Rezension: Raumlabor Columbus


Für Europa war 2008 das Jahr der Raumfahrt: Im Februar flog endlich das Labormodul Columbus mit dem Space Shuttle zur Internationalen Raumstation (ISS). Im März folgte ihm das Automatische Transportvehikel (ATV) "Jules Verne". Letzteres startete mit einer europäischen Ariane 5 Rakete vom Weltraumbahnof Kourou in Französisch-Guyana. Das ATV brachte dringend benötigte Versorgungsgüter zur ISS und hob mit seinem Triebwerk die Umlaufbahn der Raumstation um fast 30 Kilometer an. Das Columbus-Modul ermöglicht es den Astronauten am Bord der ISS Experimente in der Mikrogravitation durchzuführen und mit dem ATV können die Europäer nun aus eigener Kraft die Raumstation anfliegen und sie mit Material versorgen, sowie Abfall entsorgen. Besonders das ATV ist somit ein großer Beitrag der europäischen Weltraumbehörde ESA zum weiteren Betrieb der Internationalen Raumstation.

Der Astrophysiker und Journalist Dirk H. Lorenzen stellt in seinem neuen Buch "Raumlabor Columbus - Leben und Forschen auf der Internationalen Raumstation" diese beiden europäischen Entwicklungen vor. Als "Traumduo" bezeichnet er Jules Verne und Columbus in seinem einleitenden Kapitel und führt damit den Grundton aus dem Vorwort des ESA-Generaldirektors Jean-Jacques Dordain fort:
"Europa war jahrelang ein Partner auf dem Boden. Jetzt sind wir ein Partner im Weltraum. Das ist ein großer Unterschied. Columbus und ATV zeigen, was Europäer erreichen können."
Kein Pathos, sondern handfeste Montagearbeit mit zwei Außenbordeinsätzen waren nötig, um das Raumlabor Columbus an die ISS anzubringen. Mit grandiosen, oft doppelseitigen Bildern lässt Dirk H. Lorenzen die Spannung auf der Baustelle in rund 340 Kilometer Höhe nochmals aufleben. Daran beteiligt war auch der deutsche Astronaut Hans Schlegel. Dieser erkrankte jedoch und musste beim ersten Weltraum-"Spaziergang" aussetzen. Die genauen Hintergründe der Erkrankung erfährt auch der Autor nicht, weil die NASA solche medizinischen Informationen konsequent der Privatsphäre der Astronauten zurechnet und Hans Schlegel selbst auch nichts durchblicken lässt.
Nach dieser Rekapitulation der Ereignisse von Anfang 2008 geht Dirk H. Lorenzen einen Schritt zurück und erzählt, wie es zur Internationalen Raumstation kam - nicht ohne anzumerken, dass die ISS kaum das verspricht, was man sich unter der einst Freedom genannten Raumstation versprochen hat: Raumfabriken in der Schwerelosigkeit, die hochreine Kristalle, Computer-Hardware und Medikamente produzieren, die im Wochentakt von Raumfähren abgeholt werden. Stattdessen bietet das Columbus-Labor nun Gelegenheit zur Grundlagenforschung, so denn die Besatzung der ISS einmal dauerhaft auf sechs Astronauten angewachsen sein wird und somit endlich genug Manpower vorhanden ist. Für die Grundlagenforschung ist die ISS womöglich unnötig groß und für echte erkundende Raumfahrt zu nah an der Erde. Die ISS ist vor allem auch ein Kind des Kalten Krieges, genauer gesagt dessen Ende. Das neue Russland und seine Raumfahrtingenieure sollten so in ein internationales Projekt eingebunden und friedlich beschäftigt werden.

Jules Vernes Romanheld Phileas Fogg und sein Diener Passepartout benötigen achtzig Tage um die Welt. Die Internationale Raumstation und das nach Jules Verne benannte automatische Transportvehikel ATV schaffen es in 92 Minuten. Das ATV wird mit der europäischen Rakete Ariane 5 gestartet. Somit können die Europäer ohne Hilfe Russlands und der USA die ISS zumindest unbemannt erreichen. Dabei fliegt das ATV vollautomatisch, es gibt keinen Steuerknüppel, weder im Kontrollzentrum in Toulouse, noch auf der ISS. Beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre verglüht das ATV allerdings vollständig. Daher ist es naheliegend, eine Wiedereintrittskapsel für das ATV zu entwickeln, die in einem nächsten Schritt sogar Astronauten transportieren kann. Hier setzt auch die Kritik von Dirk H. Lorenzen an der europäischen Raumfahrt an: Er spricht vom "Beifahrer-Syndrom":
"Man betreibt ein Raumlabor, das man nicht aus eigener Kraft erreichen kann. Wenn Russen und Amerikaner den ESA-Astronauten die Tür vor der Nase zuschlagen sollten, wäre Columbus am Ende."
Dirk H. Lorenzen fordert in seinem Schlusskapitel dazu auf, sich zur Raumfahrt zu bekennen und sie nicht auf "unmittelbar irdische Dienstleistungen" zu reduzieren. Raumfahrt hat für ihn "vor allem technologische, politische, kulturelle, ja sogar ethische Aspekte" und schließlich: "Raumfahrt macht Spaß ... Muss man sich dafür schämen?"

Das Buch "Raumlabor Columbus" ist ein wunderbar ausgewogener Bericht über das Geschehen in der europäischen Raumfahrt. Der Autor berichtet voller Begeisterung von diesem Thema und bewahrt sich zugleich seine journalistische Distanz. Dirk H. Lorenzen besuchte die Originalschauplätze und lässt die beteiligten Ingenieure, Wissenschaftler und Astronauten im O-Ton zu Wort kommen. So liest sich sein Bericht spannend und authentisch. Er überfrachtet seine Leser nicht mit zu vielen technischen Details und er wischt gelegentlich mit kritischen Aussagen den naiven Raumfahrtpathos von den Buchseiten. Dabei hätte er sich seinen Bericht fast sparen können, denn allein die sehr gute Bebilderung dieses Bandes vermittelt schon, wie faszinierend die Raumfahrt für Europa im Jahre 2008 war.

Das Buch "Raumlabor Columbus" von Dirk H. Lorenzen ist 2008 im Kosmos-Verlag unter der ISBN 9783440117118 erschienen.
Es ist in jeder ordentlichen Buchhandlung erhältlich oder hier bei amazon)

Während die USA motten, schießen die Russen

Kaum hat das amerikanische Space Shuttle Endeavour von der Internationalen Raumstation ISS abgekoppelt, erreicht ein unbemanntes russisches Frachtschiff die Station, um sie mit lebensnotwendigen Gütern zu versorgen. Darüber berichtet Zeit-Online: Modernisierter russischer Weltraumfrachter koppelt an ISS an

Diese Meldung startet mit einem Teaser, den ich sehr kurios finde:
"Während die USA ihre veralteten Spaceshuttles einmottet, schießt Russland einen neuen Transporter ins All."
Was hat den Redakteur denn da geritten? Ist das ein antiamerikanischer Reflex der linksbürgerlichen Presse oder einfach nur doof? Tatsache ist, dass der Raumfrachter Progress M-01M tatsächlich der erste Frachter der verbesserten vierten Generation ist. So verfügt er unter anderem über einen neuen Hauptcomputer und ein Telemetriesystem, dass es dem Frachter theoretisch ermöglicht, sich automatisch der ISS anzunähern und zu docken. Dies gelang auch schon dem europäischen Transporter ATV Jules Verne, nur mit dem Unterschied, dass die Europäer ihr ATV tatsächlich(!) automatisch docken liesen und dass das ATV in etwa fünfmal so viel Material zur ISS bringen kann. Bitte nicht falsch verstehen, die russische Raumfahrt ist mit ihren bewährten und relativ billigen Systemen eine sehr wichtige Stütze für die ISS und es ist sehr positiv, dass Russland seine bewährten Systeme kontinuierlich verbessert, aber der Satz in der Zeit-Meldung suggeriert doch ein völlig falsches Bild: Die Amerikaner motten ihre Space Shuttle ein (was so nicht stimmt, denn ein paar mal fliegen sie die ISS mit diesem System ja noch an), legen die Hände in den Schoß (nein, sie entwickeln Orion), während die Russen neue Transporter entwickeln (und nicht nur eine verbesserte Version eines bewährten Systems). Jedenfalls komisch, wie dieser Zusammenhang, der keiner ist, in den Teaser gerutscht ist.

