Noch komischer als Elfen und Zauberer finde ich ja Helden in Strumpfhosen. Während die Gestalten aus Herr der Ringe mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht existieren, kann man sie sich wenigstens imaginieren, sie sind einfach Überzeichnungen realer Charaktermuster: edel, geheimnsivoll, erdverbunden, etc.
Aber was ist von dem Stählernen zu halten, der da einfach so durch die Luft fliegt oder eine Spinne-Mensch-Mutation? Dass die Superhelden in diesem Jahr den Schwerpunkt von Das Science Fiction Jahr 2009 bilden, hat mich bisher vom Kauf eher zurückgehalten, doch irgendwie macht mich die Leseprobe doch an. Das Thema wird hier nicht uninteressant historisch und psychologisch eingekreist. Nicht uninteressant an diesem Jahrbuch ist auch die Rubrik Science&Speculation. Hierfür haben die Macher des Jahrbuchs den bild der wissenschaft-Redakteur Rüdiger Vaas gewonnen, was dieser Rubrik wirklich gut tut!
Also bitte, wie jede Woche, zum öffnen der Leseprobe einfach tapfer auf das Cover klicken:
Asteroid Watch - Wissenschaft mit Apokalypsefaktor
Von der NASA gibt es was Neues: Asteroid Watch. Auf dieser am JPL-Institut angesiedelten Internetseite sollen ab sofort alle News und Infos zum Thema Asteroiden zusammenlaufen - eine Einstiegsseite in die Welt der Asteroiden. Dazu gehören insbesondere auch aktuelle Meldungen zu NEOs, also Near Earth Objects, Asteroiden also, die unserer Erde und ihren unbeweglichen, raumfahrtmüden aber doch so intelligenten Bewohnern nahe kommen können.Der Zeitpunkt, solch eine Seite zu starten, ist gut gewählt, denn fünfzehn Jahre nach dem legendären Shoemaker-Levy-Ereignis ist der Jupiter mal wieder Schauplatz einer kosmischen Kollision: Eine neue Narbe ziert Jupiter. Das Bild oben zeigt deren Spur in der Atmosphäre des Gasriesen. Die Aufnahme gelang mit dem Weltraumteleskop Hubble am 23 Juli, der Einschlag selbst fand wohl am 19. Juli statt. Das Besondere an der Aufnahme ist, dass das Weltraumteleskop nach seiner letzten Servicemission durch das Space Shuttle (Flug STS-125) eigentlich noch nicht wieder betriebsbereit ist. Die Astronomen wollten sich aber natürlich dieses seltene Ereignis trotzdem nicht entgehen lassen. Ob es ein Komet oder ein Asteroid war, der auf Jupiter stürzte, ist nicht klar. Astronomen schätzen den Durchmesser des Körpers auf mehrere Fußballfelder. Im Unterschied zum Shoemaker-Levy-Ereignis ist der Impaktor jedenfalls nicht vor dem Einschlag durch die mächtigen Gezeitenkräfte Jupiters zerstört worden, denn in diesem Fall müssten mehrere Einschlagstellen zu sehen sein.
Ein Beispiel wie sich Jupiter mit seiner neuen Narbe im Amateurteleskop macht, zeigt dieses Video von John Chumack:
Beteigeuze blubbert!
Dass Beteigeuze in den letzten 15 Jahren geschrumpft ist, hat Carolin ja schon im Juni berichtet. Die Interferometriefreaks vom MPI für Radioastronomie in Bonn
haben jetzt Orions Schulterstern mit dem VLTI in Chile ins Visier genommen. Dabei haben sie drei der 1,8-Meter-Auxiliary-Telescopes zu einem 48-Meter-Spiegel kombiniert.
Was sie bei Wellenlängen im nahen Infrarot sehen sind heiße Blasen, die den Stern teilweise an Größe noch übertreffen und mit 40.000 km/h durch die Gegend fetzen. Damit lässt sich auch der Fund eines anderen Teams mit einem der 8-Meter-Unit-Teleskope erklären, die eine Gaswolke beobachteten, die sich (vergleichsweise) bis zur Neptun-Bahn erstreckt. Der Massenverlust bei solchen Überriesen scheint also nicht (zumindest nicht immer) schön gleichmäßig und stetig als Sternwind vonstatten zu gehen ...
haben jetzt Orions Schulterstern mit dem VLTI in Chile ins Visier genommen. Dabei haben sie drei der 1,8-Meter-Auxiliary-Telescopes zu einem 48-Meter-Spiegel kombiniert.Was sie bei Wellenlängen im nahen Infrarot sehen sind heiße Blasen, die den Stern teilweise an Größe noch übertreffen und mit 40.000 km/h durch die Gegend fetzen. Damit lässt sich auch der Fund eines anderen Teams mit einem der 8-Meter-Unit-Teleskope erklären, die eine Gaswolke beobachteten, die sich (vergleichsweise) bis zur Neptun-Bahn erstreckt. Der Massenverlust bei solchen Überriesen scheint also nicht (zumindest nicht immer) schön gleichmäßig und stetig als Sternwind vonstatten zu gehen ...
Erbsen im Galaxien-Eintopf
Teilnehmer des online-Projekts "Galaxy Zoo" haben unter den Millionen Galaxien in den Aufnahmen des Sloan Digital Sky Surveys (SDSS) Objekte gesichtet, die nicht wie normale Sternsysteme aussehen, sondern wie grüne Erbsen!
Den Usern gingen insgesamt 250 Stück ins Netz, die Forscher alleine hätten das nicht hin bekommen, denn eine gezielte Suche wäre wie die nach der Nadel im Heuhaufen. Mittlerweile sind die Objekte von den Profis noch einmal gezielt untersucht worden, die Ergebnisse erscheinen demnächst in den Monthly Notices.
Es handelt sich dabei um Galaxien, wie sie in der Frühzeit des Kosmos wohl häufiger auftraten. Die gefundenen Exemplare sind zwischen 1,5 und 5 Milliarden Lichtjahre von der Erde entfernt und haben allesamt nur etwa ein Zehntel der Größe der Milchstraße und ein Hundertstel ihrer Masse. Trotzdem entstehen in ihnen zehnmal so viele Sterne, wie in unserer Heimatgalaxie heute – Rekord!
Also wenn Sie schon im Internet rumhängen, hören Sie auf, dusselige Blogs zu lesen, spielen Sie Aschenputtel und unterstützen Sie die kosmischen Erbsenzähler! Die Anmeldung gibt’s unter galaxyzoo.org. Projektsprache ist Englisch.
Wer weiß, vielleicht gelingt Ihnen genau so ein kapitaler Fang wie Hanny van Arkel?
Blog-Teleskop #31
Das aktuelle Blog-Teleskop ist online! Diesmal erfahrt ihr in Alles was fliegt, was es Lesenswertes zu lesen und welche Diskussionen zu diskutieren sind - natürlich rund um all das Zeugs was fliegt.
Papageien, das Universum und der ganze Rest

Zufällig bin ich gerade über ein Video gestolpert, in dem mein Held Douglas Adams über sein Buch Die letzten ihrer Art spricht. Nach seiner eigenen Aussage ist dieses Buch sein bestes, obwohl es sich bei weitem nicht so gut verkauft hat, wie Per Anhalter durch die Galaxis. Vielleicht liegt der nicht so große kommerzielle Erfolg auch nur daran, dass das Buch Die letzten ihrer Art nicht als Pflichtlektüre im ersten Semester Biologie nahegelegt wird, hingegen Physiker den Anhalter lesen müssen. Klar, dass Douglas Adams seinen Reisebericht "zu den aussterbenden Tieren unserer Erde" mehr mag, denn für diesen Bericht hat er sehr viel erlebt. Genau davon erzählt er, in seiner wunderbar hemdsärmligen, lockeren Art, aber seht einfach selbst:
Der Vortrag dauert über zwei Stunden, die sich aber lohnen. Ich weiß nicht, von wann er ist, Douglas Adams starb jedenfalls leider schon 2001. So lange ich lebe, werde ich mich jedenfalls an ihn erinnern und das ein oder andere Buch von ihm zum x-ten male lesen.
Freitagslesen: Wozu brauche ich einen Gott?
Was Jörg in Diax's Rake mit seinem Video am Freitag kann, kann ich schon lange! Nur dass es bei mir kein Video sein soll, sondern eine Leseprobe zu einem Buch *) im Flash-Format - einfach beherzt auf das Cover klicken.
Den Auftakt macht ein Buch, das nichts mit Astronomie, aber doch mit Weltanschauung zu tun hat. Die Autorin Fiona Lorenz befragt Religionskritiker nach deren Motiven und wie es ihnen im Alltag mit ihrem Leben ohne Gott so ergeht. Das Ganze macht auf mich einen sympathischen, nicht so schwergewichtigen Eindruck, wie manch Anderes in der aktuellen Atheismusdebatte - aber lest einfach selbst:
Bibliographische Angaben laut
Science-Shop:
Fiona Lorenz
Wozu brauche ich einen Gott?
