Albireo - der Kopf des Schwans


Könnte man die Wolken beiseite schieben, würde der Nachthimmel derzeit eines der schönsten Sternbilder des nördlichen Himmels offenbaren: Der Schwan (Cygnus), wie er auf dem Band der Milchstraße entlangsegelt. Schön ist das Sternbild allein deswegen, weil es tatsächlich so aussieht wie es heißt. Der helle Stern Deneb markiert den kurzen Schwanz des Vogels, von dem etwas weniger hellen Stern Sadr gehen links und rechts zwei weite Schwingen ab und entlang des Milchstraßenbandes zieht sich der lange Kopf des Vogels, der im Stern Albireo (Beta Cygni) endet. Schon mit einem Fernglas lohnt es sich, diese Figur abzufahren und sich von der Sternfülle der Milchstraße erschlagen zu lassen. Das Bild unten zeigt diesen Himmelsausschnitt:

Bild erzeugt mit Stellarium
Der Kreis etwas unterhalb der Bildmitte markiert Albireo. Dieser 390 Lichtjahre entfernte Stern ist ein besonders hübsches Beispiel für ein Doppelsternsystem. Schon in einem kleinen Telekop kann man erkennen, dass der vermeintliche Stern in Wirklichkeit aus zwei Komponenten besteht (in 30 Winkelsekunden Abstand). Das sieht besonders hübsch aus: Die Hauptkomponente ist ein orangeroter Überriese der Spektralklasse K3, ein echter Brummer mit dem zwanzigfachen Durchmesser und der hundertfachen Leuchtkraft unserer Sonne - ein Stern in einem späten Entwicklungsstadium. Im Kontrast zu diesem Überriesen steht sein Partner, ein bläulich leuchtender B8-Stern. Zusammen ergibt das ein schönes Farbenspiel im Teleskop - siehe das Foto oben, das aber nicht die ganze schöne Klarheit des visuellen Eindrucks am Okular wiedergibt.

Doppelsterne sind keine Seltenheit, im Gegenteil: Wohl über die Hälfte der Sterne sind Teil eines Paares, das gemeinsam über den Himmel tanzt. Bei Albireo dauert der Tanz um das gemeinsame Massenzentrum mehrere tausend Jahre. Diese Systeme bilden sich aber nicht durch Begegnung oder Kollision! Gemessen an ihrer Ausdehnung sind Sterne extrem weit voneinander entfernt. Wäre unsere Sonne so groß wie eine Grapefruit und würde man sie nach Lissabon legen, dann würde die nächstgelegene Grapefruit auf dem Roten Platz in Moskau liegen - was soll da kollidieren? Doppelsterne haben vielmehr eine gemeinsame Entstehungsgeschichte, sind also Geschwister, die sich aufgrund ihres unterschiedlichen Geburtsgewichts unterschiedlich entwickeln.

Nicht alles, was wie ein Doppelsternsystem aussieht ist allerdings auch eins. Manchmal stehen die Sterne nur zufällig auf einer Linie, sind aber Lichtjahre voneinander entfernt. So etwas nennt man optische Doppelsterne. Den umgekehrten Effekt gibt es aber auch: Die Sterne können sich so nahe sein, dass man sie mit dem Teleskop nicht mehr trennen kann. Erst das Spektrum des Sternlichts verrät ihre wahre Natur, weshalb man von spektroskopischen Doppelsternen spricht. Eine weitere Variante sind photometrische Doppelsterne. Bei diesen auch Bedeckungsveränderliche gennanten Systemen läuft aus unserer Sicht ein Stern vor dem anderen vorbei, wodurch sich periodisch die Helligkeit ändert.

Doppelsterne sind nicht nur für sich interessant - insbesondere wenn die Sterne sogar Materie miteinander austauschen - sie helfen auch Sternmodelle zu prüfen, denn durch die Sternbewegung und den Kepler`schen Gesetzen lassen sich Rückschlüsse auf die Masse und Größe der Sterne ziehen.

Sterne kommen aber nicht nur als Doppelsterne vor, sondern sogar als Mehrfachsternsystem, wie zum Beispiel Alpha Centauri: Hier liegt ein Sternpaar vor, dass von einem dritten Stern umkreist wird. Es geht auch Fälle, in denen sich dieser dritte Stern wieder als Doppelstern entpuppt, also Paare, die Paare umkreisen. Ein Beispiel für solch eine doppelte Paarkonstellation ist Epsilon Lyrae. Auf dem Bild oben ist das der Stern östlich (links) von dem hellen Stern Vega im Sternbild Leier (Lyra).

Wenn also die Wolkendecke jemals aufreißen sollte in diesem Sommer, dann einfach mal Richtung Süden gucken, den Kopf weit in den Nacken legen und erst mal zur Orientierung die hellen Sterne Vega und Deneb suchen. Dann sieht man die Sternfigur des Schwans recht einfach und kann seinen langen Hals entlang nach Albireo Ausschau halten. Nicht alles was wie ein einsamer Stern aussieht ist auch einer.

