Neun neue Astronauten wollen zum Mond. Seitwärts?

Bill Gerstenmaier, der NASA-Direktor für den Raumfahrtbetrieb, hat die neuen Astronauten vorgestellt. Drei Frauen und sechs Männer im Alter von 30 bis 43 wurden aus 3500 Bewerbern ausgewählt und treten im August ihre Ausbildung an. Sie sollen eine tragende Rolle in der weiteren Erforschung des Alls spielen, das Wort "Mond" wird jedoch tunlichst vermieden.

Denn das neue Mondprogramm scheint beileibe noch nicht in trockenen Tüchern zu sein. Zwar wird schon fleißig an den neuen Ares-Trägerraketen gebastelt und sogar getestet, beim Meeting des U.S. Human Space Flight Plans Committee in Washington DC hat NASA Space Shuttle Program Manager John Shannon allerdings eine ganz andere Option präsentiert: die seitliche Montage einer Oberstufe an den von den Shuttles bekannten Tanks und Boostern.

Besonders bemerkenswert finde ich die Beschreibung "High Confidence Heavy Lift Launch Vehicle". Denn bei den ständigen Treibstofflecks der Tanks habe ich persönlich in deren Tauglichkeit nicht unbedingt das allergrößte Vertrauen …


Blog-Teleskop # 29


Das neunundzwanzigste Blog-Teleskop steht diesmal im Blog austroscepticus Vorbei schauen lohnt sich, denn das Blogteleskop sammelt die Beiträge zur Astronomie aus der Blogosphäre der letzten zwei Wochen.

Das Archiv findet sich im Blog von Florian Freistetter: Astrodicticum simplex Bei ihm können sich alle Blogger melden, die auch gerne mal das Teleskop ausleihen wollen.

Freigeister auf dem Mars: Free Spirit!


Die alte Marsrover Dame 1) Spirit steckt immernoch im Sandloch bei ihrem Standort Home Plate fest. Die Free Spirit-Bewegung des JPL der NASA versucht durch die Nachbildung der verfahrenen Situation auf der Erde eine Lösung zu finden. Ein baugleicher Rover auf der Erde wird hierfür in den Dreck gefahren. Das interessante daran ist natürlich die Frage, wie man Marsboden nachbildet. Hier ein nettes Video über die Sandkastenspiele am JPL.

Da Spirit also nun gezwungen ist an Ort und Stelle zu bleiben, bleibt ihr Muse für den Sternenhimmel. Eigentlich ist die Marsrover natürlich dafür nicht gemacht, wie man an diesem Bild unschwer sehen kann:

Credit: NASA/JPL

Die meisten Sterne auf der Aufnahme sind Artefakte. Deutlich zu sehen ist jedoch der helle Stern Canopus im Sternbild Carina, der sich aufgrund der Belichtungszeit als Strichspur zeigt.

Natürlich ist es nicht nur die Zeit, die sich Spirit auf diese Weise vertreibt, sie hat schlichtweg jede Menge Energie. Dies liegt natürlich zum einen an ihrer festgefahrenen Position, aber auch daran, dass ein Brise Marswind ihre Solarpanele vom Staub befreit hat.

Die Sternguckerrei hat auch einen wissenschaftlichen Hintergrund, wie Jim Bell erklärt. Jim Bell ist für die beiden großen Augen von Spirit verantwortlich und hat ein wunderbares Buch geschrieben (wer's mir nicht glaubt, der lese die Rezension von Wolfgang Steinicke: Grüße vom Mars). Jedenfalls meint Jim Bell:
"Wir beobachten die Sterne auf der Suche nach Hinweisen auf Nachtwolken, Nebel und Dunst. Gelegentlich versuchen wir auch die Erde und die Venus kurz nach Sonnenuntergang abzubilden. Das funktioniert recht gut, aber das helle Dämmerungslicht bereitet Schwierigkeiten. Wir versuchen noch längere Belichtungszeiten rauszukitzeln."
Die wiederholte Beobachtung heller Sterne dient also dem Studium der Marsatmosphäre, so wie das die Marslander tagsüber mit der Sonne schon immer getan haben. Dennoch ist die Vorstellung Astronomie von einem anderen Himmelskörper aus zu betreiben sehr faszinierend.

1) Rover sind weiblich, siehe hierzu: Baby-Krater am Wegesrand


Quelle: JPL und universe today

Galaxien, Schwarze Löcher, und der ganze Rest

Der Blick in die Tiefen des Alls ist für uns immer auch ein Blick in die Vergangenheit. Heute sehen wir weit entfernte Galaxien so, wie sie vor Milliarden von Jahren ausgesehen haben, und wir sehen sie soweit das Auge reicht. Doch je weiter wir uns hinauswagen, desto schwieriger wird es, Details auszumachen. Und dabei wäre gerade das am spannendsten, wenn es nämlich darum geht, der Entstehung der Galaxien auf die Spur zu kommen.

In gewisser Weise ist es wie mit dem Huhn und dem Ei. Was war zuerst da? Die ersten Sterne oder die ersten Galaxien? Bildeten sich die Ur-Galaxien schon in Form von großen Gaswolken bevor sich darin Sterne bilden konnten, oder fanden sich die ersten Sterngenerationen zu immer größer werdenden Gruppen zusammen, aus denen dann die Galaxien wurden? Die Forschung bevorzugt derzeit das erste Szenario, eben weil man beispielsweise an der Verteilung der 3K-Hintergrundstrahlung oder auch über Modellrechnungen sehen kann, daß sich großräumige Strukturen sehr schnell ausbilden konnten. Dieses Schema pflanzte sich dann wahrscheinlich auf kleinere Skalen fort.

Ganz entscheidend für die sich im Werden befindlichen Galaxien waren eindeutig die massiven Schwarzen Löcher, die sich schon frühzeitig in ihrem Zentrum gebildet haben müssen. Doch wie genau ist das abgelaufen? Und wie verhielten sich die fertigen Galaxien dann in jungen Jahren? Schon länger beobachten die Forscher ferne Galaxien, die erst 2 Milliarden Jahre alt sind und die in einen Halo aus Wasserstoffgas eingebettet sind. Dieses Wasserstoffgas strahlt im Licht der Lyman-alpha-Linie, das ist hochenergetische UV-Strahlung. Doch wodurch wird das Gas zum Leuchten angeregt? Da kommen eigentlich nur die Schwarzen Löcher und ihre Jets in Frage. Die hochenergetischen Teilchen aus den Jets kollidieren mit den Gasteilchen und erzeugen so die charakteristische Lyman-alpha-Strahlung.

Illustration einer entstehenden Galaxie, eingebettet in eine Wolke aus Wasserstoffgas. Die Jets des Schwarzen Loches im Zentrum der Galaxie treiben das Gas auseinander und regen es zum Leuchten an. Image Credit: NASA/CXC/M.Weiss

Mit dem Chandra-Röntgensatelliten ist es nun gelungen, mehrere Schwarze Löcher inmitten von Klumpen von Wasserstoffgas, das die Lyman-alpha-Strahlung aussendet, zu detektieren. Dabei schaut man direkt auf die letzten Phasen der Galaxienentstehung: Das Wasserstoffgas wird noch gravitativ von der Proto-Galaxie angezogen, gleichzeitig treibt die durch die Jets des Schwarzen Loches induzierte Strahlung den Gasklumpen auseinander, ähnlich wie die Strahlung eines neugeborenen Sterns die letzten Reste von Gas und Staub aus seiner Umgebung.

Kombinierte Aufnahmen einer entstehenden Galaxie: Einem optischen Breitband-Bild (weiß) sind Infrarot (rot), Lyman-alpha (gelb) und Röntgendaten (blau) überlagert. Image Credit: X-ray (NASA/CXC/Durham Univ./D.Alexander et al.); Optical (NASA/ESA/STScI/IoA/S.Chapman et al.); Lyman-alpha Optical (NAOJ/Subaru/Tohoku Univ./T.Hayashino et al.); Infrared (NASA/JPL-Caltech/Durham Univ./J.Geach et al.)

Zimmer mit Aussicht

Künstlerische Darstellung der Cupola, Credit: NASA

Schlechte Luft, enge Räume und viel Lärm - so fühlt sich Raumfahrt auf der Internationalen Raumstation ISS an. Wäre da nicht die Schwerelosigkeit, so könnte man sich auch in einer Forschungsstation während des antarktischen Winters befinden. In ihrer freien Zeit scharen sich die Astronauten um die wenigen Bullaugen der Station. Das mit 50 Zentimeter Durchmesser derzeit größte Fenster der Station befindet sich im amerikanischen Modul Destiny. Fenster sind beim Design von Raumfahrzeugen unbeliebt, da sie sehr schwer sind. Die ersten Mercury-Raumkapseln beispielsweise sollten völlig fensterlos sein, wogegen die sieben ersten amerikanischen Astronauten aber heftig rebellierten, denn Fenster sind wichtig, wie Julie Roberts vom Johnson Space Center in Houston klar macht:
"Die Astronauten arbeiten hart und sind lange Zeit weit weg von ihren Familien. Die Erde und die Sterne zu beobachten wirkt da entspannend und inspirierend."
Inspirierend ist gut, denn eigentlich sind die Astroanuten doch genau dafür da oben: Um mit den Augen eines Menschen, als Stellvertreter unserer Art, außerhalb der schützenden Erdatmosphäre auf die Erde zurückzublicken und in das Universum hinaus. Schöne Bilder bekommen wir auch von Satelliten, aber die Astronauten sind Botschafter und Botschafter brauchen ein Fenster.

Anfang 2010 mit der Space-Shuttle-Mission STS-130 bekommen sie eins - und was für eins! Cupola heißt es, weil es aus Italien kommt und es ist das größte Fenster, das bisher in der bemannten Raumfahrt eingesetzt wurde. Das große obere Fenster der Cupola hat achtzig Zentimeter Durchmesser und ist umgeben von kleineren Fenstern, so dass man in der Cupola einen 360° Rundumblick hat. Dabei dient die Cupola aber nicht nur als Aussichtsplattform für entspannungssuchende Astronauten, denn von ihr aus kann der Roboterarm der Station gesteuert werden und Außenarbeiten an der Station überwacht werden.

Auf einer eigenen Internetseite teilen die Astronauten ihre persönlichen Beobachtungen bereits mit uns: The Gateway to Astronaut Photography of Earth. Es wird höchste Zeit, dass wir uns mit einem angemessenen Fenster dafür bedanken.

