Neue Hürde genommen: Charon gehört nun den "Amateuren"

(Credit: Coelum Astronomia: www.coelium.com)
Es ist erstaunlich, was heute in der so genannten "Amateur"-Astronomie alles möglich ist; gerade ich als "Lehnstuhlastronom" bin da stark beeindruckt. Einem italienischen Team von Hobby-Astronomen gelang es nun, das Gespann Pluto-Charon optisch zu trennen, also mit anderen Worten den Plutomond Charon zu beobachten. Die Aufnahme links gelang Antonello Medugno mittels einem Schmidt-Cassegrain-Teleskop mit 36 cm Öffnung, einer Starlight Xpress SXV-H9 CCD-Kamera und einem R-IR-Breitband-Filter. Das Bild wurde aus 21 Aufnahmen mit jeweils 6 Sekunden Belichtungsdauer zusammengesetzt.
Wie die Grafik rechts veranschaulicht entsprach der Abstand des Plutomonds Charon zum Pluto zum Zeitpunkt der Aufnahme 0,7 Winkelsekunden, das entspricht der Größe einer Euromünze aus fast sieben Kilometern Entfernung! Die maximale Winkelentfernung von Pluto und Charon beträgt 0,9 Winkelsekunden. Der mittlere Bahnradius von Charon beträgt 19600 Kilometer.

Der Plutomond Charon wurde 1978 von James Christy entdeckt. Dieser Profiastronom wertete Aufnahmen eines Teleskops mit 1,5 Metern Öffnung aus, auf denen Charon wie eine Beule aussah, die sich um Pluto bewegt. Die Teleskope des italienischen Amateur-Teams haben zwar eine weitaus geringere Öffnung, doch insbesondere der Fortschritt in der Elektronik macht dies gegenüber den Möglichkeiten des James Christy von 1978 mehr als wett.

Charon hat einen Durchmesser von 1200 Kilometer und ist damit im Vergleich zu Pluto, dessen Durchmesser 2500 Kilometer misst, ein sehr großer Mond. Charon zeigt Pluto nicht nur immer dieselbe Seite, so wie wir das von unserem Mond kennen, vielmehr ist auch seine Umlaufperiode mit der Tageslänge auf Pluto synchron. Daher steht Charon am Plutohimmel immer an derselben Stelle. Wer auf Pluto wohnt entdeckt also Charon entweder sofort oder nur nach Umzug auf die andere Hemisphäre - egal ob Profi oder Amateur.
(Quelle: Coelum Astronomia)
Webnews

Neue Horizonte: Wo noch nie eine Sonde gewesen

Welche Grußbotschaft an Außerirdische soll man einer Raumsonde mitgeben? Es wäre doch schade, wenn ein von Menschenhand gemachtes Fluggerät von Aliens abgefangen wird und dann nichts über die Erbauer zu erfahren ist. Man mag über den Sinn dieser Frage denken wie man will, aber darüber nachzudenken, was man solch einem irdischen Botschafter mitgeben soll ist schon reizvoll. Berühmt ist die hier abgebildete Plakette von Pioneer 10, der Raumsonde, die 1972 startete und als erstes von Menschenhand erschaffene Gerät den Asteroidengürtel durchquerte: hinaus aus der Welt der terrestrischen Planeten, zum Rand des Sonnensystems.

Seit 2006 ist die Raumsonde New Horizons der NASA unterwegs. Sie ist auf dem Weg zu Pluto. Gestartet zum letzten noch nie von einer menschlichen Sonde besuchten Planeten wird sie 2015 beim Prototyp eines Zwergplaneten ankommen. Kein Wunder, dass der Chef-Wissenschaftler dieser Mission, Alan Stern, zu den Kritikern des "Prager Planetensturz" gilt. Mit der Herabstufung Plutos zum Zwergplaneten ist auch New Horizons keine Planetenmission mehr. Das Wort "ankommen" trifft es aber auch nicht richtig, denn New Horizons schwenkt im Jahr 2015 nicht in eine Umlaufbahn um Pluto ein, sondern schießt im rasenden Vorbeiflug Bilder von Pluto, Charon, Nix und Hydra - Minuten, die darüber entscheiden, ob sich das jahrzehntelange Warten gelohnt hat. Alan Stern findet ein schönes, persönliches Bild für diese lange Wartezeit: Als er zum ersten mal an dieser Mission arbeitete, war seine Tochter ein zweijähriges Kleinkind. Wenn New Horizons Pluto erreicht, wird sie 28 Jahre alt sein.

Natürlich hat sich auch das Team um New Horizons Gedanken gemacht, welche Botschaften man dieser Sonde mitgeben könnte. Allerdings haben sie dies lange geheim gehalten, bis vor wenigen Tagen, als die Raumsonde ihr tausendtägiges Jubiläum im All feierte. Nun wissen wir also, welche menschlichen Spuren die Sonde mit sich führt:

  1. Einen Teil der Asche von Clyde Tombaugh, dem Entdecker von Pluto
  2. Die “Send Your Name to Pluto”-CD-ROM, mit 434000 Namen drauf
  3. Eine CD-ROM mit Bildern des New Horizons -Team
  4. Ein Vierteldollar aus Florida, um den Bundesstaat zu ehren, in dem die Sonde startete
  5. Ein Vierteldollar aus dem Bundesstaat Maryland, dort wurde die Sonde gebaut
  6. Ein Stück von SpaceShip One, dem ersten rein privaten Raumschiff
  7. Eine Flagge der USA
  8. Noch 'ne Flagge der USA
  9. Eine Briefmarke aus dem Jahre 1991 mit dem Aufdruck “Pluto: Not Yet Explored”
Nun, was soll man davon halten? Anders als die wunderbar kryptische Pioneer 10 Plakette mit den beiden hübschen, stilisierten Menschen steht diese Auswahl nicht mehr für die Menschheit als Ganzes. Neben der obligatorischen Verneigung vor der eigenen Nation verewigen sich hier vor allem Einzelpersonen. Ist das ein Zeichen, wie sich der Geist der Raumfahrt seit Pioneer 10 gewandelt hat oder überbewerte ich das?
(Quelle: Homepage von New Horizons)

Dünne Suppe um Galilei

Im Studium Generale an der Universität Heidelberg startete heute die Vortragsreihe Galileis erster Blick durchs Fernrohr und die Folgen heute. Gerade komme ich vom Auftaktvortrag eines Herrn Professor Schmidt-Biggemann mit dem Titel "Galileo Galilei - ein Revolutionär?". Ich muss leider sagen, das war schon eine ziemlich dünne Suppe. Es ist bei mir eine Weile her, dass ich das letzte mal in einem Hörsaal saß, doch heute Abend habe ich mich wieder daran erinnert, warum ich das schon früher nur ungern getan habe. Da stottert sich der Dozent durch die beiden hauptsächlichen Weltsysteme, als ob das Publikum darüber nicht schon längst bescheid wüsste, nur um dann festzustellen, dass ihm die Zeit davon läuft. Also wird noch schnell angefügt, dass das Revolutionäre an Galilei gewesen sei, dass er die Mechanik in den Himmel gehoben hätte - irgendwie. Naja, ich hoffe die weiteren Vorträge dieser Reihe sind etwas gehaltvoller. Ich weiß auch nicht, wie das restliche Publikum den Vortrag gesehen hat, aber der Zuhörerschwund war doch nicht unerheblich. Im Kino habe ich so einen Schwund nur einmal erlebt, nämlich bei Helge Schneiders "Texas" (ich bin geblieben, ich fand den Film ganz okay).

Was mich aber am meisten ärgert ist, dass in Deutschland Professoren völlig ungeniert einen öffentlichen Vortrag über Galileo Galilei halten, ohne einmal ein Bild von ihm und seinem Teleskop zu zeigen. Steht es so schlimm um die didaktischen Fähigkeiten unserer Hochschullehrer? Ich erwarte ja keinen multimedialen Vortrag, aber zusammen mit der sprachlichen Behäbigkeit, zeigt dieses Versäumnis, wie wenig Gedanken sich der Dozent macht. Ich musste unwillkürlich an Peter Handkes Versuch über die Müdigkeit denken: "Nie habe ich von der Sache so unbeseelte Menschen erlebt wie jene Professoren und Dozenten der Universität." Heute Abend war diese Müdigkeit wieder greifbar. Jeder Hobbyastronom hätte einen besseren Galilei-Vortrag halten können.

