Ringförmige Sonnenfinsternis doch von Europa aus sichtbar!

 Credit: Tino Kreutzer, mehr Infos zu dem Bild auf Wikipedia

Wie klein unser Kontinent ist merkt auch daran, wie selten er vom Schatten des Mondes während einer Sonnenfinsternis getroffen wird. Die ringförmige Sonnenfinsternis vom 15. Januar beglückte vor allem Afrika und Asien. Da der Mond sich fast in größter Erdferne befand und die Erde zu dieser Jahreszeit der Sonne näher steht als sonst im Jahreslauf, war die Mondscheibe besonders klein und hingegen die Sonnenscheibe groß. Beides führte dazu, dass der Mond die Sonne nicht vollständig abdecken konnte. Man spricht in so einem Fall von einer ringförmigen Sonnenfinsternis. Aufgrund der extremen Stellung von Erdferne des Mondes (Apogäum) und Sonnennähe der Erde (Perihel) dauerte diese Finsternis ganz besonders lang, nämlich über elf Minuten.

Blöd nur, dass wir Europäer nichts davon hatten. Ganz Europa nicht? Nein! Ein kleiner europäischer Stamm, genannt Belgier, konnte die Sonnenfinsternis verfolgen. Dazu hatten sie eigens ein Beobachtungsintrument auf einen kleinen Satelliten angebracht. Dieser, gerade mal einen Kubikmeter große Zwergsatellit namens Proba-2 ist eigentlich ein reiner Technologieträger. Wie die Bezeichnung vermuten lässt, gehört er zu einer ganzen Serie von Satelliten, mit denen die europäische Weltraumorganisation ESA Weltraumtechnologie erprobt. Wen es genauer interessiert: Eine Liste der erforschten Technologien - von neuen Batterien bis hin zu neuen Solarzellen - steht hier.


 Mit von der Partie auf Proba-2 ist nun eben auch ein Teleskop für das ferne UV-Licht, das von belgischen Astronomen betreut wird. Dieses SWAP genannte Gerät ähnelt sehr dem Instrument, dass auf den großen Sonnenbeobachter SOHO Verwendung findet. SOHO ist so etwas wie das Hubble-Teleskop der Sonnenforschung. Da SOHO sich aber auf einer besonderen "Parkposition" zwischen der Erde und der Sonne befindet, kann SOHO nie eine Sonnenfinsternis beobachten, zumindest keine, die von unserem Erdmond verursacht wird. Von unserer irdischen Position aus operiert SOHO in 1,5 Millionen Kilometer Entfernung, also weit jenseits der Mondbahn. Unser Mond kann sich aus SOHOs Sicht nie vor die Sonne schieben. Anders ist das bei Proba-2, denn dieser Satellit umkreist die Erde in gerade mal 720 Kilometern Höhe.
Selbst wenn aber der Mond zwischen SOHO und Sonne vorbeizöge, wäre nicht viel gewonnen, denn das "alte" Instrument auf SOHO kann nur eine Aufnahme pro Viertelstunde machen. Das neue SWAP-Teleskop auf Proba-2 jedoch eine Aufnahme pro Minute. So ein Bild sieht dann so aus:

Credit: ESA

Die ESA hat aus diesen Aufnahmen nun einen schönen Film zusammengestellt, den man als ganzes hier anschauen kann.

Der Satellit Proba-2 wurde am 2. November 2009 vom russischen Weltraumbahnhof Plesetsk gestartet.
Die ESA hat auch eine Dokumentation über Proba-2 mit Schwerpunkt auf dem Sonennteleskop SWAP veröffentlicht. Ganz zu Beginn der Dokumenation ist gleich die ringförmige Sonnenfinsternis zu sehen. Außerdem hört man, dass Belgier auch nicht viel besser Englisch können als Schwaben.

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