Astronomischer Advent

Tja, man weiß nie, was man kriegt …
Mit dem Rahmenthema „Sonne, Mond und Sterne“ steht der beliebte akademische Adventskalender der Ruhr-Universität dieses Jahr ganz im Zeichen der Astronomie: Passend zum ausgehenden internationalen Jahr der Astronomie 2009 sind es diesmal Astronomen, Astrophysiker aber ebenso Geistes- und Kulturwissenschaftler der RUB, die den Adventskalender mit Leben füllen – mit Wissenswertem rund zum Lauf den Gestirne und den damit verbundenen Hoffnungen, Segnungen und Deutungen während der Kulturgeschichte der Menschheit.

Wie im vergangenen Jahr so sind auch dieses Mal wieder einige Rätsel Teil des Kalenders: Wer die Aufgaben richtig löst, nimmt Teil an der Auslosung. Zu gewinnen sind erneut Bücher.
Zum Adventskalender … (Version ohne JavaScript)

Wie baut man eine Milchstraße?

Bei klarem Himmel sehen wir sie jede Nacht in ihrer ganzen Pracht, im Sommer allerdings eindrucksvoller als jetzt im angehenden Winter, die Milchstraße. Sie ist die kosmische Heimat für unser Sonnensystem, auch wenn wir uns eher in den Außenbereichen, in einem ihrer zahlreichen Spiralarme befinden. Aber wieso sieht die Milchstraße eigentlich so aus wie sie aussieht, und wie ist sie entstanden?

Den besten Einblick in die Milliarden Jahre alte Geschichte unserer Heimatgalaxie liefern ihre Begleitgalaxien und die Kugelsternhaufen. Kleine Zwerggalaxien wie die beiden Magellanschen Wolken, die gravitativ an die Milchstraße gebunden sind, zeigen uns wie das Zusammenspiel von großer Spirale und ihren Begleitern funktioniert: Beide sind von irregulärer Form, verzerrt durch Wechselwirkungen mit der Milchstraße. Hinzu kommt, in beiden findet aktiv Sternentstehung statt, auch das wird angeregt durch nahe Vorübergänge oder gar Durchgänge der zwei durch die Scheibenebene unserer Galaxis. Daß die kleinen Begleiter davon ziemlich mitgenommen werden, zeigt sich auch in den sogenannten Tidal Streams, das sind Sternströme die durch Gezeitenkräfte aus ihnen herausgerissen werden. Schließlich und endlich werden die kleinen Zwerggalaxien auf diese Weise aufgelöst werden.

Der Sternhaufen Terzan 5 im Zentrum der Galaxis, sichtbar gemacht im Infrarotlicht mit dem neuartigen MAD-Instrument am Very Large Telescope der ESO in Chile. Image Credit: ESO/F. Ferraro

Ganz anders dagegen die Kugelsternhaufen. Auch sie sind Begleiter der Milchstraße, allerdings kleiner als die Zwerggalaxien. Die Sterne die in ihnen enthalten sind, gehören zu den ältesten, die man in der Milchstraße kennt, neue Sterne werden dort nicht mehr geboren. Meistens jedenfalls, oder besser gesagt, Ausnahmen bestätigen die Regel. Der Sternhaufen Terzan 5, der sich inmitten des galaktischen Zentrums befindet, tanzt aus der Reihe. Er sieht aus wie ein Kugelsternhaufen, zeigt aber Eigenschaften einer Zwerggalaxie: Anomalien in der Elementhäufigkeit und ein Mix aus jungen und alten Sternen. Terzan 5 war wahrscheinlich mal eine solche Begleitgalaxie, wurde dann aber vom Bulge unserer Milchstraße vereinnahmt. Seine letzten Überreste sehen wir als kleinen Kugelsternhaufen.

