Wie eine Flasche leer...

... so präsentiert sich nach getaner Arbeit die Ladebucht der Raumfähre Atlantis vor dem Erdhorizont:



Gar nicht schwach wie eine Flasche leer ist die Leistung der Shuttle-Mission STS-132: So wurden unter anderem das russische Forschungsmodul Rassvet und eine Ersatzantenne für die Kommunikation mit der Bodenstation geliefert und montiert.

Die Atlantis ist seit gestern bereits von der ISS abgekoppelt und soll am Mittwoch landen. Eigentlich war dies der letzte Flug der Atlantis, doch wird das Raumfahrzeug nochmals startbereit gemacht, um als Rettungsboot dienen zu können, falls bei den beiden verbleibenden Flüge etwas schief geht. Wenn diese Flüge absolviert sind und die Atlantis sowieso startbereit rumsteht, könnte man sie eigentlich doch noch ein letztes mal fliegen lassen, sofern man die Anzahl der Besatzungsmitglieder soweit einschränkt, dass die Sojus-Kapseln der ISS als Rettungsboote ausreichen. Lassen wir uns überraschen.

Wissenswertes über Furcht und Schrecken

  Phobos aus 6800 Kilometern Entfernung, Image Credit: NASA/JPL-Caltech/University of Arizona 


Es müssen ja nicht immer die neuesten Meldungen sein, manchmal macht es auch einfach Spaß, sich alte Neuigkeiten zu vergegenwärtigen. Da wäre zum Beispiel unser äußerer Nachbar Mars. Der nach dem römischen Kriegsgott benannte Planet hat zwei Monde, die treffenderweise Phobos (Furcht) und Deimos (Schrecken) heißen, zwei Namen, die wohl auch mythologisch mit dem Gott Mars verbandelte Figuren darstellen. Entdeckt wurden die Monde aber nicht durch die alten Römer, sondern erst am 18. August 1877 durch den amerikanischen Astronomen Asaph Hall. Dabei hatte schon Johannes Kepler die beiden Monde aus logischen Gründen "vorhergesagt": Die kugelligen Zwillingskinder des Mars.

Heute wissen wir, dass diese beiden Monde eher Kartoffeln als Kugeln gleichen und vielleicht eingefangene Asteroiden sind - eine Hypothese, die aber keineswegs gesichert ist. Im Vergleich zu unseren Mond mit seinem Durchmesser von 3476 Kilometer sind sie geradezu winzig. Die innere Phobos-Kartoffel kommt auf circa 22 Kilometer, der äußere Mond Deimos auf 12 Kilometer Durchmesser.

Interessant an den beiden ist unter anderem, ihre unterschiedliche Umlaufdauer um den Mars. Sie umlaufen den Planeten rechtläufig, also in derselben Richtung, wie der Drehsinn der täglichen Marsrotation. Der äußere Mond Deimos benötigt etwa 30 Stunden (nicht Tage wie unser Mond!) für einen Umlauf um den Mars. Ein Marstag selbst wiederum ist nur geringfügig länger als ein Erdtag, nämlich 24 Stunden und 37 Minuten. Deimos benötigt also für einen Umlauf um den Mars nur ein klein bisschen länger als ein Marstag dauert. So geht der Mond zwar wie die Sterne im Osten auf, ändert aber kaum seine Position am Himmel, so dass es rund 65 Stunden dauert, bis er endlich im Westen untergeht. Für einen Beobachter auf dem Mars steht Deimos also wie festgenagelt am Himmel.

Phobos ist da das genaue Gegenteil. Da er nur 7 Stunden und 40 Minuten für einen Umlauf braucht, scheint er wie eine Raumstation über den Himmel zu rasen. Obwohl seine Bewegung rechtläufig ist, geht Phobos dabei nicht im Osten auf, sondern im Westen! Erreicht Phobos dann für einen Beobachter auf den Mars seinen höchsten Punkt der Bahn, also seinen Kulminationspunkt, kommt es jedes mal zu einer Mondfinsternis, denn mit einer Entfernung von gerade mal 5984 Kilomter steht er Mars so nahe, dass er bei jedem Umlauf seinen Schatten kreuzt.

