Zwei Galaxien, zwei Quasare

Quasare sind die Kerne einer aktiven Galaxie. Dahinter verbirgt sich ein supermassives Schwarzes Loch, das immer weiter mit Material aus der Umgebung gefüttert wird. Alles was dem Schwarzen Loch zu nahe gekommen ist - interstellares Gas oder auch ganze Sterne - sammelt sich in einer Scheibe um das Schwarze Loch an, die dann sehr hell leuchten kann, oft am stärksten im Röntgenlicht.

Wenn man jetzt nicht nur einen Quasar im Zentrum einer Galaxie vorfindet sondern gleich zwei oder noch noch, dann ist das oft ein Zeichen für eine Gravitationslinse: Eine Massenansammlung die zwischen uns und dem eigentlichen Quasar liegt, zum Beispiel eine weitere Galaxie oder ein ganzer Galaxienhaufen - teilt das Quasarlicht in ein Mehrfachbild auf.

Daß tatsächlich mal zwei Quasare tatsächlich sehr eng beieinanderstehen, ist dagegen viel seltener. Der amerikanische Astronom Paul Green und sein Team sind mit dem Röntgensatelliten Chandra dem echten Doppelquasar SDSS J1254+0846 in knapp 4.6 Milliarden Lichtjahren Entfernung zuleibe gerückt - die zwei stehen nur 70000 Lichtjahre auseinander, weniger als der Durchmesser der Milchstraße.

Falschfarbendarstellung des Doppelquasars SDSS J1254: In blau sehen wir die Quasare im Röntgenlicht leuchten, in gelb die Gezeitenarme, die im sichtbaren Licht beobachtet werden können. Image Credit: Röntgen (NASA/CXC/SAO/P. Green et al.), Optisch (Carnegie Obs./Magellan/W.Baade Telescope/J.S.Mulchaey et al.)

Mithilfe des Magellan-Teleskops wurden im sichtbaren Licht zwei langgezogene Gezeitenarme, ein eindeutiges Zeichen, daß die beiden Quasare die Kerne zweier Galaxien sind, die gerade dabei sind miteinander zu verschmelzen.

Ebert lohnt sich

Die Überschrift lautet in voller Länge eigentlich: Vince Eberts aktuelles Comedy-Programm heißt "Denken lohnt sich". Die Kontraktion ist aber in ihrer Aussage absolut gerechtfertigt.


Das erste Mal sah ich Ebert live als Moderator der Eröffnung des Internationalen Jahrs der Astronomie in Berlin vor einem Jahr. Daher freute ich mich besonders, zwei Karten für seinen Auftritt in der Stadthalle Heidelberg geschenkt zu bekommen.

Mein Tag gestern war eigentlich eher besch…, aber Ebert hat's rausgerissen. Er hatte mich nach nur einer Minute! Obwohl er schon seit 1998 auf der Bühne steht (Wikipedia), ist er leider noch ein Geheimtipp und hätte gestern durchaus ein größeres Publikum vertragen.

Sein voriges Programm "Urknaller - Physik ist sexy" kenne ich leider nicht, sein derzeitiges ist wahrscheinlich aber weniger Physik-konzentriert. Es geht in erster Linie um Wissenschaft gegen Pseudowissenschaft, Vernunft gegen Antirealismus, Inhalt gegen Geschwafel.

Wer den pointenreichen, tiefsinnigen Humor von Dieter Nuhr oder Eckart von Hirschhausen (Eberts Regisseur) mag, kann bei Ebert nichts falsch machen.

Einblick in eine kosmische Kinderstube

Egal wohin wir am Himmel schauen, überall schauen wir direkt in den Lebenskreislauf der Sterne. Wenn Sterne geboren werden, dann tun sie das meist in größeren Gruppen. Dabei kann ein ganzer Sternhaufen entstehen oder auch nur ein paar wenige Sterne auf einmal, je nachdem wieviel Masse in der Gaswolke steckt, aus der mal Sterne werden sollen. Heiße massereiche blaue Sterne können nur entstehen, wenn die Wolke genug Material enthält, kleine kühle Sterne wie die Sonne entstehen dagegen viel einfacher.

Ein wunderschönes Beispiel für eine Sternentstehungsregion mit vielen massereichen jungen Sternen ist NGC 3603. Inmitten eines Nebels sitzt hier ein junger kompakter Sternhaufen, der mehrere Tausend Sterne enthält, die meisten davon sind sonnenähnlich. Aber auch eine Handvoll blauer Überriesen drängt sich dort. Obwohl sie astronomisch gesehen gerade erst geboren wurden, nähern sie sich schon wieder dem Ende ihres Lebens. Je massereicher nämlich ein Stern ist, desto schneller hat er seinen Kernbrennstoff verbraucht.

NGC 3603, aufgenommen mit dem FORS Instrument am Very Large Telescope der ESO. Image Credit: ESO

Bei Messungen mit dem Infrarotspektrographen SINFONI am Very Large Telescope hat sich herausgestellt, daß einer dieser Sterne ein Doppelsystem ist, dessen Einzelkomponenten 116 und 89 Sonnenmassen haben. Damit ist der massereichere der beiden ein guter Kandidat für den massereichsten Stern innerhalb der Milchstraße.