Warum mich das so wütend macht? Florian Freistetter hat für seinen Blog Astrodicticum Simplex einen gewagten Selbstversuch unternommen, indem er einen Vortrag der etwas anderen Art besuchte: Erich von Däniken: Götterdämmerung. So wirr die Gedanken eines Däniken sein mögen, ich bin überzeugt, sein Vortrag war wesentlich beseelter und aufregender als der "wissenschaftliche" Vortrag, dem ich heute beiwohnen musste. Da darf man sich nicht wundern, wenn die Leute lieber für Däniken Eintritt zahlen als sich ins kostenlose Studium Generale zu begeben.

Wie gesagt, ich gebe dieser doch an sich gut gemeinten Vortragsreihe noch ein oder zwei Chancen. Es wird sich sicherlich irgendwo Fleisch in der Suppe finden.

Übrigens, es geht auch ganz anders: Was war das für ein Ereignis, als Brian Greene im Deutsch-Amerikanischen-Institut in Heidelberg über die Stringtheorie vorgetragen hat! Der Saal war gerammelt voll, es war mucksmäuschen still, die Leute hingen an Mister Greenes Lippen (und das auf englisch), aus dessen Augen die Strings und Branen leuchteten und der seinen Vortrag mit instruktiven Animationen untermalte, um danach mit besten Ostküstencharme selbst die abwegigsten Fragen zu beantworten. Ach armes Deutschland hättest Du nur einen einzigen solchen Dozenten!

Enceladus: Kleiner Mond ganz groß!

(Credit: NASA/JPL-Caltech)

Seit Juli 2004 untersucht die Raumsonde Cassini das Saturnsystem. Nach einer fast siebenjährigen Reise und einer Flugstrecke von 3,5 Milliarden Kilometern erreichte die omnibusgroße Raumsonde den Gasriesen, der noch bis zum Jahre 1783 den äußeren Rand unseres Sonnensystems markierte. Denkt man an Saturn, fallen einen natürlich zuerst die berühmten Ringe ein und vielleicht noch der riesige Mond Titan. Mit seinem Durchmesser von 5150 Kilometern ist Titan größer als der Planet Merkur und nach dem Jupitermond Ganymed der zweitgrößte Mond in unserem Sonnensystem. Äußerst bemerkenswert ist außerdem seine dichte Atmosphäre. Die auf Cassini mitgereiste Sonde Huygens landete im Januar 2005 auf Titan.

Als heimlicher Star der Cassini/Huygens-Mission entpuppt sich aber zunehmend der kleine Eismond Enceladus. Anders als der gewaltige Titan bringt es Enceladus lediglich auf einen Durchmesser von 500 Kilometern mit einem Hauch einer Atmosphäre, doch seine Oberfläche zeigt erstaunliche Strukturen und deutliche Anzeichen von Aktivität. Mehrmals schon flog Cassini nahe an dieser eisigen kleinen Welt vorbei - bis auf gerade mal 25 Kilometer Abstand zur Oberfläche ( 09. Oktober 2008)! Dabei wurden die Tigerstreifen genannten Grabenbrüche entdeckt, die sich über den Südpol ziehen und als Quelle von Kryovulkanismus gelten; dabei schleudert Enceladus feine Eispartikel von seiner Oberfläche, die den E-Ring des Saturnringsystems speisen.

Auf der Internetseite der Zeitung The Boston Globe findet sich eine grandiose Bildersammlung mit informativen Bildunterschriften: Enceladus up close

Ich kann jedem nur empfehlen, sich diese Bilderserie mal anzuschauen. Bilder von einer eisigen fremden Welt, die Teil unseres Sonnensystems ist und die wir doch gerade erst zu entdecken beginnen.

Hawking gibt auf


Dem berühmten britische Astrophysiker Stephen Hawking droht der Ruhestand. Im Januar wird er 67 und somit altersbedingt emeritiert. Er räumt den Lucasischen Lehrstuhl für Mathematik an der Universität Cambridge. Dieser simple Sachverhalt ist den meisten Medien im Netz eine Meldung wert. Zum Beispiel titelt Welt Online: Hawking gibt berühmten Lehrstuhl an Universität Cambridge auf, als würde da nicht ein älterer Herr in den verdienten Ruhestand gehen, sondern ein Schachspieler dem drohenden Schachmatt zuvorkommen - eine Partie gegen den Schöpfer persönlich, so wie es sich für einen Astrophysiker gehört.

Was macht die Faszination von Stephen Hawking aus? Das hier abgebildete neue Buch von Rüdiger Vaas will uns "Die Welt des Genies - für jeden verständlich" machen, wie es der Untertitel verspricht. Was aber hat ein "Genie" in der modernen Naturwissenschaft überhaupt zu suchen? Da steht ein einzelner Mann im Rollstuhl für das Ringen um Erkenntnis, während an Orten wie dem CERN tausende Physiker an ihren Experimenten arbeiten und bei der ESO in Chile Astronomie im industriellen Maßstab betrieben wird und dies weitestgehend ohne namentliche Nennung der vielen beteiligen Personen. Entsteht die naturwissenschaftliche Weltsicht nicht eher kollektiv an solchen Orten und ihren angeschlossenen Instituten, als im Kopf eines einzelnen naturwissenschaftlichen Büroarbeiters?

In der Literaturgeschichte markiert der Geniebegriff die Abgrenzung zur bloß vernünftigen Literatur der Aufklärung. Die Stürmer und Dränger um die noch jungen Schriftsteller Johann Wolfgang Goethe und Friedrich Schiller wollten die Natur nicht mehr nur beschreiben, sie wollten ihre dynamische Schöpfungskraft nachahmen, um so Neues zu erschaffen. Auch der Wissenschaftler als Genie ist kein kleinbürgerlicher Datensammler und Erbsenzähler, sondern eine faustische Gestalt, die in seiner einsamen Kammer ein Weltgebäude entwirft. Die Verneinung der Körperlichkeit verstärkt dieses Bild nur noch: Lebte das Genie Albert Einstein ein durchaus sympathisches Desinteresse für Äußerlichkeiten vor, ist es bei Stephen Hawking eine ernste und schwere Erkrankung (amyotrophe Lateralsklerose), die seinen Geist im Körper gefangen hält. Einstein und Hawking inszenieren sich - und werden von den Medien inszeniert - als Menschen, deren einzig mögliche Existenzform der rein gedankliche Weltbildentwurf ist. So hält das Genie in der Wissenschaft Einzug, aber welchen Wert hat es wirklich für die Wissenschaft?

Albert Einstein konnte tatsächlich noch von seinem Arbeitszimmer aus die Physik revolutionieren, der Geniekult um Stephen Hawking scheint mir hingegen eher eine antiquierte Sehnsucht des Publikums nach dem Genie zu sein: Der körperlose Geist, der mit der Welterklärung ringt und das Publikum in Form des Bestsellers "Eine kurze Geschichte der Zeit" daran teilhaben lässt. Stephen Hawking erzählt darin vom Aufbau der Welt und das wissenschaftlich kaum vorgebildete Publikum glaubt, er hätte sie selber so entschlüsselt.
Für die Medien wird Stephen Hawking zur Ikone des nach Erkenntnis strebenden Wissenschaftlers, der alle anderen fleißigen und klugen Physiker in den Schatten stellt. Journalisten, wie der Buchautor Rüdiger Vaas, benötigen dieses "Story Telling", denn wenn man dem Publikum nur schwer die Inhalte der modernen Astrophysik vermitteln kann, so hört es doch wenigstens gerne die tragische Geschichte von dem tapferen Mann im Rollstuhl. Diese Personifizierung in der Beschreibung des wissenschaftlichen Voranschreitens gleicht dem der Sportjournalisten, wenn diese den Sieg einer Mannschaft mit ein oder zwei herausragenden Spielern begründen. Es ist schon richtig, ein genialer(!) Pass eines Fußballspielers kann ein Spiel entscheiden, dennoch ist Fußball ein Mannschaftssport und kein Spieler kann für sich alleine reklamieren gewonnen zu haben.

Wenn Stephen Hawking nun in den Ruhestand geht, ist das meines Erachtens keine Meldung wert. Er ist kein Genie, weil das "Genie Hawking" ein mediales Konstrukt ist. Stephen Hawking ist ein Mensch, der trotz sehr schwerer Erkrankung seinen Weg geht und sicherlich nicht aufhört zu denken, nur weil er emeritiert wird - dafür hat er unsere Hochachtung wirklich verdient.

(Das Buch von Rüdiger Vaas "Hawkings neues Universum" ist bereits im Buchhandel erhältlich. Mehr Information zum Inhalt findet sich zum Beispiel hier.)