Binärcode - Der Astronomiekrimi


Rosetta ist der Stolz der europäischen Raumfahrt. Diese Hightech-Raumsonde befindet sich derzeit auf dem Weg zum Kometen Tschurjumow-Gerasimenko, den sie 2014 erreichen wird. Gestartet wurde Rosetta mit erheblicher Verzögerung im März 2004. Eigentlich hätte der Start der Sonde bereits im Januar 2003 erfolgen sollen, um sie dann zum Kometen Wirtanen zu befördern.*)
Wie kam es zu dieser Startverzögerung, die eine Änderung des Flugziels erforderlich machte? Natürlich gibt es die offizielle Begründung mit angeblichen Problemen an der Ariane-5-Trägerrakete, aber wer glaubt schon der offiziellen Version? Mit solch einer Frage könnte eine alberne Verschwörungstheorie beginnen oder ein spannender Krimi. Christian Gude hat sich für die zweite Variante entschieden. Sein astronomischer Wissenschaftskrimi Binärcode spielt in Darmstadt, wo die europäische Weltraumbehörde ESA eines ihrer Zentren unterhält, nämlich das European Space Operations Centre, ESOC. Dass die südhessische Stadt eine der bedeutendsten Einrichtungen der europäischen Raumfahrt beherbergt ist dem eigenwilligen Kommissar Karl Rünz bisher entgangen. Der Misanthrop und Polizist Rünz liebt Schusswaffen, hat panische Angst vor Mikroben und verbringt seine freie Zeit damit, die neuesten Esoteriktrends seiner Frau stoisch zu ertragen. Warum sich seine Heimatstadt den selbstbewussten Titel Wissenschaftsstadt gegeben hat, ist für ihn genauso rätselhaft, wie das anglizistische Managementgebabbel seines Vorgesetzten. Zunächst ist das nicht weiter problematisch, denn Christian Gudes Krimi beginnt ganz klassisch mit einem Mord und der Kriminalist Rünz kann mit seinen Schusswaffenkenntnissen brillieren. Da das Opfer jedoch ein ESOC-Mitarbeiter war und der Täter wohl nicht im spärlichen privaten Umfeld des Toten zu suchen ist, beginnt für Karl Rünz eine Reise, die seinen hessisch-behäbigen Intellekt ähnlich weit aus seinem bisherigen Zentrum hinaus trägt, wie die ESOC ihre Raumsonde Rosetta. Einen Reiseführer durch das Sonnensystem findet der Kommissar in einem Mitglied der Volkssternwarte Darmstadt e.V. und so begegnen sich in diesem Krimi die hochprofessionelle institutionalisierte Raumfahrt mit der von schierer Begeisterung getragenen Amateurastronomie. Die Bildungsreise des Kommissar Karl Rünz und seine Läuterung angesichts der kosmischen Weiten gehört mit zum Besten, was man dazu in Wissenschaftsromanen lesen kann. Seine Wandlung vom Südhessen zum Bewohner des Planetensystems mit der einhergehenden Werteverschiebung geschieht völlig unaufdringlich und harmonisch eingebettet in die Handlung - ein echter Geniestreich des Autors Christian Gude.

Neben dem klugen Wechselspiel aus Wissenschaft und Krimi muss man Christian Gude noch für eine zweite Sache dankbar sein: Sein Roman endet dann, wenn es am Schönsten ist. Der Schluss ist für Romane mit Sciencefiction-Thematik immer das größte Problem. Nachdem über viele Seiten Spannung aufgebaut und ein Rätsel entwickelt wurde, muss am Ende die Katze irgendwie aus dem Sack. So wird in vielen Werken der Sciencefiction beispielsweise aus der spannend inszenierten Frage, ob es Außerirdische geben kann, ein alberner Showdown in Wildwest- oder New-Age-Manier. So weit lässt es Christian Gude nicht kommen. Wenn Karl Rünz den Mörder hat, ist der Krimi zu Ende und das ist gut so.

Das Buch von Christian Gude erschien bereits 2008 im Gmeiner-Verlag. Für die Reihe Die Zeit Wissenschafts-Krimi wurde es neu aufgelegt und mit einer "Krimi-Analyse" aus der Zeit-Wissen-Redaktion erweitert. Viel zu analysieren hat der Redakteur Dirk Asendorpf dabei aber nicht, denn Christian Gude lässt kaum eine Frage offen. Er bedient sich keiner technischen Gadgets, über deren Realitätsgehalt man nun diskutieren müsste. Stattdessen hat sich der Zeit-Redakteur bei der ESA umgehört. Wie man dort das Buch fand ist schließlich auch eine spannende Frage.

Binärcode von Christian Gude gehört jedenfalls zu den kurweiligen Krimis, die man mehr verschlingt als liest und wie der Autor das Thema Astronomie in die Kriminalgeschichte verwebt hat, ist einfach nur großartig.