Gespräche mit Abtrünnigen und Ungläubigen
rororo Taschenbücher Nr.62473
2009. 222 S. m. Abb.
Rowohlt-Verlag
ISBN: 9783499624735
Kostet derzeit € 8,95
*) Für alle die es nicht mehr wissen (oder noch nie gewusst haben): BUCH steht für Bibliographical Universal Communication Humbug. Das ist quasi ein E-Book mit Seiten aus Papier oder eine Art Notebook mit einem Bildschirm zum blättern. Eine Gebrauchsanleitung dazu gibt es hier:
Das war aber mein letztes Video am Freitag.
Den Auftakt macht ein Buch, das nichts mit Astronomie, aber doch mit Weltanschauung zu tun hat. Die Autorin Fiona Lorenz befragt Religionskritiker nach deren Motiven und wie es ihnen im Alltag mit ihrem Leben ohne Gott so ergeht. Das Ganze macht auf mich einen sympathischen, nicht so schwergewichtigen Eindruck, wie manch Anderes in der aktuellen Atheismusdebatte - aber lest einfach selbst:
Bibliographische Angaben laut
Science-Shop:
Fiona Lorenz
Wozu brauche ich einen Gott?
Gespräche mit Abtrünnigen und Ungläubigen
rororo Taschenbücher Nr.62473
2009. 222 S. m. Abb.
Rowohlt-Verlag
ISBN: 9783499624735
Kostet derzeit € 8,95
*) Für alle die es nicht mehr wissen (oder noch nie gewusst haben): BUCH steht für Bibliographical Universal Communication Humbug. Das ist quasi ein E-Book mit Seiten aus Papier oder eine Art Notebook mit einem Bildschirm zum blättern. Eine Gebrauchsanleitung dazu gibt es hier:
Das war aber mein letztes Video am Freitag.
Sackgasse Stringtheorie? Über die Zukunft der Physik

Der amerikanische Physiker Lee Smolin hat ein Buch geschrieben, in dem er kritisch mit seiner Zunft ins Gericht geht. Genauer gesagt reibt er sich an der Stringtheorie, die in ihrer Dominanz den Fortschritt eher zu behindern scheint. Insbesondere im Bereich der Quantengraviation, also dem Versuch die Allgemeine Relativitätstheorie mit der Quantenmechanik zu vereinen, gibt es Ansätze, die über die Leistungen der Stringtheorie weit hinausgeht, wie man zum Beispiel in dem Sachbuch von Martin Bojowald lesen kann: Zurück vor den Urknall.
Auf spektrumdirekt ist nun eine lesenswerte Rezension von Wolfgang Steinicke zu diesem wichtigen Buch erschienen. Er schreibt u.a.:
Der Forscher [Lee Smolin] kritisiert dabei nicht nur die Theorie selbst (wenn es überhaupt eine ist), sondern vor allem den Umgang mit ihr. Das Problem ist "soziologischer" Natur. Schuld ist das dominierende amerikanische Forschungssystem: Wer heute etwas in der Theoretischen Physik werden will, kommt an der Stringtheorie nicht vorbei. Hier wird das meiste Geld reingesteckt - zu Lasten anderer wichtiger Forschungsgebiete wie etwa der Quantengravitation. Das System fördert die "Handwerker" - mathematisch versierte Physiker - und ignoriert die "Seher". Letztere sind kreative Einzelgänger, die sich abseits des Mainstream mit fundamentalen Fragen befassen. Dies wird von den Forschungseinrichtungen, die auf Renommee und Budget achten müssen, nicht honoriert.Die ganze Rezension gibt es hier zu lesen: Sackgasse Stringtheorie?
Das weltweite "Peer-Review" System, bei dem etablierte Physiker über die Einstellung jüngerer Kollegen entscheiden, siebt unorthodoxe Denker, die meist mathematisch weniger versiert sind, gnadenlos aus. Einstein, wohl der größte "Seher" des 20. Jahrhunderts, würde heute wohl scheitern. Gesucht sind angepasste Theoretiker, die sich kritiklos ins Kalkül einspannen lassen. Wer als Post-Doc beruflichen Erfolg will, muss sich heute mit Stringtheorie beschäftigen. Zu ihren Konferenzen werden ausschließlich die eigenen Jünger eingeladen - die Elite pflegt eine strenge Isolation.
Leseprobe:
Eine neue Narbe ziert Jupiter

Credit: NASA/JPL/Infrared Telescope Facility
Fünfzehn Jahre nach dem Einschlag des Kometen Shoemaker-Levy-9 kam es nun wohl wieder zu einer Kollision zwischen dem Gasriesen Jupiter und einem Kleinkörper. Kollision ist hier natürlich relativ, es ist eher so, als wenn eine Mücke gegen die Windschutzscheibe eines Zehntonners klatscht.
Am Morgen des zwanzigsten Juli bemerkte der australische Amateurastronom Anthony Wesley eine neue dunkle "Narbe" in der Südpolregion des Gasriesen. Zwei im Infrarotbereich empfindliche Instrumente, beide auf dem Berg Mauna Kea, Hawaii, stationiert, beobachteten darauf hin Jupiter.
Das Bild oben zeigt eine Aufnahme des NASA Infrared Telescope Facility im Wellenlängenbereich von 1,65 Mikrometer. Anders als bei der Beobachtung von Anthony Wesley erscheint in diesem Spektralbereich der Einschlagsort als heller, weil relativ warmer Fleck. Ob es sich dabei allerdings wie 1994 bei dem Shoemaker-Levy-Ereignis auch um einen Kometen handelt, ist noch unklar.
Das zweite auf dem Gipfel des Mauna Kea stationierte Teleskop ist Keck II. Mit ihm gelang Astronomen das Bild unten, ebenfalls am 20. Juli.
Credit: Paul Kalas (UCB), Michael Fitzgerald (LLNL/UCB), Franck Marchis (SETI Institute/UCB), James Graham (UCB)Aber nicht, dass jetzt hier Missverständnisse aufkommen: Bleibende Schäden trägt Jupiter von solchen Einschlagsereignissen natürlich nicht davon, denn die gewaltige Gashülle schluckt den Fremdkörper und kühlt sich wieder ab. Bei den hellen Punkt im unteren Bild handelt es sich um den berühmten großen roten Fleck, der keine "Narbe" darstellt, sondern einen gewaltigen Wirbelsturm, der sich in Infrarotbildern hell von seiner Umgebeung abhebt.
Quelle: JPL und Keck Observatory
Mehr zu dem Thema auch unter astronomie-heute
Mondfahrer: Eine DVD und jede Menge Bücher zu Apollo

Jesco von Puttkamer war dabei. Als Raketenbauer der zweiten Generation im Team von Wernher von Braun hat er an der mächtigen Rakete Saturn V mitgewerkelt - die Rakete, mit der die Apollo-Astronauten zum Mond aufbrachen. Der berühmtesten Mission des Apollo-Programms ist sein Buch "Abenteuer Apollo 11" gewidmet. Vor vierzig Jahren, am 16. Juli 1969, machten sich Neil Armstrong, Edwin Aldrin und Michael Collins auf ihren Weg zum Erdtrabanten. Dies war zwar nicht die erste Reise zum Mond, aber die erste, bei der eine Landung vorgesehen war, das erklärte Ziel jahrelanger Bemühungen. Der Hauptteil des Buches "Abenteuer Apollo 11" beschreibt jeden einzelnen der acht Reisetage minutiös. Im zweiten Teil zieht der Raumfahrtwissenschaftler, der noch heute für die NASA tätig ist, ein Resümee und bietet einen Ausblick. Jesco von Puttkamers Buch glänzt durch den Detailreichtum und der Begeisterung des Insiders und Zeitzeugen. Als Mitarbeiter Wernher von Brauns betont er dabei auch immer wieder die originäre Leistung der deutschen Raketenwissenschaftler. In seinem Buch ist die aufrichtige Bewunderung für seinen Freund und Gönner spürbar und während in Raumfahrtbüchern die wesentlichen Beiträge der deutschen Raketenpioniere oft eher marginalisiert werden, finden sie bei von Puttkamer gebührend Beachtung.
