"Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen."

"Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen." Das ist eines der vielen Bonmonts des Realpolitikers und Kettenrauchers Helmut Schmidt. Gemeint hat er damit nicht mich, er hätte mich aber meinen können, denn meine Begeisterung für bemannte Raumfahrt beruht eher auf ideellen Träumereien, als auf guten Gründen. Mir gefällt die Vision, dass wir Menschen das ganze Sonnensystem als unsere Heimat begreifen. Die Sterne sind wortwörtlich Lichtjahre entfernt, doch steht einer echten bemannten Erkundung und vielleicht sogar punktuellen Besiedelung unseren Sonnensystems prinzipiell nichts im Weg; nichts als der Aufwand den es zu treiben gilt - und auch dafür gibt es einen klugen Ausspruch: „Die Erde ist die Wiege der Menschheit, aber welches Kind bleibt schon ewig in seiner Wiege?“ (Konstantin Eduardowitsch Ziolkowski).

Nun haben große Pioniere vom Schlage eines Ziolkowski und kleine Blogger wie ich den großen Vorteil für ihre Visionen nicht einstehen zu müssen. Wie würde ich vor einem Parlament, vor den Wählern und Steuerzahlern meinen Raumfahrtenthusiasmus begründen? In Amerika haben die Präsidenten ein perfides Spiel erfunden, um dieses Problem zu lösen. Sie erfinden einfach ein Raumfahrtprogramm, dessen praktische Realisierung und Finanzierung frühestens in die Amtszeit des Nachfolgers fällt. So vermitteln sie PR-trächtig zukunftsorientierte Visionen, ohne Konsequenz - so wie sie auch Kriege beginnen und den Schlamassel der Nachwelt überlassen. In den USA scheint dieses Spiel an seine Grenzen gestoßen zu sein. Es ist ein Präsident an die Macht gekommen, dessen Wahlslogans "Change" und "Yes, we can" so gar nicht nach "weiter so" klingen. Die Welt erwartet etwas anderes von Barack Obama. Mit der NASA tut er sich besonders schwer, wie ich gestern geschrieben habe, ist dort die Verunsicherung sehr groß. Um den Istzustand und die Optionen zu erkunden, hat Präsident Obama eine nach ihrem Vorsitzenden Augustine benannte Untersuchungskommission eingerichtet. Eugen Reichl hat dazu fleissig gebloggt: O du lieber Augustine und Augustine, was nun?
Die NASA befindet sich an einem Scheideweg. Wird es eine bemannte Raumfahrt nur noch zum Betrieb der internationalen Raumstation ISS geben und vielleicht privat finanziert für superreiche Touristen? Was passiert, wenn in der ISS die Lichter ausgehen? Dabei steht die Raumfahrt global gesehen hoch im Kurs. CNN meldet gerade, dass Indien für 2016 bemannte Raumflüge plant. Zwei Astronauten sollen für sieben Tage in den Erdorbit geschickt werden. Dafür wird eine komplett neue Infrastrukur für die Astronautenausbildung gebaut.  Außerdem soll 2012 die Raumsonde Chandrayaan-2 starten. Die Raumfahrtpläne Chinas reichen noch weiter, obwohl das politische System Chinas gar nicht das Prinzip folgenloser präsidialer Ankündigungen kennt. Handelt es sich hierbei lediglich um ein Nachholbedürfnis der beiden ehemaligen Schwellenländer? Fühlen sie sich erst so richtig gleichwertig mit der westlichen Hemisphäre, wenn ihnen das gelingt, was die Amerikaner schon 1969 vorgemacht haben? Ist der Rückbau großspuriger Pläne in der bemannten Raumfahrt Amerikas einfach nur ein logischer Entwicklungsschritt, den wir auch aus anderen Lebensbereichen bereits kennen? Etwas platt formuliert: Während die Chinesen daran arbeiten, ihre Fahrräder durch Autos zu ersetzen und wir ihren neuen Bonzen gerne die Luxuslimousinen liefern, gilt es bei uns als Ausdruck von Lebensqualität, nicht auf das Auto angewiesen und mit dem Fahrrad mobil zu sein.

Eine realpolitische Stimme aus den USA findet sich in dem Beitrag von William A. Collins: Keep Humans Out of Space. Der Politiker (Landtagsabgeordneter und Bürgermeister) formuliert eine selbstkritische Meinung zu seinem Heimatland, wenn er sagt, dass der Titel des Reports der Augustine-Kommission auch anders gelesen werden kann. Der Titel lautet nämlich Seeking a Human Spaceflight Program Worthy of a Great Nation, also in etwa: Auf der Suche nach einem bemannten Raumfahrtprogrammm, das einer großen Nation angemessen ist. Er stellt fest, dass die Supermacht USA gar nicht so super ist und daher ein angemessenes Raumfahrtprogramm vielleicht wirklich den Verzicht auf das Attribut "bemannt" beinhalten könnte. Die USA ist von der Bankenkrise geschüttelt, heillos verstrickt in Kriegen, bei denen es Nichts zu gewinnen gibt und unfähig ein funktionierendes Gesundheitswesen aufzustellen. Solch einem Land ein angemessenes Raumfahrtprogramm zu verpassen bedeutet eben, keines zu haben. Sich das einzugestehen ist schmerzhaft und erklärt die Polarisierung, die die Diskussion um die Raumfahrt bewirkt. Hier nochmal in den Worten von William A. Collins:
"The title of the commission’s report: “Seeking a Human Spaceflight Program Worthy of a Great Nation,” suggests the dilemma. With our sundry wars, economic meltdown, health-care woes, and rogue banking system, Americans are already grappling with the concept that we may not be quite as great a nation as we once thought. Larding onto those self-doubts, a pullback in human space exploration might be too big a pill for our national psyche to swallow."
In Zeiten der Wirtschaftskrise hält er eine Investition in die bemannte Raumfahrt für verfehlt, sie hat auch ihre hochtrabenden Versprechen aus der Von-Braun-Ära nie gehalten:
"No minerals are flowing in from the moon, no resorts have blossomed, and the Augustine Commission seems pretty well agreed that Mars is out of reach for any amount of money that we seem likely to spend."
Der Nutzen der Raumfahrt in Form von  Satellitentechnologie ist natürlich offensichtlich, doch braucht es dafür keine bemannte Raumfahrt.