Die ISS ist nicht die Enterprise!

Heute ist der Tag der simplen Wahrheiten im Lichtecho. Anlass für den zweiten trivialen Beitrag heute ist dieses schöne Plakat, mit der die NASA die Expedition-21-Crew der Internationalen Raumstation, ISS, feiert. Das Kommando liegt beim belgischen ESA-Astronauten Frank De Winne, zu erkennen am roten Weltraumschlafanzug für höhere Offiziere. Frank De Winne befindet sich bereits mit der Expedition-20-Crew auf der ISS. Sehr schön getroffen in dem Bild ist auch der Kanadier Robert Thirsk. Sieht er nicht aus wie Dr. Leonard "Pille" Mc Coy?

Credit: NASA

Mein Lieblingsastronautenplakat ist aber immernoch dieses hier: Das Space Shuttle rockt!

Übrigens: Das Expedition-21-Bild gibt es hier als großes PDF.

Die Astronomie ist nicht die älteste Wissenschaft der Welt!

So, das musste ich aus aktuellem Anlass mal los werden! Mich nervt es tierisch, dass Astrophysiker kein Buch oder Artikel schreiben können, ohne so Phrasen zu dreschen wie "Der Mensch hat schon immer die Gestirne bewundert", oft versehen mit einer wagen Zeitangabe "Seit tausenden von Jahren schauen die Menschen zum Himmel und fragen sich, wo kommt das alles her, was spielt sich da oben ab?" Blablablub, weshalb die Astronomie logischerweise die älteste aller Wissenschaften sei. Man stelle sich vor, ein Entwicklungsbiologe würde einen populärwissenschaftlichen Artikel mit den Worten einleiten: "Die Menschen haben schon immer kopuliert, weshalb die Entwicklungsbiologie die älteste Wissenschaft der Welt ist" - neun Monate älter als die Pädagogik, um genau zu sein.
Das merkwürdige an solchen Phrasen ist außerdem, dass hier ja eine komische Grenze gezogen wird, denn der Homo sapiens war ja sicherlich nicht der erste Homo, der in den Himmel schaute. Andere aufrecht gehende Affen der Gattung Homo kannten ja auch Werkzeuge und das Feuer, warum nicht auch Himmelszyklen und Sternbilder? Und was ist mit den Delphinen, fragt sich der Douglas-Adams-Leser?
Merke: Ein Kalender macht noch keine Wissenschaft! Die Anzahl der Ziegen seiner Herde auf Knochen zu ritzen macht ja auch noch keine Mathematik. Die Astronomie hat so Geschwafel auch gar nicht nötig, sie braucht keine Rechtfertigung dieser Art. Die Astronomie liefert den zeitlich größten Teil der Naturgeschichte, sie erforscht, wie die Bühne aussieht auf der wir stehen und welche dynamischen Prozesse darin ablaufen. PUNKT! Das ist Motivation genug, ein Buch oder einen Artikel über astronomische Forschung zu lesen.

Die Astronomie als Wissenschaft entstammt dem 16./17. Jahrhundert, verknüpft mit Namen wie beispielsweise Tycho Brahe, Johannes Kepler und Galileo Galilei. Sie haben ein Verständnis von Wissenschaft herausgearbeitet und ein Programm gestartet, in dessen Kontinuität wir heute noch stehen und weshalb wir zu Recht vierhundert Jahre später das Jahr der Astronomie feiern. Natürlich gab es auch schon früher Denker, die uns sehr modern vorkommen, wie beispielsweise Eratosthenes und seine Messung des Erdradius, aber mit diesen Gelehrten verbindet uns keine kontinuierliche Tradition, sie mussten erst wiederentdeckt (Renaissance) werden.
Wie dem auch sei, worum ich bitten will ist einfach: Liebe Astronomen und Physiker, die ihr unter die Autoren geht, verzichtet auf das einleitende Phrasendreschen in Euren populärwissenschaftlichen Beiträgen. Die Astronomie ist so spannend, die hat das gar nicht nötig.

Sorry, ich musste das einfach mal loswerden.

Ozeane unter dem ewigen Eis auf Enceladus?

Nicht viele Orte in unserem Sonnensystem bieten das Vorhandensein von flüssigem Wasser, nach unserem Verständnis eine der wichtigsten Voraussetzungen für die Existenz von Leben wie wir es kennen. Da wäre natürlich ersteinmal die Erde selber. Dann der Mars, auf dem es ganz offensichtlich einmal flüssiges Wasser gegeben haben muß, das nicht nur die gewaltigen Canyons wie die Valles Marineris sondern auch viele andere Fließstrukturen auf der Oberfläche des Roten Planeten geformt hat. Noch immer könnten große Mengen dieses Wassers in Form von Eis tief unter der Oberfläche verborgen sein. Ein weiterer guter Kandidat ist der Jupitermond Europa, dessen zerklüftete Eisoberfläche ganz offensichtlich immer wieder neu geformt wird, wie es uns die spektakulären Aufnahmen der Raumsonde Galileo vor gut 10 Jahren gezeigt haben. Und dann ist da noch der Saturnmond Enceladus. Daß Enceladus eine interesante Welt sein könnte, deuteten schon die ersten Voyager-Aufnahmen vor nun schon Jahrzehnten an. Mit der Raumsonde Cassini, die den Saturn und seine Monde untersucht, hat man deshalb auch Enceladus besonders unter die Lupe genommen.

Der Saturnmond Enceladus und seine Vielfalt von Oberflächenstrukturen: Verkraterte Regionen, Eisflächen und Grabenbrüche. Dieses Bild entstand als Mosaik aus 21 Einzelaufnahmen, aufgenommen während des nahen Vorbeifluges von Cassini an Enceladus am 14. Juni 2005. Image Credits: NASA/JPL/Space Science Institute.

Enceladus ist eine Eiswelt ähnlich Europa, zumindest teilweise. Große Bereiche seiner Oberfläche zeigen eine Kraterlandschaft, sind also offensichtlich älter. Andere Gebiete sind mit großen, auf den ersten Blick glatten Eisschollen überzogen. Bei näherem Hinsehen zeigen sich dann auch hier Verwerfungen im Eis und große Gletscherspalten, die manchmal sogar parallel große Teile der Oberfläche des Mondes durchziehen, die sogenannten Tigerstreifen. Die Tigerstreifen zeigen eine für die Eiswelt Enceladus ungewöhnlich hohe Temperatur, verursacht durch Reibungswärme. Die Eisschollen bewegen sich, Enceladus ist in gewisser Weise geologisch aktiv.

Schon vor einigen Jahren haben die Cassini-Bilder Geysir-artige Ausgasungen gezeigt, die schließlich und endlich Saturns äußeren E-Ring mit Eispartikeln "füttern" und damit auffüllen. Inzwischen hat man dieses Eis näher untersuchen können und etwas für uns auf der Erde völlig normales darin gefunden, nämlich Kochsalz. Auch Hinweise auf Carbonate wie Soda gibt es. Salz bildet sich aber nicht in Eis, sondern wird meist von einer Flüssigkeit wie Wasser aus dem Boden ausgewaschen. Das Material, das von den Geysiren ausströmt, ist also vermutlich unter dem dicken Eispanzer von Enceladus flüssig. Ob das Wasser nun aber nur in einzelnen kleinen Reservoirs existiert oder ob ganze Ozeane unter einem Großteil der Eisfläche liegen, ist bislang noch ungeklärt.

Buzz Aldrin's Rocket Experience

Geht es um Raumfahrt hört man von den Astronauten aus der Apollo-Ära nur noch wenig. Einzig allein Edwin Buzz Aldrin wird nicht müde die Werbetrommel für die bemannte Erkundung des Weltraums zu rühren. Manchmal nimmt das aber auch merkwürdige Züge an, wie in diesem neuen Musik-Video:


Ich will das gar nicht weiter kommentieren, sondern einfach nur Maike Pollmann von spektrumdirekt danke für den Hinweis zu diesem Video sagen.

Ausgelesen: Moonwalker


In den Jahren 1969 bis 1972 landeten in sechs Missionen zwölf Menschen auf den Mond, von denen neun noch am Leben sind. Der britische Journalist Andrew Smith, der die Apollo-Mondflüge als Kind erlebte, hatte es sich zur Aufgabe gemacht, alle neun noch lebenden Mondspaziergänger aufzusuchen und zu interviewen. Herausgekommen ist das Buch Moonwalker, ein Reisebericht auf der Spur von Apollo.

In diesem Bericht lässt Andrew Smith seine Leser nicht nur an der eigentlichen Begegnung mit den Astronauten teilhaben, sondern erzählt auch von seiner Reise zu den Raumfahrern selbst. Als sei er auf einer Safari durchstreift er die USA auf der Suche nach typischen Astronautentummelplätzen - darunter naheliegende Orte, wie eine Flugschau oder das Johnson Space Center in Houston, aber auch kurioseres, wie eine Science-Fiction-Convention oder ein Meeting der von dem Apollo-Astronauten Ed Mitchell gegründeten New-Age-Bewegung namens Institute of Noetic Sciences. Manche Astronauten reagieren sehr offen auf den Journalisten, andere sind scheu und nur schwer aufzustöbern. Die Besatzung des Apollo-11-Landers Eagle, die zuerst den Mond betrat, bildet zugleich das größte Gegensatzpaar: Der Öffentlichkeitsarbeiter in Sachen Raumfahrt Buzz Aldrin empfängt Andrew Smith zu Hause in kurzen Hosen, hingegen kommt es mit dem verschlossenen Neil Armstrong zu keiner echten Begegnung.