Mit dabei war natürlich auch Edwin Buzz Aldrin. Zusammen mit Neil Armstrong betrat er am 2o. Juli den Mond - in Europa war bereits der 21. Juli angebrochen. Für das Buch "Der Mond" von Ralf Jaumann und Ulrich Köhler traf er sich mit einem seiner größten Bewunderer, den deutschen Astronauten Thomas Reiter. Das Gespräch zwischen den Astronautengenerationen eröffnet das Buch von Jaumann und Köhler und macht Lust auf mehr. Mehr gibt es dann auch wirklich. "Der Mond" von Ralf Jaumann und Ulrich Köhler ist ein strahlendes Licht am Bücherhimmel. Die beiden aktiven Geologen und Planetenwissenschaftler berichten nicht nur detailliert und spannend von den Apollo-Missionen, sondern auch von deren wissenschaftlichen Ertrag. Das ist nicht selbstverständlich, war doch der Wettlauf zum Mond eine Geburt des Kalten Krieges und die Wissenschaft nicht das treibende Moment. Nur ein Astronaut war ausgebildeter Geologe, nämlich Harrison "Jack" Schmitt. Er ist für das Planetologen- und Autorenduo Jaumann/Köhler wahrscheinlich dasselbe große Vorbild, das Buzz Aldrin für Thomas Reiter ist. Was wir über den Mond wissen und was zu lernen bleibt, steht in "Der Mond". Ein verständlich geschriebenes und umfassendes Buch mit zahlreichen großformatigen Abbildungen.
Auf dem Sofateppich hat Andrew Smith die Mondlandung verfolgt, als kleiner Junge im Wohnzimmer seiner Eltern. Der Junge von einst ist heute Journalist. Für sein Buch "Moonwalker" machte er sich auf die Suche nach den heute noch lebenden Männern, die einst den Mond betraten. Zwölf waren es mal, doch heute leben nur noch neun von ihnen. Wird es irgendwann wieder eine Zeit geben, in der kein Mensch unter uns lebt, der unseren Erdtrabanten besucht hat? Wird es niemanden mehr geben, der uns darüber berichten kann, wie es ist, da oben zu stehen, die blaue Erdkugel über sich; der uns sagen kann, was es bedeutet, eine epische Reise zu unternehmen? In seinen Reisebericht zu den Apollo-Astronauten fängt Andrew Smith die Stimmen und Stimmungen der inzwischen betagten Herren ein und erzählt uns während seines Road Trips viel über das Amerika von heute und zu der Zeit der Apollo-Jahre. Sein Bericht ist sicherlich das originellste Buch zum Apollo-Jubiläum.
Auch an Hollywood ging Apollo nicht spurlos vorbei. Ein würdiges dokumentarisches Denkmal ist der Film "Im Schatten des Mondes", den es im Jubiläumsjahr auf DVD gibt. Ohne Tricks und Animationsschnickschnack, sondern ausschließlich unter Verwendung von NASA-Bildmaterial hat Regisseur David Sington das Apollo-Programm in Szene gesetzt. "Kein Drehbuchautor in Hollywood hätte ein besseres Szenario schreiben können, als das von Apollo 8", sagt der Astronaut Jim Lovell im Film und David Sington war so klug, es auch wirklich nicht zu probieren, sondern das Geschehen und die Bilder für sich sprechen zu lassen. Auch für Komik sorgen die Fernsehbilder von damals ganz von allein: "Die monumentale Reise von Apollo 11 präsentiert von Kellogg's. Ohne Kellogg's ist der Morgen kein richtiger Morgen!" So schrecklich modern war Amerika 1969 bereits.
Im Film kommentieren zahlreiche Astronauten die Ereignisse, wie zum Beispiel Alan Bean: "Wenn die Scheibe jetzt kaputt geht, bin ich in einer Sekunde tot." Leider ist aber der sehr schweigsame erste Mensch auf dem Mond, Neil Armstrong, nicht dabei.
Den ein oder anderen mag der Preis und Umfang des hervorragenden Buches von Ralf Jaumann und Ulrich Köhler doch abschrecken und das Buch von Jesco von Puttkamer vielleicht zu technisch und zu sehr auf Apollo 11 gemünzt sein. Beide Bücher sind nun mal ganz besonders Astronomie- und Raumfahrtenthusiasten zu empfehlen. Andere Leser, die sich durch das Apollo-Jubiläum einfach nur mal angestachelt fühlen, ein bisschen mehr über dieses zeitgeschichtliche Ereignis zu erfahren, sollten zum Buch "Der Mond und die Abenteuer der Apollo-Astronauten" von Alexis von Croy greifen. Das Buch des Luft- und Raumfahrtjournalisten ist eine wirklich runde Sache: In drei Kapiteln beschreibt er, was wir über den Mond wissen, wie es zu Apollo kam und wie schließlich die abenteuerlichen Reisen abliefen. Das alles als ordentliches Buch verpackt zu einem guten Preis.
Soweit dieser kleine Überblick zu Buch und DVD im Apollo-Jahr 2009. Sicherlich gibt es noch den ein oder anderen Titel, den ich hätte erwähnen sollen, aber ich denke diese fünf Titel stellen eine gute Auswahl für jeden Geschmack dar. Wer noch sein persönliches Lieblingsmondbuch erwähnt haben möchte, kann das ja gerne in den Kommentaren tun.
Bibliographische Angaben und Preise zu den Büchern gibt es unter: science-shop.de/mond
Wo ist Apollo und wie geht es Apollos Kindern?
Gestern vor 40 Jahren startete Apollo 11 zur wohl berühmtesten Reise des technischen Zeitalters. In den Medien wird erfreulicherweise so viel darüber berichtet, dass es sich eigentlich nicht lohnt, darüber zu bloggen. Aber es laufen mir dann doch immerwieder Sachen über den Weg, die will ich einfach weitergeben.Man könnte sich zum Beispiel fragen, wo sich Apollo jetzt, einem Tag nach dem Start befindet. Eine solche Live-Schaltung gibt es auf der Seite We choose the Moon. Hier wird seit gestern der Flug in Echtzeit animiert wiederholt. Dazu gibt es jede Menge Infos, Bilder- und Videogallerien und - jetzt kommt's - man kann Live, 40 Jahre zeitversetzt, den Funkverkehr mithören und mitlesen. Die Seite stammt wohl von einer dem amerikanischen Präsidenten John F. Kennedy gewidmeten Organisation, so dass man auch viel über JFK erfährt, dem wir in politischer Hinsicht die Mondlandung verdanken.
Das Apollo-Programm war ein großer Erfolg und eine Riesenenttäuschung zugleich, denn erst hat man die Kids mit der Droge Raumfahrt angefixt, um nach Apollo nur noch im Erdorbit rumzukreisen. Aus Astronauten wurden Geonauten und aus raumfahrtbegeisterten Kids wurden Vollwaisen. Eine vielleicht etwas verrückte Gruppe von Raumfahrtvollwaisen wollte sich mit der zögerlichen NASA-Politik nicht abfinden und eine eigene Weltraumstation unterhalten. Dafür bot sich die russische Raumstation MIR an. Für diese Art von privater Konkurrenz war die Zeit aber wohl noch nicht reif. Heute, im Zeitalter des Spacetourismus stellt sich schon die Frage, warum eine ausgemusterte Station wie die MIR nicht einfach verkauft werden kann. Wir werden ja sehen, was mit der ISS passieren wird. Jedenfalls gibt es über diese verrückte Idee von der privaten Raumstation nun eine nette Dokumentation. Hier ist der Trailer dazu:
Eine Seite mit mehr Informationen dazu: Orphans of Apollo
Einen Linktipp habe ich noch. Bildergalerien zu Apollo gibt es jetzt natürlich jede Menge. Besonders hübsch mit hochaufgelösten, teils originellen Bildern und gut gemachten Bildbeschreibungen finde ich die Galerie hier auf spektrumdirekt: Die ersten Schritte. Wer nicht genug von Apollo bekommt oder sich noch nirgends durch die Bilder-Geschichte von Apollo 11 geklickt hat, sollte mal da vorbeischauen.
Doppel-Start für die NASA
Vor knapp acht Wochen nominierte US-Präsident Obama den früheren Air-Force-General und Shuttle-Astronauten Charles Bolden als neuen NASA-Chef. Dieser Vorschlag wurde vom US-Senat nun einstimmig bestätigt.
Die Reaktionen auf die Nominierungen waren durchweg positiv, nicht nur unter den üblichen Raumfahrtbefürwortern, sogar unter den Organisationen – wie beispielsweise die Planetary Society – die in erster Linie den Forschungsaspekt auf ihre Fahnen geschrieben haben. Denn bemannte und unbemannte Raumfahrt gehen untrennbar Hand in Hand, ein Umstand, dem der frühere Vorstand des ESA Space Science Advisory Committee, Giovanni Bignami, gerade einen Essay in der Nature widmete.