Literaturtipp: Sterne beobachten in der Stadt

Robot Astronomy Talk Show - Folge 6

Mission Juno: Ein Blick in das Innere von Jupiter

Robot Astronomy Talk Show - Folge 5

Willkommen im Krater Gale

Credit: NASA/JPL-Caltech/ASU
Dieses Loch im Marsboden wird uns in nächster Zeit viel beschäftigen. Die NASA gab bekannt, dass der Marsrover Curiosity (Mars Science Laboratory) dort landen soll, genauer in dem schwarz unrandeten Oval zwischen Zentralberg und Kraterrand.
“The science at Gale is going to be amazing and it will be a beautiful place to visit”,
freut sich die Geologin Dawn Sumner, ein Mitglied des Curiosity-Teams. Der Krater, benannt nach dem australischen Astronomen Walter Frederick Gale, hat einen Durchmesser von circa 150 Kilometern. Er besitzt ein für größere Einschlagskrater typisches Zentralgebirge, dass sich 5,5 Kilometer über den Kraterboden erhebt und um das sich ungewöhnlich viel Schutt und Geröll befindet. Der Krater ist Teil der ausgedehnten Ebene Elysium Planitia (4.6°S 137.2°E), die dem Marshochland vorgelagert ist:
“It’s a huge crater sitting in a very low-elevation position on Mars, and we all know that water runs downhill”,
so John Grotzinger vom Curiosity-Team. Der Krater ist mit 3,5 bis 3,8 Milliarden Jahren auch recht alt und hat somit verschiedene, vor allem auch feuchtere Marszeitalter erlebt. Am Fuße des Berges erwarten die Forscher geschichtete Sedimente, die von Wasser eingetragen und abgelagert wurden. Die Abfolge der Ablagerungen erzählen so die Geschichte unseres Nachbarplaneten.

Dieses Video zeigt wunderbar, was an Gale so interessant ist:



Ein wirklich tolles Gelände, das die NASA hier erkunden will. Nachdem man mit Spirit und Opportunity jahrelang Erfahrungen sammeln konnte, traut sich die NASA jetzt richtig was zu. Das war schon bei Apollo und dem Mond so: Die Wissenschaftler interessieren sich für das spektakuläre Terrain, den Ingenieuren kann es nicht flach genug sein - und so, wie bei Apollo jede Mission anspruchsvoller wurde, werden auch die Marsmissionen immer interessanter. Kleines Faktum hierzu: Die Räder von Curiosity sind mit je 51 cm Durchmesser doppelt so groß, wie die von Spirit und Opportunity. Damit kann der neue Rover Hindernisse bis zu 75 cm Höhe übersteigen. Auch wenn der Anstieg des Zenralbergs eher einer sanften Flanke gleicht, zeigt dies, dass die NASA schwierigeres Gelände begehen will, als zuvor.

Curiosity soll im November starten und im August 2012 auf dem Mars landen. Der Rover ist mit 2,8 Meter Länge in etwa doppelt so groß und fast fünfmal so schwer, wie die Erfolgsmodelle Spirit und Opportunity. Die NASA wird den schweren Rover daher nicht mit Airbags auf den Marsboden plumpsen lassen, sondern mit einer neuen Technik, einen Himmelskran landen lassen, was für die Marsmännchen ein ziemlich spektakulärer Anblick sein dürfte:



Andes als diese beiden Vorgänger wird Curiosity nicht mit Solarstrom betrieben, sondern mit Radionuklidbatterien (Radioisotopengeneratoren). Das sind diese beiden Dinger im hinteren abgewinkelten Kasten des Rovers. In ihnen zerfällt Plutonium-238. Die Zerfallswärme wird in Strom umgewandelt, dient aber auch der Klimatisierung der Elektronik. Mit dieser Technik macht man sich unabhängig von den Jahreszeiten, der Verschmutzung der Solarpanele mit Staub und kann den Rover nachts betreiben. Abgesehen davon steht dem Rover so insgesamt auch mehr Leistung zur Verfügung. Mindestens 14 Jahre lang können die Generatoren 100 Watt Leistung zur Verfügung stellen. Pro Marstag (Sol) steht dem Rover eine Energie von 2,5 kWh zur Verfügung - zum Vergleich: Spirit und Opportunity haben (hatten) nur 0,6 kWh am Tag. Der schwere Rover Curiosity braucht diese viele Energie aber auch, um seine zehn wissenschaftlichen Instrumente zu betreiben. Darunter ein Analyselabor und einen Laser, der Gestein verdampft, um den Dampf spektrografisch zu analysieren.

Curiosity stellt sicherlich einen weiteren Höhepunkt in der langen Geschichte der robotischen Marserkundungen dar. Man kann sich schon fragen, wie das noch getoppt werden kann, wenn nicht durch eine bemannte Marsmission.

Diese Infografik fasst die Geschichte der Marserkundung kurz und bündig zusammen. Das C auf der rechten Hemisphäre markiert Curiosity und den Krater Gale.

See where spacecraft from Earth have landed on Mars, in this SPACE.com infographic.
Source SPACE.com: All about our solar system, outer space and exploration

Quelle: universetoday.com

Aus dem Leben eines Rovers

Dieses kurze stimmungsvolle Video der Nasa zeigt eine kleine Auswahl der 124.000 Bilder, die der Marsrover Spirit zur Erde gefunkt hat. Das Video zeigt allerdings nur Aufnahmen vom 15. Januar 2004 bis 19. Mai 2005. Die Mission des Marsrovers war erst am 25. Mai 2011 beendet.

Mondnacht


Es war, als hätt der Himmel
Die Erde still geküsst,
Dass sie im Blütenschimmer
Von ihm nun träumen müsst.