Stattdessen singt William A. Collins ein Hohelied auf Raumsonden und Roboter:
Send out robots,
They work fine;
People are,
A waste of time.
Das ist dann aber spätestens der Punkt, wo man ihn widersprechen könnte. Es bleibt sicherlich noch viel zu tun für Raumsonden. Es gibt riesige Ecken in unserem Planetensystem die nicht fernerkundet sind. Aber Sonden und Rover geraten auch schnell an ihre Grenzen. So großartig die nun bereits sechsjährige Missionen der Marsrover Spirit und Opportunity sind, ein Feldgeologe vor Ort hätte dieselben Resultate und noch mehr in wenigen Tagen zusammentragen können. Da relativiert sich auch schnell der Kostenfaktor. Auf diesen Umstand macht der ESA-Mann und Blogger Michael Khan in seinem Kommentar zum bereits erwähnten Beitrag Augustine, was nun? aufmerksam:
"... Wenn man sich aber nur auf die unbemannten Sonden verlässt, dann lässt man einen großen Teil des wissenschaftlichen Returns außen vor. Man will ihn gar nicht. Man verzichtet einfach darauf.
Das hat wenig mit Blasphemie zu tun. Es ist eher Realismus. Ein paar Jahre Arbeit an unbemannten Missionen, dann will man wirklich mehr sehen. Mehr Wissenschaft, viel mehr, mehr als diese Sonden je erbringen werden. ..."
Es ist aber nicht nur die Wissenschaft, die zu kurz kommt. Solange wir nicht persönlich auf dem Mars landen, waren wir auch nicht da. Das wäre wie wenn man die Tiefsee oder den Südpol ausschließlich robotisch erkunden würde.

Was bleibt einem Träumer, wenn Realpolitik die Oberhand gewinnt? Zunächst der Trost, dass wir ja alle schon Raumfahrer auf dem Raumschiff namens Erde sind. Dann die Erfahrung, dass es nunmal Zeiten für Pragmatismus und Zeiten für Idealismus gibt. Beide für sich alleine können nicht bestehen. Die Zeiten werden sich auch wieder ändern, solange man nicht aufhört, das größte Abenteuer der Menschheitsgeschichte weiterzuträumen.

Spätestens wenn die chinesische Flagge in den Mondboden gerammt wird, werden die nötigen Kräfte für ein ambitioniertes Raumfahrtprogramm in den USA freigesetzt. Es wäre aber schön, wir könnten diesmal andere Gründe für den Flug ins Sonnensystem finden, als den albernen Wettlauf der Systeme auf der Erde.

Regulierungsbehörde für Raumfahrt

Keine Frage, die amerikanische Weltraumbehörde NASA hat eine große Vergangenheit hinter sich und keine andere Institution malt sich mit so vielen schönen Animationen eine so großartige Zukunft aus. Ein Besuch ihrer Web-Seite lohnt immer. Doch schon bald beginnt eine neue Ära für die NASA: Wie ihre Schwester auf dem alten Kontinent wird sie zu einer Raumfahrtagentur ohne Raumschiff. Für mich jedenfalls kommt das ziemlich überraschend, denn das Constellation-Programm sah doch sehr konkret aus. Mein Beitrag Nur fliegen ist schöner ist jedenfalls völlig kritiklos, außer, ob die Realität so schön sein wird, wie die Animation. Keine Frage, dieses Programm bringt Amerika zurück zum Mond! Tja, danach sieht es nun aber nicht mehr aus. Mit Barack Obama weht der Wind of Change auch um die Starttürme der NASA. In dem Spiegel-Online-Artikel Obama will Bushs Mond-Pläne begraben erfahren wir, dass zwar an der Internationalen Raumstation bis 2020 festgehalten werden soll, aber der Mondflug in den Sternen steht. Noch interressanter als das ist aber die folgende Aussage des Artikels:
"Zudem sollen mit dem Geld Unternehmen dazu animiert werden, private Raumfahrzeuge zu bauen. Damit soll möglicherweise das Transportproblem gelöst werden, dass die Nasa hat, wenn sie ihre Shuttle-Flotte ausmustert."
Diese Aussage halte ich für viel spannender als die heftigen Reaktionen, die es laut Artikel über den Verlust der Mondpläne geben soll. Die Regierung Obama schickt sich demnach nämlich an, die NASA von einer raumfahrtbetreibenden zu einer raumfahrtregulierenden Behörde umzubauen. Das ist natürlich nur spekulativ, doch es ist nicht uninteressant zu hören, was die Familie Higginbotham dazu zu sagen hat. Die Higginbothams sind Space-Geeks, Weltraumenthusiasten, die genau so wenig Insiderwissen haben, wie Spiegel-online-Redakteure, aber seit Jahren einen beliebten Vidcast produzieren, in dem sie ihren Ethusiasmus austoben. In ihrer aktuellen Sendung diskutieren sie in den ersten fünfzehn Minuten die aktuellen Gerüchte um die Zukunft der NASA (den Rest der Sendung kann man sich allerdings sparen, wie ich finde):



Witzig finde ich, dass im Trailer zur Sendung der Satz fällt: "2010 begins a year of change", denn, so der Text weiter, sind es nun private Firmen, die sich anschicken, Aufgaben und Dienstleistungen anzubieten, die traditionell der staatlichen Weltraumbehörde NASA zustehen. Der Geist des Trailers könnte tatsächlich genau für die neue Politik stehen!

Wie Benjamin Higginbotham richtig sagt, ist die NASA die einzige staatliche Organisation in Amerika, die noch etwas baut. Fahrzeuge, Schiffe, Flugzeuge werden ganz selbstverständlich von privaten Anbietern gebaut und gewartet und auch die Dienstleistungen drumherum werden privat organisiert. Wir kennen das ja auch bei uns, zum Beispiel bei der Abwicklung der Bundespost zu freien Unternehmen plus Regulierungsbehörde. Der Staat zieht sich hier ganz selbstverständlich auf eine rein kontrollierende Rolle zurück. Ist die amerikanische Raumfahrt schon so weit, diesen Schritt auch zu tun? Am Unternehmertum mangelt es den Amerikanern nicht und schöne Animationen können diese Firmen auch produzieren, wie dieses Beispiel von Virgin Galactic zeigt:



Okay, dieses Beispiel entstammt den Weltraumtourismus und Nörgler sagen dann gerne, dass sei eine Spielerei für reiche Leute. Denen sei aber erwidert, dass dies zunächst auch fürs Autofahren, Fliegen und für Schiffsreisen gegolten hat. Es ist doch gut, wenn die Geldsäcke ihre Kohle für Pionierleistungen ausgeben und nicht nur fürs Fettabsaugen.

