Kleiner Nachtrag zum Star-Trek-Vortrag


Drei Dinge habe ich gestern gelernt:
  1. Ich weiß jetzt, wofür Dilithium-Kristalle gut sind. Dieses (fiktive!) Mineral moderiert die Materie-Antimateriereaktion im Warpkern, ähnlich wie die Graphitstäbe in Kernkraftwerken die Kernspaltung. Zur Energiegewinnung lassen die Föderationsschiffe nämlich Deuterium und Antideuterium kollidieren. Es kommt zur vollständigen Annihilation der Materie. Ergebnis sind energiereiche Gamma-Quanten gemäß der Einstein'schen Masse-Energie-Äquivalenz. Die Annihilation findet unter kontrollierten Bedingungen auf der Oberfläche des Dilithium-Kristalls statt. Die Energie wird den beiden Warpantriebsgondeln zugeführt, die damit die Raumzeit krümmen und so das Schiff antreiben - eigentlich ganz logisch.
  2. Der Impulsantrieb basiert hingegen auf einen Kernfusionsreator. Dieser erzeugt aus der Fusion von Deuterium ein energiereiches (schnelles) Plasma, das nach dem Rückstoßprinzip das Schiff vorantreibt. Die Abbildung oben zeigt zwei symmetrisch angeordnete Düsen auf der Rückseite der Untertassensektion bei einem Schiff der Constitution-Klasse. Der Referent Dr. Zitt rechnete vor, dass das Schiff, um mit maximaler Impulsbeschleunigung vom zehntausendfachen der Gravitationsbeschleunigung g (9,81 m/s²), eine maximale Impulsgeschwindikeit von einem Viertel der Lichtgeschwindigkeit zu erreichen, pro Sekunde circa 300 Gramm Deuterium fusionieren muss. Der Beschleunigungsvorgang dauert etwa zwei Stunden. Gemäß den technischen Spezifikationen hat die Enterprise genug Deuterium an Bord, um dieses Manöver circa 3400 mal durchzuführen, dann muss Cpt. Picard tanken gehen.
  3. Außerdem habe ich gelernt, dass die technische Beherrschung der Gravitation eine mindestens genauso einschneidende technische Revolution bedeuten würde, wie die Entwicklung der Elektrotechnik (O-Ton Zitt: "Vor 1899 hatte die Menschheit ja gar nichts"), also wenn man Gravitonen ähnlich gezielt freisetzen und manipulieren könnte, wie Elektronen. Auch wenn dies Fiktion bleiben sollte, so kann Vieles im Star-Trek-Universum als Analogie zu unserem Sprung in das Zeitalter der Elektrizität verstanden werden. So hatte ich das noch nie gesehen.
Sämtliche Zahlenangaben oben entstammen meinem Gedächtnis. Ich werde das aber prüfen,denn als Literaturtipp hat der Refernt DAS Standard-Manual empfohlen, das auch schon unterwegs zu mir ist:

Star Trek - Das offizielle Handbuch
 Dieser kleine Ausflug ins Star-Trek-Universum war für mich erst eine launige Schnapsidee. Was soll man sonst Samstagabends tun und wo könnte es in Zeiten des Terroralarms sicherer sein, als im Planetarium? Nach dem Vortrag kann ich nun aber sagen, dass es sich doch sehr gelohnt hat: Ich kann mich nicht erinnern, dass im Planetarium schon mal so viel gelacht wurde und gleichzeitig so viele ernsthafte physikalische Formeln in die Kuppel projiziert und Berechnungen durchgeführt wurden. Das war also Edutainment vom Feinsten, vor einem sehr heterogenem Publikum - und einen besseren Blick auf die Fernsehserie bekommt man nebenbei auch.

Kommentare:

  1. Hat der Vortragende denn eine Wahrscheinlichkeit oder einen theoretischen Hintergrund für die Manipulation der Gravitation angeben?

    Ich habe neulich in einem Interview mit dem Astronomen und Autor Stuart Clark gelernt, wie wenig wir tatsächlich von der Schwerkraft kapieren. Sie ist möglicherweise, so Clark, nicht einmal eine der elementaren Grundkräfte, sondern vielleicht etwas, das wir zurzeit noch nicht beschreiben können (das ist jetzt grob aus dem Kopf paraphrasiert). In Sachen Gravitation scheint noch alles möglich.

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  2. @NAvigator: In seinem Vortrag ist Zitt kurz auf die Experimente des Physikers Martin Tajmar eingegangen http://de.wikipedia.org/wiki/Martin_Tajmar
    Insbesondere auch, weil dessen experimenteller Aufbau durchaus den Schwerkraftgeneratoren aus den offiziellen Handbuch von Star Trek ähnelt. Er hat aber auch darauf aufmerksam gemacht, was für ein schwieriges Terrain das ist, insbesondere weil die Experimente von Tajmar wohl nicht bestätigt sind. Das ist eben, was mir gut gefällt an Zitt: Er versucht bei aller Lust an der SF physikalisch sauber zu argumentieren und keine falschen Tatsachen zu behaupten. Entsprechend gewichtet war sein Vortrag. So hat ihm jemand im Publikum gefragt, ob er nicht mal einen Vortrag über das Beamen halten will. Darauf meinte er sinngemäß, dass ihm das ein zu unsicheres Gelände ist, wo man nur in Spekulationen reden kann und genau das will er nicht. Er will den Leuten ein bisschen klassische und relativistische Mechanik anhand einer populären Fernsehserie vermitteln.

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