(Links: Mehr zur Progress auf der englischsprachigen Seite von Energija)

Café Adhäsion

Ohne Kaffee am Morgen geht für viele Menschen gar nichts und unterm Tag wird es kaum besser. Blöd nur, dass Astronauten ihren Kaffee aus Tuben saugen müssen, denn wie jede andere Flüssigkeit neigt Kaffee dazu, in der Schwerelosigkeit große runde Tropfen zu bilden, die sich nur wenig elegant einnehmen lassen. Der Astronaut Donald Pettit, Mitglied der Space Shuttle STS-126 Besatzung und aufgrund seiner handwerklichen Fähigkeiten Mr Fixit genannt, hat nun eine hübsche Lösung für das Problem gefunden: die Astronauten-Tasse:

Mit dieser aus einer starren Folie gerollten Tasse können die Astronauten den Kaffee nun genauso schlürfen, wie auf der Erde und wie auf der Erde mit ihren Schlürfgeräuschen ihre Mitmenschen auf die Palme bringen. Der Trick besteht darin, dass die Tasse nicht rund ist, sondern ein Profil wie eine Tragfläche hat. In der Tasse breitet sich der Kaffee zunächst wie gewohnt aus, doch auf der Seite mit dem spitzen Winkel benetzt die Flüssigkeit die Tassenoberfläche besonders stark, da durch den spitzen Winkel auf jeden Tropfen quasi von zwei Seiten Adhäsionskräfte wirken. Diese Adhäsion sorgt dafür, dass sich der Kaffe entlang der spitzen Kante nach "oben" ausbreitet, bis er den Rand erreicht. Dort endet die Oberfläche der Tasse und somit auch die Adhäsion und der Kaffeefluss kommt zum erliegen. So bleibt der Kaffee in der Tasse, kann aber bequem vom Astronauten geschlürft werden.

Dieses Video hat das Zeug zum Klassiker, den erstens zeigt es unterhaltsam und didaktisch ein gutes Stück Physik und zweitens steht es sinnbildlich für den Versuch des Menschen, in der Schwerelosigkeit heimisch zu werden. Man sollte die Astronauten-Tasse auch nicht unterschätzen: Eine echte Tasse, statt einer Tube Kaffee am Morgen kann auf Langzeitmissionen sicherlich zur guten Stimmung beitragen.

Netzecho: "Wir brauchen Raumschiffe"

Die besten Meldungen des Tages:

  • "... ich bin zuversichtlich, dass wir im nächsten Jahrzehnt eine positive Entscheidung über den Bau eines europäischen bemannten Raumschiffs fällen werden", sagt Johann-Dietrich Wörner, Vorstandsvorsitzender des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR), laut einem lesenswerten Interview im Tagesspiegel. Anlass ist das Ministertreffen der 18 ESA-Mitgliedsstaaten in Den Haag, das heute begonnen hat. Auch der Generaldirektor der ESA, Jean-Jacques Dordain, will über die Erdumlaufbahn hinaus: "Europa muss sich aktiv an der Erforschung des Mondes und des Mars beteiligen." Das vollständige Interview mit ihm findet sich auf euronews: Welche Wege nimmt die europäische Raumfahrt in den kommenden Jahren?
  • Ein lesenswerter Mission-Update kommt heute wieder von ZEIT-online: Das Spaceshuttle Endeavour bleibt länger im All. Der längere Aufenthalt ist wohl den Problemen mit der Wasserrecyclinganlage geschuldet. Die Anlage soll den Kaffee von gestern in den Kaffee von morgen verwandeln, eine wichtige Vorraussetzung, um die Zahl der Besatzungsmitglieder der ISS auf sechs zu erhöhen. Währenddessen macht die verlorene Werkzeugtasche der Astronautin Heidemarie Stefanyshyn-Piper kuriose Schlagzeilen. Amerikanische Amateurastronomen berichten auf http://www.spaceweather.com/, dass sie die Tasche schon gesichtet haben. Wo sich dieser unfreiwillige Erdsatellit derzeit befindet kann man auf http://www.n2yo.com/ verfolgen. Einfach links oben auf den Button "Track the tool bag ..." klicken. Auch Deutschland wird die Tasche heute überfliegen.
  • Über ein Thema aus der Astroteilchenphysik berichtet spektrumdirekt: Kosmische Strahlung aus einigen Himmelsregionen intensiver Rechts und links oberhalb des Sternbildes Orion haben Astronomen einen geringen Protonenüberschuss in der Kosmischen Strahlung ausgemacht. Ob es sich dabei wirklich um Quellen der Teilchenstrahlung handelt oder um einen anderen Effekt ist bisher unklar.

Monty Python und der Sinn der Astronomie

Die Komiker von Monty Python sind sauer: Alle möglichen Leute stellen ungefragt und ungeachtet irgendwelcher Urheberrechte Videoclips der kultigen Truppe ins Netz. Daher bieten sie nun selber auf einem Youtube-Kanal eine Auswahl ihres Schaffens an: Monty Python auf youtube

Besonders bemerkenswert ist der Galaxy Song, denn er zeigt ganz im Stile Monty Phytons, warum Astronomie für viele Menschen so anziehend ist, selbst wenn sie sonst nichts mit Naturwissenschaft am Hut haben. Die Story geht so: Frau Brown hat einen schlechten Tag. Ihr Mann hat den Fehler gemacht, sich als Organspender registrieren zu lassen. Nun kommen die Herren in den weißen Kitteln um die Organe zu holen und richten so eine riesige Sauerei in der kleinen Welt der Frau Brown an. Um sie zu trösten steigt Eric Idle aus dem Kühlschrank und verdeutlicht ihr das größere, das ganz große Bild. Das ist der eigentümliche Trost, der von der Astronomie ausgeht: Wenn wir erstmal unsere kleine Welt im richtigen Verhältnis zum Universum zu sehen, schrumpfen auch unsere Probleme auf dieser Welt; sie werden so unbedeutend, wie die Erde in der Galaxie (oder wie Tränen im Regen, wie es im "Blade Runner" heißt).



Hier der Text zum Mitsingen:

Just remember that you're standing on a planet that's evolving
And revolving at nine hundred miles an hour,
That's orbiting at nineteen miles a second, so it's reckoned,
A sun that is the source of all our power.
The sun and you and me and all the stars that we can see
Are moving at a million miles a day
In an outer spiral arm, at forty thousand miles an hour,
Of the galaxy we call the 'Milky Way'.
Our galaxy itself contains a hundred billion stars.
It's a hundred thousand light years side to side.
It bulges in the middle, sixteen thousand light years thick,
But out by us, it's just three thousand light years wide.
We're thirty thousand light years from galactic central point.
We go 'round every two hundred million years,
And our galaxy is only one of millions of billions
In this amazing and expanding universe.

The universe itself keeps on expanding and expanding
In all of the directions it can whizz
As fast as it can go, at the speed of light, you know,
Twelve million miles a minute, and that's the fastest speed there is.
So remember, when you're feeling very small and insecure,
How amazingly unlikely is your birth,
And pray that there's intelligent life somewhere up in space,
'Cause there's bugger all down here on Earth.

Sehr Monty-Phyton-typisch ist auch die Urknallinterpretation.