Besser als das Beispiel Virgin Galactic ist aber sowieso die Firma SpaceX, von der auch Benjamin im Spacevidcast spricht. Hier sei nochmal am erfolgreichen Flug der Falcon 1 vom 28. September 2008 erinnert:



Die NASA, das muss man ganz klar sagen, ist ein Kind des kalten Krieges. Vielleicht ist eine solche staatliche Institution in einem marktwirtschaftlich orientierten Land wirklich antiquiert. In Raumfahrtentwicklungsländern mag eine staatliche Behörde, die rumreiche Raumfahrtpläne entwirft und durchführt ihre Berechtigung haben. Im Land der Freien kann ein Mensch, der zum Mond will, einfach eine Rakete bauen und hinfliegen. Das Knowhow ist da, fehlen nur noch die Sponsoren.

Ringförmige Sonnenfinsternis doch von Europa aus sichtbar!

 Credit: Tino Kreutzer, mehr Infos zu dem Bild auf Wikipedia

Wie klein unser Kontinent ist merkt auch daran, wie selten er vom Schatten des Mondes während einer Sonnenfinsternis getroffen wird. Die ringförmige Sonnenfinsternis vom 15. Januar beglückte vor allem Afrika und Asien. Da der Mond sich fast in größter Erdferne befand und die Erde zu dieser Jahreszeit der Sonne näher steht als sonst im Jahreslauf, war die Mondscheibe besonders klein und hingegen die Sonnenscheibe groß. Beides führte dazu, dass der Mond die Sonne nicht vollständig abdecken konnte. Man spricht in so einem Fall von einer ringförmigen Sonnenfinsternis. Aufgrund der extremen Stellung von Erdferne des Mondes (Apogäum) und Sonnennähe der Erde (Perihel) dauerte diese Finsternis ganz besonders lang, nämlich über elf Minuten.

Blöd nur, dass wir Europäer nichts davon hatten. Ganz Europa nicht? Nein! Ein kleiner europäischer Stamm, genannt Belgier, konnte die Sonnenfinsternis verfolgen. Dazu hatten sie eigens ein Beobachtungsintrument auf einen kleinen Satelliten angebracht. Dieser, gerade mal einen Kubikmeter große Zwergsatellit namens Proba-2 ist eigentlich ein reiner Technologieträger. Wie die Bezeichnung vermuten lässt, gehört er zu einer ganzen Serie von Satelliten, mit denen die europäische Weltraumorganisation ESA Weltraumtechnologie erprobt. Wen es genauer interessiert: Eine Liste der erforschten Technologien - von neuen Batterien bis hin zu neuen Solarzellen - steht hier.


 Mit von der Partie auf Proba-2 ist nun eben auch ein Teleskop für das ferne UV-Licht, das von belgischen Astronomen betreut wird. Dieses SWAP genannte Gerät ähnelt sehr dem Instrument, dass auf den großen Sonnenbeobachter SOHO Verwendung findet. SOHO ist so etwas wie das Hubble-Teleskop der Sonnenforschung. Da SOHO sich aber auf einer besonderen "Parkposition" zwischen der Erde und der Sonne befindet, kann SOHO nie eine Sonnenfinsternis beobachten, zumindest keine, die von unserem Erdmond verursacht wird. Von unserer irdischen Position aus operiert SOHO in 1,5 Millionen Kilometer Entfernung, also weit jenseits der Mondbahn. Unser Mond kann sich aus SOHOs Sicht nie vor die Sonne schieben. Anders ist das bei Proba-2, denn dieser Satellit umkreist die Erde in gerade mal 720 Kilometern Höhe.
Selbst wenn aber der Mond zwischen SOHO und Sonne vorbeizöge, wäre nicht viel gewonnen, denn das "alte" Instrument auf SOHO kann nur eine Aufnahme pro Viertelstunde machen. Das neue SWAP-Teleskop auf Proba-2 jedoch eine Aufnahme pro Minute. So ein Bild sieht dann so aus:

Credit: ESA

Die ESA hat aus diesen Aufnahmen nun einen schönen Film zusammengestellt, den man als ganzes hier anschauen kann.

Der Satellit Proba-2 wurde am 2. November 2009 vom russischen Weltraumbahnhof Plesetsk gestartet.
Die ESA hat auch eine Dokumentation über Proba-2 mit Schwerpunkt auf dem Sonennteleskop SWAP veröffentlicht. Ganz zu Beginn der Dokumenation ist gleich die ringförmige Sonnenfinsternis zu sehen. Außerdem hört man, dass Belgier auch nicht viel besser Englisch können als Schwaben.

Gamma Ray Burst ohne Gamma Rays

Seit über 40 Jahren beobachtet man Gammastrahlenausbrüche, und für lange Zeit blieb ihre Ursache rätselhaft. Erst als man sie mithilfe von Satelliten, die schnell auf das "Aufblitzen" der Bursts reagieren konnten, in fernen Galaxien orten konnte, kam man der Lösung näher. Gamma Ray Bursts sind sehr kurze Ereignisse, die nur für Sekunden bis zu wenigen Minuten aufleuchten. Als explosionsartiges Ereignis kann daher das betroffene "Objekt" nicht besonders groß sein, anbieten tun sich daher Supernovae.

Aber nicht jede Supernova sendet auch Gammastrahlen aus. Zunächst einmal gibt es verschiedene Sorten von Supernovae. Diejenigen vom Typ Ia, bei denen ein Weißer Zwerg einem Begleiter Masse absaugt und dann schließlich zu schwer wird und als Neutronenstern endet, werden ja in der Kosmologie zur Entfernungsbestimmung herangezogen. Aber auch das Ende eines massereichen Einzelsterns kann von einer Supernova besiegelt werden. Wenn die Fusionsprozesse in seinem Inneren nicht mehr genug Energie produzieren um zu verhindern, daß der Stern durch seine Schwerkraft einfach so in sich zusammenfällt, dann passiert eben dieses und aus dem Stern wird ein Neutronenstern oder ein Schwarzes Loch. Dabei wird jede Menge Energie frei, die die äußersten Schichten des Sterns explosionsartig nach außen bläst. Solche Supernovae wiederum erzeugen aber noch keinen Gammastrahlenblitz.

So stellt man sich eine Supernova vor, die zu einem Gamma Ray Burst führt. Image Credit: Bill Saxton, NRAO/AUI/NSF

Damit es dazu kommt, muß der gerade erst entstandene Neutronenstern oder das Schwarze Loch eine Akkretionsscheibe aus Material ausbilden, das ins Zentrum zurückfällt. Gleichzeitig bilden sich Jets aus, in denen umgekehrt Materie mit Beinahe-Lichtgeschwindigkeit von den Polen weggeblasen wird, das erzeugt die Gammastrahlung.