*) Siehe den Beitrag Die Rosetta-Mission auf spektrumdirekt

Galaxy Zoo – jetzt mit Mergern!

Nun, da hatte ich es vorgestern noch mit Microsoft/NASA vs. Galaxy Zoo, da legen die Zoologen bereits nach:

"Galaxy Zoo Mergers" ist das nächste Level. Diesmal geht es nicht um die Klassifizierung von Galaxien, sondern um die Beurteilung von Verschmelzungsprozessen zweier solcher Welteninseln.

Aber lassen wir die Beteiligten selbst zu Wort kommen:
“Visitors to the Galaxy Zoo Mergers site use what’s rather like a giant slot machine, with a real image of a galactic merger in the center and eight randomly selected simulated merger images filling the other eight ‘slots’ around it,” said Dr. Chris Lintott of Oxford University’s Department of Physics, galaxyzoo.org team member. “By randomly cycling through the millions of simulated possibilities and selecting only the very best matches they are helping to build up a profile of what kind of factors are necessary to create the galaxies we see in the Universe around us — and, hopefully, having fun too!”

Alles weitere unter: mergers.galaxyzoo.org

Scharfer Blick auf Enceladus´ Geysire

Atemberaubende Bilder vom Vobeiflug an Enceladus hat die Raumsonde Cassini am vergangenen Wochenende zur Erde gefunkt. Mittlerweile kommt man sich vor, als würde man selbst direkt über dieser fremden, eisigen Welt schweben, so eindrucksvoll und voller geologischer Details sind bereits die Rohbilder der Mission, die hier veröffentlicht wurden.
Bildnachweise: NASA, JPL

Der Besuch bei Enceladus am 21. November war bereits der achte. Cassini passierte den mittlerweile für seine "Tiger Stripes" berühmten Mond in einer Entfernung von 1600 Kilometern und auf 82 Grad südlicher Breite, was den Forschern einen besonders guten Blick auf die interessante Südpolregion des Mondes mit seinen aktiven Geysiren gewährte. Cassini´s nächstes Ziel ist der Saturnmond Rhea.

Microsoft ist für … Marsianer!?!

Die NASA verbündet sich mit Microsoft – da stehen wohl bei Wissenschaftlern und Computernutzern gleichermaßen etliche Fragezeichen ins Gesicht geschrieben.

Ein Manager des Softwareriesen aus Redmond hat schon unumwunden zugegeben, dass bei Gestaltung und Features von Windows 7 im Wesentlichen von den Apple-Leoparden OS X 5 und 6 abgekupfert wurde [1].

Ganz in dieser Tradition erscheint mir jetzt "Be a Martian" daher zu kommen. Denn die Idee, Freiwillige/Nichtwissenschaftler aktiv an der Auswertung echter Forschungsdaten mitwirken zu lassen, ist alles andere als neu und funktioniert insbesondere bei Galaxy Zoo ([2], [3]) hervorragend.

Mir ist wirklich nicht ganz klar, was sich das JPL, das für die NASA-Zentrale das Projekt betreut, von dieser Allianz verspricht. Klar, Bildung einer Community, aber bei dieser "Opportunity" fehlt mir der rechte "Spirit".

Galaxienkannibalismus live

Kosmische Staubmassen können so einiges verbergen. Schon in unserer eigenen Milchstraße versperren sie im sichtbaren Licht den Blick auf das Zentrum der Galaxis und das dort ruhende Schwarze Loch. Auch andere Galaxien sind oft von großen Staubbändern durchzogen. Wie wir erst kürzlich am Beispiel von NGC 4710 gesehen haben, sehen wir denn Staub am besten, wenn wir "edge-on" - also von der Seite - auf eine Spiralgalaxie schauen.

Centaurus A, aufgenommen vor einigen Jahren mit FORS2 am Very Large Telescope. Image Credit: ESO

Keine Spiralgalaxie und dennoch von einem auffälligen dunklen Staubband durchzogen ist NGC 5128, die fünfthellste Galaxie am Himmel. Viel bekannter ist sie unter dem Namen Centaurus A, weil sie zugleich auch die dritthellste Radioquelle am Himmel ist.