Eine gute Show: Nachtrag zu den Orioniden

Der diesjährige Orioniden-Meteorschauer viel besonders kräftig aus. Mit einer Zenitstundenrate (ZHR) von 40 Meteore pro Stunde waren besonders viele dieser Sternschnuppen zu sehen (mehr Details dazu : Orionids 2008: visual data quicklook) . Laut Wikipedia erreichen die Orioniden nur eine ZHR von 23. Allerdings war die ZHR auch schon in den letzten Jahren erhöht, 2007 lag sie bei deutlich über 60. Der Meteorstrom der Orioniden ist mit dem Halley'schen Kometen assoziiert und es scheint so, als durchläuft die Erde seit ein paar Jahren einen Bereich dieses Meteorstroms, an dem der Komet besonders viel Staub verloren hat. Man darf also auf nächstes Jahr gespannt sein.

Mit einem Froschlinsen-Teleskop, das am Marshall Space Flight Center in Huntsville, Alabama aufgebaut ist um eigentlich Feuerkugeln (Boliden) automatisch zu erkennen, gelang eine sehr schöne Zeitaufnahme: Orioniden, GIF 2 MB. Der helle Punkt ist der Halbmond, siehe dazu auch die Karte im ersten Posting: Orioniden: Meteorschauer für Frühaufsteher. Wer so ein Teleskop hat, muss natürlich nicht früh aufstehen.
(Quelle: spaceweather.com)

Das gewaltige Doppelherz von Gum 29

Credit: ESO

Heute veröffentlich die europäische Südsternwarte ESO dieses fasziniernde Bild der Sternentstehungsregion Gum 29. Die Aufnahme gelang mit dem 2,2-Meter-Max-Planck/ESO-Teleskop auf La Silla in Chile. Die rötliche Farbe stammt von leuchtenden Wasserstoff-Gas. Der Wasserstoff wird durch die UV-Strahlung der jungen heißen Sterne ionisiert. Bei der Rekombination von Elektronen und Protonen entsteht diese charakteristische Farbe, die einer Wellenlänge von 656 Nanometern entspricht. Da ionisierter Wasserstoff in der astronomischen Notation als HII bezeichnet wird, nennt man solche Himmelsobjekte auch HII-Regionen. Neben dem Gas sind auch dunkle Staubstrukturen erkennbar. Diese Strukturen bilden das Baumaterial, aus dem die Sterne in Gum 29 entstehen. Der gewaltige Gasnebel hat eine Ausdehnung von über 200 Lichtjahren.
Die merkwürdige Bezeichnung Gum geht übrigens auf den australischen Astronomen Colin Stanley Gum (1924-1960) zurück, der solche Emissionsnebel katalogisierte. Mehr zu Gum 26 und andere Objekte des Gum-Katalogs, sowie des neueren RCW-Katalogs findet man auf der Seite Galaxy Map.

Mitten in dieser Sternregion schlägt ein gewaltiges Herz: Ein Doppelsternsystem, bestehend aus zwei Giganten mit 82 und 83 Sonnenmassen, die sich dort in gerade einmal 3,7 Tagen einander umkreisen. Die beiden Sterne bilden so eines der massereichsten Doppelsternsysteme. In dem vergrößerten Ausschnitt ist das System markiert. Natürlich erscheint das Doppelsternsystem auf dieser Aufnahme wie ein einziger Stern, denn die beiden Komponenten stehen zu dicht zusammen, um sie in dieser Aufnahme zu trennen.

Die beiden Sterngiganten sind sogenannte Wolf-Rayet-Sterne. Das bedeutet insbesondere, dass sie sehr heiß sind und beide einen starken Sonnenwind produzieren. Bei dem Sonnenwind handelt es sich um Teilchen, die von den Sternen abströmen. Da die beiden Sterne sich auf einer engen Umlaufbahn gegenseitig umkreisen, kollidieren ihre Teilchenwinde. Dieses Ereignis ist so energiereich, dass man es im Röntgenbereich nachweisen kann.
In Gum 29 umkreisen sich also zwei Sterne mit gewaltiger Masse, deren Sternenwinde heftig aufeinander prallen. Ein wahrlich gewaltiges Doppelherz!
(Quelle: ESO)

Orioniden: Meteorschauer für Frühaufsteher


Credit: spaceweather.com

Wer es schafft oder schaffen muss, schon so um fünf Uhr morgens aufzustehen, sollte einen Blick auf das Sternbild Orion werfen, das um diese Uhrzeit hoch im Süden steht. Dort kann der Frühaufsteher Meteore beobachten, denn im Sternbild Orion liegt der Radiant der Orioniden, etwas diffus zwischen Betelgeuse im Orion und Gamma Geminorum (Alhena) im Sternbild Zwillinge. Dieser Meteorschauer geht auf den Kometen Halley zurück: Die Erde kreuzt auf ihrer Bahn derzeit die Bahn des Halley'schen Kometen und kollidiert mit den Teilchen, die dem Kometen entstammen. Auf unserer Reise mit der Erde um die Sonne fliegen wir durch diesen Teilchenschwarm, die in der Erdatmosphäre leuchtend verglühen. Es sieht dabei so aus, als strahlen alle Meteore von einem Punkt am Himmel aus, dem Radianten. Dieser perspektivische Eindruck entsteht analog einer Fahrt durch einen Schneesturm, bei dem alle Schneeflocken von einem Punkt auszugehen scheinen oder um einen noch einfacheren Vergleich zu bemühen: die beiden parallelen Stränge eines Bahngleises laufen Richtung Horizont zu einem Punkt zusammen.
Die aktuellen Sichtungen der Orioniden können auf der Seite Orionids 2008:visual data quicklook verfolgt werden. Auf dieser Seite können Beobachter aus aller Welt ihre Beobachtungen eintragen. Der letzte Stand war bei 35 ZHR, das bedeutet, dass man 35 Meteore pro Stunde beobachten könnte, wenn der Radiant des Meteorschauers im Zenit (also über Kopf) stehen würde. ZHR steht für Zenitstundenrate (engl.: Zenithal Hourly Rate). Die ZHR gibt also den Idealfall an. In Wirklichkeit beobachtet man momentan also weniger als 35 Meteore der Orioniden. Mit dieser ZHR dürfte der Meteorschauer gerade sein Maximum erreichen, also lohnt sich das frühe aufstehen am Dienstagmorgen ganz besonders. Blöd nur, dass der noch mehr als halbvolle Mond auch in den Zwillingen steht.
(Quelle: spaceweather.com)

Lichtverschmutzung: Die Ästhetik des Grauens


Zum leidigen Thema Lichtverschmutzung habe ich im Lichtecho bereits gepostet: Schimmelnde Kontinente - Lichtverschmutzung verkehrt. Auch in den Blogs Clear Skies und Himmelslichter wird darüber regelmäßig berichtet.

Auf der amerikanischen Webseite des Magazins National Geographic ist nun eine beeindruckende Bildergalerie des Fotografen Jim Richardson zu sehen. Die hervorragenden Bilder zeigen, wie die "zivilisierte" Menschheit sich selbst um das Naturerlebnis Nachthimmel bringt: Our Vanishing Night und sich stattdessen in einen nächtlichen Leuchtwaberdunst einhüllt. Den zugehörigen Artikel kann man ebenfalls bei National Geographic nachlesen (allerdings auf englisch): Light Pollution Der Artikel gehört zum Novemberheft von National Geographic.

Und nun aufgepasst:


Auf der Webseite zur deutschen Ausgabe von National Geographic können die Leser für das Dezemberheft noch das Cover wählen und hier steht das Thema Lichtverschmutzung zur Auswahl. Am besten also mal hier vorbeischauen und für diese Cover-Variante abstimmen. So kommt das leidige Thema zumindest im Kiosk mal nach vorne.

Mondlandung auf französisch

Zwischendurch mal wieder was zum Lachen: Der französische Extremkomiker Remi Gallard präsentiert seine Version der Mondlandung und geht dabei zwei Golfspielern ziemlich auf die Nerven. Ich finde es lustig, vor allem auch wegen des französischen Funkverkehrs.