Jetzt ist es erstmalig gelungen, eine solche akkretionsgetriebene Supernova ohne den dazugehörigen Gamma Ray Burst zu erwischen. Das kann passiert sein, wenn die Gammastrahlung leuchtturmartig ausgesandt wird und einfach an der Erde vorbeigegangen ist, oder weil sie vom umgebenden Material abgeschwächt wurde. Die Radiostrahlung der Supernovaexplosion konnte jedenfalls trotzdem detektiert werden und liefert Modellen solcher Supernovae neues Futter.

Spirit im Unruhestand



Die wilden Jahre sind vorbei. Nach sechs arbeitsreichen Jahren mit spektakulären Fahrten durch den Marsstaub wird es Zeit, sich zur Ruhe zu setzen und wie so oft im Leben, benötigt es erst eine schwere Krankheit, die zu dieser Einsicht zwingt. So jedenfalls geht es dem Marsrover Spirit. Trotz intensiver Bemühungen der Free Spirit-Bewegung ist der Karren nicht mehr aus dem Dreck zu ziehen, er steckt unwiederbringlich fest, wie die Aufnahmen der vorderen Roverkamera zeigen. Der Rover wird nun entgültig in den Ruhestand verabschiedet. Doch der rüstige Rentner Spirit will sich natürlich auch im neuen Lebensabschnitt nützlich machen.

Dazu muss sich der Rover aber erst in eine bessere Position bringen, um den kommenden harten Marswinter zu überleben. Der Mars hat mit der Erde vergleichbare Jahreszeiten, da die Achsneigung beider Planeten ähnlich ist. Allerdings dauern die Jahreszeiten auf dem Mars aufgrund der längeren Umlaufdauer in etwa doppelt so lang. Wie auf der Erde steht auch die Sonne am Marshimmel im Winter niedriger, was sich erheblich auf die Leistung der Solarzellen auswirkt. Geht dem Rover der Saft aus, kann er seine empfindliche Elektronik nicht mehr temperieren.

Doug McCuiston, Leiter des Mars-Erkundungsprogramms der der NASA stellt klar:
"Spirit is not dead; it has just entered another phase of its long life. We told the world last year that attempts to set the beloved robot free may not be successful. It looks like Spirit's current location on Mars will be its final resting place."
Der Rover befindet sich schon seit zehn Monaten auf einem Home Plate genannten Plateau. Sein linkes Vorderrad brach durch eine Oberflächenkruste in darunter befindlichen weichen Sand. Ein Phänomen, dass jeder derzeit gerne mit oberflächlich vereisten Schnee nachspielen kann. Jetzt ist es Mitte Herbst an Spirits Standort und der Rover steckt noch immer fest. Der drohende Winter, der nach unserer irdischen Zeitrechnung im Mai einsetzt, macht eine Änderung der Strategie notwendig, zumal bei dem sechsrädrigen Rover inzwischen zwei Räder aus anderen Gründen ihren Geist aufgegeben haben. Jetzt gilt es, die verbliebene Beweglichkeit dafür zu nutzen, die Solarzellen des Rovers möglichst steil in die Wintersonne zu stellen. Momentan ist der Rover etwas gen Süden geneigt. Da er sich aber auf der südlichen Hemisphäre befindet, steht die Wintersonne im Norden. Jeder Grad Änderung des Neigungswinkels ist da entscheidend.

Die Rover-Fahrerin Ashley Stroupe vom drückt es so aus:
"We need to lift the rear of the rover, or the left side of the rover, or both. Lifting the rear wheels out of their ruts by driving backward and slightly uphill will help. If necessary, we can try to lower the front right of the rover by attempting to drop the right-front wheel into a rut or dig it into a hole."
So wie Spirit jedenfalls jetzt steht, droht die Kommunikation mit der Erde aufgrund der zu niedrigen Energie während des Winters abzubrechen.

Und wie bereits erwähnt geht es ja nicht nur um die Kommunikation, sondern auch um die Wärme für die Elektronik, wie auch der für die beiden Marsrover verantwortliche Projektmanager John Callas klarstellt:
"Getting through the winter will all come down to temperature and how cold the rover electronics will get. Every bit of energy produced by Spirit's solar arrays will go into keeping the rover's critical electronics warm, either by having the electronics on or by turning on essential heaters."
Wenn Spirit überlebt, kann der Rover immernoch gute Dienste leisten.
Zum Beispiel können die ortsfesten Radiosignale Spirits genutzt werden, um die Rotation des Mars genau zu vermessen. Leichte Schwankungen in der Rotation geben Hinweise über den Aufbau des Marskerns. Für solche Messungen bedarf es monatelanger Langzeitbeobachtungen. Der bekannte Marsforscher Steve Squyres sagt dazu:
"If the final scientific feather in Spirit's cap is determining whether the core of Mars is liquid or solid, that would be wonderful -- it's so different from the other knowledge we've gained from Spirit."
Die Instrumente am Roboterarm des Rovers können zeitliche Veränderungen in der Zusammensetzung des nahegelegenen Bodens untersuchen. Dazu kommt die Überwachung der Marsatmosphäre und windinduzierte Bodenbewegungen.

Der Rover Spirit ist mit seinem Zwilling Opportunity im Januar 2004 auf dem Mars gelandet. Viel viel viel länger als gedacht, halten beide Rover nun schon durch. Mit ihren augähnlichen Zwillingskameras und ihrem tapferen Kampf gegen die Tücken des Alltags sind die Rover in den Jahren irgendwie vermenschlicht. Das man sie nicht einfach abschalten kann, sondern in Würde altern lässt, ist da nur konsequent.

Quelle und weitere Informationen: http://www.nasa.gov/rovers
Übrigens: Am 29. Januar erreicht der Mars seine Opposition. Das kommende Wochenende bietet sich also für die Marsbeobachtung an, sofern das Wetter mitspielt.

Endlich Internet auf der ISS



Endlich steht den Astro-, Euro- und Kosmonauten auf der Internationalen Raumstation ISS die ganze Welt von Lichtecho, Astrodicticum simplex und anderen tollen Seiten des Internets offen. Dank eines Software-Updates können die Stationsbewohner nun einen mit dem WWW verbundenen Rechner am Boden fernsteuern und so fernsurfen. Insbesondere können die Astronauten so nun wirklich ohne fremde Hilfe der Bodenstation twittern: http://twitter.com/NASA_Astronauts

Ich denke aber, wenn erstmal die Cupola oben ist, werden die Astro- und sonstige Nauten ihre wertvolle Zeit kaum noch an das Internet verschwenden. Höchstens um uns zu erzählen, was wir hier unten so alles verpassen.

