Tanz der Schwarzen Löcher

Höchstwahrscheinlich beherbergt jede größere Galaxie ein supermassives Schwarzes Loch in ihrem Zentrum, so auch unsere Milchstraße. Aber was passiert eigentlich mit ihnen, wenn sich zwei solche Galaxien begegnen? Galaxienkollisionen sind gar nicht so selten, wie uns prominente Beispiele wie die Antennengalaxien zeigen. Bei einem solchen kosmischen Verkehrsunfall wird mächtig Staub - oder besser gesagt Gas - aufgewirbelt: Während es zwar äußerst unwahrscheinlich ist, daß zwei Sterne direkt miteinander zusammenstoßen, bilden sich mächtige Schockfronten, wenn interstellare Gaswolken aufeinandertreffen. Das Gas wird dabei komprimiert und dadurch Sternentstehung angeregt, die Galaxie wird zu einer Starburst-Galaxie.

Dennoch, häufig ist eine Kollision zweier Galaxien erst der Anfang einer ganzen Reihe solcher Begegnungen, denn bei jedem Zusammenstoß werden die beiden Galaxien abgebremst und geraten häufig in eine Art Umlaufbahn umeinander, bis sie sich schließlich nach einem erneuten Zusammenstoß nicht mehr trennen können und miteinander verschmelzen.

So geschehen mit der Galaxie NGC 6240, der man den Ursprung aus ursprünglich zwei Einzelgalaxien noch deutlich ansieht. Und die Schwarzen Löcher? Immerhin treffen dann zwei mächtige Schwerkraftzentren aufeinander, aber solange sie sich nicht allzu nahe kommen, wird die Sache meist glimpflich ausgehen. Aber auch hier kann im kleinen weitergehen, was mit der Galaxie selber schon passiert ist: Die zwei Löcher kommen einander zu nahe und verschmelzen schließlich. Soetwas dürfte zu den eindrucksvollsten Ereignissen im Universum gehören und ungeheure Energiemengen freisetzen. Ebenso rechnet man derzeit mit der Erzeugung eines deutlichen Gravitationswellensignals.

Kombiniertes Bild im sichtbaren Licht und im Röntgenbereich von NGC 6240. Image Credit: X-ray (NASA/CXC/MIT/C.Canizares, M.Nowak); Optical (NASA/STScI)

Bei NGC 6240 sieht man derzeit, wie die zwei Schwarzen Löcher kurz vor der Verschmelzung stehen: Nur noch 3000 Lichtjahre sind sie voneinander entfernt und im Röntgenbild von Chandra als helle Quellen sichtbar. Auf den großen Knall wird man allerdings noch ein Weilchen warten müssen...

Merkurs Tatze


Quelle: NASA/JPL

Nach dem Marsgesicht kommt nun die Merkurtatze. Auf den jüngsten Aufnahmen der NASA-Sonde Messenger entdeckte der Blogger Bryan Tobias den Fußabdruck eines gewaltigen Sohlengängers. Er vermutet in guter amerikanischer Tradition, dass Bigfoot persönlich auf Merkur seine Spuren hinterlassen hat.

Die kuriose Krateranordnung findet sich auf einer Aufnahme, die am 29. September beim letzen Vorbeiflug von Messenger entstand. Die Sonde überflog Merkur dabei in einer Höhe von 228 Kilometern. Dabei handelt es sich um den dritten Vorbeiflug, mit dem die Flugingenieure der NASA der Sonde den Schwung nehmen, um sie schließlich im März 2011 in einen Orbit um Merkur einschwenken zu lassen. Mit solchen Swing-By-Manövern lässt sich Treibstoff sparen, auch wenn das gesamte Flugmanöver dadurch Jahre dauert. Zeit ist kein Problem, denn wie sollte Bigfoot den Merkur verlassen?