P.S.: Der gestern gestarteten Sonde IBEX scheint es laut NASA gut zu gehen:
After a smooth countdown and climb toward space, NASA's IBEX spacecraft is in orbit

IBEX: Eine Karte vom Rand des Sonnensystems

Credit: NASA/VAFB

Heute startete die NASA auf eine eher ungewöhnliche Art und Weise ihren Forschungssatelliten IBEX. Wie auf dem Bild oben zu sehen, wurde der Satellit in einem Pegasus XL genannten Startvehikel untergebracht, das mit einem Flugzeug vom Kwajalein Atoll aus in die Luft gebracht wurde. Dieses Atoll gehört zu den Marshall Inseln und ist durch seine Lage nahe am Äquator für Raketenstarts besonders geeignet.
Die dreistufige, horizontal vom Flugzeug aus startende Rakete Pegasus XL brachte zusammen mit dem eigenen Antrieb von IBEX diesen Satelliten auf eine Höhe von über 300.000 Kilometern. Dort soll IBEX alle sechs Monate lang den Rand unseres Sonnensystems kartographieren. Das Akronym IBEX steht für Interstellar Boundary Explorer. Es handelt sich um einen eher kleinen Satelliten, von der Größe eines LKW-Reifens. An den schmalen Seiten ist er mit zwei gegenüberliegenden Detektoren ausgestattet. Diese messen die Energie und Masse von einfallenden hochenergetischen neutralen Atomen (ENAs).
Dabei ist einer der Detektoren für Teilchen mit einer kinetischen Energie von 10eV-2 keV, der andere für 300 eV bis 6 keV ausgelegt. Da IBEX rotiert überstreichen die beiden Detektoren innerhalb von sechs Monaten den gesamten Himmel. So lässt sich eine Karte generieren, die zeigt, wie sich die Energie der Atome räumlich verteilt. Die Atome selbst entstammen einem Bereich jenseits der Plutobahn. Ihre Flugzeit bis ins Innere des Sonnensystems beträgt zwischen einen Monat und bis zu elf Jahre.

Wo aber ist der Rand des Sonnensystems?

Wo endet die Herrschaft unserer Sonne und beginnt der interstellare Raum? Ist die Gravitation nicht eine Fernwirkung mit unendlicher Reichweite und strahlt nicht auch das Sonnenlicht unendlich in den Raum hinaus, wenn auch immer weiter verdünnt? Was also markiert die Grenze?

Von unserer Sonne geht ein beständiger Teilchenstrom aus, der sogenannte Sonnenwind. Dieser Sonnenwind besteht im wesentlichen aus Protonen und Elektronen und erzeugt eine Blase im interstellaren Medium, die Heliosphäre. Als Grenze unseres Sonnensystems kann man nun den Rand dieser Heliosphäre bezeichenen, der Ort also, in dem der Sonnenwind auf die interstellaren Materie trifft.

Credit: NASA GSFC

Die Skizze oben verdeutlich, dass diese Heliosphäre strukturiert ist. Der Heliopause genannte, circa 100 Astronomische Einheiten entfernte Rand der Heliosphäre ist vermutlich stark asysmmetrisch geformt, ähnlich der Magnetosphäre eines Planeten. Entlang der Bewegungsrichtung der Sonne im interstellaren Medium wird die Heliopause verformt und eine Stoßfront ausgebildet ("Bow Shock" in der Skizze oben). In diesem Bereich wird das interstellare Medium beim Auftreffen auf den Sonnenwind stark abgebremst und muss sich seinen Weg um die Heliopause suchen. Eine weitere Stoßfront findet sich innerhalb der Heliopause: In einem kugelsysmmetrischen Bereich wird hier der Sonnenwind auf Unterschallgeschwindigkeit abgebremst ("Termination Shock" in der Skizze). Wie die Heliospäre nun wirklich strukturiert ist, soll das Energiespektrum der Atome verraten, die aus diesen Regionen stammen und nun sechs Monate lang von IBEX eingefangen werden.

Zum Zeitpunkt dieses Beitrags ist die Sonde bereits erfolgreich gestartet. Wollen wir hoffen, dass sie dabei intakt geblieben ist und ihre endgültige Umlaufbahn erreicht.

Übrigens: Um den störenden Einfluss des Erdmagnetfelds zu entgehen, muss IBEX eine enorm hohe Umlaufbahn erreichen, nämlich in etwa 5/6 des Weges zum Mond. IBEX startet also per Flugzeug von einem Pazifik-Atoll aus zu einer Reise bis fast zum Mond.

(Quelle: NASA/ibex)

Das Blog-Teleskop Nr. 11

Nein, das ist kein Radioteleskop! Diese Schüssel fängt regelmäßig die letzen Beiträge deutschsprachiger Blogs zur Astronomie ein. Mobil ist es auch noch und steht daher heute im Lichtecho.

Was hat sich in letzter Zeit in der Blogosphäre so getan?

  • Florian Freistetter setzt sich im Astrodicticum Simplex einem gefährlichen Selbstversuch aus! Für seine Leser besucht er eine ganz besondere Veranstaltung: Erich von Däniken: Götterdämmerung und erzählt uns, wie er sie überstanden hat. Ich frage mich, wie man das überhaupt bis zum Schluss durchhalten kann. Zuvor hat Florian sein halbjähriges Blogerdasein gefeiert. Was dabei alles zusammen gekommen ist, sortiert er selbst hier. Neben rein astronomischen Themen kommentiert Florian in seinem Blog auch allerlei drumherum, was Forschungspolitik und Medien anbelangt. So zum Beispiel die Nöte der Doktoranden, das Fernesehen und der MRR-Eklat, das Fernsehen und die Sendung mit der Maus und schließlich anders Fernsehen: Supernova ein interessantes studentisches Astro-TV-Projekt. Zur "spitzen Feder" greift Florian, wenn es um falsche Vorstellungen über die Kosten der Forschung geht: Wissenschaft ist teuer? Unsinn! und um Pseudowissenschaften, wie in: Die Finanzkrise und die Astrologie. Natürlich findet sich bei Florian nicht nur Däniken und die Astrologie wieder, sondern vor allem handfeste astronomische Themen: Aufregende Bilder vom Saturn, dem neuen Kaffee-Planeten ;-), kollidierende Galaxien und als besonders Highlight: Der Asteroid, der mit der Erde kollidierte.
  • Bei den ScienceBlogs in Florians Nachbarschaft, quasi Hinterm Mond gleich Links ;-), bloggt Ludmila Carone. Sie hat sich die Mühe gemacht, den Nobelpreis für Physik einigermaßen verständlich aufzudröseln, um dann gleich von der angesäuerten Reaktion eines nicht berücksichtigten italienischen Mit-Physikers zu berichten. Gleich zweimal hatte Ludmila "Heimspiel" und konnte von ihrer Arbeit aus der Planetenforschung berichten: Da war einmal die Sache mit dem merkwürdigen Exoplaneten Corot-Exo-3b, ein Exoplanet mit den physikalischen Eigenschaften von Darth Vaders Todesstern - sie berichtet über ihn hier und hier - und dann war da noch die Vermessung der Masse des Marsmond Phobos: Marsmond Phobos im Vorbeigehen gewogen. Der Vorbeiflug der Raumsonde MESSENGER am 6. Oktober am Merkur ist ihr auch nicht entgangen, insbesondere die Kraterstrahlen auf dem Merkur haben es ihr angetan. Bei all dem hat sie die irdischen Probleme nicht aus den Augen verloren, sei es Quallen-Sex oder kuriose Spam.
  • Helmut Dannerbauer berichtet in seinem Blog Galaxienentwicklung über den außergewöhnlich hellen Gammastrahlen-Ausbruch GRB 080319b.
  • Ebenfalls bei den Kosmologs angesiedelt ist der Blog Himmelslichter von Jan Hattenbach. Jan hat sich sehr intensiv mit dem ernsten Problem der Lichtverschmutzung befasst. In zwei Beiträgen schreibt er vom Versuch, das Thema zum Gegenstand in den Parlamenten von Bund und Ländern werden zu lassen. Wenn auch nicht ermutigend, so sind die Beiträge doch sehr informativ: hier und hier. Ermutigend war es hingegen, dass der Asteroid 2008 TC3 nicht von der Kategorie Dino-Killer war und noch vor dem Eintritt in die Erdatmosphäre entdeckt wurde. Jan berichtet ausführlich in seinem Beitrag: Ein Blitz am Morgenhimmel.
  • Die freie Astronomin Susanne M. Hoffmann stellt in ihrem Blog Uhura Uraniae die Frage nach dem Wesen der Astronomie. Wenn ich sie richtig verstehe, ist ihr die Astronomie zu technisch, insbesondere in der Außendarstellung. Sie sollte aber auch Geisteswissenschaft sein um den Menschen Anregungen für die Daseinsfragen zu geben. Ein interessanter Beitrag, den ich gerne empfehle.
  • Naiv wie ich bin, sehe ich in der Frage nach den Aliens eine Verbindung zwischen Astrophysik und Daseinsfragen. Stefan Oldenburg liefert in seinem Beitrag Extraterrestrisches Leben die wichtigsten Stichpunkte. Na dann: Allzeit Clear Skies!
  • Der Nobelpreis für Physik ist auch Thema bei Andreas Müller. In seinem Blog Einsteins Kosmos greift er gerne Themen aus der physikalischen Grundlagenforschung auf. Da lohnt es sich hier seinen Beitrag zum Nobelpreis zu lesen!
  • Gut, dass die Blogosphäre einen Michael Khan hat! In seinem Blog Go for Launch (nein, nicht Lunch!) berichtet er sehr kompetent über Raumfahrt und stellt auch die wichtigen Fragen: Lohnt sich die Hubble-Wartungsmission?
  • Von seinen Beobachtungen und eigenen Beobachtungsprojekten berichtet Frank Leitner in Asterythms, zuletzt von seiner Suche nach Deep-Sky-Objekten im Pegasus-Quadrat. Ich bin gespannt, auf seine Dokumentation.
  • Last but not least lohnt sich immer ein Blick in den Blog News rund um das Internationale Jahr der Astronomie 2009 Daniel Fischer bleibt am Ball und berichtet zuletzt, wie das Jahr der Astronomie in Deutschland eröffnet wird. Mehr dazu gibt es hier zu lesen.
Es ist spät geworden, die Astronomieblog-Sammelschüssel baue ich nun wieder ab, mit dem mulmigen Gefühl irgendjemanden vergessen zu haben. Wer hätte das Blog-Teleskop gerne als nächstes? Am besten bei Florian melden, da hat das Blog-Teleskop seine Garage: Blog-Teleskop auf Astrodicticum Simplex.