Das Leitthema von Andrew Smith sind die persönlichen Abstürze der Apollo-Astronauten nach deren Rückkehr zur Erde, die er ihnen in seiner Einleitung unterstellt. Ein schönes Thema für einen Journalisten, der sich eher mit Menschen als Maschinen beschäftigt. Die Fragestellung, die das Buch durchzieht lautet: Was fängt man mit seinem restlichen Leben an, wenn man vom Mond zurückgekehrt ist - wenn man im wahrsten Sinne des Wortes schon so weit gekommen ist, wie man es nie wieder schaffen wird? Die Apollo-Astronauten kamen in einem Alter vom Mond zurück, in dem sowieso die Midlife-Crisis droht und sie hatten allen Grund zur Krise. Beim Lesen des Buches gewinnt man aber eher doch den Eindruck, dass die Astronauten ihre privaten Sturzflüge ganz gut abgefangen haben, wirklich zerschellt ist niemand. Lange bei der NASA geblieben sind allerdings auch nur wenige. Die große Ausnahme ist da der Apollo-16-Kommandant John Young. Er ging als dienstältester NASA-Astronaut 2004 in Ruhestand, nachdem er sogar noch zwei Space-Shuttle-Missionen flog. Die anderen Apollo-Astronauten versuchten recht schnell nach ihrer Rückkehr vom Mond ein zweites Leben aufzubauen. Finanziell hatte sich das Apollo-Abenteuer für die Astronauten nicht bezahlt gemacht, ihr Gehalt lag stets in etwa bei dem eines Hauptmanns (Captain) und so mussten sie auch weiter für ihr Einkommen sorgen. Vielleicht am kuriosesten ist der Fall von Alan Bean. Der Apollo-12-Astronaut flog noch vier Jahre später mit Skylab 3 ins All, kehrte dann aber der NASA den Rücken und lebt seit dem davon Bilder vom Mond zu malen - immer nur den Mond und die Apollo-Missionen, nichts anderes.

Auch wenn sich Andrew Smith sehr darum bemüht, seine Anfangsthese über die Bruchlandung der Mondrückkehrer erhärtet sich durch die Interviews kaum, was er sich letztlich auch eingesteht:
"Die Mondfahrer sind wegen der Dinge interessant, die wir in sie hineinprojiziert haben."
Stattdessen rücken in Andrew Smiths Reisebericht zu Apollo andere, überraschende Aspekte in den Vordergrund. Da wäre zum einen der Betrug an einer Generation, der man die Besiedelung des Mondes und darüber hinaus versprochen hat. Die Apollo-Astronauten sahen sich als Wegbereiter einer Entwicklung, die mit ihnen beginnt und nicht endet. So wie nach der Fahrt von Kolumbus in die neue Welt zahlreiche weitere Expeditionen aufbrachen, um die Grenze zum Unbekannten zu verschieben. Wer aus dieser Generation hätte gedacht, dass nach Eugene Cernan 1972 kein Mensch mehr den Erdorbit verlässt? Diese melancholische Grundstimmung der verlorenen Zukunft durchzieht das Buch.

Vielleicht kam Apollo, angeheizt durch den Kalten Krieg, einfach nur zu früh, um eine bleibende Infrastruktur auf dem Mond aufzubauen. Da das historische Ziel der ersten Mondlandung nun erreicht wurde, ist jede neue Mondmission eben nicht viel mehr als eine Rückkehr. Auch wenn heute bessere Technologien zur Verfügung stehen, fehlt der Reiz des ersten Mal. Das von John F. Kennedy ausgegebene Ziel war nie auf Nachhaltigkeit ausgelegt.

Wenn Andrew Smith Fragen dieser Art mit den Astronauten diskutiert, gewinnt sein Buch an Spannung und Gehalt. Seine Reise zur Apollo gerät dabei zu einer kuriosen Zeitreise, in der Zukunft und Vergangenheit verwischt werden. Denn, auch wenn das Apollo-Programm längst ein Fall für Historiker ist, verkörpert es immer noch die Zukunft. Denkt man an die Geschichte der Luftfahrt, kommen einen selten die Männer in ihren hüpfenden Kisten in den Sinn. Man denkt vielleicht an die Concorde oder an die Propellermaschinen aus dem Zweiten Weltkrieg. Bei der Geschichte der Raumfahrt rückt aber immer Apollo in den Mittelpunkt. Das Programm steht für den Anfang und den Höhepunkt zugleich. Seit vierzig Jahren wird das berühmte Bild von Buzz Aldrin auf dem Mond in die Kinderbücher gedruckt, wir haben unseren Kindern nichts Besseres zu erzählen.

Bei seinem Versuch zu beschreiben, wie die Apollo-Astronauten mit ihrer Monderfahrung umgegangen sind, kommt Andrew Smith gegen Ende des Buches dann doch noch zu einer witzigen Hypothese, die er dem Apollo-15-Kommandanten David Scott verdankt: Es ist die Theorie vom linken und rechten Sitz. Die Theorie verdankt ihren Namen der Tatsache, dass sich der Pilot, des Mondlandegeräts auf der rechten Seite befand und der Kommandant auf der linken. Dazu muss man wissen, dass der Pilot das Gerät eigentlich gar nicht fliegt, dies macht der Kommandant. Abgesehen davon gab es im Lander auch keine Sitze. Jedenfalls zitiert Andrew Smith den Apollo-15-Kommandanten mit den Worten:
"Nun, eins muss man feststellen: Es waren meist die Piloten der Mondlandefähre, die sich über die Tiefe ihrer Erfahrungen geäußert haben. Das ist ein Phänomen, das man aus militärischen Versuchen kennt; derjenige, der in einem zweisitzigen Flugzeug hinten sitzt, und der, der das Flugzeug wirklich steuert, machen ganz unterschiedliche Erfahrungen, weil sie sich auf unterschiedliche Dinge konzentrieren. Das ist das Befehlsphänomen. Die Sicht des Mannes, der aufpassen und alles im Griff haben muss, unterscheidet sich von der des anderen, der nur wegen des Flugs mitgekommen ist."
So erklärt David Scott, dass aus Mondlanderpiloten wie Alan Bean, Ed Mitchell, Charles Duke und Jim Irwin später spirituelle Menschen geworden sind, die Zeit ihres restlichen Lebens versuchen, mittels Malerei, Esoterik oder religiösem Glauben ihre Erfahrungen zu verarbeiten. Buzz Aldrin hingegen verfiel der Alkoholsucht und Depressionen, wovon er sich nur mühsam wieder erholte. Das Leben der Kommandanten hingegen ging nach dem Mondflug viel unspektakulärer weiter.
Andrew Smith weißt zu Recht darauf hin, dass möglicherweise umgekehrt für die Position des Kommandanten gerade Astronauten gewählt wurden, die besonders unsensibel reagieren und deren Vorstellungsvermögen sich in engen Grenzen hält - ausgerechnet der Kommandant der wichtigsten Mission, Neil Armstrong, galt selbst unter Raumfahrern als "Mister Obercool". Dave Scott verneint natürlich diese Interpretationsweise, denn wer will schon als unsensibel gelten.
Einzig der Mondlanderpilot Harrison Schmitt fällt aus der Rolle. Als einziger Wissenschaftsastronaut von Apollo war der Geologe einfach nur zum arbeiten gekommen.

Was dem Buch von Andrew Smith Volumen verleit und für europäische Leser schwer verständlich macht, ist sein ständiger Rückgriff auf die amerikanische Popkultur. Hier kennt sich der Autor sicherlich nicht nur besser aus als in den technischen Details der Raumfahrt, für ihn ist dieser Bezug von Apollo zu seiner Zeit auch sehr bedeutsam:
"Der Kalte Krieg mag ja vielleicht der Auslöser des Apollo-Programms gewesen sein, hervorgegangen ist es allerdings aus der amerikanischen Popkultur der damaligen Zeit. Mir kommt es letztlich wie Theater vor - das atemberaubenste Theater, das jemals gemacht wurde."
Einen Beleg für diese These bleibt der Autor allerdings schuldig, er wiederholt sie vielmehr gebetsmühlenartig. Neben dieser andauernden Zeitgeistanalyse trüben die vielen Schachtelsätze voller logischer Brüche oft den Lesegenuss. Dem Buch hätte ein sorgsameres Lektorat gut getan. Wenn dann noch Andrew Smith bei seiner Reise zu Apollo eine Kamera dabei gehabt hätte, wäre es bestimmt ein richtig gutes Buch geworden. Viele der Bücher, die nun zum Mondlandejubiläum erscheinen, beschreiben den technischen Ablauf des Apollo-Programms. Andrew Smiths menschlicher Blick auf die zurückgekehrten Mondfahrer ist da bei allen Schwächen eine originelle Bereicherung.

Neun Menschen wandeln also noch über die Erde, die den Erdtrabanten betreten haben. Die Frage, ob wir irgendwann wieder bei null angelangt sein werden, kann Andrew Smith allerdings auch nicht beantworten.


Bibliographische Angaben laut Science-Shop:

Andrew Smith
Moonwalker - Wie der Mond das Leben der Apollo-Astronauten veränderte
2009. 494 Seiten, gebunden
Fischer-Verlag, Frankfurt
ISBN: 9783100772022
Preis: € 22,95

Schwereloses Eheglück

Credit: ZERO-G/Steve Boxall

Noch ist Sonntag und daher passt auch noch diese Meldung: Noah Fulmor und Erin Finnegan aus New York gaben sich gestern das Ja-Wort und zwar in der Schwerelosigkeit! Dazu mieteten sie für 5.400$ pro Person eine Boeing 727 der Firma Zero Gravity, die kommerzielle Parabelflüge anbietet. Bei einem Parabelflug befindet sich das Flugzeug für circa dreißig Sekunden im freien Fall, wodurch der Eindruck der Schwerelosigkeit entsteht, wie ihn sonst nur Astronauten im Erdorbit genießen können. Dreißig Sekunden also für zwei Ja-Wörter. Das ist ziemlich wenig Zeit zum nachdenken, auch wenn die gesamte Zeit aller Parabelflüge zusammengenommen bei acht Minuten lag.

Dabei ist das Pärchen aus New York nicht einmal das Erste. Eine kuriose Hochzeit vollzog auch der Kosmonaut Juri Malentschenko. Er heiratete seine Jekaterina am 10. August 2003 während seines Fluges auf der Internationalen Raumstation ISS. Wie das geht? Man ziehe eine schwarze Fliege zu seinem Raumanzug an, lasse den Astronauten-Kollegen auf dem ISS-eigenen Keybord den Hochzeitsmarsch spielen und schalte per Video ins Johnson Space Center in Housten. Nach texanischem Recht muss das Brautpaar zur Hochzeit nämlich nicht vollständig anwesend sein - was für ein praktisches Gesetz für Raumfahrer!

Credit: AP Photo/Brett Coomer

Ob in der Schwerelosigkeit geschlossene Ehen länger halten als die bodenständigen, bleibt abzuwarten. Es würde mich jedenfalls wundern, wenn Noah Fulmor und Erin Finnegan für ihre Scheidung wieder extra die Schwerelosigkeit wählen würden.

