Gott! Wo steckst Du?

In einem lockeren Gespräch plaudern drei wortgewandte Denker um das goldene Kalb, ohne die Ausgangsfrage zu beantworten. Nicht Gott zu finden, sondern gepflegt über ihn zu reden, das ist der eigentliche Mehr- und Unterhaltungswert dieser zwei stündigen Aufnahme - so jedenfalls das Fazit der drei Diskutanten, von denen jeder einen anderen Zugang zur Frage nach Gott hat. Für den österreichische Kabarettist Gunkl - mit richtigen Namen Günther Paal - ist die Sache klar: Gott ist nicht wichtig, die Welt kann mit "Bordmitteln" erklärt werden und das Bedürfnis nach Sinnerklärungen, die über die naturalistische Erkenntnis hinausgehen, sind sinnlos: "Mehr als doos maas waas, güübt es nett zu wissen", resümiert er mit sympathischen Akzent. Der dem Fernsehpublikum bekannter Astrophysiker Harald Lesch ist evangelisch und kokettiert mit protestantischer Askese. Er hält es für erstrebenswert, ständig im Zweifel zu leben, also gläubig zu sein und dies doch dauernd anzuzweifeln. Was für Lesch eine Lebensphilosophie ist, ist für Gunkl einfach nur mühsam, nämlich einen Gott zu erfinden, den man "on the fly permanent" apologetisch unterfüttern muss, um ihn aufrecht zu erhalten. Der Agnostiker Gunkl hält den Glauben in seiner Funktion als "Gruppenkitt" nützlich und für ein Produkt der Evolution. Harald Lesch ist dieser reine Verstandesansatz zu einfach. Er versucht ständig dem Gespräch eine theologische Tiefe zu geben und zugleich Glaube und Glaubenserfahrung als subjektives Erlebnis zu begreifen. Überhaupt ist Harald Lesch voller Respekt vor theologischen Denken und der Bedeutung der Religion für Kunst und Kultur - wahrscheinlich hält er Theologie sogar für eine Wissenschaft.
Der dritte im Bunde ist der Hirnforscher Manfred Spitzer. Er bekennt sich zu seiner katholischen Sozialisation, ist inzwischen aber wohl kirchenfern. In dem Gespräch nimmt er eine angenehm distanzierte Haltung ein. Während sich Gunkl eindeutig zu seinem Unglauben bekennt und Harald Lesch als moderner Protestant um die Gottesfrage herum eiert, streut Manfred Spitzer interessante Erkenntnisse aus der Hirnforschung ein. Auch dies führt zu einer Vertiefung des Gesprächs. Beispielsweise bei der Frage, was man unter religiösen Glauben überhaupt verstehen will, denn religiöse Praktiken sind im Gehirn ganz unterschiedlich repräsentiert. Es ist hirnphysiologisch ein Unterschied, ob man vom Beten, religiösem Erleben oder religiöser Reflexion spricht, weshalb Religion nicht einfach im Gehirn lokalisiert werden kann und überhaupt "Religion" kein gutes begriffliches Konzept ist. Ohne diese Erläuterungen Manfred Spitzers würde das Gespräch zwischen Gunkl und Lesch im Wesentlichen die Stereotypen zwischen Atheisten und Gläubigen wiedergeben. Wenn beispielsweise der Atheist Gunkl die Bibel als Wort Gottes bezeichnet und auf Widersprüche in ihr hinweist, reagiert Lesch mit dem Abwehrreflex der Gläubigen, insofern er die Bibel als Geschichtensammlung relativiert. Hier zeigt sich wieder das Phänomen, dass unter gemäßigten Denkern nur Atheisten die Bibel wirklich ernst nehmen - und wahrscheinlich auch nur lesen.
Kurz gesagt sucht Harald Lesch ständig nach theologischem Tiefgang, der rationale Gunkl bleibt pragmatisch und Manfred Spitzer unterfüttert mit Fakten aus der Hirnforschung. Das Ganze lässt sich wunderbar anhören, denn der Ton ist unaufgeregt und respektvoll, was wohl auch daran liegt, dass alle drei das Thema Gott nicht zu wichtig nehmen und sich nicht missionieren wollen. Außerdem sind sie sich natürlich einig, was das naturwissenschaftliche Fundament anbelangt. Sie halten den Menschen und seine Fähigkeit oder Neigung zu Glauben für ein Produkt der Evolution. Hier kommt der einzige Schwachpunkt der Gesprächsrunde zur Geltung. Alle drei sind ziemlich schwach auf der Brust, was die Evolutionsbiologie anbelangt und so werden naheliegende interessante Fragestellungen von ihnen nicht aufgegriffen. Ein vierter Gesprächspartner wäre aber vielleicht auch einer zu viel gewesen.