Die Radiostrahlung stammt von einem Aktiven Galaktischen Kern, dem Schwarzen Loch im Zentrum dieser Galaxie, das beständig mit Materie gefüttert wird. Das dichte Staubband um die ansonsten ellipsenförmige Sternansammlung verhindert, daß wir in das Herz von Centaurus A schauen. Aufnahmen der Infrarotsatelliten ISO und Spitzer haben gezeigt, daß sich dort eine seltsam gebogene Struktur verbirgt, die vermutlich die Überreste einer Spiralgalaxie sind, die Centaurus A sich einverleibt hat.

Infrarot-Anblick von Centaurus A, aufgenommen mit SOFI am 3.5m NTT der ESO. Image Credit: ESO/Y. Beletsky

Um sich diese gebogenen Strukturen näher anzuschauen, hat man mit dem New Technology Telescope (NTT) der ESO auf La Silla nochmal ganz genau nachgeschaut: Mit einer neuen Bildbearbeitungstechnik hat man im nahen Infraroten aufgenommene Bilder von der letzten Staubschleiern befreit, so daß dort unzählige einzelne Sterne und ganze Sternhaufen sichtbar wurden - die letzten Spuren der von Centaurus A verschlungenen Galaxie. Hier sehen wir also live, wie sich große elliptische Galaxien durch das Verschmelzen kleinerer Spiralen bilden.

Die X-Galaxie

Galaxien kommen mit dem unterschiedlichsten Aussehen daher, mal als Spiralen mit vielen oder nur wenigen Armen oder auch mit Zentralbalken, mal als kugelförmige oder abgeflachte Elliptische. Auch völlig irreguläre Formen gibt es, besonders häufig dann, wenn zwei oder noch mehr Galaxien miteinander wechselwirken.

Je nach dem unter welchem Blickwinkel wir dann auf eine Galaxie schauen, sieht sie nochmal wieder anders aus: Von oben betrachtet können wir die Arme einer Spiralgalaxie in aller Pracht bewundern, von der Seite aus können wir sie gar nicht erkennen. Stattdessen werden häufig dunkle Staubbänder deutlich sichtbar, die das Licht der Sterne dahinter abdunkeln. Im Kernbereich, dem sogenannten Bulge, wird die Scheibe einer Spiralgalaxie häufig dicker.

Das Herz einer solchen Galaxie wirkt ein wenig, als würden die Spiralarme aus ihm heraus in die Außenbereiche laufen. Tatsächlich ist aber nicht geklärt, ob der Bulge ein besonders alter Teil einer Galaxie ist und sich bereits ganz am Anfang der Entstehung der Galaxie gebildet hat, oder ob die Ansammlung von Sternen im Zentrum sich erst im Laufe der Zeit gebildet hat.

NGC 4710, aufgenommen mit der Advanced Camera for Surveys ACS des Hubble Space Telescope. Image Credit: NASA, ESA, and P. Goudfrooij (STScI)

Dazu untersucht man Edge-On Galaxien wie NGC 4710 mit ihrem X-förmigen Bulge aus dem Virgo-Haufen und sucht nach Kugelsternhaufen in der Nähe des Kernbereichs. Bei NGC 4710 fand man nur sehr wenige, was darauf hin deutet, daß der Bulge eine ganze Weile brauchte um die Größe und Form zu erreichen die er jetzt hat und deshalb kaum Kugelsternhaufen nahe an sich binden konnte.

Warten auf die Supernova

Massereiche Sterne ab etwa acht Sonnenmassen beenden ihr Leben als Supernova: Sobald ihr nuklearer Brennstoff verbraucht ist, stürzt ihr Kern in sich zusammen und ein Neutronenstern oder ein Schwarzes Loch entsteht. Gleichzeitig werden die äußeren Schichten des Sterns explosionsartig nach außen getrieben und bilden dann schließlich später den leuchtenden Supernovaüberrest.