Netzecho: Unternehmerinnen im All und die Masse der Nukleonen

Virgin Galactic SpaceShipTwo

Das Beste aus der Netzpresse von heute:
  • "Miss Universum" kommt aus Deutschland: Sonja Rhode aus Hagen hat gute Chancen als erste Deutsche ins All zu starten. Dieses Abenteuer verdankt sie nicht der Weltraumbehörde ESA, sondern ihrem eigenen Enthusiasmus und privaten finanziellen Mitteln. Als einzige Deutsche steht sie auf der Warteliste des privaten Raumfahrtunternehmens Virgin Galactic des britischen Milliardärs Richard Branson. Dieser will mit seinem "Space Ship 2" zahlende Gäste in den Weltraum schießen, auf einem Parabelflug in über hundert Kilometern Höhe. Über Sonja Rhode und ihre Reisepläne berichtet heute die Süddeutsche: Deutsche Unternehmerin plant Kurztripp ins All Mancher mag unken, Raumfahrt wird so zu einem Abenteuersport für Millionäre, doch sollte man dies nicht so verkrampft sehen: Egal ob Reiten, Auto fahren oder das Fliegen, es waren immer die Pioniere mit dem dicken Geldbeutel, die diese Verkehrsmittel zuerst genutzt haben und so einen Markt geschaffen haben, der letztlich eine technische Weiterentwicklung erst ermöglichte. Betrachtet man die Webseite der 33-jährigen Weltraumtouristin aus Hagen, hat man durchaus den Eindruck, sie meint es ernst mit der Raumfahrt und könnte mit Charme und Ausstrahlung das Image der Raumfahrt ähnlich positiv aufwerten, wie es bereits dem Schwiegermuttertraum und ESA-Astronauten Thomas Reiter gelang: www.sonja-rhode.de
  • Eine nicht mehr ganz so junge, aber in der Internet-Szene sehr bekannte weitere Unternehmerin will sogar noch weiter hinaus: Esther Dyson erklärt in Welt Online: "Warum ich auf den Mond fliegen will". Ihre Begründung auf Welt Online ist ebenso simpel wie einleuchtend: "Was würden Sie tun, wenn Sie erfahren, dass Sie in ein paar Jahren mit hoher Wahrscheinlichkeit an Alzheimer erkranken werden? Natürlich würde ich mich zur Kosmonautin ausbilden lassen! Wozu aber warten, bis man erfährt, dass man womöglich an Alzheimer erkranken wird?" Schade, dass man heute nur von flugwilligen Unternehmerinnen liest, denn für einen Flug unserer Bankmanager zum Mond würde ich sogar spenden.
  • Das Mission-Update zur ISS steht heute im Ressort "Aus aller Welt" der Kölnischen Rundschau, obwohl es eigentlich "Über aller Welt" heißen müsste. In dem Artikel Reparatur an ISS erfolgreich lesen wir über den dritten Außenbordeinsatz der Space-Shuttle-Crew: "Die beiden Crewmitglieder Heidemarie Stefanyshyn-Piper und Steve Bowen reinigten und schmierten das defekte Drehgelenk eines Solarflügels auf der rechten Seite der Station und tauschten einige Teile aus." Auch ZEIT Online widmet der ISS einen Beitrag: ISS hat ein Problem mit Urin-Recycling Dieses Problem klingt trollig, ist aber ernst, denn nur mit einer funktionierenden Wasseraufbereitung ist die ISS autark gegenüber Versorgungsflügen von der Erde - eine wichtige Voraussetzung für die Aufstockung des Personals und somit auch der Nutzung des Weltraumlabors Columbus für die Forschung.
  • Schön ist es, wenn in der Wissenschaft Theorie und Messung zusammen finden. Das mag für den aussenstehenden Beobachter vielleicht nicht immer so spannend sein, doch der Artikel Quarks & Co. - Masse von Nukleonen theoretisch bestimmt auf spektrumdirekt ist trotzdem lesenswert, da er einen gut geschriebenen Einblick in die Probleme der Teilchenphysik gewährt.
Zur sonntäglichen Besinnung habe ich ein Youtube-Video des Tages ausgewählt, das unsere Planeten und unsere Sonne in Relation mit den wahren Sterngiganten zeigt:

Dem Laien sei gesagt, dass die Sternaufnahmen natürlich nicht echt sind. Es geht im Grunde nur um die erheblichen Unterschiede in den Durchmessern.

Mit besserem Sound und Auflösung findet sich das Video auch hier: http://sizeofworldse.ytmnd.com/
Die Musik stammt angeblich aus dem Walt Disney-Film "Das Schwarze Loch". Ich habe das noch nicht verifiziert, aber vielleicht hole ich das heute Abend noch nach. Was gibt es Schöneres, als an kalten Winterabenden in der DVD-Sammlung zu kramen? (Bitte nicht kommentieren, ich kenne die Antwort)

Netzecho: Vom Mars zum LEM

Credit: NASA

Die lesenswerten News des Tages:
  • Anhand von Bodenradarmessungen mitttels dem Mars Reconnaissance Orbiter konnten Forscher einen Gletscher außerhalb der Marspole nachweisen. Darüber berichtet spektrumdirekt: Begrabene Marsgletscher entdeckt. Die Wissenschaftler vermuten, dass es sich dabei um Reste einer planetenweiten Eiszeit auf dem Mars handelt.
  • Währenddessen diskutiert man in Europa, ob der Mars überhaupt ein lohnendes Ziel oder doch nur ein Geldgrab ist. Dirk Lorenzen berichtet für die Sendung Forschung aktuell des Deutschlandfunks über die Tagung des ESA-Ministerrats nächste Woche in Den Haag. Besonders der europäische Marsrover ExoMars scheint gefährdet: Milliardengrab Mars?
  • Ein Mission-Update von der ISS bietet Spiegel-Online: Neue Wasseraufbereitung macht Ärger: Die 154 Million Dollar teure neue Wasseraufbereitungsanlage, die unter anderem Urin in Trinkwasser verwandeln soll, bereitet den NASA-Ingenieuren "zunehmende Qualen". Außerdem gibt Spiegel-Online bekannt, dass der Belgier Frank De Winne als erster europäischer Kommandant der ISS benannt wurde. Das Kommando soll er im Oktober kommenden Jahres übernehmen.
  • Nicht nur Wasseraufbereitung: Vom letzen Außenbordeinsatz der ISS-Astronauten berichtet DIE ZEIT: Reparatur an ISS-Sonnensegel fortgesetzt. In einem über sechsstündigen Knochenjob, der gelegentlich als Weltraumspaziergang verniedlicht wird, schmierten und säuberten Heide Stefanyshyn-Piper und Shane Kimbrough defekte Drehgelenke an einem der Sonnensegel.
  • "Der Widerstand der Materie", so heißt ein neu erschienenes Buch mit Briefen des genialen polnischen Sciencefiction-Autors Stanislaw Lem. Sein Einfallsreichtum war so groß, dass der paranoide SF-Autor Philip K. Dick zeitweilig LEM für einen Art polnische Ideenschmiede hielt: "Es ist nämlich ausgeschlossen, dass ein einziger Mensch Verfasser so umfangreicher und unterschiedlicher Werke sein kann." Ulrich Baron hat für Welt-Online einen Blick in die Briefesammlung getan und einen lesenswerten Artikel über Stanislaw Lem geschrieben: "Ich komme aus physikalischen Weiten"
Das Youtube-Video des Tages beschäftigt sich nochmals mit dem zehnjährigen Jubiläum der internationalen Raumstation ISS. Mike Fincke, derzeit Kommandant der Station und sein Kollege Chris Ferguson, Kommandant des Space-Shuttle Endeavour, gratulieren ihrem derzeitigem Zuhause aus dem Orbit:

Wie baut man eine Raumstation?