Bibliographische Angaben:

Manfred Spitzer, Harald Lesch, Gunkl
Gott! Wo steckst du?
Ein Live-Gespräch. 140 Minuten
2011, 2 Audio-CDs, Verlag: Galila
ISBN: 9783902533326

Wie groß ist ein Zwerg? Die Vermessung von Eris

Eris und sein Mond Dysnomia gesehn mit dem Weltraumteleskop Hubble, Credit: NASA, ESA und M. Brown (California Institute of Technology)
 Pluto ist nicht alleine. Der Ex-Planet zieht vierzig mal weiter als unsere Erde um die Sonne seine Kreise zusammen mit zahlreichen anderen Himmelsobjekten. Diese Schar von Körpern bilden den sogenannten Kuipergürtel. Die Tatsache, dass Pluto diese Region mit vergleichbaren Objekten teilt, hat ihn letztlich den Planetenstatus gekostet. Die Alternative wäre gewesen, all die neu entdeckten Kuipergürtel-Objekte als Planeten aufzufassen und da wollte man doch lieber etwas Exklusivität bewahren. Einer dieser Zwergplaneten ist Eris und wie bei einem so weit entfernten Zwerg nicht anders zu erwarten, wissen wir über Eris so viel wie über Pluto: fast nichts!

Das hat sich jetzt aber doch deutlich gebessert. Grund ist die exakte Beobachtung einer Sternbedeckung von Eris, unter anderem durch Astronomen der europäischen Südsternwarte ESO in Chile. Die Astronomen beobachteten, wie Eris auf seiner Bahn um die Sonne vor einen Stern vorüberzog und maßen, wie lange diese Sternbedeckung andauert. Aus der bekannten Umlaufgeschwindigkeit von Eris können die Astronomen so auf dessen Durchmesser schließen. Damit das klappt, sind unabhängige Beobachtungen von verschiedenen Teleskopen nötig, die aufgrund ihrer etwas unterschiedlichen geographischen Breite auch etwas andere Zeiten messen. Der Vergleich dieser Zeiten ergibt dann den genauen Verlauf der Verfinsterung und damit die Ausdehnung des bedeckenden Körpers. Die Animation in dem Video unten veranschaulicht das wunderbar. Jedenfalls können die Astronomen den Durchmesser von Eris nun mit einer Genauigkeit von gerade mal 12 Kilometer angeben! Herausgekommen ist ein Durchmesser von 2326 Kilometern.

Ob nun Eris größer oder kleiner als Pluto ist, weiß man immernoch nicht, denn wir kennen den Durchmesser von Pluto nicht mit dieser Genauigkeit. Da Plutos Durchmesser irgendwo zwischen 2300 und 2400 Kilometern liegt, kann man aber sagen, dass beide Körper etwa gleich groß sind. Das ist insofern neu, als man bis vor kurzem noch dachte, Eris sei definitiv größer als Pluto. Der Grund ist die extreme Albedo von Eris: Der Zwerplanet reflektiert das Licht stärker als frisch gefallener Schnee - er ist weißer als weiß! Aus diesem Grund ist er relativ hell und um diese Helligkeit zu erklären, sind die Astronomen von einem Durchmesser über 3000 Kilometern ausgegangen. Jetzt haben wir den Durchmesser aber unabhängig von der Helligkeit bestimmt und können stattdessen vermuten, dass Eris eine helle Eiswelt mit einer frisch ausgefrorenen Atmosphäre ist. Oder ist Eris vielleicht nicht nur oberflächlich gefroren, sondern eine durchgehende Eiskugel? Nein, das wohl nicht, denn die Astronomen können die Dichte von Eris nun zu 2,52 g/cm³ angeben - zuviel für Eis. Wie kommt man auf diesen Wert? Für die Dichte braucht man den Radius - check, haben wir - und die Masse. Die Masse ergibt sich aus der Beobachtung des Mondes von Eris. Dieser Dysnomia genannte Körper umkreist Eris in mit einer bekannten Umlaufdauer und in einem bekannten Abstand. Daraus lässt sich die Massen von Eris berechnen (3. Kepler'sches Gesetz).