Es gibt aber noch weitere Spielarten von Supernovaexplosionen. Dafür benötigt man allerdings immer ein Doppelsternsystem. Häufig kommt es dann vor, daß sich ein Mitglied eines solchen Systems schon zu einem Weißen Zwerg entwickelt hat, so wie auch unsere Sonne einmal enden wird. Der zweite Stern dagegen befindet sich noch im Stadium eines Roten Riesen. Er hat sich extrem aufgebläht, und das ermöglicht es, daß Materie aus den äußersten Schichten des Riesensterns auf die Oberfläche des Weißen Zwergs gesogen wird. Irgendwann hat der Weiße Zwerg so eine Art Atmosphäre aus Materie angesammelt, die noch fusionsfähig ist. Zündet die Kernfusion an der Oberfläche, kommt es zu einer Novaexplosion - das Material wird schlagartig wegfusioniert und bei der Explosion nach außen getragen. Solche Novae wiederholen sich regelmäßig und der Stern wird dabei in eine zwiebelschalenartige Hülle aus dünnem Gas eingebettet. Trotzdem wächst die Masse des weißen Zwergs kontinuierlich. Irgendwann ist aber eine Obergrenze erreicht. Wird ein Weißer Zwerg nämlich schwerer als die sogenannte Chandrasekhar-Masse, muß auch er als Supernova explodieren. Weil die Chandrasekhar-Masse sehr gut bestimmt ist, nutzt man diese Sorte von Supernovae als Eichquellen, besonders für die kosmologische Entfernungsskala. Trotzdem sind viele Details der Explosion noch unbekannt.

Nahaufnahme von V445 Puppis im März 2007, aufgenommen mit der adaptiven Optik NACO am VLT. Image Credit: ESO

Über mehrere Jahre hinweg hat man am Very Large Telescope der ESO der Nova V445 Puppis nachgespürt, die das letzte Mal vor genau neun Jahren explodierte. Die Untersuchungen haben gezeigt, daß der Weiße Zwerg in diesem System kurz vor seinem endgültigen Kollaps steht - eine solche Explosion aus der Nähe studieren zu können, wünschen sich die Astronomen seit langem. Die letzte Supernova in unserer kosmischen Nachbarschaft fand 1987 in der Großen Magellanschen Wolke statt. Dabei handelte sich allerdings um eine "normale" Supernova. V445 Puppis dagegen werden die Astronomen im Auge behalten. Hier könnte es jederzeit losgehen.

Rosetta kratzt die Kurve

Es ist geschafft. Wie nicht anders zu erwarten war, hat die Kometensonde Rosetta ihren dritten Erdvorbeiflug erfolgreich und in hoher Genauigkeit absolviert. Über die großen Antennen der Bodenstationen in Kalifornien wurden die ersten Bilder von Rosettas Kamera übertragen.


Bei diesem dritten Vorbeiflug an der Erde wurde die Raumsonde zum vierten und letzten Mal die Nähe zu einem Planeten für eine Schwerkraftumlenkung (Swing-by) nutzen. Erste Bilder vom Anflug der Sonde am 12. November in Richtung Erde sehen Sie oben. Dabei entspricht jeder Bildpunkt einer Auflösung von 12 Kilometern. Die Kamera der Sonde hat während des Anflugs jede Stunde eine Foto gemacht, so dass die Anflug-Sequenz jetzt vorliegt.

Durch das Gravitationsmanöver hat Rosetta ausreichend Geschwindigkeit aufgenommen, um die Reise in das äußere Sonnensystem fortsetzen zu können. Dabei ist eine Begegnung mit dem Asteroiden 21 Lutetia im Juli 2010 geplant. Anfang 2011 wird Rosetta für zweieinhalb Jahre in einen Ruhezustand versetzt, um schließlich im Januar 2014 wieder aktiviert zu werden. Erst dann wird Rosetta ihr Ziel, den Kometen 67P/Tschurjumow-Gerasimenko, erreichen. Dort wird sie die Landesonde Philae aussetzen, die vor Ort Untersuchungen der Oberfläche durchführen soll. Rosettas weitere Aufgabe wird es sein, den Kometen auf seiner Reise zur Sonne zu begleiten und ihn dabei in einem Zeitraum von bis zu zwei Jahren gründlich zu erforschen.

Ein wunderschönes Bild der teilbeleuchteten Erde (Südamerika und Teile der Antarktis) vor dem Flyby. Der Abstand von Rosetta bei dieser Aufnahme betrug 350 000 Kilometer, die Auflösung 6,5 km/pixel.Noch ein wunderschönes Bild der teilbeleuchteten Erde (Südamerika und Teile der Antarktis) vor dem Flyby. Der Abstand von Rosetta bei dieser Aufnahme betrug 350 000 Kilometer, die Auflösung 6,5 km/pixel.

