Schande über mich, ich habe Geheimnisvoller Kosmos immernoch nicht gelesen. Dabei macht mich das Buch echt an! Die beiden Herausgeber Thomas Bührke und Roland Wengenmayr versammeln darin Aufsätze teils wirklich namhafter Autoren zu aktuellen Entwicklungen in der Astronomie. Mein erster Blick in das Buch lässt mich vermuten, dass auch das Niveau ansprechend ist, so in etwa wie bei der Zeitschrift Sterne und Weltraum. Das heißt, das ist kein Larifari, sondern ein Sachbuch für anspruchsvolle Leser. Daher werde ich es definitiv noch lesen, ehrlich! Hier gibt's jetzt erstmal ein Kurzinterview mit Roland Wengenmayr, das wohl auf der letzten Frankfurter Buchmesse gemacht wurde. Daher auch der Lärm im Hintergrund, denn beschaulich geht es auf der Buchmesse nicht zu.
Der ultimative Spin-Off der Raumfahrt
Credit: NASA. Inset: J-Space/JAXA
Wakata jedenfalls betont, dass sich keiner der mitreisenden Astronauten beschwerte:
"(For) two months I was wearing these underwear and there was no smell and nobody complained. I think that new J-ware underwear is very good for myself and my colleagues."Dabei hat Koichi Wakata seine Kollegen nicht vorab informiert und auch am normalen Programm teilgenommen, also auch dem schweißtreibenden Sport.
Das Experiment ist aber kein Witz, wie die Sache mit dem Weltraumbier, sondern hat einen ernsten Hintergrund. Zwar gibt es auf der ISS Küche, Dusche und Toilette, aber keine Waschmaschine. Schmutzige Kleidung ist Müll, der Platz kostet und aufwendig entsorgt werden muss (und stinkt).
Jetzt kommt's: Der Jungesellentraum J-ware ist für 10.500 Yen im J-Ware-Shop zu kaufen (Englischsprachige Version).
Neben der Unterhose gibt es eine ganze Kollektion weltraumtauglicher Unterwäsche. Man beachte zum Beispiel Wakatas Socken auf dem Bild oben. Sie sind so geschnitten, dass der Astronaut seine Zehen wie Finger benutzen kann, zum Beispiel um sich besser in der Schwerelosigkeit zu verankern. So wird der Mensch im Weltraum wieder zum Affen.
Quelle: universetoday
Zwischen Untergangswahn und Raketenträumen
Ein Messer kann Brot schneiden oder einen Menschen töten. Daher ist nicht der Messerschmied verantwortlich dafür, ob mit diesem Instrument Gutes getan oder gemordert wird, sondern allein der Anwender. Dieses reichlich überstrapazierte Bild wird gerne bemüht, wenn es um die Frage der Verantwortlichkeit des Ingenieurs geht. Kaum eine andere Persönlichkeit der jüngeren Geschichte steht so sehr für diese Ambivalenz von schöpferischen Genie und dessen Missbrauch wie Wernher von Braun. Der deutsche Raketeningenieur träumte schon als Jugendlicher von einer Reise zum Mond. Diesen Traum rettete er durch angespannte Phasen der Weltpolitik, deren Intensität und Lebensbedrohlichkeit für uns wohlstands- und friedensverwöhnte Generationen schlicht unvorstellbar ist: Die Nachkriegszeit nach der "Urkatastrophe" des ersten Weltkrieges, die Zeit des Nationalsozialismus und den Kalten Krieg in seiner heißesten Phase. Mit der Mondlandung am 21. Juli 1969 wurde Wernher von Brauns Lebenstraum schließlich Wirklichkeit. Um ihn zu verwirklichen, diente er die meiste Zeit verschiedenen Kriegsministern, bevor er zur NASA wechselte: Zuerst den deutschen Nationalsozialisten und später der US-Regierung. Die grausamen Verbrechen des Hitler-Regimes sind unbestreitbar, die historische Bedeutung der Entwicklung von Raketen mit Atomsprengköpfen in den USA hingegen noch nicht abschließend bewertbar. In seiner Biographie Wernher von Braun - Ein deutsches Genie zwischen Untergangswahn und Raketenträumen versucht sich der Autor Stefan Brauburger der ambivalenten Figur von Braun zu nähern und stellt die Frage nach seiner Verantwortung.
Wie viele technischen Entwicklungen hat auch die Raumfahrt keinen echten Beginn, sondern viele Meilensteine. Der 3. Oktober 1942 ist sicherlich ein sehr wichtiges Datum, denn der erfolgreiche Start einer Rakete vom Typ A4 von der Ostseeinsel Usedom markierte das Ende einer langjährigen Konstruktion einer funktionsfähigen Rakete, deren technisches Grundprinzip letztlich von denselben Ingenieuren bis zur Mondrakete Saturn V weiterentwickelt wurde. Auf Usedom, genauer in Peenemünde, hatte Wernher von Braun mit Hilfe der Nationalsozialisten ein beispielloses Technologiezentrum erschaffen, deren wichtigstes Produkt die A4 war. Als 1992 in Peenemünde diesem für die Raumfahrt so bedeutsamen Tag gedacht werden sollte, reagierte die Presse verwundert: "Ein Sektempfang für 20.000 Tote?", titelte die Nachrichtenagentur Reuters. Der Grund für diese Reaktion war, dass das Aggregat 4 (A4) im Chargon der Nazis nichts anderes als die Wunderwaffe V2 war. Das V steht für Vergeltungswaffe, die V1 war nach der Zählung der Militärs eine Flugbombe, also eine Cruise Missle, wie wir heute sagen würden. Die 20.000 von Reuters erwähnten Opfer kamen beim Einsatz der V2 vor allem in London und Antwerpen zu Tode. Diese Episode zeigt das moralische Dilemma, in dem sich die Raumfahrt und ihr Konstrukteur Wernher von Braun von Anfang an befinden. Aber es kommt noch schlimmer: Um die V2 im großer Zahl einsetzen zu können, entstand im Harz eine unterirdische Fabrik, in der tausende Häftlinge aus dem KZ-Dora als Arbeiter eingesetzt wurden und dabei elendig krepierten. Die traurige Ironie der Geschichte ist, dass die V2 nie eine militärisch sinnvolle Waffe war, denn es gab ja noch keine atomaren Sprenköpfe. Der Aufwand für Entwicklung und Produktion der Wunderwaffe stand zu keiner Zeit in einem "gesunden" Verhältnis zu ihrer Wirkung. Bei der Produktion der Rakete starben mehr Menschen, als bei ihrem Einsatz. Hätte das Hitler-Regime die Recourcen für Peenemünde und Mittelbau zum Beispiel in die Flugzeugproduktion gesteckt, hätte sich der Krieg womöglich noch länger hingezogen.