Die Atmosphäre von Eris könnte aus Stickstoff oder Methan bestehen und sich bilden, wenn Eris seinen sonnennächsten Punkt auf der Umlaufbahn erreicht. Entfernt sich Eris wieder von der Sonne würde sich dann auf dem -238°C kalten Zwergplaneten eine frische Eisschicht bilden, die ihn so hell werden lässt. Eigentlich doch recht erstaunlich, was wir alles über einen etwa zehn Milliarden Kilometer weit entfernten Zwerplaneten herausfinden können!



Quelle und weitere Informationen: ESO

Der Start der russischen Sojus vom europäischen Weltraumbahnhof

Merkwürdige Bodensenken auf Merkur

 

Credit: NASA/Johns Hopkins University Applied Physics Laboratory/Carnegie Institution of Washington

Die amerikanische Planetensonde MESSENGER ist zwar nicht der erste menschengemachte Besucher des innersten Planeten, aber die erste Sonde, die sich in einer permanenten Umlaufbahn um Merkur befindet - und das seit März 2011.

Merkur ist mit seinem Durchmesser von 4880 Kilometer der kleinste Planet. Er steht der Sonne mit gerade mal dem 0,4-fachen der Entfernung Erde-Sonne sehr nahe. Diese große Nähe und die Abwesenheit einer ausgleichenden Atmosphäre bewirken extreme Temperaturschwankungen auf Merkur von - 170° C bis 430° C. Ein lebensfeindlicher, heißer, atmosphärenloser Gesteinsplanet also, der von Einschlagskratern übersät ist und dessen geologische Geschichte schon lange zurück liegt - ein toter Planet.

Diesem Bild widersprechen neue Aufnahmen von MESSENGER, denn sie zeigen Bodenvertiefungen, die jüngeren Datums sein müssen, insofern sie nicht von Einschlagskratern überdeckt sind. Da es keine  Wetterphänomene auf Merkur gibt, scheiden Wind und Wasser als Ursache aus. Die Wissenschaftler stehen vor einem Rätsel.

Auffallend an den bis zu zwei Kilometer durchmessenden Bodensenken ist ihre Verteilung. Sie treten am Rande von Zentralbergen auf, die sich im inneren von Einschlagskratern bilden, wenn der Boden nach einem Meteoriteneinschlag elastisch zurückfedert. Die Senken bilden sich dann in dem ringförmigen Bereich um diese zentralen Erhebungen im Kraterinneren. Hier ist ein schönes Beispiel:


  In diesem Bereichen um die Zentralberge des Kraters wird nach einem Meteoriteneinschlag Material an die Oberfläche gebracht, das vorher deutlich tiefer lag. Material, das flüchtige Bestandteile, zum Beispiel Schwefel enthält, könnte dann instabil werden, wenn es auf diese Art nach oben gelangt und dem Sonnenwind, sowie der intensiven Sonnenstrahlung ausgesetzt wird. Der Boden wird mit dem Verlust der flüchtigen Bestandteile schwammig und bricht irgendwann in Form einer Senke ein. Im O-Ton klingt die Hypothese so:

"Certain minerals, for example those that contain sulfur and other volatiles, would be easily vaporized by the onslaught of heat, solar wind, and micrometeoroids that Mercury experiences on a daily basis. Perhaps sulfur is vaporizing, leaving just the other minerals, and therefore weakening the rock and making it spongier. Then the rock would crumble and erode more readily, forming these depressions."
Das meint jedenfalls David Blewett, einer der an MESENGER beteiligten Wissenschaftler. Zu dieser Hypothese passt auch, das nach ersten Untersuchungen MESSENGERS der Merkur reich an schwefelhaltigen Material ist.

Die MESSENGER-Mission zeigt jedenfalls jetzt schon eins: Selbst eine vermeintlich tote Welt kann sich als rätselhaft und spannend erweisen, wenn man nur mal genauer hinschaut.