Der wolkenverhangene nordamerikanische Kontinent, den die Navigationskamera von Rosetta nach dem Flyby in einer Entfernung von 224.000 Kilometer vom Erdzentrum fotografierte.


Wolken eines Antizyklons über dem Südpazifik, den Rosetta bei Ihrem Vorbeiflug ablichtete.

Bei ihren letzten Erdbesuch hat Rosetta seit ihrem Start fast 4,5 Milliarden Kilometer zurückgelegt. Ihre Vorbeifluggeschwindigkeit betrug 13,3 km/s bei 109° Ost, 8° Süd südlich der indonesischen Insel Java über dem Indischen Ozean. Durch die Schwerkraftumlenkung wird die Raumsonde im Verhältnis zur Sonne um 3,6 km/s beschleunigt.

Astronomieunterricht für alle - ein Aufruf zur Woche der Schulastronomie

Pünktlich zur Woche der Schulastronomie des Internationalen Jahrs der Astronomie hat die Initiative Pro Astro Sachsen einen Offenen Brief an Bund und Länder veröffentlicht, in dem sich zahlreiche Vertreter von Astronomie und Astrophysik für ein bundesweites Pflichtfach Astronomie in der 10. Klasse aussprechen. Unterzeichnet haben nicht nur Stellvertreter der wichtigen Forschungsorganisationen aus Astronomie und Raumfahrt und aus der Amateurastronomie, sondern auch prominente Astronauten und Wissenschaftler.

Die Medien beginnen inzwischen das Thema aufzugreifen, anderswo wird schon fleißig diskutiert. Kontovers ist es allemal, in Zeiten vollgestopfter Lehrpläne, verkürzter Gymnasialzeit und regelmäßigem Unterrichtsausfall ein neues Schulfach etablieren zu wollen.

Bleibt zu hoffen, daß eine möglichst große Resonanz dem einen oder anderen Verantwortlichen aus der Politik klar macht, daß Astronomie mehr ist als nur ein weiteres naturwissenschaftliches Fach. Astronomie steht für den Forscherdrang und die Suche nach Antworten auch die grundsätzlichsten Fragen der Menschheit.
Bei der ganzen Aktion geht es um mehr als die Frage der Bedeutung von Naturwissenschaften im Schulunterricht. Es geht darum, daß Bildung aus jungen Menschen eben nicht nur fleißige Bienen machen soll, die das Bruttosozialprodukt erhöhen, sondern kluge Köpfe, die die großen Zusammenhänge sehen.

Drei Satelliten - ein großartiges Milchstraßenbild

Wer erinnert sich noch an das Panorama des Milchstraßenzentrums im Röntgenlicht, aufgenommen mit Chandra? Es geht jedenfalls noch besser. Wenn Chandra nämlich seine Kollegen Hubble und Spitzer mit dazunimmt, entsteht ein kombiniertes Bild der Milchstraße, wie man sie noch nie gesehen hat:

Falschfarbendarstellung des galaktischen Zentrums. In Blau das Röngenlicht, in Gelb nahes Infrarot, in Rot fernes Infrarot. Image Credit: X-ray: NASA/CXC/UMass/D. Wang et al.; Optical: NASA/ESA/STScI/D.Wang et al.; IR: NASA/JPL-Caltech/SSC/S.Stolov

Die Chandra-Daten zeigen wie üblich das Röntgenuniversum: heißes Gas, normale Sterne, Weiße Zwerge und Neutronensterne, und natürlich Sagittarius A*, das Schwarze Loch im Zentrum der Milchstraße.
Im nahen Infraroten sieht Hubbles scharfes Auge dagegen ganz andere Dinge: feinste Strukturen in kühleren Gaswolken, erzeugt durch die Winde heißer Sterne, natürlich hochaufgelöst.
Spitzer kann dagegen im fernen Infrarot all die Sterne detektieren, die sich eigentlich hinter Unmengen von Gas und Staub verbergen. Auch die Staubmassen selber leuchten hell, denn sie werden durch die Sterne in ihrer Umgebung aufgeheizt, erzeugen also dann auch Wärmestrahlung.