Die Trennung von Entwicklungsstandort Peenemünde auf Usedom einerseits und Produktionsstandort Mittelbau-Dora in Thüringen andererseits war für die Ingenieure um Wernher von Braun immer ein gutes Argument für ihre Unschuld; sozusagen ein geographisches Abbild des Messerarguments von oben. Sie haben ja schließlich nur entwickelt, die menschenvernichtende Produktion lag an einem anderen Ort in den Händen der SS. Diesen Mythos konnte Wernher von Braun lange aufrecht erhalten und auch Stefan Brauburger schreibt in seinem Buch nicht eindeutig darüber, was von Braun nun über die Zusände in Dora genau wusste. Nach dem sein Lebenstraum in Erfüllung ging, öffnete sich der ältere Wernher von Braun gelegentlich. So teilte er in einem Interview dem Sciencefiction-Autor Arthur C. Clarke mit:
Das Wechselspiel ging für Wernher von Braun jedenfalls auf, der neue "reiche Onkel" hieß Amerika und das technische Wissen von Wernher von Braun und seinem Team war der neuen Supermacht wichtiger als die Frage nach deren Verstrickungen im Nazi-Regime. Das Ausblenden der Historie ging auch erstaunlich lange gut. So hat noch Willy Brandt in einem Werbespot für die SPD darüber geschimpft, dass Genies wie Wernher von Braun in Amerika arbeiten müssen und nicht hier in Deutschland ein Auskommen finden können. Selbst die Aussagen der überlebenden Strafarbeiter und der V2-Angriffe auf London und Antwerpen, die der Autor Stefan Brauburger zitiert, schwingen merkwürdig zwischen dem Schmerz des Erlebten und der Bewunderung für die Leistung des deuschen Ingenieurs, der die Mondlandung ermöglicht hatte, hin und her.
Neben seinem Knowhow mag es drei Gründe geben, die Wernher von Braun so überaus amerikakompatibel gemacht haben: Er hatte einen Traum und im Land der Freien liebt man Macher mit Visionen. Außerdem war er ein guter Verkäufer, der jeden Politiker, von Hitler bis Kennedy, sowie das amerikanische Lese- und Fernsehpublikum begeistern konnte. Stefan Brauburger zitiert hierzu unter anderem Wernher von Brauns Neffen:
Als raumfahrtinteressierten Leser erscheint mir das Buch von Stefan Brauburger merkwürdig unvollständig. Man merkt auch, dass der Autor weder von Raketen, noch von Raumfahrt wirklich Ahnung hat. Da er aber diese technische Seite nur wenig betont, stört das beim Lesen kaum. Enttäuscht ist nur derjenige Leser, der erwartet, die funktionsweise der A4 und ähnliches erklärt zu bekommen. Da sich der Autor mit solchen Dingen nicht beschäftigt, ist sein Buch leicht und flüssig lesbar. Auch das abgelutschte Bild von Mephisto und dem Zauberlehrling, das der Autor am Anfang bemüht, verläuft sich gottseidank recht schnell. Das Buch ist ideal gerade auch für Leser, die sich noch nicht mit der erstaunlichen Biographie Wernher von Brauns beschäftigt haben. In seinem Fazit betont Stefan Brauburger nochmal die Verantwortung der technischen Elite:
Als Raumfahrtenthusiast fasziniert mich an Wernher von Braun auch seine Eigenschaft als Astrofuturist. Als Ingenieur stammt er aus einer Zeit, in der mittels Technik Grenzen überwunden wurden. Vom ersten Atlantikflug, zu den Polen der Erde zu grundlegenden Innovationen in Autmobilbau und Eisenbahn. Zur Zeit Wernher von Brauns gestaltete der Maschinenbau das Leben der Menschen ähnlich um, wie heute das Internet. Der Flug zum Mond war letztlich in diesem Kontext eine Denknotwendigkeit, etwas, was es zu tun galt. Es ist faszinierend, wie der Kalte Krieg, diese schon in der Nachkriegszeit antiquierte Machbarkeitsfantasie konserviert und beflügelt hat. Das man dies so sehen kann, beweist die vorzeitige Einstellung des Apollo-Programms und die Tatsache, dass wir seit dem nie wieder den Erdorbit verlassen haben. Wir brauchen nicht einen neuen Ingenieur wie Wernher von Braun, sondern einen verwandten Zeitgeist, in dem er aufgewachsen ist, wenn wir wieder Grenzen überschreiten wollen.