Die Luft ging durch die Felder,
Die Ähren wogten sacht,
Es rauschten leis die Wälder,
So sternklar war die Nacht.

Und meine Seele spannte
Weit ihre Flügel aus,
Flog durch die stillen Lande,
Als flöge sie nach Haus.

(Joseph von Eichendorff)

Polarlichter, gesehen von der ISS



Diese schöne Aufnahme gelang den Astronauten der Internationalen Raumstation ISS am Donnerstag. Es zeigt Teile der Station, das angedockte Space Shuttle Atlantis und unsere Erde, gesäumt von einem grünlich schimmernden Polarlicht. Genau genommen handelt es sich um ein Südlicht (Aurora Australis), denn die Astronauten schauen Richtung Südpol der Erde. Dies erkennt man auch an dem Sternenhimmel auf der Aufnahme, den so nur die Bewohner der südlichen Hemisphäre sehen können. In der Mitte des Bildes kann man das Sternbild Crux (Kreuz des Südens) erahnen und links unterhalb die beiden hellen Sterne Alpha und Beta Centauri.

Hier noch eine weitere schöne Aufnahme der Aurora Australis vom Donnerstag:


Im Vordergrund sieht man einen Flügel des Space Shuttles und einen Teil des Shuttle-Roboterarms. Das Bild ist gegenüber dem ersten um 180° gedreht.

Der Astronaut, der Mission STS-135 Doug Hurley kommentierte das so: 
“We saw an incredible Southern Lights aurora. It was the best one I’ve seen in my two spaceflights. It was just unbelievable, the view out the cupola.”

Mit der Cupola meint der Astronaut die Aussichtsplattform, von der aus die Astronauten Außenbordeinsätze überwachen, den Roboterarm steuern oder einfach tolle Bilder schießen.

Polarlichter treten in der Hochatmosphäre meist zwischen 80 und 120 Kilometern Höhe auf. Verursacht werden Sie durch den Sonnenwind, einen Strom elektrisch geladener Teilchen, der von der Sonne ausgeht. Diese Teilchen werden zu den Magentpolen der Erde gelenkt, wo sie Sauerstoff- und Stickstoffatome zum Leuchten anregen. In den beiden Aufnahmen oben dominiert die grüne Stauerstofflinie bei 557,7 nm Wellenlänge. Kommt es auf der Sonne zu Sonneneruptionen, kann die Polarlichtaktivität enorm zunehmen. Aktuell darüber informieren kann man sich auf spaceweather.com

Quelle: universetoday.com

Wir jagen Eis!

Schon seit Januar 2006 ist die Raumsonde New Horizons auf dem Weg zum äußersten Planeten unseres Sonnensystems, zu Pluto. Dies ist der einzige Planet, der noch nie Besuch von einer irdischen Raumsonde bekommen hat. Wir haben keine Ahnung, wie Pluto aussieht.

Seit dem Start von New Horizons ist einiges passiert: Pluto ist kein Planet mehr! New Horizon ist die erste Raumsonde, die zu einem Planeten gestartet ist, aber bei einem Zwergplaneten ankommt. Auslöser der Neudefinition des Begriffs Planet und der dabei auch neu entstandenen Kategorie Zwergplanet, war die Entdeckung neuer Himmelskörper jenseits der Neptunbahn. Statt also die Zahl der Planeten aufzublähen, hat man lieber die Kriterien verschärft, die ein Körper erfüllen muss, um als Planet zu gelten.

Hier ein kleines Video, dass die Mission in verspielt-reißerischer NASA-Manier kurz zusammenfasst:



Am Rande sei hier kurz erwähnt, dass Pluto nicht alleine ist, sondern eine Familie aus Monden um sich hat, wie dieses tolle Bild des Weltraumteleskop Hubble zeigt:

Credit: H. Weaver (JHU/APL), A. Stern (SwRI), and the HST Pluto Companion Search Team
Wenn die Raumsonde New Horizons im Juli 2015 Pluto bis auf 12.500 Kilometer erreicht haben wird, ist sie zu schnell und führt nicht genug Treibstoff mit, um in einem Orbit um Pluto einschwenken zu können. Die Sonde ist also jahrelang unterwegs, um für ein paar Tage Schnappschüsse und Messungen im Vorbeiflug zu machen. Aber was dann? Die Region, in der Pluto seine Bahn zieht, ist nicht leer - das hat ihn ja seinen Planetenstatus gekostet. Vergleichbar dem Asteroidengürtel zwischen Mars und Jupiter befindet sich auch jenseits des Neptuns ein Gürtel kleiner Himmelskörper, der nach dem Astronomen Gerard Kuiper benannt wurde. Dieser Kuipergürtel ist ein Kometen-Reservoir. Das bedeutet, man vermutet viele schmutzige Schneebälle (oder eisige Schmutzbälle) in dieser Entfernung zur Sonne. Als klassische Kometen mit Schweif nehmen wir diese Körper erst war, wenn sie in Richtung Sonne stürzen.