Quelle: NASA

Tödlicher Staub aus dem All

Ich gebe zu, ich bin oft der Letzte, der mitbekommt, wenn es irgendwas Neues aus Hollywood gibt. So habe ich auch erst gestern erfahren, dass einer meiner Lieblingsfilme 2008 neu verfilmt wurde (wenn auch nur fürs Fernsehen): Andromeda - Tödlicher Staub aus dem All, im Original: The Andromeda Strain. Da ich das Glück habe eine gute Videothek in der Nachbarschaft zu haben, konnte ich mir den Film auf DVD anschauen. Hier der Trailer dazu:




Die Vorlage zum Film lieferte der gleichnamige Roman von Michael Crichton aus dem Jahre 1969. 1969, da war doch was? Genau, die Landung von Neil Armstrong und Edwin Aldrin auf dem Mond mit Michael Collins als Taxifahrer in der Mondumlaufbahn. Als die drei Mondfahrer am 24 Juli zur Erde zurück kamen, steckte man sie erstmal bis zum 10. August in Quarantäne. Man wusste einfach nicht, ob es so etwas wie Weltraumbakterien, bzw. -viren geben könnte, die sich die beiden ersten Menschen auf dem Mond eingefangen haben könnten. Von dieser Quarantäne-Praxis wurde aber in der Geschichte der Raumfahrt nur bis Apollo 12  Gebrauch gemacht. Das folgende Video zeigt, wie die drei Besatzungsmitglieder von Apollo 11 in Schutzanzügen den Bergungshelikopter verlassen und in den Quarantäne-Wohnwagen einziehen, der auf das Deck des Bergungsschiffes gestellt wurde.



Michael Crichton trifft mit seinem Roman Andromeda zeitnah diese Ängste. Der Mensch begibt sich physisch in eine unbekannte Umgebung: jenseits der Erdatmosphäre. Was wissen wir wirklich über den Weltraum, welche möglichen realen Bedrohungen erwarten uns? In Crichtons Roman stürzt ein Satellit zur Erde, nachdem er wohl eine Kollision mit einem Stück Materie aus dem All hatte. Der Absturz erfolgt über dünn besiedelten Gebiet in den USA. In seiner Folge sterben alle Einwohner einer nahe der Absturzstelle gelegenen Kleinstadt an einer unbekannten Krankheit, alle bis auf einen notorischen Säufer und ein Baby mit Schreikrämpfen. Eine handvoll Wissenschaftler wird in ein geheimes unterirdisches Sicherheitslabor beordert, wo sie den Satelliten mit seiner tötlichen Fracht und die beiden Überlebenden untersuchen.

Das Szenario der Story krankt schon allein daran, dass ein außerirdischer Virus sicherlich nicht einfach eine menschliche Zelle befallen kann. Wir haben Millionen Jahre Koevolution mit unserer mikrobiologischen Umwelt hinter uns, ein ständiges Rüsten und Gegenrüsten zwischen unserem Imunsystem und den Mikroben *). Wie soll da ein außerirdischer Virus infektiös wirken können? Der Alien-Virus würde eine menschliche Zelle wahrscheinlich gar nicht als solche wahrnehmen. Aber egal, was die Verfilmung aus dem Jahre 1971 so toll macht, ist nicht nicht nur das unheimliche Szenario einer unbekannten Bedrohung aus dem All, sondern die radikale Umsetzung des wissenschaftlichen Rätsels. Nach ein bisschen Vorgeplänkel spielt der Film im wesentlichen im Labor. Es passiert kaum etwas anderes, als der Versuch eine Viruserkrankung zu entschlüsseln. Mit Labormäusen, Patienten und den besten Mikroskopen der Zeit. Wie jedes streng geheime amerikanische Hollywood-Hochsicherheitslabor hat natürlich auch dieses eine atomare Selbstzerstörung, die im Falle der Kontamination aktiviert wird. Eine kleine dramaturgische Spitze des Films ist die James-Bond-artige Szene, wie die Wissenschaftler gerade noch in letzter Sekunde die Selbstzerstörung verhindern. Hierfür muss der Held die Sicherheitseinrichtungen des Labors überwinden, was zu einer witzig-ironischen Szene führt. Der Wissenschaftler wird dabei nämlich selbst zur Labormaus des Computers, der diese wie Ungeziefer beschießt. Das sieht graphisch aus wie ein frühes Computerspiel, nur dass hier nicht der menschliche Spieler einen computergenerierten Gegner beschießt, sondern umgekehrt der Computer einen Menschen.

Der komplette Film von 1971 kann auf Youtube angeschaut werden oder momentan auch in dem Player ganz unten auf dieser Seite.

Was ist nun von der Neuverfilmung zu halten? Bis in zahlreiche Details hält sie sich ans Original, allerdings angepasst an die Technik und Sehgewohnheiten von heute. So tickern im Original ständig irgendwelche Fernschreiber, über die streng geheime Berichte über das Projekt Andromeda laufen. In der Neuverfilmung kleben dafür ständig irgendwo Flatscreens an der Wand und poppen Gesprächspartner via Videotelefonie auf. Aber der Sense of Wonder, also das Gefühl es mit einem wissenschaftlichen und bedeutsamen Geheimnis zu tun zu haben, kommt in der Neuverfilmung nicht so recht auf. In der Neuverfilmung stehen eher Verschwörungstheorien und Geheimhaltungsszenarien im Mittelpunkt. Ich halte den Unterschied zwischen diesen beiden Verfilmungen für bedeutsam, denn er zeigt, warum SF heutzutage nicht mehr funktioniert, bzw. Hollywood das nicht mehr hinbekommt.
  • Wie im Film selbstironisch angemerkt wird, verlässt man sich heute auf "schwarze Helikopter und Männer in grün" (Soldaten), sprich: Die Action steht im Vordergrund und schöne Bilder sind wichtiger als Logik und gute Dialoge. 
  • Im Original von 1971 sind die Schauspieler völlig durchschnittlich aussehende Menschen, die glaubhaft Wissenschaftler verkörpern. Heute sehen die Wisenschaftler (alles natürlich Koryphäen auf ihrem Gebiet) aus, als hätten sie gerade Vordiplom gemacht und dabei die meiste Zeit im Fitnessstudio verbracht. 
  • Im Original steht die Lösung des Rätsels "Andromeda" im Vordergrund. In der Neuverfilmung gibt es solch eine Fokusierung nicht: Wir haben eine Agentengeschichte, viel militärisches Rumgeballere, wir haben einen Präsidenten, der "Independence Day"-mäßig die Welt rettet und natürlich die Umweltproblematik, denn wir verdanken das Andormeda-Problem der Ausbeutung der Tiefsee - wer hätte das gedacht?
Wunderbar im Original ist das beklemmende Unbehagen der Wissenschaftler an der alles durchstrukturierten Computertechnik des Hightec-Labors. Michael Crichton spielt alle denkbaren Probleme der Mensch-Maschine-Schnittstelle durch. Vor dem Eintritt in das Labor werden die Wissenschaftler vollkommen den Bedürfnissen des Labors angepasst. Sie erhalten Injektionen, werden desinfiziert und speziell eingekleidet. Der Mensch muss sich der neuen technischen Umgebung anpassen - wie der moderne Mensch der Computerwelt. Das hat auch komische Züge, wenn zum Beispiel einer der Wissenschaftler versucht mit der Computerstimme zu flirten, weil er glaubt, dass sich hinter der schönen Stimme eine echte Person verbirgt.