Ein richtig heißer "Hot Jupiter"

Illustration: ESA/C Carreau

Im Jahre 1995 wurde der erste Planet um einen fernen Stern nachgewiesen, doch schon heute sind über zweihundert dieser Exoplaneten bekannt (siehe auch: http://exoplanets.org/). Eine Gruppe dieser fernen Planeten gibt dabei besondere Rätsel auf: Heiße Jupiter. Hierbei handelt es sich um Gasriesen vom Format unseres Jupiters, die ihren Stern allerdings in viel geringerer Distanz umkreisen, als dies Jupiter tut. Dieser ist fünf mal so weit von der Sonne entfernt, wie unsere Erde und benötigt so für einen Umlauf um die Sonne knapp zwölf Jahre. Seine wortwörtlich fernen Verwandten kommen ihren Mutterstern aber so nahe, dass sich ihre Umlaufdauer in mehreren Tagen(!) bemisst. Dabei ist dank ihrer großen Nähe zum Zentralgestirn ihre Atmosphäre enorm aufgeheizt, daher rührt die Bezeichnung heißer Jupiter.

Die enge Umlaufbahn dieser heißen Jupiter führt dazu, dass sie der Transitmethode bevorzugt ins Netz gehen. Hierbei messen Astronomen die Helligkeit der Sterne über einen längeren Zeitraum (man spricht von der Lichtkurve des Sterns). Fällt die Lichtkurve periodisch ab, kann man davon ausgehen, dass ein Planet den Stern verdunkelt. Die Skizze verdeutlicht das Prinzip:


Die Skizze entstammt der Internetseite zum Projekt SuperWASP. In diesem britisch-spanischen Projekt vermessen Astronomen mit zwei automatischen Teleskopen - jeweils auf der Nord- und der Südhalbkugel eines - Lichtkurven. Das Akronym Super WASP steht für Super Wide Angle Search for Planets.

Dem Team gelang nun die Entdeckung eines heißen Jupiters, der noch enger um seinen Mutterstern kreist, als man es bisher für möglich hielt. Der 1,8 Jupiterradien große Exoplanet WASP-12b benötigt für einen Umlauf gerade mal 1,1 Erdtage! Damit kommt er seinem Stern so nahe, dass er sich extrem aufheizt: Die Astronomen schätzen seine Entfernung zum Zentralgestirn auf 0,0208 AE, also weniger als ein Vierzigstel der Entfernung Sonne-Erde. Die Temperatur der oberen Atmosphäre schätzen sie zu 2500 Kelvin, vergleichbar heiß wie ein Stern vom Spektraltyp M.
WASP-12b ist also der bisher heißeste und "schnellste" Exoplanet.

Heiße Jupiter können nicht so nahe an ihrem Zentralgestirn entstehen. "Wenn diese Planeten entstehen und nach Innen zu ihrer Sonne wandern, stoppt sie irgendetwas, so dass sie meist bei einer Umlaufdauer von 3 Tagen ihre Wanderung beenden", sagt Leslie Hebb von der University of St Andrews, UK und fährt fort: "Ich war überrascht, dass diese Umlaufdauer um so vieles kürzer sein kann." Das Super WASP-Team will nun durch Beobachtungen im UV-Bereich die heiße Atmosphäre von WASP-12b direkt beobachten. So könnte man zum Beispiel erforschen, ob der Planet unter diesen Bedingungen überhaupt auf Dauer eine stabile Atmosphäre halten kann.
(Quelle: NewScientist, SuperWASP)

Konservativ = bildungsfern?


Okay, mit Politik habe ich nicht viel am Hut, vielleicht bin ich deswegen immer wieder so erstaunt, was konservative Politiker weltweit dazu bringt, sich mit voller Absicht als bildungsfern zu outen und ihr Unwissen öffentlich zur Schau zu stellen. Ist dies der plumpe Versuch sich "Joe dem Klempner" anzubiedern und ist das nicht eine Beleidigung des Klempnerhandwerks? In Amerika können wir gerade eine bizarre Debatte verfolgen: Der konservative Präsidentschaftskandidat John McCain äußerte sich wiederholt negativ über das Adler Planetarium in Chicago, denn dort bemüht man sich derzeit um die Finanzierung eines neuen Planetariumprojektors. Der momentan vorhandene Projektor ist schon seit über vierzig Jahren in Betrieb. Für McCain sind Planetarien aber sowieso "foolishness" - eine Narretei - und er versucht seinem Herausforderer Barack Obama nun Geldverschwendung unterzuschieben, da er angeblich das Planetarium unterstützt (was so auch gelogen ist). Nicht nur, dass McCain seine Bildungsferne dadurch zur Schau stellt, dass er den Planetariumsprojektor für einen Overhead-Projektor hält, er versucht tatsächlich bei den Wählern zu Punkten, in dem er diese naturwissenschaftlichen Bildungstempel für unnütz hält. Vielleicht, weil man dort lernen kann, dass die Dinosaurier schon vor 65 Million Jahren ausgestorben sind und nicht, wie seine Vizepräsidentschaftskandidatin Sarah Palin glaubt, vor 4000 Jahren. Wer von dieser Thematik noch nichts vernommen hat, findet einen schönen Einstieg im Blog bad astronomy: McCain's planetariophobia.

Über so viel Dummheit kann man sich nur wundern und man könnte das wieder unter "typisch blöde Amerikaner" abheften, hätten wir hier im Südwesten Deutschlands nicht selber eine konservative Landesregierung. Jan Hattenbach, der sich in seinem Blog Himmelslichter gegen die Lichtverschmutzung stark macht, zitiert in seinem Beitrag Petitionen und Anfragen - was dabei herauskam aus einem Brief der Landesregierung (genauer des Umweltministeriums):

"Die Frage einer möglichen Beeinträchtigung astronomischer Beobachtungen spielt bei der Zulassung von Außenbeleuchtungen keine Rolle."

Zumindest wir in Baden-Württemberg haben also keinen Grund, über McCain und Konsorten den Kopf zu schnütteln. Ein Land, das in Heidelberg eine traditionsreiche Landessternwarte unterhält hat so eine ignorante Landesregierung genauso wenig verdient, wie die Amerikaner einen John McCain. Die Chancen stehen diesmal gut, dass sich in Amerika die Vernunft durchsetzt - für Baden-Württemberg bin ich da viel pessimistischer.

Lesetipp: Der Kosmos ganz groß


Bildbände zur Astronomie sind mir ein Gräuel. Oft werden sie von Verlagen publiziert, die keinerlei Astronomiekompetenz haben, weil sie normalerweise irgendwelche Kunstfotobände produzieren. Das führt zu total lieblosen Übersetzungen von sowieso schlechten Texten. Das Format der Bildbände wird dem Universum und seinen Objekten oft nicht gerecht, dazu kommen viele angeschnittene Bilder von Planeten, über die dann oft noch die Schrift läuft (TODSÜNDE!!!). Nein, das Universum ist großartig und drunter sollte es ein Bildband nicht darstellen: Großes Format, mit großzügigen Bildern, in denen die Planeten frei in der Schwärze des Nichts schweben und dazu Texte, die Kennerschaft verraten und ein echter Gewinn sind - nicht nur Alibi-Bildunterschriften.