 Zur Erinnerung: Bei dem Marsgesicht handelte es sich um eine pixelige Aufnahme der Cydonia-Region, ein Hochland auf dem Mars, die 1976 mit dem Viking-1-Orbiter gemacht wurde. Bekiffte Esoterikspinner entdeckten darauf ein menschliches Gesicht (die NASA-Wissenschaftler spielten dabei noch mit, weil man damals vermutlich noch die Wirkung solcher Begriffe auf das bildungsferne Publikum unterschätzte). Spätere Aufnahmen, wie hier zum Beispiel vom Mars Global Surveyor, entlarvten das Marsgesicht dann schließlich als stark erodierten Tafelberg.
Das hält Walter Hain, Autor des Buches "Das Marsgesicht - und andere Geheimnisse des Roten Planeten" nicht davon ab, weiter an "die Künstlichkeit des Marsgesichts" zu glauben, so zitiert ihn zumindest amazon.de
Mal gucken, ob jemand geschäftstüchtig genug ist, ein Buch über die Merkurtatze zu schreiben.

Alexei Leonov in Deutschland

Legendäre Erstleistungen aus den Anfängen der bemannten Raumfahrt, deren Protagonisten heute noch leben, gibt es nicht mehr allzu viele. Umso interessanter, wenn man einem dieser Menschen einmal persönlich begegnet und aus erster Hand das "Abenteuer Weltraumfahrt" nacherleben darf. Wie heute geschehen in Darmstadt am European Space Operations Center (ESOC) der ESA. Kein Geringerer als Alexei Archipowitsch - Jahrgang 1934 - Leonov gab sich da die Ehre, den versammelten Mitarbeitern und Journalisten über seinen bereits im Jahr 1965 erfolgten, ersten Ausstieg eines Menschen in den freien Weltraum zu berichten.


Am 18. März 1965 war Leonov an Bord von Woschod 2 zusammen mit seinem Kommandanten Pawel Beljajew gestartet. Während dieses zweiten Woschod-Flugs sollte zum ersten Mal ein Mensch die schützende Hülle eines Raumschiffes verlassen und im freien Weltraum schweben. Ab Juli 1964 hatte Leonov speziell für diesen Ausstieg trainiert. In der Erdumlaufbahn verließ er als erster Mensch sein Raumschiff und schwebte - nur durch eine 4,5 Meter lange Sicherheitsleine gesichert - etwa 24 Minuten im Weltraum. Sein „Weltraumspaziergang“ - die erste EVA ("Extra Vehicular Activity") endete fast in einer Katastrophe, denn durch das Hochvakuum des Weltraumes blähte sich sein Raumanzug so stark auf, dass Leonow fast nicht mehr durch die enge Luke in das Raumschiff hätte zurückkehren können.

"Zuerst hatte ich das Gefühl, als ob meine Finger durch die Handschuhe meines Skaphanders und meine Füße durch die Schuhe gedrückt wurden", beschreibt er auch heute noch sehr anschaulich die für ihn lebensbedrohliche Situation vor fast 45 Jahren. Da in seinem Raumanzug russischer Bauart ein irdischer Druck herrschte, dehnte sich dieser im Vakuum des Weltraums immer weiter aus. Schließlich musste er fast den halben Druck und damit auch die Hälfte seines Sauerstoffvorrats von nur 60 Litern aus seinem Raumanzug ablassen, um wieder in die schützende Woschod-Kapsel zu gelangen. Der Einstieg musste dabei anders passieren, als bisher trainiert: Statt mit den Füßen zuerst zog sich Leonov mit seinen Armen und mit dem Kopf zuerst zurück in die Kapsel - gerade noch rechtzeitig, bevor der Stickstoffanteil in seiner Atemluft für ein Überleben zu hoch geworden wäre. Schweißgebadet und mit erhöhter Temperatur schwebte er zurück ins Raumschiff, wo auf seinen Kollegen und ihn allerdings ein zweites Problem wartete: Denn die Luke der Kapsel war während seines Ausstiegs ständig von der Sonne beschienen gewesen, die Rückseite des Raumschiffes lag aber im kalten Dunkel des Weltraums. Die Temperaturdifferenz von einigen hundert Grad Celsius sorgte dafür, dass die Luke nicht mehr hundertprozentig schloss, was zu einem schleichenden Sauerstoffverlust in der Kapsel führte. Leonov erzählt die Geschichte so weiter, dass er in der auf seinen Weltraumspaziergang folgenden Nacht im Schlaf aus Versehen an den Druckregler der Kapsel stieß und sich dadurch ein Überdruck in der Woschod-Kapsel aufbaute, der dafür sorgte, dass die Luke wieder dicht in den Rahmen gepresst wurde und sich das Leck so wieder schloß.