Die Reaktionen auf die Nominierungen waren durchweg positiv, nicht nur unter den üblichen Raumfahrtbefürwortern, sogar unter den Organisationen – wie beispielsweise die Planetary Society – die in erster Linie den Forschungsaspekt auf ihre Fahnen geschrieben haben. Denn bemannte und unbemannte Raumfahrt gehen untrennbar Hand in Hand, ein Umstand, dem der frühere Vorstand des ESA Space Science Advisory Committee, Giovanni Bignami, gerade einen Essay in der Nature widmete.
Bolden zur Seite steht Lori Garver. Auch sie hat eine NASA-Vergangenheit, sie hielt 1996-2001 wichtige Positionen im direkten Umfeld von NASA-Chef Daniel Goldin. In Obamas Wahlkampf war sie dessen Beraterin für Weltraumangelegenheiten.
Fiel die Bekanntgabe Obamas im Mai mit der Landung der Atlantis zusammen, kam die Bestätigung jetzt pünktlich zum Start der Endeavour. Bolden, selbst viermal mit dem Shuttle im All gewesen, davon zweimal als Kommandant,
wird die verbleibenden Maschinen sicher nur ungern einmotten, aber wir dürfen erwarten, dass er die Weichen in die richtige Richtung für ein vernünftiges und mit Perspektive ausgestattetes neues Raumfahrtprogramm stellt.
wird die verbleibenden Maschinen sicher nur ungern einmotten, aber wir dürfen erwarten, dass er die Weichen in die richtige Richtung für ein vernünftiges und mit Perspektive ausgestattetes neues Raumfahrtprogramm stellt.Fotos: NASA
Der Falke ist gestartet
Während die NASA eine schöne Animation zum 40-jährigen Jubiläum der Landung des Adlers auf den Mond ins Netz stellt, startet der Falke von der Erde.
Hier zunächst der Link zur schönen Animation der NASA zu Apollo 11: One Small Step
Und nun zurück zur Zukunft: Dieses Video zeigt den Start der Falcon 1 von heute früh unserer Zeit, bzw. dem 23 Juli 20:36 PDT. Das Besondere daran ist, dass die 21 Meter hohe Falcon 1 eine rein kommerzielle Rakete des Unternehmens SpaceX ist. Bei ihrem Start brachte sie den kommerziellen malayischen Satelliten RazakSAT in eine Erdumlaufbahn.
Für die Falcon 1 war dies der zweite erfolgreiche Flug und für das Unternehmen SpaceX der erste kommerzielle. Auf die Falcon 1 soll die größere Falcon 9 folgen, die sogar ein Raumschiff, Dragon genannt, ins All heben kann. Dieses Raumschiff kann dann beispielsweise als Shuttle zur internationalen Raumstation ISS fliegen. Damit wäre die Raumfahrt endgültig keine reine Angelegenheit von Regierungsbehörden mehr.
Hier zunächst der Link zur schönen Animation der NASA zu Apollo 11: One Small Step
Und nun zurück zur Zukunft: Dieses Video zeigt den Start der Falcon 1 von heute früh unserer Zeit, bzw. dem 23 Juli 20:36 PDT. Das Besondere daran ist, dass die 21 Meter hohe Falcon 1 eine rein kommerzielle Rakete des Unternehmens SpaceX ist. Bei ihrem Start brachte sie den kommerziellen malayischen Satelliten RazakSAT in eine Erdumlaufbahn.
Für die Falcon 1 war dies der zweite erfolgreiche Flug und für das Unternehmen SpaceX der erste kommerzielle. Auf die Falcon 1 soll die größere Falcon 9 folgen, die sogar ein Raumschiff, Dragon genannt, ins All heben kann. Dieses Raumschiff kann dann beispielsweise als Shuttle zur internationalen Raumstation ISS fliegen. Damit wäre die Raumfahrt endgültig keine reine Angelegenheit von Regierungsbehörden mehr.
Overkill - für Alle, die es genau wissen wollen!
Auf Ehrensenf habe ich mal wieder was "Nettes" gesehen: Das Nuke-O-Meter zeigt an, wie viele kernige Kriegsköpfe, bzw. nukleare Warheads auf die eigene Stadt gerichtet sind, genauer gesagt, die eigene Stadt erreichen können. Heidelberg zum Beispiel kann gleich 6645 mal zerstört werden. Besser ist da schon Windhoeck in Namibia dran, die Einwohner hier können von den Nuklearmächten nur 3092 mal pulverisiert werden.
Die Datengrundlage für dieses makabere Survival-Tool beruht wohl auf eine Veröffentlichung des Guardian. Adam Charnock hat diese für sein Nuke-O-Meter verwendet. Außerdem weist er ausdrücklich darauf hin, dass man keine wichtigen Entscheidungen auf Basis seines kleinen Internettools treffen soll. Wozu auch? Es gibt schließlich kaum eine Stadt auf diesem Planeten, die nicht von einem atomaren Sprengkopf erreicht werden kann. Bleibt uns nur Mond und Mars - vorerst zumindest.
Die Datengrundlage für dieses makabere Survival-Tool beruht wohl auf eine Veröffentlichung des Guardian. Adam Charnock hat diese für sein Nuke-O-Meter verwendet. Außerdem weist er ausdrücklich darauf hin, dass man keine wichtigen Entscheidungen auf Basis seines kleinen Internettools treffen soll. Wozu auch? Es gibt schließlich kaum eine Stadt auf diesem Planeten, die nicht von einem atomaren Sprengkopf erreicht werden kann. Bleibt uns nur Mond und Mars - vorerst zumindest.
Aufbruch in den Weltraum

Alle reden derzeit von Apollo und dem Flug der Amerikaner zum Mond, da bringt der Wissenschaftsjournalist Gerhard Hertenberger ein Buch über die russische Raumfahrt heraus: Aufbruch in den Weltraum - Geheime Raumfahrtprogramme, dramatische Pannen und faszinierende Erlebnisse russischer Kosmonauten. Vielleicht ist der Zeitpunkt gar nicht so schlecht gewählt, denn das Apollo-Jubiläum steigert das Interesse an Raumfahrtthemen und ein Buch, das von der Raumfahrt auf der anderen Seite des eisernen Vorhangs handelt, ist da doch eine gute Ergänzung. Außerdem hat die Öffnung der ehemals sowjetischen Raumfahrtarchive noch einen viel zu geringen Niederschlag bei den deutschsprachigen Buchtiteln gefunden.
Grund zur Geheimhaltung gab es für die Sowjets genug. Da war zum einen das Projekt um die Mondrakete N1. Hätte die Russen ihre Mondpläne von vorneherein offen bekannt gegeben, hätten sie zugegeben, sich in einem Wettlauf mit den Amerikanern zu befinden, dessen schlechter Ausgang für sie früh absehbar war. Andere Projekte sind aus noch offensichtlicheren Gründen geheim gewesen. Da wäre zum Beispiel die militärischen Spionagestationen Almaz, die sogar bewaffnet waren oder auch das geheime militärische Raumfahrtprojekt Polyus. Dieses war eine direkte Antwort auf den "Krieg der Sterne" des amerikanischen Präsidenten Ronald Reagan. Es ist der Weitsichtigkeit Michail Gorbatschows zu verdanken, dass diese furchterregenden orbitalen Kampfstationen nicht realisiert wurden.
Es gibt aber auch einen anderen Grund dafür, dass viele Puzzlestücke der russischen Raumfahrtgeschichte erst heute bekannt sind. Der Ausgang zahlreicher Missionen eignete sich nicht für die glorreiche Propaganda vom fortschrittlichen Sowjetmenschen. Gerhard Hertenberger berichtet beispielsweise von Kosmonauten, die zwei Nächte in sibirischer Kälte verbringen mussten, weil sie zu weit vom geplanten Landeort runterkamen oder die bei der Landung erstickten, weil sich ein Belüftungsventil zu früh öffnete. Überhaupt erinnern die "faszinierenden Erlebnisse der russischen Kosmonauten", wie es im Untertitel heißt, an eine Pleiten-Pech-und-Pannen-Show, leider oft mit dramatischen Ausgang. Natürlich hat es auch in der amerikanischen Raumfahrt Katastrophen gegeben, doch wurden diese meist zeitnah und öffentlich verarbeitet.