Nimmt man diese drei Spektralbereiche zusammen, ergibt sich ein surreal-schönes Bild. Ungewohnt allerdings, denn im sichtbaren Licht sieht die Milchstraße ja wiederum ganz anders aus. Ein paar alte Bekannte treffen wir aber dennoch wieder, zum Beispiel den Arches-Haufen.

Der Kreislauf des Lebens der Sterne

Seit einiger Zeit ist das Hubble Space Telescope ja nun repariert und mit neuen Kameras ausgestattet. Die schönsten Hubble-Bilder lieferte in den vergangenen Jahren immer die zweite Version der Wide Field and Planetary Camera WFPC2. Ihr Nachfolger, die WFC3 zeigt uns inzwischen gerne, daß sie das mit den Pretty Pictures genausogut, wenn nicht sogar besser kann.

Nehmen wir mal das neueste Bild der Spiralgalaxie M83, auch unter dem Namen Südliche Feuerradgalaxie bekannt. Eigentlich ist M83 eine recht helle Galaxie, die schon in Ferngläsern problemlos sichtbar ist und bereits im kleinen Teleskop ihre Spiralarme zeigt. Von Deutschland aus gesehen ist sie allerdings nicht besonders leicht zu beobachten, weil sie nicht sehr hoch über den Horizont kommt.

Weitfeldaufnahme von M83. Image Credit: ESO

Aufnahmen von der Südhalbkugel zeigen dagegen die ganze Pracht der etwa 14 Millionen Lichtjahre entfernten Galaxie im Sternbild Wasserschlange. Ihre Spiralarme sind durchzogen von unzähligen roten Flecken, Wolken aus Wasserstoffgas, in denen Sterne entstehen. M83 ist eine sogenannte Starburst-Galaxie, die Sternentstehung hat dort schlagartig besonders stark zugenommen. Wodurch solche Wellen von Sterngeburten ausgelöst werden, weiß man bis heute nicht immer mit 100%iger Genauigkeit. Eine Möglichkeit wäre die Wechselwirkung mit einer anderen Galaxie, oder das "Verschlucken" einer Zwergalaxie die M83 einst umrundet hat, so wie die beiden Magellanschen Wolken unsere Milchstraße begleiten.

Detailaufnahme von M83, aufgenommen mit Hubbles WFC3 als Kombination mehrerer Einzelaufnahmen in verschiedenen Farben. Image Credit: Credit: NASA, ESA, and the Hubble Heritage Team (STScI/AURA)

Wenn die WFC3 M83 ins Visier nimmt, dann werden in den Sternentstehungsregionen die ersten Sternhaufen mit heißen jungen blauen Sternen sichtbar. Die heißesten und schwersten Sterne sind bereits wieder vergangen und als Supernova explodiert. Mehr als 60 solcher Supernovaüberreste hat Hubble als helle Gasblasen in den Spiralarmen der Galaxie identifizieren können.

Die mit dem Tiger tanzt



Die Raumsonde Cassini tanzt seit 2004 um den Saturn und kommt dabei immerwieder einem der Saturnmonde nahe, jeder eine Welt für sich. Gestern war es wieder der Mond mit den Tigerstreifen, Enceladus genannt. Auf der Seite CICLOPS veröffentlicht das Cassini-Kamerateam die Rohdaten dieser Begegnung. Ich habe das Bild oben ausgewählt, da es für mich alles ausdrückt, was die Planetenforschung so - sorry, ich muss das jetzt so schreiben - megageil macht: Wir umkreisen mit unseren ferngesteuerten Kamera-Augen fremde Welten und entdecken Dinge, die wir so auf unserer Erde nicht kennen. Doch da die Physik überall im All gilt, können wir versuchen, uns einen Reim darauf zu machen. Was wir hier sehen, ist Kryovulkanismus, ein Eisvulkan schleudert im Gegenlicht der Sonne seine eisige Fracht hoch hinaus; hoch, weil keine Atmosphäre ihn daran hindert. Carolin hatte bereits erhellendes dazu gepostet: Ozeane unter dem ewigen Eis auf Enceladus? Das Bild in ihrem Beitrag zeigt auch wunderbar die Tigerstreifen genannten Strukturen auf Enceladus, die im Zusammenhang mit dem Kryovulkanismus stehen.

