpfotennebel NGC 6334. Photos aufgenommen im sichtbaren Licht zeigen ihn als tief orange-roten Emissionsnebel, dessen Form an den Pfotenabdruck einer Katze erinnert.

Der Katzenpfotennebel im sichtbaren Licht, aufgenommen mit dem Wide Field Imager der ESO. Image Credit: ESO

Der Katzenpfotennebel ist aber mehr als nur eine leuchtende Gaswolke. Das Aussehen einer Katzenpfote wird dem Nebel durch dichte Staubbänder verliehen, die das Gas durchziehen. Und hinter diesem Staub verbergen sich wie so häufig junge Sterne, die dort entstehen. Man nehme als ein Infrarotteleskop, um einen Blick hinter die Staubschleier zu werfen. Infrarotstrahlung dringt im Gegensatz zu sichtbarem Licht durch die kosmischen Staubmassen - solange sie nicht zu dicht sind.

Und weil der Katzenpfotennebel nicht gerade klein ist (seine scheinbare Größe am Himmel entspricht etwa der des Vollmonds) brauchen wir ein Teleskop und eine Kamera mit großem Gesichtsfeld, damit der gesamte Pfotenabdruck auch aufs Bild paßt. Genau die richtige Aufgabe also für die Survey-Teleskope der ESO. Im sichtbaren Licht übernimmt das der Wide Field Imager am 2.2m-Teleskop der Max-Planck-Gesellschaft auf La Silla, im Infrarotbereich darf VISTA ran, Großbritanniens "Mitgliedsbeitrag" für die Staatengemeinschaft der Europäischen Südsternwarte.

VISTA-Aufnahme des Katzenpfotennebels. Im Infrarotlicht wird die Sicht auf Dutzende junge Sterne frei. Image Credit: ESO/J. Emerson/VISTA, Cambridge Astronomical Survey Unit

Die VISTA-Aufnahme zeigt das Sternentstehungsgebiet in seiner ganzen Pracht. Noch immer bleiben undurchdringliche Gebiete extrem dichten Staubes, die sich faserig durch den Nebel ziehen.

Die Erde hat sie wieder: Landung der glorreichen Sieben

 Image credit: NASA/Bill Ingalls

Nach 238 Erdumkreisungen landete heute um 15:08 Uhr unserer Zeit das Space Shuttle Discovery in Florida. Fünfzehn Tage verbrachte die Raumfähre mit ihrer siebenköpfigen Besatzung im All. Im Rahmen der Mission STS-131 brachten die Astronauten Versorgungsgüter und Ausrüstung zur Internationalen Raumstation ISS, darunter ein Laborsystem, sowie Schlafkabinen für die Besatzung. In drei Außenbordeinsätzen, manchmal verniedlichend Weltraumspaziergang genannt, wurde ein Ammoniak-Tank für das Kühlsystem der ISS ausgetauscht, ein Gyroskop für die Steuerung der Station ersetzt und eine japanische Experimentierplattform eingeholt, die dem freien Weltraum ausgesetzt war und nun auf der Erde untersucht werden soll. Bei den sieben Astronauten, die ab heute wieder festen Boden unter den Füßen haben, handelt es sich um den Kommandanten Alan Poindexter, sein Pilot Jim Dutton (der nicht wirklich fliegt, aber meines Wissens derjenige ist, der das Landefahrwerk ausklappen darf) und die amerikanischen Astronauten Rick Mastracchio, Dorothy Metcalf-Lindenburger, Stephanie Wilson, Clay Anderson, sowie ihre japanische Kollegin Naoko Yamazaki.

Sowohl für die Discovery, als auch für das in der Shuttle-Ladebucht mitgeführte Transportmodul Leonardo war das nicht der letzte Flug. Die Discovery fliegt ein letztes mal voraussichtlich im September mit STS-133 ins All. Die Discovery wird auch dann hoffentlich wieder heil zurückkehren. Leonardo jedoch bleibt als zusätzliches Modul an der Weltraumstation angedockt zurück.

Man muss nicht Graf Zahl sein, um zu wissen, dass nach STS-131 die Mission STS-132 kommt. Die Raumfähre Atlantis soll am 14. Mai zu ihrem letzten Flug starten. Im Vergleich zur heute beendeten Mission ist die kommende wohl eher langweilig: Nur Amerikaner und nur Männer an Bord.

Extrarunde für Discovery

 Keine Vulkanasche, aber tiefe Wolken am Kennedy Space Center in Florida, Credit: NASATV

Während in Europa die Flieger nicht starten dürfen, darf das Space Shuttle Discovery in Florida nicht landen. Das Wetter ist einfach zu schlecht und so dreht die Raumfähre mit ihrer siebenköpfigen Besatzung noch ein paar Extrarunden. Am Dienstag, während seiner 237. Rundreise um die Erde, soll es dann aber so weit sein. Frühestens um 13:34 Uhr MESZ könnte das Shuttle wieder am Kennedy Space Center stehen, wo es am 5. April startete. Wird das Wetter nicht besser, gibt es am Dienstag noch eine weitere Gelgenheit zur Landung und insgesamt drei Gelegenheiten zur Landung auf der Edwards Air Force Base in Kalifornien. Diese Alternative versucht die NASA allerdings zu vermeiden, denn dann müsste das Space Shuttle aufwendig von Kalifornien nach Florida zurücktransportiert werden. Das sieht zwar toll aus, kostet aber eine Menge Geld. Sollte also am Dienstag die Landung auch nicht klappen, kann es gut sein, dass die Mission STS-131 sogar bis Mittwoch verlängert wird. Das wäre aber laut NASA der letztmögliche Tag, da der Crew dann allmählich die Vorräte ausgehen.

Die Discovery befindet sich schon sein vierzehn Tagen im All. An Bord für das "Go" zur Landung warten der Kommandant Alan G. Poindexter, sein Pilot James P. Dutton Jr., sowie die Astronauten Dorothy Metcalf-Lindenburger, Rick Mastracchio, Stephanie Wilson, Clayton Anderson und Naoko Yamazaki.