Beim Lesen des Buches von Gerhard Hertenberger entsteht auch der Eindruck, dass die oft gerühmte Improvisationskunst der Russen eher ein Handikap war. Da verschwinden Radioisotopengeneratoren, weil sich Wachsoldaten die Hütte heizen wollen, da arbeiten Konstrukteure und Techniker in schadhaften, feuchten und ungeheizten Gebäuden, kurz: Es mangelte an den äußeren Bedingungen, die Voraussetzung für qualifizierte Arbeit ist. "Unsere Aufgabe ist kosmisch, unser Gehalt komisch", zitiert Reinhold Ewald in seinem Vorwort zum Buch einen beliebten Spruch russischer Raumfahrer. Ein Resümee wie dieses muss sich der Leser aber schon selbst zusammenreimen. Der Autor lässt ihn da im Stich. Ohne roten Faden springt er von Anekdote zu Anekdote, vom Start eines Weltraumvehikels zum nächsten. Die Kosmonauten durchleiden ihre teils tödlichen "faszinierenden Erlebnisse" und bevor man sich ein Bild gemacht hat springt der Autor zur nächsten Kapsel, Sonde oder Raumstation. Was aber empfinden beispielsweise die Angehörigen des Kosmonauten Wladimir Komarow, der 1967 beim Test des Sojus-Raumschiff starb? Wie kann es sein, dass ein so relativ simples System wie der Landefallschirm versagt? Was sagen die Verantwortlichen von damals heute dazu? War es das Risiko wert? Das sind Fragen, die ich gerne beantwortet haben würde in einem Buch, das von einem Wissenschaftsjournalisten geschrieben wurde.
Ein anderes Beispiel für die Hektik, mit der der Autor durch die russisches Raumfahrtgeschichte eilt, ist seine Beschreibung des Erstfluges des Buran. Dabei handelt es sich um die russische Variante des amerikanischen Space Shuttle. In einem eigenen Unterkapitel berichtet der Autor von dem Flug, nur um dann im selben Unterkapitel von einer völlig anderen Mission zu sprechen. Warum aber der Buran nur einmal flog, warum sich Russland von diesem System trennte, wer dafür und wer dagegen war, erfährt der Leser nicht.
Insgesamt bietet das Buch zu wenig Originalquellen und O-Töne, was der Autor oft durch die inflationäre Verwendung von Ausrufezeichen kaschiert. Kleine Kostprobe gefällig? "Kurz vor dem Start warnten Meteorologen sogar vor drohendem Hagel! Erstaunlicherweise gaben die Verantwortlichen trotzdem grünes Licht für den Start!" Ein Ausrufezeichen ersetzt einfach nicht die Begründung, warum Hagel gefährlich ist und trotzdem gestartet wurde.
Gerhard Hertenberger hat ja recht, wenn er in seiner Einleitung darauf hinweist, dass längst nicht alles über die russische Raumfahrt gesagt wurde: "Jahrzehntelang war es sehr schwer, die Oberfläche der offiziellen Verlautbahrungen zu durchdringen und die verborgenen, faszinierenden Geschichten der russischen Weltraumexpeditionen freizulegen, die vielfach strengster Geheimhaltung unterworfen waren. Im deutschen Sprachraum gibt es bisher nur wenige Bücher, die tiefer in diese Welt voll Spannung und Dramatik eintauchen." Sein Buch bietet einen Einstieg in das Thema. Ein bisschen mehr journalistische Recherche und mehr Mut zur Bewertung hätte ich mir aber dann doch gewünscht.

Bibliographische Angaben laut Science-Shop:
Gerhard Hertenberger
Aufbruch in den Weltraum
Geheime Raumfahrtprogramme, dramatische Pannen und faszinierende Erlebnisse russischer Kosmonauten
2009. 224 Seiten, gebunden
Seifert-Verlag
ISBN: 9783902406637
Kostet derzeit € 19,90
Blog-Teleskop #30
Es ist schon eine Weile her, dass ich das Blog-Teleskop bei mir stehen hatte. Ich hoffe, ich kann es noch bedienen. Also, hier der Blick in die deutschsprachigen Astronomieblogs:- Vom Austrosepticus empfange ich zwei nette Youtube-Videos: Richard Feynman sagts, wie es ist, in dem der Physik-Nobelpreisträger keine fünf Minuten braucht um alles Relevante über den Zusammenhang von Naturwissenschaft und Religion zu sagen (alles? alles!). Außerdem noch ein nettes, stimmungsvolles Astronomie-Video: Wußtest Du schon ...?
- Astronomie ist sicherlich nicht der Schwerpunkt im Blog Amphibol, doch da sind zwei Einträge, die ich hier weitergeben will: Vulkan Sarytschew, gesehen von der ISS und ganz wichtig: Gute Nachrichten für Kaffeetrinker. Mein Sonntag ist gerettet!
- Auch kein reiner Astronomieblog, aber trotzdem mit dem Sarytschew-Video ausgestattet ist cimddwc (???). Ein Klick lohnt sich, weil sich hinter dem Link nicht nur nochmal der Vulkan befindet, sondern auch eine Folge von Penn&Tellers. In ihrer Sendung "Bullshit" behandeln sie den größten denkbaren Bullshit: Astrologie. Nein stimmt nicht, da finde ich noch größeren Bullshit: Vollmondiger Lebensgefährte
- Inkompetenz auf hohem Niveau ist man auch bei Meta-Physik auf der Spur.
- Immer interessant ist es bei Carolin zu lesen, was die Astronomen so nachts tun: Zum Beispiel über die Zukunft der Uni-Hamburg brüten oder die Beobachtung der nächsten Sonnenfinsternis vorbereiten.
- Handfestes aus der Wissenschaft gibt es bei Cassini & Co. zu lesen. Das Körnchen Salz in der Suppe behandelt die neuesten Ergebnisse aus der Erforschung des erstaunlichen Saturnmondes Enceladus.
- In seinem Blog Himmelslichter geht Jan immer wieder gerne auf interessante historische Fragestellungen ein, zum Beispiel: Galilei - Neptunentdecker oder nicht? Nach meiner Beobachtung hat Jan aber auch einen Faible für abstürzende Himmelslichter: Da wäre zum einen Und wieder ein Meteorit - diesmal ein echter und zum anderen eine kontroverse Diskussion über das Tunguska-Ereignis.
- Viel zu Lesen gibt es auch immer bei Ludmila hinterm Mond gleich links. Ich habe mich mal auf ihren Beitrag Die Liebe zu Herschel auf den zweiten Blick und Plancks Suche nach Mondkaninchen beschränkt, schließlich ist der Titel lang genug.
- Mit Herschel meint Ludmila natürlich das gleichnamige Teleskop. In Einsteins Kosmos geht es dann mit einer weiteren spektakulären Weltraummission weiter: Wird PLANCK unsere Sicht auf das Weltall verändern?
- Gut diskutieren lässt es sich immer bei Florian im Astrodicticum Simplex, wie zum Beispiel bei dem Thema, ob Astronomie ein eigenes Schulfach sein soll. Er denkt ja, ich denke nein - was denkt ihr? Diskutiert mit! Überhaupt spricht Florian gerne Themen an, über die kontrovers diskutiert werden kann. Für das Blog-Teleskop will ich aber doch speziell auf ein Thema aus der Astrophysik hinweisen: Doch keine Dunkle Materie?
Viel Spaß beim Nachsurfen der vielen Links!
Veranstaltungsalarm: 40 Jahre Mondlandung
"Ein Blick zurück und in die Zukunft" wagt das Landesmuseum für Technik und Arbeit in Mannheim anlässlich 40 Jahre Mondlandung. Ich habe das wieder zu spät mitbekommen, denn die Veranstaltung ist leider schon morgen, also am Samstag den 11. Juli. Via Blog will ich aber noch schnell alle Leser aus dem Rhein-Neckar-Raum darüber informieren. Los geht es um 10:00 Uhr, dann startet bei freiem Eintritt ein interessantes Vortragsprogramm: über Raumfahrt allgemein, über den Moon-Hoax, bis hin zu Star Trek. Mit dabei ist auch Deutschlands erster Mann im All, der fliegende Vogtländer Sigmund Jähn. Direkt zum PDF des Programms führt der Link hier.
Also, wer noch nichts anderes vor hat: Auf nach Mannheim!
Also, wer noch nichts anderes vor hat: Auf nach Mannheim!
Stephans Quintett - Galaxienkollisionen im Röntgenlicht
Eigentlich ist Stephans Quintett ja ein Quartett: Die vier Galaxien NGC 7317, NGC 7318a, NGC 7318b und NGC 7319 bilden eine eng zusammenhängende Galaxiengruppe in etwa 280 Millionen Lichtjahren Entfernung. In unmittelbarer Nähe am Himmel findet sich dann noch die Spiralgalaxie NGC 7320, anhand ihrer differierenden Rotverschiebung stellt sich jedoch heraus, daß sie sich in nur 35 Millionen Lichtjahren Entfernung im Vordergrund der anderen Galaxien befindet. Auf Photos unterscheidet sich NGC 7320 generell von den anderen, sie erscheint deutlich blauer und zeigt unzählige rot leuchtende HII-Regionen, beides eindeutige Anzeichen gerade stattfindender Sternentstehung.