Die Helden der Neuverfilmung leben aber schon in einer Computerwelt. Statt Beklemmung vermittelt der Film Ästhetik. Gerade die Szene beim Einstieg in das Labor zeigt dies deutlich: Im Original sind die medizinischen Anpassungen der Wissenschaftler unangenehm bis unheimlich, in der Neuverfilmung bleibt davon nur noch die Darstellung einer kräftigen Dusche schöner Leiber, die auch einem Duschgelwerbespot entnommen sein könnte. Diese Selbstverständlichkeit, mit der sich die neuen Helden in der Computerwelt des Labors bewegen, nimmt den Film jeden Reiz und ist zuweilen sogar lächerlich. Es ist nämlich nicht so, dass die neuen Hollywood-Wissenschaftsteenager wirklich forschen würden - die Ärztin untersucht nicht einmal richtig die beiden Überlebenden, während im Original der Arzt noch sagt: "I prefer the personal touch". Die Jungwissenschaftler fragen stattdessen einfach den Computer. Der rechnet eine Weile und schwupps gibt es einen Erfolg nach oben an die Oberfläche zu Mr President zu melden, dann wieder schwarze Hubschrauber und Männer in grünen Uniformen ... Man fragt sich, warum die Wissenschaftler den Computer nicht einfach auffordern: "Computer, löse alle unsere Probleme." Wahrscheinlich müssen wir dafür noch bis zur dritten Verfilmung warten.

Was also bleibt: Die Neuverfilmung empfehle ich gerne. Es ist ein unterhaltsamer Sciencefiction in dem Stil, wie er eben heute Standard ist. Man schaut sich das an, ist nett unterhalten und hat eine Viertelstunde später vergessen, was man eigentlich die letzen zwei Stunden gemacht hat. Noch besser ist aber das Original von 1971. Er zeigt uns, wie faszinierend und anregend es gewesen sein muss, als wir die Zukunft noch vor uns hatten, noch zwischen Mensch und Avatar unterschieden haben und noch nicht klar war, wer die dominierende Spezies auf diesem Planeten ist: Mensch oder Computer.

*) Literaturtipp am Rande: Was wäre das Leben ohne Parasiten?

Wahrheit, Leidenschaft, Charakter: Eine Astronomin mit Format

Hätte der berühmte und leider früh verstorbene Astronomie-Erklärmeister Carl Sagan ein zweites X-Chromosom gehabt, hätte er vielleicht Carolyn Porco geheißen. Okay, das ist jetzt eine blöde Fantasie, aber die sympathische Astronomin hat meines Erachtens das Zeug dazu, das Erbe Sagans anzutreten. Carolyn Porco arbeitet derzeit am JPL-Institut der NASA. Dort ist sie verantwortlich für das Cassini Imaging Science Team, also für die vielen faszinierenden Bilder der Raumsonde Cassini, wie zum Beispiel dieses hier:


Credit: NASA/JPL/Space Science Institute

Diese gerade erst veröffentlichte Aufnahme gelang dem Cassini-Team am 30. November 2009. Es zeigt den Saturn mit seinem Ring, der aufgrund der Ringkantenstellung zu dieser Saturnjahreszeit sich nur schmal abzeichnet. Auf dem Saturn selbst ist der Schatten des Mondes Dione zu sehen, der Mond selbst aber nicht.
Die Aufnahme erfolgte bei einer Wellenlänge von 752 Nanometer und einer Saturn-Entfernung von 2,6 Million Kilometern. Der Winkel Sonne-Saturn-Cassini beträgt 110°.

Zurück zu Carolyn: Hier habe ich einen sehr sehenswerten Vortrag von ihr gefunden. Eingeladen hat sie dazu Richard Dawkins und entsprechend dem atheistischen Umfeld äußert sich Carolyn zunächst zu ihrem Verhältnis als Wissenschaftlerin zu Gott und Religion. Das Hauptthema ist aber "Wissenschaft in Hollywood" und hier schließt sich der Kreis zu Carl Sagen. In dem berühmten Astronomiefilm Contact begegnen sich Carl und Carolyn. Die Vorlage zum Film stammt von Carl Sagan. Als Vorlage für die von Jodie Foster gespielte Heldin Eleanor "Ellie" Arroway fungierte jedoch Carolyn Porco. Auf diese Tatsache weißt Richard Dawkins in seiner Anmoderation hin, was nicht unbedingt verständlich ist, da das Video zu spät einsetzt.


Nach dem Ausflug nach Hollywood kotzt sich Carolyn Porco über den skandalösen Umstand aus, dass in unserer westlichen Gesellschaft hirnlose Sportler mehr gelten, als Wissenschaftler und Mediziner. Am Ende jedoch kommt sie wieder zu ihrem wohl derzeitigen Lieblingsthema, dem Saturn zurück und berichtet leidenschaftlich von dieser fernen Welt, der sie und ihr Team gerade näher sind, als es je Menschen waren.



Übrigens: Wer will kann Carolyn Porco auf Twitter folgen: http://twitter.com/carolynporco
In der Juni 2009 Ausgabe von Spektrum der Wissenschaft findet sich ein sehr lesenswerten Artikel von Carolyn Porco: Enceladus - rätselhafter Saturnmond

Galaxienentwicklung und Kosmologie


  Credit: Ville Koistinen

Galaxien sind die Bausteine des Universums. Sie bestehen aus Ansammlungen von Sternen und deren planetaren Begleiter, sowie aus Unmengen von Staub und Gas. Galaxien wie unsere Milchstraße bringen es dabei auf mehrere hundert Milliarden Sterne; es gibt sie aber auch in kleinerer Ausführung mit lediglich Millionen Sternen.