Wie viele technischen Entwicklungen hat auch die Raumfahrt keinen echten Beginn, sondern viele Meilensteine. Der 3. Oktober 1942 ist sicherlich ein sehr wichtiges Datum, denn der erfolgreiche Start einer Rakete vom Typ A4 von der Ostseeinsel Usedom markierte das Ende einer langjährigen Konstruktion einer funktionsfähigen Rakete, deren technisches Grundprinzip letztlich von denselben Ingenieuren bis zur Mondrakete Saturn V weiterentwickelt wurde. Auf Usedom, genauer in Peenemünde, hatte Wernher von Braun mit Hilfe der Nationalsozialisten ein beispielloses Technologiezentrum erschaffen, deren wichtigstes Produkt die A4 war. Als 1992 in Peenemünde diesem für die Raumfahrt so bedeutsamen Tag gedacht werden sollte, reagierte die Presse verwundert: "Ein Sektempfang für 20.000 Tote?", titelte die Nachrichtenagentur Reuters. Der Grund für diese Reaktion war, dass das Aggregat 4 (A4) im Chargon der Nazis nichts anderes als die Wunderwaffe V2 war. Das V steht für Vergeltungswaffe, die V1 war nach der Zählung der Militärs eine Flugbombe, also eine Cruise Missle, wie wir heute sagen würden. Die 20.000 von Reuters erwähnten Opfer kamen beim Einsatz der V2 vor allem in London und Antwerpen zu Tode. Diese Episode zeigt das moralische Dilemma, in dem sich die Raumfahrt und ihr Konstrukteur Wernher von Braun von Anfang an befinden. Aber es kommt noch schlimmer: Um die V2 im großer Zahl einsetzen zu können, entstand im Harz eine unterirdische Fabrik, in der tausende Häftlinge aus dem KZ-Dora als Arbeiter eingesetzt wurden und dabei elendig krepierten. Die traurige Ironie der Geschichte ist, dass die V2 nie eine militärisch sinnvolle Waffe war, denn es gab ja noch keine atomaren Sprenköpfe. Der Aufwand für Entwicklung und Produktion der Wunderwaffe stand zu keiner Zeit in einem "gesunden" Verhältnis zu ihrer Wirkung. Bei der Produktion der Rakete starben mehr Menschen, als bei ihrem Einsatz. Hätte das Hitler-Regime die Recourcen für Peenemünde und Mittelbau zum Beispiel in die Flugzeugproduktion gesteckt, hätte sich der Krieg womöglich noch länger hingezogen.
Die Trennung von Entwicklungsstandort Peenemünde auf Usedom einerseits und Produktionsstandort Mittelbau-Dora in Thüringen andererseits war für die Ingenieure um Wernher von Braun immer ein gutes Argument für ihre Unschuld; sozusagen ein geographisches Abbild des Messerarguments von oben. Sie haben ja schließlich nur entwickelt, die menschenvernichtende Produktion lag an einem anderen Ort in den Händen der SS. Diesen Mythos konnte Wernher von Braun lange aufrecht erhalten und auch Stefan Brauburger schreibt in seinem Buch nicht eindeutig darüber, was von Braun nun über die Zusände in Dora genau wusste. Nach dem sein Lebenstraum in Erfüllung ging, öffnete sich der ältere Wernher von Braun gelegentlich. So teilte er in einem Interview dem Sciencefiction-Autor Arthur C. Clarke mit:
"Ich habe nie gewusst, was in den Konzentrationslagern vor sich ging. Aber ich hatte einen entsprechenden Verdacht und in meiner Position hätte ich es herausfinden können. Ich tat es nicht und verachte mich selbst dafür."Dass er wirklich nichts wusste bestreitet der Autor, denn von Braun hat das Werk nachweislich mehrmals besucht. Doch war der Punkt zur Umkehr so oder so längst überschritten. Die Frage, was Wernher von Braun überhaupt noch hätte tun können, wird auch von Stefan Brauburger so nicht gestellt. Der Versuch Wernher von Brauns sich nach dem Krieg einen neuen "reichen Onkel" zu suchen, der seine Träume finanziert und dabei die Nazizeit hinter sich zu lassen, kann ich besser nachvollziehen, als die nachträglich an Leuten wie von Braun gestellte Forderung inmitten von Nazis gegen Nazis den moralischen Zeigefinger zu heben. Man darf auch nicht vergessen, dass bei allem Missfallen an der Politik der Nazis Wissenschaftler wie Wernher von Braun oder Werner Heisenberg sich als Deutsche verstanden haben, für die es selbstverständlich war, an der Heimatfront ihren Dienst zu verrichten - immernoch besser als an der echten Front. "Kriegswichtig" zu sein war eine Überlebensstrategie und ob das ganze Ausmaß an Verbrechen schon zu dessen Beginn absehbar war, wage ich zu bezweifeln.
Das Wechselspiel ging für Wernher von Braun jedenfalls auf, der neue "reiche Onkel" hieß Amerika und das technische Wissen von Wernher von Braun und seinem Team war der neuen Supermacht wichtiger als die Frage nach deren Verstrickungen im Nazi-Regime. Das Ausblenden der Historie ging auch erstaunlich lange gut. So hat noch Willy Brandt in einem Werbespot für die SPD darüber geschimpft, dass Genies wie Wernher von Braun in Amerika arbeiten müssen und nicht hier in Deutschland ein Auskommen finden können. Selbst die Aussagen der überlebenden Strafarbeiter und der V2-Angriffe auf London und Antwerpen, die der Autor Stefan Brauburger zitiert, schwingen merkwürdig zwischen dem Schmerz des Erlebten und der Bewunderung für die Leistung des deuschen Ingenieurs, der die Mondlandung ermöglicht hatte, hin und her.