Die Astronomen rund um das New-Horizons-Projekt hoffen, dass sie die Sonde nach dem Vorbeiflug an Pluto noch an bis zu zwei dieser Kuipergürtelobjekte, kurz KBOs genannt, vorbeifliegen lassen können. Vorausgesetzt, man findet geeignete Kandidaten. Hier kommt das Citizen-Science-Projekt IceHunters ins Spiel. Mit zwei großen Teleskopen, nämlich den 8-Meter-Subaru-Teleskop auf Mauna Kea, Hawaii und dem 6,5-Meter-Magellan-Teleskop in Chile, haben die Astronomen unzählige Aufnahmen der Himmelsregion gemacht, die von New Horizons nach der Pluto-Passage durchflogen werden kann. Die KBOs verraten sich dadurch, dass man zwei Bilder derselben Region nimmt, die in ein paar Tagen Abstand voneinander aufgenommen wurden. Diese Bilder werden dann voneinander subtrahiert. Unbewegliche Objekte, also die Sterne, müssten dann theoretisch auf den durch die Subtraktion errechneten Bilder verschwinden. Bewegliche Objekte, wie die KBOs, aber auch Asteroiden hingegen bleiben sichtbar. Theoretisch! In der Praxis sieht so ein subtrahiertes Bild eher wie dieses Beispiel aus:


Die Subtraktion gelingt bei weitem nicht perfekt, zum Beispiel weil sich die Sichtbedingungen durch die Atmosphäre zwischen den beiden Aufnahmen verändert haben. Außerdem schauen wir ausgerechnet in Richtung des Sternbild Sagittarius, also Richtung Zentrum der Milchstraße, wo sehr sehr sehr viele Sterne stehen. Dennoch stechen die nicht subtrahierten Objekte hervor. In dem Bild unten sind sie markiert: Die beiden Kreise markieren zwei helle Punkte. Dies sind die gesuchten KBOs, das sind also heiße Kandidaten für Kometen jenseits des Neptun im Kuipergürtel.  Sie haben sich etwas bewegt zwischen den beiden Aufnahmen - zu viel, um subtrahiert zu werden, aber doch wenig genung, um noch als runder Fleck zu erscheinen.

Der grüne Stern in dem Bild unten markiert hingegen eine Linie. Es handelt sich um ein recht schnelles Objekt, das sich relativ weit bewegt hat, zwischen den Tagen, an denen die beiden Bilder gemacht wurden. Schnell beduetet in diesem Fall relativ nah. Es handelt sich vermutlich um einen Asteroiden. Der Citizen Scientist ist aufgefordert, in den Bildern auch diese Objekte zu markieren. Die Profiastronomen schauen sich dann die Kandidaten für KBOs und Asteroiden genauer an.


Was die Astronomen um das New-Horizons-Projekt nicht interessiert, sind zwei andere Signale, die man mit KBOs verwechseln kann. Zum einen variable Sterne, also Sterne, die ihre Helligkeit zwischen den Aufnahmen ändern und daher nicht ordentlich subtrahiert werden können und zum anderen Spuren durch kosmische Strahlung, die einzelne Pixel ausleuchten.

Wie man also nun konkret mit IceHunters arbeitet, zeigt dieses Projektvideo:



Dass es Spaß macht, kann man mir gerne glauben oder es einfach selbst ausprobieren.

Die Säulen der Schöpfung im Adlernebel


Mit etwas Fantasie könnte es Gozilla sein, der aus dem Nebel schreitet - ist es aber nicht! Dieses Bild zeigt einen offenen Sternhaufen, also eine Ansammlung von ein paar hundert jungen Sternen. In diesem Fall sind es sogar sehr junge Sterne, gerade mal ein bis zwei Million Jahre alt. Der französische Astronom Charles Messier hat diesen Sternhaufen im Jahre 1764 in seinen berühmten Himmelskatalog an 16. Stelle eingetragen, weshalb der Sternhaufen noch heute M 16 genannt wird. Doch erst dank dem Mittel der Fotografie wurde der Astronom Edward Banard im Jahre 1895 auf die auch hier hervorstechende neblige Struktur aufmerksam. Diese wird Adlernebel genannt und mit der Nummer IC 4703 katalogisiert. Es handelt sich um einen Emissionsnebel, das heißt um eine riesige Wasserstoffwolke, in der das Wasserstoffgas zum Leuchten angeregt wird und so in der charakteristischen roten Farbe von 656 nm erstrahlt. Die Quelle der UV-Strahlung sind die jungen heißen Sterne des Sternhaufens, die der Adlernebel umgibt. Deren Strahlung bringt nicht nur den Wasserstoff zum leuchten, sie erodiert auch den dunklen Staub. Dort, wo der Staub lokal verdichtet ist, widersteht er der Erosion und bildet so säulenartige Strukturen, die im Falles des Adlernebels etwas pathetisch Säulen der Schöpfung genannt werden. In ihrer ganzen Pracht sind sie auf diesem Bild zu sehen, das mit Weltraumteleskop Hubble aufgenommen wurde:

Credit: NASA, Jeff Hester, and Paul Scowen (Arizona State University)
An den Spitzen und Rändern der Säulen lassen sich die hohen Gas- und Staubkonzentrationen erahnen, die sich gegen die Photoevaporation behaupten. Aus ihnen können neue Sterne mit Planetensystemen entstehen - ein Wettlauf aus Erosion und Konzentration.

Der offene Sternhaufen M 16 ist 5.600 Lichtjahre von uns entfernt. Er hat eine Ausdehnung von 35 Lichtjahren, der umgebende Adlernebel ist fast doppelt so groß. Der Sternhaufen mit Emissionsnebel befindet sich im Sternbild Serpens (Schlange), ein merkwürdiges Sternbild, weil es in zwei Teile geteilt ist, mit dem Sternbild Ophiuchus (Schlangenträger) in der Mitte.