Wie bereits erwähnt feierte die Internationale Raumstation ISS gestern ihr zehnjähriges Jubiläum. Am 20. November 1998 startete das russische Modul Sarja (Morgenröte) und somit das erste Bauteil der ISS.
Ich möchte hier noch eine sehr schöne Animation nachliefern, die zeigt, wie die Raumstation nach und nach zusammengesetzt wurde - einfach zum genießen:


Auf der Seite der NASA findet sich eine Fotogalerie, die den Aufbau der Raumstation eindrucksvoll dokumentiert: ISS 10 Years

10 Jahre ISS oder SHLAY-guhl im All


Vor zehn Jahren, am 20. November 1998 startete das russische Modul Sarja (links im Bild) mit einer Proton Rakete vom russischen Weltraumbahnhof Baikonur. Wenig später, am 4. Dezember, startete das Space Shuttle Endeavour zur Mission STS-88, um das amerikanische Modul Unity mit Sarja zu verbinden. Dies war die Geburtsstunde der internationalen Raumstation ISS, die seit November 2000 durchgehend bemannt ist. Man darf also zum zehnjährigen Jubiläum gratulieren.
In den Medien findet die Raumstation in der Regel nur statt, wenn Pannen geschehen. So ist, pünktlich zum Jubiläum, der Astronautin Heidemarie Stefanyshyn-Piper bei ihrem Außenbordeinsatz in der Schwerelosigkeit ein Missgeschick passiert: der Werkzeugkasten driftete ihr davon. Dies war nicht weiter schlimm, hatte doch ihr Astronautenkollege Steve Bowen Ersatzwerkzeug mit nach draußen genommen, doch prompt findet die ISS wieder in den Medien statt: Ulknudel Anke Engelke verkündet auf SWR 3, wie "reizend" sie es findet, dass die Astronautin "nicht hysterisch wird", weil sie im All ihre "Handtasche" verliert. Wie stellt Frau Engelke sich denn einen so genannten Weltraumspaziergang vor? Das ist sicherlich nicht die Art von Spaziergang, bei der man hysterisch werden sollte und Hysteriker werden sicherlich auch nicht Astronauten. Die neue Weltraumexpertin des SWR erzählt dann noch jede Menge Halbwahrheiten über die Astronautin Stefanyshyn-Piper, beispielsweise, dass sie zur Marine wollte, aber wegen schlechter Augen nicht genommen wurde, weshalb sie wohl auch die "Handtasche" verloren hat ... Hierzu fällt mir nur noch der Dieter Nuhr'sche Imperativ ein:
Boshaft tendenziös ist auch der Artikel Außerirdischer Baukasten auf Zeit-online. Dort "trudelt" die ISS durchs All, als hätte die Flugkontrolle zu viel Wodka oder Whiskey getrunken und das Versorgungsraumschiff ATV wird zur "europäischen Mülltonne". Schlagzeilen macht laut Zeit-online die ISS eh nur, wenn zum Beispiel die Toilette kaputt geht, während die wissenschaftlichen Ergebnisse eher mau seien. Diese Art von medialer Selbstbetrachtung geht mir unglaublich auf die Nerven: statt sich selber mal die Mühe zu machen, wissenschaftliche Experimente auf der ISS zu recherchieren, erinnert sich der Zeit-"Journalist" einfach nur an Berichte über kaputte Toiletten, die er dann wieder zitiert.



Soweit meine Aufregung des Abends, jetzt zum eigentlichen Thema: SHLAY-guhl im All

Als "SHLAY-guhl" wird der deutsche Astronaut Hans Schlegel im NASA-Handbuch geführt, damit den amerikanischen Kollegen die korrekte Aussprache gelingt. So schreibt es Dirk H. Lorenzen in seinem neuen Buch "Raumlabor Columbus - Leben und Forschen auf der Internationalen Raumstation". Dirk Lorenzen ist ein Journalist, der seine Hausaufgaben macht. Mit erfreulicher Regelmäßigkeit erscheinen im Kosmos-Verlag Bücher über aktuelle Weltraummissionen von ihm, zuletzt über das Duo Cassini/Huygens, jetzt über das europäische Duo Columbus/ATV. Diese beiden Beiträge der europäischen Raumfahrt zur ISS bilden die Schwerpunkte in seinem Buch. Da der Autor als Journalist vor Ort recherchiert ist das Buch sehr lebendig: voller Annekdoten wie die von "SHLAY-guhl" und O-Tönen vor allem derjenigen Ingenieure, die Columbus und ATV möglich gemacht haben. Dabei ist das Buch nie trocken oder unkritisch, auch wenn der wohl unvermeidbare Raumfahrt-Pathos gelegentlich durch die Buchseiten weht. Dirk Lorenzen beschreibt kritisch, wie wenig die ISS von den Versprechungen hält, mit denen die Amerikaner ihre Raumstation Freedom einst propagierten: Die ISS ist vor allem auch ein politisches Projekt und statt Fabriken und Forschungseinrichtungen zu betreiben sind die Astronauten zu einem großen Teil ihrer Arbeitszeit mit sich selbst und der Station beschäftigt. Dieser Umstand liegt nicht nur in der Bauverzögerung durch den Columbia-Absturz begründet. Dennoch zeigt Lorenzen auf, was dank dem Weltraumlabor Columbus alles möglich sein wird, wenn die ISS-Stammbesatzung erstmal auf regulär sechs Personen angewachsen ist. Sehr schön finde ich zum Beispiel seine Beschreibung des Experiments Geoflow der Universität Cottbus. Mit diesem Experiment sollen die Strömungsverhältnisse im flüssigen Erdkern nachgestellt werden, der den festen Kern umgibt und dabei rotiert. Dazu wird gewissermaßen ein Modell des Erdinneren gebaut und der Schwerelosigkeit des Columbus-Raumlabor ausgesetzt. Die Gravitation wird im Experiment durch elektromagnetische Kräfte ersetzt. So entsteht also im Raumlabor Columbus ein frei schwebendes Erdmodell, an dem sich das Verhalten des flüssigen Erdkerns studieren lässt.
Dank dem Buch von Dirk Lorenzen ist mir nun auch klar worin die Leistung des automatischen Transportvehikels (ATV) Jules Verne besteht: das ATV fliegt völlig autonom, also nicht einfach nur ferngesteuert. Niemand in der Bodenkontrolle hat einen Joystick, vielmehr befielt man dem ATV die ISS anzufliegen und anzudocken und hofft, dass das ATV das richtig macht - und es hat es richtig gemacht! Das ist jedenfalls mehr als man von einem fliegenden "Mülltonne" erwartet. Entweder wissen es die Schreiberlinge der Intellektuellenpostille Die ZEIT nicht besser oder sie sind so verliebt in ihre trolligen sprachlichen Vergleiche, dass es sie nicht weiter kümmert. Wie man über Raumfahrt spannend und doch informativ schreiben kann, können sie bei Dirk Lorenzen lernen. Das Buch "Raumlabor Columbus - Leben und Forschen auf der Internationalen Raumstation" kann ich nur wärmstens empfehlen und dabei habe ich noch gar nichts über die hervorragende Bebilderung gesagt (231 farbige Abbildungen).

Das Buch "Raumlabor Columbus - Leben und Forschen auf der Internationalen Raumstation" von Dirk Lorenzen gibt es in jeder ordentlichen Buchhandlung (ISBN 978-3-440-11711-8). Es kostet derzeit € 34,90 und ist jeden Cent wert.

Warum BSG besser als ST ist

Hinterm Mond gleich links, also im Blog von Ludmila Carone ist der Trailer vom neuen Star Trek Film zu sehen: Star Trek - Spock als humanistsiches Leitbild nennt Ludmila ihren lesenswerten Post, dem sich ein paar interessante Kommentare angeschlossen haben. Den Trailer gibt es hinterm Mond gleich links zu sehen, ich will hier bei der Gelegenheit mal loswerden, was mich an Star Trek stört, und weshalb ich Battlestar Galactica besser finde.