Wie bei anderen Phänomenen der Natur auch, beginnt man die Galaxienforschung am besten erstmal mit einer Klassifikation, also der Frage, wie sich die Vielfalt der Objekte beschreiben lässt. Die berühmteste Galaxienklassifikation stammt von dem amerikanischen Astronomen Edwin Hubble aus dem Jahre 1925. Sein Stimmgabel-Diagramm ist oben abgebildet. Das Diagramm unterscheidet drei Typen von Galaxien: Elliptische Galaxien (E0 bis E7), Spiralgalaxien (Sa bis Sc) und Balkenspiralgalaxien (SBa bis SBc). Unsere Milchstraße gehört wohl zu den Balkenspiralgalaxien. Bei dieser komplexen Galaxienform treten die Spiralarme von einem Zenralbereich (Bulge) aus, der zu einer Balkenstruktur verlängert ist.

Warum Galaxien in diesen verschiedenen Formen vorliegen ist nicht abschließend geklärt, doch schon Hubble vermutete, dass diese Klassifikation eine zeitliche Entwicklung widerspiegelt. Auch wenn seine Erklärung im Detail nicht mehr gültig ist, bleibt dieses Prinzip richtig.

Heute haben wir es einfacher, denn dank der Infrarotastronomie können wir tief in den Weltraum hinein und somit weit in die Zeit zurückschauen und so alte und junge Galaxien miteinander vergleichen. Die Astronomen Andrew Benson vom California Institute of Technology und Nicholas Devereux von der Embry-Riddle University, Arizona, nutzen dazu Daten aus einer Himmelsdurchmusterung im infraroten Spektralbereich namens Two Micron All Sky Survey (2MASS). Diese Daten verglichen sie mit ihrem Computermodell GALFORM. Sie konnten so zeigen, dass ihr Computermodell die Entwicklungsgeschichte des Universums der letzen dreizehn Milliarden Jahre korrekt wiedergibt, insofern ihre Berechnungen nicht nur die verschiedenen Galaxienklassen wiedergab, sondern auch deren Häufigkeit gemäß den 2MASS-Daten. Nicholas Devereux sagt dazu:
"We were completely astonished that our model predicted both the abundance and diversity of galaxy types so precisely."
Schön für die beiden, könnte man denken und es dabei bewenden lassen. Interessant ist aber, dass dem Computermodell das Lambda Cold Dark Matter - Modell *) der Kosmologie zugrunde liegt und somit ihre Simulation das Modell stützt. Nach diesem Modell besteht unser Universum im wesentlichen aus circa 72% Dunkler Energie und aus 23% Dunkler Materie. Die Materie, die wir aus unserer Anschauung kennen, macht in diesem Modell lediglich 4% des Universums aus. Diese sogenannte baryonische Materie bildet die Sterne, Planeten und ihre Bewohner und somit den sichtbaren Teil der Galaxien.

Die größte Masse der Galaxien steckt also nicht in der sichtbaren baryonischen Materie. Nach der heutigen Vorstellung besitzen Galaxien einen Halo aus Dunkler Materie, in dem sie eingebettet sind. In dem Modell von Benson und Devereux entwickeln sich die Galaxien, indem die Halos verschiedener Galaxien miteienander zu einem größeren Halo verschmelzen, der dann eine größere neue Galaxie umgiebt. Die Anzahl der Verschmelzungen bestimmt die Galaxienklasse. Die elliptischen Galaxien entstanden demnach aus vielfachen Verschmelzungen, wo hingegen Spiralgalaxien noch jungfräulich sind. In dem also das Computermodell die Beobachtungen aus den 2MASS-Daten unter Verwendung der im Lambda-CDM-Modell vorgegebenen Materieverhältnisse wiedergibt, stützt es dieses aktuelle Kosmologie.

*) Der Beitrag in der englischsprachigen Wikipedia ist lesenswerter: Lambda-CDM model
Quelle: Royal Astronomical Society

So viel dazu. Wer jetzt noch Lust auf die dunkle Seite der Kosmologie hat, möge sich diesen Vortrag aus Alpha Centauri über Dunkle Materie anschauen:
 


Das Blog-Teleskop Nummer 43


Einen Blick zurück nach vorn bietet Carolin in ihrem Blog Astronomers do it at night. Sie hat sich die Mühe gemacht mit dem Blog-Teleskop #43 einen Überblick über die Aktivitäten der letzen vierzehn Tage in der astronomischen Blogosphäre aufzustellen und geistreich zu präsentieren. Viel Spaß damit!

Der Standort des Blog-Teleskops nebst Ausleihmöglichkeit ist übrigens hier.

Das Schneegestirn


Winter ist, wenn zur besten Beobachtungszeit die Hyaden hoch am Himmel stehen. Das ist zwar nicht offiziell so, hat aber zumindest derzeit seine Berechtigung. Bei den Hyaden handelt es sich um eine Gruppe von circa 350 Sternen, die einen sogenannten Offenen Sternhaufen bilden, wobei unter idealen Sichtbedingungen nur etwa zwanzig Sterne mit bloßem Auge sichtbar sind. Die Hyaden dominieren das Sternbild Stier (Taurus). Sie bilden den V-förmigen Kopf des Stieres, dessen rotes Auge der Stern Aldebaran markiert. Dieser Stern überstrahlt mit seiner Helligkeit die Hyaden, da er nur in etwa halb so weit entfernt ist. Er gehört also nicht zu dem Sternhaufen, sondern liegt einfach nur auf der Sichtlinie.



Die alten Römer nannten den Sternhaufen Sidus Hyantis, also das Regen bringende Gestirn oder Regengestirn. Letztere Bezeichnung ist auch heute noch geläufig, Schneegestirn hingegen ist eine reine Erfindung von mir. Der Name Regengestirn ist durchaus treffend, denn mit dem abendlichen Aufgang der Hyaden beginnt die schmuddelige Jahreszeit. Bei den Griechen stehen die Hyaden für die Töchter des Titanen Atlas mit Aethra. Der schlimme Finger Atlas hatte mit einer anderen Frau, nämlich Pleione, noch weitere Töchter, die Plejaden. Man fragt sich, wie er bei so viel Töchterzeugung und -aufzucht noch dazu kam, dass Himmelsgewölbe hochzuhalten. Astronomisch gesehen handelt es sich bei den Plejaden ebenfalls um einen Offenen Sternhaufen. Die Atlas-Töchter sind also fein säuberlich nach Gattin jeweils in Haufen getrennt.