Auch wenn die Mission formal noch nicht abgeschlossen ist, hat die NASA ein ziemlich cooles Video mit den schönsten Bildern veröffentlicht:



Quelle: NASA

Unser Auge im All

Im Mai 2009 fand die fünfte und letzte Wartungsmission des Hubble Weltraumteleskops statt. Mit an Bord war damals auch eine IMAX 3D-Kamera, um die fünf Außenbordeinsätze am Weltraumteleskop in 600 Kilometern Höhe über dem Erdboden im Bild festzuhalten. Dieser Film kommt jetzt in die IMAX-Kinos. Deutschlandpremiere mit einem echten NASA-Astronauten war am letzten Wochenende im IMAX-Kino des Technik-Museums Sinsheim.

Um den unverstellten Blick ins All zu sichern, startete die NASA im Mai 2009 eine letzte, wagemutige Rettungsaktion, bei der sich sieben Astronauten auf die Reise zum Hubble Teleskop machten. Kommandant dieser Mission: US-Astronaut Scott Altmann. Während das Space Shuttle Atlantis mit 28.000 Kilometern pro Stunde um die Erde raste, hatten die Astronauten für eine erfolgreiche Rettung des Hubble nur eine einzige Chance. Die bei fünf Außenbordeinsätzen durchgeführten Wartungsarbeiten verlängerten die Betriebszeit des Teleskops dabei um mindestens fünf Jahre.

Warner Brothers und IMAX in Kooperation mit der NASA bringen dieses Abenteuer nun im IMAX-3D-Format auf die Leinwand. Die einzigartigen Aufnahmen, die von den Astronauten während der Raumeinsätze selbst angefertigt wurden, lassen die Besucher die enormen Schwierigkeiten und Gefahren erahnen, die mit den Reparaturarbeiten ("so heikel wie eine Gehirnoperation") verbunden waren, aber auch die Schönheit und Faszination der von Hubble beobachten Himmelsobjekte hautnah miterleben.

Der Film zeigt atemberaubende Aufnahmen des Universums, die vom Hubble Teleskop während der letzten zwei Jahrzehnte eingefangen wurden und die gerade in der 3D-Technologie den Besucher mitten ins Geschehen versetzen. Vor allem der 3D-Flug ins Innere des Orion-Nebels M 42 zeigt die ästhetische Schönheit der mit Hubble gewonnenen Aufnahmen vieler Himmelsobjekte. Unter Anwendung modernster Computertechnik wurden diese Momentaufnahmen der scheinbar unendlichen Weite des Weltalls zu Flugsequenzen zusammengefasst und lassen den Betrachter eine einmalige Reise durch Raum und Zeit erleben.

Zur Premiere des Films war der Kommandant der letzten Hubble-Service-Mission - Scott Altmann - extra nach Sinsheim gekommen und stand den Besuchern der Presseveranstaltung für Fragen zur Verfügung.

Der Film „Hubble 3D- das Auge des Universum“ ist ab sofort täglich in mehreren Vorstellungen - freigegeben für alle Altersgruppen - im IMAX 3D Filmtheater im Auto & Technik Museum Sinsheim zu sehen. Die Länge des Films beträgt ca. 45 Minuten und ist auf jeden Fall eine Empfehlung wert!


Böse Horrorastronomie

Der Astronom Phil Plait hat schon früh mit bloggen begonnen. Da er außerdem sehr fleißig ist, bringt er es nach eigenen Angaben auf 12 bazillion Blogposts und sieht im Laufe der Jahre Harald Lesch immer ähnlicher. Klar, die Rede ist von Bad Astronomy, einem Blog, auf dem in bunter Mischung Astronomie und skeptisches Denken gepflegt wird. Mir ging Phil Plait ziemlich auf den Keks, als sein Buch Death from the Skies! heraus kam. Er hat seine Blogleser doch ziemlich oft auf sein tolles Werk aufmerksam gemacht - wie ein stolzer Vater Kinderbilder rumpostet. Nun gibt es die deutsche Übersetzung Tod aus dem All und ich kann es ihm endlich gleich tun und die Leser hier damit nerven.

Dass unsere Erde vergänglich ist, glauben Esoteriker, wie die 2012-Fraktion sowieso. Wie sehr sie in geologischen oder astronomischen Zeitmaßstäben recht haben, wissen diese Spinner aber in der Regel nicht. Das Universum ist kein lebensfreundlicher Ort, dafür ist es um so dynamischer. Wenn unserem Planeten bis dahin nichts passiert, wird spätestens in fünf Milliarden Jahren der Tod unserer Sonne auch die Erde mitreißen - und sollte es selbst da noch Leben im Kosmos geben, dass ursprünglich von der Erde stammt, bleibt ihm nur die "kurze" Zeitspanne bis zum Tod des Kosmos. Tja, so gruselig kann Astronomie sein. Der Bad Astronomer Phil Plait verpackt viel Astrowissen in solche spannende Szenarien, die wie Sciencefiction klingen aber doch Science sind.

Ob das Buch was taugt? Geht in den Buchladen um die Ecke oder klickt auf das Cover unten und prüft das selbst (es sollte eine Leseprobe aufgehen, ich hoffe das klappt):



Im Buch lesen



Lesen Sie im Buch

Bibliographische Angaben laut science-shop:
Philip Plait 
Tod aus dem All
 Wie die Welt einmal untergeht
rororo Taschenbücher Bd.62588
2010. 441 S. m. Abb.
Einband: Kartoniert
Verlag: Rowohlt TB.
Bestell Nr.: 3057
ISBN: 9783499625886
11,00 €

Blitze auf Saturn



Mit der Raumsonde Cassini ist es Wissenschaftlern der NASA erstmals gelungen, Blitze auf dem Saturn zu fotografieren und sie sogar hörbar zu machen.

