Jupiter, Uranus, das Schlüsselloch und eine Seyfert-Galaxie

Bitteschön, die Bilder der letzten Nacht:


 Natürlich schauen wir in der Dämmerung erst einmal nach Jupiter. Der Himmel muss noch nicht richtig dunkel sein, um den hellen Planeten im Sternbild Stier zwischen den beiden offenen Sternhaufen Plejaden und Hyaden zu entdecken. Zu sehen ist auch der innerste der vier großen Jupitermonde, Io genannt, der östlich von Jupiter steht. Scherzhaft wird Io auch Pizzamond bezeichnet, denn an die Oberfläche dieser vulkanisch aktivsten Welt in unserem Sonnensystem wird ständig frisches schwefelhaltiges Material gefördert, welches das Sonnenlicht in verschiedenen Farbtönen reflektiert.


 Am Westhorizont schickt sich Uranuns an, die nächtliche Himmelsbühne zu verlassen. Uranus ist fast viermal so weit von der Sonne entfernt wie Jupiter. Daher und weil Jupiter fast dreimal so groß wie Uranus ist, sehen wir nur ein sehr kleines Planetenscheibchen. Darüber hinaus zeigt Uranus auch keine spektakulären Wolkenstrukturen, nur ein grünlich-bläuliches Schimmern, verursacht durch Methangas in der oberen Atmosphäre. Erahnen kann man auf dem Bild die großen Monde von Uranus. Da das ganze Uranussystem gekippt ist, seine Rotationsachse also in etwa in der Ebene der Ekliptik liegt, stehen seine Monde senkrecht von der Ekliptik weg. Man vergleiche das mit der Lage von Io zu Jupiter.


 Viel weiter entfernt, nämlich außerhalb unseres Sonnensystems, befindet sich der Reflexionsnebel NGC 1999. Der staubhaltige Nebel reflektiert das Licht des Sterns V 380 Orionis. Der junge heiße Stern leuchtet bläulich, was auch dem Nebel seine Farbe gibt. Das V im Sternnamen kennzeichnet ihn als veränderlichen Stern, das heißt, seine Helligkeit variiert. Genau genommen handelt es sich um ein Dreifachsternsystem. Die schwarze Dunkelwolke blockiert ein Teil des reflektierten blauen Lichts. Aufgrund der Form der Dunkelwolke wird NGC 1999 auch als Schlüssellochnebel bezeichnet. NGC 1999 ist 1500 Lichtjahre entfernt im Sternbild Orion gelegen und gehört damit zu dem großen Sternentstehungskomplex, dessen berühmtester Vertreter der Orion-Nebel ist.

Für das nächste Bild lohnt sich ein Blick auf den nächtlichen Himmelsanblick, wie er von der Planetariumssoftware Stellarium geboten wird. Uns interessiert das Objekt, das mit dem blauen Quadrat markiert ist.


 Es handelt sich um die Galaxie Messier 77, auch Cetus A genannt, im Sternbild Walfisch (lat.: Cetus). Sie steht schon recht horizontnah und der Vollmond tut sein Übriges. Trotzdem wagen wir einen Blick:


 Messier 77 ist eine schöne Spiralgalaxie vom Typ Sb. Sie besitzt also einen ausgeprägten Kern mit deutlichen Spiralarmen, die sich nicht allzu weit um die Galaxie winden. Die Galaxie ist 46,9 Million Lichtjahre entfernt und von ihrer Ausdehnung her mit unserer Milchstraße vergleichbar. Entdeckt wurde Messier 77 im Jahre 1780 von Pierre Méchain, einem Freund des berühmten Charles Messier. Lange blieb die Natur des Objekts aber unklar. Lord Rosse erkannte 1848 Spiralarme, doch teilten nicht alle Beobachter seine Meinung. Erst die Einführung der Fotografie in die Astronomie löste die Streitfrage. Heute betrachten wir Messier 77 als die nächstgelegene Seyfert-Galaxie. Dieser, nach dem amerikanischen Astronomen Carl Seyfert benannte Typ Galaxien weist typische Emissionslinien im Spektrum auf, die auf heißes ionisiertes Gas um den Galaxienkern schließen lässt. Ursache dafür sind energiereiche Aktivitäten im Kern der Galaxie.

Gegen den hellen Jupiter hat der Vollmond keine Chance und weil der riesige Planet so schnell rotiert, zeigt er uns jetzt schon ein anderes Gesicht.


 In diesem tollen Bild sehen wir den berühmten Wirbelsturm, den Großen Roten Fleck, aber auch sonst sehr viel filligrane Struktur. Das ist eben Astronomie-live: mal ist der Wurm drin, mal stimmt einfach alles.

Verwendete Literatur: Atlas der Messier-Objekte Oculum-Verlag

1 Kommentar:

  1. Hallo,
    tolle Aufnahmen, ich bin neidisch! Letzte Nacht war es endlich über meinem Standort sternenklar, aber der Mond störte doch sehr.
    Die Remote-Teleskope von Slooh und diverser anderer Dienste sind schon recht reizvoll.
    Mit kosmischen Grüßen....

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