Neben seinem Knowhow mag es drei Gründe geben, die Wernher von Braun so überaus amerikakompatibel gemacht haben: Er hatte einen Traum und im Land der Freien liebt man Macher mit Visionen. Außerdem war er ein guter Verkäufer, der jeden Politiker, von Hitler bis Kennedy, sowie das amerikanische Lese- und Fernsehpublikum begeistern konnte. Stefan Brauburger zitiert hierzu unter anderem Wernher von Brauns Neffen:
"Wenn Sie das mal erlebt haben, dass jemand so zu seinem Traum steht. Dass er gar nicht anders konnte eigentlich. Ich glaube, im Wachen und im Schlafen, war das immer präsent bei ihm: Der Mond. Die Reise zum Mond. Die bemannte Weltraumfahrt."Ganz wichtig für Erfolg in Amerika ist aber gutes Aussehen. So zitiert Stefan Brauburger Wernher von Brauns langjährige Sekretärin Dorette Schlidt:
"Die Ausstrahlung, die er hatte, und das manchmal fast Unbekümmerte, Jungenhafte an ihm. Er sah ja wirklich blendend aus, wir haben immer gesagt, wie ein griechischer Gott, der ganze Mensch."Angesichts solcher Beschreibungen wird es verständlich, dass noch lebende ehemalige Freunde von Brauns, wie beispielsweise Jesco von Puttkamer, entgegen jeder Erkenntnis immernoch äußerst empfindlich reagieren, wenn die Historiker heute den braunen Schmutz unter der weißen Toga des griechischen Gottes hervorkehren.
Als raumfahrtinteressierten Leser erscheint mir das Buch von Stefan Brauburger merkwürdig unvollständig. Man merkt auch, dass der Autor weder von Raketen, noch von Raumfahrt wirklich Ahnung hat. Da er aber diese technische Seite nur wenig betont, stört das beim Lesen kaum. Enttäuscht ist nur derjenige Leser, der erwartet, die funktionsweise der A4 und ähnliches erklärt zu bekommen. Da sich der Autor mit solchen Dingen nicht beschäftigt, ist sein Buch leicht und flüssig lesbar. Auch das abgelutschte Bild von Mephisto und dem Zauberlehrling, das der Autor am Anfang bemüht, verläuft sich gottseidank recht schnell. Das Buch ist ideal gerade auch für Leser, die sich noch nicht mit der erstaunlichen Biographie Wernher von Brauns beschäftigt haben. In seinem Fazit betont Stefan Brauburger nochmal die Verantwortung der technischen Elite:
"Als eine Schlussfolgerung aus dem Werdegang steht die Erkenntnis, dass Technik, Macht und Moral eben keineswegs in Parallelwelten stattfinden, sondern ineinandergreifen. Der "Technokrat" als reines Funktionswesen ist passé, man muss von einem verantwortungsvollen Forscher und Wissenschaftler der Gegenwart ganzheitliches, nachhaltiges und sozial verträgliches Handeln erwarten - auch in seiner Eigenschaft als mündiger Bürger."Unter diesem Gesichtspunkt lassen sich viele Biographien von Naturwissenschaftlern und Ingenieuren gerade aus der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts lesen. Mich persönlich fasziniert an Wernher von Braun aber vor allem seine Beharrlichkeit in der Verfolgung seines Traums und sein radikaler Opportunismus. Seine Erfolge und deren Folgen machen sein Leben auch literarisch sehr interessant.
Als Raumfahrtenthusiast fasziniert mich an Wernher von Braun auch seine Eigenschaft als Astrofuturist. Als Ingenieur stammt er aus einer Zeit, in der mittels Technik Grenzen überwunden wurden. Vom ersten Atlantikflug, zu den Polen der Erde zu grundlegenden Innovationen in Autmobilbau und Eisenbahn. Zur Zeit Wernher von Brauns gestaltete der Maschinenbau das Leben der Menschen ähnlich um, wie heute das Internet. Der Flug zum Mond war letztlich in diesem Kontext eine Denknotwendigkeit, etwas, was es zu tun galt. Es ist faszinierend, wie der Kalte Krieg, diese schon in der Nachkriegszeit antiquierte Machbarkeitsfantasie konserviert und beflügelt hat. Das man dies so sehen kann, beweist die vorzeitige Einstellung des Apollo-Programms und die Tatsache, dass wir seit dem nie wieder den Erdorbit verlassen haben. Wir brauchen nicht einen neuen Ingenieur wie Wernher von Braun, sondern einen verwandten Zeitgeist, in dem er aufgewachsen ist, wenn wir wieder Grenzen überschreiten wollen.
Augen auf Cupola
Cupola von außen, Credit: NASA
Endlich mehr Licht auf der Internationalen Raumstation ISS! Eigentlich, so sollte man meinen, genießen Astronauten eine großartige Aussicht auf Erde, Mond und Sterne. Das Problem ist nur: Ingenieure mögen kein Glas, allein der Masse wegen. Dank dem Flug STS-130 des Space Shuttle Endeavour hat die Besatzung der ISS nun endlich die Möglichkeit zum 360°-Rundumblick. In drei Außenbordeinsätzen haben die Space Shuttle Astronauten das Modul Cupola installiert. Es besteht aus einem Ring aus sechs Fenstern und einem gläsernen "Dach", wobei alle Fenster zum Schutz mit einer Art Rollladen verschlossen werden können. Wenn also gerade niemand in der Cupola schwebt, werden die Fenster zum Schutz vor Weltraummüll und Mikrometeoriten geschlossen.