Die Forscher mussten jahrelang abwarten, bis sich der Ringplanet, während der Tagundnachtgleiche (Äquinoktium) genügend abdunkelte, um auch Lichtausbrüche in seiner Atmosphäre orten und dokumentieren zu können. Den Forschern gelang es zudem, einen Film und Tonaufnahmen zu erstellen, wie die Blitze im Radiowellenbereich emittieren.

Anhand der Film- und Funkdaten glauben die Forscher nun, dass es sich um besonders starke Stürme mit Blitzen handelt, die den stärksten auf der Erde entsprechen. Dennoch gibt es auf Saturn deutlich weniger derartige Gewitter als auf der Erde. Für gewöhnlich gibt es sogar jeweils nur einen solchen Sturm auf dem ganzen Planeten, doch könne dieser mehrere Monate andauern.



NASA, Cassini-Website

Spacewalker bei der Arbeit

Image Credit: NASA

Nicht Skywalker wie in Star Wars, sondern Spacewalker nennt die NASA ihre beiden Astronauten Rick Mastracchio (links) und Clayton Anderson, die auf diesem Bild bei ihrem zweiten Weltraumspaziergang im Rahmen der Mission STS-131 zu sehen sind. Ich bin ja leicht zu begeistern, was Menschen in Weltraumanzügen anbelangt, aber dieses Bild gefällt mir ganz besonders gut, denn die Trägerstruktur der Internationalen Raumstation ISS, an der sich die beiden entlang hangeln, sieht doch schon fast wie ein richtiges Raumschiff aus. Das Bild bringt einerseits die gewaltige Größe der Raumstation zur Geltung, aber gleichzeitig auch ihre filigrane technische Struktur.

Die beiden Astronauten installieren während dieser Außenbordmission einen Ammoniaktank, der zur Temperaturregelung der Station benötigt wird. Genau genommen tauschen sie ihn gegen den alten aus. Wenn ich es richtig sehe, befindet sich der Tank noch ganz oben im Bild am Roboterarm angedockt. Der Tank müsste die eckige Struktur sein, von der gerade noch ein bisschen zu sehen ist. Der Tank wiegt 850 Kilogramm. Für den Roboterarm ist das kein Problem, denn der Tank ist ja schwerelos: wie der Arm, die Station und die Astronauten befindet er sich im freien Fall um die Erde. Aber der Tank ist nicht masselos! Ihn in Bewegung zu setzen, bzw. seine Bewegungsrichtung (seinen Impuls) zu ändern benötigt dieselbe Kraft wie auf der Erde. Der Unterschied zwischen Gewicht (eine Kraft, die ihre Ursache in der Gravitation hat) und Masse (eine Eigenschaft des Körpers, die seine Trägheit ausdrückt) ist uns auf der Erde oft nicht bewusst, da die Größen in einem festen Verhältnis zueinander stehen, an die wir uns von klein auf gewöhnt haben. Im freien Fall oder auf dem Mond kann das Gewicht eines Körpers aber sehr viel geringer sein, obwohl die träge Masse gleich bleibt. Auf dem Mond braucht man nur ein sechstel der Kraft, um eine Eisenkugel anzuheben. Der Wurfbewegung des lunaren Kugelstoßers leistet sie aber denselben Widerstand. Auch bei einem Weltraumspaziergang lässt sich also ein 850 kg schwerer Tank nicht so einfach in supermannmanier an den richtigen Platz befördern.

Dieser zweite Weltraumspaziergang dauerte 7 Stunden und 26 Minuten. Diese Zahl verdeutlicht, dass so ein Weltraumanzug ein kleines Habitat für sich darstellt. Er schützt nicht nur mal eben so ein bisschen vor dem All wie eine dicke Jacke vor der Kälte, sondern ist ein kleiner Lebensraum mit Essen, Trinken, Atmosphäre und Abfallentsorgung. Heute waren die beiden nochmal im All, nämlich 6 Stunden und 24 Minuten lang. In ihrem bisherigem Berufsleben kommt jeder von den beiden auf über 38 Stunden Spacewalk und das ist noch nicht einmal Weltrekord!

Die Lyriden kommen!

 Kein Lyrid, sondern ein Leonid Credit: NASA

Es ist an der Zeit, mal wieder von Sternschnuppen zu reden. Jeden Tag sammelt unsere Erde bei ihrem Flug um die Sonne hundert Tonnen Material auf. Dabei handelt es sich um teilweise gerade mal mikroskopisch kleine Staubkörner, die als Meteore in der Hochatmosphäre verglühen. Jetzt kann man sich natürlich fragen, warum unsere Erde in ihren bisher 4,5 Milliarden Umläufe um die Sonne nicht längst den ganzen Staub weggeräumt hat. Es muss wohl eine Meteorquelle geben. Die gibt es, nämlich in Form von Kometen. Diese, gerne als schmutzige Schneebälle bezeichneten Vagabunden des Sonnensystems umkreisen die Sonne auf stark elliptischen Bahnen. Kommen sie der Sonne nahe sublimiert das Eis und bildet eine mächtige Atmosphäre (Koma). Dieser Koma entreißt der Sonnenwind feste Teilchen, die wir als Staubschweif sehen. Man schätzt, dass auf diese Art und Weise ein zehn Kilometer durchmessender Komet nach tausend Durchgängen nahe der Sonne vollständig aufgelöst ist.*) So erklärt sich, dass Meteore nicht einfach willkürlich auftreten, sondern bevorzugt dann, wenn die Erde auf ihrer Bahn solch eine alte Kometenspur kreuzt. Statt mit einzelnen Meteoren haben wir es also mit Meteorschauern (oder Meteorströme genannt) zu tun, die jedes Jahr zur selben Zeit stattfinden. Man kann sogar die Meteore ihrer Kometenquelle zuordnen. In der Zeit vom 16. - 25. April durchfliegt unsere Erde die Staubspur des Kometen C/1861 G1 Thatcher. Laut NASA ist der beste Beobachtungszeitpunkt die zweite Nachthälfte am 22. April, in der mit circa 15 Meteore pro Stunde gerechnet werden kann. Die zweite Nachthälfte ist deswegen immer besonders interessant, weil wir dann in "Fahrtrichtung" der Erde schauen und somit mehr und hellere Treffer der Kamikazestaubteilchen zu erwarten sind.