Trotzdem sind die vier verbliebenen Galaxien (zu denen auch noch ein paar kleine Begleitgalaxien gehören) aber eigentlich viel interessanter. Die vier interagieren miteinander und kollidieren dabei immer mal wieder, wie man es an der unförmigen Gestalt besonders der Spiralarme von NGC 7319 klar feststellen kann. Derzeit rauscht die Spiralgalaxie NGC 7318b in vollem Tempo durch den Kernbereich des kleinen Galaxienhaufens, wo sich auch die elliptische Galaxie NGC 7318a aufhält.
Stephans Quintett aufgenommen mit dem CFHT, überlagert ist das Röntgenbild des Chandra-Satelliten ist türkis. Image Credit: X-ray (NASA/CXC/CfA/E.O'Sullivan); Optical (Canada-France-Hawaii-Telescope/Coelum)
Ein Röntgenteleskop wie der Chandra-Satellit der NASA eignet sich hervorragend, um den Spuren dieser kosmischen Kollision nachzugehen: Die Chandra-Aufnahme zeigt eine Schockfront aus aufgeheiztem Gas, die NGC 7318b vor sich her schiebt. Weitere Röntgenemission wird durch Supernovaexplosionen verursacht - massereiche junge Sterne deren Entstehung durch die Kollisionen überhaupt erst angeregt wurde hauchen ihr Leben aus. Mit dem europäischenRöntgensatelliten XMM-Newton hat man außerdem eine diffuse Hülle heißen Gases um die gesamte Vierergruppe gefunden, die vermutlich von früheren Kollisionen herrührt, Gas, daß aus den Galaxien herausgerissen wurde.
Stephans Quintett schon 1876 im Sternbild Pegasus als erste derart heftig wechselwirkende kompakte Galaxiengruppe entdeckt. Wer dem mal mit seinem Teleskop nachspüren möchte: Die Saison beginnt gerade wieder. Stephans Quintett ist allerdings kein Objekt für kleine Geräte, erst ab 8" Öffnung geht es los...
Trotzdem sind die vier verbliebenen Galaxien (zu denen auch noch ein paar kleine Begleitgalaxien gehören) aber eigentlich viel interessanter. Die vier interagieren miteinander und kollidieren dabei immer mal wieder, wie man es an der unförmigen Gestalt besonders der Spiralarme von NGC 7319 klar feststellen kann. Derzeit rauscht die Spiralgalaxie NGC 7318b in vollem Tempo durch den Kernbereich des kleinen Galaxienhaufens, wo sich auch die elliptische Galaxie NGC 7318a aufhält.
Stephans Quintett aufgenommen mit dem CFHT, überlagert ist das Röntgenbild des Chandra-Satelliten ist türkis. Image Credit: X-ray (NASA/CXC/CfA/E.O'Sullivan); Optical (Canada-France-Hawaii-Telescope/Coelum)Ein Röntgenteleskop wie der Chandra-Satellit der NASA eignet sich hervorragend, um den Spuren dieser kosmischen Kollision nachzugehen: Die Chandra-Aufnahme zeigt eine Schockfront aus aufgeheiztem Gas, die NGC 7318b vor sich her schiebt. Weitere Röntgenemission wird durch Supernovaexplosionen verursacht - massereiche junge Sterne deren Entstehung durch die Kollisionen überhaupt erst angeregt wurde hauchen ihr Leben aus. Mit dem europäischenRöntgensatelliten XMM-Newton hat man außerdem eine diffuse Hülle heißen Gases um die gesamte Vierergruppe gefunden, die vermutlich von früheren Kollisionen herrührt, Gas, daß aus den Galaxien herausgerissen wurde.
Stephans Quintett schon 1876 im Sternbild Pegasus als erste derart heftig wechselwirkende kompakte Galaxiengruppe entdeckt. Wer dem mal mit seinem Teleskop nachspüren möchte: Die Saison beginnt gerade wieder. Stephans Quintett ist allerdings kein Objekt für kleine Geräte, erst ab 8" Öffnung geht es los...
Leuchtturm-Effekt einmal anders
Üblicherweise werden Pulsare als kosmische Leuchttürme bezeichnet. Aus gutem Grund. Ein ähnlicher Effekt ist jedoch auch bei Quasaren und Blazaren am Werk. Daher sehen wir bei diesen Typen von Aktiven Galaktischen Kernen eine stark schwankenden Helligkeit im Hochenergiebereich.
Soweit die Theorie (m)einer Arbeitsgruppe an der Landessternwarte Heidelberg, Anfang der 1990er. Das Modell, das ich im Rahmen meiner Diplom- und Doktorarbeit verfeinerte, konnte zwar auf mehrere Beobachtungen erfolgreich angewendet werden, die meisten Astronomen standen ihm aber mit Skepsis gegenüber. Sie verwendeten lieber das einfachere "Shocks-in-Jets" Modell, das aber viele beobachtete Charakteristika nicht ausreichend erklären konnte.
Die späte Genugtuung kam jetzt in Form einer konzertierten Aktion von rund 400 Astronomen, die sich die nahe Galaxie M87 mit Tscherenkow- und Radioteleskopen angeschaut haben. Ihr Ergebnis: die Hochenergieemission kommt aus der unmittelbaren Umgebung des zentralen, supermassereichen Schwarzen Lochs! Also dort, wo der Jet seinen Ursprung hat, vermutlich sogar in der Region, wo die Kollimierung noch nicht abgeschlossen ist. Ganz soweit "unten" war das Leuchtturmmodell (Camenzind & Krockenberger 1992) zwar nicht zu Gange, aber der prinzipielle Ansatz (der in abgewandelter Form auch einige Male kopiert wurde), war offenbar richtig.
Mehr für Abonnenten bei spektrumdirekt oder an anderer Stelle, wie z.B. auf der Webseite eines der beteiligten Teleskope, MAGIC (Foto-Montage M87: HST, MAGIC: R.Wagner, MPI f. Physik)
Soweit die Theorie (m)einer Arbeitsgruppe an der Landessternwarte Heidelberg, Anfang der 1990er. Das Modell, das ich im Rahmen meiner Diplom- und Doktorarbeit verfeinerte, konnte zwar auf mehrere Beobachtungen erfolgreich angewendet werden, die meisten Astronomen standen ihm aber mit Skepsis gegenüber. Sie verwendeten lieber das einfachere "Shocks-in-Jets" Modell, das aber viele beobachtete Charakteristika nicht ausreichend erklären konnte.Die späte Genugtuung kam jetzt in Form einer konzertierten Aktion von rund 400 Astronomen, die sich die nahe Galaxie M87 mit Tscherenkow- und Radioteleskopen angeschaut haben. Ihr Ergebnis: die Hochenergieemission kommt aus der unmittelbaren Umgebung des zentralen, supermassereichen Schwarzen Lochs! Also dort, wo der Jet seinen Ursprung hat, vermutlich sogar in der Region, wo die Kollimierung noch nicht abgeschlossen ist. Ganz soweit "unten" war das Leuchtturmmodell (Camenzind & Krockenberger 1992) zwar nicht zu Gange, aber der prinzipielle Ansatz (der in abgewandelter Form auch einige Male kopiert wurde), war offenbar richtig.
Mehr für Abonnenten bei spektrumdirekt oder an anderer Stelle, wie z.B. auf der Webseite eines der beteiligten Teleskope, MAGIC (Foto-Montage M87: HST, MAGIC: R.Wagner, MPI f. Physik)
Vom Unterschied zwischen PR und Journalimus
"Neue Klasse Schwarzer Löcher entdeckt" schallte es durch die Medien und fand selbst auf einschlägigen Physikseiten ein Echo. Ärgerlich, denn die Presseagenturen sind da gelungener PR aufgesessen – und dem spektakulären Bild. Denn der Fund ist mit Vorbehalt zu genießen, wie alle anderen vor ihm. Leider nahmen sich die wenigsten Wissenschaftsjournalisten und -redakteure die Zeit, darauf ausreichend hinzuweisen. Hier wurde wieder zu Gunsten der "Quote" auf eine objektive Behandlung des Themas verzichtet.
Der Hintergrund: Seit geraumer Zeit suchen die Astronomen nach Schwarzen Löchern, die im Massenbereich zwischen den stellaren und den supermassereichen Vertretern liegen (sd 1999; Übersicht: Titelthema in AH 12/2006, sd 2009). Die Mittelgewichtler sozusagen (Intermediate Mass Black Holes, IMBHs). Alle Beobachtungen sind jedoch nur indirekter Natur und verwenden meist das so genannte Eddington-Limit als Kriterium, das jedoch Schlupflöcher haben muss, sonst könnte es keine besonders massereichen Sterne geben (SdW).