Cupola von innen, Credit: NASA
Zusammen mit Cupola wude mit STS-130 auch der Verbindungsknoten Node-3 ("Tranquility") zur ISS gebracht. Dabei wurde die Aussichtplattform Cupola an Tranquility montiert und zwar so, dass die Plattform nach unten Richtung Erde zeigt. Beide Bauteile, Cupola und Tranquiltiy, wurden in Italien gebaut. Sie sind Bestandteil des Gegengeschäfts der ESA mit der NASA für deren Transport des ESA-Labormoduls Columbus zur ISS.
Landung des Space Shuttles Endeavour, Credit: NASA
Das Space Shuttle Endeavour landetet gestern nach vierzehn Tagen im All in Florida.
Wer ein bißchen Zeit hat, sollte sich dieses NASA-Video zum dritten und letzten Außenbordeinsatz zur Montage der Cupola antun. Es vermittelt einen schönen Eindruck vom ArbeitsALLtag der Astronauten.
Quelle: ESA/NASA
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In sechs Stunden beginnen die 3. Bergsträßer Weltraumtage
Wenn Sie irgendwo zwischen Mainz und Heilbronn, Frankfurt und Mannheim zuhause sind, sollten Sie unbedingt bis einschließlich Samstag mal wenige Kilometer südlich des Europäischen Weltraumkontrollzentrums ESOC in Darmstadt vorbeischauen, in Jugenheim. Im dortigen Schuldorf finden zum 3. Mal die Bergsträßer Weltraumtage statt, deren Programm sich wirklich sehen lassen kann.
Neben zahlreichen Ausstellern aus den Bereichen Raumfahrt und Astronomie gibt es jede Menge Präsentationen – angefangen vom "Nachwuchs", der die Ergebnisse von Schulprojekten vorstellt, bis hin zu Vorträgen von Forschern der ESA und mehrerer Hochschulen, sowie dem Physiker und ehemaligen deutschen Raumfahrer Gerhard Thiele (heute, 19 Uhr), der vor zehn Jahren an einer Shuttlemission teilnahm (STS-99) und jetzt die Astronautenausbildung der ESA leitet.
Meine Wenigkeit wird auch anwesend sein, in einem "Streitgespräch" mit Oliver Debus von der Deutschen Gesellschaft für Schulastronomie (DGSA) werden wir uns am Freitagnachmittag mit dem "Mythos 2012" auseinandersetzen.
Das Programm endet mit der Abschlussfeier am Samstagabend, der Eintritt ist kostenlos, es ist keine Anmeldung erforderlich. Die ganzen Details gibt's online unter www.weltraumtage.de
Neben zahlreichen Ausstellern aus den Bereichen Raumfahrt und Astronomie gibt es jede Menge Präsentationen – angefangen vom "Nachwuchs", der die Ergebnisse von Schulprojekten vorstellt, bis hin zu Vorträgen von Forschern der ESA und mehrerer Hochschulen, sowie dem Physiker und ehemaligen deutschen Raumfahrer Gerhard Thiele (heute, 19 Uhr), der vor zehn Jahren an einer Shuttlemission teilnahm (STS-99) und jetzt die Astronautenausbildung der ESA leitet.Meine Wenigkeit wird auch anwesend sein, in einem "Streitgespräch" mit Oliver Debus von der Deutschen Gesellschaft für Schulastronomie (DGSA) werden wir uns am Freitagnachmittag mit dem "Mythos 2012" auseinandersetzen.
Das Programm endet mit der Abschlussfeier am Samstagabend, der Eintritt ist kostenlos, es ist keine Anmeldung erforderlich. Die ganzen Details gibt's online unter www.weltraumtage.de
Die neue Generation Athleten für Mond und Mars
The All-Terrain Hex-Limbed Extra-Terrestrial Explorer (ATHLETE) rover with Brian Wilcox, Credit: JPL
Dass der Mensch das Rad erfunden hat ist eine Binsenweisheit, aber warum gibt es in der Natur eigentlich keine Räder? Die Evolution funktioniert natürlich nicht so, dass sie Beliebiges erfindet, wenn man ihr nur genügend Zeit und Material gibt. So hat das Douglas Adams noch in seinem Meisterwerk "Per Anhalter durch die Galaxis" persifliert. Vielmehr optimiert die Evolution das Vorhandene ständig an den wechselnden Umgebungsbedingungen. Doch auch wenn schnelles, energieeffizientes Rollen eine Kulturleistung des Menschen ist, hat natürliches Gehen seine Vorteile. Was gäben die Verantwortlichen der NASA nicht alles dafür, wenn der im Marssand stecken gebliebene Rover Spirit einfach sein Bein aus dem Dreck ziehen könnte. Gehen ist im Roboterbau daher durchaus ein wichtiges Thema. Gerade zweibeiniges Gehen erfordert allerdings ein hohes Maß an Koordination. Schon wenige Biere reichen aus, um den Menschen diese von Kindesbeinen einstudierte Fähigkeit wieder zu rauben.
Eine neues robotisches Fahrgestell, entwickelt am JPL-Intitut der NASA, kombiniert die Vorteile beider Fortbewegungsarten Rollen und Gehen - und noch mehr: Der Athlete genannte Prototyp kann seine Räder als Hände benutzen oder anders formuliert, er kann auf Händen gehen. Dieses Video zeigt die Möglichkeiten dieses Konzepts:
Das Roboterfahrzeug ATHLETE (All-Terrain Hex-Legged Extra-Terrestrial Explorer) erreicht in einem Gelände, wie wir es von den Apollo-Missionen kennen, circa zehn Kilometer pro Stunde. Dabei ist er viel schneller als die beiden Marsrover Spirit und Opportunity. Es kann bei felsigen Untergrund bis zu 35° Steigung überwinden, im Sand noch bis zu 25°. Die Kombination aus Laufen und Gehen erlaubt es, kleine Räder zu benutzen. Dies, zusammen mit der innen offenen Ringstruktur, macht den Athlete zu einer relativ platzsparenden Nutzlast auf der Spitze einer Mondrakete (wenn wir eine hätten).