Die antike Vorstellung von Schwestersternen kommt der Realität sehr nahe. Tatsächlich handelt es sich bei Offenen Sternhaufen um Sterne, die aus derselben Gas- und Staubwolke entstanden sind. Diese Viellingsgeburt soll bei den Hyaden vor circa 625 Millionen Jahren stattgefunden haben. Das klingt nach viel, doch verglichen mit unsere Sonne und ihrem Alter von 4,6 Milliarden Jahren sind die Sterne in den Offenen Sternhaufen recht jung. Da sich im Laufe der Zeit die Haufen auflösen, findet man keine Offenen Sternhaufen mit richtig alten Sternen. Wie man auf so eine Altersschätzung kommt und weitere interessante Hintergründe bietet der leicht verständliche Artikel Von den Hyaden, Plejaden und anderen Sternhaufen auf astronomie.de.

Dass Sterne keine Einzelkinder sind, sondern in solchen Vielfachgeburten entstehen, ist nicht die Ausnahme, sondern die Regel. Die Sterngeschwister stehen nicht nur räumlich nahe beinander, sie bewegen sich auch gemeinsam relativ zum Fixsternhimmel, sie bilden eine sogenannte Bewegunsgruppe. Wie Schienenstränge, die am Horizont zusammenlaufen, verkleinern sich dabei für uns perspektivisch die Abstände zwischen den Haufenmitgliedern. Die Hyaden schrumpfen sozusagen auf einen Punkt, den Konvergenzpunkt, zusammen. Dieser Punkt liegt in der Nähe des Sterns Betelgeuse im Sternbild Orion. Dabei hat dieser Bewegungshaufen die größte Nähe zur Sonne und damit seine größte Ausdehnung am Nachthimmel schon gehabt, vor circa 800.000 Jahren.

Die Hyaden bilden mit einer Entfernung von 151 Lichtjahren den nächstgelegenen Sternhaufen. Okay, nicht ganz: Die Ursa-Major -Gruppe (Bärenstrom), zu der ein paar prominente Sterne aus dem Großen Wagen gehören, liegt näher. Doch ist diese Gruppe über einen großen Bereich des Himmels verteilt und nicht so schön geschlossen, wie die Hyaden.

Wenn also das Tief Daisy erstmal verschwindet und den Blick auf den Himmel wieder frei gibt, wird hoffentlich jeder Aldebaran und das Hyaden-V bemerken - und vielleicht liegt dann ja sogar noch Schnee.

Weitere Linktipps und Quellenangabe: The Raining Stars und Das Regengestirn
Die Bilder wurden mit Stellarium erzeugt.

Massearmer Exoplanet am Keck entdeckt

Planetenjäger am Keck-Observatorium haben einen Exoplaneten entdeckt, der lediglich die vierfache Masse unserer Erde besitzt. Solche relativ leichten Planeten, die andere Sterne umkreisen, werden Supererden genannt. Andere Planetensysteme sind eigentlich längst nichts besonderes mehr, denn es sind schon über vierhundert bekannt, doch eine echte zweite Erde ist nicht dabei. Die Methoden der Astronomen sind noch nicht fein genug, um solche Leichtgewichte vom Typ unserer Erde nachzuweisen. Dieser neuerliche Erfolg zeigt allerdings, wie die Forscher immer besser werden. Die neu entdeckte Supererde ist der bislang zweitleichteste Exoplaneten. So sieht das auch der beteiligte Astronom Andrew Howard von der University of California, Berkeley:
“This is quite a remarkable discovery. It shows that we can push down and find smaller and smaller planets.”
Der Name des Planeten ist allerdings ganz unprosaisch, nämlich HD156668b.Das kleine b nach dem Zahlensalat weißt auf den Planeten hin. Ohne b bezeichnet der Ausdruck den Stern, um den die Supererde kreist. Man kann sich natürlich schon fragen, ob die Begeisterung des allgemeinen Publikums für das Treiben der Planetenjäger größer wäre, wären die Namen nicht etwas fantasieanregender.

Der Exoplanet und sein Heimatstern befinden sich in circa 80 Lichtjahre Entfernung im Sternbild Herkules. Es handelt sich um einen K-Stern der Größe 8,4 mag. Dieses mit Stellarium erzeugte Bild zeigt seine Lage am Himmel markiert mit einem Kreis.



Die Forscher entdeckten den Planeten mittels der Radialgeschwindigkeitsmethode. Theoretisch ist dies ganz simpel: Man nehme einen Spektrograf, schraube ihn an ein Teleskop und beobachte die periodische Verschiebung der Spektrallinien des Sterns. Diese Verschiebungen werden durch den Dopplereffekt erzeugt. Sie spiegeln die Hin-und her-Bewegung des Sterns wieder, die diesem von seinem planetaren Begleiter aufgezwungen werden. Diese Methode begünstigt die Entdeckung massereicher (=> relativ große Bewegung des Sterns) Planeten, die ihren Stern auf engen Umlaufbahnen (=> kurze Periodendauer und daher in relativ kurzer Zeit messbar) umlaufen. So erklärt sich, warum sich Astronomen so schwer mit leichten Planeten in weiten Umlaufbahnen tun. Solange wir nicht nahezu beliebige Planeten nachweisen können, ist es jedenfalls schwer, grundsätzliche Aussagen über die Entstehung und Natur von Planetensystemen zu machen.

Das Teleskop der beteiligten Wissenschaftler war eines der 10-Meter-Keck-Teleskope, die sich auf dem Gipfel des Mauna Kea auf Hawaii befinden, der Spektrograph das HIRES-Instrument.



Aufgrund der Entdeckungsmethode gibt es auch kein "Foto" von diesem Planeten. Er verrät sich eben nur durch die periodische Änderung der Geschwindigkeit seines Zentralgestirns, also durch die hier gezeigte Kurve. Gerne veröffentlichen Astronomen dann irgendwelche "So könnte es aussehen"-Bilder, die Laien vielleicht versehentlich für echt halten können. Ich bin da aber Purist. Wenn wir nicht wissen, wie es auf HD156668b aussieht, dann sollten wir auch nicht so tun als ob. So markiert die Entdeckung von HD156668b ein Anfang und nicht ein Ende des wissenschaftlichen Abenteuers.
 
Quelle: Keck-Observatorium