Da die Meteore eines Meteorstroms eine gemeinsame Quelle haben, ist der Ort, auf dem sie mit unserer Erde kollidieren, recht eng begrenzt. Die Meteore scheinen aus einer Richtung zu kommen, bzw. ihre Leuchtspuren lassen sich zu einem Punkt verbinden, dem sogenannten Radianten. Nicht die Staubquelle Komet, sondern die Lage des Radianten ist namensgebend für den Meteorstrom. Der Radiant des kommenden Meteorstroms liegt im Sternbild Lyra, weshalb der Meteorstrom Lyriden genannt wird. Die Lyra (deutsch: Leier) beherbergt den prominenten Stern Vega und ist daher recht leicht zu finden. Hier eine Skizze der NASA:



Die rote "Sonne" mit ihren Strahlen markiert auf der Skizze den Radiant mit scheinbar von ihm ausgehenden Meteorspuren.

Wer also seine Schlaflosigkeit sinnvoll nutzen will, sollte um den 22. April ganz früh morgens mal zwischen die Sternbilder Lyra und Hercules schauen.

Meteorströme sind Ausdruck dynamischer Prozesse im Sonnensystem. Sie entstehen und dokumentieren den Zerfall von Kometen, sind selber auch vergänglich. Daher ist die Ermittlung der sogenannten Zenithal Hourly Rate (ZHR) eines Meteorstroms eine lohnende und dabei noch relativ einfache Sache, an der sich zahlreiche Amateurastronomen beteiligen. Hier zum Beispiel der Link zum Arbeitskreis Meteore e.V.

*) Zahlenangabe aus Weigert, Wendker, Wisotzki: Astronomie und Astrophysik, Wiley-VCH 2010
Quelle: NASA/JPL

Astronauten sind eine Naturgewalt!

Insbesondere wenn es darum geht, Kinder für Wissenschaft zu begeistern. So sagt es zumindest der Direktor des Hayden Planetarium in New York Neil deGrasse Tyson:
"Human space flight is a force of nature on the education pipeline"
Er war mal wieder zu Besuch in der echt schrägen Sendung Colbert-Report - schräg, weil der Komiker Stephen Colbert die simple patriotische Weltsicht der US-Amerikaner sehr witzig hysterisch überdreht.

 
Die Sendung ist nicht nur schräg, sondern auch schnell und so bleibt dem Astronomen deGrasse Tyson nicht viel Zeit, die bemannte Raumfahrt zu rechtfertigen. Wie gut ihm das gelingt, zeigt dieser Clip auf Comedy Central: Colbert Nation mit Neil deGrasse Tyson.

Es ist ja traurig, aber wahr: Kinder, die nicht im Ruhrgebiet aufwachsen sind meistens Bayern-München-Fan. Warum? Weil Kinder sich sehr radikal an unverwundbare, mächtige Sieger orientieren. Nur Sieger sind insbesondere für Jungs gültige Vorbilder. Eigentlich verständlich, denn sie wollen deren Erfolg für das eigene Leben imitieren. Mit zunehmenden Alter sind dieVorbilder Bagger, Dinosaurier und eben die Spieler von Bayern München. Welche unverwundbaren Sieger, die die Kinderfantasie beflügeln und sich als Identifikationsfigur eignen, bietet die Wissenschaft. Gar keine! Werden die Kinder älter kommt sicherlich irgendwann die Einstein-Phase, in der dieser außergewöhnliche Denker mit seiner Anarchie, seiner geistigen Unabhängigkeit und seiner faszinierenden Physik beeindruckt. Aber zwischen Bayern München und Einstein ist nicht viel und seien wir mal ehrlich, Einstein wird nicht jünger.

Astronauten, Komonauten, Taikonauten und Castronauten (Astronauten aus Kuba) sind natürlich in aller Regel keine Wissenschaftler, aber das ist eine Spitzfindigkeit für Kinder. Es sind Helden, die in einer technischen Umgebung mit komplizierten Geräten hantieren um Grenzen zu überschreiten und Wissenschaft zumindest als verlängerter Arm betreiben. Ein schönes Beispiel ist dieses ESA-Video aus der Reihe "Take your classroom into space" mit dem Titel "Do objects have weight in space?"



Selbst wenn der Vortrag des Astronauten Frank De Winne ziemlich technisch und schulisch ist, schaut man sich das doch gerne an, oder? Jedenfalls tausendmal besser als diese komischen Kurzfilme aus meiner Schulzeit.


Wer derzeit über NASA-TV die aktuelle Mission STS-131 verfolgt, wird feststellen, dass die amerikanischen Astronauten täglich den Medien zur Verfügung stehen müssen: Live-Schaltungen in irgendwelche Radio- und Fernsehsendungen. Hier habe ich ein Beispiel eingebunden (es dauert eine Weile, bis die eigentliche Sendung los geht, auch in Amerika haben die Medien Probleme mit Live-Schaltungen):





Natürlich taucht dabei immer die Frage auf, wie man eigentlich Astronaut wird und jedesmal betonen die Astronauten, hier Stephanie Wilson, dass man sich für Mathematik und Naturwissenschaft interessieren soll und hart arbeiten muss. Und dann, so betont Stephanie Wilson, kann es jeder schaffen! Welcher Fußballer von Bayern München hat so etwas jemals gesagt? Nein, wir können noch so viele Science-Express-Züge und Elementas und wie diese Mitmachausstellungen alle heißen entwickeln, nichts zieht bei Kindern so sehr wie Astronauten!


Natürlich wird nicht jeder Naturwissenschaftler oder Ingenieur Astronaut. Diese Traumphase geht genauso vorbei wie die Dinosaurierphase. Entscheiden ist, was hängenbleibt: das Gefühl, es gibt Aufregendes zu entdecken, sei es draußen im All oder beispielsweise im Nano-Kosmos.