Für Astronauten auf Mond oder Mars ist der Athlete aber nicht einfach nur ein Fahrzeug. Die Stereokameras des Roboters können die Gesten der Astronauten interpretieren, so dass ein Astronaut im Raumanzug auf der Mondoberfläche den Roboter in einer Kombination aus Worten und Gesten steuern kann. Er kann das Fahrzeug sozusagen einweisen.
Das Beispiel Athlete zeigt, wie die Herausforderungen der Raumfahrt Ingenieure zu Spitzenleistungen antreiben. Es stimmt traurig, dass bei der derzeit vorherrschenden Unsicherheit gar nicht klar ist, ob und wann der Athlete seine Muskeln spielen lassen kann.
Volkszählung im Reich der Galaxien
Galaxien sind Welteninseln, Ansammlungen von Milliarden Sonnen mit jeder Menge Gas und Staub. Dabei ist jede Galaxie einmalig, keine gleicht der anderen. Wie schon in dem Beitrag Galaxienentwicklung und Kosmologie erwähnt, war es Edwin Hubble, der 1926 mit seinem Stimmgabeldiagramm etwas Ordnung in die Welt der Welteninseln gebracht hat. Dabei zerfallen die Galaxien in drei Gruppen, welche die eigentliche Stimmgabel bilden, nämlich elliptische Galaxien, linsenförmige Galaxien und in die beiden Stimmgabeläste bildenden Spiralgalaxien: die echten Spiralen und die Balkenspiralen. Neben diesen drei reinrassigen Galaxienformen gibt es dann auch noch die seltsamen, eigentümlichen oder eben englisch "Peculiar Galaxies". Eine berühmte Sammlung dieser seltsamen galaktischen Strukturen präsentierte 1966 der Astronom Halton Arp. Ein Blick in seinen Atlas of Peculiar Galaxies lohnt sich, um zu verstehen, was mit seltsam gemeint ist. Die meisten seltsamen Galaxien sind Galaxien in galaktischer Wechselwirkung oder solche, denen man den Totalschaden aus einer Kollision noch ansieht. Ein hübsches Beispiel sind die Mäuse (NGC 4676):
Europäische Astronomen haben nun Daten des nach Edwin Hubble benannten Weltraumteleskops benutzt, um zu bestimmen, wie sich die Galaxien auf die einzelnen Gruppen verteilen. Hierbei stößt man wieder auf den kuriosen Umstand, dass ein Blick in die Ferne ein Blick zurück in die Zeit ist. Wir führen dabei also nicht nur einfach eine Volkszählung durch sondern erfassen gleichzeitig die demographische Entwicklung. Das Bild unten zeigt, wie sich prozentual die Galaxien auf die Großgruppen verteilen und vor allem, den Unterschied der Verteilung der fernen Galaxien (Distant Galaxies) gegenüber der Verteilung in unserem galaktischen Nahbereich (Local Galaxies):
Die unteren Galaxien sind circa sechs Milliarden Lichtjahre entfernt. Ihr Licht wurde ausgesendet, als das Universum in etwa halb so alt war wie heute und unsere Sonne noch nicht entstanden war. Man erkennt, dass gegenüber früher der Anteil der elliptischen und linsenförmigen Galaxien im Stimmgabeldiagramm nahezu unverändert ist. In unserer näheren galaktischen Umgebung haben wir es im wesentlichen, nämlich zu 72%, mit Spiralgalaxien zu tun. Früher bildeten diese allerdings gerade mal 31% der Galaxienbelegschaft. Das, was wir heute als seltsam empfinden, war hingegen mit 52% der Normalfall: Galaxien in Wechselwirkung miteinander. Der Datensatz, der den Prozentangaben zugrunde liegt besteht übrigens aus 116 nahegelegenen und 148 entfernte Galaxien.
Rodney Delgado-Serrano, einer der beteiligten Astronomen sagt dazu:
Die Geschichte unserer eigenen Galaxie, der Milchstraße scheint eher ruhig verlaufen zu sein, ohne große galaxienweite Verschmelzungsprozesse. Seltsamerweise passt unser Nachbar, der gerade mal 2,5 Millionen Lichtjahre entfernte Andromeda-Nebel wiederum ganz gut in das "spiral rebuliding"-Szenario. Warum das so ist, ist Stoff für weitere Forschungen.
Quelle: ESA Hubble Site
Credit: NASA, H. Ford (JHU), G. Illingworth (UCSC/LO), M.Clampin (STScI), G. Hartig (STScI), the ACS Science Team, and ESA
Europäische Astronomen haben nun Daten des nach Edwin Hubble benannten Weltraumteleskops benutzt, um zu bestimmen, wie sich die Galaxien auf die einzelnen Gruppen verteilen. Hierbei stößt man wieder auf den kuriosen Umstand, dass ein Blick in die Ferne ein Blick zurück in die Zeit ist. Wir führen dabei also nicht nur einfach eine Volkszählung durch sondern erfassen gleichzeitig die demographische Entwicklung. Das Bild unten zeigt, wie sich prozentual die Galaxien auf die Großgruppen verteilen und vor allem, den Unterschied der Verteilung der fernen Galaxien (Distant Galaxies) gegenüber der Verteilung in unserem galaktischen Nahbereich (Local Galaxies):
Zur Großansicht, Credit: NASA, ESA, Sloan Digital Sky Survey, R. Delgado-Serrano and F. Hammer (Observatoire de Paris)
Die unteren Galaxien sind circa sechs Milliarden Lichtjahre entfernt. Ihr Licht wurde ausgesendet, als das Universum in etwa halb so alt war wie heute und unsere Sonne noch nicht entstanden war. Man erkennt, dass gegenüber früher der Anteil der elliptischen und linsenförmigen Galaxien im Stimmgabeldiagramm nahezu unverändert ist. In unserer näheren galaktischen Umgebung haben wir es im wesentlichen, nämlich zu 72%, mit Spiralgalaxien zu tun. Früher bildeten diese allerdings gerade mal 31% der Galaxienbelegschaft. Das, was wir heute als seltsam empfinden, war hingegen mit 52% der Normalfall: Galaxien in Wechselwirkung miteinander. Der Datensatz, der den Prozentangaben zugrunde liegt besteht übrigens aus 116 nahegelegenen und 148 entfernte Galaxien.