Quelle: space.com

Mond, Mond, Mond!

Der gestrige Start der Atlas-V (Foto: NASA/Tom Farrar, Kevin O'Connell) war einen Tag verschoben werden, denn am Mittwoch sollte eigentlich der zweite Anlauf des Spaceshuttle-Liftoffs erfolgen. An Bord der Rakete: gleich zwei Mondsonden – der Lunar Reconnaissance Orbiter (LRO) und der Lunar Crater Observation and Sensing Satellite (Lcross).

Letzterer wird am 9. Oktober den Einschlag der Centaur-Oberstufe beobachten, durch die Wolke fliegen, die der Aufprall auf den Mondboden aufwirft und sie analysieren, bevor Lcross sich selbst wenige Minuten später ungebremst in den Grund bohrt.

LRO wird dagegen den Mond in einer Höhe von nur fünzig Kilometern bis mindestens Mitte nächsten Jahres umkreisen. Wie der Kommentator des Starts angibt, um (unter anderem) einen geeigneten Platz für eine dauerhafte Station zu suchen, die um 2020 errichtet werden soll (Hab ich da was verpasst? Hat Obama dafür schon grünes Licht gegeben? Zudem muss der Senat noch die Ernennung von Bolden und Garver als NASA-Chefs vornehmen).

Jedenfalls ist dies der erste US-amerikanische Start zu unserem Trabanten seit Lunar Prospector vor einem Jahrzehnt. Zu Gunsten des Mars war der Mond einfach irgendwie außer Mode gekommen zu sein. Aber er hält immer noch die eine oder andere Überraschung in petto. So gesehen beim Interstellar Boundary Explorer (Ibex). Diese NASA-Sonde beobachtet eigentlich die Vorgänge am Rand des Planetensystems, wo der Sonnenwind auf die interstellare Materie prallt. Die energiereichen Teilchen – überwiegend Protonen – schlagen jedoch auf dem Weg dorthin auch auf dem Mond ein, sammeln Elektronen ein und der entstehende Wasserstoff wurde jetzt von Ibex nachgewiesen (Abb.: SwRI).

Es scheint noch viele offene Fragen beim Mond zu geben, die wohl auch in "Der Mond" von den DLR-Experten Jaumann und Köhler angesprochen werden. Leider hab ich das Buch – ein echtes Pfund! – noch nicht gelesen, werde es aber demnächst rezensieren. Wer nicht so lange warten möchte, kann mal bei Komologger Stefan Oldenburg rein schauen (Abb.: Fackelträger-Verlag).


Nachtrag: Einen Punkt habe ich glatt vergessen, will ihn jedoch noch nachreichen. Forscher des Rensselaer Polytechnic Institute haben eine Methode entwickelt, wie sich eine Mondfinsternis täuschend echt am Computer nachstellen lässt. Im Zeitalter von Plantariumsprogrammen hört sich das nach nichts besonderem an, ist es aber. Die genaue Färbung und Verdunkelung hängt nämlich empfindlich von den Schwebstoffen in der Atmosphäre ab. "a)" ist eine Fotografie der Mondfinsternis vom 21.2.2008, "b)" ist eine Simulation ohne atmosphärischen Staub, "c" mit leichten Aerosolen und "d" mit reichlich Staub (Credit: Rensselaer/Yapo).

Noch ein Nachtrag: eines der letzten Fotos von Kaguya vor ihrem Einschlag vor zwei Wochen.

Skin deep

Was Sonnenflecken angeht, ist gerade Saure-Gurken-Zeit. Jeder noch so kleine Fleck wird schon fast frenetisch gefeiert. Warum das Minimum so lange gedauert hat, haben amerikanische Astronomen jetzt herausgefunden: Es liegt an Jet Streams, gerade mal 7000 Kilometer unter der Sonnenoberfläche.

Rempel et al., 2009Diese bilden sich in Polnähe und wandern langsam zum Äquator. Erreichen sie 22 Grad Breite, lösen sie die Entstehung von Sonnenflecken aus. Im derzeitigen Fall war jedoch die Driftgeschwindigkeit langsamer als sonst und dementsprechend dauert das Minimum nun fast schon drei Jahre. Die Details bleiben aber noch im Dunkeln.

Daran kann wahrscheinlich auch die Arbeit von Matthias Rempel und seinen Kollegen am High Altitude Observatory und dem MPI für Sonnensystemforschung nichts ändern. Sie haben zwar die besten und wahrhaft Aufsehen erregenden Computersimulationen von Sonnenflecken erstellt, diese gehen jedoch nur bis in eine Tiefe von 6100 Kilometern (Abb.; Panel "B", vertikal zweifach überhöht. Feldstärke im Innern des Flecks zirka 0,6 Tesla; Helligkeit etwa 20% des Durchschnitts, Panel "A").

Um die Detailtreue zu steigern, würden die Forscher gerne ihre Programme mit kleineren und einer höheren Anzahl von Zellen zu rechnen, doch damit wäre ihr Bluebird-Cluster überfordert – trotz der Peak-Leistung von 76 Teraflops (auf der Novemberliste reicht das für etwa Platz 50 der Supercomputer Top-500).

Spatenstich zum ersten echten Weltraumbahnhof

Spaceport America designed by URS/Foster + partners. Conceptual image courtesy Vyonyx Ltd.

Am 19. Juni beginnt der Bau des ersten echten Weltraumbahnhofs, der Spaceport America in New Mexico. Unter einem Weltraumbahnhof versteht man normalerweise einen Raketenstartplatz einer der großen Weltraumagenturen, doch ist der Name Bahnhof irreführend, weil der Fahrkartenschalter fehlt. Ganz anders beim Spaceport America: Hier können sich Weltraumtouristen zum suborbitalen Flug mit dem SpaceShip 2 der Firma Virgin Galactic einfinden. Dafür gibt es schon über 250 Interessenten. Nächsten Sommer soll der Weltraumbahnhof fertiggestellt sein und Virgin Galactic plant für Dezember 2010 die Flüge aufzunehmen. Blöd nur, dass es noch keinen Zielbahnhof gibt. Der Kurztripp ins All endet da, wo er begonnen hat.

Ob es sich bei diesen Ausflügen in die Hochatmosphäre nur um eine kuriose Jahrmarktsattraktion reicher Leute handelt oder doch mehr dahinter steckt, wird die Zukunft zeigen. Tatsache ist, dass Menschen einen Teil ihres Vermögens einbringen, um überhaupt erstmal eine private Weltraumindustrie zu ermöglichen, also eine Infrastruktur, mit Arbeitsbedingungen für talentierte Leute. Wenn sich das Geschäft erstmal trägt, hat die private Raumfahrt eine ganz andere Basis, als die staatliche. Ich denke es ist an der Zeit, die Raumfahrt zu privatisieren, um neben den staatlichen Agenturen einen zweiten Zugang zu haben, auch wenn die Ticketpreise sicherlich erstmal astronomisch sind.

Linktipp: Spaceport America

Auf der Spur der Magnetare

Magnetare gehören zu den geheimnisvollsten und seltensten Objekten, die unser Universum zu bieten hat, man kennt derzeit gerade mal 15 Stück davon. Magnetare sind Neutronensterne, soviel weiß man. Als ob Neutronensterne ansich nicht schon kompliziert genug wären - schließlich hat man es hier mit Materie zu tun, die so stark komprimiert wurde, daß sich die Atome auflösen und die negativ geladenen Elektronen aus der Hülle in den Kern gepreßt werden, so daß sie mit den positiv geladenen Protonen zu Neutronen verschmelzen: Eineinhalb bis drei Sonnenmassen werden bei ihrer Entstehung am Ende des Lebens von Sternen mittlerer Masse auf einen Durchmesser von etwa 20 bis 30 km zusammengepreßt. Die Eigenschaften der Neutronenstern-Materie sind dementsprechend derart extrem, daß wir sie uns kaum vorstellen können. Auch ihre Untersuchung wird schwierig, weil wir sie auch in den größten Teilchenbeschleunigern nicht nachbilden können. Sogar theoretische Modellrechnungen erreichen irgendwann ihre Grenzen. Viele Details rund um Neutronensterne, ihren inneren Aufbau und ihre Entstehung sind deshalb noch immer unverstanden.

Magnetare sind nun Neutronensterne mit einem extrem starken Magnetfeld, etwa 10 Milliarden mal stärker als das Erdmagnetfeld und damit etwa 1000 mal so stark wie das Magnetfeld eines normalen Neutronensterns. Das Magnetfeld eines Neutronensterns ist ein Überbleibsel aus seinem früheren Sternleben: Bei der Entstehung des Neutronensterns wird das ursprünglich viel schwächere Magnetfeld des Sterns sozusagen mitkomprimiert und dadurch verstärkt. Für die Magnetare gibt es nun zwei mögliche Entstehungsszenarien: Entweder könnte durch extrem schnelle Rotation des Neutronensterns eine Art Dynamo in Gang gesetzt werden, die das Magnetfeld weiter verstärkt, oder die Magnetare entstehen direkt als Überreste der seltenen Ap- und Bp-Sterne, die schon während ihres Sternlebens ein vergleichsweise starkes Magnetfeld haben.

Magnetare machen durch kurze starke Röntgen- und Gammastrahlenausbrüche auf sich aufmerksam, bei denen sich das Magnetfeld der Magnetare neu anordnet. Dem ersten großen Burst folgt dann eine Serie unregelmäßiger und schwächerer kleinerer Ausbrüche. Solche Röntgen- und Gammaquellen nennt man Soft Gamma Repeater, kurz SGRs.

Artist's Impression eines Magnetars mit XMM-Newton Lichtkurve mit schwächeren Ausbrüchen von SGR0501+4516. Image Credits: Magnetar Illustration: NASA, SGR0501+4516 burst data (below): ESA/XMM-Newton (Rea et al. 2009)

Am 22. August letzten Jahres hat ein bis dahin unbekannter Magnetar mit seinem Anfangs-Ausbruch den Gamma Ray Burst Detektor des Swift-Satelliten aktiviert. Wenige Stunden später hatte man schon den Röntgensatelliten XMM-Newton auf den neuen Soft Gamma Repeater SGR 0501+4516 angesetzt, der dann im Laufe der folgenden vier Monate zusammen mit dem Gamma Ray Satelliten Integral den langsamen Abfall der Aktivität des Magnetars überwachte.