Wer im Raum Stuttgart lebt, sollte dem vielleicht noch nicht abgestorbenen Kind in sich und dem eventuell vorhandenen Kind um sich die Gelegenheit geben im Planetarium Stuttgart die Yuri's Night zu feiern. Einen deutschen Astronauten wird man da allerdings nicht treffen. Unsere Bildungsministerin ist Theologin - noch Fragen?

Schwerelos weil gravitationslos?

Für die Astro- und Kosmonauten an Bord des Space Shuttle Discovery und der Internationalen Raumstation gab es heute Einiges zu tun. Die beiden Kranführerinnen Naoko Yamazaki und Stephanie Wilson haben mit dem Roboterarm der Station das Transportmodul Leonardo an die Station angestöpselt. Daraufhin galt es die neun Tonnen Material aus dem Modul zu versorgen und sich auch schon auf den ersten Außenbordeinsatz vorzubereiten.

Inzwischen ist mir im Gespräch mit Freunden aufgefallen, dass es immernoch falsche Vorstellungen darüber gibt, warum die Astronauten in der Station eigentlich schwerelos sind. Tatsächlich gibt es Leute, die glauben, dass die Astronauten schwerelos sind, weil sie so weit von der Erde entfernt sind, so dass die Erdanziehung nicht mehr wirkt. Diese Erklärung widerspricht aber mindestens zwei Beobachtungen, die mir dazu spontan einfallen. Zum einen ist es ja so, dass wenn an der Position der Raumstation ISS die Erdanziehung nicht mehr vorhanden wäre, die Station einfach ins All hinwegschweben würde. Zum anderen ist ja auch der Mond an unsere Erde gebunden, obwohl er noch viel weiter entfernt ist, als die ISS. Man mache sich das mal klar: Die Erde hat einen Durchmesser von 12.800 Kilometer, das Space Shuttle und die ISS fliegen aber gerade mal circa 400 Kilometer hoch. Würde man also die Erde auf ein Blatt Papier zeichen, so dass sie gerade noch drauf passt und würde man im selben Maßstab die Umlaufbahn der ISS dazuzeichnen, hätte man einfach nur einen zarten Doppelstrich. An der Stärke der Gravitationskraft ändert sich da nicht so arg viel. "Raumfahrt" ist tatsächlich ein großes Wort für das, was wir momentan betreiben.

Warum also sind die Astronauten schwerelos? Weil sie sich im freien Fall befinden! Wie die Insassen eines Fahrstuhls bei dem das Kabel reißt, heben sie vom Boden ab. Doch dieser besondere Fahrstuhl kommt nie am Boden an, da er sich so schnell zur Seite bewegt, dass er um die Erde herumfällt. Entscheidend also bei Shuttle-Starts ist nicht einfach nur große Höhe zu gewinnen, sondern eine große Tangentialgeschwindigkeit.

In Ermangelung einer Raumstation hat der große Physiker Isaac Newton die Sache mit dem freien Fall um die Erde mit einer Kanone auf einen Berg visualisiert.



Ist die Tangentialgeschwindigkeit der Kanonenkugel richtig gewählt, fällt sie um die Erde herum und der Herr Baron von Münchhausen auf der Kanonenkugel wäre schwerelos. Er müsste sich mit Schlaufen an der Kugel festhalten, um nicht abzudriften. Auch die Astronauten verankern sich gerne mit den Füßen, um nicht dauernd unkontrolliert in der Station rumzuschweben. Zur Nachtruhe legen sie sich dafür extra in verankerte Schlafsäcke. Eine Flash-Animation zu dem Newton-Bild gibt es hier.

Auf Höhe der ISS muss sich alles mit 28.000 km/h bewegen, damit der freie Fall um die Erde gelingt. Douglas Adams hat die Kunst des Raumflugs in seinem Roman Per Anhalter durch die Galaxis wunderbar beschrieben:
"Es ist eine Kunst oder vielmehr ein Trick, zu fliegen. Der Trick besteht darin, dass man lernt, wie man sich auf den Boden schmeißt, aber daneben." 
(Zitiert aus Bennett, et.al. Astronomie)

Jetzt noch ein anderes Thema: Gestern hatte ich ja erwähnt, dass die NASA routinemäßig ihr Space Shuttle vor dem Andocken an der Raumstation dreht, um die Hitzeschutzkacheln durch die Stationsbesatzung fotografieren zu lassen. Hier nun nachträglich das Video zu diesem Flugmanöver:



Heute veröffentlich die NASA dieses tolle Bild, das während diesem "rendezvous pitch maneuver" (RPM) entstand. Es wurde aus 180 Metern Entfernung geschossen. Jetzt können wir uns alle selbst vom ordnungsgemäßen Zustand der Kacheln überzeugen.

Image Credit: NASA

Übrigens hatte ich auch gestern erwähnt, dass die Ku-Antenne des Shuttles ausgefallen ist. Dabei handelt es sich um die runde Schüssel neben dem Cockpit-Fenster. Auf der anderen Seite sieht man teilweise den Roboterarm des Shuttles.

Großes "Hallo!" im All: 13 Menschen in der Umlaufbahn

Bei der NASA dokumentiert man alles sehr genau und daher wissen wir, dass es 11:11 Uhr unserer Zeit war, als sich die Luke der Internationalen Raumstation ISS öffnete und die Besatzung des angedockten Space Shuttle Discovery in die Station einschwebte. Dieses Video, veröffentlicht von NASA/TV, hält den Moment fest:



Der Anflug an die Raumstation ISS gestaltete sich ungewohnt schwierig, da die Ku-Band-Antenne des Shuttles nicht funktioniert und somit der Anflug ohne Radar gelingen musste. Vor dem Andocken an den Verbindungsknoten Harmony absolvierte das Space Shuttle eine spektakuläre Rolle um seine Querachse. Dieses Manöver wird routinemäßig bei jedem Flug durchgeführt, damit die ISS-Besatzung Fotos von der Shuttle-Unterseite schießen kann. So wird für die Techniker am Boden der Zustand der empfindlichen Hitzeschutzkacheln dokumentiert. Das Foto hier zeigt das Shuttle nicht beim Rückwärtseinparken, sondern in der Endphase dieses Flugmanövers:

 Credit: NASA TV 

In der geöffneten Ladeluke erkennt man das Logistikmodul Leonardo. Der Andockstutzen der Raumfähre befindet sich am vorderen Ende der Ladeluke.