Somit kann auch der neue Fund der Astronomen um Sean Farrell in der Spiralgalaxie ESO 243-49 (Quelle = bläulicher Punkt; Ill.: Heidi Sagerud, U. Leicester) mit dem ESA-Röntgensatelliten XMM-Newton höchstens als "bisher aussichtsreichster Kandidat" gelten, mehr aber auch nicht. Selbst die Fachmedien verwiesen auf diesen Umstand nicht eindrücklich genug. Eine objektive Meldung dazu brachte Sky and Telescope.
Der Hintergrund: Seit geraumer Zeit suchen die Astronomen nach Schwarzen Löchern, die im Massenbereich zwischen den stellaren und den supermassereichen Vertretern liegen (sd 1999; Übersicht: Titelthema in AH 12/2006, sd 2009). Die Mittelgewichtler sozusagen (Intermediate Mass Black Holes, IMBHs). Alle Beobachtungen sind jedoch nur indirekter Natur und verwenden meist das so genannte Eddington-Limit als Kriterium, das jedoch Schlupflöcher haben muss, sonst könnte es keine besonders massereichen Sterne geben (SdW).Somit kann auch der neue Fund der Astronomen um Sean Farrell in der Spiralgalaxie ESO 243-49 (Quelle = bläulicher Punkt; Ill.: Heidi Sagerud, U. Leicester) mit dem ESA-Röntgensatelliten XMM-Newton höchstens als "bisher aussichtsreichster Kandidat" gelten, mehr aber auch nicht. Selbst die Fachmedien verwiesen auf diesen Umstand nicht eindrücklich genug. Eine objektive Meldung dazu brachte Sky and Telescope.
Wettlauf ohne Konfetti-Parade
Die Geschichte über den Wettlauf ins All wurde schon oft erzählt. Die russischen Kosmonauten vollbrachten eine Reihe von Erstleistungen, aber am Ende standen doch die Amerikaner auf dem Mond. Neben diesem offiziellen Wettlauf gab es aber noch einen zweiten, nämlich den um die erste militärische Station im Orbit und den gewann die Sowjetunion mit ihrer Station Almaz. Das äquivalente amerikanische Projekt MOL, als Manned Orbital Laboratory getarnt, startete hingegen erst gar nicht. Aufgabe der Stationen war die Spionage. In dieser Phase des Kalten Krieges herrschte viel Unklarheit über die militärischen und technischen Möglichkeiten des Systemgegners. Die junge Raumfahrt zur militärischen Aufklärung zu nutzen schien naheliegend. Durchgesetzt haben sich die Stationen letztlich aber nicht, die Amerikaner erkannten das schon vor dem ersten Start. Der Vorteil, einen menschlichen Spion am Kameraauslöser zu haben, ist nicht groß genug, um eine bemannte Station zu rechtfertigen. Die automatischen Spionagesatelliten haben sich letztlich durchgesetzt. Als Kampfstation war weder MOL noch Almaz konzipiert. Angesichts von Atom-U-Booten und mobilen Raketeneinheiten bestand wohl dazu keine Notwendikeit, zumal die Vorwarnzeit bei einem Angriff durch eine Orbitalstation sehr groß ist und die Station selbst verletzlich ist. Daher war Almaz bewaffnet, wohl das erste und einzige bewaffnete Raumfahrzeug der Geschichte. Mit einer Kanone sollte sie anfliegende Killersatelliten zerstören. Bei dem hohen Aufkommen an Weltraummüll könnte dies auch für heute Weltraumstationen eine Option sein, wobei solch ein Kanonenbeschuss letztlich allerdings aus einem gefährlichen Schrott-Teilchen viele macht.
Eine schöne Dokumentation über die Weltraumspione gibt es auf Youtube zu sehen, leider nur in Englisch: Astrospies
Eine schöne Dokumentation über die Weltraumspione gibt es auf Youtube zu sehen, leider nur in Englisch: Astrospies
Mondsüchtige Sternstunden
Vierzig und Vierhundert, das sind die beiden Jubiläumszahlen in diesem Jahr. Sie stehen für die Mondlandung und den Beginn der modernen Astronomie. Die Sendereihe Sternstunde Philosophie des Schweizer Fernsehen hat hierzu Jürgen Renn, Direktor des Berliner Max-Planck-Instituts für Wissenschaftsgeschichte, befragt. Der Großteil des Gesprächs dreht sich um Galileo Galilei und seine Zeit, wobei es Jürgen Renn eben wirklich um Galileis Zeit geht. Denn statt Anekdoten zum Genie Galilei redet er lieber über die Aufbruchsstimmung mit ihren Parallelentdeckungen und die allgemeine Wissensexploration, die auch kuriose Züge annahm, wie beispielsweise den Versuch der Jesuiten die Astronomie als Vehikel ihrer Missionierungsbemühungen in China einzusetzen.
Die Mondlandung kommt allerdings doch etwas arg kurz. Bemerkenswert ist, wie Jürgen Renn die Astronomie als Vorbildlich in der Veröffentlichung ihrer Daten ansieht, sowie in ihrer durchlässigen Verbindung von Amateuren und Berufsastronomen. Er macht sich stark für das Projekt ECHO (European Cultural Heritage Online), aus dem ich allerdings nicht so richtig schlau werde.
Nett finde ich, wie bei den Sternstunden im SF die Gesprächspartner auf unbequemen Stühlen am einfachen Tisch einander gegenüber sitzen. Es bleibt ihnen gar nichts anderes übrig, als sich auf den Gesprächspartner zu konzentrieren, auch wenn die Moderatorin etwas gelangweilt wirkt. Kurios, fast schon unangenehm ablenkend, finde ich hingegen die Studiodekoration. Container wie auf einem Güterbahnhof mit Gardinen aus leuchtenden Sternen - wer denkt sich denn so etwas aus?
Die Mondlandung kommt allerdings doch etwas arg kurz. Bemerkenswert ist, wie Jürgen Renn die Astronomie als Vorbildlich in der Veröffentlichung ihrer Daten ansieht, sowie in ihrer durchlässigen Verbindung von Amateuren und Berufsastronomen. Er macht sich stark für das Projekt ECHO (European Cultural Heritage Online), aus dem ich allerdings nicht so richtig schlau werde.
Nett finde ich, wie bei den Sternstunden im SF die Gesprächspartner auf unbequemen Stühlen am einfachen Tisch einander gegenüber sitzen. Es bleibt ihnen gar nichts anderes übrig, als sich auf den Gesprächspartner zu konzentrieren, auch wenn die Moderatorin etwas gelangweilt wirkt. Kurios, fast schon unangenehm ablenkend, finde ich hingegen die Studiodekoration. Container wie auf einem Güterbahnhof mit Gardinen aus leuchtenden Sternen - wer denkt sich denn so etwas aus?
Der kosmische Detektiv

Dr. Mani Bhaumik ist Laserphysiker und Angehöriger einer niedrigen indischen Kaste. Warum der Verlag seines Buches Der kosmische Detektiv uns das wissen lässt, ist mir schleierhaft. Nimmt man das Buch in die Hand, macht es außerdem stutzig, dass der Autor für die Einleitung seines Buches Amerikas peinlichsten Astronauten Edgar Mitchell gewonnen hat. Spätestens, wenn man dann erfährt, dass der Detektiv Präsident von cosmogenics.org ist, wird klar, dass die "Suche nach den Geheimnissen des Universums", so der Untertitel, auf einen Indizienprozess hinausläuft, in dem der Täter schon feststeht: Das Geheimnis des Universums liegt in einem alles durchdringenden, umfassenden Feld ("unified field"). Ihm entspringt alles, mit ihm ist alles verbunden. Wir können es als Bewusstsein bezeichnen und es ist der Ursprung aller Religion. Man muss sich jetzt nur noch die Beweise zusammenfabulieren.
Dieses Buch ist 2009 erschienen und steht doch in der alten Tradition des New Age: Mit wissenschaftlicher Begrifflichkeit soll eine Weltanschauung begründet werden, die selber nicht mehr wissenschaftlich ist, aber uns mit dem Kosmos vereint. Eine Religion ohne Gott, aber dafür alles durchwebende Felder, Bewusstsein und Intelligenz, die sich irgendwie aus der Quantenmechanik herleiten. Kleine Kostprobe aus dem Buch:
"Wenn es eine Begründung für den Glauben gibt, dass Bewusstsein ein wesentlicher Aspekt unseres Universums ist, in welcher Beziehung steht das Bewusstsein dann zur materiellen Welt heute? Ein paar Anhaltspunkte geben uns die modernen Wissenschaften. Nach der Quantenphysik beispielsweise existieren Wellen- und Teilchenaspekte gleichzeitig und untrennbar. Einstein hat auch gezeigt, dass Raum, Zeit und Felder in ihrer Exstenz großartig verflochten sind; sie können getrennt nicht existieren. Diese Beispiele erleichtern die Anerkennung der gleichzeitigen und untrennbaren Existenz zweier Grundgegebenheiten wie Materie und Bewusstsein."Diese Textpassage verdeutlicht exemplarisch das Muster, in dem dieses Buch geschrieben ist. Wir haben die Nennung großer Namen und komplizierter Theorien und weil wir das alles irgendwie genannt haben, muss es doch leicht fallen, das Bewusstein anzuerkennen. Der gesamte Aufbau des Buches wiederholt auf der großen Ebene das Schema dieser kurzen Passage: Zunächst handelt es sich um eine Einführung in das moderne astronomische Weltbild, dann kommt ein Bruch, indem auf den wenigen verbliebenen Seiten plötzlich die Rede von "Fingerabdrücke der Schöpfung" und die "Geschichte in den Sternen" die Rede ist. Dabei ist der astronomische Teil des Buches schmerzhaft fehlerhaft. Dunkle Materie wird als schwarze Materie bezeichnet, die Internationale Raumstation ISS als Weltraumteleskop, der Satellit WMAP mit WAMP abgekürzt und Sternentstehungsregionen als Sternentstehungsstationen.