SGR 0501+4516 ist etwa 15000 Lichtjahre entfernt und mit seiner Entdeckung zu einem der wichtigsten Helfer geworden, die Natur der Soft Gamma Repeater und Magnetare unter die Lupe zu nehmen. Die Neutronensternforscher warten nun auf den nächsten großen Knall.

Drake-Gleichung schrumpft

Natürlich schrumpft nicht die Gleichung, mit der Astronomen die Anzahl der Zivilisationen in der Milchstraße berechnen, sondern ihr Ergebnis. Denn mit der Arbeit amerikanischer Astrobiologen reduziert sich der Bereich der "Habitablen Zone", also jener Spanne um einen Stern, in dem ein Planet laufen muss, damit er Leben hervor bringen kann.

Traditionell wird bei der Berechnung der HZ die Strahlung berücksichtigt, die den Planeten erreicht. Er muss dadurch eine Temperatur erreichen, bei der Wasser auf seiner Oberfläche möglichst durchgehend flüssig ist.

Barnes et al. mahnen jedoch, dass auch Plattentektonik für die Ausbildung einer Atmosphäre notwendig ist. Dafür muss ein Planet hinreichend eng um sein Zentralgestirn laufen. Kommt er jedoch zu nah, bewirken die Gezeitenkräfte einen zu vehementen Vulkanismus. Beispiel Io: steht Jupiter zu nahe und alle Million Jahre wird sein Innerstes nach außen gekehrt. Auf der Oberfläche bleibt nie genug Zeit für die Entstehung von Leben. (Abb. 1: Nur in der Schnittmenge (grün) der bisherigen HZ (blau) und des zusätzlichen Gezeiten-Kriteriums (gelb) kann es Leben geben. © Barnes et al. 2009)

Damit ist der Zug für Gliese 581-d (Abb. 2: künstl. Darst., © ESO) endgültig abgefahren: Die Gezeiten mit berücksichtigt liegt er zu weit ab vom Schuss, als dass es auf ihm heimelig sein dürfte. Na ja, es sollten noch genug Planeten für jeden übrig bleiben ...!

Meldung zum Thema: Zahl der bewohnbaren Planeten eingeschränkt (spektrumdirekt)

Die Frauen des Merkur

Ah, die Mercury 7, Amerikas erste Raumfahrer! Was für großartige Männer: Kampfpiloten, Tespiloten, Draufgänger ohne Furcht und Tadel. Männer, die einer Generation angehörten, die ihre Vorbilder in ihren mutigen Vätern hatten. Väter, die Europa von Hitler befreiten und den Pazifik für Amerika offen hielt. Die sechziger Jahre mit ihrer Freizügigkeit und Bürgerrechten, ihrem Ausloten neuer Rollen- und Lebensmodelle ging an diesen Männern vorbei. Für sie war die Rollenverteilung klar: Die Männer machen das Fliegen, die Frauen kochen den Pudding.

In der sowjetischen Propaganda war die Gleichberechtigung der Geschlechter Staatsziel und so startete mit Walentina Tereschkowa schon im Jahre 1963 die erste Bürgerin der Sowjetunion ins All. Das es sich hierbei um reine Propaganda handelte zeigt sich daran, dass nach diesem ersten Mal die russischen Weltraum-Chauvinisten nicht mehr allzuviel von Kosmonautinnen wissen wollten. Erst 1982 durfte mit Svetlana Sawizkaja mal wieder eine Frau ran. Wie so oft in der russischen Raumfahrtgeschichte ging es nur darum erster zu sein.

Im spießigen Amerika dauerte es dagegen bis zum Jahre 1983. Sally Ride flog zwanzig Jahre nach Walentina Tereschkowa als erste Amerikanerin überhaupt ins All. Dabei mangelte es den Amerikanern gar nicht an Astronautinnen. Neben den heldenhaften, glorreichen Mercury 7 gab es nämlich noch die Mercury 13, angeführt von der Pilotin Jerrie Cobb. Sie hatte sich in der legendären Lovelace-Klinik in Albuquerque, New Mexico, denselben Tests unterzogen, wie die Männer der Mercury 7. Dabei beeindruckten ihre guten Testresultate so sehr, dass man sie bat, nach weiteren Kandidatinnen zu suchen. Am Ende bestanden zwölf Pilotinnen das strenge Auswahlverfahren von Lovelace. Der Skandal dabei: In den Weltraum geflogen ist keine einzige von ihnen!

In seinem Buch Carrying the Fire zeigt sich der Apollo-11-Astronaut Michael Collins erleichtert, dass die Frauen nicht fliegen durften. Seine Begründung ist die mangelnde Privatsphäre. In dieselbe Richtung argumentiert auch der Apollo-Astronaut Charles Duke. In seinem Buch Moonwalker schreibt Andrew Smith dazu:
"Doch als ich Duke dazu befrage, sagt er mir das Gleiche [wie Michael Collins] - dass der Mangel an Privatsphäre der Grund dafür war, warum es in den Besatzungen keine Frauen gab -, und ich gebe mir die größte Mühe, mich daran zu erinnern, dass dieses Leute die sechziger Jahre nicht mitgemacht haben."
Das Argument ist schon allein deshalb blödsinnig, weil man ja reine Frauencrews hätte zusammenstellen können, zumal beim Mercury- oder Gemini-Programm eh nur ein, bzw. zwei Astronauten in der Kapsel waren. Die ersten Raumfahrer Amerikas entstammen einer verklemmten Generation, die sich schämte, in ihrer Apollo-Kapsel in Gegenwart einer Frau die Astronautenunterwäsche zu wechseln und die NASA wollte mit ihren Musterknaben sicherlich eine konservative Art des American Way of Life vorführen. Ich denke das Privatsphärenargument ist letztlich nur vorgeschoben, um den eigenen Chauvinismus zu verbergen. Frauen gehören für die vorsechziger Generation nunmal an den Herd. Außerdem: Ziel des Gemini-Programms war es, möglichst schnell die Grundlagen für das Apollo-Programm zu legen, um das von J.F. Kennedy gesteckte Ziel der Mondlandung zu erfüllen. Nebenbei noch zu testen, ob Frauen überhaupt weltraumtauglich sind, wäre ein hierfür nicht zielführendes weiteres Projekt gewesen - so stelle ich mir die Argumentationsweise hinter den verschlossenen Türen vor.

Und heute? Die momentane Expedition-20-Crew auf der ISS ist eine reine Männergesellschaft, was sich mit dem Flug STS-127 allerdings wieder ändern wird. Die ESA-Staaten haben bisher drei Astronautinnen hervorgebracht, die jüngste ist Samantha Cristoforetti.

Linktipp: The Jerrie Cobb Foundation

"Nicht so groß wie mein Ego!"

Ein toller Film über die Größenverhältnisse von Planeten, Sternen, und dem ganzen Rest.

(Die Überschrift dieses Posts ist übrigens ein Kommentar zu diesem Embed auf Phil Plaits Bad Astronomy Blog)


'It really is dark out here'

Gestern habe ich von dem Apollo-Astronauten und Mondmaler Alan Bean berichtet. Nach seinem Flug zum Mond flog Alan Bean als Kommandant zur Weltraumstation Skylab. Im Rahmen dieser Skylab-3-Mission vollführte er am 22. September 1973 einen Außenbordeinsatz, im Englischen gerne als space walk bezeichnet. Das Produzentenduo Lemon Jelly hat aus seinem Funkverkehr mit Houston während seines space walk ein schönes Musikstück gemacht. Ein feines Stück Easy Listening aus dem All, das irgendwie so richtig zu einem stress-, weil bundesligafreien Sommersonnensamstag passen will. Ich wollte es einfach niemanden vorenthalten, also bitte:



Die Crew von Skylab 3, v.l.n.r. Alan Bean, Jack Lousma, Owen Garriott, Credit: NASA

Sisyphos unheimliche Begegnung mit dem Mond

Gestern habe ich in dem Beitrag Mondkunst und alberne NASA den Lunar Art Contest erwähnt, heute geht es um den Meister aller Mondmaler, den Astronauten Alan Bean. Er hat den großen Vorteil, wirklich auf dem Mond gewesen zu sein. Eingesetzt als Lunar Lander Pilot von Apollo 12 betrat er am 19. November 1969 nach seinem genialen Kommandanten Charles "Pete" Conrad als vierter Mensch den Mond. Danach war er noch eine Weile für die NASA tätig, flog zum Beispiel auf die amerikanische Weltraumstation Skylab, doch schied auch er noch vor der Rente aus der NASA aus, um sich ganz seiner Leidenschaft zu widmen, nämlich der Malerei.

Während des Aufenthalts von Apollo 12 wurde die Kamera beschädigt, so dass es kaum Aufnahmen von dieser Apollo-Mission gibt und man meinen könnte, Alan Bean versucht mit seiner Malerei eine Art Wiedergutmachung. Tatsächlich dient ihm seine künstlerische Tätigkeit dazu, diesen großartigsten Tag in seinem Leben immer wieder neu nachzuspüren. Die Zeit auf dem Mond war mit zu viel Aufregung und Tätigkeit gefüllt, kein Moment, in dem der Astronaut reflektierend innehalten konnte, um die außergewöhnlichen Situation auf sich wirken zu lassen. Alles ging zu schnell und seine Bilder fangen die verlorene Zeit nun wieder ein. So zumindest ist der Tenor der Beschreibung Alan Beans in dem Buch Moonwalker - Wie der Mond das Leben der Apollo-Astronauten veränderte von Andrew Smith. In den eigenen Worten Alan Beans klingt das so:
Our time on the Moon ended much too quickly and, in the years since then, I have created paintings to try to capture the feeling of our Apollo 12 mission, as well as all the other the Apollo missions, too. It's my hope that these paintings will help other people share in the great adventure.
Die Bilder Alan Beans kann man sich auf seiner sehenswerten Internetseite anschauen: The Alan Bean Gallery.
Dabei portraitiert Alan Bean nicht nur die eigenen Mission, wie dieses Bild mit dem Titel First Men - Buzz Aldrin zeigt.