Warum ich das schreibe? Heute kam mir ein neuer Bildband auf den Schreibtisch, der mich wirklich mal beeindruckt: "Der Kosmos" von Giles Sparrow aus dem - nomen est omen - Kosmos-Verlag. Aufgeklappt misst der Bildband in etwa 43 auf 70 Zentimeter. Das ist groß genug, um das Auge über die Strukturen einer Galaxie wie M 51 oder den Gasfetzen des Vela-Supernova-Überrests wandern zu lassen. Planeten und Monde stehen voll und rund im Buch und nicht an den Rand gequetscht. Der Autor ist ein waschechter Astronom und erfahrener Sachbuchautor, nicht nur ein Redakteur oder Lektor, der Bilder zusammengesammelt hat und nun notdürftig um Bildunterschriften ringt. Giles Sparrows Beschreibungen sind sachlich, er ist wirklich um Wissensvermittlung bemüht. Naja, bis auf die Einführung. Es ist wohl ein ungeschriebenes Gesetz, dass Einleitungen zu Astronomie-Büchern immer hochpathetisch sein müssen, so nach dem Motto: "Der Mensch war schon immer fasziniert von den Sternen (blablabla) ..." Das mag ja stimmen, aber man stelle sich vor, Thomas Mann hätte jeden seiner Romane mit "Der Mensch war schon immer fasziniert von Geschichten ..." begonnen.
Egal, dieses Buch begeistert mich und wer meint, im Zeitalter des Internets braucht man keine Bildbände mehr, hat diesen noch nicht gesehen - schaut mal in der Buchhandlung Eures Vertrauens vorbei. Billig ist er nicht, aber es ist ja bald Weihnachten.
(Quelle: Science-Shop)

Leben auf der Erde?


Credits: ESA/VIRTIS/INAF-IASF/Obs. de Paris-LESIA

Ging es gestern noch um die Frage, ob es Leben auf der Sonne gibt, stelle ich heute die ebenso kuriose Frage nach dem Leben auf der Erde. Genauer: Wie könnte eine außerirdische Sonde Leben auf der Erde nachweisen? Außerirdische Sonden gibt es ja durchaus, zum Beispiel die europäische Sonde Venus-Express. Eigentlich ist sie dafür gedacht, unseren inneren Schwesterplaneten zu erforschen, doch inzwischen benutzen die Wissenschaftler das am Bord der Sonde befindliche Spektrometer VIRTIS auch, um regelmäßig zurück zur Erde zu schauen. Hintergrund ist, dass die weit entfernte Erde in VIRTIS als Punktquelle erscheint, genau so, wie weit entfernte Exoplaneten in zukünftigen Raumsonden, die zu deren Beobachtung geplant sind. Bei VIRTIS handelt es sich um ein Spektrometer im optischen und infraroten Wellenlängenbereich. Die Frage ist nun, wie man dem Spektrum einer Punktquelle ansehen kann, dass sie belebt ist - kann Venus-Express irdisches Leben "beweisen"?
Die Abbildung oben zeigt mehrere Spektren der Erde, die zu verschiedenen Zeiten von VIRTIS aufgenommen wurden - genau genommen zwischen April und August 2007. Das Licht stammt größtenteils von der Wolkenoberfläche und zeigt deutlich Spuren von Wasser und molekularen Sauerstoff. Aber das reicht den Wissenschaftlern noch nicht als Beweis: "Wir sehen Wasser und molekularen Sauerstoff in der Erdatmosphäre, doch diese Signaturen messen wir auch bei der Venus. Somit reicht es nicht aus, nur nach diesen Molekülen zu suchen", meint Giuseppe Piccioni, einer der beteiligten Wissenschaftler. Schließlich gilt die heiße Venus als lebensfeindlicher Ort.
Die Wissenschaftler müssen schon etwas subtiler vorgehen, zum Beispiel testen, ob es möglich ist, die Infrarotstrahlung des pflanzlichen Lebens auf der Erde nachzuweisen - wohlgemerkt von einer Sonde, welche die Venus umkreist. Ein anderer interessanter Aspekt ergibt sich daraus, dass VIRTIS die Erde über einen langen Zeitraum mehrmals im Monat beobachtet. Mit diesem Langzeitbeobachtungsprogramm können die Wissenschaftler testen, ob es möglich ist, zum Beispiel eine Verteilung der Landmasse gegenüber den Ozeanen festzustellen, die Erdrotation nachzuweisen oder auch ein Wettersystem.
Für das Leben auf der Erde wird es Gott sei Dank kaum eine Rolle spielen, ob sein Nachweis durch die VIRTIS-Wissenschaftler gelingt.
(Quelle: ESA)

Leben auf der Sonne?


Gestern hat der Internetdienst spaceweather.com nicht nur Polarlichter angekündigt, sondern auch eine neue Sonnenfleckengruppe. Die Natur der Sonnenflecken war lange Zeit umstritten. Galileo Galilei hielt sie für dunkle Wolken über der hellen Sonnenoberfläche. Den umgekehrten Weg ging Friedrich Wilhelm Herschel. In einer Arbeit, die er 1801 veröffentlichte, sah er in den Sonnenflecken Löcher in der leuchtenden Atmosphäre der Sonne. Diese Löcher erlauben den Blick auf eine von ihm vermutete kühlere Sonnenoberfläche. Die hier gezeigte Abbildung aus seiner Arbeit zeigt eine Sonnenfleckenzeichnung Herschels, deutlich mit Unterscheidung der dunklen Umbra und dem sie umgebenden helleren Bereich, der Penumbra. Die Skizze von der Seite zeigt, wie Herschel sich diesen Helligkeitsabfall mit dem stufenweise Verschwinden der Atmosphärenschicht erklärte. Durch den Helligkeitverlauf von Penumbra zu Umbra kann durchaus der Eindruck entstehen, man schaut in ein Loch hinein.
Auch wenn wir heute Sonnenflecken nicht mehr als Löcher interpretieren und keine feste Oberfläche der Sonne vermuten, so hat Herschels Arbeit doch Wichtiges hervorgebracht: Um Sonnenflecken beobachten zu können, experimentierte Herschel mit verschiedenen Filtern. Dabei stellte er fest, dass je nach Filterfarbe unterschiedlich viel Wärme durch das Teleskop gelang. Als Naturwissenschaftler vermutete Herschel hier einen Effekt und machte systematische Untersuchungen: Er lies das Licht durch ein Prisma, statt durch farbige Filter scheinen und maß die Temperatur der Lichtfarben. Das Thermometer zeigte im roten Bereich eine höhere Temperatur an, als im blauen Licht. Doch die eigentliche Überraschung war, dass jenseits des roten Lichts die Temperatur am größten war. So entdeckte Herschel im Jahr 1800 die Infrarotstrahlung.
Dieses Beispiel zeigt wunderbar, wie an der Front der Forschung Zufall, Systematik und Spekulation Hand in Hand gehen. Die Nachwelt entscheidet dann, was bleibt und macht daraus eine schnittige Wissenschaftsgeschichte, ohne sich an die wilden Spekulationen zu erinnern.

ALARM: Aurora Borealis


Der Internet-Dienst spaceweather.com gibt Polarlichtalarm: In dieser Nacht sollten besonders beeindruckende Polarlichter zu sehen sein.

Die hier gezeigte Aufnahme wurde von Sauli Koski aus Kittila, Finnland bei spaceweather.com hochgeladen. Weitere aktuelle Bilder von ihm finden sich hier.

Polarlichter entstehen durch die Wechselwirkung des Erdmagnetfelds mit dem Sonnenwind. Dabei handelt es sich um von der Sonne ausgehende Teilchenstrahlung, die im wesentlichen aus Protonen und Elektronen besteht. Durch das Erdmagnetfeld werden die energiereichen Elektronen auf Kreisbahnen geführt und in polare Richtung abgelenkt. Dort regen sie die Atome der Hochatmosphäre zum Leuchten an. Das grünliche Licht beispielsweise stammt von angeregten Sauerstoff-Atomen und hat eine Wellenläge von 558 Nanometer. Da der Sonnenwind zeitlich sehr variabel ist, gibt es nicht jede Nacht gleich stark ausgeprägte Polarlichterscheinungen.

Journalismus und Blogs: Ergänzung oder Verdrängung?