Star Trek XI werde ich mir sicherlich anschauen, zumindest auf DVD, auch wenn ich nicht viel mehr erwarte als das übliche Hollywood SF-Popcorn-Kino der letzten Jahre: nette Bilder, schnelle Schnitte, blutleere Charaktere, deren Tod oder Überleben mich völlig gleichgültig lässt. Genau danach sieht der Trailer aus. Obwohl ich SF sehr mag, war ich noch nie ein großer Star Trek Fan: Helden in Schlafanzüge, die in septischen Räumen agieren, gegen die jede Krankenhausserie wie ein Kloake wirkt. Dann immer dieser imperiale Gestus: die Enterprise als Teil einer Weltraum-Navy, zum Schutz des amerikanisierten Teils der Galaxie, mit Fastfood aus dem Nahrungsreplikator. Was mich aber am meisten stört ist die totale Folgenlosigkeit gerade der erstaunlichsten Entdeckungen und Erkenntnisse. Das Gesetz der (Fernseh-)Serie verlangt eben, dass am Ende alles so ist, wie es am Anfang war (erst Akte X hat dieses Schema gebrochen), daher sind die Entdeckungen der Enterprise völlig folgenlos. Schlimmer noch: während sich Picard mit dem erstaunlichen Phänomen Q oder anderen kosmischen Dingen beschäftigt, quält sich Mama Crusher mit den Pupertätsproblemen ihres kleinen Sohnes und Offiziersanwärter Wesley - ein total unverhältnismäßiges Nebeneinander von kosmischer Exploration und melodramatischen Gedöns. Nur einmal wird das gebrochen: als Picard von den Borg assimiliert wird und dann doch wieder zurückkehrt, hat er einen bleibenden Schaden, der ihn sehr menschlich macht: Helden in Schlafanzügen sind verwundbar.

Ich will jetzt Star Trek echt nicht schlecht macht, gerade die frühen Folgen mit Captain James T. Kirk sind ein echtes Zeitdokument und haben viel in ihrer Zeit bewirkt (z.B.: die erste farbige Hauptdarstellerin in einer Fernsehserie). Aber die Serie hat sich meiner Meinung nach zu wenig weiterentwickelt und wirkt nun antiquiert.

Mir persönlich gefällt Battlestar Galactica (die neue Serie) wesentlich besser.

Diese Serie gleicht einem gewaltigen Spielfilm, der vom Zuschauer einiges abverlangt und daher auch vor allem als Kauf-DVD ein großer Erfolg ist - das normale Fernsehpublikum ist schlicht überfordert. Die Charaktere entwickeln sich über die einzelnen Folgen, nichts ist so, wie es vorher war.
Was ich außerdem grandios finde ist, die realistische Flugphysik der Viper, die eben nicht wie Flugzeuge durch den luftleeren Raum fliegen, sondern mittels Steuerdüsen die Richtung ändern (und dabei den linearen Impuls beibehalten). Geschossen wird auch nicht mit irgendeinem mystischen Photonenquantendingsbums-Laser, sondern einfach mit Projektilen. Auch vermittelt Battlestar Galactica ein tolles Gefühl für die riesige Leere des Weltraums. Die Kampfschiffe haben Schwierigkeit, sich in der Leere des Raumes zu finden und bekämpfen sich auf riesige Distanzen. Bei Star Trek hat man immer Sorge, es kommt jetzt gleich zu einem Auffahrunfall zwischen der Enterprise und den Warbirds oder anderem Weltraumgeschmeiß.
Was mir an Battelstar Galactica auch besser gefällt als an Star Trek ist, dass nicht ständig Rückgriff auf eine unverständliche Übertechnologie genommen wird, um ein Problem zu lösen, ganz im Gegenteil: Da die Galactica eigentlich ins Museum geschickt werden sollte, bevor plötzlich der Krieg mit den Cylonen ausbrach, wirkt das Schiff sehr veraltet, es gibt beispielsweise nichtmal schnurlose Telefone. Das Personal schwitzt und der Doktor qualmt wie ein Schlot, das finde ich richtig gut!

Wie gesagt, nichts gegen Star Trek, zumal die letzte Staffel von Battlestar Galactica leider auch eine Enttäuschung ist, doch dass ich BSG besser finde als ST musste ich einfach mal loswerden.

Tauchen im Weltall

Mit der derzeitigen Space Shuttle Mission STS-126 zur internationalen Raumstation ist nun erstmals auch eine deutsche Astronautin im All. Nein, ganz so ist es nicht! Aber die amerikanische Astronautin Heidemarie Stefanyshyn-Piper ist tatsächlich die Tochter europäischer Einwanderer. Ihr Vater kommt aus der Ukraine, ihre Mutter aus Deutschland. Als Einwandererkind der ersten Generation ist sie mehrsprach aufgewachsen: Zuhause lernte sie Deutsch und Ukrainisch, auf der Straße und Schule Englisch. Geboren wurde sie 1963 als Heidemarie Martha Stefanyshyn in Saint Paul, einer kleinen Stadt im US-Bundesstaat Minnesota; den Zweitnamen Piper verdankt sie ihren Mann, nicht ihrer deutschstämmigen Mutter. Bildung war das Schlüsselwort für die Familie Stefanyshyn: Die fünf Einwandererkinder der ersten Generation sollten Amerika zu ihrer Heimat machen, indem sie dort etwas erreichen - also nicht Würstchenbude und Schnitzelrestaurant, sondern College, MIT und Navy. In der Marine lies sich Heidemarie Stefanyshyn-Piper zur Taucherin ausbilden. Astronautin zu werden kam ihr nie in den Sinn, bis eines Tages ein Bekannter vom Plan der NASA erzählte, eine internationale Raumstation zu bauen. Sie sah sich das Astronautentraining an und stellte fest, dass das mehr nach tauchen, als nach fliegen aussah. "Ich reparierte unter Wasser Schiffe der Marine und ich dachte mir, wenn ich Schiffe unter Wasser reparieren kann, kann ich auch eine Weltraumstation im All bauen", sagte sie in einem Interview der NASA.

Ursprünglich wollte die junge Heidemarie eigentlich Pilotin bei der Marine werden. Geflogen ist sie allerdings nur durch den Sehtest und so ging sie den Umweg der Marinetaucherin, um nun für die NASA zu fliegen oder zu tauchen, wie immer man das sehen will.

Ihre Erwartungen wurden nicht enttäuscht, denn tauchen und im Weltraum "Spazieren gehen" sind sich tatsächlich sehr ähnlich, wie sie selber beschreibt: "Ich glaube mein beruflicher Hintergrund als Taucherin war einer der Punkte, der mir das Weltraumspazieren leicht fallen lies. Ich weiß, was passiert, wenn sich der eigenen Körper in keiner guten Position für eine Arbeit befindet und man sich nicht stabiliseren kann und was man tun muss, um doch einen Halt zu finden."

Für Heidemarie Stefanyshyn-Piper ist es nicht der erste Flug ins All. Beim Flug STS-115 leistet sie schwere Aufbauarbeit an der internationalen Raumstation, verbunden mit zwei Außenbordeinsätzen von insgesamt 13 Stunden Dauer. Schon einen Tag nach der Landung sollte sie eine Rede halten. Dabei brach sie zweimal vor laufender Kamera zusammen, wie das Video zeigt. Der Astronautin war das natürlich peinlich. Ich will dieses Video hier nochmals zeigen, nicht um sie zu blamieren, sondern weil das Video eindrücklich zeigt, dass die Arbeit der Astronauten eine sehr schwierige ist und der Mensch an die Bedingungen des Weltraums nicht angepasst ist. Ein paar Tage Abwesenheit von der ständigen Herausforderung, die die Gravitation an unser Muskel- und Kreislaufsystem stellt, reichen aus, um selbst solche erfahrenen Schwerelosigkeitsarbeiter wie Heidemarie Stefanyshyn-Piper am Pult zusammenklappen zu lassen. Gerade das spricht in meinen Augen für eine Mond- oder Marsstation, statt einer Raumstation.


Für die derzeitige Mission STS-126 sind vier Weltraumspaziergänge geplant, drei davon unter aktiver Beteiligung von Heidemarie Stefanyshyn-Piper. Ich wünsche ihr viel Erfolg dabei!