Diese Karte zeigt die Lage von M 16 am Himmel.

http://www.stellarium.org/
Literatur: Ronald Stoyan, Atlas der Messier-Objekte, Oculum-Verlag

Der letzte Tanz der Atlantis

Kurz vor dem Andocken an die Internationale Raumstation ISS führte das Space Shuttle Atlantis heute ein spektakuläres Flugmanöver aus, das RBAR Pitch Maneuver (RPM). Seit dem Absturz des Space Shuttles Columbia ist dieses Manöver Routine. Es dient dazu, die Hitzeschutzkacheln in Richtung Raumstation auszurichten, so dass die im Swesta-Modul versammelte Stationsbesatzung die Kacheln ausgiebig fotografieren kann. Die Analyse der Bilder gibt den Shuttle-Technikern Gelegenheit, den Zustand der Kacheln zu prüfen, lange bevor sie für den feurigen Ritt der Raumfähre durch die Atmosphäre bei der Landung gebraucht werden.

Bei all dem sachlichen Hintergrund, ist dieses Flugmanöver auch einfach schön anzusehen, zeigt es doch die Raumfähre von allen Seiten vor dem Hintergrund unseres blauen Planeten.

Sungrazer auf frischer Tat ertappt

Wer einen Kometen entdeckt, dessen Namen trägt bekanntlich der neu aufgefundene Himmelskörper. Von diesem altbewährten Schema, das auch heute in Zeiten von großen automatischen Himmelsdurchmusterungen wie Pan-STARRS immernoch unzählige Amateure dazu motiviert auf die Suche nach unbekannten Schweifsternen zu gehen, gibt es allerdings Abweichungen. Eine davon betrifft Kometen, die in unmittelbarer Nähe der Sonne in den Aufnahmen von Sonnenobservatorien wie SOHO aufgefunden werden. Zwar gibt es eine ganze Reihe fleißiger Kometenentdecker (der erfolgreichste unter ihnen ist übrigens der Deutsche Rainer Kracht), die inzwischen auch über 1500 Entdeckungen zusammengetragen haben, aber die Kometen tragen allesamt die Namen des Observatoriums, in dessen Daten sie aufgefunden wurden. Das ist im Allgemeinen SOHO mit seinem LASCO-Koronographen.

SOHO-Kometen sind praktisch ausnahmslos Sungrazer, kleine Kometen, die die Passage an der Sonne allesamt nicht überstehen, weil sie ihr so nahe gekommen sind, daß sie vollständig verdampfen, zerbrechen oder sogar direkt in die Sonne stürzen. Hier haben wir mal ein Beispiel eines solchen Kometen, wie er im Zeitraffer unter den strengen Augen des AIA-Instruments von SDO am 6. Juli 2011 die Sonnenoberfläche passiert. (Achtung, der kleine Kerl ist nicht besonders hell und flitzt von rechts nach links senkrecht waagerecht durchs Bild.)



Dieser Film von SOHOs LASCO-Instrument zeigt, wie er sich am Vortag der Sonne angenähert hat, ganz klassisch mit Schweif also, wie es sich für einen redlichen Kometen gehört.

Robot Astronomy Talk Show - Folge 3

Where do babies come from?

Atlantis lässt die Muskeln spielen

Der letzte Start eines Space Shuttles erfolgte heute um 17:29 Uhr unserer Zeit.



Am Sonntagvormittag soll die Atlantis mit ihrer vierköpfigen Besatzung an die Internationale Raumstation ISS andocken.

Proxima, der nächste Stern ist nicht der hellste

Alpha Centauri, Großansicht, Credit: ESO
Es gibt viele gute Gründe, die Bewohner der südlichen Hemisphäre um ihren Himmel zu beneiden. Ein Grund ist der Blick auf unsere direkte Nachbarschaft. Das Bild oben zeigt den Stern Alpha Centauri aufgenommen mit dem 1-m-Schmidt-Teleskop der europäischen Südsternwarte ESO auf La Silla, Chile. Alpha Centauri dominiert hier als riesiges ausgedehntes Objekt. Wie jeder Stern ist aber auch Alpha Centauri so weit entfernt, dass er eigentlich punktförmig am Himmel erscheint und nur in einer Aufnahme wie dieser völlig überbelichtet ist und daher das Bild überstrahlt. Dass Alpha Centauri so hell ist - der dritthellste Stern überhaupt - hat einen guten Grund. Der Stern ist nur 4,37 Lichtjahre von unserer Sonne entfernt.

Schaut man genauer hin, dann sieht man, dass es sich in Wirklichkeit um einen physischen Doppelstern handelt, zwei Sterne also, die sich einander umkreisen. Gerade mal achtzig Jahre benötigen sie für einen Umlauf umeinander herum. Das ist vergleichbar mit einem Uranusjahr in unserem Sonnensystem. Das kleine Teilbild rechts oben deutet die beiden Sterne an und zeigt dabei auch, dass diese unterschiedliche Farben haben. Die deutlich hellere Komponente, Alpha Centaur A, gleicht unserer Sonne: Es handelt sich auch um einen gelben G 2 Stern. Die schwächere Komponente, Alpha Centauri B, hingegen ist ein orangefarbener Stern vom Spektraltyp K 5.