Hier noch ein NASA-Video zu dieser Entdeckung:



Quelle: NASA

SOLEmio - die Sonnenuhr für die Hosentasche

SOLEmio: 5,2 cm hoch, 4 cm Durchmesser. Zu sehen ist der Sonnenbrenpunkt bei Würzburg
SOLEmio ist ein kleines astronomisches Gadget, das es verdient, hier vorgestellt zu werden. Es geht um eine Sonnenuhr, die keinen Schattenstab hat und daher problemlos in die Hosentasche passt, wo ein Schatttenstab nur Probleme bereitet. Die Sonnenuhr besteht einfach aus einem Plexiglaszylinder. Durch Lichtbrechung erzeugt das Sonnenlicht nach dem Durchgang durch den Zylinder einen Brennfleck an dessen Oberfläche. Dort ist nun eine Skala aufgetragen mit sogenannten Zeitschleifen, die nicht zufällig an eine Analemma erinnern. Die Lage des Brennflecks auf den Zeitschleifen gibt die Uhrzeit wieder. Darüber hinaus sind noch Datumslinien angegeben, so dass die Uhr einem auch das Datum anzeigt. Witzig finde ich, dass auf dem Plexiglaszylinder die Erdoberfläche projiziert ist. Der Brennfleck markiert so die Stelle auf der Erde, an der die Sonne momentan im Zenit steht.

Jetzt ist natürlich klar, dass das ganze nur funktioniert, wenn der Zylinder korrekt orientiert ist. Dazu gibt es drei Möglichkeiten: Am besten ist, wenn man einmal von einer normalen Uhr die Zeit abliest und dann den Zylinder so dreht, dass der Brennpunkt die korrekte Lage hat. Etwas ungenauer, aber im Prinzip auch möglich ist es, den Zylinder so zu drehen, dass das Datum mit dem Brennpunkt übereinstimmt. Wem es widerstrebt eine Sonnenuhr mit einer Digitaluhr einzustellen, kann auch einen Kompass benutzen und damit die Markierungen auf dem Zylinder nach den Himmelsrichtungen ausrichten.

Letztlich ist der Zylinder zweiseitig zu benutzen: Kenne ich die Zeit, kann ich die Himmelsrichtungen bestimmen, kenne ich hingegen die Himmelsrichtungen, verrät der Zylinder mir die Uhrzeit.

Die Skala der Sonnenuhr mit den Zeitschleifen und Datumslinien ist für einen Ort mitten in Deutschland berechnet: 10,5° Ost und 51,0° Nord, irgendwo in Thüringen. Im Rahmen der Ablesegenauigkeit kann man die Uhr getrost auch außerhalb Thüringens verwenden. Wer will kann sogar eine Korrektur vornehmen, in dem er die Uhr leicht neigt. Dafür ist auf dem Zylinder eine Korrekturgrafik angebracht. Beispiel: Benutze ich die Uhr in Stuttgart, sollte ich sie idealerweise um circa 2,3° neigen.

Ich finde das ist ein simples unkaputtbares Spielzeug, mit dem man den Jahreslauf der Sonne wunderbar nachspielen kann - und es passt in die Hosentasche.

SOLEmio gibt es hier im Science-Shop.

Augen auf: Die Orioniden kommen


Am frühen Samstagmorgen, also noch vor Sonnenaufgang, lohnt ein Blick zum Himmel. Der Meteorstrom der Orioniden erreicht am 22. Oktober seinen Höhepunkt. Mit fünfzehn Meteore pro Stunde rechnen die Astronomen. Dieser Meteorstrom wird dadurch verursacht, dass unsere Erde auf ihrer Bahn um die Sonne die Umlaufbahn des Kometen 1P/Halley kreuzt. Wie jeder Komet verliert auch der Halley'sche bei seiner periodischen Wanderung ins Innere unseres Sonnensystems Material in Form kleiner Eis- und Staubkörner. Kreuzt die Erde diese Schmutzbahn, prallen diese Körner auf unsere Atmosphäre und verursachen eine Leuchterscheinung, Meteor oder auch Sternschnuppe genannnt. Der Halley'sche Komet selbst muss dabei also gar nicht in der Nähe sein. Er befindet sich momentan 33 mal so weit von der Sonne entfernt, wie die Erde und schaut wohl erst im Jahre 2061 wieder bei uns vorbei.

Übrigens: Das Wort Schnuppe bezeichnet ursprünglich einen kurzen glühenden Dochtfaden, der beim beschneiden des Kerzendochts nach unten fällt und durch den Fallwind kurz aufglüht.