Es sind diese Abenteuergeschichten à la Apollo 13 - erzählt von einem "Dinosaurier der bemannten Raumfahrt", wie Leonov sich selbst nennt, die faszinieren.

Zumal das sowjetische Mondprogramm im Gegensatz zu Apollo zur damaligen Zeit und teilweise auch noch heute ein großes Geheimnis war und ist. Doch Leonov hat mit 75 Jahren ein Alter erreicht, in dem er auf nichts mehr Rücksicht nehmen muß.

Bereits im September 1968 war Leonov als Kommandant einer von drei Kandidaten für einen bemannten Mondflug. Durch unbedachte Äußerungen gegenüber der internationalen Presse und drei selbst verschuldete Autounfälle verscherzte er sich jedoch Sympathien bei den "höheren Stellen".

Heute sagt er über das russische Mondprogramm so Sätze wie: "Ich finde, es war ein Fehler, gleichzeitig bemannte und unbemannte Flüge durchzuführen. Wir hätten uns auf die bemannten Flüge konzentrieren sollen. Und es wäre schön gewesen, wenn am Steuer des Lunochods wenigstens ein Kosmonaut gesesen hätte".

Nachdem die USA mit Apollo 8 im Dezember 1968 bemannt den Mond umrundet hatten und ein halbes Jahr später dort gelandet waren, wurde das sowjetische Mondprogramm beendet. Im Jahr 1971 sollte Leonov Kommandant des Fluges von Sojus 11 sein. Aufgrund des Verdachts von Tuberkulose bei einem seiner Mannschaftskameraden, wurde jedoch die komplette Mannschaft ausgetauscht. Die "Ersatzmannschaft" von Sojus 11 erstickte jedoch nach erfolgreichem Langzeitflug bei der Rückkehr in ihrer Kapsel. Leonov wurde schließlich als sowjetischer Kommandant für das Projekt Apollo-Sojus ausgewählt und flog am 15. Juli 1975 - zehn Jahre nach seinem ersten Weltraumspaziergang - mit Sojus 19 noch einmal ins All. Beim Rendezvous mit der Apollo-Kapsel lernte er die Astronauten Thomas Stafford, Vance Brand und Deke Slayton kennen. Mit Tom Stafford verbindet ihn noch heute eine enge Freundschaft. Als Ausbilder hat Leonov viele spätere Astro- und Kosmonauten geschult, darunter Ulf Merbold, Jean-Loup Chrétien und viele andere.

Es sind die menschelnden Geschichten aus einer längst vergangenen Raumfahrerzeit, die Alexei Archipowitsch Leonov als sympathischer "Raumfahrt-Opa" gestenreich wohl seinen Enkeln und auch uns erzählt. Geschichten, die faszinieren und eine Lanze für die bemannte Raumfahrt brechen. Wo erlebt man es als Journalist heute sonst noch, dass einem auf eine kurze Frage über eine Viertelstunde "aus dem Nähkästchen der sowjetischen Raumfahrt" geantwortet wird.

In diesem Sinne:
Всего хорошего Алексеи Архипович!

Bildrechte für alle Fotos: S. Fichtner (eine Bildergalerie von der Veranstaltung finden Sie auf Redshift-live)