Rodney Delgado-Serrano, einer der beteiligten Astronomen sagt dazu:
"Six billion years ago, there were many more peculiar galaxies than now — a very surprising result. This means that in the last six billion years, these peculiar galaxies must have become normal spirals, giving us a more dramatic picture of the recent Universe than we had before."Die heutigen Spiralgalaxien scheinen also aus einer Phase in der Geschichte des Universums hervorgegangen zu sein, in der Galaxienwechselwirkungen sehr häufig waren. Die Astronomen vermuten, dass diese dynamische Phase bis vor vier Milliarden Jahren anhielt. Durch die Wechselwirkung verschmelzen die Galaxien zu größeren Einheiten und bauen so die großen Spiralen, die wir heute sehen. Diese "spiral rebuliding"-Hypothese steht in direkten Widerspruch zu der traditionellen Vorstellung, dass die Verschmelzung von Galaxien zu Elliptischen Galaxien führt. Wie die Volkszählung zeigt, hat sich an der Zahl Ellipsen aber nichts geändert. Wohin, wenn nicht zu den Spiralen, sollten sich die wechselwirkenden (peculiar) Galaxien dann aber entwickelt haben?
Die Geschichte unserer eigenen Galaxie, der Milchstraße scheint eher ruhig verlaufen zu sein, ohne große galaxienweite Verschmelzungsprozesse. Seltsamerweise passt unser Nachbar, der gerade mal 2,5 Millionen Lichtjahre entfernte Andromeda-Nebel wiederum ganz gut in das "spiral rebuliding"-Szenario. Warum das so ist, ist Stoff für weitere Forschungen.
Quelle: ESA Hubble Site
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Zwei Galaxien, zwei Quasare
Quasare sind die Kerne einer aktiven Galaxie. Dahinter verbirgt sich ein supermassives Schwarzes Loch, das immer weiter mit Material aus der Umgebung gefüttert wird. Alles was dem Schwarzen Loch zu nahe gekommen ist - interstellares Gas oder auch ganze Sterne - sammelt sich in einer Scheibe um das Schwarze Loch an, die dann sehr hell leuchten kann, oft am stärksten im Röntgenlicht.
Wenn man jetzt nicht nur einen Quasar im Zentrum einer Galaxie vorfindet sondern gleich zwei oder noch noch, dann ist das oft ein Zeichen für eine Gravitationslinse: Eine Massenansammlung die zwischen uns und dem eigentlichen Quasar liegt, zum Beispiel eine weitere Galaxie oder ein ganzer Galaxienhaufen - teilt das Quasarlicht in ein Mehrfachbild auf.
Daß tatsächlich mal zwei Quasare tatsächlich sehr eng beieinanderstehen, ist dagegen viel seltener. Der amerikanische Astronom Paul Green und sein Team sind mit dem Röntgensatelliten Chandra dem echten Doppelquasar SDSS J1254+0846 in knapp 4.6 Milliarden Lichtjahren Entfernung zuleibe gerückt - die zwei stehen nur 70000 Lichtjahre auseinander, weniger als der Durchmesser der Milchstraße.
Falschfarbendarstellung des Doppelquasars SDSS J1254: In blau sehen wir die Quasare im Röntgenlicht leuchten, in gelb die Gezeitenarme, die im sichtbaren Licht beobachtet werden können. Image Credit: Röntgen (NASA/CXC/SAO/P. Green et al.), Optisch (Carnegie Obs./Magellan/W.Baade Telescope/J.S.Mulchaey et al.)
Mithilfe des Magellan-Teleskops wurden im sichtbaren Licht zwei langgezogene Gezeitenarme, ein eindeutiges Zeichen, daß die beiden Quasare die Kerne zweier Galaxien sind, die gerade dabei sind miteinander zu verschmelzen.
Wenn man jetzt nicht nur einen Quasar im Zentrum einer Galaxie vorfindet sondern gleich zwei oder noch noch, dann ist das oft ein Zeichen für eine Gravitationslinse: Eine Massenansammlung die zwischen uns und dem eigentlichen Quasar liegt, zum Beispiel eine weitere Galaxie oder ein ganzer Galaxienhaufen - teilt das Quasarlicht in ein Mehrfachbild auf.
Daß tatsächlich mal zwei Quasare tatsächlich sehr eng beieinanderstehen, ist dagegen viel seltener. Der amerikanische Astronom Paul Green und sein Team sind mit dem Röntgensatelliten Chandra dem echten Doppelquasar SDSS J1254+0846 in knapp 4.6 Milliarden Lichtjahren Entfernung zuleibe gerückt - die zwei stehen nur 70000 Lichtjahre auseinander, weniger als der Durchmesser der Milchstraße.