Die Bedeutung von Blogs für die Zukunft des Wissenschaftsjournalismus wird gerade ausführlich im Blog "Gute Stube" von Carsten Könnecker diskutiert: Blogger als Journalismusersatz?
Ich denke Wissenschaftsjournalismus ist da gerechtfertigt, wo er Journalismus ist. Mir gefällt der Vergleich, mit dem Auslandskorrespondenten, der für die Leser aus seinem Heimatland aus einem anderen Land berichtet. Gut, er sollte die Sprache beherrschen, aber letztlich bleibt er doch immer Ausländer. Daher glaube ich auch, dass es kontraproduktiv ist, wenn Wissenschaftsjournalisten selbst aus der Wissenschaftsszene kommen. Auch ist im Internet-Zeitalter das Aufhübschen von Pressemitteilungen einfach zu wenig, denn der interessierte Leser kann auf dieselben Quellen zugreifen, die ja auch immer weniger den Journalisten allein vorbehalten sind. Wenn Wissenschaftler bloggen, dann wird Wissen authentisch vermittelt und kann auch bei Bedarf sofort diskutiert werden. Sehr schön sieht man das, bei der Frage, für was eigentlich dieses Jahr der Nobelpreis für Physik vergeben wurde. Gut erklärt und diskutiert wird dies in der Blogosphäre, die Nachrichtenmagazine sind fachlich überfordert. Das ist nicht weiter schlimm, tragisch ist meines Erachtens, wenn Wissenschaftsjournalisten glauben, sie müssten solche Inhalte ebenso gut wiedergeben können, bzw. wenn sie dieses Selbstverständnis haben, dabei aber die eigentlich journalistisch viel spannendere Frage, warum der an der Entdeckung beteiligte italienische Physiker Nicola Cabibbo nicht geehrt wurde, vernachlässigen. Diese "Außenansicht" der Wissenschaft kann nur der Journalismus bieten. Wissenschaftsjournalisten kommen mir aber oft vor wie Don Quijotes beim Kampf gegen die Windmühlen. Sie kämpfen mit der sperrigen wissenschaftlichen Materie einen Kampf, den sie nicht gewinnen können und den auch niemanden wirklich interessiert.

Die Physik der Samurai


Wenn Nobelpreise vergeben werden, kramen die Wissenschaftsverlage hektisch in ihren Archiven, ob sich nicht was findet, was nun nachträglich nobelpreisgekrönt ist. Bei der Zeitschrift Spektrum der Wissenschaft hat man einen erstaunlichen Artikel ausgegraben, den ich nur empfehlen kann. Der frischgebackene Nobelpreisträger für Physik Yoichiro Nambu berichtet in der Mai Ausgabe aus dem Jahre 1999 dieser Zeitschrift über Japanische Physiker im Zweiten Weltkrieg Der Verlag stellt aus Anlass des Nobelpreises diesen Artikel online zur Verfügung.
Der Titel ist etwas eng gefasst, geht es doch nicht nur um den Zweiten Weltkrieg. Der noch nobelpreislose Physiker Nambu beschreibt, wie die Physik in Japan Einzug hielt, was erstaunlich spät war. Hier war tatsächlich der Krieg der Vater aller Dinge: Um den Anschluss in der Militärtechnik nicht zu verlieren, wurde die Physik zum Ende des 19. Jahrhunderts in Japan gezielt aufgebaut. Ausgerechnet der Zweite Weltkrieg brachte dann eine Generation von theoretischen Physikern hervor, die international beachtet und genobelpreist wurde. Warum sich gerade diese schlimme Zeit so positiv auswirkte weiß Nambu auch nicht, aber mir gefällt sehr seine Theorie, die er dazu hat: er meint, dass in den Kriegswirren der "traditionelle Stil feudaler Loyalität" an den Universitäten nicht mehr aufrecht erhalten werden konnte. So kamen die jungen Physiker endlich zur geistigen Entfaltung. Schade nur, dass es dazu eines Krieges bedurfte.

Merkur hoch aufgelöst



Wie angekündigt gibt es nun die ersten Bilder vom zweiten Merkur-Vorbeiflug der Raumsonde MESSENGER zu sehen: Erste Bilder

Die Aufnahme, die ich hier hochgeladen habe zeigt in der oberen Hälfe den Krater Polygnotus. Es handelt sich um eine Farbaufnahme mit der höchsten Auflösung, die bisher von der Merkuroberfläche gelang. Allerdings wurde dieser Bereich auch schon von der Raumsonde Mariner 10 erfasst, weshalb die Strukturen ja auch benannt sind.
Polygnotus hat einen Durchmesser von rund 130 Kilometer. Bei der Aufnahme war die Planetensonde 1800 Kilometer von der Oberfläche entfernt.
Die Weitwinkelkamera ist natürlich nicht das einzige Instrument an Bord von MESSENGER. Wie man sich den Überflug unter Einsatz der verschiedenen Instrumente vorstellen kann, zeigt die NASA in einer sehr schönen Animation: Die Zeitleiste zum zweiten Merkurüberflug

Feuerkugel über Sudan

Von wegen beschauliche Himmelsguckerei! Auch in der Astronomie können sich die Ereignisse überschlagen. So wurde erst gestern ein Asteroid entdeckt, der sich auf Kollisionskurs mit der Erde befindet. Das 2008 TC3 getaufte Objekt sollte heute früh um kurz vor fünf Uhr über dem Sudan in die Erdatmosphäre eindringen. Dabei entsteht eine sogenannte Feuerkugel (Bolid), eine sehr helle, gelegentlich auch mit Donner begleitete Leuchterscheinung, bei der der Asteroid unter Funkenschauer und Rauchschweif verglüht. Die größe des Asteroiden soll wenige Meter im Durchmesser betragen, es ist nicht damit zu rechnen, dass er den Ritt durch die Atmosphäre überlebt. Dies ist wohl das erste mal, dass das Auftreten solch einer Feuerkugel vorhergesagt werden konnte.
Das spannende Ereignis kann wunderbar auf dem Blog Astrodictum simplex nachvollzogen werden. Im Kommentarfeld berichtet Markus Griesser von der Sternwarte Eschenberg in Wnterthur, Schweiz, die ganze Nacht von dem Ereignis. Gut, dass es Leute gibt, die die Augen offen halten, während die meisten von uns schlafen, nichtahnend, was da gelegentlich auf uns zukommt.
Diese Animation, die indische Astronomen auf youtube zur Verfügung stellen, zeigt den Weg von 2008 TC3 durch unser Sonnensystem bis zum Treffen mit der Erde:

MESSENGER: Neue Nachrichten vom Merkur



Heute Morgen flog die amerikanische Planetensonde MESSENGER in nur 200 Kilometern Höhe an Merkur vorbei. Dies war die zweite Begegnung dieser Sonde mit dem innersten Planeten unseres Sonnensystems. Zu sehen gibt es allerdings noch nichts. Erst morgen, am 7. Oktober, wir die Sonde ihre Antenne auf die Erde richten, um die gewonnenen Daten und Aufnahmen zu senden. So gegen 14:00 Uhr unserer Zeit will die NASA auf der Internetseite
http://messenger.jhuapl.edu/mer_flyby2.html
erste Bilder veröffentlichen. Wenn alles klappt sollten zusammen mit dem ersten Vorbeiflug 95% der Merkuroberfläche erfasst sein. Die an der MESSENGER-Sonde beteiligte Wissenschaftlerin Louise M. Prockter verdeutlicht, worum es geht: "Dieser zweite Vorbeiflug wird uns völlig neue Gebiete Merkurs zeigen, die der Seite gegenüberliegen, an der wir zuerst vorbeigeflogen sind."
Die Vorbeiflüge der Planetensonde MESSENGER an Merkur gehören eigentlich noch zum komplizierten langjährigen Anflugmanöver, bei dem die Sonde durch die Gravitation Merkurs abgebremst wird und so allmählich auf dessen Umlaufbahn einschwenkt. Der erste Vorbeiflug war im Januar 2008, ein dritter ist für den 29. September 2009 geplant. Am 18 März 2011 schließlich soll MESSENGER in eine Umlaufbahn um Merkur einschwenken und so zum ersten künstlichen Merkur-Satelliten werden. Von MESSENGER werden wir also noch öfters hören.

Schimmelnde Kontinente - Lichtverschmutzung verkehrt

Die beliebte, von der NASA betriebene Internetseite Astronomy Picture of the Day zeigt täglich eine andere Sicht des Universums. In der heutigen Ausgabe geht der Blick allerdings nach unten. Ein Mosaik aus Satelliten-Aufnahmen zeigt die Erde bei Nacht. Es lohnt sich, dieses beeindruckende Bild im Großformat unter dem folgenden Link anzuschauen:
http://antwrp.gsfc.nasa.gov/apod/image/0810/earthlights2_dmsp_big.jpg
Wie wuchernder Schimmel frisst sich die Menschheit in die Kontinente hinein und hinterlässt ihre Lichtspur. Eine Lichtspur, die nichts anderes ist, als astronomiefeindliche Lichtverschmutzung von oben betrachtet.