(Quelle: Das vollständige NASA-Interview steht hier, Wikipedia-Eintrag über Heidemarie Martha Stefanyshyn-Piper)

Universität Fomalhaut

So ziemlich alle Blogs und Nachrichtenseiten im Internet haben es nun vermeldet: Dem Weltraumteleskop Hubble gelang es erstmals einen Planeten um einen anderen Stern abzubilden. Ein lesenswerter Artikel findet sich zum Beispiel auf astronews.com: Planet um Fomalhaut fotografiert.
Die Abbildung oben zeigt die Himmelsansicht heute Abend so um Viertel vor Acht in Richtung Süden. Dann kulminiert das Sternbild Südlicher Fisch (Piscis Austrinus) mit dem Hauptstern Fomalhaut. Leider steht das Sternbild im deutschsprachigen Raum aber nur knapp über dem Horizont. Fomalhaut (Alpha Piscis Austrini) ist ein 25 Lichtjahre entfernter Hauptreihenstern, der also, wie unsere Sonne, in seinem Inneren Wasserstoffkerne zu Helium fusioniert. Allerdings zählt er zur Spektralklasse A und ist somit wesentlich heißer und leuchtkräftiger, als unsere Sonne. Die Abbildung oben wurde mit der freien Software Stellarium erzeugt: stellarium.org

Für den großartigen, aber leider 2006 verstorbenen polnischen Sciencefiction-Autor Stanislaw Lem war der Stern Fomalhaut schon immer etwas Besonderes. Er dichtet diesem Planetensystem die Universität Fomalhaut an. Dort hat Professor A. S. Tarantoga einen Lehrstuhl am Institut für vergleichende Astrozoologie, ein Ort des Wissens also, an dem man versucht eine Systematik in die überwältigende Vielfalt des Lebens im Kosmos zu bringen. Der Homos sapiens wird da übrigens unter Monstroteratus furiosus (Gräßel-Wüterich) geführt.
Dieser höhere Unsinn findet sich in einem der Meisterwerke von Stanislaw Lem: "Sterntagebücher". 1971 erstmals in Polen erschienen enthält das Buch die Reiseberichte von Ijon Tichy, eine Art kosmischer Münchhausen, dessen Lügen- oder eben Nichtlügengeschichten Gegenstand der Forschung von Professor Tarantoga sind (Tarantogas Astrozoologisches Institut gehört natürlich zu den Vereinigten Instituten der Tichologie, der Tichographie und der beschreibenden, vergleichenden und prognostischen Tichonomik). In seinen Sciencefiction-Geschichten parodiert Stanislaw Lem den Forschungsbetrieb, den Versuch der Menschen mit Systematik und Ratio den Rätseln des Kosmos zu begegnen ("The Universe is comprehensible", wie es in einem amerikanischen Astronomielehrbuch lakonisch heißt). So erzählt er in seinem anderen Meisterwerk "Solaris" beispielsweise die komplette Geschichte der "Solaris-Forschung" nach. In "Imaginäre Größe" verfasst er Vorwörter und Einleitungen zu wissenschaftlichen Werken, die es noch gar nicht gibt, weil es die zugehörige Wissenschaft noch nicht gibt. In den Sterntagebüchern ist die Sicht Stanislaw Lems auf die Wissenschaft eine eher satirische. Daher sind die meisten Episoden in diesem Buch sehr unterhaltsam. So ist in einer Episode Ijon Tichy gezwungen eine Zone mit hohen Gravitatiosanomalien zu durchqueren. Um sich darauf vorzubereiten nimmt er einen riesigen Wälzer zur Allgemeinen Relativitätstheorie zur Hand (wahrscheinlich Misner, et.al. "Gravitation"). Beim Eintritt in die erste Anomalie ist es ausgerechnet das Lehrbuch, das ihn k.o. schlägt und so nimmt das Verhängnis seinen Lauf ...

Dieser komische Aspekt der "Sterntagebücher" wurde 2007 sehr originell und eigenwillig für das ZDF umgesetzt: "Ijon Tichy Raumpilot" mit Oliver Jahn und Nora Tschirner in den Hauptrollen.
Diese witzige Serie ist über den Buchhandel auf DVD erhältlich.

Warum Stanislaw Lem ausgerechnet Fomalhaut für den Sitz seiner Universität gewählt hat, ist mir nicht bekannt. Schön, dass wir jetzt ein Foto vom Campus haben, aber schade, dass Stanislaw Lem es nicht mehr sehen kann.

(Lesetipp: Stanislaw Lem, Sterntagebücher, Suhrkamp-Verlag. Derzeit lieferbar unter der ISBN 978-3-518-45534-0. Einfach mal den Buchhändler um die Ecke fragen.)

Space Shuttle Endeavour unterwegs zur ISS

Credit: NASA TV
Heute früh, um 1:55 Uhr unserer Zeit startete das Space Shuttle Endeavour zur internationalen Raumstation ISS. Die derzeitige Expedition-18-Crew der ISS verfolgt den Start am Bildschirm. Es sind dies Kommandant Mike Fincke (Mitte), sowie Yury Lonchakov (vorne) und Greg Chamitoff ("oben").

Die ISS-Crew kann sich am Sonntag auf Besuch freuen, wenn die Endeavour bei der ISS eintreffen wird. Am Bord des Space-Shuttles befindet sich das Mehrzweck-Logistikmodul Leonardo. Diese italienische Entwicklung kann mit dem Roboterarm des Space Shuttle an der ISS befestigt werden, um so direkt aus der ISS ent- und beladen zu werden und als kurzfristiges zusätzliches Modul für die größere Crew dienen. Vor dem Abdocken des Space-Shuttle wird Leonardo wieder in der Shuttle-Landebucht verstaut.

Die Astronautin Sandra Magnus wird zurück auf der ISS bleiben und damit Greg Chamitoff ablösen.

Der Shuttle-Flug STS 126 ist der 27. Flug eines Space Shuttle zur internationalen Raumstation.
(Quelle: NASA)

Chandrayaan-1 hat ihren Mondorbit erreicht und sucht ein Ziel

Credit: Indian Space Research Organisation (ISRO)
Die indische Mondsonde Chandrayaan-1 ist endgültig am Ziel ihrer Reise angekommen. Sie umkreist den Erdmond nun in hundert Kilometern Höhe auf einer Bahn, die sie über die beiden Mondpole führt. Die Abbildung zeigt, wie sich Chandrayaan-1 dem kreisförmigen Orbit näherte, indem sie schrittweise die hohe Exzentrizität ihrer elliptischen Umlaufbahn abbaute. Für einen Umlauf um den Mond benötigt die Sonde circa zwei Stunden.

An Bord der Sonde befinden sich elf wissenschaftliche Instrumente, darunter drei von der europäischen Weltraumbehörde ESA. Damit soll die Sonde den Mond geologisch und mineralogisch Fernerkunden. Allerdings nicht ganz fern: Am Bord der Sonde befindet sich die Moon Impact Probe (MIP). Dabei handelt es sich um einen Körper, der von der Sonde abgeworfen werden kann, um beim Aufprall Informationen über die Bodenbeschaffenheit zu liefern. Der MIP-Körper wird abgeworfen, sobald die Sonde ein lohnendes Ziel gefunden hat.

Chandrayaan-1 ist die erste indische Weltraummission jenseits des Erdorbits. Die Raumsonde startete am 22. Oktober unter der Leitung der indischen Weltraumbehörde ISRO.
(Quelle: ESA, ISRO)

Beeindruckende Polarlichter auf Saturn

Credit:NASA/JPL/University of Arizona

Diese beeindruckende Aufnahme der Raumsonde Cassini zeigt Polarlichter in der Nordpolregion des Saturn. Das Bild setzt sich aus zwei Aufnahmen im Infrarotbereich zusammen. Rot dargestellt ist die Wärmestrahlung der Saturn-Atmosphäre. In der oberen Atmosphäre über den "roten" Wolkenschichten ist eine beeindruckende Aurora zu erkennen, die den Nordpol des Saturn ringförmig umgibt. Das rot eingefärbte Licht entspricht einer Infrarotstrahlung bei 5 µm, die Aufnahme des Polarlichtes entspricht 4 µm.