Der eigentliche Clou verbirgt sich aber in dem Bildausschnitt rechts unten. Es zeigt den Stern Proxima Centauri, der in dem großen Bild mit einem Pfeil markiert ist. Dieses unscheinbare Sternchen, das in keinem Zusammenhang mit Alpha Centauri zu stehen scheint, gehört in Wirklichkeit zu diesem Doppelsternsystem, es bildet eine dritte Komponente. Proxima Centauri ist an dem Paar Alpha Centauri A und B gebunden. Das unscheinbare Sternchen ist dabei sogar noch näher an unserer Sonne und so kommt es, dass nicht der fette Brummer in dem Bild oben unser nächster stellarer Nachbar ist, sondern Proxima Centauri: 4,22 Jahre benötigt das Licht von diesem roten Zwergstern zu uns. Das Schöne an dieser Aufnahme ist, dass sie uns das ganze System aus den drei Sternen zeigt, obwohl die Mitglieder des Systems sehr unterschiedlich sind.

Dieses, mit Stellarium erzeugte Bild, zeigt die Lage von Alpha Centauri am Südhimmel:


Alpha Centauri ist in Stellarium mit Rigil Kent bezeichnet - andere Namen sind Rigil Kentaurus oder Toliman. Der Stern Alpha Centauri, der wie gesagt eigentlich aus zwei Sternen besteht, ist der hellste im Sternbild Centaurus. Dieses steht für die mythologischen Kentauren, Mischwesen aus Mensch und Pferd. Genau genommen repräsentiert das Sternbild Cheiron, einen weisen und gelehrten Kentauren, Ziehvater und Lehrer von Jason, Achilles und Asklepios. Der Name Rigil Kentaurus bedeutet einfach nur "Fuß des Kentauren".

Das Paar Alpha Centauri A, B ist zwar sehr hell, doch ist es ihre unscheinbare dritte Komponente Proxima, die uns am nächsten steht.

Literaturquellen: Ian Ridpath Die großen Sternbilder, Patmos-Verlag
Der Brockhaus Astronomie, F.A. Brockhaus

Der letzter Flug für das Space Shuttle

Heute soll das Space Shuttle Atlantis zum allerletzten Flug dieses Raumfahrtsystems starten. Der Start ist für 17:26 Uhr unserer Zeit angesetzt.

Hier drei Tipps, diesen besonderen Tag zu begehen:
Bis dahin kann man sich dieses Video anschauen, in dem die europäische Weltraumagentur esa vom Raumschiff der Kollegen Abschied nimmt.



Eine schön lange Space-Shuttle-Dokumentation der NASA gibt es hier: Das Space Shuttle - Der Film zum Ende einer Ära zwei Posts tiefer.

Und das Schöne ist: Sollte der Start heute abgebrochen werden, machen wir das alles noch mal.

Leuchtende Nachtwolken über Greifswald


Meine liebe Astrokollegin, die Physikerin Birgit Schabinger von der Uni Greifswald, hat mir hier einen hübschen Schnappschuss zukommen lassen: Leuchtende Nachtwolken, aufgenommen kurz vor Mitternacht. Die Blickrichtung ist Norden. Der helle Stern ist vermutlich Capella im Sternbild Fuhrmann. Bei Leuchtenden Nachtwolken handelt es sich um Eiskristalle, die sich viel höher als die normalen Wolken der Troposphäre bilden. Während die Sonne zur Zeit um die Sommersonnenwende nur knapp unter dem nördlichen Horizont von West nach Ost wandert, strahlt sie diese hohen Eiswolken an, die wir dann gegen den dunklen Himmelshintergrund leuchten sehen. Zum Zeitpunkt der Aufnahme, stand die Sonne nur circa 10° unter dem nördlichen Horizont in Greifswald.

Eine andere Astrokollegin hat vor längerer Zeit einen ausführlichen Blogpost zum Thema geschrieben: Leuchtende Nachtwolken über ganz Deutschland. Ganz unten im Kommentarbereich hat Carolin eine hübsche Grafik eingebunden, die die geometrischen Verhältnisse verdeutlicht.

Wer also in höheren Breitengraden wohnt und einen freien Blick Richtung Norden hat, sollte jetzt in den Sommermonaten mal Ausschau nach diesem hübschen Phänomen halten.

Bedeckungsspiele beim Herrn der Ringe

Von einer Bedeckung reden Astronomen immer dann, wenn sich ein großer Himmelskörper vor einen kleineren schiebt und ihn so vollständig zum verschwinden bringt. So schiebt sich gelegentlich unser Mond oder ein Planet vor einen Stern. Die vier großen Monde des Jupiter - Io, Europa, Ganymed und Kallisto - verschwinden regelmäßig hinter Jupiter. Es gibt aber auch Bedeckungen, die können wir von unserer Beobachtungsposition auf der Erde nicht sehen. Ein Beispiel zeigt dieses kuriose Bild:

Image Credit: NASA/JPL/Space Science Institute
Wir sehen hier den kleinen Saturnmond Rhea, der nach einer Bedeckung durch Tian wieder hinter dem großen Saturnmond hervorkommt. Aufgenommen hat das Bild die Raumsonde Cassini am 27. Oktober 2009. Cassini kurvt seit Juli 2004 im Saturn-System herum. Zum Zeitpunkt der Aufnahme war Cassini eine Million Kilometer von Titan entfernt - bis zu Rhea waren es 2,3 Million Kilometer. Rhea ist der innere Nachbar von Titan in der Riege der Saturnmonde. Beide Monde zeiht weit entfernt von Saturns Ringsystem ihre Kreise, haben damit also nichts zu tun.