Mit dem Astronauten Soichi Noguchi und der Astronautin Naoko Yamazaki befinden sich momentan gleich zwei Japaner an Bord. Ob sie beide die J-Ware-Superunterhose tragen ist mir nicht bekannt.

Hier noch zwei tolle Fotos ohne viele Worte: Das erste Bild zeigt die Internationale Raumstation ISS. Die Station überfliegt auf dem Bild gerade den Weltraumbahnhof in Florida fünfzehn Minuten vor dem Start der Discovery und gerät dabei vor den Mond, der eigentlich unser Ziel sein sollte; aber das ist ein anderes Thema.

Image Credit: Photo courtesy of Fernando Echeverria

Das zweite Bild zeigt nochmal den spektakulären Nachtstart (oder predawn launch für die Klugscheißer) des Space Shuttle Discovery. Einfach nur ein tolles Bild wie ich finde.

Image Credit: NASA/Tony Gray and Tom Farrar
Quelle: NASA

Graue Kraterkartoffel Prometheus


Eigentlich ist das Bild von der Kartoffel, das man gerne bei halbwüchsigen Monden und Asteroiden benutzt, schon reichlich abgegriffen. Bei dem Saturnmond Prometheus passt es aber so gut, dass ich ihn hier noch mal als kartoffelförmig vorstellen will. Dieses tolle Bild von Prometheus gelang der Raumsonde Cassini bei ihrem am 27. Januar 2010. Der Mond wird von der Sonne beleuchtet, aber auch seine linke Seite auf der Aufnahme ist leicht erhellt. Bei diesem Licht handelt es sich um Sonnenlicht, das von Saturn reflektiert wurde und nun die dunkle Seite des Mondes bestrahlt. Dieses Phänomen können wir auch an unserem eigenen Mond beobachten, man spricht dann von Erdschein. Wer es genau wissen will: Der Winkel Sonne-Prometheus-Cassini beträgt in dieser Aufnahme 126 Grad.

Bei der Aufnahme war die Sonde 34.000 Kilometer von Prometheus entfernt, die Auflösung beträgt zweihundert Meter pro Pixel. Der unregelmäßig geformte Körper hat die Dimension 148×100 ×68 km (Quelle: Wikipedia) mit bis zu zwanzig Kilometer durchmessenden Kratern. Aufgrund seiner geringen Dichte von gerade mal 0,6 g/cm3 (zum Vergleich: die Dichte unserer Erde beträgt 5,515 g/cm3) handelt es sich bei Prometheus vermutlich um einen eisigen, porösen Körper und nicht, wie man naiv meinen könnte um eine homogene Steinkartoffel.

Prometheus gehört zu den inneren Monden des Saturns und spielt für die Saturnringe als sogenannter Schäfermond eine Rolle. Er hält zusammen mit dem Mond Pandora den F-Ring, ein Teil des komplex strukturierten Ringsystems Saturns, zusammen - Prometheus patrouilliert innen, Pandora außen.

Zu Raumsonden neugieriger Erdbewohner hat Prometheus eine lange Beziehung. Er wurde nämlich ursprünglich im Oktober 1980 vom Team der Raumsonde Voyager 1 entdeckt.

Quelle: Astronomy Picture of the Day

Erfolgreicher Start der Discovery

 Credit: NASA/TV
Sehr nett von der Kirche, uns den heutigen Montag frei zu geben. So konnten wir den Start des Space Shuttle Discovery zur Mission STS-131 in aller Ruhe live verfolgen. Als das Shutte planmäßig um 12:21 Uhr unserer Zeit (MESZ) abhob, war es noch dunkel in Florida, doch die frühe Morgensonne erreichte bereits die hohen Wolken und zeichnet diese schöne Spur, die vom Start der Raumfähre kündet. Dies war der letzte Nachtstart eines Space Shuttles und der vorletzte der Discovery. Die Astronauten sind nun auf dem Weg zur Internationalen Raumstation ISS.

Dort sitzt schon der japanische Astronaut Soichi Noguchi, der fleißig knipst und twittert: http://twitpic.com/photos/Astro_Soichi  Soichi Noguchi lies es sich nicht nehmen, den amerikanischen Weltraumbahnhof in Florida, das Kennedy Space Center, zu fotografieren. Auf seinem tollen Bild sieht man die Startplattformen der Space Shuttles und deren Landebahn links. Der Start von heute fand auf der Plattform rechts unten statt:


Wenige Minuten vor dem Start überflog die ISS, hell wie die Venus strahlend, das noch am Boden stehende Space Shuttle. Das ist kein Zufall, vielmehr ist das Startfenster so gewählt, dass im Moment des Starts der Weltraumbahnof in der Orbitalebene der ISS liegt.

Die Internationale Raumstation selbst hat Zuwachs bekommen. Die NASA-Astronautin Tracy Caldwell Dyson und die beiden russischen Kosmonauten Alexander Skvortsov und Mikhail Kornienko erreichten sie heute früh mit ihrem Raumschiff Sojus TMA-18. Das Foto zeigt die aktuelle Crew: vorne in blau die drei neuen Mitglieder, dahinter die alte, mit dem bereits erwähnten Fotografen Soichi Noguchi links oben.