Nordlichter entstehen, wenn energiereiche Partikel mit den Atomen und Molekülen der oberen Atmosphäre kollidieren. Bei den Gasriesen Saturn und Jupiter kennen die Astronomen zwei Arten von Aurorae. Da wäre zum einen eine sehr konstante Polarlichterscheinung, wie sie Jupiter zeigt und deren Ursache innerhalb der Magnetosphäre dieses Gasgiganten liegen und zum anderen das vom Sonnenwind induzierten Polarlicht. Letzteres Phänomen kennen wir sowohl von Jupiter wie Saturn, bei Saturn wurde es vom Weltraumteleskop Hubble im UV-Licht nachgewiesen. Das vom Sonnenwind verursachte Polarlicht schwankt stark in Abhängigkeit von der Sonnenaktivität. Die Aurora im Infrarotbereich passt aber zu keiner dieser beiden Kategorien. "Der Versuch die Ursache zu finden, wird uns zweifelsohne zu einmaligen physikalischen Umweltbedingungen im Umfeld des Saturn führen", sagt Nick Achilleos, Wissenschaftler am University College London.
Dieses neu entdeckte Polarlicht schwankt mit einer Periode von circa 45 Minuten, wobei es auch ganz verschwindet. Es bildet sich in einer Region vom 82. Breitengrad bis hin zum Pol.
(Quelle: NASA)

Gekommen um zu bleiben

Credit: NASA/Ian O'Neill
Wie singt die Band "Wir sind Helden" so schön:

Gekommen um zu bleiben
Wir gehen nicht mehr weg
Gekommen um zu bleiben
Wie ein perfekter Fleck

Was den ersten bemannten Flug zum Mars anbelangt ist dies genau die richtige Einstellung, meint zumindest der Apollo-Veteran Edwin Aldrin, laut einem Interview auf universe today.
Anders als beim Mond lohnt sich seiner Meinung nach der weite Flug nicht, nur um ein paar Steine von Hand aufzusammeln.

Als am 21. April 1519 Hernán Cortés im heutigen Mexiko landete, lies er die Schiffe zerstören, um so sich und seine Mannschaft zum Erfolg zu verdammen - eine klare Aussage des spanischen Eroberer. Edwin Aldrin hat aber wohl eher die amerikanische Siedlungsgeschichte im Blick, wenn er über die zukünftigen Marsfahrer sagt: " Sie sollten eher mit der psychologischen Einstellung von Pionieren und Siedlern aufbrechen und nicht daran denken, nach ein paar Jahren wieder nach Hause zu gehen." Das Leben eines Marspioniers könnte nach Aldrin so aussehen: "Wenn sie 30 Jahre alt sind, machen wir ihnen ein Angebot [zum Mars-Flug]. Wir trainieren sie bis zum 35. Lebensjahr, dann schicken wir sie. Wenn Sie 65 sind - wer weiß, was bis dahin alles erreicht wurde - können sie dort in Rente gehen oder wir holen sie zurück".
Die Frage ist, wer sind "sie"? Nicht umsonst heißt der wilde Westen "wild", waren es doch oft Menschen, die neben der Gesellschaft standen, die den Westen der USA als Chance für sich begriffen. Wollen wir, dass die Hoffnungslosen und Outlaws das Banner der Erde zum Mars tragen? Vielleicht sind es aber auch besonders patriotisch gesinnte Menschen oder Leute mit einem besonderen religiösen Sendungsbewußtsein, die Gefallen an einer Marsbesiedlung dieser Art finden. Jedenfalls ist der heutige Typus Raumfahrer sicherlich nicht gewillt, einen Flug ohne Rückfahrkarte zu unternehmen.

Dennoch ist an dem Argumenten Aldrins etwas dran. Der monatelange Flug zum Mars ist nicht mit dem Sprung zum Mond zu vergleichen. Hat man (wieder ) die Technologie, kann man jederzeit zum Mond fliegen, ähnlich wie zu einer Expedition in den Himalaja. Ob sich aber der ganze Aufwand eines Marsfluges lohnt, ohne zu bleiben, muss kritisch hinterfragt werden.

Außerdem, ist der Damm erstmal gebrochen und Menschen siedeln sich dauerhaft auf einen anderen Planeten an, dann stehen weitere Ziele bereit. Ich habe da schon meine Lieblingsorte in unserem Sonnensystem im Blick, fehlt nur noch Planwagen, Pferd und Colt.

Tiefer Blick in Ultraviolett

Credit: ESO/ Mario Nonino, Piero Rosati and the ESO GOODS Team

Die europäische Südsternwarte veröffentlichte gestern dieses Bild vom so genannten Chandra Deep Field South. Man soll es laut Pressetext schön finden, wenn man sich schon immer gefragt hat, wie es wohl wäre in einem Pool voller Galaxien zu hüpfen und zu tauchen. Ich finde das ist eine ziemlich abwegige Vorstellung, finde das Bild aber trotzdem schön. Der Himmelsausschnitt ist 14,1 auf 21,6 Winkelminuten groß und setzt sich aus Aufnahmen aus drei unterschiedlichen Wellenlängenbereichen zusammen. Das Besondere an dem Bild ist, dass einer dieser Bereiche im nahen UV-Licht liegt, also an der unteren Grenze des Wellenlängenbereichs, der vom Auge noch wahrgenommen werden kann. Hier tun sich erdgestützte Teleskope schwer, da die Erdatmosphäre diese kurzen Lichtwellen filtert. Erschwerend kommt hinzu, dass die Optik des Teleskops selbst kurzwelliges Licht absorbiert. Daher müssen spezielle Detektoren gebaut werden. Das Instrument VIMOS, angebracht an einem der 8,2-Meter-Teleskope der ESO auf Paranal in Chile ist dafür ausgelegt. Insgesamt vierzig Stunden sammelten die Astronomen Licht von diesem Himmelsausschnitt und kombinierten es mit Aufnahmen im langwelligen Bereich, die mit dem 2,2-Meter-Teleskop auf La Silla, Chile, gemacht wurden.

Das Chandra Deep Field South ist eine von zwei Himmelsregionen, die im Rahmen des GOODS-Programm untersucht werden. Ziel ist es, von zwei Himmelsausschnitten in allen Wellenlängenbereichen möglichst lang belichtete Aufnahmen zu erzeugen. Dadurch können sehr weit entfernte und somit leuchtschwache Galaxien gefunden werden. Das Bild zeigt also einen Blick in die Tiefe des Raumes und damit auch einen Blick weit zurück in die Vergangenheit. Wir sehen Galaxien in einem Zustand, als das Universum gerade einmal zwei Milliarden Jahre alt war.
Wenn schon also ein Sprung in den Pool, dann in einen sehr sehr tiefen.

Wählen in der Schwerelosigkeit

Endlich, möchte man sagen, findet in den USA die Präsidentschaftswahl statt. Ich kann mich nicht erinnern, dass eine Wahl im fernen Amerika jemals zuvor eine so große Resonanz in unseren Medien hatte, wie diese. Das liegt nicht nur an der mediengerechten Zuspitzung der Wahl auf zwei Personen, sondern auch an der besonderen Bedeutung dieser Wahl, denn schließlich fällt dem Gewinner die riesige Aufgabe zu, all die Schäden wieder zu reparieren, die der Berufssohn George W. Bush angerichtet hat.

Diese Wahl ist also wichtig und so wenden sich die beiden US-Astronauten Michael Fincke und Gregory Chamitoff mit einer Videobotschaft an die amerikanische Bevölkerung, verbunden mit der Aufforderung, vom Wahlrecht auch tatsächlich gebrauch zu machen. Die beiden Astronauten befinden sich derzeit am Bord der Internationalen Raumstation ISS. In dieser hochgelegenen, rasenden Wahlkabine werden sie ihr Kreuzchen machen, denn dies ist dank einem Gesetz des US-Bundesstaats Texas seit 1997 möglich. Dafür übermittelt das Kontrollzentrum in Houston, Texas, den Astronauten einen Stimmzettel in elektronischer Form. Das zuständige Wahlbüro wiederum schickt eine Email mit dem Code zum öffnen des Stimmzettels und schon können die Astronauten abstimmen. klingt kompliziert, aber wie sagt Michael Fincke: "If we can do it, so can you." Möglicherweise hätten die beiden auch einfach vorher Briefwahl machen können, aber dank "Extreme Voting" wird Demokratie erst zur sportlichen Herausforderung - ganz nach amerikanischen Publikumsgeschmack. Wer will da nicht auch dabei sein?