Rhea ist mit 1.500 Kilometern Durchmesser immerhin der zweitgrößte Mond des Ringplaneten Saturn. Dagegen richtig groß ist Titan: Mit 5.200 Kilometern Durchmesser spielt er in der Liga erdähnlicher Planeten - allerdings nur der Größe nach, seine Dichte von 1,88 g/cm³ eher gering.

Eine Besonderheit Titans ist auf dem Bild schön zu erkennen ist: Rhea scheint aus Titan regelrecht aufzutauchen, denn Titan hat eine dichte Atmosphäre - einmalig für einen Mond. Die Atmosphäre hat es übrigens in sich. Wie die unserer Erde besteht sie im wesentlichen aus Stickstoff, doch herrscht am Titanboden ein deutlich höherer Druck von 1,5 bar und das, obwohl Titan deutlich kleiner ist als unsere Erde. Die Atmosphäre des Titan bildet einen im optischen Spektralbereich undurchdringlichen orangefarbenen Schleier. Methan, das hoch in die Atmosphäre steigt reagiert unter der Einwirkung der solaren UV-Strahlung mit dem Stickstoff. Die so entstehenden Kohlenwasserstoffe sinken in tiefere Schichten und verwehren uns den Blick auf den Grund - um den zu sehen, braucht es Infrarotkameras oder den Lander Huygens, der sinnigerweise nach dem Titan-Entdecker Christiaan Huygens benannt wurde.

Sieben "Firsts" zum Ende der Shuttle-Ära

Wenn am 8. Juli zum letzten Mal ein Space Shuttle startet, endet eine Ära. Am Bord der Atlantis werden diese vier Astronauten zur Internationalen Raumstation ISS starten: Chris Ferguson, Doug Hurley, Sandy Magnus und Rex Walheim (v.l.n.r)

Credit: collectSPACE/Robert Z. Pearlman
Da kein weiteres Space Shuttle als Rettungsboot mehr zur Verfügung steht, wurde für den letzten Flug des Shuttles die Besatzung von sieben auf vier Mitglieder reduziert. Sollte es zu einer Beschädigung der Atlantis kommen, kann die Besatzung so via ISS und den russischen Sojus-Raumschiffen evakuiert werden.

Zum ersten Flug eines Space Shuttles überhaupt machten sich am 12. April 1981 die beiden Astronauten John Young und Robert Crippen auf. Dieses Video zeigt den zweitägigen Flug der Columbia.



Der erste Start eines Space Shuttles in die Erdumlaufbahn wurde somit gleich bemannt durchgeführt - ein Novum bei der NASA. Für diesen gefährlichen Test setzte die NASA ihren vielleicht besten Astronauten als Kommandanten ein: John Young. Dieser kann in seiner langen Karriere auf eine beeindruckende Liste großartiger Missionen zurückblicken:  Gemini 3, Gemini 10, Apollo 10, Apollo 16, STS-1, STS-9. John Young gehört zu den wenigen Astronauten, die zweimal zum Mond geflogen sind.

John Young, Credit: NASA
Neben dem Jungfernflug sind mit dem Space Shuttle weitere Erstleistungen anderer Astronauten verbunden:

Mit dem Start der Challenger am 18. Juni 1983 wurde Sally Ride zur ersten Amerikanerin im Weltraum. Die Physikerin hatte sich einfach auf eine Zeitungsanzeige der NASA beworben.

Sally Ride, Credit: NASA
Schon peinlich, dass die USA so lange dafür gebraucht haben. Die NASA zur Apollo-Ära war ein altmodischer Männerhaufen, der geistig in den fünfziger Jahren steckte und deren Vorbilder die Helden des zweiten Weltkriegs waren. Erst mit der Shuttle-Ära machte sich der Wandel der späten sechziger Jahre bemerkbar. Die Sowjetunion war zwar in Sachen Gleichberechtigung viel schneller, aber dafür in keinster Weise nachhaltig. Astronautinnen sind keine Seltenheit, Kosmonautinnen allerdings schon.

Guy Bluford startete 1983 mit der Challenger als erster Afro-Amerikaner in eine Erdumlaufbahn.

Guy Bluford, Credit: NASA
Schaut man sich alte Dokumentationen der Apollo-Ära an, sieht man, dass Raumfahrt damals eine Sache für die weiße Mehrheit in den USA war. Auch dies ein Spiegelbild der damaligen gesellschaftlichen Verhältnisse.

Kathryn Sullivan absolvierte am 11. Oktober 1984 als erste Frau einen Weltraumspaziergang, der alles andere als ein Spaziergang ist.

Kathryn Sullivan, Credit: NASA
Dass sich auch Astronautinnen gelegentlich außerhalb der Internationalen Raumstation ISS die Beine vertreten, ist längst nicht mehr bemerkenswert. Bemerkenswert ist höchstens der dummdämliche Reflex mancher Medien,  wenn einer Frau im All ein Missgeschick unterläuft. Als der Astronautin Heidemarie Stefanyshyn-Piper vor laufender Helmkamera die Werkzeugtasche entglitt, wurde daraus schnell eine Damenhandtasche im All, z.B. hier. Kleiner Trost: Da unsere Qualitätsmedien ja eh alle den gleichen Agenturtext veröffentlichen, findet sich der billige Chauvinismus meist nur im Teaser der Meldung.