Da sich die Meteoroiden eines Meteorstroms alle auf der Bahn eines Kometen aufhalten, scheinen die Meteore alle von derselben Stelle des Himmels auszugehen. Dieser Punkt wird Radiant genannt und nach der Lage des Radiants am Himmel werden wiederum die Meteorströme benannt. Die Oirioniden haben ihren Namen also vom Sternbild Orion, dem Himmelsjäger, der ihre Quelle zu sein scheint.  Das Bild zeigt die Lage des Radianten:


 Darin liegt auch ist gleich eine Besonderheit der Orioniden: Zwar ist der Meteorstrom nicht sonderlich ausgeprägt, aber die Region am Himmel ist besonders hübsch und markant. Der Himmelsjäger Orion wird auch vom nur gelegentlichen Himmelsgucker leicht gefunden. Der Radiant liegt etwas links oberhalb (nordöstlich) des hellen orangenen Sterns Beteigeuze, der eine der Schultern des Jägers markiert. Links sieht man die beiden ebenfalls hellen Zwillingssterne Castor und Pollux unterhalb leuchtet der fast schon grelle Stern Sirius.

Dieser hübsche Himmelsanblick wird von einem kleinen Dreieck aus dem Planeten Mars, dem Mond und dem hellsten Stern im Sternbild Löwe, Regulus komplettiert:


Dies ist also der Himmelsanblick vor dem Sonnenaufgang. Grundsätzlich ist die zweite Nachthälfte besser geeignet Meteorströme zu beobachten, da wir dann sozusagen in Flugrichtung der Erde schauen.

Meteorströme, wie die Schmutzbahn von Halley, haben eine Ausdehnung, die weit größer ist, als das System Erde-Mond. Das heißt, während Meteore in unserer Atmosphäre aufleuchten, schlagen die Körnchen ungebremst auf den Mond. Auf der dunklen, nicht von der Sonne beleuchteten Seite des Mondes sind dann im Teleskop Lichtblitze zu sehen. Nach solchen Mondmeteoren halten Profiastronomen wie Bill Cooke von der NASA Ausschau:
"Since we began our monitoring program in 2005, our group has detected more than 250 lunar meteors. Some explode with energies exceeding hundreds of pounds of TNT."
 sagt Cook und fügt hinzu, dass Mondbewohner während eines Meteorstroms besser im Haus bleiben sollten. Der Sciencefiction-Leser denkt da natürlich sofort an den "Stroem" aus den Sterntagebücher von Stanislaw Lem. Bill Cooke und Kollegen hingegen wollen mit ihren Beobachtungen etwas über die Struktur der Meteorströme erfahren und die Energie, mit der die Meteoroide aufschlagen.

Zum Schluss noch eine kleine Bemerkung zur Nomenklatur: Solange der Körper noch unterwegs ist, heißt er Meteoroid (analg zu Asteroid). Die atmosphärische Leuchterscheinung ist der Meteor. In der Regel verglüht der Meteoroid vollständig. Sollte aber doch was unten am Boden ankommen, ist es ein Meteorit.

Quelle, auch der Bilder: NASA

Auch die Venus hat eine Ozonschicht

Die europäische Planetensonde "Venus Express", Credit: ESA
Seit April 2006 hat der innere Schwesterplanet unserer Erde Besuch von der Raumsonde Venus Express. Sie studiert das komplexe atmosphärische Geschehen auf der Venus, denn unser planetarer Nachbar ist komplett und ständig wolkenverhangen. Die dichte Atmosphäre besteht im wesentlichen aus Kohlendioxid mit einem Schuss Stickstoff und sorgt für einen höllischen Treibhauseffekt. Bei Oberflächentemperaturen von 470° C kann man locker eine Pizza ohne Ofen backen und das bei einem Luftdruck von 90 bar, was in etwa dem Wasserdruck in einem Kilometer Tiefe auf der Erde entspricht. Selbst wenn man einen Raumanzug hat, der einem vor der Hitze schützt, würde man bei einem Spaziergang auf der Venus heftig gegen die Atmosphäre ankämpfen müssen - mehr schwimmen als laufen. Dabei ist es nahe der Oberfläche eher windstill - nur der saure Regen aus den Schwefelsäurewolken nagt bedrohlich am Anzug.