Rotverschiebung Nummer 7


Pünktlich zum Weihnachtsgeschäft kündigt die Softwareschmiede USM eine neue Version des PC-Planetariums Redshift an. Damit geht die beliebte Astronomie-Software in die siebte Runde. Doch seit der ersten Redshift-Version hat sich einiges verändert: Dank schneller und billiger Internetzugänge gehen immer weniger Silberscheiben über die Ladentheken, weshalb ich selber gar nicht unbedingt mit einer neuen Version von Redshift gerechnet habe.
Das Internet bietet zahlreiche kostenlose Alternativen, die mehr als nur Alternativen sind: Will ich mich schnell über den Himmelsanblick informieren, benutze ich die unkomplizierte und wirklich schöne Software Stellarium
Das WorldWide Telescope von Microsoft wiederum zeigt all die Bilder von Hubble und Co. eingebunden in der Ansicht des Nachthimmels und verlinkt mit Wikipedia. Die bunten Bilder aus den Astro-News werden so wieder zurück an den Himmel geholt. Grandios sieht es beispielsweise aus, wenn man sich die Daten des WMAP-Satelliten auf die Himmelskugel projiziert. Mit dem neuen Update des WorldWide Telescope sind auch 3D-Flüge ins Planetensystem möglich. Dazu gibt es zahlreiche Führungen, allerdings alle in englischer Sprache.
Auch Google Earth bietet eine Himmelsansicht, die aber gegenüber dem WorldWide Telescope nicht überzeugt. Dafür gibt es bei Google deutschsprachige Einführungen zu astronomischen Themengebieten.

In diesem Umfeld erscheint also nun eine Software, für die der Nutzer bezahlen soll. Ob sich das lohnt kann ich nicht sagen, da ich die Software selber noch nicht gesehen habe. Auch kann ich nicht einschätzen, wieviele Leute ein Planetariumsporgramm ohne Internetanbindung bevorzugen. Was ich aber sehr interessant finde und worauf ich hier hinweisen will ist der Community-Gedanke, mit dem sich diese Redshift-Version nun konsequent auf das Web 2.0 einstellt. Auf der Seite redshift-live können sich die Nutzer des Programms direkt austauschen. Insbesondere selbst erstellte Planetariums-Führungen aus dem Programm können dort hochgeladen und von anderen Usern direkt in ihre Redshift-Version eingebunden werden. Auch mit dem Macro-Recorder des Programms erstellte Filme können die virtuellen Astrofotografen so präsentieren. Dazu kommen noch diverse Community-Möglichkeiten, die insbesondere für aktive Beobachter interessant sind, sowie redaktionelle Angebote.

Ich finde diesen Ansatz interessant, denn nun liegt es an uns, etwas aus Redshift zu machen. Es wäre doch schön, wenn sich rund um dieses Programm und seiner Webseite eine lebendige Gemeinschaft von Astronomie-Enthusiasten bildet, die sich gegenseitig mittels Redshift spannendes Astrowissen vermittelt. Auch für Profiastronomen könnte dies ein Tool sein, ihre Arbeit zu vermitteln.

Wie gesagt, zum Programm selber kann ich noch nichts schreiben, da es ja noch nicht raus ist; dementsprechend leer ist auch noch die Webseite. Aber ich bin jedenfalls schon neugierig und werde bei Gelegenheit wieder von Redshift und redshift-live.com berichten.
(Linktipp: redshift-live.com)
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Chandrayaan-1 sendet erste Bilder

Die am 22. Oktober erfolgreich gestartete indische Mondsonde Chandrayaan-1 befindet sich derzeit auf dem Weg zum Mond. Diesen Flug darf man sich nicht als Direktflug vorstellen, wie ihn zum Beispiel die Apollo-Astronauten vollführt haben. Vielmehr fliegt die Sonde in zunehmend langgestreckten Ellipsen um die Erde, bis sie von der Mondgravitation eingefangen wird. Die obere Abbildung zeigt diese Änderungen der Bahnellipsen, mit Stand 29. Oktober, als die fünfte Anhebung der Flugbahn gelang. Somit entfernt sich die Sonde derzeit bis zu 267000 Kilometer von der Erde in Richtung Mond, nur um ihr dann wieder auf bis zu 465 Kilometer nahe zu kommen. Für einen Umlauf benötigt die Sonde in etwa sechs Tage. Der Mond selbst ist rund 384000 Kilometer entfernt.

Während Chandrayaan-1 also dem Mond immer näher kommt, testet die indische Raumfahrtbehörde ISRO (Indian Space Research Organization) schonmal die Systeme an Bord. Dazu gehört auch die Kamera Terra Mapping camera (TMC), die später Schwarzweiß-Aufnahmen vom Mond liefern soll. Zu Testzwecken richteten die ISRO-Wissenschaftler die Kamkera auf die Erde, wobei ihnen aus circa 70000 Kilometern Entfernung nebenstehende Aufnahme gelang. Im Zentrum steht der nördliche Teil Australiens.

Laut ISRO geht es der Sonde Chandrayaan-1 gut. Nur noch eine weitere Anhebung des Orbits und die Sonde gerät in die Fänge des Mondes. Die nächsten Bilder werden also von unserem Trabanten stammen.

(Quelle und alle Bilder: ISRO (Indian Space Research Organization))
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Mars: Von den Albträumen der "Rover-Driver"

Im Januar 2009 werden es 5 Jahre sein, seitdem die beiden Zwillingsrover Spirit und Opportunity auf dem Mars gelandet sind. Seit 5 Jahren pflügen sie also über den staubigen Marsboden - und das nicht immer ohne Probleme. National Geographic hat zum Jubiläum eine aufregende Dokumentation produziert, die morgen im amerikanischen Fernsehen ausgestrahlt werden wird: "Five Years on Mars". Über die Internetseite von National Geographic können wir aber jetzt schon zwei sehenswerte Ausschnitte sehen, die eindrucksvoll zeigen, was es heißt, zwei Rover über den Mars zu steuern: "Five Years on Mars" - Ausschnitte.
Das erste Video zeigt den Rover Spirit auf der Home Plate genannten Erhebung. Der Marswinter bricht auf der südlichen Mars-Hemisphäre ein, was bedeutet, dass die Sonne in einem immer flacheren Winkel auf die sowieso schon völlig eingestaubten Solarzellen des Rovers strahlt. Um diesen flachen Einfallswinkel zu kompensieren, versuchen die Wissenschaftler auf der Erde den Rover auf einen nach Norden ausgerichteten Abhang zu steuern. Dabei fährt der Rover in einen sandgefüllten Mikrokrater und bleibt stecken. Ein Wettlauf mit der Zeit beginnt: Wird es dem Team gelingen, den Rover aus der Falle zu befreien, bevor die Sonne so flach steht, dass er "erfriert"? Das ist der Stoff, aus dem die Albträume der Wissenschaftler am JPL gemacht sind.
Das zweite Video ist genauso nervenaufreibend. Es zeigt, wie sich Opportunity in einer Sanddüne fest fährt, was zuerst keiner merkt, um dann mühsam den "Rückwärtsgang" zu suchen.
Ich liebe diese Art Wissenschaft in kleine spannende Geschichten zu verpacken und ich hoffe sehr, dass die komplette Dokumentation mal auf DVD zu haben sein wird. Wenn ich sie finde, werde ich hier davon berichten.

Auf youtube gibt es übrigens auch schon einen Ausschnitt aus der Dokumentation zu sehen:


(Mehr zu dem Film und weitere Ausschnitte gibt es hier: collectspace.com)
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