Falschfarbendarstellung des Doppelquasars SDSS J1254: In blau sehen wir die Quasare im Röntgenlicht leuchten, in gelb die Gezeitenarme, die im sichtbaren Licht beobachtet werden können. Image Credit: Röntgen (NASA/CXC/SAO/P. Green et al.), Optisch (Carnegie Obs./Magellan/W.Baade Telescope/J.S.Mulchaey et al.)Mithilfe des Magellan-Teleskops wurden im sichtbaren Licht zwei langgezogene Gezeitenarme, ein eindeutiges Zeichen, daß die beiden Quasare die Kerne zweier Galaxien sind, die gerade dabei sind miteinander zu verschmelzen.
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Ebert lohnt sich
Die Überschrift lautet in voller Länge eigentlich: Vince Eberts aktuelles Comedy-Programm heißt "Denken lohnt sich". Die Kontraktion ist aber in ihrer Aussage absolut gerechtfertigt.

Das erste Mal sah ich Ebert live als Moderator der Eröffnung des Internationalen Jahrs der Astronomie in Berlin vor einem Jahr. Daher freute ich mich besonders, zwei Karten für seinen Auftritt in der Stadthalle Heidelberg geschenkt zu bekommen.
Mein Tag gestern war eigentlich eher besch…, aber Ebert hat's rausgerissen. Er hatte mich nach nur einer Minute! Obwohl er schon seit 1998 auf der Bühne steht (Wikipedia), ist er leider noch ein Geheimtipp und hätte gestern durchaus ein größeres Publikum vertragen.
Sein voriges Programm "Urknaller - Physik ist sexy" kenne ich leider nicht, sein derzeitiges ist wahrscheinlich aber weniger Physik-konzentriert. Es geht in erster Linie um Wissenschaft gegen Pseudowissenschaft, Vernunft gegen Antirealismus, Inhalt gegen Geschwafel.
Wer den pointenreichen, tiefsinnigen Humor von Dieter Nuhr oder Eckart von Hirschhausen (Eberts Regisseur) mag, kann bei Ebert nichts falsch machen.

Das erste Mal sah ich Ebert live als Moderator der Eröffnung des Internationalen Jahrs der Astronomie in Berlin vor einem Jahr. Daher freute ich mich besonders, zwei Karten für seinen Auftritt in der Stadthalle Heidelberg geschenkt zu bekommen.
Mein Tag gestern war eigentlich eher besch…, aber Ebert hat's rausgerissen. Er hatte mich nach nur einer Minute! Obwohl er schon seit 1998 auf der Bühne steht (Wikipedia), ist er leider noch ein Geheimtipp und hätte gestern durchaus ein größeres Publikum vertragen.
Sein voriges Programm "Urknaller - Physik ist sexy" kenne ich leider nicht, sein derzeitiges ist wahrscheinlich aber weniger Physik-konzentriert. Es geht in erster Linie um Wissenschaft gegen Pseudowissenschaft, Vernunft gegen Antirealismus, Inhalt gegen Geschwafel.
Wer den pointenreichen, tiefsinnigen Humor von Dieter Nuhr oder Eckart von Hirschhausen (Eberts Regisseur) mag, kann bei Ebert nichts falsch machen.
Einblick in eine kosmische Kinderstube
Egal wohin wir am Himmel schauen, überall schauen wir direkt in den Lebenskreislauf der Sterne. Wenn Sterne geboren werden, dann tun sie das meist in größeren Gruppen. Dabei kann ein ganzer Sternhaufen entstehen oder auch nur ein paar wenige Sterne auf einmal, je nachdem wieviel Masse in der Gaswolke steckt, aus der mal Sterne werden sollen. Heiße massereiche blaue Sterne können nur entstehen, wenn die Wolke genug Material enthält, kleine kühle Sterne wie die Sonne entstehen dagegen viel einfacher.
Ein wunderschönes Beispiel für eine Sternentstehungsregion mit vielen massereichen jungen Sternen ist NGC 3603. Inmitten eines Nebels sitzt hier ein junger kompakter Sternhaufen, der mehrere Tausend Sterne enthält, die meisten davon sind sonnenähnlich. Aber auch eine Handvoll blauer Überriesen drängt sich dort. Obwohl sie astronomisch gesehen gerade erst geboren wurden, nähern sie sich schon wieder dem Ende ihres Lebens. Je massereicher nämlich ein Stern ist, desto schneller hat er seinen Kernbrennstoff verbraucht.
Bei Messungen mit dem Infrarotspektrographen SINFONI am Very Large Telescope hat sich herausgestellt, daß einer dieser Sterne ein Doppelsystem ist, dessen Einzelkomponenten 116 und 89 Sonnenmassen haben. Damit ist der massereichere der beiden ein guter Kandidat für den massereichsten Stern innerhalb der Milchstraße.
Ein wunderschönes Beispiel für eine Sternentstehungsregion mit vielen massereichen jungen Sternen ist NGC 3603. Inmitten eines Nebels sitzt hier ein junger kompakter Sternhaufen, der mehrere Tausend Sterne enthält, die meisten davon sind sonnenähnlich. Aber auch eine Handvoll blauer Überriesen drängt sich dort. Obwohl sie astronomisch gesehen gerade erst geboren wurden, nähern sie sich schon wieder dem Ende ihres Lebens. Je massereicher nämlich ein Stern ist, desto schneller hat er seinen Kernbrennstoff verbraucht.
Bei Messungen mit dem Infrarotspektrographen SINFONI am Very Large Telescope hat sich herausgestellt, daß einer dieser Sterne ein Doppelsystem ist, dessen Einzelkomponenten 116 und 89 Sonnenmassen haben. Damit ist der massereichere der beiden ein guter Kandidat für den massereichsten Stern innerhalb der Milchstraße.
Labels:
Astronomie,
ESO
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