Astrobiologie Gangsta-Style

Spätestens seit dem LHC-Rap gehen Sprechgesang und Wissenschaft Hand in Hand. Hier nun wieder ein besonders gelungenes Beispiel. Diesmal nicht zur Teilchenphysik, sondern zu dem nicht minder interessanten Fragekomplex um die Entstehung des Lebens und die Existenz von Außerirdischen.

Was solche Musikvideos letztlich bewirken kann ich nicht sagen, der Soundtrack für die moderne Wissenschaft scheint aber jedenfalls gefunden und die schnarrende Stephen-Hawking-Computerstimme gehört unbedingt dazu.

Apollo 13: Lost in Space



Jeder Mensch, der Wert auf Allgemeinbildung legt, kennt den Namen des Mannes, der als erster den Mond betrat: Neil Armstrong. So groß die öffentliche Aufmerksamkeit für diese historische Erstleistung war, so wenig interessierte sich das allgemeine Publikum für die weiteren Mondflüge des Projekts Apollo, obwohl die Leistungen der Astronauten nach Neil Armstrong keineswegs geringer waren. Dies änderte sich schlagartig mit der dritten geplanten Mondlandung: Apollo 13. Die perfekte und dadurch etwas langweilige NASA-Apollo-Maschinerie wurde mit einem lauten Knall aus der Bahn geworfen, die Astronauten James Lovell, Fred Haise und John Swigert drohten im All verloren zu gehen, das ständig mögliche Schicksal aller Astronauten wirklich zu erfahren: sterben ohne beerdigt zu werden, für immer tiefgefroren durch das Universum zu treiben. Die Vorgänge bei Apollo 13 zog plötzlich die gesamte öffentliche Aufmerksamkeit wieder auf die NASA und es ist eine gute Geschichte, die man bis heute gerne erzählt. Denn anders als bei Apollo 1, Challenger und Columbia ist es eine Geschichte mit Happy End, bei der todesmutige Männer mit Erfindungsreichtum und Durchhaltevermögen einmal um den Mond fliegen, nicht wissend, ob die Landekapsel für den Wiedereintritt in die Erdatmosphäre überhaupt noch funktioniert - und sie funktionierte.
Sehr schön, fast poetisch, erzählt Ulli Kulke auf Welt Online die Geschichte von Apollo 13 nach. Sein lesenswerter Artikel findet sich unter dem Link:
http://www.welt.de/wissenschaft/article2529332/Der-Horror-nicht-einmal-als-Leiche-zurueckzukehren.html

Sidereus Nuncius: Das Jahr der Astronomie


2009 ist das Jahr der Astronomie. Warum eigentlich gerade 2009? Vor vierhundert Jahren hat der italienische Mathematikprofessor Galileo Galilei als einer der ersten Gelehrten das Potenzial des neu erfundenen Teleskops für die Astronomie erkannt. Zwar war ihm auch der militärische Nutzen dieses Geräts beim damals allgemein üblichen Schiffeversenken bewusst und er hat es so erfolgreich seinen venezianischen Herren verkaufen können, doch er selbst richtete das optische Gerät lieber auf den Himmel. Galileis Beobachtungen führten zu qualitativ völlig neuen Daten, die in der Antike nicht bekannt waren. Er entdeckte, dass Mond und Sonne nicht perfekte Kugeln sind, sondern Strukturen auf ihren Oberflächen haben, er erkennt, dass die Milchstraße aus vielen Sternen besteht und dass der Saturn einen Ring besitzt, den er allerdings noch nicht als Ring auflösen kann. Besonders wichtig für die Herausbildung des heliozentrischen Weltbildes ist seine Entdeckung der Venus-Phasen und der vier großen Monde des Jupiter, heute Galileische Monde genannt. Im geozentrischen Weltbild kann die Venus nicht alle Phasen von Voll- bis Neuvenus durchlaufen und die Monde zeigen, dass die Erde nicht das einzige Kraftzentrum ist. Galileo Galilei weiß, dass seine Entdeckungen praktisch jedem gelingen können, der ein ordentliches Teleskop auf den Nachthimmel richtet und bringt daher seine Beobachtungen schnell zu Papier in Form des Büchleins Sidereus Nuncius. Dieses erscheint im März 1610 und begründet mit den darin enthaltenen neuen Beobachtungen und seiner Methodik die Astronomie, wie wir sie heute kennen.

Aus C wird S: Die Gründung der Weltraumbehörde NASA


Raketen und Überschallflugzeuge haben die Amerikaner natürlich auch schon vorher gebaut, doch der "Sputnik-Schock" zwang sie, die Raumfahrtaktivitäten zu bündeln, um den Vorsprung der Sowjetunion einzuholen. Am 1. Oktober vor 50 Jahren wurde so aus der Vorläuferbehörde National Advisory Council on Aeronautics (NACA) die Raumfahrtbehörde National Aeronautics and Space Administration (NASA) - "We had merely to paint over the "C" in NACA and replace it with an "S" on our airplanes, our trucks and vans," erinnert sich der Astronaut Neil Armstrong.
Zu ihrem 50-jährigen Jubiläum hält die Internetseite der NASA jede Menge Informationsmaterial bereit:
http://www.nasa.gov/50th/home/index.html
Wer einfach mal durch die Geschichte der NASA flanieren will, sollte sich die Flash-Animation unter dem Link http://www.nasa.gov/externalflash/50th/main.html anschauen. Auf diese Art durch die Geschichte der NASA zu gehen ist wirklich sehr unterhaltsam.

DIE ZEIT: Eine Panne jagt die Nächste


In einer Glosse (das ist so ein "ich darf jetzt auch mal motzen"-Format für grauhaarige Redakteure vermeintlich renommierter Medien) lässt sich Zeit-Redakteur Ulrich Schnabel über den Teilchenbeschleuniger LHC am CERN in Genf aus. Er wagt dabei die These, dass die Pannen am LHC doch PR-mäßig wunderbar seien, denn sonst würde sich ja laut Schnabel niemand für Teilchenphysik interessieren. Ist das schon schlimm, so sind die Leser-Beiträge zum Artikel beinahe schlimmer, teilweise zumindest. Es ist wirklich kaum auszuhalten, dass vor allem in solchen "intellektuellen" Formaten wie "Die Zeit" immer auf der W-Frage rumgeritten wird, sobald es um Wissenschaft geht: Was kostet das? Die Kosten für das CERN sind doch nun wirklich Peanuts verglichen mit den Sozialkosten, die in unserem Land der arbeiten Minderheit aufgeladen werden. Sollen wir wirklich an der Teilhabe an einem der größten Experimente verzichten, damit Hartz IV - Empfänger ein Jahr lang ein paar Euro mehr in der Tasche haben? Wie innovativ ist denn das? Abgesehen davon schafft das CERN ja auch Arbeitsplätze und zwar qualifizierte. Diese Art von Sozialtransfer ist mir tausendmal lieber. Wie naiv muss man eigentlich sein, um zu glauben, dass irgendeine Kita in Deutschland mehr entsteht, weil wir auf das CERN verzichten? Diesen Zusammenhang gibt es einfach nicht. Für dieses Geld werden dann halt Diäten erhöht oder Spitzensteuersätze gesenkt oder es wird in das riesige Schwarze Loch Sozialtransfer gepumpt.
Was die Kosten für Grundlagenforschung anbelangt: Man kann es sich eben nicht immer aussuchen. Es gibt wissenschaftliche Disziplinen, in den man mit wenig Geld viel erreichen kann und es gibt eben Forschungsbereiche, die gewisse Investitionen benötigen, um überhaupt stattfinden zu können. Man kann auch den Mars nur erforschen, wenn man hinfliegt. Wer dazu nicht bereit ist und das Geld lieber in Fragebögen der Soziologie steckt, kann eben keine Marsforschung betreiben. Man kann da leider keine Kompromisse machen. Entweder man ist dabei oder nicht.
Den Zeit-Artikel "Der Teilchen-Thriller" finde ich erschreckend niveaulos. Zu glauben, dass die Menschen sich nur für das CERN interessieren, weil irgendwas schief läuft zeigt doch wie wenig die Zeit-Redakteure von ihren Lesern halten. Es scheint doch eher so zu sein, dass Die Zeit nur über das CERN berichten will, wenn etwas schief läuft und dann die Frechheit hat zu behaupten, dass nur diese Nachrichten die Leser interessieren.
Hier gehts zur wahren Panne: http://www.zeit.de/2008/40/Glosse-1
(nur für Masochisten)