Es würde mich wundern, wenn dieses Buch eine große Leserschaft findet. Was mich ärgert sind hingegen zwei Dinge, auf die das Buch hinweist. Zum einen ist das die ärgerliche Tatsache, dass sich immerwieder namhafte Wissenschaftler finden, die ohne Skrupel in leeren Worthülsen Bücher empfehlen, die sie offensichtlich nicht gelesen haben. In diesem Fall war es Catherine Cesarsky, immerhin Präsidentin der Internationalen Astronomischen Union. Auf dieses Übel habe ich schonmal hingewiesen: Jugendliteratur für Nobelpreisträger. Mir ist es immernoch ein Rätsel, wie es dazu kommen kann.
Zum anderen wäre da die Diskussionen rund um den neuen Atheismus. In ihr wird oft eine Trennlinie zwischen naturwissenschaftlich gebildeten und ungebildeten Menschen gezogen, zum Beispiel wenn es um das Verständnis von Wissenschaftlichkeit geht. Das Problem ist aber, dass die Verwirrtheit oft genug auch in Kreisen gefunden wird, die es eigentlich besser wissen sollten. Für Esoteriker ist es kein Problem, Naturwissenschaftler aus dem Hut (oder Bücherregal) zu ziehen, die ähnlich verwirrt sind, wie sie selbst und die Pate für jede abwegige Idee stehen. Dies ist der Eindruck, den solche Bücher hinterlassen. Aber vielleicht wollte uns genau dies der Verlag ja unterschwellig mitteilen, in dem er uns Dr. Bhaumik als Laserphysiker niedriger Kaste vorstellte.
Bibliographische Angaben laut Science-Shop:Mani Bhaumik
Der kosmische Detektiv
Auf der Suche nach den Geheimnissen des Universums
2009. 132 S. m. 62 farb. Abb.
Kartoniert
Seifert-Verlag
ISBN: 9783902406651
Kostet derzeit € 14,90
Ein Milchstraßenpanorama aus kühlem Staub
Derzeit zeigt sich die Milchstraße von ihrer besten Seite: Unzählige Objekte warten in den Sternbildern des Sommerdreiecks Schwan - Leier - Adler darauf, beobachtet zu werden, völlig egal ob mit dem Fernglas oder mit einem Teleskop großer Öffnung. Tief im Süden steht die Schildwolke, der dichteste und hellste Bereich der Milchstraße. Dort, im Sternbild Schütze, befindet sich auch das Zentrum der Galaxis.
Nicht nur im sichtbaren Licht ist dieser Teil der Milchstraße der spektakulärste. Über alle Spektralbereiche, von der hochenergetischen Gammastrahlung über Röntgen- und UV-Strahlung bis hin zu Infrarot- und Radiostrahlung, dominiert der Kernbereich das Milchstraßenpanorama. In jedem dieser Energiebänder sehen wir andere Objektklassen und Phänomene, die die Strahlung aussenden: Im sichtbaren Licht sind es die Sterne der benachbarten Spiralarme, deren Dichte zum Milchstraßenzentrum hin zunimmt. Dunkel erscheinen und dagegen Staubwolken, die das Licht dahinterliegender Sterne blockieren. Im Infraroten werden die Staubwolken durchsichtig und geben den Blick auf die Sterne frei, besonders auf junge Sterne in Sternentstehungsgebieten wie dem Orionnebel. Die Röntgenstrahlung macht im Gegenzug dazu das Ende des Sternlebens sichtbar, Schwarze Löcher, Neutronensterne und Supernovaüberreste leuchten hell auf. Im langwelligen Radiobereich sehen wir außerdem Wolken aus Wasserstoffgas.
Falschfarbenkomposit der Milchstraße rund um das Galaktische Zentrum: Bläulich sind Infrarotmessungen des Midcourse Space Experiment (MSX) dargestellt, orangerot die ATLASGAL-Messungen. Image Credit: ESO/APEX & MSX/IPAC/NASA
Submillimeterwellen dagegen lassen die kühlen Staubwolken leuchten, die uns den Blick bis zum Galaktischen Zentrum verwehren. Im Rahmen des ATLASGAL-Projektes hat man nun mit der LABOCA-Kamera des APEX-Teleskops den Zentralbereich der Milchstraße bei einer Wellenlänge von 870 µm kartografiert. In dem 40° breiten und 2° hohen Streifen werden unzählige lichtjahrgroße und bis dahin unbekannte Staubklumpen sichtbar, die sich vielleicht einmal zu Sternentstehungsregionen entwickeln werden. Aber die ATLASGAL-Karte der Milchstraße ist nicht nur schön anzuschauen, sie soll insbesondere auch Anregungen liefern, welche Beobachtungsobjekte für Herschel oder ALMA interessant sein könnten. Der Submillimeterhimmel ist in jedem Fall voll von leuchtenden Filamenten und Blasen, und auch altbekannte Himmelsobjekte erscheinen uns in einem ganz anderen Licht, zum Beispiel der Katzenpfotennebel NGC6334 oder der Trifidnebel M20.
Die grooooße Version des Panoramas gibt es hier.
Nicht nur im sichtbaren Licht ist dieser Teil der Milchstraße der spektakulärste. Über alle Spektralbereiche, von der hochenergetischen Gammastrahlung über Röntgen- und UV-Strahlung bis hin zu Infrarot- und Radiostrahlung, dominiert der Kernbereich das Milchstraßenpanorama. In jedem dieser Energiebänder sehen wir andere Objektklassen und Phänomene, die die Strahlung aussenden: Im sichtbaren Licht sind es die Sterne der benachbarten Spiralarme, deren Dichte zum Milchstraßenzentrum hin zunimmt. Dunkel erscheinen und dagegen Staubwolken, die das Licht dahinterliegender Sterne blockieren. Im Infraroten werden die Staubwolken durchsichtig und geben den Blick auf die Sterne frei, besonders auf junge Sterne in Sternentstehungsgebieten wie dem Orionnebel. Die Röntgenstrahlung macht im Gegenzug dazu das Ende des Sternlebens sichtbar, Schwarze Löcher, Neutronensterne und Supernovaüberreste leuchten hell auf. Im langwelligen Radiobereich sehen wir außerdem Wolken aus Wasserstoffgas.
Falschfarbenkomposit der Milchstraße rund um das Galaktische Zentrum: Bläulich sind Infrarotmessungen des Midcourse Space Experiment (MSX) dargestellt, orangerot die ATLASGAL-Messungen. Image Credit: ESO/APEX & MSX/IPAC/NASASubmillimeterwellen dagegen lassen die kühlen Staubwolken leuchten, die uns den Blick bis zum Galaktischen Zentrum verwehren. Im Rahmen des ATLASGAL-Projektes hat man nun mit der LABOCA-Kamera des APEX-Teleskops den Zentralbereich der Milchstraße bei einer Wellenlänge von 870 µm kartografiert. In dem 40° breiten und 2° hohen Streifen werden unzählige lichtjahrgroße und bis dahin unbekannte Staubklumpen sichtbar, die sich vielleicht einmal zu Sternentstehungsregionen entwickeln werden. Aber die ATLASGAL-Karte der Milchstraße ist nicht nur schön anzuschauen, sie soll insbesondere auch Anregungen liefern, welche Beobachtungsobjekte für Herschel oder ALMA interessant sein könnten. Der Submillimeterhimmel ist in jedem Fall voll von leuchtenden Filamenten und Blasen, und auch altbekannte Himmelsobjekte erscheinen uns in einem ganz anderen Licht, zum Beispiel der Katzenpfotennebel NGC6334 oder der Trifidnebel M20.
Die grooooße Version des Panoramas gibt es hier.
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