Gas und Staub im Orion

 
Credit: Julian Zoller

Wer durch ein Teleskop schaut, sieht vor allem mehr Sterne als mit bloßem Auge. Dies bemerkte auch einer der ersten Teleskopbauer, der Physiker Galileo Galilei im Jahre 1610. So erkannte er, dass die Milchstraße kein kontinuierliches Band ist, sondern aus zahlreichen einzelnen Sternen besteht, die das Teleskop für das menschliche Auge trennen kann. Dieser Beobachtung folgend sind auch spätere Beobachter davon ausgegangen, dass sich nebelartige Objekte in Sterne auflösen, wenn man nur ein genügend großes Teleskop verwendet.

Moderne Astrofotografen wie Julian Zoller, dem wir die Aufnahme oben verdanken, hüllen das Universum wieder in Staub und Nebel ein. Auf ihren langzeitbelichteten Aufnahmen, angefertigt mit speziellen Kameras, erkennen wir das Material zwischen den Sternen: Relativ dichte Staubbänder legen sich wie Schatten vor das Sternenlicht oder streuen das blaue Licht junger Sterne, die heiß und hell leuchten. Mit ihrer ionisierenden UV-Strahlung regen sie allgegenwärtige Wasserstoffatome im dünnen Gas zum Leuchten an. Das Wasserstoffgas leuchtet in einer charakteristischen roten Farbe von 656 Nanometer Wellenlänge.

Zu sehen ist auf dem Bild der zentrale Teil des Sternbildes Orion. In den Ecken des Bildes ist jeweils einer der hellen Sterne zu sehen, die gemeinsam die Figur des Jägers bilden. Links oben der rötliche Stern Betelgeuse (im deutschen Sprachraum auch Beteigeuze genannt), rechts oben Bellatrix, rechts unten Rigel und schließlich der Stern Saiph, der das rechte Knie des Jägers markiert. Die Strichfigur aus dem Kosmos Himmelsjahr hilft bei der Orientierung:

Credit: Kosmos Himmelsjahr

Wenn wir in Richtung des Sternbildes Orion schauen, betrachten wir den Orion-Arm unserer Milchstraße. Unsere Milchstraße ist eine Spiralgalaxie, für die solche Spiralarme typisch sind. In ihnen verdichtet sich die Materie, es kommt zur Geburt von Sternen, aber auch recht früh zum Tod der besonders massereichen Exemplare. Diese Sterne vergehen in gewaltigen Supernova-Explosionen. Die Frage wie lange es noch dauert, bis uns Betelgeuse dieses kosmische Schauspiel vorführt, wurde im letzten Winter eifrig diskutiert, als dieser Stern ungewöhnlich stark an Leuchtkraft verlor.

Das rotleuchtende Wasserstoffgas zeichnet einen großen Bogen nach, der Barnard's Loop genannt wird, nach dem Astronomen Edward Emerson Barnard (1857-1923). Sein Durchmesser beträgt etwa 300 Lichtjahre, seine Entfernung zu uns 1500 Lichtjahre. Er könnte der Überrest einer Supernova sein, die bereits vor 2 Millionen Jahren einen großen alten Stern zerriss. Ein kleiner Vorgeschmack auf das, was uns bei Betelgeuse erwartet.

Fotograf: Julian Zoller
Kamera: Canon 600Da
Objektiv: 50mm Sigma Art
Montierung: Skywatcher Star-Adventurer
Belichtung: 173*150s

Keine Kommentare:

Kommentar posten