 Credit: NASA/TV

Unter dem Kommando von Alan Poindexter starteten nun heute mit der Discovery der Pilot Jim Dutton und die Mission Specialists Rick Mastracchio, Clay Anderson, Dorothy Metcalf-Lindenburger, Stephanie Wilson und die Japanerin Naoko Yamazaki. Wer richtigt zählt stellt fest, dass ab Ankunft des Space Shuttles an der ISS vier Astronautinnen gleichzeitig an Bord der Raumstation sind. Das ist eine beachtliche Quote, die nicht nur über der Quote der Physik-Studentinnen in Deutschland liegt *), sondern uns Europäer insgesamt ganz schön beschämen sollte. Mehr dazu gibt es im Blog Alles was fliegt zu lesen.

Hier noch ein Foto der Crew:



Commander Alan Poindexter sitzt vorne rechts, daneben sein Pilot James Dutton. In der hinteren Reihe von links nach rechts stehen die Sternfahrer Rick Mastracchio, Stephanie Wilson, Dorothy Metcalf-Lindenburger, Naoko Yamazaki und Clayton Anderson. Image credit: NASA


Die Discovery trägt das Vielzweckmodul Leonardo mit sich, mit dem Ausrüstung und Versorgung zur ISS gebracht wird. so zum Beispiel neue wissenschaftliche Experimentierschränke. Das Modul kann per Roboterarm an die ISS angeflanscht und dann entladen werden. Da es der letzte Flug von Leonardo ist, bleibt es gleich als zusätzliches Modul an der ISS. In Außenbordeinsätzen wird unter anderem ein japanisches Außenbordexperiment eingesammelt und ein Ammonik-Tank ausgewechselt.

Hier nun endlich das Bild zum Start in den frühen Morgen Floridas:

Start von STS-131 Credit: NASA/TV

Videos zum Start binde ich auf meiner Videoseite ein. Bitte einfach oben auf den Reiter "Videoplayer" klicken.

P.S.: Hier noch ein Link zu einem großartigen Bild von Flying Jenny, einer Mitarbeiterin am KSC. Sie hat den Morgenhimmel in Florida mit den Spuren des Shuttle-Starts fotografiert: Not your average sunrise

*) Das ist mein ganz persönlicher Erfahrungswert. Ich würde mich freuen, wenn ich inzwischen falsch liege.

Vier Smileys für den roten Zwerg

Die Fernsehserie Red Dwarf reiht sich ein in die lange Liste unterhaltsamer Sciencefiction-Produktionen der BBC, von denen ich leider nichts weiß. In deutscher Sprache ist im Dezember 2009 immerhin ein kleines Taschenbuch erschienen, ausgestattet mit dem Versprechen, das weitere Bände folgen würden. Über dieses Buch mit dem Titel Roter Zwerg bin ich zufällig beim Gang durch die SiFi-Ecke einer Buchhandlung gestolpert. Ein echter Glücksgriff: Gäbe es nicht so nervige Verpflichtungen wie Essen, Schlafen und Arbeiten, hätte ich es gerne in einer Tour durchgelesen.

Der Autorenname Grant Naylor ist ein Kunstgebilde aus den Namen der Drehbuchautoren der Fernsehserie - den Namen muss man sich also wohl nicht merken. Merken muss man sich auch nicht die erstaunliche Geschichte des David Lister, die in Roter Zwerg erzählt wird. Das Buch ist nicht sonderlich tiefsinnig und lässt wohl kaum einen bleibenden Eindruck. Es ist eher wie eine gute Sitcom im Fernsehen auch, nämlich einfach so lange schön, solange man darin liest. Der Held der Geschichte, David Lister, ist eigentlich ein Looser, wie alle guten Helden. Eigentlich feiert er nur ziemlich wild seinen Geburtstag in den Pups Londons, doch  findet er sich am Morgen danach unvermittelt auf Mimas wieder. Mimas ist der Saturnmond, der letztens von Pac Man attakiert wurde. So weit hat es nämlich die Menschheit bisher gebracht. Sie durchfliegt das Sonnensystem und terraformt und bergbaut wo es nur geht. Eine Weltraumzukunft, die also sehr greifbar ist. Mit dem richtigen politische Willen und der lukrativen Geschäftsidee könnten wir sofort damit anfangen. Dinge wie Überlichtgeschwindigkeit, Sternenkaiser, Wurmlöcher, galaktische Imperien und so weiter tauchen in diesem Buch nicht auf. Auch verlieren sich die Autoren nicht in kuriosen Gadgets, sondern schreiben solide SF, bei der sie deren goldenste Regel streng beherzigen: Gute Sciencefiction sagt nicht das Auto vorher, sondern den Verkausstau. David Lister genießt  dementsprechend die an Wunder grenzende Technik seiner Zeit nicht. Er würde am liebsten in der sauberen schönen Hollywood-Welt der vierziger Jahre leben, genau genommen in der Welt des Films Ist das Leben nicht schön? Kurioserweise gelingt dies David Lister am Ende sogar.
So weit ist es aber noch lange nicht. Erst muss er von Mimas runter, irgendwie zurück zur Erde. Dafür heuert er auf der Roter Zwerg an, ein gewaltiges Bergbauschiff mit zigtausend Mann Besatzung. Diese verliert das Schiff allerdings, nachdem sich der schiffseigene Reaktor aufgrund einer Fehlfunktion in eine Neutronenbombe verwandelt hatte, die das Schiff schlagartig sterilisiert. David Lister befindet sich zum Zeitpunkt der Katastrophe in "Stasis". Das ist das einzige echte SF-Gadget des Romans: Eine Kammer, in der man aufhört zu existieren, um jahrelange Raumflüge zu ertragen. Als Lister aus der Kammer tritt, sind drei Million Jahre vergangen. Das Raumschiff bewegt sich inzwischen annhähernd mit Lichtgeschwindigkeit und die Nachkommen der ebenfalls überlebenden trächtigen Bordkatze haben eine erstaunliche Evolution durchgemacht. Abgesehen von dem von Katzen abstammenden Volk hat nur noch ein Toter überlebt. Es handelt sich um Rimmer, eine traurige Gestalt, die ständig an ihrem eingenen Perfektionismus scheitert. Er starb schon lange vor der Neutronenkatastrophe und wird seit seinem Tod vom Schiffscomputer als holographische Projektion post mortem am Leben erhalten. Diese seltsame Reisegruppe versucht nun also den Weg zurück zur Erde zu finden und ich will jetzt gar nicht erzählen, ob und wie, bzw. inwiefern ihr das gelingt. Lieber wiederhole ich mein Fazit: Eine kurzweilige Geschichte, die vielleicht nicht so allumfassend tiefgründig ist wie das Zeugs von Douglas Adams, aber immerhin fast so lustig. Dafür gibt es vier Smileys:

Unsichtbare Einhörner und Lichtechos

  Credit: NASA, ESA, H.E. Bond (STScI) and The Hubble Heritage Team (STScI/AURA)

Was ist das hervorstechende Merkmal des Einhorns? Genau, man sieht es nicht! So wie das mythologische Einhorn ist auch das Sternbild Einhorn (Monoceros) nur schwer auszumachen. Dafür liegt es aber zwischen leicht auszumachenden Sternbildern eingebettet, nämlich zwischen Orion, Canis Major und Canis Minor. Auf diesen Umstand macht der Astronom Frank Summers zu Beginn der Dokumentation aufmerksam, die ich hier vorstellen will.

Als Ausgleich für seine Unscheinbarkeit beherbergt das Sternbild Monoceros eine Besonderheit, nämlich den zwanzigtausend Lichtjahre entfernten Stern V838 Monocerotis. Dieser Stern ist mit einer Helligkeit von 15 mag weit davon entfernt, mit bloßem Auge sichtbar zu sein. Das V in seinem Namen deutet darauf hin, dass er seine Helligkeit verändert. Dies wurde zuerst Anfang Januar 2002 entdeckt. Folgebeobachtungen zeigten einen zweiten Helligkeitsausbruch im Februar. Der Stern wurde interessant genug für das Hubble-Weltraumteleskop. Dies zeigte, dass sich die Helligkeit des Sterns umd den Faktor zehntausend vergrößerte. Warum er das tat, ist bis heute noch nicht geklärt.

Berühmt wurde der Stern auch deshalb, weil Folgebeobachtungen des Weltraumteleskop die Ausbreitung eines sogenannten Lichtechos zeigen. Das bedeutet, dass der Blitz aus dem Helligkeitsausbruch die umgebende interstellare Materie durchläuft und das Licht daran reflektiert wird. Diese Ausbreitung zeigen die berühmten Hubble-Aufnahmen oben. Was wir auf dieser Bildfolge (man beachte die Jahresangaben) sehen ist also nicht die Materie, die von dem Stern abströmt wie bei einer Supernova-Explosion, sondern die Reflexion des Lichts an der Materie in der Umgebung des Sterns. Dieser Effekt macht den Hauptteil des Vortrags von Frank Summers aus. Er erklärt das so nett, dass ich das Video hier unbedingt mal einbinden wollte.



Übrigens breitet sich das Lichtecho nicht einfach auf  immer und ewig blasenartig aus. Während das Licht von weit entfernten Regionen des Sterns allmählich "ausgedünnt" wird, erreicht uns das helle Licht, das von Regionen reflektiert wurde, die hinter dem Stern liegen erst jetzt. So entsteht der Eindruck, dass die Blase wieder schrumpft. Lichtechos sind eigentlich gar nichts so besonders in der Astronomie, aber durch die tollen Hubble-Bilder von V 838 Monocerotis und die entsprechende Öffentlichkeitsarbeit ist der Begriff eng mit diesem Stern in dem unscheinbaren Sternbild Einhorn verbunden.

Quelle: hubblesite.org

Wie fühlt sich der Carina-Nebel an?

Credit: NASA, ESA, and M. Mutchler (STScI/AURA) and N. Grice (You Can Do Astronomy LLC)

Der circa 7.500 Lichtjahre entfernte Carina-Nebel ist eine wirklich spektakuläre Himmelsgegend, die daher vom Weltraumteleskop Hubble eingehend untersucht wurde. Es handelt sich um eine Sternentstehungsgebiet, ähnlich dem auf der nördlichen Himmelskugel gelegenen Orion-Nebel. Aufgrund seiner südlichen Lage wurde der im Sternbild Carina (Kiel des Schiffes) liegende Nebel allerdings erst viel später entdeckt. Der Carina-Nebel übertrifft in seiner Ausdehnung den Orinon-Nebel deutlich. In ihm lassen sich Sternentstehungsprozesse beobachten mit all ihren Begleiterscheinungen: junge Sternhaufen, riesige Staubwolken und dunkle Globule, Staubsäulen und andere Auswirkungen des Sternenwindes. Außerdem beherbergt der Nebel den spektakulären Stern Eta Carinae, der mit seinen Materieausbrüchen einen eigenen Nebel um sich herum aufgebaut hat, den sogenannten Homunkulus-Nebel.

Vieles lässt sich aus der Hubble-Aufnahme also lernen, wenn man sie denn sehen kann. Der Hubble-Wissenschaftler Max Mutschler und die Buchautorin Noreen Grice haben sich daher zusammen getan, um eine taktile Karte der 50 Lichtjahre durchmessenden Zentralregion des Carina-Nebel zu erstellen, um den Nebel so blinden Menschen zugänglich zu machen. Auf der Seite http://amazing-space.stsci.edu/tactile-carina/ bieten die Autoren darüber hinaus eine höhrenswerte Audio-Führung durch das Bild.

Ich finde das Bild ist auch für sehende Astroneugierige reizvoll, da die taktilen Strukturen den dynamischen Zyklus des Sternlebens herausheben - von den großen Dunkelwolken, bis zum alten Stern Eta Carinae, dessen Homunkulus-Nebel als liegende Acht repräsentiert wird. Der Betrachter erkennt (egal ob mit Auge oder Finger) den strukturellen Aufbau des Nebels, ohne von dessen Schönheit abgelenkt zu werden und dabei doch so, dass die Schönheit des Bildes nicht zerstört wird.

Quelle: Hubblesite