Hier ein hübsches kurzes Video der Venus mit Bildmaterial der ESA:


Venus Express kann die höllische Venusoberfläche egal sein. Die Sonde umkreist den Planeten und schaut von oben auf die Wolken. Die Wissenschaftler des Venus-Express-Teams konnten nun das Gas Ozon in der Venusatmosphäre nachweisen. Wir bemerken das Ozon vor allem dann, wenn es fehlt. Das Ozonloch über den Erdpolen stellt eine Bedrohung für das Leben dar, denn das Gas absorbiert die gefährliche ultraviolette Strahlung (UV-Strahlung) der Sonne. Genau diese Absorptionsfähigkeit machten sich auch die Forscher zu nutze, um Ozon auf der Venus nachzuweisen. Sie warteten einfach, bis die Venus aus Perspektive der Sonde einen hellen Stern bedeckt, also durch ihren Lauf um die Sonne vor einen weit entfernten Stern wandert. Dessen Licht durchstrahlte dann die Venusatmosphäre und konnte mittels Spektralanalyse in seine Bestandteile zerlegt werden. Und siehe da, es fehlen die Bestandteile im Sternenlicht, die typischerweise von Ozon absorbiert werden.

Nach unserer Erde und dem äußeren Nachbarn Mars hat somit also auch der dritte terrestrische Planet Ozon in seiner Atmosphäre - übrigens in einer Höhe von etwa 100 Kilometern, was der vierfachen Höhe unserer Ozonschicht enspricht. Doch richtig interessant ist die Frage, woher das Gas eigentlich kommt. Ozon ist eine Verbindung aus drei Sauerstoffatomen. In den Atmosphären von Mars und Venus bildet sich das Gas durch die Einwirkung der energiereichen UV-Strahlung auf die Kohlendioxid-Moleküle. Dabei werden Sauerstoffatome abgespalten, die sich dann zu Sauerstoffmolekülen O2 oder eben Ozon O3 verbinden. Auf der Erde hingegen entstand die Ozonschicht vermutlich vor 2,4 Milliarden Jahren, als Mikroorganismen anfingen Photosynthese zu betreiben. Dabei scheiden sie Sauerstoff als Abfallprodukt aus, das dann teilweise durch die Einwirkung der energiereichen Sonnenstrahlung zu Ozon umgewandelt werden. Der Nachweis einer Ozonschicht könnte also als Indikator für Leben auf einen Planeten dienen, gäbe es da nicht den Bildungsmechanismus aus Kohlendioxid. Nach allem was wir derzeit wissen, gibt es kein mikrobiologisches, photosynthese betreibendes Leben auf Mars oder Venus. Da aber der biologische Bildungsmechanismus für Ozon besonders effektiv ist, kann das Gas vielleicht doch als Indikator dienen, um von der Atmosphäre eines Planeten auf seine Belebtheit zu schließen. Nach theoretischen Modellen geht man davon aus, dass ab einer Ozonkonzentration von 20% der irdischen wohl Mikroorganismen im Spiel sind. Der Ozonfund auf Venus stützt dieses Modell, denn die unbelebte Venus besitzt nur einhundert- bis eintausendstel der Ozonkonzentration der Erde.

Wenn man also durch Sternenlicht durchleuchtete Atmosphären von Exoplaneten untersucht, ist bei der Anwesenheit von Kohlendioxid zwar auch mit Ozon zu rechnen, aber die Konzentration macht den Unterschied - das lehren uns zumindest die drei terrestrischen, mit einer Atmosphäre ausgestatteten Planeten unseres Sonnensystems.

Der Zustand des Universums im Oktober

Eine ganz kleine Auswahl und Diskussion der seltsamen Dinge, die im Oktober diesen Jahres am Himmel zu sehen sind:



Hier ein paar passende Bilder und Links zu dieser Folge

Jupiter mit vier Monden, fotografiert mit Amateurmitteln, Credit: Julian Zoller

Jupiter-Aufnahme mit der Raumsonde Cassini. Man beachte den Schattenfleck des Mondes Europa, Credit: NASA/JPL/University of Arizona
Die vier großen Monde Jupiters, von oben nach unten: Io, Europa, Ganymed und Kallisto, Credit: NASA

Herbstviereck oder Pegasusquadrat. Gelb markiert ist die Lage der Kugelsternhaufen M 15 und M 2, außerdem ist rot die Ekliptik und blau der Himmelsäquator markiert. Der Schnittpunkt im Sternbild Fische ist der Frühlingspunkt. Durchläuft die Sonne diesen Punkt auf ihrer jährlichen Bahn entlang der Ekliptik, wird es Frühling.

Kugelsternhaufen M 15, Quelle: Wikipedia

Wikipedia:
Außerdem:

Newton im All - Experimente auf der ISS und in der Schule