Phobos hat noch eine Besonderheit: Einen riesigen Krater namens Stickney. Das Bild oben zeigt diese gewaltige Delle auf der rechten Seite. Von diesem Krater scheinen parallele Streifen auszugehen, Ketten von kleineren Einschlagkratern. Wie genauere Untersuchungen zeigen, ist dem aber nicht so. Wie unser Mond auch zeigt Phobos dem Mars immer dieselbe Seite zu, Astronomen sprechen von einer gebundenen Rotation. Auf der dem Mars zugewandten Seite des Mondes gibt es daher einen mathematischen Punkt der Hemisphäre, der dem Mars am nächsten steht, der sogenannte Apexpunkt. Auf diesen Apexpunkt laufen die parallelen Linien zu. Ihre Ursache liegt also nicht in Stickney, sondern in Gesteinsmaterial, das durch Meteoriteneinschlag auf den Mars herausgeschleudert wurde und dann den Mond Phobos traf. Die Streifen markieren also die Richtung, aus der dieser Beschuss kam.

Schöne Bilder vom letzten Phobos-Vorbeiflug der Sonde Mars Express gibt es bei der europäischen Weltraumbehörde ESA zu bewundern. Russland plant 2011 eine Landemission auf Phobos, bei der auch Bodenmaterial zur Erde zurückgebracht werden soll (sample return mission). Mehr dazu auf Wikipedia unter Fobos-Grunt.

Quelle und Lesetipp: Sterne und Weltraum, Ausgabe Mai 2010

Alte Kapsel im Museum

Gelernt ist gelernt! Ulf Merbold besteigt zum zweiten Mal die Sojus TM-19-Kapsel. Diesmal mit Schlips und Sakko beim Empfang des neuen Exponats im Technik Museum Speyer. (sf)

Ein weiteres spektakuläres Raumfahrzeug ist im Technik Museum Speyer gelandet: Die original Landekapsel der Sojus Mission TM 19, mit der der deutsche Astronaut Ulf Merbold am 4. November 1994 von der russischen Raumstation MIR zur Erde zurück flog, steht nun neben dem russischen Shuttle Buran.

Mit dem Erwerb der Sojus TM-19 Landekapsel ist es dem Technik Museum Speyer gelungen einen weiteren Meilenstein der internationalen Raumfahrtgeschichte nach Deutschland zu holen und im Rahmen Europas größter Raumfahrtausstellung einem breiten Publikum zugänglich zu machen.
Die Kapsel wurde von einem Freund des Museums, Buran-Testpilot und Kosmonaut Igor Volk, Anfang dieser Woche persönlich an Museumsleiter Hermann Layher übergeben. Und noch ein früherer Insasse der Kapsel hatte sich zu deren feierlicher Ankunft in Speyer angesagt: Der deutsche ESA-Wissenschaftsastronaut Ulf Merbold, der bei seinem dritten und letzten Raumflug mit der TM-19 am 4. November 1994 in der kasachischen Steppe gelandet war.

Merbold: "Das ist schon ein emotionaler Moment für mich. Immerhin hat dieses Stück Blech für vier Wochen mein Überleben im Weltraum gesichert."

Sojus (russ. „Vereinigung, Union“) ist der Name einer Reihe von bemannten russischen Raumschiffen für Besatzungen von bis zu drei Personen. Das in den 1960er Jahren vom OKB-1 Sergei Koroljows entwickelte und anschließend mehrfach modifizierte Sojus-Raumschiff wurde zu einer bemannten Fähre für die Raumstationen der Saljut-Reihe, später für die MIR und derzeit für die Internationale Raumstation (ISS). Raumschiffe der Sojus-Reihe sind seit 1967 im Einsatz. Sojus TM-19 lautete die Missionsbezeichnung für einen Flug zur Raumstation MIR. Hierbei handelte es sich um den 19. Besuch eines Sojus-Raumschiffes bei der Raumstation MIR und den 95. Flug im russischen Sojusprogramm. Die Mission startete am 1. Juli 1994 im Weltraumbahnhof bei Baikonur, Kasachstan.

Zur Startbesatzung gehörten der Kommandant Juri Iwanowitsch Malentschenko (1. Raumflug) und der Bordingenieur Talghat Mussabajew (1. Raumflug). Bei der Rückkehrmannschaft war neben den beiden Russen auch der deutsche Astronaut Ulf Merbold (3. Raumflug) an Bord. Merbold gelangte am 3. Oktober 1994 mit Sojus TM-20 auf die MIR. Er war der erste ESA-Astronaut auf der russischen Raumstation und absolvierte den bis dahin längsten Aufenthalt eines Westeuropäers im All.

Die Landekapsel Sojus TM-19 ist seit dem 4. Mai 2010 unmittelbar neben dem russischen Space Shuttle Buran im Technik Museum Speyer zu sehen.