Dieses Bild zeigt auch die Experimentierfreude Alan Beans, denn so wie Buzz Aldrin unter anderem für sein Foto von seinem Stiefelabdruck im Mondstaub berühmt wurde, hat Alan Bean dem Bild eine Textur verliehen, indem er einen Mondstiefel draufgedrückt hat. Apropos Mondstaub: Gerne hätte Alan Bean für seine Bilder Mondstaub verwendet, doch gab die NASA hierfür kein Mondmaterial frei. Alan Bean bemerkte aber, dass seiner eigenen Mondausrüstung noch genügend Mondstaub anhaftete und er so tatsächlich Bilder mit aufgebrachtem Mondstaub produzieren konnte. Ähnlich hat er auch nach und nach Teile seiner Ausrüstung, wie zum Beispiel das Missions-Emblem in die Bilder eingearbeitet.

Ein Astronaut kommt vom Mond und malt den Rest seines Lebens Mondbilder. Man fühlt sich spontan an zwei andere Personen erinnert. Da ist zum einen die von Richard Dreyfuss gespielte Figur aus Steven Spielbergs Film Unheimliche Begegnung der dritten Art (die im englischen Original nicht unheimlich, sondern "close" ist). Nach seiner Begegnung mit einem UFO, was ein 'Close Encounter of the First Kind' ist, wird der arme Kerl von Visionen geplagt. Tief in seinem Gehirn steckt eine Erinnerung, ein Bild, das sich bewusst werden will. Er steigert sich in einen Wahn, dieses Bild in seinem Kopf nachzubauen, um es von außen betrachten zu können, wobei übrigens der Berg Devil's Tower herauskommt. Hier zur Erinnerung ein hübsches altes Making-of dieses merkwürdigen und sehenswerten Films:

Ja, Alan Bean hatte eine unheimlich nahe Begegnung mit dem Mond. Wie Richard Dreyfuss im Film ist er getrieben, dem besonderen Eindruck nachzujagen, ihm Gestalt zu verleihen, denn in dem entscheidenden Moment ging alles zu schnell, war man einfach nicht vorbereitet. Doch Alan Bean jagt kein Phantom, kein UFO, sondern einem besonderen Moment. Er erinnert sich an etwas, dessen Realität außer Frage steht.

Eine andere Gestalt, an die Alan Bean denken lässt, ist der unglückliche Sisyphos, der jeden Tag seinen Stein den Berg hochrollt, nur um ihn morgens wieder unten im Tal vorzufinden. So malt Bean Tag für Tag Bilder vom Mond und kommt doch nicht mehr zu ihm zurück. Doch Albert Camus lehrt, dass man sich Sisyphos als glücklichen Menschen vorstellen muss, der das Absurde der Existenz ohne Ausflüchte aushält. Auch Alan Bean weiß, dass der 19. November 1969 der Höhepunkt seines Lebens ist und alles was danach kommt nicht annähernd so bedeutungsvoll sein kann. Die Banalität seines weiteren Lebens erträgt er anders als Edwin Aldrin ohne Alkoholsucht und anders als Ed Mitchell ohne metaphysische Spekulation. Und er ist glücklich, denn so schreibt Andrew Smith in Moonwalker:

Fasziniert von Alan Bean und seinem Charisma verlasse ich das Museum. Mir wird klar, dass ich nur wenige Menschen kenne, die man als glücklich bezeichnen könnte, und wie viel Zeit ich selbst schon unnötigerweise damit zugbracht habe, alles andere als glücklich zu sein.

Albert Camus hätte bestimmt gefallen an Alan Bean gefunden.

Mondkunst und alberne NASA

Gibt es eine andere wissenschaftliche Einrichtung, die so viel Öffentlichkeitsarbeit betreibt wie die National Aeronautics and Space Administration der USA? Natürlich nicht, denn die Vereinigten(!) Staaten haben mit der NASA eine Weltraumbehörde ins Leben gerufen, die Weltraum-Wissenschaft und Exploration bündelt, während die uneinigen Staaten von Europa ihr geringes Pulver in zig nationalen Weltraumagenturen verschießen. Die NASA gibt den wissbegierigen Internetnutzern aber auch viel zurück, denn auf der Seite nasa.gov kann jeder selbst auf Entdeckungsreise gehen. Hier liegt die Wissenschaft und das Abenteuer Raumfahrt offen für jeden bereit und das in verschiedenster Tiefe, allerdings natürlich auch immer sehr unkritisch.

Zuweilen aber wird die NASA, vor lauter Zwang immer neue Videos und Flash-Animationen zu präsentieren, auch mal albern. Das jüngste Beispiel: Space Your Face. Hier kann man ein Portrait von sich unter den Astronautenhelm kleben und einen albernen Tanz auf Mond oder Mars aufführen - für mich ein echter Flopnik.

Wie sich junge Schüler und Studenten die Zukunft der Mondforschung vorstellen, ist da schon interessanter, denn schließlich beginnt alles mit der Imagination. Der jährliche NASA Lunar Art Contest fand nun zum zweiten mal statt. Dabei wurden aus 147 Einsendungen Gewinner in verschiedenen Kategorien gewählt. Das Ergebnis findet sich auf der Seite: NASA Art Contest. Mir persönlich gefällt dieses Bild am besten:

Es heißt Crater Core Sample und stammt von Zachary Madere, Rocky Mountain College of Art and Design, Lakewood, USA. Es zeigt zwei Astronauten bei der Entnahme eines Bohrkerns aus einem tiefen Mondkrater. Sieht aus, als hätten sie Eis gefunden.

Nicht uninteressant unter den diesjährigen Gewinnern finde ich diese Studie einer lunaren Forschungsstation. Sie stammt von Elyse Bromser-Kloeden, Savannah College of Art and Design, Savannah, USA.



Man sieht daran jedenfalls, dass zuweilen das Publikum der NASA ernsthafter ist, als die Behörde selbst.

Beteigeuze schrumpft

Beteigeuze, der orangene Schulterstern im Sternbild Orion, ist abgesehen von der Sonne der erste Stern überhaupt, bei dem man Einzelheiten auf der Oberfläche direkt abbilden konnte. 1995 gelang es mit Faint Object Camera an Bord des Hubble Space Telescopes das Sternscheibchen im Ultravioletten aufzulösen und einen hellen Fleck auf dem Stern zu identifizieren. Man glaubt, daß der Fleck einen der Pole des Sterns zeigt. Durch seine Rotation wird der Stern nämlich abgeflacht und dadurch an den Polen heißer als am Äquator.

Hubble-Aufnahme von Beteigeuze. Image Credit: Andrea Dupree (Harvard-Smithsonian CfA), Ronald Gilliland (STScI), NASA and ESA

Ein solches Abbild ermöglicht es natürlich, die Größe von Beteigeuze direkt zu messen. Dasselbe funktioniert auch mithilfe von Interferometrie. Beteigeuze war als Roter Riesenstern eines der ersten Zielobjekte interferometrischer Beobachtungen, und schon in den 20er Jahren konnte aus Messungen vom Mount Wilson-Observatorium das erste Mal sein Durchmesser bestimmt werden.

Seitdem wird der Stern regelmäßig interferometrisch beobachtet. Jetzt hat sich herausgestellt: Im Laufe der Jahrzehnte ist Beteigeuze eindeutig kleiner geworden. Im Laufe von 15 Jahren ist seine Größe um gut 15% gesunken. Die jeweiligen Winkeldurchmesser sind zwar winzig klein, 56 bzw. 47 Millibogensekunden, das entspricht aber wahren Durchmessern von 1.64 und 1.38 Milliarden Kilometern. Was genau das Schrumpfen des Sterns verursacht, ist unklar.
Insgesamt kommt Beteigeuze auf knapp den 600fachen Durchmesser der Sonne und würde sich in unserem Sonnensystem bis etwa auf die Umlaufbahn des Jupiters ausdehnen.

Als Roter Riese nähert sich Beteigeuze langsam aber sicher dem Ende seines Lebens. Wann genau das sein wird, kann man nur schwer vorausberechnen, aber vermutlich wird er irgendwann innerhalb der nächsten 100000 Jahre als Supernova explodieren. Weil Beteigeuze sich in einer Entfernung von nur 600 Lichtjahren befindet, würde er als Supernova so etwa so hell wie die Halbmond, vielleicht sogar hell wie der Vollmond werden. Damit wäre er auch am Tageshimmel ein imposantes Leuchtfeuer.

Lunarer Kamikaze

Nach mehr als zweieinhalb Jahren Dauer nimmt die Mission der japanischen Mondsonde Kaguya (alias SELENE) heute Abend ein Ende. Mit Feuerwerk. Denn der etwa 2 x 2 x 4 Meter große und 1700 Kilogramm schwere Orbiter wird nach dem Aufbrauchen seines Treibstoffs gezielt zum Absturz gebracht.

Sein Einschlag soll – wie schon beim europäischen SMART-1 – mit Teleskopen verfolgt werden und so Informationen über die Mondoberfläche verraten. Die Beobachtungsbedingungen sind aber lediglich in Ostasien ideal.

Kaguya hatte fantastische Aufnahmen aus der Mondumlaufbahn zur Erde gesendet, es waren die ersten Videos in HDTV, die nicht von dieser Welt waren. Weitere Infos gibt's von Michael Khan bei den Kosmologs.

Ein etwas anderer Supernovaüberrest

Eines der beliebtesten Beobachtungsobjekte der Sommersaison ist der Cirrusnebel im Sternbild Schwan. Dabei handelt es sich um einen Supernovaüberrest, der sich über mehrere Grad am Himmel ausdehnt. Nimmt man die verschiedenen Filamente des Nebels zusammen, erhält man eine einigermaßen runde Struktur, so wie man es von der Explosionswolke einer Supernova erwartet, die sich kugelförmig ausdehnt.

Es gibt aber auch andere Supernovaüberreste, die nicht so gleichmäßig rund erscheinen. Mit dem Chandra-Röntgenteleskop hat man sich jetzt mal einen Kandidaten in der Kleinen Magellanschen Wolke vorgenommen. Im Infraroten zeigt der etwa 190000 Lichtjahre entfernte Supernovaüberrest SNR 0104-72.3 eine bipolare Struktur mit schwach zwei leuchtenden Keulen. Die Röntgenstrahlung füllt den Bereich senkrecht zu den Keulen und bildet zusätzlich mehrere armartige Strukturen aus. Damit ist dieser Supernovaüberrest alles andere als kugelsymmetrisch.