Die Raumsonde Cassini befindet sich seit Juli 2004 im Saturn-System. Den Mond Enceladus hat sie nun in gerade mal 102 Kilometern Höhe überflogen. Eine wirklich toll gemachte Seite zu Cassini bietet das JPL-Institut der NASA: http://saturn.jpl.nasa.gov.

Keine erdähnlichen Exoplaneten vor 2011



Zumindest was das Weltraumteleskop Kepler anbelangt, werden wir wohl doch nicht so schnell erdähnliche Planeten in einer bewohnbaren Zone um einen Exoplaneten finden und dies entgegen der euphorischen Ankündigung: Kepler und die Exoplaneten.

Das Weltraumteleskop Kepler beobachtet kontinuierlich ein Sternfeld zwischen den Sternen Deneb und Vega, in der Hoffnung, dass dort ein Exoplanet zufällig in die Sichtlinie zwischen uns und seinem Stern gerät und diesen so kurzfristig etwas verdunkelt. Diese sogenannte Transitmethode wendet neben Kepler auch der Astronomiesatellit CoRoT (Convection, Rotation and Planetary Transits) an. Wie jetzt bekannt wurde, sorgt ein Fehler bei Kepler dafür, dass ein Exoplanet von der geringen Größe unserer Erde nicht erkannt werden kann. Dieser Fehler soll durch eine Veränderung der Analysesoftware korrigiert werden, womit aber nicht vor 2011 zu rechnen ist. Interessant daran ist, dass so das Rennen um die Entdeckung des ersten erdähnlichen Planeten in einer bewohnbaren Zone wieder offen ist. So könnten bodengestützte Teleskope mittels der Radialgeschwindigkeitsmethode dem Team um Kepler zuvorkommen. Eine bewohnbare Zone wäre eine Entfernung zum Zentralgestirn, bei der Wasser in flüssiger Form vorliegen kann - so es denn eine Atmosphäre auf dem Planeten gibt.

Die Mission Kepler startete am 6. März diesen Jahres. Da Astronomen mindestens drei Umläufe eines Exoplaneten um ihr Muttergestirn abwarten, bevor ihre Beobachtung als bestätigt gilt, wäre ein erdähnlicher Planet um einen sonnenähnlichen Stern sowieso nicht vor 2011 offiziell dingfest zu machen. Nach Ansicht des Astronomen Greg Laughlin von der University of California macht es diese Verzögerung aber dennoch wahrscheinlich, dass die erdgestützten Beobachter mit der Radialgeschwindigkeitsmethode als erste erfolgreich sein werden.

Quellen: Nature, universe today

Das waren noch Zeiten …!

Heute morgen starteten zwei neue europäische Satelliten an Bord einer Rockot vom Weltraumbahnhof Plessezk (Bild: Esa). Einmal der Demonstrationssatellit Proba-2 sowie der Erdforschungssatellit zur Untersuchung der Bodenfeuchtigkeit und des Salzgehalts der Ozeane, SMOS.

Bei dieser Mission gebe es, wie es auf den Esa-Seiten heißt, eine "starke deutsche Beteiligung". Das ist wieder einmal Salz in die Wunden zahlreicher deutscher Forscher, die sich seit längerem für ein nationales Raumfahrtprogramm stark machen. Am 40. Jahrestag des ersten Satelliten der Bundesrepublik, "Azur" alias German Research Satellite-1 (GRS-1, Bild: MBB), ist dies sicherlich besonders schmerzlich.

Da gab es einmal einen Rosat, der unter Federführung von Joachim Trümper am MPE entwickelt wurde und bei dem die USA und Großbritannien Juniorpartner waren. Sicher, jetzt gibt es TerraSAR-X, aber das ist eine andere forschungspolitische Liga.

Vielleicht ist es den Koalitionspartnern der neuen Bundesregierung gelungen, mit dem von dem Regierungskoordinator für Luft- und Raumfahrt, Peter Hintze (CDU), einst vorgestellten deutschen Mondforschungsprogramm ein paar Stimmen zu fangen – im jetzigen Koalitionsvertrag ist jedenfalls davon keine Rede mehr, wie Der Westen feststellt. Also wieder kein Auftrieb für unsere Forschungslandschaft, die sich weiterhin mit Cubesats und Zulieferentwicklungen für die Industrie beschäftigen darf.

Kein Wunder also, dass sich da am heutigen Tag irgendwie nicht so richtig Feierlaune einstellt.