Mein Held ist natürlich John Glenn, denn als er 1998 mit der Discovery ins All flog, war er schon 77 Jahre alt - da habe ich also noch Hoffnung! Allerdings war es für seinen Rekord sicherlich hilfreich, dass er der erste Amerikaner im Erdorbit war und danach als Senator politisch aktiv.

John Glenn, Credit: NASA
36 Jahre liegen zwischen den beiden Flügen von John Glenn.

Zu den beeindruckensten Bildern der Raumfahrt gehört sicherlich auch dieses Bild aus dem Jahre 1984:

Bruce McCandless, Credit: NASA
Es zeigt den Astronauten Bruce McCandless im freien Flug umgeben vom Nichts. Mit einer speziellen Manövriereinheit, der Manned Maneuvering Unit, hat sich der Astronaut ohne jegliche Verbindung vom Space Shuttle entfernt. Hier ist der Mensch wirklich im All, reduziert auf das Allernötigste: Ein schützender Raumanzug für die Lebenserhaltung und ein Raketenrucksack für die Fortbewegung - purer Minimalismus. Für mich ist dieses Bild eine Ikone der Raumfahrt, ähnlich wie die berühmte Aufnahme, die Buzz Aldrin auf dem Mond stehend zeigt.

Bewährt hat sich dieses System allerdings nicht. Ich vermute, man verzichtet auf den sperrigen Raketenrucksack, weil er schlicht unnötig ist. Die Astronauten hangeln sich bei ihren Außenbordeinsätzen an der Raumstation ISS entlang oder werden auf einer speziellen Plattform des Roboterarms an den gewünschten Ort gebracht - man krabbelt also eher, als das man schwebt.

Quelle: space.com

Robot Astronomy Talk Show - Folge 2

Where do we find enough water to fill our giant aquarium to hold all the fish in the Universe?

Antares und der Skorpion



Wer derzeit mit Einbruch der Dunkelheit Richtung Süden schaut und freie Sicht auf den Horizont hat, erblickt das Sternbild Skorpion. Das Sternbild ist leicht an dem rötlichen Stern Antares zu erkennen, von dem fächerförmig drei helle Sterne ausgehen, die in der Karte unten mit den griechischen Buchstaben Beta, Delta und Pi bezeichnet sind. Je nach Sichtbedingung kann der Fächer auch aus fünf oder mehr Sternen bestehen. Das Foto oben zeigt in einem größeren Ausschnitt, als auf der Karte, den markanten Stern Antares.

Anders als bei vielen anderen Sternbildern kann man im Falle des Skorpions mit etwas Fantasie tatsächlich die Sternfigur erahnen. Antares liegt im Körper des Skorpions, der Fächer bildet die Klauen und Richtung Süden zeigt der stachelbewährte Schwanz. Das Sternbild Skorpion gehört zum Tierkreis, das heißt im Jahreslauf wandert die Sonne durch dieses Sternbild. Allerdings nur für kurze Zeit, denn der Skorpion wurde im Laufe der Zeit immer wieder verkleinert. Manche Teile gehören heute zum Schlangenträger (Ophiuchus), andere zur Waage (Libra). Daran erinnern auch zwei besonders kuriose Sternnamen: Die Sterne Zubenelschemali (nördliche Klaue) und Zubeneldschenubi (südliche Klaue) befinden sich in der Waage, gehörten aber offensichtlich einst zum Skorpion.

Der Skorpion wurde von der Erdmutter Gaia ausgesandt, um den Jäger Orion zu töten, so die Mythologie. Noch heute befinden sich beide Figuren am Himmel, aber an gegensätzlicher Position: Wenn der Skorpion aufgeht, geht der Orion, in ständiger Flucht vor dem Attentäter, gerade unter.

Der helle Stern Antares ist hübsch anzusehen und wird aufgrund seiner Nähe zur Ekliptik*) gerne mal mit dem Mars verwechselt, worauf auch sein griechischer Namen hinweist. Bei dem 600 Lichtjahre entfernten Stern handelt es sich um einen roten Überriesen, ein gewaltig aufgeblähter Stern, der am Ende seines Lebens steht und ein Kandidat für eine Supernova ist. "Überriese" bedeutet wirklich riesig: Könnte man Antares an die Stelle unserer Sonne setzen, würden alle vier inneren Planeten - Merkur, Venus, Erde und Mars - von ihm verschluckt werden. Solche aufgeblähten Riesen vom Typ Antares sind dafür an der Oberfläche relativ kühl, wodurch sich die rötliche Farbe ergibt, im Unterschied zum gleißenden Gelb unserer Sonne. Strahlt die Photosphäre unserer Sonne bei einer Temperatur von 5.800 Kelvin, sind es bei Antares nur 3.400 Kelvin. Seine enorme Leuchtkraft von  65.000 Sonnen verdankt dieser Stern also seiner enormen Ausdehnung.

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*) Die Ekliptik bezeichnet die Bahn, die von der Sonne im Laufe eines Jahres bzgl. des Fixsternhintergrunds durchlaufen wird. Da unser Sonnensystem flach wie eine Pizza ist, sind auch die Planeten immer in der Nähe der Ekliptik zu finden. In der Karte oben markiert eine gestrichelte rote Linie die Ekliptik.

Quelle und Literaturtipp: Klaus M. Schittenhelm Sterne beobachten in der Stadt Kosmos-Verlag

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