Oben: Infrarotaufnahme des Supernovaüberrests SNR 0104-72.3 mit dem Spitzer Space Telescope. Unten: Röntgenaufnahme mit dem Chandra-Satelliten. Image Credit: X-ray (NASA/CXC/Penn State/S.Park & J.Lee); IR (NASA/JPL-Caltech))

Man vermutet nun, daß SNR 0104-72.3 keine normale Supernova ist, bei der ein massereicher Stern am Ende seines Lebens explodiert ist, seine äußere Hülle abgeworfen hat und zu einem Neutronenstern oder Schwarzen Loch geworden ist, sondern daß es sich um eine Supernova vom Spezialtyp Ia gehandelt hat. Solche Supernovae passieren in Doppelsternsystemen, in denen sich einer der beiden Sterne bereits zum Weißen Zwerg entwickelt hat. Wenn dieser Weiße Zwerg nun von dem anderen Stern Materie absaugt und dabei immer mehr an Masse gewinnt, überschreitet er irgendwann die Grenzmasse, bei der er zu einem Neutronenstern zusammenfällt. Dieser Supernovatyp wird in der Kosmologie verwendet, um Entfernungen von Galaxien zu ermitteln, weil der Zahlenwert der Grenzmasse, die Chandrasekhar-Masse, sehr genau bekannt ist, so daß solche Supernovaexplosionen immer gleich stark und damit insgesamt gleich hell sind.

Kombinierte Röntgen- und IR-Aufnahme von SNR 0104-72.3 und seiner Umgebung. Image Credit: X-ray (NASA/CXC/Penn State/S.Park & J.Lee); IR (NASA/JPL-Caltech))

Die Schluchten füllen sich


Diese Aufnahme zeigt einer der größten Talsperren der Welt, den Drei-Schluchten-Damm in China. Die Staumauer staut seit 2006 den Jangtsekiang in China auf 600 Kilometern Länge. Das gewaltige Reservoir betreibt das größte Wasserkraftwerk der Welt, dient als Frischwasserquelle und reguliert den Fluss. Allerdings hat der Staudamm, der die drei Schluchten Qutang, Wuxia und Xiling betrifft, auch erhebliche Auswirkungen auf die Bevölkerung: 1,2 Million Menschen mussten umgesiedelt werden, 13 Städte und über 1300 Dörfer aufgegeben werden. Die Überflutung zerstört archäologische Fundstätten und spült giftige Mülldeponien frei.

Das Bild oben entstand am 15. April 2009 und wurde von der Besatzung der Internationalen Raumstation, ISS, gemacht. Die Seite The Gateway to Astronaut Photography of Earth zeigt Bilder, die Astronauten am Bord der ISS mit ihren handelsüblichen Kameras von der Erde schießen. Es sind sozusagen ihre Schnappschüsse für uns unten gebliebenen.

Die Sonne von oben

Es gibt zwar schon zahllose Medienberichte zum Start von SUNRISE, ich wollte aber nicht versäumen, das Video an dieser Stelle zu verlinken.

Ich selbst schrieb schon letzte Woche einen Artikel, Solare Astronomie: Der Sonne entgegen, der einen kleinen Überblick über die derzeitigen Aktivitäten der Sonnenforscher gibt.

Für diejenigen, die ein Abo haben, sei noch mal an das Oktoberheft 2007 von Astronomie heute erinnert, bei dem die Sonne Schwerpunktthema war (einen Artikel gibt's auch ohne Abo kostenlos als Leseprobe).

Jetzt aber zum Start:



Endlich: Ein Sonnenfleck

Die letzten Monate und Jahre waren für Weißlicht-Sonnenbeobachter eine eher traurige Angelegenheit. Es gab nicht viel zu sehen. Die Sonne zeigte sich oft über Tage und Wochen hinweg makellos. Und wenn dann mal ein Fleck auftauchte, blieb er meist winzig klein. Erfahrene Beobachter können dann zwar nach wie vor die Granulation sehen, aber besonders für Einsteiger in die Sonnenbeobachtung und bei Vorführungen vor Publikum gibt die nackte Sonne nicht viel hier.

Zwar wußte man ja anhand des bekannten 11jährigen Fleckenzyklus, daß das Fleckenminimum anstünde, aber eben dieses Minimum wurde dann doch unerwartet ausgeprägt. Immer wieder mußten Prognosen den Beginn des neuen Zyklus nach hinten hinausschieben, und die Experten begannen zu rätseln, ob wir dabei sind, in ein neues Maunder-Minimum zu schlittern, eine Periode die sich über mehrere Jahrzehnte hinweg erstrecken könnte, in denen keine oder nur wenige Flecken auf der Sonne erscheinen. Eine solche Phase hat die Sonne in der Zeit zwischen etwa 1645 und 1715 durchgemacht, in Europa assoziiert man diese Zeitperiode auch mit der sogenannten Kleinen Eiszeit, einer auffälligen Kälteperiode. Klimaforscher fangen in diesem Zusammenhang an, sich zu fragen wie es denn nun mit Zusammenhängen zwischen Sonnenaktivität und Erdklima steht. Bis heute ist nicht entgültig geklärt, ob Maunder-Minimum und Kleine Eiszeit miteinander in Zusammenhang stehen.

Derzeit ist es jedenfalls soweit, daß die Sonnenbeobachter jeden einzelnen Fleck, der auf der Sonne auftaucht, freudig begrüßen, so auch dieses Exemplar hier, das vor etwas über einer Woche erschien und sich zu einer prächtigen Fleckengruppe entwickelte.

Ausschnitt aus dem SOHO MDI-Bild der Sonne vom 1. Juni. Der größte Sonnenfleck seit langem zeigt sich. Image Credit: SOHO (ESA und NASA)

Wer übrigens trotz Sonnenfleckenmangel Spaß an der Sonnenbeobachtung haben möchte, der greift derweil zu Teleskopen, die die Beobachtung im H alpha Licht erlauben. Protuberanzen, dunkle Filamente und aktive Regionen würden sich zwar zum Aktivitätsmaximum noch viel stärker zeigen, sind aber auch derzeit immernoch häufig zu beobachten.

SOHO EIT-Aufnahme der Sonne vom 1. Juni im Licht des einfach ionisierten Heliums. Ein ähnliches Bild bekäme man in einem H alpha Teleskop zu sehen. Image Credit: SOHO (ESA und NASA)

Im Röntgenlicht zeigt die kleine aktive Region, die den Fleck umgibt, wie sie aufgebaut ist: Das ionisierte Pllasma verteilt sich entlang der Magnetfeldlinien, die aus der Sonnenoberfläche herausragen. Image Credit: SOHO (ESA und NASA)

Von unserem hübschen Sonnenfleck mußten wir übrigens schon wieder Abschied nehmen: Die Fleckengruppe hat sich innerhalb einiger Tage aufgelöst und die letzten Reste rotieren gerade aus unserem Bildfeld...

Zweiter sein

Das Bild des Jahrhunderts: Edwin Aldrin auf dem Mond, fotografiert von seinem Apollo-11-Kommandanten Neil Armstrong, der sich als weißer Fleck im Visier spiegelt. Credit: NASA

Man kennt das von der Olympiade: Drei Leute stehen auf dem Treppchen, aber nicht alle erleben den Glücksmoment mit derselben Intensität. Richtig happy ist natürlich der Gewinner der Goldmedaille. Nun könnte man meinen, dass der zweite Sieger glücklicher ist als der dritte, dem ist aber meist nicht so. Der Gewinner der Bronzemedaille ist oft überschwenglich glücklich, weil er es überhaupt noch auf das Treppchen geschafft hat. Der Sportler vor ihm hat dagegen oft gemischte Gefühle, denn viel hat ihm ja nicht zur Goldmedaille gefehlt, also was ist seine Silbermedaille wert?

So ähnlich erging es wohl auch Edwin "Buzz" Aldrin. Er war als Mitglied der Apollo-11-Mission nicht der erste, sonden der zweite Mann auf dem Mond. Dieses "second man on the moon" haftet ihm so sehr an, dass diese Eigenschaft sogar bei seinem Auftritt in der Fernsehserie The Simpsons extra betont wird: "But you know, second comes right after first", betont er dort als gelbe Comicfigur - ein running gag der Raumfahrtgeschichte. Sein Apollo-11-Kollege Michael Collins bemerkt über Edwin Aldrin in seinem Buch Carrying the Fire:
"Ich denke, er ärgerte sich mehr darüber, nicht der erste Mann auf dem Mond gewesen zu sein, als dass er es genießen kann, der zweite gewesen zu sein."
Wir normale Menschen mögen uns darüber wundern und denken: Was solls, Haupsache zum Mond! Wir Normalos halten sozusagen den olympischen Geist 'Dabei sein ist alles' hoch. Leute wie Edwin Aldrin sind aber nicht normal, sondern ihr ganzes Leben lang gewohnt, Herausforderungen anzunehmen und zu gewinnen. So liest sich auch sein Lebenlauf bis zu Apollo: West Point, MIT, Kampfpilot im Koreakrieg mit zwei Abschüssen (leider weiß ich nicht, ob die gegnerischen Piloten dabei ums Leben kamen). Im Falle von Edwin Aldrin wird dieser Ehrgeiz von dessen Vater stark angetrieben, denn dieser lebte durch seinen einzigen Sohn ein zweites, aufregenderes Leben, obwohl er keine Ahnung von dem hatte, was sein Sohn so tat - ein Schicksal vieler Söhne. Rückblickend sagt Edwin Aldrin:
"Er begann ein Leben zu führen, das ganz davon abhing, was ich erreicht hatte. Und ich hatte das Gefühl: Schön, das ist wunderbar, aber er kennt sich da ja gar nicht aus, er versteht überhaupt nicht, was ich da tue. Und die eigene Existenz darf man doch nicht auf so etwas aufbauen."
Vor Apollo 11 war es üblich, dass bei Außenbordeinsätzen die Kommandanten im Raumschiff blieben. Zunächst sollte wohl auch bei Apollo 11 zuerst der Lunar Lander Pilot aussteigen, doch machte dann Neil Armstrong von seinem Vorrecht als Kommandant gebrauch. Die NASA lieferte Begründungen nach: Er sei näher an der Tür und könne besser mit Publicity umgehen. Edwin Aldrins Vater versuchte vergeblich hinter den Kulissen zu intervenieren, was die Beliebtheit seines Sohnes in Astronautenkreisen weiter sinken lies. Edwin Aldrin schien sich mit der Entscheidung abgefunden zu haben, was blieb ihm auch anderes übrig. Doch seine Rache sollte hinterhältig sein. Andrew Smith schreibt in seinem Buch Moonwalker - Wie der Mond das Leben der Apollo-Astronauten veränderte:"Es gibt kein einziges Foto von Armstrong. Das einzige Bild des Kommandanten ist eine Spiegelung im Helmvisier Aldrins. Dabei forderte Armstrong seinen Untergebenen einmal sogar ausdrücklich auf, ihn zusammen mit einer Gedenkplakette aufzunehmen, die er gerade enthüllt hatte, der Pilot der Mondlandefähre blaffte jedoch nur vergnügt zurück, er sei gerade zu beschäftigt."Andrew Smith unterstellt ihm also Absicht. Anders als bei der Olympiade, bei der die Sieger die Bilder bestimmen, ist das Bild des zweiten Mannes auf dem Mond zur Ikone der Raumfahrt geworden.