Von Asteroiden bis hin zu fernen Galaxien

Nicht nur das Hubble Space Telescope macht eindrucksvolle Himmelsaufnahmen (von den Amerikanern entsprechend "vermarktet"), auch wir Europäer bekommen das inzwischen hin. In aller Regelmäßigkeit veröffentlicht die ESO Bilder, die entweder vom Wide Field Imager am 2.2m-Teleskop der Max-Planck-Gesellschaft auf La Silla oder vom Survey-Teleskop VISTA auf dem Nebengipfel des Paranal stammen und die uns den Kosmos in seiner ganzen Pracht zeigen.

Die neueste derartige Aufnahme hat sich den Galaxienhaufen Abell 315 zum Ziel gewählt, und tatsächlich zeigt das Bild unzählige Galaxien auf einem Fleck innerhalb des etwa vollmondgroßen Bildfeldes. aber nicht nur Mitglieder des etwa 2 Milliarden Lichtjahre von uns entfernten Galaxienhaufens sind zu sehen, auch noch jede Menge andere Galaxien kommen zum Vorschein, die meisten noch weiter entfernt und oft nur noch als schwache Lichtflecken zu erkennen.

Aufnahme des Galaxienhaufens Abell 315 mit demWide Field Imager der ESO am 2.2m-Teleskop der max-Planck-Gesellschaft auf La Silla. Image Credit: ESO/J. Dietrich

Dazwischen haben sich ein paar Sterne aus der Milchstraße gemogelt - zu erkennen an den feinen Spikes - "Strahlen", die durch die Halterung des Sekundärspiegels des Teleskops verursacht werden. Und noch etwas sieht man: Kurze rote, grüne oder blaue Streifen, Strichspuren von Asteroiden. Farbig sind sie, weil das Bild aus mehreren Aufnahmen mit Farbfiltern zusammengesetzt ist, die nachträglich am Computer zu einem Farbbild miteinander kombiniert werden. Die Asteroiden hat man dann immer nur mit einem Filter erwischt, und machen sich entsprechend bemerkbar. Aus der Länge der Streifen läßt sich - die Belichtungszeit ist ja bekannt - die Geschwindigkeit und damit die Entfernung des Asteroiden bestimmen.

Den Killer auf dem Radar

 Image credit: NASA/Cornell/Arecibo

So sieht er aus, der Asteroid 2005 YU55, der unserer Erde gefährlich nahe kommen könnte. Solche Erdbahnkreuzer stehen natürlich unter besonderer Beobachtung. Diese Aufnahme zeigt ein Radarbild, das mit der gewaltigen, über dreihundert Meter durchmessenden Schüssel des Radioobservatoriums Arecibo in Puerto Rico am 19. April aufgenommen wurde. Astronomen des JPL-Instituts der NASA, die sich mit solchen "Near Earth Objects" befassen, können dank solcher Messungen die Gefährdung abschätzen. Hier die gute Nachricht: Der Asteroid 2005 YU55 wird uns die nächten hundert Jahre nicht treffen. In den Worten des JPL-Astronomen Steve Chesley:
"At one time we had classified 2005 YU55 as a potential threat. Prior to the Arecibo radar passes on April 19 thru 21, we had eliminated almost all upcoming Earth flybys as possibilities of impact. But there were a few that had a low remaining probability of impact. After incorporating the data from Arecibo, we were able to rule impacts out entirely for the next 100 years."
Weitere Folgebeobachtungen des Near Earth Object Observations Program, auch "Spaceguard" genannt, werden es den Astronomen ermöglichen, die Kollisionswahrscheinlichkeit von 2005 YU55 mit unserer Erde noch über die nächsten hundert Jahre hinaus anzugeben. Eine täglich aktualisierte Liste der Himmelskörper, die unserer Erde nahe kommen, findet man auf dieser Seite des JPL: http://neo.jpl.nasa.gov/ca/ Was hätten die alten Gallier rund um Asterix dafür gegeben, eine Tabelle zu haben, die sagt, wann ihnen der Himmel wirklich auf den Kopf fällt!

Zum Zeitpunkt der Aufnahme oben befand sich der Asteroid in 2,3 Million Kilometern Entfernung von der Erde, was in etwa der sechsfachen Monddistanz entspricht. Die Radarmessung zeigt, dass es sich bei dem Asteroiden um einen sphärischen Körper mit vierhundert Metern Durchmesser handelt.

Quelle: NASA Asteroid Watch

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