Zurück auf der Erde stürzte Edwin Aldrin ersteinmal furchtbar ab. Der neununddreißigjährige Mondrückkehrer hatte nochmal so viel Leben vor sich, wie bis zu Apollo 11, aber doch schon alles erreicht. Dieses Loch tat sich für Edwin Aldrin völlig unvorbereitet auf, mit der Folge: Depressionen, Alkoholsucht und Ehescheidungen. Für den krankhaft ergeizigen Piloten bot das zivile Leben kaum eine spannende Alternative.

Heute hat er diese Phase überwunden, auch indem er versucht, die Raumfahrt wieder aktiv voranzubringen. Anders als viele andere Ex-Astronauten, hat er bis heute nicht aufgehört Astronaut zu sein und ist daher auch sicherlich Amerikas beliebtester Apollo-Astronaut. So haben die Pixar-Studios die Figur Buzz Lightyear aus dem Film Toy Story nach ihm benannt. Edwin Aldrin, im NASA-Overall, nimmt es mit viel Humor:



Überhaupt keinen Spaß versteht er, wenn man an seinen Leistungen zweifelt. Die Spinner, die ernsthaft behaupten, die Mondlandung habe nie stattgefunden, sollten sich vor ihm in acht nehmen:




Das ist jetzt nicht politisch korrekt, aber ich finde seine Antwort sehr gut. Irgendwo hört es dann auch auf mit Toleranz und Höflichkeit, wenn Verschwörungstheoretikern die Astronauten privat auflauern, um sie zu provozieren.

Letztlich gewinnen ehrgeizige Leute wie Edwin Aldrin am Ende immer: Von Neil Armstrong gibt es keine Bilder, der Mondlandungsleugner hat ein blaues Auge und Buzz Lightyear, über den er sich zuerst sehr geärgert hatte, macht er am Ende des Videos klar, dass er der wahre Buzz ist.

Übrigens: Der Spitzname Buzz stammt von der etwas älteren Schwester Edwin Aldrins. Sie war als kleines Mädchen natürlich fasziniert von ihrem kleinen Bruder, doch hörte sich das Wort "brother" bei ihr immer wie "buzzer" an.

Literaturtipp: Andrew Smith: Moonwalker - Wie der Mond das Leben der Apollo-Astronauten veränderte

Besser als Kino


Ich gebe zu, ich war immer noch nicht im Kino Star Trek schauen. Allmählich frage ich mich aber auch wozu, denn in den Blogs wird so herrlich über den Film geschrieben und kommentiert, dass ich nicht nur die Handlung inzwischen ganz gut kenne, sondern mich auch bestens und niveauvoll unterhalten fühle. Ich habe das Gefühl, der Film kann nicht so gut sein, wie die Blogger, die über ihn schreiben.

Den Anfang machte Ludmila in Hinterm Mond gleich links: Star Trek - Spock als humanistisches Leitbild. Dank diesem Post habe ich zum ersten mal von dem Film gehört und er ist mit seiner anschließenden Diskussion immer noch ideal zur Einstimmung für alle, die wie ich noch nicht drin waren.

Drin war dann Florian von Astrodicticum Simplex. Er fand ihn viel besser als erwartet!
Außerdem macht er neugierig: "Und wer hätte gedacht, dass die ... was mit ... hat!"
Vorischt! In den Kommentaren wird das verraten. Auch ein Grund, warum ich nicht mehr in den Film muss.

Jetzt hat auch Eugen Reichl das Star-Trek-Experiment gewagt: Rote Materie
Sein Kommentar bringt ein Problem zum Ausdruck, das sich wie ein Schutzschild um das Kino legt, um Sciencefiction-Fans von der Art, wie ich es bin, den Eintritt zu verwehren:
"Überhaupt vermittelt Star Trek 11 nicht gerade Raumfahrt-Feeling, denn alles scheint irgendwie gleich um die Ecke zu sein."
Damit trifft er genau auch meinen Kritikpunkt an den Star Trek und Star Wars Universen. Das Universum selbst spielt keine große Rolle, ist nur eine exotische Bühne, die besonders große Explosionen und Bösewichte mit besonders hässlichen Fratzen erlaubt. Mit Universum und dessen Exploration hat das so viel zu tun, wie die Mittelerde mit dem Schwarzwald. Wer beispielsweise den Foundation-Zyklus oder Der ewige Krieg oder Der Splitter im Auge Gottes gelesen hat, weiß wovon ich rede. Hier starten die Raumschiffe vor dem Eintritt in ein Sonnensystem schon Wochen vorher mit Bremsmanövern und fangen den Gegner auf komplizierten Trajektorien ab - unter Berücksichtigung des Sonnenwinds, weil der Gegner per Sonnensegel reist. Regierungen auf Planeten dienen einem Imperium, das bereits längst zerfallen ist, was aber an der galaktischen Peripherie noch nicht bekannt ist, weil ja Informationen sich nicht schneller als mit Vakuumlichtgeschwindigeit ausbreiten (das war vor der Erfindung von Twitter) und Soldaten kämpfen einen ewigen Krieg: Durch den überlichtschnellen Flug altern sie selbst kaum und erkennen die sich weiter entwickelte Gesellschaft zuhause nicht mehr. Ihre Gegner sind nicht einfach Schauspieler in Gummianzügen mit Kopfproblem und schlechten Zähnen, sondern Wesen, die man nicht verstehen kann, in einer Umgebung, für die der Mensch nicht gemacht ist.

Ich lasse mich da sehr gerne eines besseren belehren und bin für Empfehlungen dankbar, aber aus Hollywood ist mir einzig die Battlestar Galactica Serie bekannt, in der die schiere Größe des Universums wirklich ernst genommen wird. Ich hatte ja schonmal geschrieben Warum BSG besser als ST ist.

Hmm, aber vielleicht sollte ich jetzt doch einfach mal selber Star Trek anschauen. Nein, ich warte auf die DVD. In der Regel sind Kinofilme ja auch noch gekürzt, vielleicht nimmt sich der Director's Cut etwas Zeit für das Universum.

Massereiche Sterne im Arches Cluster

Das galaktische Zentrum ist immer mal wieder einen Blick wert, besonders jetzt, wo sich während der Sommermonate die Schildwolke auch hierzulande am Nachthimmel zeigt. Aber auch wissenschaftlich gesehen hat dieser helle zentrale Bereich der Milchstraße natürlich einiges zu bieten, angefangen mit der Radioquelle Sagittarius A*, inzwischen gemeinhin mit dem Schwarzen Loch im Zentrum der Galaxis identifiziert. Um Sagittarius A* tummeln sich jede Menge Sterne, deren Bewegung um das unsichtbare Schwarze Loch man nun seit einigen Jahren verfolgt. Ein ganzer Sternhaufen umgibt das galaktische Zentrum, aber nicht nur dort.

Das Zentrum der Galaxis. im Digitized Sky Survey. Arches selber verbirgt sich hinter der Dunkelwolke im Zentrum des Bildes. Image Credit:ESO, Digitized Sky Survey 2 & S. Guisard

In unmittelbarer Umgebung von Sagittarius A* befindet sich auch der Arches-Haufen, benannt nach bogenartigen Strukturen (engl. arches) die man im Radiobereich um diesen Sternhaufen sieht. Im sichtbaren Licht tritt er eigentlich gar nicht in Erscheinung, dort verbirgt er sich nämlich hinter einer dichten Dunkelwolke. Trotzdem kann man den unzähligen jungen Sternen auf die Spur kommen, die sich dort verstecken, wenn man im Infrarot- oder Röntgenlicht Ausschau hält.

Im Radiobereich (rot) zeigen sich die bogenartigen Filamente, die den Haufen umgeben und die ihm seinen Namen gegeben haben. Das Röntgenbild (blau) zeigt den nur zum Teil aufgelösten Haufen junger Sterne, eingebettet in eine Wolke heißem Gas, das durch die starken winde der Sterne auf mehrere Millionen Grad aufgeheizt wird. Image Credit: X-ray: NASA/CXC/Northwestern/F.Zadeh et al., IR: NASA/HST/NICMOS, Radio: NRAO/VLA/C.Lang

Der Arches-Haufen befindet sich in ca. 25000 Lichtjahren Entfernung und enthält etwa 1000 Sterne, die sich auf engstem Raum zusammendrängen und die weniger als 2.5 Millionen Jahre alt sind. Auf den ersten Blick enthält der Haufen auffällig viele massereiche Sterne.

Vor zehn Jahren hat man mit Hubbles Infrarotkamera NICMOS den Arches-Sternen das erste Mal richtig nachgespürt. Jetzt hat das Very Large Telescope nachgelegt: Die adaptive Optik NACO macht es möglich, den großen, dichtgedrängten Sternhaufen bis ins kleinste Detail aufzulösen und die einzelnen Sterne näher zu untersuchen. Dabei hat man herausgefunden, daß auch der Arches-Haufen nur mit Wasser kocht, die meisten Sterne dort sind völlig normal und der Sternhaufen folgt den gleiches Gesetzmäßigkeiten wie andere Sternhaufen in unserer Milchstraße, was die Verteilung massearmer und massereicher Sterne angeht, trotz seiner unmittelbaren Nähe zum galaktischen Zentrum und seiner großen Sterndichte.

Falschfarben-Infrarotbild des Arches-Clusters in den Bändern J, H und K aufgenommen mit dem VLT. Image Credit: ESO/P. Espinoza

Der massereichste Stern den man gefunden hat, hat für sich alleine etwa 120 Sonnenmassen. Ein ganz schöner Brocken also, der nicht mehr lange leben kann, bevor er als Supernova explodieren wird.

Buchtipps